Skip to main content

Full text of "Zentralblatt für Kinderheilkunde - Monatsschrift für praktische Ärzte 12.1907"

See other formats


Google 


Über dieses Buch 

Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im 
Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. 

Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, 
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann 
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles 
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist. 

Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin¬ 
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat. 


Nutzungsrichtlinien 

Google ist stolz, mit Bibliotheken in partnerschaftlicher Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse 
zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nichtsdestotrotz ist diese 
Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch 
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. 

Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: 


+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese 
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden. 

+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen 
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen 
nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen 
unter Umständen helfen. 

+ Beibehaltung von Google-Markenelementen Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über 
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht. 

+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, 
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA 
öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist 
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig 
ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der 
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben. 


Über Google Buchsuche 


Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google 
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen. 
Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter http : //books . google . com durchsuchen. 










New York 

State College of Agriculture 
At Cornell University 
Ithaca, N, Y. 


iTiouiof 

wM 

IJfüuhO« CAüfino j, 

|i|lll5TTn^Ji)öIKirT»’ 























IBRARV 


CORNELL UNIVERSITY 


V 

r? - 

;&££ ' v * 





SA 



y 

i ^ 


L ■ 








Digitized by Google 


Digitized by Google 



Digitized by Google 



CENTRALBLATT 


FÜR 

KINDERHEILKUNDE 

EINE MONATSSCHRIFT FÜR PRAKTISCHE ÄRZTE. 


• HERAUSGEGEBEN 

VON 

DR. MED. EUGEN GRAETZER. 

PRAKT. ARZT IN FRIEDENAU-BERLIN. 


12. JAHRGANG 1907. 



LEIPZIG, 

VERLAG VON JOHANN AMBROSIUS BARTH 
1907. 


Digitized by Google 



■w 

/ 

jz:^- 

/./ 5 - 

/ 7 ,: 7 

142999 


Alle Rechte Vorbehalten. 


Druck von Metzger <6 Wittig In Leipzig. 


Digitized by Google 



Inhaltsverzeichnis des XII. Jahrganges, 


Originalien. . 

Fürst, L., Ober konzentriert« Nährmittel 77. 

— Neue Präparate zur Behandlung der Erythema und Ekzema intertrigo 347. 
Gabel, W., Zwei Fälle von Serumatosis (Serumkrankheit) 421. 

Ganz, K., Über den Wert des Sanatogens im Wochenbett 267. 

Hecker, Katalepsie bei kleinen Kindern 1. 

Hochsinger, C., Hydrozephalus und Spina bifida (Myelozystokele) bei hereditärer 
Lues 189. 

Kraus, E., Über Protylin „Roche“ und dessen Anwendung bei Kindern 7. 
Pels-Leusden, Über Sehnengesch will stehen bei Kindern 113. 

Nothmann, H., Pylorospasmus oder Pylorusstenose? 299. 

Trumpp, J., Ein diagnostisch interessanter Fall 223. 

Winocouroff, J., Ein Fall von Darm Verschluß durch Ascaris lumbricoides bei einem 
6 jährigen Mädchen 149. 


Beferate. 


Aalbersberg, Serumtherapie und Intubage bei Diphtherie 411. 

Abderhalden, E., Skrofulöse oder Tuberkulose oder eine sonstige Erkrankung des 
lymphatischen Systems? 44. 

— Die Einschränkung der Zahl der Kinder in ihrer Bedeutung für die Rassen¬ 
hygiene 316. 

Adler, Z., Über den Einfluß der Alkalien auf den Kalkumsatz beim Kinde 
166. 

Agricola, Über kongenitale epitheliale Bindehautxerosis 370. 

Alfaro, A., Lutte sociale contre le rachitisme et les dystrophies infantiles 400. 

Allaria, G. B., Über die Molekülkonzentration des Blutserums bei nephritischen 
und nicht nephritischen Kindern 385. 

Alt, F., Ein Beitrag zur operativen Behandlung der otogenen Fazialislähmung 
371. 


Altds, P., Behandlung der Milzbrandpustel 290. 

Anddrodias, J., Rückkehr der Milchsekretion nach langem Entwöhnen 165. 

Anthony, H. G., Scrofula 43. 

Armand-Delille, P. et Gendvrier, Un cas du tdtanos consecutif k des engelures 
uledrdes 377. 

Arrese, Drei Fälle von Incontinentia urinae, nach der Jaboulayschen Methode 
behandelt 874. 


Digitized by 


Google 



IV 


Inhaltsverzeichnis. 


Arteri, B. U., Kalter Abszeß der Zunge bei einem Kinde 410. 

Asburg,'C.TA., Fremdkörper im rechten Bronchus 124. 

Askanazy, Profuse Hämaturien und kolikartige Schmerzen bei Nephritis 13. 
d'Astros,“ Les oedämes chez le nouveau-n6 et le nourrisson 401. 

Auch6, Pemphigus hereditarius traumaticus simplex, Epidermolysis bullosa here- 
ditaria 284. 

Audeoud, M. H., Ein Fall von Purpura fulminans bei einem Kinde von 2 1 / 2 Jahren 
255. 

Aust, Schule und Infektionskrankheiten 246. 


Babes, A., Chronische zystische Synovitis der Sehnenscheiden des gemeinsamen 
Streckers der Finger und des eigenen Streckers des Zeigefingers 117. 
Bachmann, E., Zur Kasuistik des Chylothorax 59. 

Bade, P., Über das Zusammenwirken von Arzt und Schule in Krüppelheimen 
427. 

Baginsky, A., Über Meningitis cerebrospinalis pseudoepidemica 193. 

Ballin, L, Zur^Atologie und Klinik des Stridor inspiratorius congenitus 123. 
Barlow, H. W. L., Icterus malignus nach Scharlach 285. 

Basch, K., Beiträge zur Physiologie der Milchdrüse 163. 

Bauer, B., Kongenitale hereditäre Anomalie des Fingerskeletts 117. 
v. Baumgarten, Experimente über aszendierende Urogenitaltuberkulose 65. 
Baumstark, Bad Homburg und seine Indikationen in der Kinderpraxis 396. 

Beck, K., Akute postoperative Magendilatation im Kindesalter 386. 

Beitzke, H., Über den Weg der Tuberkelbazillen von der Mund- und Rachenhöhle 
zu den Lungen, mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse beim £inde 54. 
Belloc, L.. Infantiler Skorbut „forme fruste“ 156. 

Beneke, Über Bauchlunge und Hemia diaphragmatica spuria 27. 

Benjamin, E. u. Sluka, E., Über eine chronische, mit Ikterus einhergehende Erkran¬ 
kung des Blutes 429. 

Bennion, J. M., Ein Fall von adhäsiver Mediastino-Perikarditis 97. 

B6rard, IM-, Thyreotomie und multiple Larynxpapillome bei Kindern 121. 

Berghinz, G., Popstdiphtherische Leberzirrhose 16. 

Blriel, L., Ün cas de paralysie faciale obst^tricale spontan6e 376. 

Bernhardt, M., Zur Kenntnis der sogen, angeborenen Muskelschlaffheit, Muskel¬ 
schwäche (Myohypotonia, Myatonia congenita) 171. 

— Klinische Beobachtung eines Falles von Spina bifida lumbosacralis (Myelo- 
zystocele) 200. 

Bernheimer, Zur Behandlung der Gonoblennorrhoe 369. 

Bezangon, A., Conformations thoraciques chez les tuberculeux 332. 

Bickel, A., Masern und Appendizitis 391. 

Biegel, S., Ein Fall von Myositis ossificans progressiva multiplex 324. 

Binswanger, E., Über probatorische Tuberkulininjektionen bei Kindern 48. 

— Über die Frequenz der Tuberkulose im ersten Lebensalter 50. 

Bittorf, A., Zur Kasuistik der zerebralen Kinderpneumonie 102. 

Blau, Kasuistischer Beitrag zur Meningo-Encephalitis serosa 201. 

Bleibtreu, L., Scheinbare Makrochilie bei Hysterie 243. 

Bloch, C. E., Die angeborene Pylorusstenose und ihre Behandlung 31. 

Blumm, R., Intrauteriner Kindesschrei 199. 

Bticker, W., Über paralytische Luxationen der Hüfte, ihre Entstehung und Be¬ 
handlung 387. 

Böhm, Zur Kasuistik der inkarzerierten Zwerchfellhernie 26. 

— Kasuistische Mitteilung über einen Fall von Nasenstein 399. 

Bogen, H., Zur Kasuistik der kongenitalen Luxation der Patella 314. 

— Spasmophilie und Kalzium 426. 

Bokay, J., Nouvelle note sur le traitement local des ulc6rations du larynx 121. 
Borrino, A., Proteolytische Fermente im Säuglingsurin 355. 

Bose, Pneumonie franche d6butant par un acc6s de faux croup 126. 

Braendle, E., Über die Tuberkulose der Brustdrüse und die Dauerresultate ihrer 
operativen Behandlung 59. 

Brandweiner, A., Über Ichthyosis congenita 72. 

Braun, H., Über die willkürlichen Verrenkungen des Hüftgelenks 272. 


Digitized by 


Google 





Inhaltsverzeichnis. 


V 


Brezeanu, C. A., Das Spital und das Sanatorium für Tuberkulöse von Filaret 
379. 

Brieger, L. u. Krause, M., Neuer Beitrag zur Konzentrierung der Immunkörper im 
Diphtherieserum 428. 

Broca, A., Appendicites consdcutives aux entdrites de l’enfance 18. 

— Calcul vdnical chez un enfant de 4 ans 437. 

Brommer, G., Ein Fall von infantiler Pseudobulbärparalyse 248. 

Bruch, Phlegmon gangreneux du cou 281. 

— Toi Trance dtonnante du larynx d’un enfant pour un corps dtranger 282. 

Bruck, A, W., Beitrag zur Tuberkulose des Säuglingsalters 54. 

— u. Wedell, L., Stoffwechsel versuche bei keuchhustenkranken Kindern 229. 

Brüning, H., Zur Behandlung der Askaridiasis 35. 

— Weitere Erfahrungen mit dem amerikanischen Wurmsamenöl (Ol. Chenopodii 
anthelmintici) 152. 

Bruinsma, Zunahme im Körperbau der männlichen Bevölkerung in Holland 
260. 

Brunazzi, Spontanheilung des Empyem im Kindesalter 340. 

Buchan, A. H. u. M’Gibbon, 1., Ein Fall von kongenitaler Anämie mit Ikterus 
257. 

Buday, Zur Pathogenese der gangränösen Mund- und Rachenentzündungen 
196. 

Bull, P., Meningocele vertebralis mit Teratoma kombiniert 198. 

Burmeister, R., Ein Speiseröhrenschnitt 32. 

Burzagli, B., Ein einfaches und wirksames Mittel, um die mangelhafte Milchsekre¬ 
tion bei der Frau zu verbessern 258. 

Bystrow, P., Über die angeborene Trichterbrust 426. 

Calinescu, D., Vorschlag, um Bäder anschließend an allen ländlichen Schulen ein¬ 
zurichten 290. 

Calmette, A. et Guerin, C., Une nouvdlle methode de vaccination contre la tuber- 
culose 46. 

— et Breton, M., Danger de l’ingestion de bacilles tuberculeux tuds par la chaleur 55. 

Capuzzo, Z., Über einen neuen Reflex auf dem Fußrücken 170. 

— Über den Kalkgehalt der Zerebrospinalflüssigkeit beim kranken Kind 339. 

Carmelo, L., Rückkehr der Milch zum Zustand des Colostrums und Cytoprognose 

der Laktation 258. 

Cartonnet, A., Ataxie des muscles oculo-moteurs et paralysies oculaires dans un 
cas de tabes juvdnile 376. 

Castellani, A., Ascaris lumbricoides als Ursache einer Appendizitis. 

Cavazzani n. Brunazzi, Über die Ätiologie der Leberzirrhose im Kindesalter 16. 

Chaumet, E., Recherches sur la croissance des enfants des dcoles de Paris et des 
crdches-dispensaires et consultations externes des höpitaux 331. 

Cheesmann, W. S., Exstirpation eines 4 l / 2 Pfund schweren Hydronephroms bei 
einem 20 Monate alten Kinde 407. 

Citelli, S., Un caso molto raro di sordo emutismo per porpora emorragica 259. 

Clincia u. Popescu, V., Influenza kompliziert mit Lungengangrän und nachfolgendem 
Pyopneumothorax 126. 

Codivilla, A., Über die Behandlung des angeborenen Schiefhalses 363. 

Cohn, H., Tracheostenose und plötzlicher Tod durch Thymusschwellung 123. 

Cohn, S., Fall von Meningitis tuberculosa traumatica 365. 

Cohn, Adenoide Vegetationen und Schwerhörigkeit 369. 

Cohn-Kindborg, E., Über Heißlufttherapie bei Emphysem, chronische Bronchitis und 
Asthma bronchiale 125. 

Colombo, Die Solidarität der verschiedenen physikalischen Behandlungsmethoden 
bei einer rationellen Therapeutik 244. 

Comby, J., Etiologie de la tuberculose infantile 52. 

— Andurysme aortique rhumatismal chez une Alle de quatorze ans 118. 

— Trois nouveaux cas de scorbut infantile 158. 

— Nouveaux cas de mongolisme infantile 177. 

— Entdrites et appendicite chez les enfants 282. 

— Fidvre hystdrique chez l’enfant 328. 

Concetti, L., L’appendicite avec Symptomatologie ä gauche L27. 

Digitized by LjOOQ IC 



TI 


Inhaltsverzeichnis. 


Corkhitl, J. 6., Ein Fall von Meningitis basilaris posterior mit geringen zerebralen 
Symptomen 212. 

Cortds, A. B., Koprolith in der Rektalampulle eines Kindes von 11 Monaten 82. 
Cremer, Arsen und Sublimat bei Infektionskrankheiten 281. 

Cruchet, L u. Codet-Boisse . Atrophische Myopathie und Pseudohypertrophie im 
Kindesalter 172. 

v. Cybulski Th., Kalkstoffwechsel des tetaniekranken Säuglings 188. 

Czerny, A., Die Fermenttherapie nach Siegert 193. 

— Der unerwartete Tod bei Infektionskrankheiten 205. 


Daae, Ohrendiphtherie 246. 

Danziger, F., Über Vaccina generalisata 428. 

David, E., Le lymphatisme qu’on n’enovie pas au bord de la mer 330. 

Dehner, Fremdhörperextraktion aus der Bauchhöhle 81. 

Delcourt, A., Un cas de maladie de Raynaud 375. 

Ddldarde u. Petit, Ein Fall von Meningitis gemischt-infektiösen Ursprungs 210. 
Dervaux, Spina bifida ouvert, op6r6 le troisi^me jour apr6s la rupture, chez une 
petite fille de dix jours 93. 

Deutsch, E., Schutz der Kinder gegen Tuberkulose 45. 

— Über die Zirkumzision 88. 

— Über die Prostitution 289. 

— Über die sexuelle Aufklärung der Kinder 289. 

Dhdry, P., La tuberculose du pubis chez l’enfant 60. 

Dieterie, Th., Die Athyreosis, unter besonderer Berücksichtigung der dabei auf¬ 
tretenden Skelettveränderungen, sowie der differentialdiagnostisch vornehmlich 
in Betracht kommenden Störungen des Knochenwachstums 241. 

Dietrich, Demonstration einer Mißbildung (Paracephalus amelus marocardius hete- 
romorphus) 93. 

Djewitzki, Über die Geschwülste der Herzklappen 98. 

Doctor, A., Ammenvermittelung durch Ärzte und Institute 443. 

Doebert, A., Die pathologische Anatomie des Abdominaltyphus bei Erwachsenen 
und Kindern vom Standpunkt der gerichtlichen Medizin 319. 

Doilinger, G., Die Behandlung der tuberkulösen Knochen- und Gelenkserkran¬ 
kungen 62. 

Douglas, Influenza-Meningitis bei einem 10 Monate alten Kinde 286. 

Dreesmann, H., Saugbehandlung der eitrigen Pleuritis 131. 

Dreyer, Eine neue Pflanzendermatitis 69. 

— Über Skelettveränderungen und Frühkontrakturen bei Dystrophia musculorum 
progressiva 196. 

Duenas, J. L, Die Pyelitis des Säuglingsalters 374. 

Dufour, Behandlung der chronischen Pleuritis mit Punktion und Luftinjektion 
130. 

Dumas, Les inhalations d’oxygöne dans les bronchopneumonies infantiles 124. 
Dunbar, H. J., Akute infantile Intussusception 22. 

Dünn, C. H., The Reflexes of Dentition 170. 

Dupont, R., Tuberculose sacro-il4o-vertebrale. Absces ouvert dans le rectum 60. 
Dutoit, A., 42 Fälle von Augendiphtherie 326. 


Eckhardt, H., Untersuchungen an vegetarisch ernährten Kindern 166. 

Edlefsen, G., Über die medikamentöse und diätetische Behandlung des Blasen- 
und Nierenbeckenkatarrhs 11. 

Ehrhardt, 0., Über die diphtherische progrediente Hautphlegmone 362. 

Ehrmann, Zur Kasuistik der Vaginalatresie und ihrer Begleiterscheinungen 433. 
Ekstein, L., Über eine schwere, mit Masern komplizierte Keuchhustenepidemie 
436. 


Ellis, E., Pneumokokken-Peritonitis 286. 

Epstein, A., Über den blauen Kreuzfleck und andere mongoloide Erscheinungen 
bei europäischen Kindern 385. 

Eschweiler, Die Behandlung der Mastoiditis mit Stauungshyperämie nach Bier 
399. 


Ewald, P., Zur Ätiologie und Therapie der Klumphand 93. 

Digitized by 


Google 



Inhaltsverzeichnis. 


m 


Fage et Huget, Sur uh cas de rhumatisme cervical chez nn enfant 883. 

Fallas, A., ' Einige Fälle von Stenose des äußeren Gehdrganges 439. 

— Keloide des Ohrläppchens 439. 

Federici, Die akute Chininvergiftung bei Kindern 259. 

Fenouiliidre, E., Traitement de l’invagination aiguö chez l’enfant du premier äge 24. 

Fibiger, i. u. Jensen, C. 0., Über die Bedeutung der Milchinfektion für die Ent¬ 
stehung der primären Intestinaltuberkulose im Kindesalter 236. 

Fiedler, L., Zur Therapie der großen Nabelscbnurbrüche 95. 

Finder, G., Kehlkopfuntersuchung bei Kindern 122. 

Finizio, G., Über die Boseola scarlatinosa 155. 

— Einfluß der Diphtherieinfektion auf den N*Stoffwechsel beim erwachsenen und 
jugendlichen Tiere 340. 

Finkeistein, Ileus, hervorgerufen durch Anwesenheit des Me ekel sehen Divertikels 
443. 

Finsterer, J., Ein Beitrag zur Kasuistik und Therapie des Nabelschnurbruches 28. 

Fischer, B., Über ein malignes Chordom der Schädel-Rückgratshöhle 434. 

Fischer-Defoy, Ausgedehnte Magentuberkulose 60. 

Fischl, R., Les vomissements ac4ton4miques et rhyst4rie infantile 376. 

Flesch, A., u. Schossberger, A., Leukämische Blutveränderungen bei Lues congenita 
und Sepsis 357. 

Försterlingk, Über Wachstumsstörungen nach kurzdauernden Röntgenbestrahlungen 
312. 

Forbes, J. G., Tuberkulose der Tonsillen und Lymphdrüsen, zusammen mit konge¬ 
nitaler Bronchiektasie, Zirrhose der Leber und des Pankreas 59. 

Forsener, H., Über die pathologische Anatomie und Ätiologie der angeborenen 
Darm- und Ösophagusatresien nebst einer Studie über die früheste Entwicklung 
des Verdauungskanals 30. 

Fonchon-Lapeyrade, J., Contribution k l’4tude de la coxalgie par la radiographie 
332. 

Fouquet, Sur une forme rectiligne de spiroch4te pale. Sa signification. Son röle 
probable dans les 14sions tertiaires 210. 

Fox, T. C., Clinical notes 69. 

Fränkel, M., Ein Fall von Gicht bei einem 4 jährigen Kinde 234. 

Frey, G., Die Verwendung von Sublimatseide bei Sehnenplastiken 271. 

— Hämolysiert die Frauenmilch? 431. 

Fricker, E.. Über zwei Fälle von Darmeosinophilie 153. 

Friedjung, J. K., Über den Einfluß der Säuglingsernährung auf die körperliche 
Rüstigkeit der Erwachsenen, nebst Bemerkungen über Stilldauer 249. 

Friedmann, F. F., Experimentelle Beiträge zur Frage kongenitaler Tuberkelbazillen¬ 
übertragung und kongenitaler Tuberkulose 58. 

Froehlich, Tumeur congenitale de la grande 14vre droite 251. 

Frölich, Th., Über Pylorusstenose bei Säuglingen 81. 

Gabritschewsky, G., Über Streptokokkenerytheme und ihre Beziehungen zum Schar¬ 
lach 309. 

Galli, Epidemische Parotitis und Keuchhusten 288. 

Gallico, Wage und Thermometer in der pädiatrischen Praxis 411. 

Gaulejac, R. de, La s4cr4tion interne du testicule dans l’ectopie de cet Organe 91. 

Gerdes, Zur operativen Behandlung des muskulären Schiefhalses 241. 

Ghhilamila, J. D., Die Behandlung des pes varo-equinus beim Kinde 341. 

Giani, Neuer experimenteller Beitrag zur Enstehung der Cystitis cystica 87. 

Gillmore, R., Schleichende Nierenaffektionen bei kleinen Kindern 213. 

Gocht, H., Die Tenotomie der Kniebeugesehnen bei elektrischer Reizung der 
Muskeln 364. 

Gottstein, A., Zur Statistik der Totgeburten seit 200 Jahren 240. 

Grancher, La tuberculose ganglio-pulmonaire dans l’4cole parisienne 57. 

Le Gras, J., Troubles psychiques et forme mentale de la m4ningite tuberculeuse 
209. 

Grassmann, K., Über seltene Verlaufs weisen von Klappenfehlern 98. 

Graude, II riassorbimento del liquidio pleurico col massagio addominale 131. 

M’Gregor, Intussusception statistics and their story 21. 

Greig, D. M., On intussusception 22. 


Digitized by Google 



vm 


Inhaltsverzeichnis!. 


Grosglick, Ein Fall von Zertrümmerung eines Fremdkörpers in der Blase 88. 

Grossmann, E., Eine seltene Form der Spina bifida cystica (Myelomeningocele sacralis 
anterior) 191. 

Grösz, G., Über die Sachssche Idiotia amaurotiea familiaris 208. 

GUinon, Entdrites et appendicite cbez l’enfant 17. 

— Tdtanie k forme de tdtanos au ddbut de la fi6vre typhoide 137. 

— et Pater, Complications rdnales au cours de l’impdtigo et de l’dczdma impdti- 
gineux 68. 

-Deux cas de paralysie diphthdrique; action du serum de Roux 330. 

Guisez, Remarque k propos d’un sixteme cas d’extraction de corps dtrangers bron- 
chiques par la bronchoscopie supdrieure 124. 

Guyot, Infektiöse Mundbodenphlegmone. Angina Ludowici 212. 


Haase, H., Über eine Epidemie von hysterischem Laryngismus 123. 

Hagenbach-Burckhardt, E., Über zwei Fälle von Heilung von Narbenstrikturen des 
Ösophagus durch Thiosinamin 395. 

Haglund, P., Über Fraktur des Epiphysenkerns des Calcaneus, nebst allgemeinen 
Bemerkungen über einige ähnliche Knochenverletzungen 312. 

Hamburger, F., Biologische Untersuchungen über die Milchverdauung beim Säug¬ 
ling 351. 

— u. Speck, B., Untersuchungen über die Magenverdauung bei neugeborenen Brust¬ 
kindern 352. 

Hand, A. and Gittings, J. C., An Analysis of 145 Cases of Typhoid Fever in Children 
132. 

Hans, H., Primäre und sekundäre Ursachen des erschwerten Ddcanulements in der 
Serumzeit 277. 

Hansen, P. N., Die Behandlung der akuten Darminvagination bei Kindern 23. 

Harbitz, F., Aiute gelbe Leberatrophie von infektiösem Ursprung 17. 

Hartog, E., Ungewöhnliche Eutwicklungsdifferenzen von Zwillingen 432. 

Haudek, M., Über angeborene Klumphand ohne Defektbildung 95. 

Haynes, J. S., Angeborener Mangel des Wurmfortsatzes und eitrige Pelveoperito- 
nitis bei einem Knaben 440. 

Hecht, A. J., Zur Erklärung des Auftretens grüner Stühle beim Säugling 315. 

Heller, J., Zur Kasuistik seltener Nagelerkrankungen 203. 

Henkes, Zur Blutstillung nach Tonsillotomie 318. 444. 

Herescu, P., Über die traumatischen Strikturen der Urethra 87. 

Herzheimer, G., Über Zystenbildungen der Niere und abführenden Hamwege 15. 

Herzog, H., Über Trachealdiphtherie mit mehrfacher Neubildung von Pseudomem- 
Tjranen 308. 

Hess, B., Intussusception in Infancy and Childhood 21. 

Heymann, Ein Fall von vereiterter Vaginalzyste bei einem 12jährigen Mädchen 
239. 

Higier, H., Familiäre, paralytisch-amaurotische Idiotie und familiäre Kleinhirnataxie 
des Kindesalters 181. 

Hildebrandt, K., Zur Kenntnis der gliomatösen Neubildungen des Gehirns mit be¬ 
sonderer Berücksichtigung der ependymären Gliome 196. 

Hirschfeld, H., Über akute myeloide Leukämie 359. 

Hirschsprung, 107 Fälle von Darminvagination bei Kindern, behandelt im Königin 
Luisen-Kinderhospital in Kopenhagen während der Jahre 1871—1904 25. 

Hoffa, A., Über das Marmorek-Serum in der Therapie der chirurgischen Tuber¬ 
kulosen 47. 

Holt, E., Gonococcusinfektion bei Kindern mit besonderer Bezugnahme auf deren 
Vorkommen in Anstalten und die Mittel zur Verhütung derselben 232. 

Horand, A propos d’un cas de scarlatine chez un enfant de 6 ans, ainsi qne chez 
sa m£re accouchde depuis peu et nourrice 405. 

Horn, M., Über Rheumatismus nodosus im Kindesalter 118. 

HUbschmann, A., Ein Fall von Tetanus neonatorum mit Antitoxin behandelt 
291. 

Huismans, L., Ein Fall von Tay - Sachs scher familiärer amaurotischer Idiotie 
194. 

Hurd, De ralimentation des nourrissons par le lait de vache cru normal 162. 

Hutinel, Syphilitische Ulzerationen am Nabel hei Kindern 29. 


k 


Digitized by 


Google 



Inhaltsverzeichnis. 


IX 


iassny, S. J., Über die Behandlung von Scharlachnephritis mit Ol. Terebinthinae 
153. 

Jefimow, J. J., Eine Urinreaktion als neues diagnostisches Mittel bei der Helmin- 
thiasis des Menschen 152. 

Jesson, A. G., Nanisme et infantilisme cardiaque 98. 

Joseph, M., Heliotherapie zur Psoriasis 71. 

Jovane, A., Beitrag zum Studium der Oppenheimschen angeborenen Muskel- 
atonie 170. 

— Eine Blaumetbylenreaktion im Urin gesunder und kranker Kinder 258. 

— Klinischer Beitrag zur subkutanen Anwendung von Meerwasser in der Pädiatrie 
288. 

Junge, W., Ein Fall von Angiosarkom (Peritheliom) am Halse bei einem 7 Monate 
alten Kinde 247. 

Jurcil, F., Ein Fall von Hyperphalangie beider Daumen 117. 


Kahane, R , Beitrag zur Triebozephaliasis 327. 

Kalb, E., Über einen Fall von idiopathischer Herzhypertrophie bei einem 6 Monate 
alten Kinde 248. 

— 0., Ein Beitrag zum sogenannten Handgang infolge spinaler Kinderlähmung 
315. 

Kalt, A., Alkoholintoxikation bei einem Kinde infolge Inhalation von Alkohol¬ 
dämpfen 326. 

Kan, Fremdkörper (eine geöffnete Sicherheitsnadel) im Schluckdarm von einem 
Kinde von 11 Monaten 84. 

— Fremdkörper im rechten Bronchus, entfernt mit Hilfe des Bronchoskops 84. 

— Ein Kieselsteinchen im Bronchus des linken Oberlappens 85. 

Karehnke, RR., Kasuistischer Beitrag zu den Oberschenkelluxationen 431. 

Karpa, P., Zwei Fälle von Dünndarmatresie 243. 

Kasten, J., Zur Lehre der Hämoptoe im Säuglingsalter 56. 

Käthe, J., Das ätherische Öl im Knoblauch, ein neues, angeblich antituberkulöses 
Spezifikum 46. 

Kavacs, J., Was ergibt sich in bezug auf die Pathologie der Lungentuberkulose 
nach Bestimmung der Infektionswege bei Fütterungs- und Inhalationsversuchen? 
397. 

Keen, W., Schwere Verbrennung des Kopfes im Alter von 7 Monaten. Konsekutive 
Nekrose des ganzen knöchernen Schädeldaches 407. 

Keersmaecker, Die Behandlung der Urogenital tuberkulöse mit Tuberkulinpräpa¬ 
raten 65. 

Keimer, Ein Beitrag zur Frage der akuten Osteomyelitis der fiachen Schädel¬ 
knochen 386. 

Keller, A., Milch wirtschaftliches 354. 

— C., Die Nabelinfektion in der Säuglingssterblichkeit der Jahre 1904 und 1905 
nach den Aufzeichnungen des statistischen Amts der Stadt Berlin 366. 

Kelly, A. B., Die diffuse hyperplastische Laryngitis und Pharyngitis der angeborenen 
Syphilis 337. 

Kephallinös, N. A., Über das Westphalsche Phänomen bei kruppöser Pneumonie 
des Kindes 100. 


Kien, G., Die Masern in Straßburg, speziell an der Kinderklinik daselbst und die 
im Laufe der Epidemie von 1903/04 beobachteten Kombinationen von Masern 
mit Diphtherie und Scharlach 386. 

Kmicutt, F. P., A more Liberal Diet in Typhoid Fever 134. 

Kissi, Über die otitische Dyspepsie der Säuglinge 369. 

Klaussner, Zur Kasuistik der angeborenen Hernien der Linea alba 28. 

Kleinschmidt, P., Zur Behandlung ischämischer Muskelkontrakturen, zugleich ein 
Beitrag zur Pseudarthrosenheilung 235. , 

Klempner, S., Über bilaterale Athetose 278. 


Klose, H., Uber heterochthone Serumwirksamkeit und ihre postoperative Behand¬ 
lung bei deszendierender Diphtherie 355. 

Klotz, IN., Über Säuglingsernährung mit Hanfsuppe 426. 

Knox, R., Ein Fall von Aktinomyphose der Wange mit Jodkali behandelt 212. 
Koblancl^ Über Pemphigus neonatorum 72. 

Digitized by Google 



X 


I nh alte verzeichn is. 


Koellreutter, Zur Therapie der Larynxpapillome 122. 

— Die Schwerhörigkeit der Neugeborenen als reine Störung im schallzuleitenden 
Teile des Ohres 247. 

— Zur Behandlung der Kehlkopfpapillome 318. 

Konow, P., Hernia diaphragmatica 27. 

Korach, Über Früh- und Fehldiagnosen der akuten Perityphlitis 19. 
Korybut-Daszkiewicz, Epidemische Parotitis bei Kindern 379. 

Kostienko, Zur Therapie der Ruhr 409. 

Kraft, Fr., Beitrag zur Operabilität des Lymphosarkoms 322. 

Kramer, A., Zur Therapie des Scharlach spez. der septischen Formen 324. 

Krauss, R., Über die Dauerresultate der Omphalektomie bei Nabelbrüchen 29. 
Kreuzeder, R., Phlegmone als Komplikation von Varizellen 360. 

Krömer, P., Operative Heilung eines Auus anomalus vulvovestibularis bei einem 
Säugling 244. 

Kucera, Tracheobronchitis hervorgerufen durch den Mikrococcus catarrhalis 
126. 

KUhne, M., Über zwei Fälle kongenitaler Atresie des Ostium venosum dextrum 
270. 

Kuhn, Ph., Ern ähr ungs versuche mit holländischer Säuglingsnahrüng 317. 

Kumaris, J., Stich Verletzung der Bauch wand mit Darmprolaps 195. 


Labbd, M., Le role protecteur des ganglions lymphatiques 402. 

— Les dangers de la suralimentation habituelle 439. 

Läwen, A., Über die äußeren Fisteln bei angeborener Atresia ani s. recti und über 
die Darstellung des kongenital verschlossenen Rektums im Röntgenbild 312. 

Lafitte-Dupont u. Rocher, Obere Bronchoskopieextraktion eines Pflaumenkerns aus dem 
rechten Bronchus 85. 

Landsteiner, K., Darmverschluß durch eingedicktes Mekonium. Pankreatitis 20. 

Lange, Fr., Eine Verbesserung der künstlichen Sehnen 426. 

de Lange, C., Wie lange dauert die Inkubation bei Varizellen? 411. 

— Beitrag zur Kenntnis der sublingnalen Produktion 445. 

Langelaan, Katze mit kongenitaler Ataxie 289. 

Langstein, L., Über die Bedeutung des durch Essigsäure fällbaren Eiweißkörpers 
im Harn der Kinder 194. 

— Bemerkungen zur Diagnose und Behandlung der Cystitis und Pyelitis im 
Kindesalter 245. 

Lanz, Der ektopische Hoden 88. 

Laser, H., Über das Vorkommen von Schwerhörigkeit und deren Ursachen bei 
Schulkindern 234. 


Lauper, Behandlung des Schlüsselbeinbruches 326. 

Legrand, H., Les abscäs du foie chez l’enfant 15. 

Lehle, A., Ein Fall von Raynaud scher Krankheit im Säuglingsalter 203. 

Lemoine, G. H., Auscultation du sommet du poulon chez les jeunes soldats. Ano- 
malies respiratoires 438. 

Lendrop, 0.,. Über Buttermilch für Säuglinge 291. 

Lengefeld, Über Dermasanpräparate bei der Behandlung von Hautkrankheiten 71. 
Lermoyez, M., Comment nous garer de l’oz^ne? 403. 

Leroux, Ch., Pneumonie und Appendizitis 128. 

— R., Le torticolis d’origine otique 331. 

Lesieur, M., De la fi^vre typhoide exanth^matique chez l’adulte et des exanth&nes 
chez les typhiques 135. 

v. Lesseliers, Contribution ä lAtude du Lichen scrofulosorum 255. 

Levi, Über Conjunctivitis catarrhalis 433. 

Levi, L. u. de Rothschild, H., Corps thyroide et temperament 173. 
l^ewin, W., Zur Frage der Säuglingsernährung 160. 

Lezin, Beitrag zur Hämophilie 443. 

Lieblein, V., Lungenatelektase im Röntgenbild 85. 


Litlle, E. G., A contribution to the study of Urticaria pigmentosa 70. 
v. Loghem, Die ätiologische Diagnostik von Typhus und Paratyphus 445. 
Lomnitz, H., Über die Angina als Ausgangspunkt schwerer Erkrankungen l: 
Loränd, L., Zur Kenntnis der Echinokokkuszysten des Brustraumes 306. 

Digitized by Google 



Inhaltsverzeichnis. 


XI 


Lorey, Über Dilatation des Blasenendes eines Ureters mit zystenartiger Vor¬ 
wölbung in die Harnblase 87. 

Lortat-Jakob, L. et Vitry, 6., L6sions nervenses et tuberculose cavitaire chez le 
nourrisson 56. 

Lugaro, C., Der sporadische Kretinismus 176. 


Magnus-Alsleben , Zur Kenntnis der sogen, abnormen Sehnenfaden im Herzen 96. 

Manchot, C., Über einen neuen Vorschlag zur Phosphorernährung und Phosphor¬ 
therapie im Kindesalter 275. 

Manicatide, M., Über eine spezielle Form von typhösem Fieber 341. 

Mann, D., Beitrag zur Kasuistik der Lungenschwimmprobe. Partiell lufthaltige 
Lunge bei einem spontan totgeborenen Kinde 318. 

Marfan, Nouveau proc£d4 de detubage par expression digitale 252. 

— A. B. et Lemaire, H., Contribution k l’4tude des accidents sero-toxiques. 
L’eryth&me margin4 aberrant 377. 

Marinescu-Sadoveanu, Die Behandlung der Lungentuberkulose mittels subkutaner 
isotonischer Einspritzungen von Meerwasser 378. 

Mamoch, Cases of intussusception 21. 

Marshall, Hämaturie auf Natrium salicylicum in medizinaler Dosis 441. 

Mayer, A., Über das Vorkommen von Gallensäuren in der Frauenmilch 389. 

— u. Milchner, R., Über die topographische Perkussion des kindlichen Herzens 98. 

Mayet, H. et Bourganei, F., Hernie inguinale congenitale 4trangl6e, contenant un 

diverticule de Meckel, chez un pr4matur4 de six semaines 28. 

Maygrier, De la survie des pr4matur4s-n4s 376. 

Mc Kenzie, J., Ein Fall von Ureterstein und Sepsis 11. 

Megnier, E., Über die durch Abbrechen des Säugens in der Struktur der Brust¬ 
drüse bewirkten Veränderungen 165. 

Menabuoni, 6., Ein Fall von Symphysis pericardii mit sekundärer Anaemia splenica 
infantum 97. 

Menendez, A. M., Sieben Scharlachinfektionen bei einem Individuum 155. 

Mennacher, Th., Ein Fall von chronischer Lymphozytenleukämie bei einem 
11 monatigen Kinde 313. 

Meredith, Congenital hernia of the umbilical cord, with report of two cases 28. 

Merique, A., Intoxikation d’un enfant de 16 mois par le camphre 404. 

M4ry, H., Präsentation scolaire contre la tuberculose 45. 

v. Mettenheimer, H., Erfahrungen bei Mastdarmpolypen im Kindesalter 271. 

Meyer, L., Ein Fall von angeborener, einseitiger, isolierter Spaltbildung im oberen 
Augenlid 238. 

Michaelis, P., Das Himgewicht des Kindes 230. 

— Eine durch Fibrolysin geheilte Ösophagusstriktur 278. 

Michaud, L, Beitrag zur Kenntnis der kongenitalen idiopathischen Herzhyper¬ 
trophie 96. 

Miserocchi, Beitrag zur Pathologie der Morbillen 340. 

Modigliano, Über einen Fremdkörper in den Verdauungswegen eines 9 Monate 
alten Kindes 82. 

MOgilnicki, Laryngite aiguö intense Simulant le croup 282. 

Momburg, Zwei- und mehrfache Teilung der Sesambeine der großen Zehe 117. 

Moncorvo, Beitrag zum Studium der Schaudinnsehen Organismen bei hereditärer 
Syphilis 214. 

— Ein Fall von Thyreoiditis bei einem 2 monatlichen Kinde 260. 

Monges, J., De l’4pid4mie actuellö de Variole 284. 

Monnier, E., Über einen Fall von sogenannter Medianspalte 92. 

Monod, F., Behandlung der Angina 120. 

Moore, B. W. u. Warfield, L. M., Fetal Ichthyosis: report of a case with pathological 
changes in the thyreoid gland 71. 

Moro, E., Über Gesichtsreflexe bei Säuglingen 169. 

Morpurgo, B., Experimentelle Studien über Osteomalacie und Rachitis 338. 

Morrell, J. u. Wolf, H. E., Meningitis und Diphteriebazillen in der Zerebrospinal¬ 
flüssigkeit 213. 

Morse, J. L., Infantile Scorbutus 159. 

Mouriquand, G., Recherches sur le diagnostic de la bronchopneumonie tuberculeuse 


infantile 58. 


Digitized by 


Google 



XII 


Inhaltsverzeichnis. 


Müller, Fr., Morbns Brightii 14. 

Muir, J., Eight Generations of Haemopbilia in South Africa 335. 

Muls, G., Die Chlorretention bei der akuten Nephritis der Kinder 211. 


Näcke, P., Re Vakzinationserscheinungen nach Fieberattacken 276. 

Nastase, N., Zwei Fälle von Splenopneumonie bei Kindern 102. 

— Tuberkulöse Meningitis mit Polynukleose der zephalo-rachidianen Flüssigkeit 
290. 

Nazari, A., Die bronchiektatische Form der Masern-Bronchopneumonie und die 
chronische Brönchiektasie der Erwachsenen 441. 

Neisser, E. Erbliches Zittern 373. 

Netter, H., Bedeutung der Protargolsalbe für die Narbenbildung 390. 

Neumann, H., Die natürliche Säuglingsernährung in der ärztlichen Praxis 160. 

— Über unreine Herztöne im Kindesalter 197. 

— Irrtümliche Deutung eines physikalischen Brustbefundes bei Kindern 236. 
Neurath, R., Über eine pathologische Kopfhaltung bei der infantilen Hemiplegie 

207. . 

Nicolas, J. et Favre, M., Deux observations pour servir de contribution ä l’ötude 
clinique et histologique du Xeroderma pigmentosum 69. 

Nicolini, Heilung des typhösen Fiebers mit Schwefelblumen und Salzklysmen 
134. 

Niessner, E., Über ein neues Operationsverfahren bei Anus vulvovestibularis 
372. 

Nitsch, R., Bemerkungen über die Paste ursche Schutzimpfung 325. 

Ntiggerath, C. P., Bacillus coli immobilis capsulatus (Wilde) bei einem Fall von 
eitriger Meningitis cerebrospinalis 199. 


Offergeld, Zur Behandlung asphyktischer Neugeborener mit Sauerstoffinfusionen 
238. 

Ollendorff, Die Tränensackeiterung der Neugeborenen 369. 

Oppenheimer, Anwendung von Sonnenbädern bei Peritonitis tuberculosa 129. 

Oriola, Vorzeitige Dentition 342. 

Oshima, T., Über die am häufigsten in der Mundhöhle des Kindes normal vor¬ 
kommenden Bakterien und über die Veränderungen, die durch dieselben hervor¬ 
gerufen werden 120. 

— Zur Kasuistik der malignen Tumoren der Nierengegend im Kindesalter 
207. 

Oswaldo, Ein Fall von Eklampsie infolge von Askariden 82. 

Otto, R., Zur Frage der Serumüberempfindlichkeit 431. 


Paderstein, Ophthalmoplegische Migräne und periodische Okulomotoriuslähmung 
235. 

Pässler u. Heineke, Versuche zur Pathologie des Morbus Brightii 14. 

Päncr&l, Zwei Fälle von diphtherischer Paralyse mit Heilserum geheilt 443. 

Patry, E., Akute generalisierte Pneumokokkenperitonitis 129, 

Paulin, J., Über Tetanus neonatorum 291. 

Peck, H., Ein weiterer Versuch in der Behandlung der Pocken mit Rotlicht 406. 
Peiser, J., Wabenlunge im Säuglingsalter 354. 

— Über das habituelle Erbrechen der Säuglinge („Speikinder“) 389. 

Pels-Leusden, Über die Madelungsche Deformität der Hand 274. 

Pdraire, M., Mal de Pott gudri depuis trois ans et demie 377. 

Petit, G., Origine intestinale de l’anthracose pulmonaire 401. 

Petrini-Galatz, Contribution k l’6tude clinique et histopathologique de l’öpidermolyse 
bulleuse dystrophique et congenitale 255. 

Petrone, G. A. et Pagano, A., La fonction protrectrice du foie contre les substances 
toxiques intestinales 438. 

Pdzopoulos, N. et Cardamatis, i. P., Du paludisme congenital 253. 

Pexa, W., Heilung eines traumatischen Tetanus bei einem Kinde durch Serum¬ 
behandlung und infantiler Pseudotetanus 435. 

Pfeiffer, C., Über das Chlorom des Schädels, ein typisches Krankheitsbild 360. 

Digitized by Google 



Inhaltsverzeichnis. 


xm 


Pfister, R., Statistische Beiträge zur Frage nach der Verbreitung und Ätiologie 
der Rachitis 484. 

Philippson, P., Versuche über die Chlorausscheidung bei orthostatischer Albuminurie 
386. 

Philips, F., Dextriniertes und nichtdextriniertes Mehl in der Säuglingsnahrung 229. 

Piga, L, Die Anwendung von Pachiol bei der Behandlung der Gastroenteritis der 
Kinder 340. 

Pignero, G., Notes cliniques sur une 6pid6mie de rougeole 329. 

v. Pirquet, C., Die anodische Übererregbarkeit der Säuglinge 167. 

Plantenga, Amyotrophia spinalis diffusa familiaris 172. 

Poenaru-Caplescu, Zwei Fälle von Gefäßnaht 291. 

Pollak, R., Über paravertebrale und parasternale Perkussionsbefunde bei Pneu¬ 
monie 99. 

Polland, R., Lupus pernio 66. 

Ponfick, Über Morbus Brightii 14. 

Ponomareff, Winckelmanns radikale Hydrozelenoperation 443. 

Posner, C., Über angeborene Strikturen der Harnröhre 272. 

Posselt, A., Höchstgradiger septiko-pyämischer Scharlach 154. 

Potpeschnig, K., Ernährungsversuche an Säuglingen mit erwärmter Frauenmilch 
392. 

Prat, D., Zwei Fälle von Akkomodationslähmung infolge von Karbolintoxikation 
bei zwei an Hydatidenzysten der Leber operierten Kindern 442. 

Pregowski, Über schlaf befördernde Wirkung des vorgewärmten Bettes 244. 

Price, G. E., Ein ungewöhnliches Symptom der Chorea 440. 

Prinzing, F., Die Beziehungen zwischen Tuberkulose und Säuglingssterblichkeit 
unter statistischen Gesichtspunkten 49. 

Quest, R., Über den Einfluß der Ernährung auf die Erregbarkeit des Nerven¬ 
systems im Säuglingsalter 189. 


Rabetz, M. A., Entleerung von Askariden durch eine penetrierende Wunde der 
Bauchwand und des Dünndarms 83. 

Rachmaninow, Maligne Neubildungen der Niere bei Kindern 209. 

Ragaine, P., L’appendicite vermineuse 19. 

Raimann, E„ Die Behandlung der geistig Minderwertigen 435. 

Ranke, C., Über Gewebsveränderungen im Gehirn luetischer Neugeborener 196. 
Rankin, The Anatomy and Pathologie of Intestinal Obstruction 20. 

Rauschburg, P., Infantilismus auf vererbter, luetischer Grundlage 177. 

Rawling , L. B. , A case of sarcoma of the scapula in a child aged 4 years, with 
potes on sarcome in the bones of young children in general 441. 

Raymond, F., L'encöphalite aiguö 209. 

Reano, M., Allgemeine Anchylose 411. 

Rectenwald, J. J., A quarter removed after 219 days in the oesophagus of a child 34. 
Rehn, H., Weiterer Beitrag zur Charakteristik der Barlowschen Krankheit 156. 
433. 


— Über kindlichen Skorbut 158. 

Reimann, G., Meningitis cerebrospinalis-Heilung 208. 

Reinach, 0., Beiträge zur Röntgenoskopie von Knochenaffektionen hereditär 
luetischer Säuglinge 192. 

Reis, W., Primäre Tuberkulose der Conjunctiva bulbi 410. 

Remlinger, P., Les analyses d’urines typhiques envisag6es au point de vue de la 
propagation possible de la maladie 133. 

— Le bacille a’Eberth dans Tintestin des sujets sains. Consöquences cliniques 
et öpidemiologiques 133. 

Requeijo, Die Behandlung des Pemphigus acutus mit Finsenlicht; seine Über¬ 
tragung durch Flohstiche 72. 

Reunert, 0., Erstickungstod durch eine sequestrierte Bronchialdrüse 58. 

Rey, A. A« L’habitation. Hygiene de l’escalier 403. 

Richter, Über eine neue Parazentesennadel 435. 

Rivet, L, Remarques sur les courbes de poids et de temp£rature dans les gastro- 
entärites infantiles 250. 

Rob, J. W., Ein Fall von angeborener Pylorushypertrophie 32. 

Roddier, G. A., Les corps etranges de l’oesophage chez les enfants 35. 

Digitized by Google 



XIV 


Inhaltsverzeichnis. 


Rolly, Zur Kenntnis der durch das sogenannte Bact. paratyphi hervorgerufenen 
Erkrankungen 136. 

Rosenberg, L., Über Myatonia congenita 170. 

Rosenberger, F., Über ßuckerausscheidung im Urin bei kruppöser Pneumonie 101. 

Rossi, M., Tuberkulöse adenoide Vegetationen mit positivem Nachweis des Koch- 
sehen Bazillus 410. 

Rostowzew, M., Über das Epidemische der Perityphlitis und über die Beziehung 
desselben zu Grippen und den anderen Infektionskrankheiten 127. 

Roth, Ein Fall^von tödlicher Benzinvergiftung 396. 

Rothberg, 0., Über den Einfluß des organischen Nahrungskomponenten (Eiweiß, 
Fett, Kohlehydrate) auf den Kalkumsatz künstlich genährter Säuglinge 425. 

Runge, E., Beitrag zur Anatomie der Ovarien Neugeborener und Kinder vor der 
Pubertätszeit 239. 


Sachs, A., Muskeltransplantation bei Behandlung der Kinderlähmung 355. 

Sadger, J., Die Hydriatik des Krupp 306. 

Salge, B., Einige Bemerkungen über die Therapie der Skrofulöse 43. 

— Einige Bemerkungen über die Bedeutung der Frauenmilch in den ersten 
Lebenstagen 162. 

Schaffer, K., Beiträge zur Nosographie und Histopathologie der amaurotisch- 
paralytischen Idiotieformen 179. 

Schalenkamp, Ein Fall von Vergiftung mit dem Safte der Schoten von Cytisus 
Labumum 244. 

Schaps, L., Salz- und Zuckerinjektion beim Säugling 237. 

Schaum, H., Über einen Fall von Melaena, bedingt durch syphilitische Leber- 
cirrhose 320. 

Schick, B., Die Therapie des Scharlach 310. 

Schiff, E., Beiträge zur Chemie des Blutes der Neugeborenen 230. 

Schlossmaun, A., Über die Entstehung der Tuberkulose im frühen Kindesalter 50. 
u. Engel, Zur Frage der Entstehung der Lungentuberkulose 51*. 

Schmidt, A., Eine einfache Methode zur schmerzlosen Redression verschieden¬ 
artiger Deformitäten 63. 

Schneider, K., Thiosinamininjektionen bei Narbenstriktur des Ösophagus 32. 

Schoeneich, Hautemphysem bei einem Fall von Morbilli kompliziert mit Scharlach 
409. 

Schönholzer, Über Kryptorchismus 91. 

—* Ein retroperitoneales Teratom bei einem 2jährigen Knaben 898. 

Schorr, G. W., Über die angeborenen Geschwülste des Zahnfleisches bei Kindern 
und ihre Entstehung 196. 

Schourp u. Freund, Ein Fall von Mycocis fungoides mit Berücksichtigung der 
Röntgentherapie 70. 

v. Schröder, H., Zur Bronchoskopie bei Fremdkörpern 372. 

Schubert, G., Behandlung der Melaena neonatorum mit Gelatineinjektionen 199. 

Schuhmacher, G., Schwere, unter dem Bilde der Diphtherie verlaufene Strepto- 
kokkenkonjunktivitis nach Masern 430. 

Schultze, F., Zur Behandlung des Klumpfußes 427. 

Schwalbe, E., Über einen durch Operation gewonnenen Epigastrius parasiticus 
nebst Bemerkungen über die Bedeutung derartiger Mißbildungen für die Ent¬ 
wicklungsmechanik und allgemeine Biologie 92. 

Schweckendieck, Ein Fall von traumatischem Diabetes mellitus 246. 

Seebohm, Über Hb-Bestimmungen beim Gebrauch von Eisen- imd natürlichen 
CO,-haltigen Stahlbädem 318. 

Seefelder, Zur Prophylaxe der Blennorrhoe der Neugeborenen 248. 

Sehrt, Über die Askaridenerkrankung der Bauchhöhle 82. 

Seiler, Ein Fall von Othämatom ohne eruierbare Ursache 327. 

Seitz, Einige Bemerkungen zuOffergelds Aufsatz: Zur Behandlung asphyktischer 
Neugeborener mit Sauerstoffinfusionen 239. 

Sequeira, J. H., Extensive ringworm with ulceration of the umbilicus 67. 

— On cases of Hydroa aestivale of mild type: their relations ship with 
Hutchinsons „Summer Prurigo“ and with Hydroa vacciniforme of Bazin 67. 

Setti, G., Primärer, rasch zu Tode führender und eine Perityphlitis vortäuschender 
Psoasabszeß 127. 


Digitized by 


Google 



Inhaltsverzeichnis 


xy 


Sheldon, i. G., The Joint Affections of Hemophilia 257. 

Sicard, G., L’hydroc&e communicante tuberculeuse 250. 

Siebenmann, Ein musikalisches Kinderspielzeug als Fremdkörper in der Speise¬ 
röhre 83. 

Siegert, F., Die Fermenttherapie der Ernährungsstörungen des Säuglings 193. 

Silex, Zur Frage der operativen Behandlung des angeborenen Astigmatismus 
399. 

Silvestri, T., Der Kalkgehalt des Zentralnervensystems in seiner Beziehung zur 
Eklampsie, Tetanie und ähnlicher Zustände 166. 

Simmonds, M., Über Frühformen der Samenblasentuberkulose 64. 

Sinding-Larsen , Beitrag zum Studium der Behandlung der Hüftgelenkstuberkulose 
im Kindesalter 342. 

Sinzig, M., Ein Fall plötzlicher Heilung von akuter Nephritis nach Urämie 195. 

Sippel, A., Eine Serie mißbildeter Knaben von einem Eltempaar 92. 

Sitsen, Ein Fall von Vakzinegeneralisation 290. 

Sütler, P., Zur Dauer der Immunität nach Injektion von Diphtherieheilserum 
305. 

— Übertrag ;ung von Diphtherie durch dritte Personen 359. 

— Vergleichend-therapeutische Versuche bei Rachitis 394. 

Slatogorow, S., Über die Anwendung der Streptokokkenvakzine bei Scharlach 154. 

Smith, W., Kongenitale Syphilis mit ungewöhnlichen Symptomen 374. 

SOrensen, J., Darminvagination 24. 

Solly, R. V., Akute lymphatische Leukämie 256. 

Sommer, G., Über das psychische Weinen der Kinder in den ersten Lebens¬ 
wochen 317. 

Sorgente, P., Zwei Fälle von Oppenheims angeborener Muskelatonie 170. 

Sperk, B., Erfahrungen auf der Säuglingsabteilung der Universitäts-Kinderklinik 
in Wien 159. 

Spirt, E-, Die Behandlung der Hämoptoen mit Gelatine auf rektalem Wege 
341. 

Spolverini, M., Beitrag zum Studium der Ätiologie und Pathogenese der kindlichen 
Leberzirrhose 16. 

v. Starck, W., Zur Diagnose der Barlowsehen Krankheit 155. 

Steensma, Untersuchung der Fäzes auf Urobilin 444. 

Stein, A., Eine 3jährige Virgo 234. 

Stephanson, Eine durch hereditäre Syphilis bedingte Form von Amblyopie bei 
Üeinen Kindern 409. 

Stock, J., Ein Fall von Vagitus uterinus 199. 

v. Stockum, Ein Fall von Echinococcus der Lunge 445. 

Stoeltzner, W., Die Kindertetanie (Spasmophilie) als Kalziumvergiftung 167. 

Stoffel, A., Eine seltene Indikation zur Sehnenverpflanzung 388. 

Strassner, H., Zur Frage der Entstehung der Lungentuberkulose 431. 

Strauss, A., Resultate der Uviollichtbehandlung bei Hautkrankheiten 398. 

Sturmdorf, A., Hypertrophie Stenosis of the Pylorus 31. 

Suarez, L, Zysten der Blasenschleimhaut 86. 

Svehla, K., Über neue Symptome der Affektionen der Mastdarmschleimhaut, be¬ 
sonders über Fissurae ani mit Symptomen einer Coxitis 270. 

Swigthiewicz, J., Die Behandlung des Lupus vulgaris mit Eugallol 409. 

Sylla, Behandlung diphtherischer und blennorrhoischer Erkrankungen des Auges 
245. 

— Die Behandlung der skrofulösen Hornhautgeschwüre mit 50%iger Milchsäure¬ 
lösung 371. 


Takasu, K., Beiträge zur pathologischen Anatomie der Idiotie 280. 

Tchistowitsch, Die Blutplättchen bei den akuten Infektionskrankheiten 254. 
Teissier, P., L’ur6mie chez les tuberculeux 211. 

Theimer, K., Zur Verwendung der Nebennierenpräparate bei den Erkrankungen 
des Nasenrachenraumes 121. 

Thiemich, M., Anatomische Untersuchungen der Glandulae parathyreoideae bei der 
Tetanie der Kinder 137. 

Thomesco, N. et Gracoski, S., Le s6ro-diagnostic tuberculeux en g6n6ral et parti- 
culiörement chez les enfants 49. 


Digitized by 


Google 



XVI 


Inhaltsverzeichnis. 


Thomsen, 0., Die Bedeutung der Röntgenuntersuchung für die Diagnose latenter 
angeborener Syphilis bei dem Neugeborenen 214. 

Thyne, P. S., Intussusception 21. 

Tigges, Die Gefährdung der Nachkommenschaft durch Psychosen, Neurosen und 
verwandte # Zustände der Aszendenz 279. 

Tischler, H., Über die praktische Ausführung der kochsalzarmen Ernährung 12. 

Tisserand u. Truchet, Pleuritis purulenta posttyphosa, Bazillus Eberth in Rein¬ 
kultur. Zwei Probepunktionen; spontane Resorption, Heilung 181. 

Trischitta, Die Leukozyten im Mammasekret des Weibes und die Zytoprognose 
der Laktation 287. 

Troitzky, J. W., Über die soziale Bedeutung der Oophoritis bei Parotitis 341. 

Trolle, A., Hernia uteri 342. 

Tschernow, E. W., Ungewöhnlich umfangreicher „Dickdarm“ bei Kindern 305. 

Tuixans, J., Angeborener Nasenverschluß 92. 

Turnowski, Eigentümliche Kontraktionen nach Ablaktation 322. 


Uffenheimer, A., Ein neues Symptom bei latenter (und manifester) Tetanie des 
Kindesalters — das Tetaniegesicht 138. 

— Warum kommen die Kinder in der Schule nicht vorwärts? 397. 

Ullmann, E., Über meine Erfolge mit Dr. Marmoreks Antituberkuloseserum 47. 


Veau, V., Les fibro-sarcomes du cou extrapharyngiens 253. 

Venegas, J. D., Behandlung der Noma mit Jodinjektionen 215. 
v. Veress, Fr., Über Lupus vulgaris postexanthematicus 202. 

Vesco Dal, Beitrag zur Behandlung der Nabelschnurhernien 28. 

Veszprdmi, Beiträge zur Histologie der sogenannten „akuten Leukämie“ 242. 
Viannay, Ch. et Bourret, Ch., R6tr6cissement infranchissable de l’oesophage; gastro- 
stomie; cach6t6risme rätrograde; guörison 251. 

Vielliard et Le M6e, Obligation congenitale de l’oesophage 91. 

Vtfrner, H., Bemerkenswerter Fall von tuberkulösem Hautexanthem 66. 

Vogt, H., Studien über das Hirngewicht der Idioten 178. 

— Organgewicht von Idioten 179. 

Volland, Geburtsstörungen und Epilepsie 279. 

Vulpius, 0., Die Behandlung der tuberkulösen Coxitis im Kindesalter 61. 

— Mißerfolge der Sehnenüberpflanzung 359. 


Wagner v. Jauregg, 2. Bericht über Behandlung des endemischen Kretinismus mit 
Schilddrüsensubstanz 173. 

Wanowsky, Über seitliche Skoliosen bei Kindern im schulpflichtigen Alter 323. 
Wartmann, Th., Über gesteigertes Längenwachstum der Röhrenknochen jugend¬ 
licher Individuen im Anfangsstadium tuberkulöser Gelenkentzündungen 272. 
Weber, A., Über einen Fall von primärer Mundtuberkulose durch Infektion mit 


Perlsuchtbazillen 432. 

Weikard, Zur Kasuistik der Ptomainvergiftungen 392. 

Weil, P. E., L’hömostase chez les homophiles 436. 

Weill-Halld, B. u. Lemaire-Henri, Ein Fall von Laryngotyphus 135. 

Weinstein, A., Über eine seltene Mißbildung am Urogenitalapparat 90. 

Weiss, 6 ., A Remarkable Case of Precociousness 259. 

Weissenberg, S., Die Körperproportionen des Neugeborenen 232. 

Wennagel, E., Über die Beziehungen zwischen Krankheitsdauer und Alter der 
Darmläsionen beim Abdominaltyphus 135. 

—, P., Das Kernigsche Symptom und seine Bedeutung für die Meningitis 202. 
Wentwerth, A. H., A case of Acute Yellow Atrophie of the Liver in a Child Five 
Years Old 17. 

Wernstedt, W., Studien über die Natur der sogenannten angeborenen Pylorus¬ 
stenose 30. 

Werther, Die verschiedenen Behandlungsmethoden des Lupus vulgaris 67. 

West, Ein Fall von pseudorenaler Wassersucht 13. 

Wilczynski, Cytologische Untersuchungen der pleuritischen, peritonitischen Ex- und 
Transsudate, sowie des Liquor cerebrospinalis 129. 

Willard, D. F., Joint Diseases, Especially Those of Children 64. 

Digitized by Google 



Inhaltsverzeichnis. 


xvn 


Williams, A case of Lupus of vaccination area 287. 

— A case of Epidermolysis bullosa in which there was evidence of antenatal 
development of the condition 287. 

— Peliosis rheumatica 875. 

Winselmann, Erfahrungen aus der Praxis über Appendizitis 878. 

Wittek, A., Zur operativen Therapie der seitlichen Kniegelenksverkrümmungen 888. 

Wolff, H., Über Pathogenese und Therapie der Anaemia splenica infantum 809. 

Wright, Wm., Kindersterblichkeit und Ziegenmilch 257. 

— The influence of school closure in the control of spread of infections disease 
among children 405. 

Wunsch, M., Über einen angeborenen Bildungsfehler der Speiseröhre 817. 

Zangemeister, W., Über Malakoplakie der Harnblase 86. 

Zeleriski, Th., Über das Verhalten des „neutrophilen Blutbildes“ bei gesunden und 
kranken Säuglingen 323. 

Ziablow, H., Ein Fall von Verschlucken eines Nagels 85. 

Zuber, A. et Armand-Delllle, P., Du röle des Colonies de vacances dans la lutte 
contre la tuberculose 47. 

Zumsteeg, Über die primäre Diaphysentuberkulose langer Röhrenknochen 60. 


Aus Vereinen und Versammlungen. 

Brit. Med. Association, 74. Jahresversammlung 104. 

Gesellschaft, medizinische Basel 186. 

— Berliner medizinische 188. 

— Hufelandsche, in Berlin 294. 

— medizinische zu Chemnitz 418. 

— für innere Medizin und Nervenheilkunde, rheinisch-westfälische 108. 

— für Kinderheilkunde, holländische 75. 

— für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien 36. 78. 103. 140. 181. 215. 
260. 292. 344. 

Kinderschutzkongreß, I. ungarischer 142. 

Landesverein zu Budapest, hygienischer 881. 

Verein für öffentliche Gesundheitspflege, deutscher 106. 

— Altonaer ärztlicher 143. 

— biologische Abteilung des Hamburger ärztlichen 416. 

— naturhistorisch-medizinischer, Heidelberg 216. 

— rheinisch-westfälischer Augenärzte 445. 

Vereinigung rheinisch-westfälischer Kinderärzte 343. 379. 

Vereinigungen niederrheinisch-westfälischer und südwestdeutscher Kinderärzte 
gemeinsame Tagung 412. 

Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte 87. 446. 


Neue Bücher. 

Bade, P., Die angeborene Hüftgelenksverrenkung 298. 

Bendix, B., Lehrbuch der Kinderheilkunde 297. 

Bruns, L., Die Hysterie im Kindesalter 110. 

Calot, F„ Die Behandlung der angeborenen Hüftgelenks Verrenkung 73. 

Ellis, H„ Geschlechtstrieb und Schamgefühl 297. 

Gomperz, B., Pathologie und Therapie der Mittelohrentzündungen im Säuglings¬ 
alter 78. 

Hancock, H. J., Japanische Gymnastik für Kinder und Mädchen 111. 

Immolmann, 10 Jahre Orthopädie und Röntgenologie 110. 

CtntnlbL t Klnderhlkde . ZU. b 



xvm 


Inhaltsverzeichnis. 


Jankau Taschenbuch für Kinderärzte 451. 

Klapp, Funktionelle Behandlung der Skoliose 451. 

Lange, F., Die Behandlung der habituellen Skoliose 451. 

Monti, A., Kinderheilkunde in Einzeldarstellungen 73. 297. 

Rotsch, Pediatrics The Hygienic and medical Treatment of Children 298. 
Salge, B., Therapeutisches Taschenbuch für die Kinderpraxis 297. 

Schaffer u. Zieler, Deutscher Universitäts-Kalender 147. 

Stiller, B., Die asthenische Konstitutionskrankheit 450. 

Suckow, &, Leitfaden zur Errichtung von Kindermilchanstalten 110. 
Trumpp, J., Die ansteckenden Kinderkrankheiten 147. 

Zweig, W., Die Therapie der Magen- und Darmkrankheiten 147. 


Neue Dissertationen. 

111, 298, 451. 


Therapeutische Notizen. 

144, 219, 381, 452. 


Monatschronik. 

42, 76, 111, 148, 188, 222, 266, 346, 384, 456. 


Digitized by Google 




Central blatt für 

Kinderheilkunde. 

Eine Monatsschrift fttr praktische Arzte. 
XII. Jahrgang. 1. Januar 1907. No. 1. 


I. Originalbeiträge. 

Aus dem Gisela-Kinderspital München. 

Katalepsie bei kleinen Kindern. 

Von 

Privatdozent Dr. Hecker. 

Unter Katalepsie oder kataleptischer Starre begreifen wir einen 
Zustand von Muskelstarre, bei welchem die Extremitäten jede ihnen 
passiv gegebene Stellung längere Zeit beibehalten. Die Muskeln bieten 
einen gewissen nachgiebigen Widerstand dar, sie lassen sich biegen, 
ungefähr als ob sie Wachs wären („Flexibilitas cerea“); sie zeigen 
einen mittleren Grad von Tonus, eben jenen Grad, der notwendig ist, 
um die gegebene Stellung festzuhalten. Es gelingt dabei oft, durch¬ 
aus unnatürliche, bizarre und sehr unbequeme Stellungen zu erzielen. 
Die Fixierung der passiv gestellten Gliedmaßen dauert, wenn nicht 
Stunden, so doch viel länger an, als dies im normalen Zustande 
wegen der Einwirkung von Ermüdungsempfindungen geschehen würde. 
Sinkt das Glied allmählich zurück, dann bietet es nachher eine ge¬ 
wisse starre Unbeweglichkeit, meist in Extensionsstellung. 

Das Bewußtsein ist in der Regel nicht aufgehoben, doch ist 
meist unverkennbar eine gewisse psychische Hemmung, eine Art 
Traumzustand mit erhaltener Erinnerungsfähigkeit. Dieses Erhalten¬ 
bleiben des Bewußtseins ist nach 0. Binswanger 1 ) geradezu aus¬ 
schlaggebend für die unvermischte Form der Katalepsie. 

Bei Erwachsenen und älteren Kindern sind derartige Erschei¬ 
nungen wohl bekannt. Ich erinnere an die Fälle von Landau 2 ) und 
von Oswald Meyer 8 ) bei einem 11- und 8jährigen Mädchen. Sie 
befallen das Individuum sehr häufig ganz plötzlich in Form einer 
Attacke, und zwar gar nicht selten in direktem Anschluß an einen 
Affekt, einen Schreck usw. 

Sehr selten dagegen scheint die echte Katalepsie bei kleineren 
Kindern zu sein. Der Fall, den ich im folgenden wiedergebe, ist der 
erste, den ich zu beobachten Gelegenheit hatte. Auch die fast abso¬ 
lute Sterilität der Literatur über diese Affektion beweist ihre große 


q Die Hysterie. Wien 1904. 

2 ) Wiener Med. Presse. 1894. 35 u. 36 

3 ) Jahrbuch für Kinderheilkunde 62, 2. 
Centralbl. £. KinderbJkde. XII. 


Digitized by 


Google 





2 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


Seltenheit, v. Strümpell 1 ) erwähnt „beiläufig“, daß man zuweilen 
bei kleineren Kindern von etwa 1—2 Jahren, die an irgendwelchen 
Affektionen leiden, eine ziemlich ausgesprochene Katalepsie beobachten 
kann, welche wohl hauptsächlich mit einer gewissen Benommenheit 
oder manchmal mit einem durch eine fremde Umgebung hervor¬ 
gerufenen, gleichsam hypnotischen Zustand zusammenhängt. Henoch 2 ) 
erwähnt im Kapitel „Hysterie“ unter den Fällen, bei welchen psy¬ 
chische Symptome prävalieren, Zustände, die er mit dem Namen 
„Katalepsie“ belegt. Da hierbei aber nur von einem kurz dauernden 
Verlust des Bewußtseins mit starrem Blick oder von halb bewußten 
traumartigen Zuständen die Rede ist, von welchen die Kinder ganz 
unvermutet befallen werden, um nach wenigen Minuten wieder er¬ 
innerungslos in völliges Wohlbefinden zurückzukehren, so liegt der Ge¬ 
danke wohl mehr als nahe, daß es sich hier um epileptoide Anfälle oder 
Dämmerzustände, nicht aber um Katalepsie gehandelt hat. Nur aus¬ 
nahmsweise fand Henoch jene Steigerung des Muskeltonus, welche 
als „wachsartige Biegsamkeit der Glieder“ bekannt ist. 

Der einzige Autor, von dem meines Wissens zuverlässige Be¬ 
obachtungen bei kleinen Kindern vorliegen, ist A. Epstein. 3 ) Er 
berichtet aus seinem großen Material der Prager Findelanstalt 
von sieben selbst beobachteten Fällen im Alter von 18 Monaten 
bis 8 1 /, Jahren; alle waren in schlechtem Ernährungs- und Ent¬ 
wicklungszustand, die meisten kränkelten oder hatten eine schwere 
Krankheit überstanden. Die kataleptische Starre war durchschnittlich 
an den unteren Extremitäten deutlicher, als an den oberen; die durch 
Faradisation erhaltenen Stellungsänderungen wurden nach Aufhören 
des elektrischen Reizes beibehalten, Sensibilität und Schmerzempfindung 
waren herabgesetzt bzw. verlangsamt. 

Sämtliche Kinder zeigten eine gewisse geistige Zurückgeblieben¬ 
heit und eine Art psychischer Depression, waren jedoch durchaus 
nicht idiotische, sondern nur ungewöhnlich ruhige, teilnahms- und 
willenlose, geistig trägere Kinder, die oft stundenlang apatisch in 
ihren Bettchen lagen. Sämtliche Kinder zeigten ferner die Symptome 
hochgradiger und florider Rachitis. 

Bezüglich der Ätiologie dieser Fälle hält Epstein den Zusammen¬ 
hang mit Rachitis anolog der Spasmophilie für möglich, will aber 
die Frage noch offen lassen. Hysterie kommt seines Erachtens 
ebenso wie ein hypnotischer Zustand oder suggestive Beeinflussung 
nicht in Betracht. 

Die Krankengeschichte meines Falles ist auszugsweise folgende: 

Anamnese: 3 1 / % jähriger Knabe, jüngstes Kind gesunder Eltern, zwei voran¬ 
gegangene Frühgeburten, fünf Geschwister leben. Kind kam ausgetragen durch 
normale Geburt zur Welt Flaschenkind. Bekommt seit längerer Zeit „alles zu 
essen“. Gute häusliche Verhältnisse, Villa mit Garten. 

Bis vor einem Jahr immer gesund, dann „rote Flecke“ (Masern?!), woran 
vier Geschwister zugleich erkrankten, daran anschließend schwere Lungenentzün¬ 
dung. Seitdem kränkelt das Kind, und zwar leidet es an immer wiederkehrenden 
Durchfällen. Dabei wird der Leib mehr und mehr aufgetrieben, das Aussehen 


*) Spezielle Pathol. u. Therap. 5. Aufl. 

*) Vorlesungen über Kinderkrankheiten. 11. Aufl. 1903. 

8 ) Über katalept. Erscheinungen bei rachitischen Kindern. Verh. d. Gesell¬ 
schaft f. Kinderheilk. Frankfurt 1896. 


Digitized by Google 



I. Originalbeiträge. 


3 


immer blässer. Seit etwa einem Jahre hat das Kind die Gewohnheit, häufig 
während des Schlafes den Kopf hin und her zu drehen. 

Die Untersuchung ergibt am 16. September ein schwächliches, ziemlich 
abgemagertes Kind von sehr blasser Hautfarbe. Der Knabe schreit während 
der Untersuchung und auch in der übrigen Zeit fast ununterbrochen laut und 
eintönig vor sich hin, liegt aber im übrigen bewegungs- und teil¬ 
nahmslos in seinem Bett. Er macht einen etwas benommenen Eindruck, 
wenngleich er laut gegebenen Aufforderungen (z. B. die Hand zu geben) langsam 
nachkommt. 

Häufig wirft er minutenlang den Kopf hin und her, wobei er dann 
zuweilen besonders laut schreit. Nystagmus ist nicht vorhanden, vielmehr stehen 
die Augen meist direkt fron talwärts oder auch direkt nach unten gerichtet. 



Ausgesprochene Rachitis ist nicht zu konstatieren, jedenfalls keine floride. 
Der Schädel hinten stark abgeflacht, der Thorax etwas flach, die Knochen aber 
überall hart ohne Verbiegungen und Auftreibungen. 

Halsdrüsen und Supraclaviculardrüsen leicht vergrößert. 

Herz zeigt normale Dämpfungsgrenzen, reine Töne. 

Lungen frei. 

Auf dem oberen Sternum deutliche Dämpfung, die besonders nach rechts 
das Brustbein überragt. 

Abdomen stark aufgetrieben, Haut gespannt und dünn. Keine freie Flüssig¬ 
keit nachzuweisen. Colon transversum und Dünndarmschlingen treten deutlich vor. 

Leber und Milz leicht vergrößert. 

Urin: Eiweiß 0, Zucker 0, Indican +. 

Der Knabe verweigert jegliche Nahrungsaufnahme. 

Ein in der folgenden Nacht eintretender Kollaps mit Sinken der Temperatur 
auf 34° und des sehr unregelmäßigen Pulses auf 60 wird durch warme Appli¬ 
kationen und Kampferinjektionen behoben. 

17. September: Durch Einlauf wird reichlicher, brauner, zum Teil geformter, 
stinkender Stuhl entleert. 

Der Knabe nimmt heute Milchgries und Pflaumenmus sehr gerne an. Bleibt 
im übrigen apatisch, schreit viel in der eintönigen starren Weise und 
wirft häufig den Kopf hin und her. Eine vorgenommene Röntgendurch¬ 
leuchtung ergibt keinen Anhaltspunkt für eine Vergrößerung oder Verkäsung von 
Mesenterialdrüsen; dagegen zeigt sich über dem Manubrium sterni ein nicht sehr 
intensiver Schatten, der seiner Lage nach auf eine vergrößerte Thymus bezogen 
werden muß. Nahrung wird abends wieder verweigert. 

18. September: Verhalten des Kindes noch unverändert, andauernde miß- 


1 * 


Digitized by 


Google 












4 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


mutige und unnahbare Stimmung; unbewegliches, teilnahmsloses Daliegen, 
starrer Blick, dazwischen wieder heftiges Herumwerfen des Kopfes. 

Deutliche Zeichen kataleptischer Starre: Jede Stellung, die man den Ex¬ 
tremitäten gibt, ja überhaupt jede Lage, in die man den Körper bringt, 
wird lange Zeit unveränderlich festgehalten. Die Erscheinung ist an 
den oberen Extremitäten in gleicher Weise ausgesprochen, wie an den unteren; 
jede Drehung des Kopfes wird fixiert. Die Muskeln sind dabei von einer 
gewissen festweichen Konsistenz und bei passiven Bewegungen fühlt man 
einen eigentümlichen weichen Widerstand. Entfernt man sich von dem Kinde, 
so werden die künstlich erzeugten Stellungen lang (jedenfalls 5—10 Min. lang) 
beibehalten, bis dann die Gliedmaßen langsam absinken. Die Arme liegen als¬ 
dann ruhig neben dem Rumpf, die Finger in halber Beugestellung, die unteren 
Extremitäten sind vollkommen gestreckt, adduziert, die Füße stark volarflektiert, 
ebenso die Zehen. 

Die Sensibilität ist erhalten, aber deutlich verlangsamt, auf Nadelstiche 
reagiert das Kind verspätet und mit einer trägen Fluchtbewegung. 

Die Pupillen sind gleich weit und reagieren auf Lichteinfall sehr träge. 
Patellarreflexe beiderseits erhalten. Mechanische Muskelerregbarkeit nicht erhöht. 
Chvostek und Trousseau negativ. 

Auffallend ist, daß nach strikte gegebenen Befehlen das Bein oder 
der Arm aktiv erhoben bzw. das passiv erhobene Glied aktiv gesenkt, ebenso 
die Zunge herausgestreckt und wieder eingezogen wird. Alle diese Bewegungen 
geschehen träge und langsam. Glaubt sich das Kind vollkommen unbe¬ 
obachtet, dann tritt es aus seiner Bewegungslosigkeit und Apathie 
heraus und unterhält sich mit seinem Bettnachbarn, spielt auch gelegentlich. 
Sobald aber jemand herantritt, läßt es Kopf und Körper wieder sinken, sieht be¬ 
wegungslos vor sich hin und verfällt in seinen starren Zustand. 

Die Nahrungsaufnahme ist jetzt regelmäßig, Stuhl wird nur auf Einlauf er¬ 
halten. 

In dieser Weise bleibt das Befinden unverändert, bis vom 21. September 
ab sich eine Besserung des psychischen Zustandes geltend macht, die bis 
zum Schlüsse des Spitalaufenthaltes anhält. Das Kind ist andauernd vergnügt, 
zutraulich, hat guten Appetit. 

22. September: Der kataleptische Zustand besteht fort. Das Kind 
ist sehr suggestibel, schläft auf Kommando sofort ein usw. Die Wackel- 
bewegungen des Kopfes werden seltener und weniger ausgiebig ausgeführt. 

29. September: Seit mehreren Tagen kein Hin- und Herwerfen des Kopfes 
mehr. Der kataleptische Zustand zeigt deutliche Besserung insofern, 
als die passiv gestellten Glieder nur mehr ganz kurz die gegebene 
Stellung beibehalten. 

12. Oktober: Allgemeinbefinden sehr gut. Stuhl regelmäßig, Leib noch auf¬ 
getrieben. Ein eigentlich kataleptischer Zustand nicht mehr zu konstatieren. Die 
passiv emporgehobenen Extremitäten werden noch ganz kurz in der 
gegebenen Stellung gehalten, fallen aber dann, wenn auch noch 
etwas träge, in die Ruhelage zurück. 

15. Oktober: Nachdem es durch zweckentsprechende vegetarische Diät, 
warme Applikationen, Umschläge usw. gelungen war, regelmäßig spontanen Stuhl 
zu erzielen und nachdem auch keine nervösen Störungen mehr vorhanden 
sind, wird das Kind entlassen. Der Allgemeinzustand ist allerdings noch immer 
nicht glänzend. Das Kind ist blaß und hat nach wie vor seinen tympanitisch 
aufgetriebenen Leib. 

Herr Kollege Dr. Th. Ziegler in Ulm, welcher seinerzeit das Kind dem 
Spital überwiesen hatte, gibt mir am 10. November in liebenswürdigster Weise 
noch einmal Bericht über das Kind. 

Danach konnten zu dieser Zeit kataleptische Erscheinungen nicht 
mehr konstatiert werden. Wurde unvermutet also z. B. während des Aus- 
kultierens ein Arm gehoben oder ein Bein in eine andere Stellung gebracht, so 
wurde prompt die ursprüngliche Lage wieder hergestellt; erst nachdem diese 
Versuche einige Male wiederholt wurden, wurden die Extremitäten in der neuen 
Stellung gelassen oder doch diese zu halten versucht, stets aber nur einige Augen¬ 
blicke. Das Befinden des Kindes im übrigen sei ein gutes, insbesondere habe es 
keine Durchfälle und keine Verstopfung mehr. 


Digitized by 


Google 



I. Originalbeiträge. 


5 


Wir haben es mit einem Kind zu tun, das wegen einer chronischen 
Darmstörung aufgenommen wird und bei dem sich als Nebenbefund 
Spasmus nutans und echte Katalepsie ergibt. Über die Natur 
der Darmstörung konnte keine Klarheit erzielt werden, da außer der 
Tympanie kein Zeichen einer organischen Erkrankung konstatiert 
wurde. Als wahrscheinlich wurde chronische Peritonitis non tuber- 
culosa angenommen. Die Nickkrämpfe müssen, trotzdem Nystagmus 
fehlte, doch in Hinblick auf die ganze Art ihres Auftretens und auf 
die mehrfach beobachtete Zwangsblickrichtung als Spasmus nutans 
bezeichnet werden. 

Die Katalepsie wies alle eingangs beschriebenen Attribute auf. 
Nur sie interessiert uns hier. Die Atfektion ist in erster Linie eine 
Lähmung des Willens. Das Kind ist nicht imstande, durch einen 
gewöhnlichen Willensimpuls seinen Gliedern eine andere Lage als 
die ihnen passiv gegebene zu verleihen. Es fehlt keinesfalls die 
Fähigkeit, irgendeine dazu nötige Bewegung wirklich auszuführen; 
es mangelt nur der Wille. Erfährt dieser eine Stärkung durch eine 
dahingehende Verbalsuggestion, eine laute Aufforderung, dann bringt 
das Kind sehr wohl sein Beinchen oder Ärmchen, wenn auch zögernd, 
aktiv in die Ruhelage zurück. 

Es ist ein deutlich psychogener Vorgang, der sich hier abspielt. 
Recht eklatant offenbart sich dies durch das Verhalten des Kindes, 
sowie es unbeobachtet ist. Dann richtet es sich auf, hält sich am 
Bette fest, spricht mit seinem Nachbar, spielt. Erst wenn der Arzt 
oder die Schwester ihm bemerkbar werden, verfällt das Kind wieder 
in seinen starren Zustand. Diese Starre wird also gleichsam immer 
wieder aufs neue ausgelöst durch den Anblick der fremden Personen. 

Eine derartige Hemmung im Gebiete der Willenssphäre kann 
man ungezwungen auch als erhöhte Impressionabilität, als gesteigerte 
Suggestibilität auffassen. Das passive Erheben des Beines durch 
den Arzt, das Verbringen einer Extremität in irgendeine Stellung 
wirkt wie eine Art von Aufforderung, das Bein, die Extremität in 
der so bezeichneten Lage zu halten. 

Auch beim gesunden Kind ist der Vorgang der Katalepsie, d. h. 
die Fixierung von Gliedmaßen in der ihnen passiv gegebenen Stellung, 
zu erzielen, sofern diese Stellung nicht durch entgegengesetzte Willens¬ 
strebungen aufgehoben wird. Dies ist wohl sehr häufig, aber durchaus 
nicht immer der Fall. Die Erfahrung ist eine alltägliche, daß Kinder, 
wenn sie untersucht werden, eine ihnen vom Arzt gegebene Haltung 
oder Stellung ruhig eine Zeitlang beibehalten. Gegensätzliche Willens¬ 
strebungen können auch bei Kindern bis zu einem gewissen Grade 
durch einen deutlichen Befehl oder im hypnotischen Zustand, also 
durch Suggestion, überwunden werden. 

Dasselbe ist der Fall, wenn die Suggestion zwar schwach, aber, 
wie in unserem Falle, die gegensätzlichen Willensstrebungen redu¬ 
ziert sind. Hier wirkt die mit dem passiven Erheben des Beines 
gegebene schwache Aufforderung (das Bein in der gegebenen Lage zu 
halten) wie eine Suggestion. 

Auf den psychogenen Ursprung des Leidens weist auch die Tat¬ 
sache hin, daß von einem kataleptischen Zustand vor dem Eintritt 


Digitized by 


Google 



6 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


ins Spital ganz und gar nichts bekannt war, was der Beobachtung 
des Kollegen, der das Kind überwies, sicher nicht entgangen wäre. 
Die Aufnahme ins Spital, die ungewohnte Umgebung, die fremden 
Menschen sind dem Kinde von Grund aus unsympathisch. Sie er¬ 
zeugen in ihm offenbar tiefgehende Unlustgefühle, Gefühle vielleicht 
von Angst und Schrecken, welche seine ganze Psyche hemmend be¬ 
einflussen und schließlich in einer fast völligen Willenslähmung ihren 
Ausdruck finden. Die Herabsetzung und Verlangsamung der Sensi¬ 
bilität, die Nahrungsverweigerung sind regelmäßige Begleitsymptome 
solcher Erscheinungen. Mit der allmählichen Gewöhnung an die Um¬ 
gebung schwinden auch nach und nach alle die nervösen Manifesta¬ 
tionen. Zuerst nimmt das Kind wieder Nahrung, dann wird es zu¬ 
traulicher und nach und nach baut sich auch gleichzeitig mit dem 
Schwinden der Nickkrämpfe der ganze kataleptische Zustand wieder ab. 

Mit der Annahme eines psychogenen Ursprungs erledigt sich auch 
die Frage nach der ätiologischen Rolle der Darmstörung. 

Nachdem diese mir anfangs als ursächliches Moment (Autointoxi¬ 
kation vom Darmkanal aus) vorschwebte, glaube ich doch, daß sie 
direkt nicht weiter in Betracht kommen kann. Sie bestand ja schon 
lange vorher, ohne daß es zu ähnlichen Symptomen gekommen wäre. 
Möglich, daß sie ursprünglich die Basis für die Entwicklung eines 
neuropathischen Zustandes gebildet hat, als dessen Ausdruck einer¬ 
seits der Spasmus nutans, andererseits die Katalepsie auftreten. Mög¬ 
lich aber auch, daß das Darmleiden nichts anderes ist, als ein*'Syn¬ 
drom jenes pathologischen Nervenzustandes, gleichwertig dem Nick¬ 
krampfe und der Katalepsie. 

Dafür spräche auch der Umstand, daß das Kind vor seiner Spital¬ 
zeit häufig an Diarrhöen litt, während mit dem Spitalaufenthalte eine 
hartnäckige Verstopfung sich einstellte. Dies würde dann als ein 
weiterer Hemmungsvorgang im Gebiete vegetativer Funktionen zu 
deuten sein. 

Rachitis kann als Ätiologie in diesem Fall ausgeschlossen werden. 

Mir scheint die v. Strümpell seinerzeit beiläufig ausgesprochene 
Ansicht wohl zutreffend, daß die Katalepsie der von ihm erwähnten 
Kinder im Alter von 1—2 Jahren manchmal mit einem durch fremde 
Umgebung hervorgerufenen, gleichsam hypnotischen Zustand zusammen¬ 
hängt. Die fremde Umgebung wirkt hier gerade so auslösend, wie 
bei älteren Individuen ein Schreck oder ein anderer Affekt. 

So charakterisiert sich der Zustand als ein hysterischer. Hysterisch 
sind nach Moebius alle diejenigen krankhaften Veränderungen des 
Körpers, welche durch Vorstellungen veranlaßt sind. Dabei ist es 
nicht notwendig, wie auch Thiemich hervorhebt, daß unter Vor¬ 
stellungen nur zu voller Klarheit gelangte intellektuelle Überlegungen, 
sondern vor allem auch Erregungsvorgänge des Gemütslebens zu ver¬ 
stehen sind. Auch Ziehen spricht davon, daß die abnorm wirksamen 
gefühlsbetonten Vorstellungen, auf denen die körperlichen Symptome 
der Hysterie beruhen, in der Regel latente sind. Das Moment der 
Suggestibilität spielt dabei eine große Rolle. Nach Moebius sind 
alle hysterischen Erscheinungen Suggestion der Form nach; ein Teil 
von ihnen ist dem Inhalte nach nicht suggeriert, sondern eine krank-- 


Digitized by 


Google 



I. Originalbeiträge. 


7 


hafte Reaktion auf Gemütsbewegungen; und Ziehen meint, daß eine 
der wichtigsten Teilerscheinungen der abnormen Steigerung der 
Wirksamkeit gefühlsbetonter Vorstellungen die gesteigerte Suggesti- 
bilität ist. 

Die Anwendung auf unsern Fall ergibt sich von selbst Der 
psychogene Ursprung: Die Katalepsie ist veranlaßt durch das 
Schreckhafte und Unangenehme beim Anblick der fremden Umgebung, 
verliert sich allmählich mit der Gewöhnung an diese Eindrücke, 
mindert und steigert sich periodisch mit dem Verschwinden und 
Wiederauftauchen der angsterzeugenden fremden Personen. 

Das von Moebius, Ziehen u. a. fernerhin für die Hysterie ge¬ 
forderte Moment der erhöhten Suggestibilität ist hier ebenfalls 
sehr ausgesprochen vorhanden. 

Die Katalepsie ist bei dem 3 x / a jährigen Kinde ein Ausdruck der 
Hysterie, und wenn das Vorkommen von typischer Hysterie in diesem 
jugendlichen Alter jedenfalls sehr selten und von vielen noch gänzlich 
geleugnet wird, so ist an der Möglichkeit eines solchen Vorkommens 
nach den Untersuchungen von Chaumier, Ollivier, Thiemich u. a. 
nicht mehr zu zweifeln. 


Über Protylin „Roche“ und dessen Anwendung bei Kindern. 

Von 

Dn E. Kraus, Kinderarzt, Wien. 


Die Eiweißkörper, der Phosphor und das Eisen spielen bei dem 
Aufbau des Organismus die allerwichtigste Rolle. Die Bedeutung 
der Eiweißkörper als Nährstoff läßt sich dahin zusammenfassen: sie 
müssen dem Körper als solche in der Nahrung zugeftihrt werden, da 
der Ansatz der Eiweißstoffe in den Organbestandteilen durch keinen 
anderen Nährstoff bewirkt werden kann. Von der Menge der Eiwei߬ 
stoffe in der Säftemasse hängt in erster Linie die Größe und Energie 
der Zerstörungsvorgänge in den Geweben und der damit zusammen¬ 
hängende Kräftevorrat ab. Die natürliche Nahrung des neugeborenen 
Kindes — die Frauenmilch — ist namentlich in der ersten Zeit nach 
der Geburt relativ sehr reich an Eiweißstoffen. Allerdings schwanken 
hier die Angaben; nach König beläuft sich der Gehalt der Mutter¬ 
milch an Eiweiß auf 2,29, nach Clemm auf 2,18, nach Pfeiffer 
auf 2,178. Marfan schätzt den Gehalt auf 1,6, Heubner auf 1,03. 

Das Eiweiß ist in der Frauenmilch in zwei Formen vorhanden, 
einmal als phosphorreiches Kasein, und dann auch als gelöstes Eiweiß, 
als Albumin; wahrscheinlich ist auch das Vorhandensein eines dritten 
Körpers, des Globulins. 

Eine nicht minder wichtige Rolle fällt dem Eisen als Bestandteil 
des Hämoglobins bei der Blutbildung und beim Aufbau des mensch¬ 
lichen Körpers zu. Bunge fand im Eidotter und der Milch organische 
Eisenverbindungen und nimmt an, daß das Eisen aus den Nahrungs¬ 
mitteln in Form solcher Verbindungen resorbiert wird. Fried jung 


Digitized by 


Google 



8 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


und Jolles haben gefunden, daß der Eisengehalt der Frauenmilch 
zwischen 3,52 und 7,21 mg pro Liter schwankt, der Mittelwert wird 
mit 5,09 angegeben. 

Der Phosphor kommt im Tierkörper außer in dem phosphor¬ 
reichen Kasein als Glyzerinphosphorsäure in Lecithin und in bisher 
unbekannter Verbindung im Nuklein vor. Die Wichtigkeit dieser 
Verbindungen erhellt daraus, daß das Lecithin bis jetzt in allen ent¬ 
wicklungsfähigen Zellen, Eidotter, Blutkörperchen, ferner auch reich¬ 
lich im Gehirn gefunden wurde. Die Bedeutung des Phosphors im 
Haushalte des menschlichen Organismus äußert sich hinwiederum in 
der ersten Nahrung des Neugeborenen, in der Frauenmilch. Dieselbe 
enthält in 1000 Bestandteilen (nach Schwarz, s. Marfans Handbuch 
der Säuglingsernährung, übersetzt von Dr. R. Fischl) an Kalkphos¬ 
phaten 2,50, Natriumphosphat 0,40, Magnesiumphosphat 0,50, Eisen¬ 
phosphat 0,01. Wie man sieht, bildet der phosphorsaure Kalk die 
relativ größte Mineralsubstanz der Milch, derselbe bedeutet beim 
Nährwert derselben einen sehr wichtigen Faktor, denn mit seiner 
Hilfe baut sich das Knocbensystem auf, es erfolgt eine schnellere 
Mineralisation des Skeletts; der Phosphorgeb alt der Frauenmilch ist 
größer als jener aller bei der Ernährung der Kinder gebräuchlichen 
Milchsorten. 

Aus dem Gesagten ist zu ersehen, wie wichtig bei den Wachs¬ 
tumsvorgängen und den physiologischen Funktionen das Vorhandensein 
von Eiweißstoffen, Eisen und Phosphor im richtigen normalen Ver¬ 
hältnis im Organismus erscheint, und man ist deshalb in neuerer 
Zeit auch bemüht, sich die Verwendung dieser drei Stoffe bei ver¬ 
schiedenen Erkrankungen, bei denen ein Defizit eines oder des 
anderen derselben konstatiert ist, nutzbar zu machen. Es geschieht 
dies besonders in jenen Fällen, in denen man den Organismus auf 
dem gewöhnlichen Wege nicht ausgiebig zu ernähren imstande ist, 
sei es, daß Appetitlosigkeit die regelmäßige Ernährung unmöglich 
macht, oder daß die Resorption der Nahrung durch die Erkrankung 
des Verdauungstraktus erschwert ist. 

Zu diesen Erkrankungen gehören gewisse Formen der Anämie, 
der Chlorose, der Rachitis, Skrofulöse und die Osteomalacie, lang¬ 
wierige Ernährungsstörungen bei Schwächezuständen nach erschöpfen¬ 
den Krankheiten und manche auf Grundlage dieser Zustände be¬ 
ruhenden Neurosen. Je nachdem es angezeigt erscheint, den einen 
oder den anderen der genannten Stoffe oder dieselben vereint dem 
Organismus einzuverleiben, macht man von verschiedenen diese Stoffe 
enthaltenden, in den Heilschatz eingeführten Präparaten passenden 
Gebrauch, und da sehen wir uns veranlaßt, auf ein Mittel aufmerk¬ 
sam zu machen, das in dieser Hinsicht den an dasselbe gestellten 
Anforderungen in den oben genannten Krankheiten vollkommen ent¬ 
spricht. Wir meinen das Protylin. 

Das Protylin ist ein ungiftiges Phosphoreiweißpräparat und ent¬ 
spricht seiner Zusammensetzung nach den in den menschlichen Zellen 
vorkommenden Nukleinen, es ist leicht assimilierbar.. Protylin ist in 
Wasser fastunlöslich, in Alkalien dagegen löslich, desgleichen in 
starken, im Überschuß vorhandenen Mineralsäuren. Es enthält 2,7 ü / 0 


Digitized by 


Google 



I. Origmalbeiträge. 


9 


Phosphor in molekularer Bindung in Form von völlig oxydiertem 
Phosphor. Protylin wird vom Magensaft nicht angegriffen und passiert 
den Magen unverändert, übt also auf den letzteren keinerlei Einfluß 
aus. Protylin ist ein gelblich weißes, fast geruch- und geschmack¬ 
loses Pulver. Mit Rücksicht auf die vielseitig anerkannte Wirksam¬ 
keit des Phosphors bei Rachitis und im Hinblicke darauf, daß das 
Protylin reichliche Nährstoffe enthält, habe ich das Protylin zuerst 
an Rachitikern erprobt. Die theoretische Grundlage des von Kasso- 
witz in die Rachitistherapie eingeführten Phosphors gaben Wegners 
Versuche ab, welcher bei wachsenden Tieren durch Darreichung 
kleiner Phosphordosen eine raschere Konsolidierung des Knochens 
entstehen sah. Kassowitz ist auf Grund eigener Tierversuche zu 
der Anschauung gelangt, daß der Phosphor in sehr geringen Dosen 
eine lokale Hemmung der Gefäßbildung an den Knochenknorpelgrenzen 
erzeugt, also direkt der von ihm supponierten Entzündung entgegen¬ 
wirkt. Kassowitz hat außerdem durch Tierversuche festgestellt, daß 
die entzündungswidrige Wirkung des Phosphors in der Tat vom Blut 
ausgeht und nicht etwa auf dem Wege der Innervation zustande 
kommt. 

Da nun nach Kassowitz’ Vorstellung die Rachitis ausnahmslos 
mit einer vermehrten Gefäßbildung im wachsenden Knorpel und in 
den jüngst apponierten Knocbenschichten und mit einer bedeutenden 
Erweiterung der Blutgefäße einhergeht, und da alle übrigen Erschei¬ 
nungen im rachitischen Knochensystem nur als eine notwendige Folge 
dieser entzündlichen Hyperämie und Vaskularisation des osteogenen 
Gewebes und der fertigen Knochenschichten zu betrachten sind, so 
mußte ein Mittel, welches die Gefäßbildung im osteogenen Gewebe 
hemmt und vielleicht die jungen Gefäßsprossen zur Kontraktion bringt, 
schon von vornherein für die Behandlung der Rachitis die größten 
Chancen in Aussicht halten. Bisher wurde bei Rachitis der Phosphor 
im Lebertran dem kindlichen Organismus einverleibt. Das Protylin 
hat jedoch vor dem Phosphorlebertran einen in der kindlichen Praxis 
sehr schätzenswerten Vorteil, den der Geschmack- und Geruchlosig¬ 
keit, es kann zu jeder Jahreszeit den Kindern mit der Nahrung ver¬ 
mischt gereicht werden, und weit entfernt, den Appetit irgendwie zu 
stören und den Magen zu belästigen, kann man in vielen Fällen die 
Erfahrung machen, daß es die Eßlust bei den Kindern in erfreulicher 
Weise anregt. 

Ich habe das Protylin in fünf Fällen von Rachitis angewendet 
und konnte nach mehrwöchentlicher Anwendung des Mittels bei den 
zum Teil in ärmlichen Verhältnissen lebenden Kindern die Wahr¬ 
nehmung machen, daß die rachitischen Erscheinungen und Knochen¬ 
veränderungen aufs günstigste beeinflußt wurden. Die Auftreibungen 
an den Gelenksenden verkleinerten sich, die Kopf knochennähte kon¬ 
solidierten sich, die Fontanellen wurden enger. Der Appetit hob 
sich, vorhandene Symptome eines Darmkatarrhs verschwanden all¬ 
mählich und machten einer geregelten Verdauung Platz; auch der 
Zahndurchbruch wurde beschleunigt. Besonders hervorheben möchte 
ich hier, daß in zwei Fällen von auffälliger Kraniotabes, in denen sich 
das Occiput membranartig anfühlen ließ, nach mehrwöchentlichem Ge- 


Digitized by 


Google 



10 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


brauche des Protylins die Kopfknochen resistenter wurden und sich nur 
noch hie und da etwas elastisch darstellten, bis sie endlich vollständig 
hart wurden. Dabei nahmen die Kinder in sehr befriedigender Weise 
an Körpergewicht zu; der Schlaf wurde ruhiger, die Kinder bekamen 
ein frisches heiteres Aussehen. Bei einem hochgradig rachitischen 
Kinde, das vorher in beängstigender Weise an Laryngospasmus litt, 
verschwanden nach 6 wöchentlichem Gebrauche von Protylin die 
Krampfanfälle gänzlich, noch bevor die rachitischen Veränderungen 
an den Knochen eine sichtliche Abnahme aufwiesen. 

Mit Ausnahme eines Kindes von 9 Monaten, das in sehr elendem 
Zustande in meine Behandlung kam, konnte ich bei den anderen vier 
Kindern in einem ca. 6—10 wöchentlichen Zeiträume Gewichtszunahmen 
von 1—2 kg beobachten. 

Wenn man der Phosphorlebertranemulsion von vielen Seiten den 
Vorwurf macht, daß der Phosphor sich daraus verflüchtigt und so 
die Wirkung derselben illusorisch wird, so kann das beim Protylin, 
da dieses von konstanter Zusammensetzung und der Phosphor darin 
an Eiweiß chemisch gebunden ist, nicht ein treten, deshalb ist das 
Protylin in seiner Anwendung verläßlicher als die Phosphorlebertran¬ 
mixtur. 

Das Protylin ist in Pulver- und Tablettenform im Handel, vom 
Pulver genügen bei Kindern von Va - ^ Jahren 1—2 gestrichene 
Kaffeelöffel, von den Tabletten 4—8 Stück täglich. 

Da sich das Protylin mit den Halogenen und Metallen verbindet, 
hat die das Protylin erzeugende Firma auch Eisen- und Bromprotylin 
hergestellt. Das Protylinum ferratum ist ein Präparat, das 2,3°/« 
Eisen enthält, es wird von den Verdauungsorganen gut vertragen und 
kann auch wie das reine Protylin mit Wasser oder Milch vermengt, 
mit den Speisen vermischt, eingenommen werden. Das Präparat hat 
mir bei anämischen Kindern, ferner in zwei Fällen von Chlorose sehr 
gute Dienste geleistet. Es hat den Appetit gesteigert, wodurch eine 
reichlichere Ernährung der Patienten ermöglicht wurde. Der Stoff¬ 
wechsel wurde gehoben, der Hämoglobingehalt des Blutes vermehrt, 
was sich nach mehrwöchentlichem Gebrauch des Mittels in einem 
frischen Kolorit der Patientinnen und im Nachlaß aller subjektiven 
Symptome, wie Kopfschmerz, Herzklopfen, Schwächegefühl, Ausdruck 
gefunden hat. Daß ich bei der Protylinbehandlung auf passende Er¬ 
nährung, den Genuß frischer Luft, sowie auf alle übrigen hygienisch¬ 
diätetischen Maßnahmen Rücksicht genommen habe, brauche ich wohl 
nicht ausdrücklich zu erwähnen. 

Das Protylinum bromatum habe ich bisher nicht erprobt; 
allein es ist nach dem vorher Gesagten die Annahme zulässig, daß 
das Protylinum bromatum bei gewissen Neurosen des kindlichen 
Alters, die infolge anämischer Zustände sich einstellten, seine heil¬ 
bringende Wirkung nicht versagen wird, ja ich glaube, daß man 
das Protylinum bromatum vielleicht auch mit Aussicht auf Erfolg 
bei Eklampsie und Chorea anämischer Kinder versuchen könnte; ich 
werde bei vorhandener Gelegenheit meine Versuche nach dieser 
Richtung ausdehnen. 


Digitized by Google 



II. Keferate. 


11 


II. Referate. 


Joy Mc Kenzie, Ein Fall von Ureterstein und Sepsis. 
(Brit. Journal of Children dis. 1906. Nr. 8.) Die Mitteilung bezieht 
sich auf einen in der Dresdener Kinderheilanstalt beobachteten Fall. 
Es betrifft ein Kind von 1 Jahr 5 Monaten, von dem jede Anamnese 
fehlt. Intra vitam deutete kein Symptom auf irgendeine Komplikation 
seitens der Harnwege hin. Bei dem äußerst schlecht genährten und 
rachitischen Kinde lag vielmehr eine akute purulente Konjunktivitis 
und Keratitis, Bronchopneumonie und ein Enterokatarrh vor. Bei der 
Sektion fand sich im linken Ureter, 1 1 / a Zoll von der Blase entfernt, 
ein Stein von der Größe einer halben Erbse, von gelber Farbe, un¬ 
regelmäßigen Oberflächen und fester Konsistenz; die benachbarte 
Schleimhaut war ulzeriert und hatte ein schmutzig-graues Aussehen. 
Der Stein schien frei in dieser ulzerierten Höhle zu liegen. Ureter 
nicht erweitert. In der Blase kein Stein. H. Netter (Pforzheim). 

GL Edlefsen, Über die medikamentöse und diätetische 
Behandlung des Blasen-und Nierenbeckenkatarrhs. (Deutsches 
Archiv f. klin. Med. Bd. 87. S. 520.) E. betrachtet es als ein Un¬ 
glück für die Kranken, wenn zu einer lokalen Behandlung der Blase 
geschritten wird ehe der Versuch gemacht ist, mit allen zur Ver¬ 
fügung stehenden innern Mitteln eine Heilung des Leidens herbei¬ 
zuführen. 

Er weist dabei besonders auf zwei alte schon 1876 von ihm 
empfohlene Blasenmittel, das Kali chloricum und das Terpentinöl, hin, 
mit denen er fortgesetzt gute Erfolge zu verzeichnen hatte, und zwar 
auch in Fällen, in welchen die modernen Mittel, wie Urotropin, Hel- 
mitol usw., versagt haben. Die Gefahr des Kali chloricums schlägt E. 
nicht hoch an, vorausgesetzt, daß es in richtiger Dosis gegeben. Eine 
antibakterielle Wirkung wird den beiden Mitteln nicht zugeschrieben, 
wohl aber eine antikatarrhalische, gefäßkontrahierende und die Sekretion 
beschränkende; speziell beim Kali chloricum hält E. noch eine direkt 
heilende, die Neubildung eines normalen Epithels befördernde Wirkung 
für möglich. E. ist sonach der Ansicht, daß, wo nicht eine aus¬ 
gesprochene Bakteriurie oder hochgradige ammoniakalische Zersetzung 
des Harns vorliegt, man mit den alten Mitteln (Terpentinöl, Copaiv- 
balsam, Kali chloricum, Folia uvae ursi, Salizylsäure und Salol) aus¬ 
kommt und damit mehr erreicht, was die Wiederherstellung einer 
normalen Schleimhaut und eines normalen Urinbefundes anlangt, als 
mit den andern. Als einzige Kontraindikation gegen Eingabe von 
Kali chloricum gibt E. dauernde oder temporäre Venosität des Blutes 
an; auch bei Ikterus und Nephritis ist Vorsicht geboten. Als Tages¬ 
dosis gibt E. von Kali chloricum 4,5 g (15,0:300 Wasser, je 15 ccm), 
bei Kindern dem Alter und der Konstitution entsprechend weniger; 
von Terpentinöl 3—4 mal täglich 6—10 Tropfen in Milch. Hinsicht¬ 
lich der Diät nimmt E. nicht den strengen Standpunkt ein wie die 
meisten heutigen Arzte; er hält es überhaupt nicht für nötig, den 
Blasenkranken eine besondere Diät vorzuschreiben, und gestattet 
dunkles, selbst gesalzenes und gepökeltes Fleisch, auch geräucherte 
Fleisch- und Fischarten. Ja er verbietet sogar nicht Pfeffer, Senf 


Digitized by 


Google 



12 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


und andere Gewürze; dagegen warnt er entschieden vor allen alko¬ 
holischen Getränken. 

Alkalische Wasser sollen nur bei saurem Urin verabreicht werden, 
bei alkalischem Urin nur Säuerlinge. Bei gleichzeitiger Anwendung 
von Medikamenten sieht E. auch keinen Vorteil von größerer Flüssig¬ 
keitszufuhr. Der Urin soll zwar niemals eine zu große Konzentration 
annehmen, „aber auch nicht dauernd in zu hohem Maße diluiert“ 
werden. Starck. 

H. Tischler, Über die praktische Ausführung der koch¬ 
salzarmen Ernährung. (Aus der Prof. Straussschen Poliklinik in 
Berlin.) (Therap. Monatshefte. April 1906.) Bekanntlich hat H. Strauss 
zuerst die Aufmerksamkeit auf die diätetische Bedeutung der Koch¬ 
salzfrage bei der Behandlung der Nephritis gelenkt und die Forderung 
gestellt, daß man bei gewissen Formen der Nephritis, so insbesondere 
bei der chronisch parenchymatösen, und in gewissen Stadien der 
Krankheit, d. h. beim Vorhandensein oder Drohen von hydropischen 
Ergüssen, die Salzzufuhr einschränken und die Salzausfuhr künstlich 
steigern soll. Es ist, speziell für die nephrogenen Hydropsien, jetzt 
diese Forderung fast allgemein anerkannt, weshalb die Technik der 
kochsalzarmen Ernährung hohe praktische Bedeutung gewonnen hat. 
Fest steht bereits, daß der Mensch für die Dauer ohne Schädigung 
seiner Gesundheit mit nur geringen Mengen von Kochsalz auskommen 
kann. Strauss hat nun schon früher auf die Kochsalzarmut der 
Milch, des Reis, der Eier und der ungesalzenen Butter hingewiesen, 
sowie auf die des unzubereiteten Fleisches. F. hat nun genauere 
Berechnungen angestellt. Bei diesen Untersuchungen ergab sich als 
Kochsalzgehalt der Rohsubstanz ein 

Kochsalzgehalt von 0,1 % und weniger 
bei Fleisch, Hecht, Gelbei (0,02 °/ 0 ), ungesalzener Butter, Kufekes 
und Rademanns Kindermehl, bei den verschiedenen Getreidesorten 
und rohen Gemüsearten — von letzteren haben einen etwas höheren 
Kochsalzgehalt Linsen, Sellerie, Spinat und Kopfsalat —, ferner bei 
Reismehl, Buchweizengries, Kartoffeln, Pilzen, Obst (welch letzteres 
nur ausnahmsweise einen höheren Kochsalzgehalt als 0,05 % zeigte). 

Kochsalzgehalt von 0,1—0,2°/ 0 . 

Während Ei als Ganzes einen Kochsalzgehalt von 0,14 °/ 0 besitzt, 
Milch einen solchen von 0,15 —0,175 °/ 0 und gesalzener Stockfisch von 
0,19 °/ 0 zeigt, fand sich 

1—3°/ 0 Kochsalz 

bei fast sämtlichen Käsesorten. Von Rohmaterialien mit 
mehr als 2,5 °/ 0 Kochsalz 

nennt T. rohen Schinken (4,15—5,86%), gekochten Schinken (1,85 bis 
5,35%), Schlackwurst (2,77%), gesalzenen Hering (14,47%), Lachs 
(10,87%), gesalzene Sardellen (20,59%), Kaviar (6—20%). 

Von tischfertigen Speisen interessieren zunächst die Brot¬ 
sorten, Bouillon, Suppe, Fleisch und Gemüse. Für Zwieback zeigte 
sich ein Kochsalzgehalt von 0,38 %, für Weißbrot von 0,48—0,7 %, 
für Schwarzbrot von 0,75%, für Bouillon 0,55—1%, Suppen 0,34 bis 
0,9%, Saucen 0,7—1,5%, Kartoffelbrei 0,9—1,4%. Von Eierspeisen 
enthielt Rührei in dem für eine Person berechneten Quantum 2,4 g, 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


13 


Setzei 0,5 g, Eierkuchen 2,7 g; der Kochsalzgehalt der für eine Person 
berechneten Fleischmenge schwankte zwischen 2—3 g, bei gekochten 
Fisch bis 4 g. Von Gemüsen enthielten weniger als 1 g in der für 
eine Person berechneten Menge: Blumenkohl, grüner Salat, Morcheln 
und Champignons; 1—1,5 g Gurken- und Tomatensalat; 3—3,5 g Spinat, 
Spargel, Kohlrabi, saure Linsen. 

Es zeichnen sich also Milch, Eier, Pilze, Obst, Beerenfrüchte, 
Gemüse und Mehle durch sehr geringen Kochsalzgehalt aus. Das 
Fleisch, an sich sehr kochsalzarm, erhält durch die Zubereitung in 
der Kegel hohen Kochsalzgehalt, und es ist Sache der Küche, letzteren 
möglichst einzuschränken. Dasselbe gilt für Brot. Zwieback enthält 
am wenigsten Kochsalz, immerhin aber noch ziemlich erheblich. 

Deshalb hat Strauss bei Rademann ein kochsalzfreies Brot (nur 
0,01—0,02 °/A hersteilen lassen, das, mit Butter genossen, nicht schlecht 
schmeckt. Von Eiern verdienen Setzeier den Vorzug, von Gemüsen 
Blumenkohl und Pilze. Bouillon enthält in einer Menge von 250 bis 
300 ccm mehr als 1 J / 2 g Kochsalz und sollte auch aus anderen 

Gründen (Extraktivstoffe!) ausgiebig durch Obst-, Milch- und Mehl¬ 

suppen ersetzt worden. Butter ist ungesalzen zu genießen. 

Von Mineralwässern sind arm an Kochsalz Gleichenberger, 

Wildunger (Georg-Viktorquelle), Gießhübler, Neuenahrer. Grätzer. 

West, Ein Fall von pseudorenaler Wassersucht (Lancet. 
23. Juni 1906. Bd. 1.) Der 20 Monate alte Knabe wurde mit starkem 
Anasarka in das Hospital gebracht. Der Urin enthielt keine Spuren 
von Albumen. Der ganze Körper war ödematös, das Abdomen er¬ 
weitert, tympanitisch, frei von Flüssigkeit, die Leber überragte den 
Rippenbogen in der Mammillarlinie um einen Zoll. Die Milz war 
nicht palpabel und alle übrigen Organe schienen gesund zu sein. 
Das Kind war tiefbleich und schwach. Einen Monat zuvor hatte 
das Kind Masern überstanden, die von häufigen und starken Durch¬ 
fällen gefolgt waren. 10 Tage vor der Aufnahme begann die Schwellung 
des Gesichts und des ganzen Körpers, die rasch zunahm und einen 
beträchtlichen Grad erreichte. Andere Symptome bot das Kind nicht, 
nach der Aufnahme bestand keine Diarrhoe, die Nahrungsaufnahme 
war eine gute, und die Besserung erfolgte schnell bei Bädern und 
Diureticis. Innerhalb einer Woche war das Ödem der Beine und 
des Rumpfes geschwunden und nach wenigen Tagen mehr auch das 
Ödem des Gesichts. Verf. hebt es als bemerkenswert hervor, daß 
das Ödem vom Gesicht zuletzt verschwand. Es bestand eine geringe 
Leukozytosis durch geringe Vermehrung der Lymphozyten ohne wesent¬ 
liche Verminderung der roten Blutkörper. Das Ödem hatte nicht 
den Typus des kachektischen. Es war vielmehr den bei akuter 
Nephritis vergleichbar. Die klinische Geschichte und der Verlauf 
bewiesen den nicht renalen Ursprung. Das Ödem war vielmehr das 
Resultat einer schweren Masernerkrankung bei einem bisher gesunden 
Kind und war die Folge einer durch heftige Diarrhöen herbeigeführten 
Unterernährung. H. Netter (Pforzheim). 

Askanary, ProfuseHämaturien undkolikartigeSchmerzen 
bei Nephritis. (Zeitschr. f. klin. Med. Bd. 58. Heft 5 u. 6.) Über 


Digitized by 


Google 



14 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


die Entstehungsweise der bei Nephritis so häufig zu konstatierenden 
Ekchymosen der Nierenbeckenschleimhaut und des Nierengewebes 
selber hat sich der Verf. die Vorstellung gebildet, daß entzündlich 
veränderte Nieren eine gewisse Neigung zu Kongestionen zeigen, wo¬ 
durch der bei Nephritis ohnehin erhöhte arterielle Druck noch weiter 
gesteigert wird. Dadurch kommt es infolge der veränderten Be¬ 
schaffenheit der Gefäßwände, die eine abnorme Durchlässigkeit zur 
Folge hat, leicht zur Diapedese und zu Blutaustritten ins Gewebe. 
Die Ekchymosen bei Nephritis sind demnach als Residuen vorauf¬ 
gegangener Kongestionen aufzufassen und die Massenblutungen bei 
Nephritikern auf dieselbe Ursache zurückzuführen. Natürlich sind 
die Kongestionen bei Nephritis verschiedenen Grades; leichtere führen 
nur zu vorübergehenden Injektionen, heftigere zu längerdauernden 
Ekchymosen. Sind die Kongestionen sehr stürmisch, so kommt es 
zu profusen Hämaturien und kolikartigen Schmerzen. 

Freyhan (Berlin). 

Ponfick, Über Morbus Brightii. (Verh. d. deutsch, path. Ges. 
in Meran 1905.) Vom pathologisch-anatomischen Standpunkte tritt P. 
für eine Unterscheidung der Nierenkrankheiten von ätiologischen Ge¬ 
sichtspunkten aus ein. Um dies möglich zu machen, ist ein möglichstes 
Zusammenarbeiten zwischen Anatomen und Klinikern nötig. Die Ein¬ 
teilung in parenchymatöse und interstitielle Nephritis sei nicht gut, 
da eine solche Trennung auch anatomisch meist unmöglich sei; selten 
seien interstitielles und parenchymatöses Gewebe allein erkrankt. P. 
führt einige Beispiele an, in denen durch ähnliche Stoffe verschiedene 
Stellen des Nierengewebes ergriffen werden. Ausführlich bespricht er 
die Entstehung der Schrumpfniere, die schon histologisch auf die 
verschiedenste Weise zustande kommen kann. Bennecke (Jena). 

Friedrich Müller, Morbus Brightii. (Verh. d. deutsch, path. 
Ges. in Meran 1905.) M. tritt vom klinischen Standpunkt aus gleich¬ 
falls für eine Einteilung der Nierenerkrankungen, die unter dem 
Namen Morbus Brightii zusammengefaßt werden, von ätiologischen 
Gesichtspunkten aus ein, wobei er besonders hervorhebt, daß klinisch 
die alte Einteilung in akute und chronische, parenchymatöse und 
interstitielle noch schwieriger als anatomisch, ja meist unmöglich ist. 
Selbst die modernen Untersuchungen mit Blutdruckmessungen, Ge¬ 
frierpunkt- und Chlorausscheidungsbestimmungen haben daran nichts 
geändert. Und doch ist eine genaue Kenntnis der Nierenerkrankung 
prognostisch von größtem Werte. Wie viele Schwierigkeiten der Ein¬ 
teilung der Nierenerkrankungen von ätiologischen Gesichtspunkten aus 
noch entgegenstehen und wie viele Beobachtungen noch nötig sind, 
weist M. an vielen Beispielen nach. Bennecke (Jena). 

Pässler u. Helneke, Versuche zur Pathologie des Morbus 
Brightii. (Verh. d. deutsch, path. Ges. in Meran 1905.) Verff. ex- 
stirpierten Hunden in mehreren Sitzungen den größten Teil der Nieren, 
so daß die Tiere noch eine Zeitlang — bis zu 9 Monaten — leben 
konnten. Verff. konnten dadurch Krankheitsbilder .erzeugen, die mit 
dem Symptomenkomplex der Schrumpfniere größte Ähnlichkeit hatten. 


Digitized by 


Google 



II. Heferate. 


15 


Gelang es, die operierten Tiere lange genug im Zustande der Nieren¬ 
insuffizienz zu halten, ohne daß sie alsbald kachektisch wurden, so 
entwickelte sich in den meisten Fällen Hypertrophie des linken Ven¬ 
trikels. Die nach Nierenverkleinerung einsetzende Polyurie entwickelte 
sich unabhängig von der Herzhypertrophie, sie kann sogar ebenso wie 
bei Diabetes mellitus oder Diabetes insipidus ohne Blutdrucksteige¬ 
rung bestehen. Bennecke (Jena). 

Gotthold Herzhelmer, Über Zystenbildungen der Niere 
und abführenden Harnwege. (Virchows Archiv. Bd. 185. Heft 1.) 
H. teilt die umfangreiche, mit ausführlicher Literatur versehene Arbeit 
in drei Kapitel: 1. Zystennieren. 2. Nierenzysten. 3. Urethritis 
(Cystitis) cystica. Die Zystennieren faßt H. als Folge eines Vitium 
primae formationis auf und schlägt vor, sie zu den Hämatomen zu 
rechnen, da sie, auf Mißbildung beruhend, den Tumoren nahestehen, 
und durch diese Benennung eine Verständigung über die derzeitige 
Anschauung ihrer Pathogenese schneller ermöglicht wird. Als Schluß-» 
folgerung aus dem zweiten Kapitel, das von anderer Seite ausführlich 
bearbeitet werden soll, ergibt sich, daß die Zysten der Niere durch 
entwicklungsgeschichtliche Hemmungen zu erklären sind. Die Zysten 
des Nierenbeckens und der Harnblase sind das Produkt chronischer, 
nicht bakterieller Entzündung, indem es an den fraglichen Stellen zu 
einer Proliferation des Oberflächenepithels kommt; die anfangs soliden 
Zellsprossen (Brunnsche Epithelnester) zerfallen ohne Schleimbildung 
zentral und werden so zu Zysten. Bennecke (Jena). 


Hermann Legrand (Alexandrie), Les absc&s du foie chez 
Penfant. (Archives de möd. des enf. 1906. Nr. 3/4.) Der Verf. hat 
aus der Literatur, der eigenen Beobachtung und den Auskünften 
zahlreicher Kollegen aus Ägypten, 112 Fälle von Leberabszeß bei 
Kindern zusammenstellen können und gefunden, daß die Krankheit 
nicht so selten im Kindesalter vorkommt, als man gemeinhin annimmt. 
Die zahlreichsten Abszesse treten im Laufe von Dysenterien auf, und 
bildet diese Ätiologie etwa ein Viertel aller Fälle; es folgen dann 
die durch Trauma, Appendizitis, Tuberkulose. Typhus und Askariden 
hervorgerufene Abszesse. In seltenen Fällen ist Nabelphlebitis, Pyo- 
hämie und Influenza die veranlassende Ursache. 

In symptomatischer Beziehung wird hervorgehoben, daß die 
Krankheit sich durch einen heftigen Schmerz in der Lebergegend 
mit Ausstrahlung in die rechte Schulter kundgibt; es bestehen sehr 
hohes, remittierendes Fieber, Appetitlosigkeit, Frösteln, nächtliche 
Schweiße, Erbrechen und häufig diarrhoische Stuhlentleerungen. Die 
Leberdämpfung vergrößert sich sehr rasch und es entwickelt eine oft 
enorme Vorwölbung der Gegend oder auch eine zirkumskripte kuppel¬ 
förmige Erhöhung im Hypochondrium oder Epigastrium. Letztere 
Erscheinungen sind viel ausgesprochener als bei Erwachsenen infolge 
der größeren Nachgiebigkeit der Rippenwand. Meist besteht sub- 
ikterische Farbe, namentlich bei den dysenterischen Abszessen, während 
wahrer Ikterus häufig bei appendikulären, septischen oder Wurm¬ 
abszessen zur Beobachtung gelangen. Oft verlaufen Leberabszesse 
bei Kindern in latenter Weise und werden deren Symptome von 


Digitized by 


Google 



16 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


denjenigen der Hauptkrankheit überdeckt. Die zytologische Unter¬ 
suchung des Blutes, und wenn notwendig, eine Probepunktion der 
Leber geben in vielen Fällen wichtige Aufschlüsse: Verwechslungen 
mit Abszessen der Nachbarorgane, namentlich mit infra-diaphragma¬ 
tischen oder perihepatischen Abszessen sind möglich. 

Die Statistik zeigt, daß die meisten Heilungen durch die chirur¬ 
gische Behandlung erzielt werden; die Punktion kann nur als diagnos¬ 
tisches Mittel angesehen werden. Man macht einen breiten Einschnitt, 
indem man sich bezüglich der Richtung an die Explorationsnadel 
hält; bestehen keine Adhärenzen, so ist das Annähen des betreffenden 
Leberteiles an das parietale Peritoneum vor der Inzision des Ab¬ 
szesses anzuempfehlen. Bei hochliegenden Abszessen oder solchen 
des rechten Leberlappens wird am besten der transpleurale Weg ge¬ 
wählt. E. Toff (Braila). 

M. Spolverini, Beitrag zum Studium der Ätiologie und 
Pathogenese der kindlichen Leberzirrhose. (Rivista di Clinica 
Pediatrica. März 1906.) Verf. teilt zunächst zwei Fälle von Alkohol¬ 
zirrhose mit, der eine ein 22 Monate altes, von Trinkern stammendes 
Kind, das von den ersten Lebenstagen an täglich einen Löffel Wein 
bekommen hatte, der andere einen 7 Jahre alten Knaben betreffend, 
dessen Vater gleichfalls Potator war und der seit dem dritten Jahre 
täglich bis 300—400 g Wein trank und sich bei jeder festlichen Ge¬ 
legenheit betrank. In einem dritten Fall handelte es sich um eine 
hypertrophische Zirrhose mit chronischem Ikterus, bei dem Ätiologie 
und Pathogenese absolut unklar war. Ein vierter Fall wird als 
„toxisch-infektiöse Zirrhose von der Haut herstammend“ bezeichnet. 
Er betraf ein 18 Monate altes Kind, das seit dem zweiten Monat an 
einer den ganzen Körper bedeckenden Hauterkrankung, die als 
nässendes Ekzem bezeichnet wird, litt. Nach Ausschluß aller anderen 
denkbaren ätiologischen Momente kommt Verf. zu dem Schluß, daß 
es sich hier um eine Hepatitis infektiösen Ursprungs gehandelt habe, 
ebenso wie man häufig bei Kindern mit chronischem Ekzem eine 
Nephritis fände. Der Fall kam zum Exitus und die Sektion be¬ 
stätigte die Diagnose der Leberzirrhose. F. 

Carazzanl u. Brunazzi, Über die Ätiologie der Leber¬ 
zirrhose im Kindesalter. (La Pediatria. November 1905.) Verf. 
berichtet einen ein 4 Monate altes Kind betreffenden Fall. Das Kind 
hatte starken Aszites; bei der Punktion entleerten sich mehr als 
1 1 / 2 Liter einer klaren gelblichen Flüssigkeit. Danach konnte man 
konstatieren, daß die Leber ganz erheblich an Volumen reduziert 
war. Wider Erwarten ging der Fall in Heilung aus. Als ein Zeichen 
der Stauung im Pfortadersystem ist es aufzufassen, daß auch nach 
der Heilung der Milztumor bestehen blieb. Verf. bespricht dann 
noch die Differentialdiagnose gegenüber der chronischen Peritonitis, 
der Hepatitis interstitialis syphilitica, der Pyelophlebitis adhaesiva 
chronica und Thrombose der Pfortader. F. 

Guido Berghinz, Postdysenterische Leberzirrhose. (Ri¬ 
vista di Clinica Pediatrica. März 1906.) Verf. gibt die Kranken- 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


17 


geschichte, sowie ausführlichen Sektionsbericht nebst histologischen Be¬ 
funden eines einen 5 jährigen Knaben betreffenden Falles. F. 

Francis Harbitz (Norweger), Akute gelbe Leberatrophie 
von infektiösem Ursprung (Streptokokken). (Norsk Magazin 
for Lägevidenskaben. 1906. Nr. 1.) Ein 6jähriger Knabe bekam nach 
einer Angina Unterleibsschmerzen und nach und nach zunehmenden 
Ikterus mit Fieber. Nach 4 Wochen Exitus. Bei der Sektion fand 
man schweren Ikterus ohne mechanisches Hindernis für den Gallen¬ 
abfluß. In der Leber, die das gewöhnliche Bild akuter gelber Atrophie 
darbot, überall Streptokokken. Schwellung der Milz, in welcher 
Streptokokken in Reinkultur. Ecchymosen des Pericardium und der 
Darmschleimhaut. Fettartige und parenchymatöse Degeneration des 
Herzens und der Nieren. Oedema pulmonum. 

Adolph H. Meyer (Kopenhagen). 

A. Wentwerth, A Case of Acute Yellow Atrophy of the 
Liver in a Child Five Years Old. (Archives of Ped. February 
1906). Patient soll, als er 18 Monate alt war, an Peritonitis tuber- 
culosa gelitten und nach 6monatlicher Behandlung, ohne Operation, 
geheilt worden sein. 2 Jahre später machte er eine kruppöse Lungen¬ 
entzündung durch und schien danach recht wohl bis 3 Wochen vor 
seinem Tode. Die fatale Krankheit fing an mit leichter Gelbsucht 
und milden Symptomen von Magenbeschwerden. Bis 4 Tage vor 
seinem Tode war der Junge auf seinen Füßen und ging erst zu Bett 
auf Anraten des behandelnden Arztes, nachdem die Symptome durch 
Eintreten von Delirium sich verschlimmert hatten. Die Diagnose wurde 
erst post mortem gestellt. Die Leber war nicht verkleinert, die 
Sektion derselben ergab Flächen von hellgrüngelber Farbe auf dunkel- 
rotem Hintergrund. Drei Viertel der Leberzellen waren gänzlich ver¬ 
nichtet, makroskopisch jedoch war diese ungeheuere Destruktion der 
Leber nicht sichtbar. H. B. Sheffield. 


Guinon (Paris), Entörites et appendicite chez l’enfant. 
(Revue mens, des malad, de Penfance. Aoüt 1906. S. 337.) Während 
beim Erwachsenen eine akute Appendizitis relativ selten im Verlaufe 
einer schleimig-membranösen Enterocolitis auftritt, ist beim Kinde 
gerade das Gegenteil der Fall, ja man kann sagen, daß es bei dem¬ 
selben keine Appendizitis ohne Enteritis gibt. G. hat 28 Appendizitis¬ 
fälle aus seiner Praxis zusammengestellt und bei 23 gefunden, daß 
eine Enteritis in einer Form, in irgend einer näheren oder entfernteren 
Vergangenheit vorangegangen war. ' 

Alle Enteritisformen, welche der Appendizitis vorangehen, sind 
im Dickdarme lokalisiert und unterscheiden sich hauptsächlich da¬ 
durch von der analogen Krankheit beim Erwachsenen, daß meistens 
der Schmerz fehlt oder unbedeutend ist, während ein ausgesprochenes 
Schmerzgefühl meistens das Symptom einer Appendizitis darstellt. 
Oft handelt es sich um einen vorübergehenden, nicht genau lokali¬ 
sierten Schmerz, in anderen Fällen wird derselbe nur durch die Pal¬ 
pation fühlbar gemacht. 

Unter den hier in Betracht kommenden Enteritisformen sind zu 


Centralblatt f. Kinderhlkde. XII. 




18 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


verzeichnen: akute, schleimige oder dysenteriforme Enteritiden, chro¬ 
nische mit intermittierender schleimig-membranöser Ausscheidung, 
endlich solche, wenn auch seltene Formen, bei denen Verstopfung 
vorangegangen war, doch ist dies nur ausnahmsweise zu beobachten. 

Der Entwicklungsmodus der Appendizitis dürfte der einer Fort¬ 
leitung der primären Darmentzündung sein, und tritt diese Komplikation 
entweder im Anschlüsse an eine Enteritis oder nach einigen Wochen, 
selbst Monaten nach einer solchen auf. 

Ein Punkt, auf welchen der Verf. besonders aufmerksam macht, 
ist das Vorangehen von Infektionen des Nasenrachenraumes vor Ent¬ 
wicklung der Appendizitis; in 17 von seinen 28 Fällen konnte er 
derart eine akute oder chronische Tonsillitis oder Angina mit eitriger 
Sekretion beobachten. Es ist anzunehmen, daß diese Infektionen 
des Nasenrachenraumes die Appendizitis auf dem Wege der Enteritis 
bewirken, die sogenannten grippalen Appendizitiden von Merlen und 
Faisans. 

Die Prophylaxis der Appendizitis beim Kinde verlangt also eine 
genaue Behandlung vorkommender Enteritiden, eine entsprechende 
amylo-vegetariane Diät und wiederholte Purgierungen, andererseits 
eine genaue Behandlung pharyngealer Erkrankungen. 

Zum Schlüsse seines Aufsatzes gibt G. die Krankengeschichten 
seiner einschlägigen Fälle. E. To ff (Braila). 

A. Broca (Paris), Appendicites consöcutives aux entörites 
de l’enfance. (Revue prat. d’obst. et depaediatrie. Juillet-Aoüt 1906.) 
Der Verf. ist der Ansicht, daß bei Kindern eine Enterocolitis zu 
Appendizitis führen kann, und daß jene Patienten, welche an akuten 
oder chronischen Entzündungen des Darmes leiden, eine Entzündung 
ihres Wurmfortsatzes bekommen können. Fast immer handelt es 
sich um Infektionen der Darmschleimhaut, sei es, daß dieselbe mitten 
im Gesundheitheitszustande einsetzt oder sich auf Grundlage einer 
chronischen schleimig-membranösen Enteritis entwickelt 

Oft ist es schwierig, den Augenblick festzustellen, wann eine 
Enteritis sich mit Appendizitis kompliziert, doch gibt es einige Sym¬ 
ptome, wie die schmerzhafte Verhärtung der Ileo-coekalgegend, die 
reflektorische Resistenz der Bauchmuskel, das Erbrechen grüner 
Massen, welche die Aufmerksamkeit auf den Wurmfortsatz hinlenken 
müssen. 

In chronischen Fällen sind es wiederholte, namentlich rechts 
lokalisierte Koliken, febrile gastrische Erscheinungen mit Erbrechen, 
eine schmerzhafte Schwellung des Punktes von Mac Burney, welche 
auf den wahren Sachverhalt hindeuten. 

Unter den 33 Fällen, die B. operiert hat und bei welchen sich 
eine Verbindung mit einer Entero-Colitis muco-membranaceä fest¬ 
stellen ließ, gibt es solche, wo die Appendizitis sich auf einer alten 
Enteritis ohne Abscheidung von schleimig-fetzigen Massen entwickelt 
hatte, solche, bei welchen derartige Evakuationen in einer näheren 
oder entfernteren Vergangenheit festgestellt werden konnten, und solche, 
bei welchen letztere auch nach der Operation fortbestanden. Doch 
auch in diesen Fällen konnte durch den chirurgischen Eingriff eine 


Digitized by Google 



II. Referate. 


19 


erhebliche Besserung des Zustandes erzielt werden, so daß derartige 
Fälle keinen Beweis für einen diagnostischen Fehler abgeben, um so 
mehr als in allen diesen anatomische Veränderungen des Wurmfort¬ 
satzes gefunden wurden. E. To ff (Braila). 

P. Ragaine, L’appendicitö vermineuse. (Inaugural-Disser- 
tation. Paris 1905.) Verschiedene Darmparasiten, wie Ascaris, Tricho- 
cephalus oder Oxyuris, können Ulzerationen des Coecums hervorrufen 
und im weiteren Verlaufe, durch Sekundärinfektion, zu Appendizitis 
führen. Man soll daher gegebenenfalls an diese Ursache denken, da 
die Ausstoßung der Würmer oft von Heilung der Darmaffektion ge¬ 
folgt ist Prophylaktisch wäre das zeitweise Verabfolgen von vermi- 
fugen Mitteln anzuempfehlen. E. Toff (Braila). 


Koracli (Posen), Über Früh- und Fehldiagnosen der akuten 
Perityphlitis. (Deutsches Archiv f. klin. Med. Bd. 86. S. 19.) K. 
wendet sich in vorliegender Arbeit gegen die in der Perityphlitisfrage 
vorherrschende Tendenz, jeden Fall von Perityphlitis ohne Kritik dem 
Chirurgen auszuliefern. Zunächst weist er auf die absurde Forderung 
der Chirurgen hin, nach welcher jeder Perityphlitisfall innerhalb der 
ersten 48 Stunden operiert werden soll. Absurd ist die Forderung 
deshalb, weil die Perityphlitis keine plötzlich eintretende Krankheit 
ist, sondern vielmehr in weitaus der Mehrzahl der Fälle der Krank¬ 
heitsprozeß langsam vorbereitet wird. K. stellt deshalb die Frage 
der Frühdiagnose in den Vordergrund und weist besonders darauf 
hin, welchen Irrtümern man in der Diagnose der Perityphlitis anheim 
fallen kann. 

Er unterscheidet zwei Kategorien von Fehldiagnosen. Einmal 
diejenigen Fälle, in welchen eine Appendizitis als Ausgangspunkt 
einer peritonealen Infektion nicht erkannt worden ist. Diese Fehl¬ 
diagnose wird im allgemeinen wenig Schaden stiften, da es sich der 
Chirurg zur Gewohnheit gemacht hat, nach Eröffnung des Leibes 
dessen ganzen Inhalt abzutasten, insbesondere aber nach dem Appendix 
zu sehen. Der Schaden wird um so geringer sein, als in der über¬ 
wiegenden Mehrzahl solcher Fälle eine absolute Indikation zu einem 
chirurgischen Eingriff vorliegt. 

Zur zweiten Kategorie gehören Fälle, in denen auf Grund der 
Annahme einer akuten Perityphlitis die Bauchhöhle eröffnet wird und 
die Autopsie zur Erkenntnis führt, daß weder eine Erkrankung des 
Appendix noch sonst eine die Laparotomie rechtfertigende Erkrankung 
des Abdomens vorhanden ist. 

In Betracht kommen hier die Neuralgie des N. genito-cruralis, 
Hysterie, Ovarie, intumeszierte tuberkulöse Lymphknoten, ein Kalk¬ 
tumor, eine dislozierte Niere, Typhus und selbst akute Pneumonie. 

K. teilt selbst die Krankengeschichten von drei eigenen Patienten 
mit, bei welchen mehrere Ärzte die Diagnose auf Perityphlitis stellten, 
bei welchen aber die Operation bzw. Sektion einmal eine Peritoneal¬ 
tuberkulose, einmal ein ins Kolon perforiertes Mesenterialsarkom, im 
dritten Falle aber überhaupt keinerlei Erkrankung im Abdomen ergab. 

K. stellt deshalb zunächst das Postulat einer exakten Diagnose, 
insbesondere Frühdiagnose, bevor die Operation in Betracht gezogen 


Digitized by 


2 * 

Google 



20 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


werden darf. Er weist dabei auf die großen Schwierigkeiten hin, 
welche einer frühen Diagnose entgegenstehen; so mißt er der sub¬ 
jektiven Schmerzempfindung nur geringen Wert bei, da einmal bei 
der Appendizitis die Schmerzen überall im Bauch sitzen können, 
andererseits Magenschmerzen, Lumbago, Ischias, Nephrolithiasis den¬ 
selben Schmerz zu erzeugen imstande sind. 

Der Druckschmerz ist zwar wertvoller für die Diagnose, doch 
erinnert K. daran, daß derselbe gerade bei Gangrän und Perforation 
durchaus fehlen kann. Vielfach ist eine exakte Prüfung durch 
Spannung der Bauchdecken unmöglich gemacht. Diese letztere kann 
ebenfalls nicht als untrügliches Zeichen angesehen werden, ebenso¬ 
wenig wie die Aufhebung der Bauchdeckenreflexe. 

Endlich kann es sich immer noch um zwei Erkrankungen in 
der rechten Bauchhälfte handeln, so neben der Appendizitis um ent¬ 
zündliche Prozesse an der Gallenblase, Ren mobilis, Hydronephrose. 

K. hofft, daß eine „Kasuistik der Irrtümer“ die Diagnose der 
Appendizitis mehr fördern werde als die Statistiken chirurgischer 
Erfolge und Mißerfolge „durch zu späte Überweisung“. Starck. 

K. Landsteiner, Darmverschluß durch eingedicktes Me¬ 
konium. Pankreatitis. (Zentralblatt f. allg. Path. u. path. Anat. 
Bd. 16. Nr. 22.) Bei einem gesunden, spontan von einer gesunden 
Mutter geborenen Kinde ging bei und nach der Geburt kein Mekonium 
ab. Der Leib war aufgetrieben. In den drei nächsten Tagen nahm 
die Anschwellung zu; es ging kein Mekonium ab und Erbrechen nicht 
fäkulent riechender, grau-grünlicher Massen trat auf. Bei der jetzt 
vorgenommenen Gastroenterostomie entleert sich kein Mekonium. Das 
Erbrechen besteht weiter. Tod am fünften Tage. Bei der Sektion 
findet sich eine Peritonitis. Der Dünndarm ist stark gebläht, der 
Dickdarm aber kontrahiert. Im untersten Ileum findet sich nun eine 
an Glaserkitt erinnernde, grau-gelbe Masse, die noch in das Coecum 
ragt. Weiter nach oben nimmt der Darminhalt normale Konsistenz 
an. Die Darmwandung ist hier infolge starker Hypertrophie der 
Muscularis stark verdickt. Mikroskopisch fand sich am Darme außer 
Druckspuren, hervorgerufen durch das eingedickte Mekonium, und 
Leichenveränderungen nichts, das den Befund erklären könnte. Da¬ 
gegen bestand im Pankreas eine chronisch interstitielle, zu Binde- 
gewebsentwicklung führende Entzündung. L. nimmt nun an, daß 
das Fehlen des Pankreassekretes die Ursache für die Eindickung des 
Mekoniums sei. Dieses habe Darmverschluß herbeigeführt und sei 
indirekt der Anlaß der Hypertrophie der Muscularis in den höheren 
Darmabschnitten. Eine primäre Mißbildung des Darmes liege nicht vor. 

Bennecke (Jena). 

Rankin, The Anatomy and Pathology of Intestinal Ob- 
struction. (Brooklyn Medical Journal. June 1906.) Verf. gibt einen 
Überblick über alle Möglichkeiten, durch die ein Darmverschluß zu¬ 
stande kommen kann. Etwas ausführlicher behandelt er die Möglich¬ 
keiten der Entstehung einer partiellen Darmlähmung bei Peritonitis. 
Die Ursache hierfür ist oft in der schnellen Resorption der Toxine 
zu suchen. Fischer-Defoy (Kiel). 


Digitized by Google 



II. Referate. 


21 


B. Hess, Intussusception in Infancy and Childhood. (Med. 
Rev. of Reviews. Vol. XII. Nr. 2.) Yerf. überblickt die Literatur der 
letzten 10 Jahre. Im ganzen wurden 1028 Fälle mitgeteilt und unter 
diesen sind bloß 314 Fälle, die genaue Einzelheiten liefern. Soviel 
der Verf. von den Krankengeschichten entnehmen kann, waren 60°/o 
der Kinder unter einem Jahre. Leibschmerzen erschienen als erstes 
Symptom der Invagination. Erbrechen und blutige Entleerungen 
fanden fast immer statt. Plötzlicher Kollaps trat sehr oft ein. Eine 
Geschwulst war fühlbar in den meisten Fällen. Die Temperatur stieg 
in 40 % der Fälle. 43 % der beobachteten Fälle starben ohne Ope¬ 
ration, 30%, die operiert worden sind, nachdem andere Hilfsmittel 
fehlgeschlagen hatten; dagegen starben bloß 8°/ 0 derjenigen Fälle, 
die sofort einer Operation unterzogen sind. H. B. Sheffield. 

M’Gregor, Intussusception statistics and their story. 
(The Scottish Medical and Surgical Journal. Vol. XIX. Nr. 2. August 
1906.) Es wird eine Übersicht über 123 in verschiedenen Hospitälern 
beobachtete Fälle gegeben. 74 °/ 0 aller betrafen Kinder unter 12 Mo¬ 
naten. 72,4 °/ 0 waren männlich, 27,6 °/ 0 weiblich. 63 °/ 0 starben. 
Bei denen, die 6 Stunden nach Eintritt der Beschwerden zur Operation 
kamen, gelang die Heilung in 60 %, bei den nach 12 Stunden kommen¬ 
den in 73,3%, nach 24 Stunden in 51,5 °/ 0 und nach 48 Stunden 
in 26,6%. 

Drei Fälle wurden durch Taxis mittels der hydrostatischen Methode 
geheilt; bei mehr als 30 war sie negativ. Verf steht unbedingt auf 
dem Standpunkt, sofort zu operieren. Die Reposition durch Lapa¬ 
rotomie war in 52,6% von günstigem Erfolg begleitet; dagegen ge¬ 
lang von den 32 Fällen, in denen eine Resektion von Darm oder ein 
ähnlich eingreifender Eingriff vorgenommen werden mußte, die 
Heilung nur in zweien. 

Yerf. tritt sehr für eine Methode ein, die einen Rückfall ver¬ 
hüten soll: Er näht das Mesenterium in Zickzackform und zieht dann, 
ähnlich wie man ein Segel refft, den Faden an. 

Fischer-Defoy (Kiel). 

Marnoch, Cases of intussusception. (The Scottish Medical 
and Surgical Journal. Yol. XIX. Nr. 2. August 1906.) Es werden 
acht selbstbeobachtete Fälle von Darminvagination beschrieben. In 
einem gelang Taxis. Yon den sieben Operierten starben drei: bei 
einem gelang die Reposition nicht, und der Zustand des Patienten 
war so, daß die Operation nicht weitergeführt werden konnte, beim 
zweiten war Darmresektion nötig und der dritte starb an Pneumonie. 
Fünf Patienten waren unter 15 Monaten alt, alle waren männlichen 
Geschlechts. Einmal bestand Invaginatio iliaca, 6 mal ileo-coecalis. 
Als wichtigsten Punkt der Nachbehandlung betont M. die möglichst 
baldige Zufuhr von natürlicher Nahrung. Brustkinder sollen bald an 
die Brust angelegt werden. Fischer-Defoy (Kiel). 

T. S. Thyne, Intussusception. (The Scottish Medical and 
Surgical Journal. Vol. XIX. Nr. 2. August 1906.) Th. hat in 20jähr. 
Praxis fünf Fälle von Invagination gesehen, davon zwei innerhalb 
eines Jahres bei demselben Kind. Alle betroffenen Kinder waren 


Digitized by 


Google 



22 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


kräftig. Einmal wurde nach Einblasen von Luft in das Rektum die 
Reposition als vollendet angesehen; am nächsten Tage trat plötzlicher 
Exitus ein: die Reposition war nur scheinbar gewesen. Verf. stellt 
zwei goldene Regeln auf: einmal eine frühe Diagnose der Darm¬ 
in vagination zu stellen, zweitens das Abdomen möglichst früh zu 
öffnen. Fischer-Defoy (Kiel). 

David M. Greig, On intussusception. (The Scottish Medical 
and Surgical Journal. Vol. XIX. Nr. 2. August 1906.) G. hat 20 Fälle 
von Darmin vagination beobachtet, davon 13 unter einem Jahr alt. 
10 waren männlich, 10 weiblich; 4 wurden ohne Laparotomie geheilt, 
ein Patient starb nach Verweigerung der Operation. 12 mal wurde 
die Laparotomie mit Reposition ausgeführt; 6mal trat Heilung ein. 
Alle 3 Fälle, in denen eine Darmresektion nötig war, starben. 9 mal 
war die In vagination ileo-coecal; 2 mal bestand Invaginatio iliaca, 
2 mal ileo-colica und 2 mal colica. 

Verf. empfiehlt vor der Operation, ohne damit viel Zeit zu ver¬ 
lieren, einen Taxisversuch durch Lufteinblasen in das Rektum. Nach 
der Operation sind bei Kindern Opiate nur mit Vorsicht zu ge¬ 
brauchen. 

Aus den geschilderten Fällen geht hervor, daß die Prognose um 
so besser ist, je früher die Behandlung einsetzt. 

Fischer-Defoy (Kiel). 

Henry J. Dunbar, Akute infantile Iufussuszeption. (The 
Scottish Medical and Surgical Journal. Vol. XIX. Nr. 2. August 
1906.) Verf. behandelt ausführlich in sehr anregender Weise seine 
Erfahrungen über die akute infantile Darmin vagination, durch die 
3 / 4 aller Fälle von akutem Darmverschluß bei Kindern veranlaßt 
werden. In den ersten 3 Monaten des Lebens liegen die Dtinn- 
darmschlingen ganz außerhalb des Beckens. Erst nach dieser Zeit 
beginnen sie ins Becken hinabzusteigen, wodurch eine spitzwinklige 
Mündung des Ileums in das Coecum zustande kommt. Tritt dann 
an dieser prädestinierten Stelle eine Invagination ein, so wirkt die 
Peristaltik im Sinne ihrer Weiterführung. Ferner werden grade nach 
den ersten Lebensmonaten fortwährend im Coecum und Colon Ver¬ 
änderungen an Gestalt und Größe beobachtet, die auch leicht zu In¬ 
vagination Veranlassung geben können. Verf. hat außerdem oft bei 
Kindersektionen (aber nie bei solchen von älteren Kindern) gesehen, 
daß die Schleimhautbekleidung der Ileocoekalklappe gelockert war 
und sich in das Coecum vorwölbte. Er hält es für möglich, daß 
durch ihr Hineingleiten ins Lumen des Coecums eine Invagination 
ausgelöst werden kann. Eine weitere Prädisposition bildet die Be¬ 
weglichkeit des Coecums, verursacht durch das Vorhandensein eines 
ansteigenden Mesokolons, wie man es zuweilen bei kleinen Kindern 
sieht. 

Verf. verfügt über 59 Fälle. In 76,3 °/ 0 war die Invagination 
ileo-coecal. In 5°/ 0 bestand Invaginatio iliaca, in 3,4°/ 0 colica und 
in 1,7 °/ 0 ileo-colica. In 13,6 °/ 0 war die Invagination gemischt. Die 
meisten Kinder waren in bestem Gesundheitszustand. 74,6 °/ 0 waren 
männlich, 2,45 °/ 0 weiblich. 6,8 % waren unter 4 Monaten alt, 62,7 °/ 0 


Digitized by 


Google 



II; Referate. 


23 


zwischen 4 und 7, 20,3 °/ 0 zwischen 8 und 12, 3,4°/ 0 zwischen 12 
und 24 Monaten, 6,8 °/ 0 älter. 

Heilung wurde in 45,7 °/ 0 erzielt. 54,3 °/ 0 starben. In 23,7 °/ 0 
mußte eine Darmresektion vorgenommen werden; alle Kinder starben; 
der Grund dafür mag in der zu späten Einlieferung zu suchen sein. 
Durchschnittlich vergingen 21 Stunden vom Beginn der Symptome 
bis zur Operation bei den Geheilten, 39 Stunden bei den Verstorbenen. 
63,3 °/ 0 von den innerhalb der ersten 24 Stunden Operierten genasen, 
28,5 °/ 0 von den später Operierten. 

Als klassische Symptome stellt D. fest: Plötzlicher Beginn mit 
kolikartigem Schmerz und Schrei. Dann intermittierender Schmerz. 
Nach 24 Stunden meist Abklingen des Schmerzes — der Patient 
wird schläfrig (Stadium der Darmparalyse). Als zweites sehr wich¬ 
tiges Syptom kommt heftiges und wiederholtes Erbrechen, als drittes 
Abgang von Blut oder blutigem Schleim aus dem Rektum in Betracht 
(tritt meist erst nach 4—5 Stunden auf). Die Kinder sind meist mehr 
oder weniger kollabiert, das Abdomen ist mäßig ausgedehnt und frei 
mit der Atmung beweglich. In 57 von den 59 Fällen konnte der 
Invaginationstumor festgestellt werden, 5 mal im oberen Teil des Ab¬ 
domens, 24 mal rechts, 28 mal links. ' In 29 Fällen war er vom Rektum 
aus zu fühlen. 

Als Therapie kommt nur sofortige Laparotomie in Betracht. 
Verf. rät dringend davon ab, Zeit mit Einblasen von Luft oder 
Wasser in den Darm zu verlieren. Er lagert den Tumor nach außen 
und sucht den invaginierten Teil von unten her durch Druck auf die 
Invaginationsscheide herauszudrücken. Liegt das Ileum in ansteigen¬ 
der Lage zum Coecum und wird Rückfall befürchtet, dann rät Verf., 
das Mesenterium mit dem ansteigenden Mesokolon durch Catgut zu 
vereinigen. 

D. rät davon ab, nach der Operation Opiate zu gebrauchen. 
Eher ist ein mildes Purgans zu empfehlen, das die Paralyse des 
Darms leicht beseitigt, während sie durch Opiate verstärkt werden 
kann. Sehr wesentlich ist, daß die Brustkinder möglichst bald wieder 
Brust bekommen. Fischer-Defoy (Kiel). 

P. N. Hansen (Däne), Die Behandlung der akuten Darm¬ 
in vagination bei Kindern. (Aus der ersten Abteilung des Kommune¬ 
hospitals in Kopenhagen, Vorstand: Prof. E. A. Tscherning.) (Bib- 
liotek for Läger. Juli 1906.) Das Material umfaßt 23 Kinder; 13 Mäd¬ 
chen, 10 Knaben. Das jüngste Kind war 3 Monate, das älteste 8 Jahre 
alt. 10 von den Patienten hatten Diarrhöe, nur 3 Obstipation kürzere 
oder längere Zeit voraus. Von den 23 Patienten genasen 13, während 
10 starben. 16 hatten ileo-coecale, 3 Dickdarm-, 2 Dünndarminva- 
ginationen, 1 hatte eine In vagination ileo-colica, 1 eine Invaginatio 
iliaca-ileo-coecalis. Bei einem Knaben mit einer gewöhnlichen Ileo- 
coecalinvagination war zugleich eine aszendierende Dickdarminvagi- 
nation vorhanden. Bei 6 Patienten wurden allein unblutige Eingriffe 
angewandt (Wassereingießung per Rektum, Massage der Invagina- 
tionsgeschwulst, gewöhnlich in Narkose), 3 von diesen genasen, 3 
starben; der eine von den Gestorb.enen war von seiner Invagination 


Digitized by Google 



24 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


befreit worden, aber starb an einer heftigen Gastroenteritis, bei den 

2 andern glaubte man die Invagination geheilt zu haben (der eine 
war 4, der andere 5 Monate alt, es handelte sich um Ueocoecalinva- 
gination von der Dauer von 24 Stunden), aber der eine starb nach 
einigen Stunden und der andere am folgenden Tage. In beiden Fällen 
ergab die Sektion das Vorhandensein einer großen Invaginatio ileo- 
coecalis. Bei 11 Patienten wurde Laparotomie vorgenommen, nach¬ 
dem es durch die unblutigen Methoden nicht gelungen war, die In- 
vaginationsgeschwulst zu entfernen, von diesen 11 wurden 7 geheilt, 
4 starben, das unglückliche Resultat in den 2 Fällen sucht der Verf. 
in dem Umstand, daß die Laparotomie nicht unmittelbar der unblutigen 
Behandlung folgte. In 6 Fällen wurde primäre Laparotomie gemacht, 

3 wurden geheilt, 3 starben (diese 3 Fälle waren 1. 4 Tage dauernde 
Dünndarminvagination mit Darmgangrän und beginnender Perito¬ 
nitis [Darmresektion], 2. 5 Tage dauernde Ileocoecalinvagination nebst 
aszendierender Dickdarminvagination mit Darmgangrän und Pneumonie 
[Enterostomie], 3. 30 Stunden dauernde Ileocoecalinvagination [Repo¬ 
sition schwierig, starb am folgendem Tage an Peritonitis]). 

Der Verf. zieht aus seinen Fällen die Lehre, daß man 
immer die primäre Laparotomie anwenden soll. Durch die 
unblutigen Verfahren kann man nach seiner Meinung nicht sicher ent¬ 
scheiden, daß die Invagination geschwunden ist, und der Erfolg der 
primären Laparotomie ist viel besser als der Erfolg der sekundären. 

Adolph H. Meyer (Kopenhagen). 

E. Fenouillifere, Traitement de Tinvagination aigue chez 
l’enfant du premier äge. (These de Paris. 1906.) Ein frühzeitiges 
und wichtiges diagnostisches Zeichen ist die Melaena, welche schon 
auf die Invagination hinweist, wenn noch kein Tumor und keine 
Darmobstruktion aufgetreten sind. Als Behandlung gibt oft die 
rektale Infusion mit lauwarmem Wasser gute Resultate und ist ge¬ 
nügend, um die Invagination auszudehnen. Man chloroformiert das 
Kind und führt einen N6latonsehen Katheter möglichst hoch hinauf 
ein. Dem Ausfließen der eingespritzten Flüssigkeit wird durch das 
Zusammendrticken der Gesäßbacken entgegengewirkt. Doch ist diese 
Behandlungsmethode nur für die ersten 36 Stunden anzuempfehlen, 
später, oder wenn dieselbe keine Resultate ergibt, muß chirurgisch 
eingeschritten werden. Nach vorgenommener Laparotomie werden 
die invaginierten Teile reponiert, was für die meisten Fälle genügend 
ist, besteht aber eine irreduktible Invaginierung, Gangrän oder Per¬ 
foration, so muß die Resektion vorgenommen werden. 

E. To ff (Braila). 

Ingenurls Sörensen (Däne), Darminvagination. (Hospitals- 
tidende. Nr. 8. 1906.) 6 Fälle, im Verlaufe des letzten Jahres im 
Bezirkskrankenhaus zu Aarhus beobachtet 4 Patienten wurden 
durch Operation geheilt. (5 Monate alter Knabe. Invaginatio ileo- 
coecalis. Laparotomia c. desinvaginatione 22 Stunden nach dem An¬ 
fang der Symptome. — 8 jähriges Mädchen. Invaginatio, ilei. Lapa¬ 
rotomia c. resectione intestini ilei et enteroanastomose 3 Wochen 
nach dem Anfang der Syptome. — 12jähriger Knabe. Invagi- 


Digitized by Google 



II. Referate. 


25 


natio ileo-coecalis. L&p&rotomia c. desinvaginatione am 12. Krank¬ 
heitstage. — 14 jähriges Mädchen. Invaginatio ileo-coecalis chronica. 
Laparotomia c. desinvaginatione et resectione ilei et coli et anasto- 
mose ileo-colica 2 1 / i Monate nach dem Anfang der Krankheit.) 
Zwei starben, ein 1 l L jähriger Knabe mit Invaginatio ileo-coecalis an 
Bronchopneumonie 4 Tage nach der operativen Desinvagination, und ein 
7 Monate alter Knabe am 4. Krankheitstage im Anschluß der Opera¬ 
tion (Laparotomia c. enterostomia) 2 Tage nach einer anscheinend 
gelungenen unblutigen Reposition. Adolph H. Meyer (Kopenhagen). 

H. Hirschsprung, 107 Fälle von Darminvagination bei 
Kindern, behandelt im Königin Luisen-Kinderhospital in 
Kopenhagen während der Jahre 1871—1904. (Mitteilungen aus 
den Grenzgebieten der Medizin und Chirurgie. 1905. Bd. 14.) Die 
Darminvagination der Kinder bildete bereits auf verschiedenen Kon¬ 
großen Gegenstand des Referates und eifrigster Diskussion, so zuletzt 
in Kassel 1903, wo H. über 96 Fälle berichten konnte. Bis No¬ 
vember 1904 hat die Zahl der von ihm beobachteten Fälle 107 er¬ 
reicht. Vor allen Dingen ist es auffallend, daß das Vorkommen der 
Krankheit an Örtlichkeiten, Länder usw. geknüpft ist So scheint 
besonders in England, weniger in Deutschland, ein gehäuftes Auf¬ 
treten beobachtet zu sein; an der Spitze scheint allerdings in dieser 
Hinsicht Kopenhagen zu stehen, wo H. seine Fälle gesehen hat, deren 
Zahl diejenige aller übrigen auf dem Kasseler Kongreß mitgeteilten 
Fälle um mehr als das Doppelte über trifft. Wie diese Variationen 
im örtlichen Vorkommen zu deuten sind, bleibt vorerst unklar. 

Auf Grund der Statistik von H. scheinen Knaben häufiger von 
der Krankheit befallen zu werden als Mädchen, das Verhältnis war 
7,7:3,0. Meist handelt es sich um Kinder unter 1 Jahr. Der Er¬ 
nährungszustand pflegt fast stets auffallend gut zu sein. 

Unter den ätiologischen Momenten spielt die habituelle Ob¬ 
stipation die Hauptrolle; in solchen Fällen bildet sich die Invagina- 
tion in der Regel im Dickdarm aus. 

Weit seltener ging ein Darmkatarrh mit häufigen dünnen Ent¬ 
leerungen der Krankheit voraus. Auch Traumen, körperlicher wie 
psychischer Natur, scheinen in manchen Fällen eine ätiologische Rolle 
gespielt zu haben; H. weist weiterhin auf den ätiologischen Zusammen¬ 
hang von Geschwülsten (Polypen) der Darmwand, von diffusen Blutungen 
im Darmparenchym, von Darmdivertikeln und Proc. vermiformis zur 
Darminvagination hin. Neigung zu Rezidiven besteht nicht. 

Von größtem Interesse sind H.s Mitteilungen über die Behand¬ 
lung der Krankheit: hat man doch auf der Naturforscherversammlung 
Kassel 1903 dieselbe fast ausschließlich dem Chirurgen in die Hand 
legen wollen. Allerdings waren die operativen Resultate keineswegs 
ermutigend. H. hat fast alle Fälle auf internem Wege angegriffen 
und dabei 60,75 °/ 0 Heilungen erzielt. 

Die Therapie bestand in: Chloroformierung, Taxis, Wasserein¬ 
spritzung mit Klysopompe. Diese Behandlung, besonders die Wasser¬ 
einspritzung, konnte jedoch nur bei Dickdarminvagination Erfolg haben, 
der Wasserdruck hat auf den Dünndarm keinen Einfluß; in der Tat 


Digitized by 


Googk 



26 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


beziehen sich die jüngsten Resultate hauptsächlich auf Dickdarminva- 
gination. Die Fälle mit Dünndarminvagination, die zum Glück sehr 
selten sind, verliefen alle — 11 an der Zahl — tödlich. Es wäre 
nun vor allem wichtig eine Differentialdiagnose zwischen Dick- und 
Dünndarminvagination zu stellen, um letztere eventuell frühzeitig dem 
Chirurgen zu überlassen. 

Allein diese Diagnose bietet große Schwierigkeiten. Nur wo keine 
Anhaltspunkte für eine Lokaldiagnose gefunden werden, empfiehlt H. 
die Laparotomie. (Über die diagnostische Abgrenzung der einzelnen 
Formen hat H. ausführlich in Wien 1894 gesprochen.) 

In prophylaktischer Hinsicht redet H. der Verhütung einer 
habituellen Obstipation das Wort. Große Bedeutung mißt er auch 
dem Abgang von blutigem Schleim per rectum bei, die in jedem Falle 
eine dringende Mahnung zu baldiger genauer Untersuchung bildet. 
„Je näher man dem Anfang der Krankheit steht, desto leichter ist 
in der Regel die Untersuchung, desto leichter die Reposition der 
eventuellen Geschwulst.“ Die Heilung fand in 70°/ 0 statt, wenn die 
Krankheit kürzer, 30°/ 0 wenn sie länger als 24 Stunden gedauert hatte. 

Starck (Karlsruhe). 

C. Boehm, Zur Kasuistik der inkarzerierten Zwerchfell¬ 
hernie. (Aus dem Kinderkrankenhaus in Leipzig.) (Deutsche med. 
Wochenschrift. 1905. Nr. 49.) Ein 4jähriges Kind, bis dahin ganz 
gesund, regte sich eines Vormittags bei einem Streit sehr auf, „blieb 
weg“, klagte dann sofort über Bauchschmerzen und erkrankte sehr 
schwer, mit miserablem Allgemeinbefinden, Zyanose, Dyspnoe. Ins 
Krankenhaus gebracht, wo wegen des Zustandes nicht genauer unter¬ 
sucht werden konnte, starb es 1 j 2 Stunde später, ohne daß man eine 
Diagnose stellen konnte. Die Sektion zeigte, daß es sich um In¬ 
karzeration einer Hernia diaphragmatica spuria gehandelt hatte, einer 
Hernie ohne Bruchsack, die, wie 81,5 °/ 0 aller Zwerchfellhernien, der 
linken Zwerchfellhälfte angehörte. Für eine traumatische Entstehung 
dieser Hernie fand sich kein Anhaltspunkt, man hatte es vielmehr 
mit einem jener Fälle von kongenitaler Zwerchfellhernie zu tun, bei 
denen es im muskulösen Zwerchfellteil oder im Centrum tendineum 
zu einer Dehiszenz kommt mit sekundärem Durchtritt von Bauch- 
eingeweiden. Ein solcher war hier in sehr ausgedehntem Maße vor 
sich gegangen; die am häufigsten dislozierten Organe, Magen, Colon 
und Netz, fanden sich auch hier in der Brusthöhle, außerdem der 
obere Milzpol. Verwachsungen der dislozierten Bauchorgane mit¬ 
einander oder mit den Bauchpfortenrändern fehlten. Pathologisch¬ 
anatomisch zeigte von den dislozierten Organen nur das Colon trans- 
versum schon deutliche Zeichen der Inkarzeration: Schnürringe und 
Stauung. Am Magen sprach nur die enorme Auftreibung durch Gas 
dafür, daß durch die Enge der räumlichen Verhältnisse in der Bruch¬ 
pforte und durch die eigentümliche Lageveränderung Cardia und 
Pylorus, dieser in abovaler, jene in ovaler Richtung — schlucken 
konnte Patient noch — für Gase und Speisebrei undurchgängig ge¬ 
worden waren. Gleich dem Magen zeigten auch Netz, Milz und 
Mesocolon keine Schnürringe. Die Verdrängungs- und Kompressions- 


Digitized by Google 



II. Referate. 


27 


erscheinungen an den Brustorganen waren die in solchen Fällen ge¬ 
wöhnlichen; an der linken, infolge der vom Fötalleben an bestehenden 
Raumbeschränkung weniger entwickelten Lunge erschien fast nur der 
Unterlappen in Mitleidenschaft gezogen. 

Als ursächliches Moment für das Zustandekommen der I 11 - 
karzeration mußte man jene heftige Aufregung ansehen; wie dieser 
Zusammenhang zu denken ist, darüber läßt sich nichts Sicheres sagen. 

Wie in einer Reihe von Fällen, so war auch hier die Hemia 
diaphragmatica bis zum Augenblick der Inkarzeration völlig latent 
geblieben. Der Verlauf der letzteren vollzog sich unter dem Bilde 
eines Pneumothorax mit schweren Shockerscheinungen, wie es für die 
Inkarzeration so großer Eingeweidemengen typisch ist. Ohne irgend¬ 
welche prämonitorischen Erscheinungen, wie man sie sonst oft in der 
Anamnese von Zwerchfellhemien findet (Kurzatmigkeit, Zyanose nach 
Mahlzeiten, Hustenreiz, saures Aufstoßen, Brechneigung, Unfähigkeit, 
größere Mahlzeiten einzunehmen), setzten hier ganz unvermittelt die 
Symptome der Inkarzeration ein, Symptome, die zunächst auf einen 
akuten Prozeß in den Brustorganen, einhergehend mit schweren All- 
gejneinersohein.ungen hindeuteten: „Wegbleiben“, kalter Schweiß, Zyanose, 
Blagen über Schmerzen, deren Lokalisation auf den Leib beim Kinde 
keinen Anhaltspunkt gibt. Da der Schluckakt nicht beeinträchtigt, 
das Trinken nur mit leichtem Hüsteln verbunden war, auch sonst 
keine Symptome von seiten der Bauchorgane Vorlagen, lenkte sich 
die Aufmerksamkeit bei der Aufnahme ins Krankenhaus auch in erster 
Linie auf die Brustorgane. Der mit Rücksicht auf den schweren 
Kollaps nur ziemlich flüchtig erhobene Befund ergab Erscheinungen, 
die den Verdacht auf Pneumothorax zu bestätigen geeignet waren: 
tympanitischen Schall von der dritten Rippe abwärts, ebenda auf¬ 
gehobenes Atmen, Metallklang bei der Stäbchenplessimeterperkussion, 
Dextrokardie, Vorwölbung der linken Brusthälfte. Ileuserscheinungen, 
die so oft das Bild beherrschen, hatten hier bei dem rapiden Verlauf 
gewissermaßen keine Zeit gefunden, sich zu entwickeln. Grätzer. 

P. Konow (Norweger), Hemia diaphragmatica. (Norsk Magazin 
for Lägevidenskaben. 1906. Nr. 2.) Angeborener Zwerchfellbruch. 
Der Magen, die Milz und der Darm mit Ausnahme des Rektum, 
der Flexura sigmoidea und 10 cm des Colon descendens wurden in 
der Brusthöhle gefunden. Das Loch fand sich neben der Aorta, war 
von 3—4 cm Diameter. Das Herz war nach der rechten Seite ver¬ 
schoben. Die Lungen von der Größe einer Feige und einer Mandel 
lagen dicht an der Columna gedrückt. Die Leber war stark herab¬ 
gedrückt. Adolph H. Meyer (Kopenhagen). 

Beneke, Über Bauchlunge und Hernia diaphragmatica 
spuria. (Verh. d. deutsch, path. Ges. in Meran 1905.) Bei einem 
kräftigen neugeborenen Mädchen fand sich eine Hernia diaphragmatica 
spuria sinistra. In der Brusthöhle der Magen, die Milz und der 
größere Teil des Darmes; teils in der Brust, teils in der Bauchhöhle 
fand sich eine Nebenlunge mit großen und erweiterten Gefäßen, die 
als ein Ast der Arteria diaphragmatica gedeutet werden. Für die 


Digitized by *^o< ?le 



28 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


Entstehung der Mißbildung sind mechanische Störungen in der Ent¬ 
wicklung der in Betracht kommenden Gewebe verantwortlich zu 
machen, und zwar ist in diesem wie ähnlichen Fällen dem abnorm 
starken Wachstum der Leberanlage die Schuld zuzumessen. 

Bonn ecke (Jena). 

H. Mayet et F. Bonrganel, Hernie inguinale congönitale 
ötranglöe, contenant un diverticule de Meckel, chez un prö- 
maturö de six semaines. (Archives de m6d. des enfants. September 
1906.) Das betreffende 6 Wochen alte Kind wurde 3 Wochen vor 
dem normalen Schwangerschaftsende geboren und hatte eine volu¬ 
minöse inkarzerierte Inguinalhernie, die vor 2 Tagen sich bereits 
einmal eingeklemmt hatte, durch mühsame Taxis aber reponiert 
werden konnte. 

Die vorgenommene Operation zeigte im Bruchsacke eine ein¬ 
geklemmte Dünndarmschlinge und neben derselben ein 9 cm langes 
Diverticulum Meckelii, welches reseziert wurde. Die Operation wurde 
nach der Bassinischen Methode ausgeführt, der Divertikelstumpf mit 
dem Glüheisen verschorft, und konnte innerhalb 3 Wochen Heilung 
erzielt werden. E. To ff (Braila). 

Klaussner, Zur Kasuistik der angeborenen Hernien der 
Linea alba. (Aus der Chirurg. Universitäts-Poliklinik zu München.) 
(Münch, med. Wochenschrift. 1906. Nr. 42.) Zwei Fälle, ein 11 jähriges 
und ein 6 Wochen altes Kind betreffend. Bei beiden kam ätiologisch 
nur angeborener Defekt der weißen Bauchlinie in Betracht Daß 
auf operativem Wege ein guter Verschluß bei diesen Brüchen zu er¬ 
reichen ist, zeigte wieder Fall 2, bei dem operiert wurde. Der 
günstige Ausgang dürfte zu weiteren, schon im frühesten Alter vor¬ 
zunehmenden Eingriffen ermuntern. Grätzer. 

Meredith, Congenital hernia of the umbilical cord, with 
report of two cases. (New York med. Journ. 20. Januar 1906. 
S. 138.) M. berichtet über zwei Fälle von operierten Nabelschnur¬ 
brüchen. Bei einem Knaben, bei dem der Bruch nur Darminhalt 
hatte, gelang die Operation vollkommen. Dagegen bei einem Mädchen, 
bei dem die Leber und der ganze Magendarmkanal im Bruchsack 
lag, ließ sich der Bruchinhalt nicht in die Bauchhöhle zurückbringen, 
es starb kurze Zeit nach der Operation. Schreiber (Magdeburg). 

Dal Vesco, Beitrag zur Behandlung der Nabelschnur¬ 
hernien. (Bazz. degli osped. e delle clin. 9. April 1906.) Verf. er¬ 
örtert ausführlich die Pathogenese der Nabelschnurhernien und be¬ 
richtet über einen Fall, den er 24 Stunden nach der Geburt mit bestem 
Erfolg operierte. Die Hernie war faustgroß und enthielt die Leber 
und einen großen Teil des Intestinum. Die größte Schwierigkeit be¬ 
stand im Reponieren und Reponierthalten der Eingeweide und in der 
Anästhesie. F. 

J. Finsterer, Ein Beitrag zur Kasuistik und Therapie 
des Nabelschnurbruches. (Aus der II. chirurg. Klinik der Uni¬ 
versität Wien.) (Wiener klin. Wochenschrift. 1906. Nr. 26.) F. ge¬ 
langt zu folgenden Schlüssen: 


Digitized by Google 



II. Referate. 


29 


1. Der Nabelschnurbruch stellt entweder eine Hemmungsmi߬ 
bildung dar, bedingt durch Verweilen des Darmes außerhalb der 
Bauchhöhle (Bruch der Embryonalperiode) oder seltener ist er ein 
echter Bruch (Bruch der Fötalperiode). 

2. Die Prognose hat sich in den letzten 10 Jahren bei operativer 
Behandlung gebessert, und beträgt die Mortalität jetzt 23,2 °/ 0 gegen 
27,2 °/ 0 (Schramm). Sie ist vor allem abhängig von einer möglichst 
frühzeitigen Operation. 

3. Von der Badikaloperation können ausgeschlossen werden ganz 
kleine reponible Brüche und Eventrationen. 

4. Dem extraperitonealen Verfahren nach Olshausen ist bei den 
irreponiblen Brüchen wegen der Möglichkeit von Nebenverletzungen 
die Radikaloperation mit Eröffnung des Peritoneums vorzuziehen. 

Grätzer. 

£,Krauss, Über dieDauerresultatederOmphalektomiebei 
Nabelbrüchen. (Beitr. zur klin. Chir. Bd. 50. Heft 1.) Bericht 
über 30 freie Nabelhernien bei Kindern und Erwachsenen, die nach 
der v. Bruns sehen Methode (vollständige Exzision des Nabels und 
einfache schichtweise Naht der Bauchdecken) operiert wurden. 

14 davon waren Frauen, die mehrmals geboren hatten. Nach¬ 
untersuchung von 22 Fällen, bei denen die Operation mindestens ein 
Jahr zurücklag. 13 mal wurden Dauerheilungen konstatiert, 9 mal 
Rezidive, vor dem auch eine vorschriftsmäßig getragene Leibbinde 
nicht schützte. Die Resultate anderer Operationsmethoden sind ebenso 
ungünstig. Ewald (Heidelberg). 

Hutinel, SyphilitischeUlzerationen amNabelbeiKindern. 
(La Clinique infantile. Mai 1906.) H. lenkt in dieser Mitteilung die 
Aufmerksamkeit auf diese seltene und auffallende Lokalisation der 
hereditären Syphilis, die oft irrtümlicherweise für eine gewöhnliche 
Nabelinfektion gehalten wird. Ihre Hauptcharakteristika sind: Um 
den 8.—20. Tag, bald nach dem Abfall der Nabelschnur, beginnt der 
Nabel anzuschwellen, indem er dabei eine weiche, rundliche Promi¬ 
nenz von 2—4 cm Radius von entzündlichem Aussehen, zuweilen mit 
einer leichten Desquamation auf der Spitze bildet. Das Zentrum 
dieser Prominenz beginnt sodann geschwürig zu zerfallen, und an 
Stelle der Nabelnarbe erscheint ein tiefes, kraterförmiges Geschwür 
mit ausgefressenen Rändern, grauer Oberfläche, sehr geringer Sekre¬ 
tion, das sich vergrößert und eine 1 cm tiefe Höhle bildet, welche 
die Bauchdecke zu perforieren droht. Die Ulzeration ist indolent, 
wächst nur langsam zu einem Umfang mit 1—1 1 / 2 cm Durchmesser. 
Auch wenn nach 12—15 Tagen die Haut sich zu bedecken anfangt, 
mit Nachlassen der Schwellung und Rötung, so kann eine fistulöse 
Ulzeration Zurückbleiben, in welche die Sonde tief eindringt Die 
Fistel ist von hartnäckigem Bestand und widersteht leicht den 
gewöhnlichen Maßnahmen. Syphilitische Nabelulzerationen kommen 
besonders bei schweren Fällen vor, ohne daß der allgemeine Zustand 
beträchtlich beeinflußt würde; Temperatur und Puls bleiben normal. 
Die Affektion ist heilbar, der tödliche Ausgang die Folge sekundärer 
Infektion. Für gewöhnlich mit anderen Manifestationen der Syphilis 


Digitized by 


Google 



30 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


sich einstellend, kann sie andererseits auch das erste Zeichen des 
Leidens sein. Darum ist ihre Erkennung wichtig, um so mehr, als 
die ungleich häufigere einfache Omphalitis in ihrem Beginn oft der 
syphilitischen Form gleichen kann, von der sie sich durch Rötung, 
Schwellung und geringe Sekretion aus der Nabelnarbe unterscheidet. 

H. Netter (Pforzheim). 

H. Forsener (Schwede), Über die pathologische Anatomie 
und Ätiologie der angeborenen Darm- undÖsophagusatresien 
nebst einer Studie über die früheste Entwicklung des Ver¬ 
dauungskanals. (Aus dem anatomischen Institut und dem allge¬ 
meinen Findelhaus zu Stockholm.) (Nordisk medicinskt Arkiv. Abt. I 
[Kirurgi] 1906. Nr. 20. Heft 3 u. 4.) Durch histologische Unter¬ 
suchungen von menschlichen Embryonen fand der Verf., daß in frühen 
Stadien eine Epithelproliferation vorgeht, die gewöhnlich zu einer 
bestimmten Zeit des Fötallebens eine Obliteration sowohl in dem 
Duodenum — so wie schon Tandler und Kreuter nachwies — als 
auch ausnahmsweise in den übrigen Teilen des Darmkanals verur¬ 
sacht. Ähnliche Verhältnisse fand der Verf. durch komparative Unter¬ 
suchungen bei Embryonen von Selachiern, Reptilien, Vögeln und Säuge¬ 
tieren. Der Verf. untersuchte demnächst eine Reihe von angeborenen 
Darm- und Ösophagusatresien, und glaubt, daß die Ursache der¬ 
selben (rücksichtlich der Ösophagusatresien gilt es doch allein den 
unkomplizierten Formen) in den embryonalen Epithelokklusionen zu 
suchen ist. Wenn nämlich das Mesenchym durch den Darm ein- 
wächst, ehe die Lösung der Epithelokklusion stattgefunden hat, wird 
in der Lichtung des Darms eine Atresie gebildet, bestehend aus 
Bindegewebe, welches in dem Epithel eingelagert wird. Wenn die 
Bindegewebebrücke dünn ist, entsteht eine Membran; wenn sie dicker 
ist, ein Strang; ist sie unvollständig oder so schwach, daß sie birst, 
eine unvollständige Membran. Der Verf. zeigt ferner, daß der Darm 
während des Fötallebens unterhalb einer unvollständigen Stenose 
solche Veränderungen erleiden kann, daß die Lichtung verschwindet 
und die Teile des Darms nur vor einem festen Strang verbunden 
werden; aus einer ursprünglichen Verengung kann so eine vollstän¬ 
dige Obliteration entstehen. Hierdurch läßt der Umstand sich er¬ 
klären, daß das Mekonium unterhalb einer Atresie gefunden werden kann. 
Die verdienstvolle, in gewissen Richtungen bahnbrechende Arbeit 
wird von guten Bildern begleitet. Hoffentlich wird sie in einer 
Weltsprache erscheinen. Adolph H. Meyer (Kopenhagen). 

Wilhelm Wernstedt (S.), Studien über die Natur der so¬ 
genannten angeborenen Pylorusstenose. (Nordiskt medicinskt 
Arkiv. Abt. I (innere Medizin). 1906. Heft 1 Nr. 2 und Heft II Nr 5.) 
Eingehende pathologisch-anatomische Untersuchungen von 17 pylorus- 
stenotischen und zahlreichen Magen normaler Kinder. Der Verf. zieht 
aus seinen detaillierten Untersuchungen den Schluß, daß angeborene 
Pylorusstenose, die er als eine anatomische Mißbildung betrachtet, 
sehr selten ist, nur einer seiner Fälle (es handelt sich um eine 50 jährige 
Frau) gehört diesem Länderer-May er sehen Typus an; alle 16 
anderen waren Stenosen bei Säuglingen und gehörten dem Hirsch- 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


31 


sprung8chen Typus an; der Verf. glaubt nicht, daß dieser Typus 
angeboren ist (das spastische Moment scheint ihm das wichtigste, und 
pathologisch-anatomisch tritt eine Hypertrophie der ganzen Magen¬ 
muskulatur auf) und schlägt für denselben den Namen Pylorospasmus 
oder spastische Pyloruskontraktur im Säuglingsalter vor, trotzdem daß 
Hirsch sprung selbst die Ähnlichkeit seiner Fälle mit den von Lander er 
und Mayer publizierten Fällen bei Erwachsenen und älteren Kindern 
behauptete. Der sogenannte Sphincter pylori und Canalis pylori sind 
nach den Untersuchungen des Verf. als Ausdruck für verschiedene 
Kontraktionszustände aufzufassen. Die Weite des Pyloruslumens 
dürfte sich durch Ausdehnungsversuche mit Wasser und nachfolgende 
Härtung mit Formalinlösung in exakterer Weise bestimmen lassen, 
als durch die von Pfaundler u. a. gebrauchten Methoden, deren An¬ 
gaben sich als nicht stichhaltig heraussteilen. Gute Illustrationen 
sind beigefügt. Die in der deutschen Sprache geschriebene Abhand¬ 
lung ist sehr lesenswert. Adolph H. Meyer (Kopenhagen). 

Theodor Frölich (Norweger), Über Pylorusstenose bei Säug¬ 
lingen. (Norsk Magazin for Lägevidenskaben. Nr. 9. 1906.) Der 
Verf. hat zwei Patienten mit diesem Leiden beobachtet; der erste 
starb im Spital; an dem anderen wurde Pyloroplastik mit gutem Er¬ 
folg vorgenommen. Er betrachtet das Leiden als angeboren, und 
auf vergleichende anatomische Untersuchungen gestützt als eine Ent¬ 
wicklungsanomalie, entweder als eine fötale Hyperplasie der Muskeln 
in dem sogenannten Canalis pylori oder als eine Folge des Ausbleibens 
der regressiven Veränderungen, die nach seiner Meinung zur Bildung 
des bleibenden Pylorus auftreten. Außer der angeborenen Pylorus¬ 
stenose existiert ein von ihr ganz verschiedener funktioneller Pylorus- 
spasmus. Adolph H. Meyer (Kopenhagen). 

C. E. Bloch (Däne), Die angeborene Pylorusstenose und 
ihre Behandlung. (Hospitalstidende. Nr. 5, 6 u. 7. 1906.) Auf 
12 Krankengeschichten gestützt gibt der Verf. zuerst eine Darstellung 
des Krankheitsbildes. Er glaubt, daß man zwei Stadien unterscheiden 
kann. Im ersten Stadium tritt das Erbrechen unmittelbar nach jeder 
Mahlzeit auf, es sind aber keine sichtbaren peristaltischen Bewegungen 
vorhanden; im zweiten Stadium ist das Erbrechen weniger häufig, 
mehr voluminös und besteht aus stinkender, zerteilter Nahrung; es 
ist Gastritis und Stagnation vorhanden, und die Peristaltik ist sicht¬ 
bar; ohne Stagnation gibt es auch keine sichtbare Peristaltik, schreibt 
der Verf. In diesem Stadium magert der Patient ab. Obstipation 
ist in beiden Stadien vorhanden. Der Verf. bespricht die verschiedenen 
Behandlungsmethoden, zieht die Heubnersehe Methode, reichliche 
Ernährung trotz des Erbrechens vor. Er hebt noch die gleichzeitige 
Behandlung einer vorhandenen Gastritis hervor und empfiehlt Butter¬ 
milch als Nahrung bei diesen Patienten. Von den 12 Patienten 
starben 2 einige Tage nach der Aufnahme, 2 kurz nach Loretas 
Operation, 8 wurden ad modum Heubner behandelt und geheilt. 

Adolph H. Meyer (Kopenhagen). 

A. Sturmdorf, Hypertrophie Stenosis of the Pylorus. 
(N. Y. Med. Record. Vol. 70. Nr. 17.) St. erörtert die pathologische 


Digitized by 


Google 



32 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


Anatomie der Stenose des Pylorus bei Säuglingen und unterscheidet 
drei Arten derselben: 1. Spastische Kontraktur des Pylorus, welche 
oft heilbar ist durch medizinische und diätetische Behandlung, eventuell 
die Loreta-Operation. Die meisten Fälle, die genesen, gehören dieser 
Art an. 2. Spastische Kontraktur mit Hypertrophie des Pylorus; 
3. Stenose des Pylorus mit Tumorbildung. In letzteren zwei Zu¬ 
ständen sei Gastro-Duodenostomie indiziert und dürfte nötigenfalls 
in zwei Sitzungen unternommen werden. 

Eine frühe Diagnose ist äußerst wichtig, indem der operative 
Eingriff in gewissen Fällen wohl gelingt, wenn der allgemeine Zustand 
des Kindes befriedigend ist. H. B. Sheffield. 

J. W. Kob, Ein Fall von angeborener Pylorushyper- 

trophie. (Lancet. 23. Juni 1906. I.) Die ersten Symptome des 
Leidens bei dem einen Monat alten Kinde waren ungestümes Er¬ 
brechen und Ablagerung. Das Epigastrium war vorgetrieben, die 
Temperatur subnormal. Von Peristaltik des Magens war nichts zu 
sehen, ein Tumor der Pylorusgegend nicht fühlbar, die Verstopfung 
hartnäckig. Tägliche Magenspülung, ferner Ernährung mit peptoni- 
sierter Milch, 1 Teil und 2 Teile Wasser, stündlich 15 g, war die 
Therapie. Der Verstopfung wurde man mit kleinen Kalomeldosen 
Herr; das Kind kam jedoch immer weiter herunter und eine beträcht¬ 
liche Gastrektasie stellte sich ein. Jetzt konnte auch ein Tumor ge¬ 
fühlt werden, eine Magenperistaltik wurde zeitweise sichtbar. Allmählich 
ließ das Erbrechen nach, die Magenspülungen wurden nur noch alle 
2 Tage vorgenommen, dazu wurde Opiumtinktur, jeweils 20 Minuten 
vor jeder Mahlzeit, in minimalsten Mengen gegeben. Dabei kam es 
zur Pupillenverengerung. Nach der Magenspülung fühlte sich das 
Kind immer recht behaglich, nahm seine Nahrung und schlief ein. 
Das Körpergewicht nahm stetig zu. Zuerst wurde roher Fleischsaffc 
gegeben, der wegen Erbrechen erst ausgesetzt, später aber gut ver¬ 
tragen wurde. Die weitere Entwicklung des Kindes war eine durch¬ 
aus ungestörte. H. Netter (Pforzheim). 

K. Schneider, Thiosinamininjektionen bei Narbenstriktur 
des Ösophagus. # (Aus dem Kinderspital in Basel.) (Korrespondenz¬ 
blatt f. Schweizer Ärzte. 1905. Nr. 11.) 

Für feinste Sonden nicht durchgängige Striktur bei 5 jährigem Jungen nach 
Trinken von Natronlauge. Benutzung einer Lösung von Thiosinamin 1,0 in 4,0 
Glyzerin und 16,0 Wasser. Erste Injektion (0;7 ccm) am 10. III. 1905, die zweite 
am 13. III. Tags darauf dringt Sonde 9 Charrtere leicht in den Magen. Nach 
der siebenten Injektion am 30. III. (seit der dritten je 1 ccm) passiert Sonde 28 
(= 97s mm ) ohne Schwierigkeit und wird gewöhnliche Kost genossen. Am 8. IV. 
(Spitalsaustritt) Sonde Nr. 30, keine Beschwerden beim Schlingen, 2*/jkg Ge¬ 
wichtszunahme. 

Auffallend war hier die ungemein rasche Wirkung der Injektionen; 
schon einen Tag nach der zweiten Injektion hatte sich das Narben¬ 
gewebe so gelockert, daß eine weiche 3 mm-Sonde durchdringen konnte, 
während vorher auch die feinsten Sonden nicht passierten. 

Grätzer. 

R, Burmeister (Concepcion), Ein Speiseröhrenschnitt. 
(Deutsche med. Wochenschrift. 1906. Nr. 15.) Am 11. August 1905 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


38 


verschluckte ein 22 Monate altes Kind ein 20-Centstück (Größe eines 
Markstückes). Ein Arzt ließ das Kind trinken und ein Stückchen 
Biskuit schlucken, und als dies ohne Beschwerden herunterging, er¬ 
klärte er, das Geldstück werde auf dem natürlichen Wege abgehen. 
Als dies nicht geschah, wurde am 14. August B. konsultiert, welcher 
Durchstrahlung mit Röntgenstrahlen vomahm; er fand die Münze im 
Ösophagus, in der Höhe des oberen Sternalrandes, in die Frontal¬ 
ebene eingestellt. Nachdem Versuche, den Fremdkörper ohne Opera¬ 
tion zu eliminieren fehlgeschlagen, wurde operiert. B. sagt darüber: 

„17. August 1905, 9 Uhr a. m., wurde zur Entfernung des Fremd¬ 
körpers durch Oesophagotomia externa geschritten. Nach Einleitung 
der Chloroformnarkose wurde zunächst mittels elastischer Bougie noch¬ 
mals konstatiert, daß der Fremdkörper sich noch unverändert am selben 
Orte befände. Dann wurde eine Rolle unter die Schultern des liegen¬ 
den Patienten geschoben, derart, daß der Kopf nach hinten rechts 
überhing und die Speiseröhre mit Rachen und Mund ein annähernd 
geradliniges Rohr bildete. Ausführung der Operation in gewöhnlicher 
Weise: Schnitt am inneren Rande des Sternocleidomastoideus. Die 
sehr stark gefüllte Vena jugularis wird nach außen abgedrängt, eine 
Ros er sehe Stahlbougie Nr. 24 durch den Mund bis in die Gegend 
der Wunde gebracht, den Knopf gegen letztere vorgeschoben, und 
nachdem der Ösophagus stumpf erreicht, seine Wand gegen den 
Bougieknopf eingeschnitten. Eine durch die Wunde in der Richtung 
gegen den Magen eingeführte gebogene Komzange faßte die Münze 
glücklicherweise sofort derart, daß die Entwicklung ohne weitere 
Schwierigkeit vorgenommen werden konnte. 

Einführung eines Gummischlauches vom Kaliber Gh. 22 durch 
Wunde und Speiseröhre bis in den Magen, eine Naht im unteren, 
drei Nähte im oberen Wundwinkel und Jodoformgazetamponade rings 
um den Schlauch beendeten die Operation. Der ganze Eingriff vom 
Beginn der Narkose bis zum Schluß des Verbandes hatte kaum 
25 Minuten gedauert, und der Blutverlust war — ohne Unterbindung 
— minimal gewesen, beides Momente, welche sicher von Einfluß 
waren auf die vorzügliche Art und Weise, in welcher der kleine 
Patient sich von der Operation erholte.“ 

Und daun weiter: 

„Bei der Ausführung der Operation selbst schien mir die 
dem Patienten gegebene Stellung von einiger Bedeutung zu sein. 
Wir operierten nicht in „halbsitzender“, sondern in liegender Stellung 
des Kranken. Dabei wurde eine Rolle derart unter die Schultern 
geschoben, daß der Kopf stark nach hinten überfiel und Mundhöhle, 
Pharynx und obere Speiseröhre ein annähernd gerades Rohr bildeten, 
wobei der Kopf leicht nach rechts gedreht und der linke Mundwinkel 
etwas tiefer als der rechte gestellt wurde. Die Zunge wurde, um 
freie Atmung zu sichern, von vornherein angezogen. Ich hoffte durch 
diese Anordnung Zeit bei der Operation zu sparen. Vor allem be¬ 
absichtigte ich, durch eine derartig fixierte Stellung die spätere Ein¬ 
führung, der Stahlbougie vorzubereiten und zu erleichtern. Tatsäch¬ 
lich ging später die Einführung der Bougie, ohne daß man an der 
Stellung des Patienten noch etwas hätte ändern müssen, glatt und 


CentralbL f. Kinderhlkde. XII. 


Digitized by 




34 


Centralbl&tt für Kinderheilkunde. No. 1. 


ohne jeglichen Zeitverlust von statten. — Des weiteren hoffte ich aber, 
daß die beschriebene Stellung mir beim Eindringen in die Tiefe für 
die Schonung der großen Gefäße von einigem Nutzen sein werde. Ich 
ging dabei von der Erfahrung aus, daß Leute, welche sich mittels 
Halsabschneidens das Leben zu nehmen beabsichtigen, diesen Zweck 
meistens nicht erreichen, weil sie den Kopf, anstatt ihn nach vorne 
herüberzuneigen, hintenüber halten, bei welcher Stellung die großen 
Gefäße sich bekanntlich einer durch die Wirbelsäule gehenden Fron¬ 
talebene nähern und so durch die zwischen ihnen nach vorne rückende 
Wirbelsäule geschützt, dem in selbstmörderischer Absicht geführten 
Messer ausweichen. Ich hoffte, daß dieser Mechanismus mir für die 
Vermeidung einer Verletzung jener Teile von Nutzen sein und außer¬ 
dem das Vordringen in die Tiefe erleichtern werde. In der Tat 
machte die Schonung der Gefäße keinerlei Schwierigkeiten, sondern 
das Vorgehen an ihnen vorbei war eigentlich das Bequemste, da 
Sternocleimastoideus und Gefäßbündel sozusagen von selbst zurück¬ 
wichen, um den Weg auf die Speiseröhre freizugeben. 

Nach vollendeter Extraktion legten wir keine Naht des Ösophagus 
an, sondern begnügten uns mit einer geringen, Verkleinerung der 
äußeren Wunde. Wir unterließen die primäre Ösophagusnaht nicht 
etwa in Rücksicht auf den Zustand der Weichteile, sondern um Zeit 
zu sparen und den Chloroformverbrauch auf das möglichst geringe 
Maß zu beschränken. Die Heilung der Wunde ist dann ja auch in 
14 Tagen prompt erfolgt, ein Resultat, welches auch mit Naht der 
Speiseröhre nicht viel besser hätte sein können. 

Daß eine exakte Naht der Speiseröhre mit prima Intentio das 
Ideal für die Heilung bedeutet, bedarf ja wohl keiner Diskussion. 
Solange dies Ideal aber nicht mit annähernd absoluter Sicherheit 
erreichbar, solange wir nicht einmal sicher Komplikationen als Folge 
des primären Verschlusses der Wunde zu vermeiden vermögen, scheint 
es mir empfehlenswerter, als Normalverfahren für die Oesophagotomia 
externa zwecks Fremdkörperextraktion den Verzicht auf die Naht 
anzusehen. Für den Kranken bedeutet dies eine wesentliche Ab¬ 
kürzung der Operationsdauer, ein Gewinn, der allerdings von Fall zu 
Fall verschieden zu bewerten sein wird, aber doch ein sicherer und 
niemals ganz außer acht zu lassender Gewinn, dem gegenüber es bei 
ruhigem Abwägen der einzelnen Faktoren nicht allzuschwer sein wird, 
die eventuelle Aussicht auf eine möglicherweise etwas kürzere Nach¬ 
behandlung aufzugeben.“ Gr ätz er. 


J. J. Rectenwald, A quarter removed after 219 days in 
the oesophagus of achild. (New York Medical Joum. Vol. L XXXTTT . 
Nr. 2 . 1906.) Es handelt sich um ein Kind von 2 Jahren und 
2 Monaten, das ein Geldstück verschluckt hatte. Der herbeigernfene 
Arzt fand keine Gefahr und machte keinen Eingriff. Im Laufe der 
Zeit traten jedoch Schluckbeschwerden auf, die Atmung wurde er¬ 
schwert, die Stimme heiser, es stellte sich häufig Hustenreiz ein, 
flüssige Speisen konnten die Speiseröhre unbehindert passieren, feste 
Speisen wurden schließlich wieder von sich gegeben. Das Kind nahm 
beträchtlich an Gewicht ab. Erst Ende April kam es in Behandlung 


Digitized by 


Google 



U. Referate. 


35 


yon Verf., welcher durch Röntgenaufnahme das Vorhandensein einer 
Münze an der Bifurkationsstelle der Trachea feststellte. Die Ver¬ 
suche einer Entfernung mit dem Münzenfänger, der nach Verfs An¬ 
sicht bisweilen ein gefährliches Instrument sein kann, mißglückten 
3mal, die mit dem Tiemannsehen Instrument 5mal. Schließlich 
am 219. Tage gelang die Entfernung mittels eines eigens zu diesem 
Zweck konstruierten Fängers, den Verf. beschreibt. Das Kind wurde 
frei von allen Beschwerden. H. Grein er (Magdeburg). 

G. A. Roddler, Les corps ötrangös de Poesophage chez 
les enfants. (Thöse de Paris. 1906.) Die im Ösophagus stecken 
gebliebenen Fremdkörper müssen so bald als möglich entfernt werden, 
und zwar geschieht dies entweder mit verschiedenen Extraktions¬ 
instrumenten oder mittels der Oesophagotomia externa. Letztere ist 
heute eine gut definierte Operationsmethode, deren Resultate um so 
besser sind, je früher dieselbe zur Ausführung gelangt. Namentlich 
soll immer operativ vorgegangen werden, wenn es sich um einen vo¬ 
luminösen, schneidenden, rauhen oder eckigen Fremdkörper handelt. 
Für die Extraktion auf natürlichem Wege wird noch viel das Grraefe¬ 
sche Instrument benützt, doch vergesse man nicht, daß durch dasselbe 
schon viel Unheil angerichtet worden ist, namentlich wenn es sich um 
eine so enge Röhre handelt, wie es der kindliche Ösophagus ist. Im 
allgemeinen sollen solche Extraktionsversuche nur in den ersten Tagen 
nach dem Unfälle versucht werden, wenn die Wand der Speiseröhre 
noch keine entzündlichen Veränderungen aufweist, während man später 
mit Vorliebe zur Operation greifen wird. E. To ff (Braila). 


H. Brüning, Zur Behandlung der Askaridiasis. (Aus der 
Kinderabteilung des Univers.-Krankenhauses in Rostock.) (Mediz. 
Klinik. 1906. Nr. 29.) Ein in Amerika als offizielles Anthelminticum 
täglich benutztes, bei uns gänzlich in Vergessenheit geratenes Mittel, 
das sogenannte amerikanische Wurmsamenöl (Wormseedoil), 
von der Pflanze Chenopodium anthelminticum Gray stammend, hat 
B. mit Erfolg angewandt; und zwar hat er mit einem seitens der 
Chem. Fabrik Schimmel & Co. in Miltitz bei Leipzig hergestellten 
Öle 7 Kindern Askariden entfernt. Es seien drei Fälle näher ge¬ 
schildert. 

I. Fall. 6jähriger Knabe mit Askarideneiern im Stuhl. Erhält 2mal 0,75 
01. Chenopod. anthelminth. in 5 °/ 0 iger Emulsion mit Vasenol in 2 1 j 9 ständiger 
Zwischenpause. Nach 10 Stunden Entleerung von Stuhl mit zwei männlichen 
Spulwürmern. Tags darauf die gleichen Dosen Wurmsamenöl mit 2 ständigem 
Intervall, 2 Stunden später 10 g Rizinusöl. Entleerung eines weiblichen Askaris. 
Von da im Stuhl keine Wurmeier mehr. 

2. Fall. 4 jähriger Knabe mit Tänien- und Askarideneiern im Stuhl. Früh 
nüchtern 10 ccm (0,5 01. Chenopod. anthelmint.) folgender 5 °/ 0 iger Emulsion. 

Rp. 01. Chenopod. anthelmint. 

Gi. arab. subtill. pulv. ää 5,0 

Aq. dest. 

Syr. Aurant. ää 45,0 
F. emulsio. 


2 Stunden darauf 10 g Rinzinusöl; dieselbe Dosis 5 Stunden später. Nach 
7 Stunden nochmals 0,25 g 01. Chenopod. und 10 g Rizinus. Nach 9 Stunden 
Stuhlentleerung ohne Wurmeier. Bald darauf nochmals Stuhl mit einem weib- 


Digitized by 


8 * 

Google 



36 Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 

liehen Spulwurm und zahlreichen Bandwurmeiern. Die Tänie selbst wird einige 
Tage später durch Extr. filic. abgetrieben. Keine weiteren Würmer mehr. 

3. Fall. 13jähriger Knabe mit zahlreichen Askarideneiern. Erhält in 
2ständigen Pausen 3 mal Ol. Chenop. in Dosen von 0,5 ccm von folgender Emulsion: 

Rp. 01. Chenopod. anthelmint. 10,0 
Vitell. ovi I. 

01. amygd. 

Gi. arab. pulv. ää 10,0 
Aq. dest. ad 200,0 
F. emulsio. 

2 Stunden später 10 g Rizinus. Nach 5 Stunden ein weiblicher Askaris und viele 
Eier. Tags darauf von der gleichen Emulsion dasselbe Quantum in 1 ständigen 
Intervallen und wieder 10 g 01. Ricini. Nach 14 Stunden zwei männliche und 
ein weibliche Askaris. 

Die Medikation stieß auf keine Schwierigkeiten, unangenehme 
Nebenwirkungen kamen nicht zur Beobachtung, das Mittel wirkte 
prompt in allen Fällen, und zwar scheint es, wie Fall 2 zeigte, eine 
spezifische Wirkung auf Askaris zu haben. Man kann es tropfen¬ 
weise mit Sirup] oder Zuckerwasser oder in Form der Emulsionen 
geben, und zwar empfiehlt es sich, bei Einschränkung der Nahrungs¬ 
zufuhr, 3 mal täglich 0,25—0,5 in 1—2 ständigen Intervallen (eventuell 
mehrere Tage) zu verabreichen und 1—2 Stunden nach der letzten 
Tagesdosis ein Abführmittel nachfolgen zu lassen. Grätzer. 


III. Aus Vereinen und Versammlungen. 


Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien; 

Pädiatrische Sektion. 

Sitzung am 25. Oktober 1906. 

Goldreich demonstriert ein 5 monatliches Kind mit angeborener linksseitiger 
peripherer Fazialislähmung und Mißbildung des linken Ohres. Die galvanische Erreg¬ 
barkeit vom Nervenstamme aus ist erloschen, bei direkter Erregung des Mund- 
fazialis ist Zuckung auszulösen. Ähnliches ergibt die Untersuchung der fara- 
dischen Erregbarkeit. 

Die Ursache dieser peripheren Fazialislähmung ist möglicherweise in einer 
Entwicklungsanomalie des Ohres, verbunden mit mangelhafter Entwicklung des ge¬ 
samten knöchernen Gehörapparates zu suchen. 

Schüller zeigt anschließend daran einen analogen Fall von Mißbildung der 
linken Ohrmuschel und angeborener Parese des linken Nervus facialis. Durch 
elektrische Behandlung konnte Besserung erzielt werden. Auch Sch. bringt die 
Ohrmißbildung mit der Nervenaffektion in Zusammenhang. 

Rach demonstriert ein 10monatliches Kind mit symmetrischer Makrodaktylie an 
den Händen. Erster, zweiter und dritter Finger beider Hände sind bedeutend 
vergrößert. Wie aus dem Röntgenbilde hervorgeht, betrifft die Vergrößerung so¬ 
wohl das Skelett als auch die Weich teile. Die Aktionsfähigkeit der Finger ist 
nicht beeinträchtigt. Das Fettgewebe der mißbildenden Finger ist geschwulst¬ 
artig entwickelt, so daß die Finger gewulstet erscheinen. 

Schrötter berichtet über die glücklich gelungene Entfernung eines Fremd¬ 
körpers mittels direkter Bronchoskopie aus der Teilungssteile des rechten Unter¬ 
lappenbronchus. 

Das 10 monatliche Kind bekam beim Essen eines Wurststückes eine schwere 
Dyspnoe, die Respiration der rechten Lunge war aufgehoben. Im Bronchoskop 


Digitized by 


Google 



in. Aus Vereinen und Versammlungen. 37 

konnte der Fremdkörper, ein Knochenstück, gut gesehen und ohne Narkose ex¬ 
trahiert werden. 

Schwoner zeigt ein 4 monatliches Kind, das am Kreuzbein Narben und 
darunter einen tastbaren Knochendefekt aufweist Die Ursache dieser Verände¬ 
rungen sei eine Spina bifida occulta. Swoboda bemerkt in der Diskussion, daß 
die Narbenbildung nur als intrauterin ausgeheiltes Angiom aufzufassen sei. Angiome 
über der Stelle der Spina bifida sind nicht selten. 

Schick demonstriert einen 12 jährigen Knaben, der vor 4 Monaten auf der 
Scharlachstation der pädiatrischen Klinik lag und an den Nägeln Veränderungen 
aufweist, die zuerst von Meller, später von Feer als SchariacMlnie beschrieben 
werden. 

4—5 Wochen nach Scharlachbeginn zeigt sich auf der Nageloberfläche eine 
quere lineare Furche, seltener ein Wall, der entsprechend dem Wachstum des 
Nagels nach vorne rückt In 6 Monaten erreicht diese bogenförmig verlaufende 
Linie den freien Nagelrand. 

Lehndorff demonstriert ein 6 jähriges Mädchen mit dem Bilde der Hodgkin- 
schen Krankheit Das Kind zeigt einen durch beiderseitige mächtige Schwellung 
der Lymphdrüsen enorm verbreiterten Hals. Auch die mediastinalen Lymphdrüsen 
erweisen sich im Radiogramm vergrößert. Dabei besteht hohes hektisches Pfeber, 
Kachexie, Anämie. 

Das Blutbild ist das einer schweren Anämie. Hämoglobingehalt 35%, rote 
Blutkörperchen 8 Millionen, weiße 12—20000, darunter 75—80% polynukleäre 
Zellen. B. Schick (Wien). 


78. Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte 

in Stuttgart 

16.—22. September 1906. 

Sektion für Kinderheilkunde. 

(Nach der Deutschen med. Wochenschrift.) 

Sitzung am 19. September 1906. 

Vorsitzender: Czerny (Breslau). 

Oberndorfer (München): Herzhypertrophien im frühesten Kindesalter. Mit¬ 
teilung mehrerer Fälle hochgradiger Vergrößerung des Herzens von Säuglingen. 
Während als auslösendes Moment der Entstehung der Hypertrophie bei einigen 
die Vergrößerung der Tymus angenommen werden kann, ist die Genese der anderen 
Fälle in völliges Dunkel gehüllt. Das Herzgewicht, das im ersten Jahre 24—40 g 
normal beträgt, erreichte in den mitgeteilten Fällen das Drei- bis Vierfache des 
normalen (60, 66, 108, 132). Die Kinder entwickelten sich im allgemeinen nor¬ 
mal. Die klinische Untersuchung ergab keine Anhaltspunkte für kardiale Er¬ 
krankung. Der Tod trat meist plötzlich, manchmal unter Krämpfen ein. Die 
Literatur kennt nur sehr wenige ähnliche Fälle. Nicht ausgeschlossen ist, daß 
Alkoholismus der Eltern für die Entstehung dee Hypertrophie verantwortlich ist; 
möglich ist auch, daß manche Fälle sogenannter idiopathischer Herzhypertrophie, 
die in höherem Alter konstatiert werden, in ihren ersten Anfängen auf das frühere 
Kindesalter zurückdatieren. 

In der Diskussion bedauert Heubner (Berlin) den Mangel der pathogene¬ 
tischen Anschauungen. Falkenheim (Königsberg) fragt nach den Ernährungs- 
Verhältnissen in den beschriebenen Fällen. Bern heim (Zürich) betont die Not¬ 
wendigkeit der Herzwägungen in diesen Fällen nach der Methode Krehl (Müller). 
Czerny fragt nach der Entwicklung der Skelettmuskulatur, da Relationen 
.zwischen dieser und Herzmuskulatur bestehen. Schlußwort: Oberndorfer sah 
niemals stark entwickelte Skelettmuskulaturen. 


Holz (Stuttgart): Zur Rachitis beim Hunde, Hasen und Reh. Verf. bespricht 
Präparate von beim Hunde aufgetretener Rachitis, Skelettveränderungen beim 
Kaninchen, Feldhasen und Reh, die der menschlichen Rachitis entsprechen, abge- 

Digitized by Google 



38 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


sehen davon, daß das Vorkommen der kalklosen Substanz auf die Epiphysen¬ 
gegend beschränkt ist. 

Dräseke (Hamburg): Zur Kenntnis der Rachitis. Er hat anatomische Ver¬ 
änderungen im Rückenmark bei Rachitikern gefunden, die er für die Ätiologie 
verantwortlich macht. 

Diskussion: Thiemich (Breslau) und Czerny halten die Methodik für 
nicht einwandfrei. 

Uffenheimer (München): Die Knötchenlunge. Vortr. verbreitet sich unter 
Demonstration zahlreicher Präparate über das Wesen der von ihm erstmals in 
seiner Habilitationsschrift beschriebenen Knötchenlunge. Er schildert neue Ver¬ 
suche, die er diesmal im Gegensatz zu den älteren, mit Tuberkelbazillen vom 
Typus humanus angestellten mit Tuberkelbazillen eines sehr stark virulenten 
Bovinusstammes vorgenommen hat, und bespricht außerdem eine große Reihe 
von Kontrollversuchen. Die verimpften Processusdrüsen eines der Bovinustiere 
verursachten eine echte Tuberkulose beim Impftier, im übrigen trat auch bei der 
Bovinusreihe regelmäßig wieder die Knötchenlunge auf. Nach Beschreibung ge¬ 
wisser mikroskopischer Details, wobei längere Zeit bei eigenartigen eosinophilen 
Prozessen in den Knötchenlungen verweilt wird, kommt Vortr. zu folgenden 
Schlußfolgerungen auf Grund seinen neuen Materials: 

1. Die Bildung der Knötchenlunge kann durch Einbringung der verschie¬ 
densten organischen Stoffe in den Meerschweinchenkörper ausgelöst werden. 
Auch nach Impfung mit normaler Körpersubstanz neugeborener Tiere zeigt sich 
nach längerer Zeit diese Erscheinung. 2. Die Überimpfung von Blut und Drüsen 
vor kurzem mit Tuberkelbazillen gefütterter Meerschweinchen auf neue Meer¬ 
schweinchen löst nicht nur mit großer Regelmäßigkeit die Knötchenlunge bei 
diesen Tieren aus, sondern führt zugleich im Organismus derselben zu Immuni¬ 
sierungsvorgängen gegen den Tuberkelbazillus, welche experimentell erwiesen 
werden können. Ein kausales AbhängigkeitsVerhältnis der Immunisierungsvor¬ 
gänge von der Bildung der Knötchenlunge ist bis jetzt noch nicht erwiesen. Mög¬ 
licherweise sind die Knötchenbildung in der Lunge und die Immunisierung gegen 
den Tuberkelbazillus als koordinierte biologische Vorgänge aufzufassen. 3. Es ist 
aller Wahrscheinlichkeit nach die Möglichkeit gegeben, daß schnell nach der 
Fütterung der jungen Meerschweinchen mit dem Tuberkelbazillus einige wenige 
Keime in die verschiedensten Drüsen, eventuell in das Blut und die Organe über¬ 
gehen können. Dies muß aber noch keine Erkrankung des Körpers an der Tuber¬ 
kulose zur Folge haben, weil die einzelne Drüse usw. noch immer durch ihre 
Fähigkeit der abschwächenden Wirkung wenige eingedrungene Tuberkellbazillen 
völlig unschädlich machen kann. 


Heubner (Berlin): über Pylorospasmus. Er beobachtete über 49 Fälle unter 
10000, also 0,5%. Von 21 Fällen endigten zwei — in derselben Familie — letal. 
18 Fälle blieben mit Sicherheit jahrelang um Leben. In bezug auf das Geschlecht 
und das Alter, in denen das Symptom des Brechens auftrat, stimmen die persön¬ 
lichen Erfahrungen mit den schon bekannt gegebenen überein. Bezüglich des 
Chemismus der Verdauung ergaben sich keine Besonderheiten. H. steht nicht 
auf dem Standpunkt, daß es sich um eine organische Erkrankung, um Neu¬ 
bildung oder Mißbildung handelt. Eine Wucherung des Bindegewebes sei 
in keinem Falle überzeugend bewiesen. Auch die Untersuchungen Wern- 
stedts sprechen im Sinne H. für eine funktionelle Neurose des Magens. Das 
einzig Pathologisch-Anatomische, was die Mägen darbieten, ist die Muskelhyper¬ 
trophie, die sich nicht nur auf den Pylorus, sondern auch auf den gesamten 
Fundusteil erstreckt. H. vertritt die Auffassung, daß die primäre Störung der 
Krampf der Magenmuskulatur ist, der höchstwahrscheinlich von Geburt an be¬ 
steht. Ein Beweis für die kongenitale Natur liegt in der Familiendisposition 
zur Erkankung. Bezüglich der Pathogenese verweist H. auf Zustände im Bereich 
der willkürlichen Muskulatur, in der auch angeborene, rückgangfahige, rein spa¬ 
stische Erscheinungen Vorkommen. Ein nicht geringer Prozentsatz des Materials 
bot Zeichen hereditärer Belastung. Als oberstes Prinzip in der Behandlung des 
Leidens stellt H. die Schonung des Magens hin; deshalb sieht er von Ausspülungen 
ab und läßt das Kind in großen Pausen nähren, trinken und auch brechen, soviel 
es will. Am besten ist die Ernährung an der Mutterbrust oder Amme; ferner 
empfiehlt sich die lokale Applikation warmer Breiumschläge. Bezüglich der 
Operation empfiehlt H. als Termin den dritten Monat zu wählen. Was die 


Digitized by 


Google 



UL Aus Vereinen und Versammlungen. 


39 


späteren Schicksale der Kinder anlangt, so erfreuten sich viele eines ungestörten 
Befindens, einige boten nervöse Störungen dar. 

ln der Diskussion betont Ibrahim (Mönchen), daß der Beweis für die sekun¬ 
däre Hypertrophie dureh Spasmus nicht erbracht sei. Er bezweifelt, daß histo¬ 
logische Untersuchungen der Zellkerne weitere Erkenntnis bringen, und verspricht 
sich mehr vom Studium des reflektorischen Pylorusschlusses. Vielleicht liegt der 
Anomalie eine solche der mesenterialen Aufhängebänder zugrunde. Mit Rück¬ 
sicht auf die Entstehung von Säuren aus Fett im Magen schlägt er vor, entfettete 
Milch zu geben, da die Säurewirkung auf den Pylorusschluß erwiesen sei. 
Siegert (Köln) glaubt nicht an eine angeborene Hypertrophie, sondern an funk¬ 
tioneilen Spasmus. Er betont, daß sich in manchen Fällen gelabte Kuhmilch gut 
bewähre, was er mechanisch und durch Säurebildung erklärt. Franke (Ham- 
burg) glaubt aus einem Fall schließen zu dürfen, daß fettarme Milch das Leiden 
verschlimmere. Feer (Basel) teilt eine interessante Beobachtung mit, in der ein 
Ulcus eingetreten war. Der Pylorus war auf der rechten Fossa iliaca, die Magen¬ 
muskulatur stark verdickt. Rosenhaupt (Düsseldorf) glaubt auch an die Schäd¬ 
lichkeit zu geringen Fettgehaltes der Milch. Er spricht sich gegen die Verab¬ 
reichung großer Nahrungsmengen aus. Rommel (München) teilt die funktionelle 
Auffassung und befürwortet die Atropindarreichung. Pfaundler (München) be¬ 
tont, daß es in bezug auf die spastische und auch Mißbildungstheorie Unitarier 
gäbe. Er stehe auf dem Standpunkte des Dualismus. Als Stütze der organischen 
Auffassung betont er den oft erbrachten Zusammenhang mit Mißbildungen au 
anderen Organen, Versprengungen von Brunnerschen Drüsen usw. Es gibt 
kontrahierte Mägen, die das besprochene Bild imitieren. Das ist aber nur eine 
Massen Verschiebung, während es sich bei der kongenitalen Stenose um Massen¬ 
zunahme handelt Auch das verschiedene Verhalten gegen die Einführung von 
Wasser unter Druck bespricht Pfaundler; ferner teilt er mit, daß der von 
Finkeistein beobachtete Pylorustumor oft nicht dort liegt, wo sonst der Pylorus. 
Pfaundler ist bei den spastischen Fällen von der glänzenden Wirkung der 
Magenspülung überzengt, die mit kaltem Wasser ausgeführt werden und er¬ 
schlaffend wirken soll. Heubner (Schlußwort) betont nochmals, daß die Wern¬ 
sted tschen Untersuchungen für seine Auffassung sprechen. Er leugnet nicht die 
Möglichkeit des Vorkommens organischer Stenosen, aber diese seien etwas anderes. 
Er perhorresziert die Magenspülung und warnt vor Ammenwechsel oder Übergang 
zu künstlicher Ernährung. Czerny hält die Frage der Pathogenese noch nicht 
für gelöst. 

Thiemich (Breslau): über die Entwicklung eklamptischer Säuglinge in der späteren 
Kindheit. Th. spricht von jenen Krämpfen, jener Eklampsie, die auf dem Boden 
der elektrischen Übererregbarkeit entsteht. Er bat 53 Kinder, die seinerzeit an 
dieser Affektion litten, dauernd beobachtet. Von diesen sind 33 schulpflichtig 
(7—9 Jahr alt), eins ist 12 Jahre alt. Epileptisch ist gegenwärtig keine. 18 Kinder 
sind intellektuell normal, 21 schwach begabt, bei 14 Kindern läßt sich nichts aus- 
sagen. Von den 20 nicht schulpflichtigen sind 40% schwach begabt Unter den 
nicht schulpflichtigen Kindern sind solche mit stark verlangsamter Sprachentwick¬ 
lung. Außer den intellektuellen Defekten bestehen neuropathische Störungen, 
Pavor nocturnus, Wutkrämpfe, choreiforme Bewegungen, Enuresis, Stottern, trieb¬ 
artiges Weglaufen, Pseudologia phantastica. Frei von den geschilderten Störungen 
ist ein Drittel des Materials, unter dem sich eine große Anzahl einziger Kinder 
befindet, weswegen die guten Leistungen nicht zu bindenden Schlüssen berech¬ 
tigen. In bezug auf Heredität spielen Epilepsie, Tuberkulose, Alkoholismus, 
Schwachbegabung keine Rolle. Sowohl Eklampsie als defekte Weiterentwicklung 
sind Folgen einer kongenitalen, bzw. hereditären Minderwertigkeit. 

Die vorgetragenen Untersuchungen hat Th. mit Unterstützung von Birk 
(Breslau) ausgeführt. 

In der Diskussion betont Escberich (Wien) den Wert der Methode 
der vorgetragenen Untersuchungen, doch kann er sich nicht auf den Standpunkt 
stellen, der den Begriff der Eklampsie in dem der spasmophilen Diathese auf¬ 
gehen läßt. Es ist eine Frage, ob wir berechtigt sind, eine verschiedene Patho¬ 
genese anzunehmen. Esche rieh denkt an eine gemeinschaftliche Pathogenese, 
vielleicht eine funktionelle Störung der Epithelkörperchen. Heubner schließt 
sich dieser Auffassung Escherichs nicht an, betont allerdings, daß nicht alle 
Krämpfe, die in jener Zeit auftreten, ihre Grundlage in der spasmophilen Dia- 


Digitized by 


Google 



40 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


these haben müssen. Er schlägt vor, bei dem Namen der Spasmophilie zu bleiben. 
Escherich betont, daß er nicnt von gemeinsamer Ätiologie, sondern nur von ge¬ 
meinsamer Pathogenese gesprochen habe. Finkeistein meint, daß Spasmo¬ 
philie am besten den Konstitutionszustand bezeichnet. Er berichtet von seinen 
Dauerbeobachtungen, die denen Thiemichs ähnlich sind, insbesondere hat er 
viel Spasmophilien bei älteren Kindern gesehen. Degenkolb-Roda betont auf 
Grund seines Materials den Zusammenhang zwischen Epilepsie und Eklampsie. 
Thiemich (Breslau) sagt im Schlußwort, daß gerade die galvanischen Unter¬ 
suchungen, wie die Breslauer Schule gezeigt hat, ein feines Reagenz für jene von 
ihm besprochene Störung abgeben. Er akzeptiert den Namen der Spasmophilie, 
um einem fruchtlosen Wortstreit zu entgehen. Dieser Begriff deckt sich aber 
jedenfalls mit dem Escherichs, dem Begriff des tetanischen Zustandes. Bezüg¬ 
lich der Epilepsie verweist Thiemich auf die widersprechenden Angaben der 
Literatur. 

v. Pirquet (Wien): Galvanische Untersuchungen an Säuglingen. Nur bei starker 
Erhöhung der Erregbarkeit ist die K. Oe. Z. unter 5 mA. erreichbar; für leichte 
Obererregbarkeit ist die A. Oe. Z. wertvoller, welche beim normalen Säugling 
ebenfalls über der Schwelle von 5 mA. liegt. Bei fortlaufenden Untersuchungen 
anscheinend gesunder Kinder der Wiener Säuglingsabteilung ließen sich bei einem 
Teil derselben Übererregbarkeitserscheinungen und Erregbarkeitsschwankungen nach- 
weisen. In einem Fall entstand im Verlaufe der Untersuchungen ein typischer 
tetanoider Zustand. Eine genaue Analyse der Syndrome läßt noch am ehesten 
den Einfluß respiratorischer Noxen vermuten. Der Übergang von Brust- auf 
Kuhmilch bewirkte in keinem der untersuchten Fälle eine deutliche Erhöhung 
der Erregbarkeit; ein Einfluß der Nahrung konnte nur einmal konstatiert werden, 
als Aussetzen der Kuhmilch von einer vorübergehenden Herabsetzung der Erreg¬ 
barkeit gefolgt war. Darreichung selbst großer Mengen von Calcium bewirkte 
keine Veränderung. 

In der Diskussion bemerkt Finkeistein (Berlin), daß es zum Zustande¬ 
kommen des Phänomens der elektrischen Überregbarkeit notwendig sei, daß primär 
irgend eine Allgemeinstörung des Organismus bestehe. Erst infolge dieser kommt 
der Einfluß der Ernährung auf die Erregbarkeit zustande. Was diesen Faktor 
betrifft, so ist er wechselnd. Die Verhältnisse liegen oft ungeheuer kompliziert, 
so daß nur aus einem großen Material Schlüsse gezogen werden können. Ziehen 
wir dann ein Durchschnittsergebnis, so spricht es im Sinne der Breslauer Schule, 
daß unter natürlicher Ernährung andere Verhältnisse herrschen als unter Kuh¬ 
milchernährung bei kranken Kindern. Über die Bedeutung des Lebertrans muß 
er nach einer großen Reihe von Versuchen sagen, daß, wenn man Kinder mit 
roher Milch ernährt und ihnen Lebertran zuführt, fast in allen Fällen binnen 3 
bis 4 Wochen die elektrische Erregbarkeit normal wird. Finkeistein sah nur 
zwei refraktäre Fälle unter 60 bis 70. 

Im Schlußwort sagt Pirquet, daß ihm die Ergebnisse seiner Versuche 
von Injektion mit Molke gegen deren Wirksamkeit zu sprechen scheinen. 


Sitzung am 20. September 1906. 

Vorsitzender: Finkeistein (Berlin). 

Salge (Dresden) berichtet über die Herausgabe einer Zeitschrift für Säuglings¬ 
fürsorge, deren Projekt allgemeine Zustimmung fand. 

Rein ach (München) zeigt Röntgenogramme hereditär-luetischer Knochenaffektionen. 

Schlesinger (Straßburg): Aus der Anamnese und dem Status praesens schwach 
begabter Schulkinder. An der Hand eines Beobachtungsmaterials von 138 Kindern 
einer Hilfsschule erörtert Vortr. die Bedeutung der nachteiligen Momente und 
schädigenden Faktoren, die beim Zustandekommen der Debilitas in Betracht 
kommen oder diese verstärken können. Es seien hier angeführt die Degenera¬ 
tionen der Nachkommenschaft der psychoneuropathischen, trunksüchtigen, lue¬ 
tischen, tuberkulösen Eltern und die beachtenswerte Stellung der Debilen in der 
Reihenfolge der Geburten dieser dekadenten Generation. Beachtenswert ist das 
soziale Milieu, das standesamtliche Verhältnis der Hilfsschüler. Aus der persön¬ 
lichen Anamnese wird Nachdruck gelegt auf schwere oder langwierige Ernährungs¬ 
störungen im Säuglingsalter, aus dem Status auf die körperliche Rückständigkeit 
dieser Kinder im 1 . —3. Jahre hinter ihren Altersgenossen. An Photographien 
werden Besonderheiten des Gesichtsausdruckes demonstriert. Ausgesprochene 


Digitized by 


Google 



III. Aus Vereinen und Versammlungen. 


41 


Kretinen und Mikrocephale fehlen. Tonsillotomien brachten kaum noch irgend 
einer Richtung hin Erfolg. Fast pathognomonisch ist die Farbenblindheit. Eine 
Einteilung in eretische und torpide Debile gelingt nur bei den jüngeren Kindern; 
später kommen Charakterfehler, psychopathische Minderwertigkeiten zum Vor¬ 
schein. Zu betonen ist schließlich die Konkurrenz ererbter und erworbener 
schädigender Faktoren in 88% der Fälle, wobei die letzteren qualitativ und quan¬ 
titativ überwiegen. 

In der Diskussion fragt Thiemich (Breslau) nach der Anzahl der epi¬ 
leptisch gewordenen Kinder epileptischer Mütter. Ferner betont er die ernste 
Beurteilung schwerer Kopfverletzungen in bezug auf die Veranlassung zu schweren 
Psychosen. Er teilt die Ansicht von der Bedeutung der um den Mittelwert 
schwankenden Kopfmaße und widerspricht der Bedeutung der verlegten Nasen¬ 
atmung durch Adenoide für die Intelligenz der Kinder. 

Rietschel und L. F. Meyer (Berlin): Ober Eiweißstoffwechsel bei schweren 
Ernährungsstörungen im Kindesalter. Die Vortr. untersuchten das Verhalten des Gly- 
kokolU im Organismus an Enterokatarrh, bzw. schwerer Intoxikation leidender 
Säuglinge. Sie fanden, daß an dieser Affektion leidende Kinder auf dem Höhe¬ 
punkt der Erkrankung diese Aminosäure unverbrannt zur Ausscheidung gelangen 
lassen. Sie orientierten sich darüber sowohl durch die Pfaundlersche Methode 
der indirekten Bestimmung als auch durch das von Neuberg angegebene direkte 
Verfahren. Sie betonen die Ähnlichkeit dieses Verhaltees mit der Tatsache, daß 
solche Kinder auch ihre oxydative Energie gegenüber einem Teil des Zuckers 
verloren haben. 

In der Diskussion betont Langstein den eventuellen therapeutischen 
Wert der Zufuhr von Aminosäuren auf die bestehende Azidose mit Rücksicht 
auf neuere Untersuchungen von Eppinger. Pfaundler meint, daß diese Ver¬ 
suche für seine ursprünglich geäußerte Auffassung von einer Störung der oxyda¬ 
tiven Energie in diesen Fällen sprechen. L. F. Meyer erörtert die Bedeutung 
der Zuckerausscheidung bei schweren Intoxikationen als regelmäßiges Vorkommen, 
und Finklstein definiert schließlich den Begriff der schweren Intoxikation beim 
Säugling, wie er ihn gefaßt hat. Rietschel stellt im Schlußwort Versuche 
mit anderen Aminosäuren in Aussicht. 

Reyher (Berlin): Zur Kenntnis der orthotischen Albuminurie. Auf Grund poli¬ 
klinischer Beobachtungen stellt der Autor die Tatsache fest, daß von den die 
Berliner Universitätskinderpoliklinik besuchenden Schulkindern ungefähr 12% an 
orthotischer Albuminurie leiden. Zieht man jedoch nur die an Skrofulöse, bzw. 
latenter Tuberkulose leidenden Kinder in Betracht, so steigt das Prozentverhältnis 
bis auf ungefähr 60%. Diese Zahlen ähneln den von Martius und seinen 
Schülern angegebenen. Die Tatsache der Prädisposition tuberkulöser Kinder für 
Albuminurie ist schon vonTeissier hervorgehoben worden, der eine Intoxikation 
als Ursache beschuldigt. Dieser Auslegung schließt sich R. nicht an, er betont 
schließlich, daß orthodiagraphische Untersuchungen der Herzen der an der Affek¬ 
tion leidenden Kinder keine Vergrößerung, sondern eher ein zu kleines Herz er¬ 
geben haben. 

In der Diskussion erwähnt Langstein gleichbedeutende Untersuchungen 
Pfaundlers, fragt nach den Ausscheidungsverhältnissen der Eiweißkörper in den 
von Reyher untersuchten Fällen und erörtert die Bedeutung des Blutdrucks. 
Arthur Meyer (Berlin) teilt mit, daß seine Herzuntersuchungen mit denen 
Reyhers übereinstimmen. Reyher betont im Schlußwort, daß auch er immer 
den durch Essigsäure fällbaren Eiweißkörper gefunden habe. 

Siegert (Köln): Der Nahrungsbedarf jenseits des ersten Lebensjahres. Für den 
erhöhten Nahrungsbedarf des wachsenden Kindes sind rasches Wachstum, größerer 
Bewegungstrieb, relativ große Oberfläche maßgebend; daß aber die Eiweißzufnhr 
deshalb besonders groß nicht zu sein braucht, beweist die Tatsache des mit 1,5 
bis 1 g per Kilo ideal wachsenden Säuglings. Das vorliegende Material bringt 
durchweg um etwa 100% zu große Eiweiß werte (Hasse, Herbst, Apfelmann, 
Heubner, Selter), da Camerers Tabelle überall ohne die von ihm in der 
zweiten Auflage seines Stoffwechsels des Kindes verlangte Korrektur übernommen 
wird. Camerers rektifizierte Zahlen sind so exakte, tatsächlich richtige, daß 
auch die genauesten kalorimetrischen Untersuchungen nicht viel daran ändern 
werden. Sie gewinnen nicht nur für den normalen Nahrungsbedarf, sondern für 
die Pathologie der Ernährung eine nicht zu unterschätzende Bedeutung, da sie 


Digitized by 


Google 



42 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 1. 


die letztere sogar erst durch den Vergleich mit den physiologischen Werten dem 
Verständnis zugänglich machen, wie sie anderseits den Widerspruch aller anderen 
Angaben mit den Ergebnissen der modernen Stoffwechseluntersuchungen am 
Menschen wie am Tier beseitigen. 

Diskussion: Camerer jun. glaubt, daß die Korrektur in seines Vaters 
Tabelle ohne weiteres verständlich sei. 

Wieland (Basel) demonstriert das Präparat eines riesenhaft vergrößerten Vorder¬ 
fußes bei einem 1 jährigen Kinde. Die Mißbildung mußte wegen raschen, ruckweisen 
Wachstums durch Amputation entfernt werden. Sie bestand im wesentlichen aus 
gewuchertem Fettgewebe bei relativ vergrößertem Skelett. Als ursächliches 
Moment der völlig dunklen Erkrankung sind wahrscheinlich Störungen der em¬ 
bryonalen Keimamage (Vorhandensein eines partiell überreichlichen und fehler¬ 
haften Anlagematerials) anzunehmen. Die hereditären Verhältnisse sind bedeu¬ 
tungslos. 

Dörnberg er (München): Beobachtungen an Ferienkoionisten. Übersicht über 
Gewichts-, Längen- und Brustweitenbestimmungen bei jüdischen Knaben und 
Mädchen mehrere Jahre hindurch vor Besuch und nach Schluß des Ferienkolonie¬ 
aufenthaltes. Nach Ansicht des Autors sind zur Beurteilung des Erfolges nicht 
nur Berechnungen der Mittelmaße wichtig, sondern auch Sichtung des beobachteten 
Materials nach Geschlecht, Alter und sozial verschiedenen Gruppen, sowie geson¬ 
derte Betrachtung der einzelnen Kinder und Vergleichung derselben untereinander. 
Vervollständigt würde das Urteil durch Blutuntersuchungen, Beachtung des körper¬ 
lichen und geistigen Verhaltens nach Genuß des Kolonieaufenthaltes während des 
ganzen Jahres. Vervollständigungen müßten die Koloniebestrebungen durch or¬ 
ganisierte Fürsorge unter dem Jahre erfahren. Bei der Auswahl sollten vor 
allem die gesundheitlichen und sozialen Verhältnisse den Ausschlag geben, weniger 
der Fleiß in der Sehule und Würdigkeit der Eltern. 

In der Diskussion betont Rauchfuß, daß es in den Ferienkolonien Peters¬ 
burgs gelungen sei, mehrere elende Kinder auf die mittlere Gewichtskurve zu 
bringen, indem in 2 i / i Sommermonaten Zunahmen von 5—7 kg erreicht wurden. 
Er erörtert hierauf die Bedeutung der Winterkolonien für rekonvaleszente und 
schwächliche Kinder. 

Leo (Remscheid) macht ausführliche Mitteilungen über indikanausscheidung 
im frilhen Kindesalter. 


IV. Monats-Chronik. 

Berlin. Dem Komitee für die Errichtung einer Musteranstalt zur Bekämpfung 
der Säuglingssterblichkeit haben der Kaiser und die Kaiserin je 10000 Mk. gespendet. 

— Für das Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinderkrankenhaus, das der immer 
größer werdenden Inanspruchnahme schon längst nicht mehr genügt, ist eine be¬ 
deutende Erweiterung seitens des Magistrats in Aussicht genommen. 

Groß-Lichterfelde. Ein Erholungsheim für 32 erholungsbedürftige, nament¬ 
lich tuberkuloseverdächtige Kinder, ist gegründet. Leitender Arzt ist Dr. Hesse, 
doch kann jeder Arzt, der ein Kind überweist, die Behandlung selbst übernehmen. 
Der Pflegesatz beträgt 2 Mk. Anmeldungen durch die Auskunft- und Fürsorge¬ 
stellen für Tuberkulöse. 

Heidelberg. Geheimrat Prof. Dr. Fl ein er ist zum Direktor der Medi¬ 
zinischen Poliklinik und der Kinderklinik als Nachfolger des verstorbenen Vierordt 
ernannt 

Graz. Fräulein Dr. med. Oktavia Rollett, die Tochter des 1903 ver¬ 
storbenen Physiologen Hofrat Prof. Dr. Alex. Rollett, wurde zur Sekundär¬ 
ärztin an der chirurgischen Abteilung des Anna-Kinderspitals hierselbst ernannt. 
Sie ist die erste Sekundärärztin in Österreich. 


Verantwortlicher Redakteur: Dr. Eugen Graetzer in Friedenau-Berlin. — Verlag von Johann 
Ambrosius Barth in Leipzig. — Druck von Metzger & Wittigin Leipzig. 


Digitized by 


Google 



Bei Bestellungen bitten wir sich stets auf die Anzeige im Centralblatt für Kinderheilkunde zu berufen. 


Von Autoritäten der Kinderheilkunde und tausenden von Ärzten empfohlen. 

Im Gebrauch der größten Kinderhospitäler Deutschlands, Österreich-Ungarns etc. 




Beste Nahrung für 
gesunde und darm¬ 
kranke Kinder. 



inder , 


Kufeko’s Kindermehi als Zusatz zur Milch ersetzt am besten die 

Muttermilch. Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei und leiden nicht an 

Verdauungsstörungen. 

Kufekemehl ist be¬ 
sonders in den Sommer¬ 
monaten unentbehrlich 
und kommt bei Brech¬ 
durchfall, Darmkatarrh, 

Diarrhoe etc. als Bestes 
in Anwendung. 

Ärztliche Literatur, sowie Proben offer. den Herren Ärzten kostenfrei. 

R. Kufeke, Bergedorf-Hamburg und Wien I. 


Verlag von JOHANN AMBROSIUS BARTH in Leipzig. 


S CHMIDT, H., L FRIEDHEIM, A. UMHOFER, J. DONAT, DDr., Diagnostisch -Therapeutisches 
Vadomocum für Studierende und Ärzte. 7. Auflage. 12°. [VT, 430 S.] 1906. 

In abwaschbarem Leinen geb.Mk. 6.—. 

Geb. und mit Schreibpapier durchschossen Mk. 7:—. 

Korrespondenzblatt für die ärztlichen Bezirksvereine im Königr. Sachsen; Das vorliegende 
Taschenbuch soll dem Praktiker in Augenblicken der Unsicherheit als Auskünfte- und Hilfsmittel 
dienen. Es verfolgt rein praktische Zwecke und bietet nur die klinische Diagnostik und Therapie 
der wichtigsten Krankheiten in gedrängter und übersichtlicher Kürze. Die Ausstattung ist gut, das 
Format handlich, es ist ein nenes holzfreios ganz dünnes Druckpapier gewählt worden, das dem Um¬ 
fang des Büchleins beträchtlich einschrftnkt. 

g Gesellschaft für Chemische Industrie in Basel (Schweiz).^ 

U Pharmazeutische Abteilung. S 

fA Adresse für Deutschland und Österreich: Leopoldshühe (Baden). n 


FORTOSSAN 


Phytin-Milchzucker-Präparat □ 

für Säuglinge und Kinder unter 2 Jahren, in Tabletten von 2,5 g. □ 

Fortossan regt in hohem Made den Appetit au, verbessert den Ernährungszustand des Kuides Q 

and verhflfb ihm zu normalem Wachstum. Milch nach Zusatz unverändert, sterilisierbar. Q 
Indikationen: Künstliche Ernährung, langsames Wachstum, zurückgebliebene Entwicklung, Q 
Skrofulöse, Rekonvaleszenzen jeder Art. — Dosis: t—4 Tabletten pro die. □ 

Hp. 1 Originalschachtel Fortossan. Q 

Koster und Idteratnr gratis und franko. ö 

Digitized by Google 










Bti Bestellungen bitten wir sich stets auf die Anzeige im Centralblatt für Kinderheilkunde zu berufen. 





t u. Geruch 
verdauliches 


u. franco 


Produkte 


gcs. gesch. f. Dr. Chr. Brunnengräbers „Malzextrakt In Krystallform** 

haltbarstes, schmackhaftestes Nährpräparat» 

Professor Stadelmann schreibt: 1 Esslöffel besitzt den Wert eines Eies. 

Große Erfolge bei Unterernährung, Rachitis, Ikterus u. allen Schwächezustfinden. 
—bester Ersatz für alle Lebertranpräparate. — Maltocrystol mit allen Zusätzen 
wie Eisen. Kalk.Lecithol. Jod-Eisen. Pepsin. Hopfen. 

JSaltocrystol mitjümol »onpro/. Kober t 

vorzüglich wirksam bei Blutarmut und Lungenerkrankungen. 

Infolge seines angenehmen Geschmackes von den Patienten auf die Daues 
gern genommen und dem Hämatogen vorgezogen. 

p B ,oben h g"tis u vo d n Dr\ Chr. Brunnengräber, Rostock* 

—-- Erhältlich in den Apotheken. - 


Vollkommenstes 

nanr- u * Kräfti§ur 

Fleisch 

ROB 

Angenehmster Geschmack u. 

- 50 ^ 
n 

Literatur u. Proben d. h. Aerzten l_. 

„Robur” diät, pharm. 

D£ med. L. Car ' 
MÜNCHEN V. 


Digitized by Google 
































Seite 


Fortsetzung des Inhaltes. 

J. Graham Forbes, Tuberkulose der Tonsillen und LymphdrÜsen, zu¬ 
sammen mit kongenitaler Bronchiektäsie, Cirrhose d. Leber u. des Pankreas 59 

E. Bachmann, Zur Kasuistik des Chylothorax.. 59 

E. Braendle, Tuberkulose der Brustdrüse und ihre operative Behandlung 59 

Fischer-Defoy, Ausgedehnte Magentuberkulose .60 

Zumsteeg, Über die primäre Diaphysentuberkulöse langer Röhrenknochen 60 
Robert Dupont., Tuberkulose sacro-il6o-vert6brale. Absens ouvert dans le 

rectum. (Höpital des enfants malades, Service du Dr. Broca.) .... 60 

P. Dh6ry, La tuberculose du pubis chez l’enfant. . 60 

0. Vulpius, Die Behandlung der tuberkulösen Coxitis im Kindesalter . 61 

Gy. Dollinger, Tuberkulöse Knochen- und Gelenkserkrankungen ... 62 

Alex Schmidt, Schmerzlose Redression verschiedenartiger Deformitäten . 63 

D. F. Willard, Joint Diseases, Especially Tbose of Chüdren . . . . . 64 
M. Simmonds, Über Frühformen der Samenblasentuberkulose . . . . . 64 

v. Baumgarten, Experimente über aszendierende Urogenitaltuberkulose . 65 

De Keersmaecker, Urogenitaltuberkulose mit Tuberkulinpräparaten . . 65 

H. Vörner, Bemerkenswerter Fall von tuberkulösem Hautexanthem ... 66 

Rudolf Polland, Lupus pernio .66 

Wert her, Die verschiedenen Behandlungsmethoden des Lupus vulgaris . 67 

James H. Sequeira, Extensive ringworm with ulceration of the umbilicus 67 
James H. Sequeira, On cases of Hydroa aestivale of mild type: their 
relations ship with Hutchinsons „Summer Prurigo“ and with Hydroa 
vaceiniforme of Bazin ... . 67 


Guion et Pater, Complications renales au cours de l’impetigo et de l’ecz6ma 


imp6tigineux. 68 

T. Colcott Fox, Clinical notes ..69 

Dreyer, Eine neue Pflanzendermatitis. 69 


Joseph Nicolas und M. Favre, Deux observations pour servir de contri- 
bution k l’6tude clinique et histologique du Xeroderma pigmentosum . 69 

E. Graham Little, A contribution to the study of Urticaria pigmentosa 70 
Schourp u.Freund,Mycosis fungoidesm.BerücksichtigungcLRöntgentherapie 70 

Max Joseph, Heliotherapie zur Psoriasis.. 71 

Lengefeld, Dermasanpräparate bei der Behandlung von Hautkrankheiten 71 
B. W. Moore und L. M. Warfield, Fetal. Ichthyosis: report of a case with 
pathological changes in the thyreoid gland.. . . * 71 



Bromipin 

Ind.: Neurasthenie, Hysterie, Epilepsie, 

Chorea, epileptische Dämmerzustände. 

Rp.: Bromipin 10% 100 g. 

D. S. 2—3 mal täglich 1 TheelöfFel voll in ober¬ 
gär. Bier oder heißer Milch. 

—Dionin @ Vw 

Ind.: Asthma, Emphysem, Bronchitis, Phthisis pulmon., TracheYtis, Pertussis, 
Schmerzzustände (Gastralgie, Ischias, Ovaralgie, Oophoritis, Uicus ventriculi), Asomnie, 
Abstinenzkur, Keratitis, Chorioiditis, Bulbusoperationen. 

Rp.: Dionin 0,3, I • Rp.: Dionin 0,04, Rp.: Dionin 0,6, 

Aq. amygd. amar. 15,0. 01. Oacao 2,00. Aq. dest. 20,0. 

M. D. S. 8 mal täglich 10; | M. f. lege art. supp. d. t. dos. 10. M. f. sol. steril. 

Abends 20 Tropfen. S. Täglich 1 bis mehrere S. Zu subkutanen Injektionen. 

Zäpfchen zu gebrauchen. 

Dionin wird für die Kinderpraxis aufs Wärmste empfohlen. 
Litteratur gratis und franko, zed by 


Stypticin 

Ind.: Blutungen im Klimakterium, 
menstruale Blutungen, Menorrhagien etc. 

Rp.: Tabiettar. Stypticin No. 40 ä 0,06 g. 
D. 8.“ Täglich 3—5—8 Tabletten zu nehmen. 

















Fortsetzung des Inhaltes. Seite 

A. Brandweiner, Über Ichfhyosis congenita. 72 

Ko bl an ck, Über Pemphigus neonatorum.72 

E. Alamilla y Requeijo, Die Behandlung des Pemphigus acutus mit 
Finsenlicht; seine Übertragung durch Flohstiche.. . 72 

II. Neue Bücher. 

in. Aus Vereinen und Versammlungen. 

Gesellschaft für innere Medizin* und Kinderheilkunde in Wien ..... 73 

Holländische Gesellschaft für Kinderheilkunde.75 

IV. Monats-Chronik. 


Das älteste in Deutschland 

eingeführte 

DUNGS 



Duii6'S„. 

aromatisches 



Ö1INA (AllSAYO 


(ElixirRhei aromaticDungT, 

ein ang enehm schmeckendes 
mildes . 

Abführ- und trag en mittel | 

5 Teile Elixir enthalten oooo 
oooool Teil Rhabarbervwurzel. 


Oung’s China-Calisaya-Elixir 

Freiburg i. B. 
















































Bei Bestellungen bitten wir sich »tot« tut die Anzeige Im CenfreWett tjjr Kiederheiikunde zu berufen 


D. R. P. 
Nr. 173013 



Name 

geschützt 


Neutral und klar lösliche Verbindung von 

Hühnereiweiss mit Eisen 

lecithin- und gewürzreich. 

Wohlschmeckende und appetitanregende Lösung; enthält 
0,6 °/ 0 Fe, d. h. dreimal so viel wie die aromat. Eisentink¬ 
turen, achtmal so viel wie die Blutpräparate. 


Fl. m. 400 g inkl. Einnehmegl. M. 2.— 


Lecin wird vorzüglich vertragen und gern genommen. 
Dosis 3—10 g kurz vor dem Essen. 


LECIN^ÄT— 

Wohlfeil (Kassenpraxis!!!). — Lose mit 25 g Mk. 1.— 
9^** für 20—30 Tage. *"^8 

Dosis l—2 Messerspitzen voll in Zuekerwasser. 
Lecinpulver kann in Receptur mit Liq. Kal. arsenicos., Anti- 
pyrin und Tinkturen kombiniert werden. 


LE C T Ntabletten, 

Gewürzen; per Tabl. 0,03 Gr. Fe. 
Dosis: V,—2, wie Bonbons im Munde zergehen lassen. 

Sehr geeignet für Kinder 
und abstinente Pat. 

Flacon mit 100 Tabl. = Mk. 2.—, mit 40 Tabl. = Mk. 1.— 


Lecin ist im städt. Krankenhause I und von prakt. Ärzten in 
Hannover seit 2—3 Jahren sehr viel und fast als einziges 
Eisenmittel angewendet. Von hervorragenden Klinikern warm 
empfohlen. 


Proben und Literatur gratis. 


Dr. E. Laves, Hannover. 















Central blatt für 

Kinderheilkunde. 

Eine Monatsschrift Wir praktische Ärzte. 
XII. Jahrgang. 1 . Februar 1907. No. 2. 


I. Referate. 

H. Gr. Anthony, Scrofula. (Illinois Med. Jour. May 1906. 
Verf. unterscheidet zwei Arten von Skrofulöse, einfache und kompli¬ 
zierte. Die einfache Skrofulöse umfaßt nichttuberkulöse Lymphadenitis, 
gewisse Augenerkrankungen, besonders Blepharitis und Conjunctivitis 
phlyctaenulosa; Erythema induratum, Hyperidrosis, Granulosis rubra 
nasi, Impetigo, Eruptionen, die Varizellen ähnlich sind, verschiedene 
Formen von Ekzem, und chronische Bronchitis. Die komplizierte 
Art besteht aus den obengenannten Erscheinungen plus tuberkulöser 
Lymphadenitis, subkutaner Tuberkulose (Skrofuloderma), verschiedenen 
Tuberkuliden usw., Verf. empfiehlt, daß die nichttuberkulöse Skrofulöse 
mit „Chronische, pyogenische Infektion der Nase und des Rachens“ 
bezeichnet werde. H. B. Sheffield. 

B. Salge, Einige Bemerkungen über die Therapie der 
Skrofulöse. (Berliner klin. Wochenschrift. 1906. Nr. 27.) S. hält 
daran fest, daß jedes skrofulöse Kind als mit Tuberkelbazillen infiziert 
angesehen werden muß. Dabei ist es aber durchaus nicht notwendig, 
daß klinisch oder auch anatomisch manifeste tuberkulöse Veränderungen 
nachweisbar sind. Es steht ferner fest, daß Kinder, die an skrofu¬ 
lösen Katarrhen usw. leiden oder gelitten haben, später sehr häufig 
an manifester Tuberkulose erkranken. Beides, jene Katarrhe sowie 
die eventuellen späteren manifesten Erscheinungen der Tuberkulose, 
sind der Ausdruck derselben Infektion mit tuberkulösem Virus. 

Geht man hiervon aus, so wird man das skrofulöse Kind nicht 
nur schützen wollen gegen eine neue Infektion mit Tuberkelbazillen, 
sondern man wird auch versuchen, die sicher schon vorhandene In¬ 
fektion zur Abheilung zu bringen. Ausgezeichnete Resultate kann man 
mit Seeluft erreichen, doch ist zu betonen, daß bei uns nur an der 
Nordsee wirkliches Seeklima herrscht. Auch junge Kinder ver¬ 
tragen dasselbe sehr gut, nur dürfen sie nicht sofort den ganzen Tag am 
Strande bleiben, sondern sie müssen ganz allmählich an das Klima 
gewöhnt werden. Man schicke sie zunächst gar nicht, dann nur für 
k^rze Zeit an den Strand, erst nach 1—2 Wochen etwas länger. 
Jupge Kinder müssen auch vor und nach der Hauptmahlzeit einige 
Zeit ruhen und schlafen. Kräftige, überernährte, pastöse, aber nicht 
sehr anämische Kinder können die nach dem offenen Meer gelegenen 
Kurorte aufsuchen, weniger kräftige die Orte am Wattenmeer. Blasse, 
zarte, magere Kinder vertragen Seekuren schlecht, sie gehören ins 
waldige Mittelgebirge, nicht an die See. Für die andern wären die 

Contralbl. t Kinderhlkd«. XII. ^ 4 f 

Digitized by VjOOQlC 






44 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


Kurerfolge noch bessere, wenn auch der Winter mit hinzugenommen 
werden könnte, wo oft der erreichte Erfolg wieder vernichtet wird, 
indem die ärmeren Kinder in ihren unhygienischen Wohnungen leben 
müssen. Es müßten also in den Seeorten auch bessere Einrichtungen 
für Winterkuren getroffen werden, damit letztere weit mehr durch¬ 
geführt werden könnten, als es bisher geschieht. Grätzer. 

E • Abderhalden, Skrofulöse oder Tuberkulose oder eine 
sonstige Erkrankung des lymphatischen Systems? (Medizin. 
Klinik. 1906. Nr. 51.) A. bringt den sehr interessanten Stammbaum 
einer Familie, in welcher „Tuberkulose“ bis jetzt noch in keiner 
Generation beobachtet worden ist, in der jedoch einzelne Glieder 
verschiedener Generationen an sogenannten skrofulösen Drüsen litten, 
die aber nur bei Nachkommen der weiblichen Linie auftraten, während 
diejenigen männlicher Linie keinen einzigen Fall aufweisen. 

A. schreibt dann weiter über diese Familie: 

„In allen Fällen handelt es sich um ein schubweises Auftreten der Drüsen 
und zwar speziell im Frühjahr. Während im Fall 1, 3 und 4 die Drüsen die 
einzige Manifestation der Skrofulöse bzw. Tuberkulose bildeten, erkrankte Fall 2 
zuerst im Alter von 13 Jahren an Pleuritis mit nachfolgender Peritonitis mit aus¬ 
gesprochener Schwellung der mesenterialen Lymphdrüsen. Ein Jahr nach dem 
Ablauf dieser Erkrankung trat auf der linken Halsseite ganz reaktionslos eine 
etwa taubeneigroße Schwellung auf. Die steinharte Drüse machte keine weiteren 
Symptome und wurde erst beim Versuch, sie durch Anschneiden zu beseitigen, 
infiziert und eiterte nun etwa 9 Monate lang. Im 21. Lebensjahre trat an der 
gleichen Stelle vollständig reaktionslos im Frühjahr eine zweite Drüse auf. Sie 
erreichte etwa die Größe eines Taubeneies und verschwand ohne jede Therapie 
nach 2 Monaten ganz spurlos. Endlich trat im 25. Lebensjahre wiederum im 
Frühjahr eine Schwellung an der gleichen Halsseite auf. Als Ursache kommt 
vielleicht eine ca. 14 Tage vor der Beobachtung der Schwellung vorhandene 
Angina in Betracht. Die Schwellung war wiederum „plötzlich“ da. Sie machte 
keine Beschwerden und war nicht druckempfindlich. Nach etwa 14 Tagen machte 
sich in der rechten Achselhöhle ein ganzer Kranz von etwa bohnengroßen Drüsen 
bemerkbar. Sie bewirkten an und für sich keine Symptome und kamen erst durch 
die durch sie indirekt (Druck) hervorgerufenen Neuralgien zur Beobachtung. So¬ 
wohl die Drüse am Hals, als die zahlreichen Drüschen in der Achselhöhle ver¬ 
schwanden nach 3 Monaten ohne jede Therapie vollständig, und seitdem sind 
keine Schwellungen mehr beobachtet worden. Hervorheben wollen wir noch, daß 
alle erkrankten Glieder der Familie sich meist einer hervorragend guten Gesund¬ 
heit erfreuen und auch nicht im entferntesten einen „phthisischen“ Eindruck er¬ 
wecken. Es sind auch nie Symptome von seiten der Lunge nachweisbar gewesen. 
Eine besondere Gelegenheit zur Infektion mit Tuberkelbazillen lag auch nicht 
vor. Beachtenswert ist auch, daß die genannten Glieder dieser Familie zum Teil 
örtlich vollständig getrennt erkrankten, und daß die Ausbildung der Drüsen etwa 
mit dem 12. Jahre einsetzte and mit dem 20.—25. Lebensjahre zum Abschluß kam. 

Hat man es hier nun mit einem besonderen Krankheitsbild zu tun? 
Tatsächlich gibt es noch weitere Familien, die ganz genau dasselbe 
Bild aufweisen. Es fehlen die Manifestationen der Tuberkulose im 
gewöhnlichen Sinn, auch der bekannte skrofulöse Habitus ist nicht 
vorhanden, einzig und allein „Drüsen“ bzw. deren Narben weisen bei 
sonst blühendem Aussehen auf eine frühere Erkrankung des genannten 
Systems hin. Stellen diese Fälle vielleicht eine erfolgreiche Abwehr 
der unter Umständen durch die Rachenmandeln eingedrungenen 
Tuberkelbazillen dar? Geben sie uns vielleicht einen Hinweis auf 
einen ganz gewöhnlichen Infektionsmodus? Wir wollen diese Fragen 


Digitized by Google 



I. Referate. 


45 


nur stellen und nicht beantworten und hoffen, daß unser Beitrag 
dazu anregt, ähnlichen Fällen nachzuspüren.“ Grätzer. 


£• Deutsch, Schutz der Kinder gegen Tuberkulose. (Tuber- 
kulosis. 1906. III.) D. hat in Paris das Funktionieren des „Oevre 
de pröservation de Tenfance contre la tuberculose“ eingehend studiert 
und empfiehlt die Einführung dieser Institution. Verf. glaubt nicht 
an die kongenitale Tuberkulose, das Kind ist ein „locus minoris 
resistentiae“, das durch die Umgebung leicht infiziert wird. Ent¬ 
fernung aus dem durchseuchten Milieu rettet das Kind vor Infektion. 
Granchers Institution bringt gesunde Kinder tuberkulöser Eltern 
bei Bauern auf dem Lande unter und verrichtet auf diese Weise 
ein segensreiches Werk ersten Ranges. 

Autoreferat Ernö Deutsch (Budapest). 


H. JH6ry (Paris), Pröservation scolaire contre la tuber- 
culose. (Archives de med. des enfants. Juillet 1906. S. 385.) Der 
Verf. gibt zusammenfassend eine Anzahl prophylaktischer Maßregeln, 
deren Befolgung von Wichtigkeit ist, falls es sich um die Bewahrung 
der Schulkinder vor Tuberkulose handelt. Dieselben können eingeteilt 
werden in: Maßregeln von kollektiver Prophylaxis und solche, welche 
hauptsächlich den Zweck haben, die Entwicklung der Krankheit bei 
den bereits latent erkrankten oder nur prädisponierten Kindern hintan¬ 
zuhalten. 

I. Maßregeln für die kollektive Prophylaxis. Dieselben 
beziehen sich hauptsächlich auf die Hygiene der Schullokale. Die¬ 
selben sollen möglichst viel Licht erhalten, weite Höfe besitzen, eine 
rationelle Ventilierung haben und in den Klassen wenigstens 1,25 qm 
für jedes Schulkind reserviert sein. Waschbare Mauern und eine 
Fußbodenbekleidung ohne Fugen ermöglichen die größte Reinlichkeit, 
sind also vorzuziehen. 


Es soll nur feucht gekehrt werden und hierzu keine Schulkinder 
verwendet werden. Überall müssen systematisch Spucknäpfe an¬ 
gebracht und das Speien auf den Boden strengstens untersagt werden. 
Eine allgemeine Desinfektion der Schulräume soll wenigstens einmal 
im Jahre vorgenommen werden; ist einer von den Schülern oder 
Lehrern an offener Tuberkulose erkrankt, so sollen die von ihm be¬ 
wohnten Räume sorgfältig desinfiziert und mit frischer Malerei oder 
neuen Tapeten versehen werden. 

2. Maßregeln für die individuelle Prophylaxis. Eine ge¬ 
wisse Anzahl von prophylaktischen Maßregeln muß gegenüber jenen 
Kindern ergriffen werden, die an geschlossener Tuberkulose leichterer 
oder schwerer Form leiden. Die ersteren können weiter in der Schule 
wohneD, ärztlich beaufsichtigt, eine spezielle hygienische Lebensweise, 
namentlich was Ernährung und respiratorische Gymnastik anbelangt, 
fuhren, doch durch physische Anstrengungen nicht übermüdet werden. 
Eine wirkliche Heilung derartiger Tuberkulosekandidaten kann aber 
nur durch einen längeren Landaufenthalt erzielt werden und nament¬ 
lich durch die von Grancher warm empfohlenen Schulkolonien, 
tuberkuloseverdächtige Kinder sollen ihren Schulunterricht auf dem 

4 * 


Digitized by 


Google 



46 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


Lande oder im Gebirge in speziell hierfür eingerichteten Schulen 
durchmachen. E. Toff (Braila). 

A. Calmctte et C. Guörin, Une nouvelle methode de vac- 
cination contre la tuberculose. (Acadömie de Sciences, Paris, 
söance du 12 Juin 1906.) Die Versuche der Verff. haben gezeigt, 
daß Tuberkelbazillen, welche durch Hitze oder verschiedene Reagenzien 
getötet worden sind, mit derselben Leichtigkeit durch die Darmwand 
treten wie lebende Bazillen und dann ebenso wie die letzteren in den 
Mesenterialganglien und in den Lungen gefunden werden. Hiervon 
ausgehend, untersuchten die Verff., ob junge Tiere (Kälber und Ziegen), 
welchen man in Zwischenräumen von 45 Tagen 2 Dosen von je 5 und 
25 cg toter oder in verschiedener Weise in ihrer Vitalität und Virulenz 
veränderter Bazillen eingibt, dann ohne Nachteil 5 cg frischer Kuh¬ 
tuberkulose, welche andere Tiere sicher infiziert, einnehmen können. 

Es wurde auf diese Weise festgestellt, daß Bazillen der Kuh¬ 
tuberkulose, die durch 5 Minuten langes Kochen oder Erwärmen auf 
70°, und auf die oben erwähnte Art eingegeben, nach 4 Monaten 
und für einen noch nicht näher bestimmten Zeitraum in perfekter 
Weise die Tiere gegen Infektionen, welche vom Verdauungstraktus 
ausgehen, zu schützen imstande sind. 

Diese Einimpfung bietet gar keine Gefahr dar und ist imstande 
junge Kälber gegen die Infektion mit Tuberkulose zu schützen, es 
bliebe also nur noch, diese Untersuchungen weiter zu verfolgen und 
zu vervollkommnen, um sie dann am Menschen anwenden zu können. 
Die Verff. sind der Ansicht, daß es möglich sein wird, junge Kinder 
gegen die natürliche Infektion mit Tuberkulose zu schützen, indem 
man ihnen wenige Tage nach der Geburt und dann einige Wochen 
später eine geringe Menge menschlicher oder boviner, in der er¬ 
wähnten Weise veränderter Tuberkelbazillen eingibt. Man müßte nur 
die Vorsichtsmaßregeln ergreifen, die derart geimpften Kinder 4 Monate 
lang vor jeder tuberkulösen Ansteckung zu bewahren. Die Schwierig¬ 
keiten, welche sich der allgemeinen Anwendung dieser Maßregeln 
entgegenstellen würden, wären gering anzuschlagen im Verhältnisse 
zu den großen Vorteilen, welche für die Menschheit aus dem Um¬ 
stande erwachsen würden, daß die zukünftige Rasse aus gegen die 
Tuberkulose refraktären Individuen bestehen würde. E. Toff (Braila). 

J. Käthe, Das ätherische Ol im Knoblauch, ein neues, 
angeblich antituberkulöses Spezifikum. (Dissertation. Halle 
1905.) Nach den Angaben Carazzanis sollte der Knoblauch im 
Tierexperiment und am Krankenbett einen günstigen Einfluß auf die 
Tuberkulose ausüben. Die Tierversuche wurden von K. einer Nach¬ 
prüfung unterzogen, indem einer Anzahl Meerschweinchen täglich 
Knoblauchsaft eingeflößt wurde. Nach 3 Wochen wurden sie 2 mal 
einer 3 / 4 ständigen Inhalation mit zerstäubtem tuberkulösem Auswurf 
ausgesetzt. Zwar erlangen die vorbehandelten Tiere ebenso wie die 
Kontrolliere eine Tuberkuloseinfektion, aber bei den ersteren waren 
die Mesenterialdrüsen in keinem Falle ergriffen. Die beim Inhalieren 
stets mitverschluckten Tuberkelbazillen werden nach Ansicht K.s im 


Digitized by 


Google 



I. Referate. 


47 


Darm durch das als lokales Antiseptikum wirkende Knoblauchöl ab¬ 
getötet, und die Infektion erfolgt ausschließlich auf dem Respirations¬ 
wege. In einer zweiten Versuchsreihe wurden die mit Knoblauchsaft 
vorbehandelten Tiere mit Tuberkelbazillenreinkultur subkutan geimpft. 
Hier war durchaus keine Einwirkung auf die tuberkulöse Infektion 
zu erkennen; alle Tiere starben an Tuberkulose. Der Knoblauchsalt 
bzw. das darin enthaltene 01 übt also nur im Darm eine abtötende 
Wirkung auf die Tuberkelbazillen aus, eine Beeinflussung der in den 
Lungen lokalisierten Prozesse war nicht wahrzunehmen, h. Netter. 

E. XJllmann (Znaim), Über meine Erfolge mit Dr. Mar- 
moreks Antituberkuloseserum. (Wiener klin. Wochenschrift. 
1906. Nr. 22.) U. hat einige Kinder mit Knochen- und Drüsentuber¬ 
kulose mit dem Serum behandelt und war mit den Erfolgen sehr 
zufrieden. Auch bei einer skrofulösen Ophthalmie hatte er einen 
sehr schönen Erfolg. Er appliziert das Serum rektal. Grätzer. 

A. Hoffa, Über das Marmorek-Serum in der Therapie 
der chirurgischen Tuberkulosen. (Berliner klin. Wochenschrift 
1906. Nr. 44.) H. empfiehlt das Serum von neuem warm zur Be¬ 
handlung der Knochen- und Gelenktuberkulosen. Er appliziert das 
Serum jetzt rektal, wodurch Nebenwirkungen vermieden und doch 
sehr befriedigende Resultate erzielt werden; das Serum wird stets 
gut behalten und resorbiert, auch von jungen Kindern. 

H. führt 1. poliklinisch so behandelte Fälle (Kinder von 1 bis 
10 Jahren) an, die täglich per rectum im Anfang 5 ccm, später 
10 ccm 3—4 Wochen hindurch erhielten, nach 5—8tägiger Unter¬ 
brechung eventuell eine zweite gleiche Serie. Zwei Heilungen, drei 
wesentliche Besserungen, vier günstige Beeinflussungen, zwei Ver¬ 
sager. Im Cecilienheim in Hohenlychen wurden 18 Patienten so 
behandelt Im ganzen ergab die rektale Serumbehandlung 18 °/ 0 
Heilungen, 27°/ 0 wesentliche Besserungen, 36 °/ 0 günstige Einwirkungen, 
18 °/ 0 Versager. 

Die rektale Methode wird voraussichtlich in Zukunft die vor¬ 
herrschende sein. Sie ist höchst einfach und ermöglicht ohne Mühe 
das Serum in relativ großen Dosen ohne Schaden den Patienten ein¬ 
zuverleiben. Daß einige Fälle unbeeinflußt blieben, ist natürlich, da 
auch recht schwere, fast aussichtslose Fälle der Behandlung unter¬ 
zogen wurden. Grätzer. 

A. Zuber et P. Armand-Dclille, Du röle des Colonies de 
vacances dans la lutte contre la tuberculose. (Revue mens* 
des malad, de Tenfance. Avril 1906. S. 168.) Die Ferienkolonien 
spielen eine bedeutende Rolle im Kampfe gegen die Tuberkulose, 
und zwar sowohl wenn es sich um eigene Institute handelt, in 
welchen die Kinder serienweise im Laufe des Sommers, auf dem 
Lande oder am Meeresstrande, untergebracht werden, als auch bei 
Anwendung der familialen Unterbringung, wo die Pfleglinge in kleinen 
Gruppen bei speziell hierfür ausgewählten Bauernfamilien plaziert 
werden. Letztere müssen mit Bezug auf Moralität, Gesundheit und 
Reinlichkeit tadellos sein, eine vorgeschriebene Kost verabreichen 


Digitized by 


Google 



48 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


und auch die nötige Beaufsichtigung der Kinder durchführen können. 
Derartige Ferienkolonien sind in größerer Anzahl in verschiedenen 
Teilen Frankreichs eingerichtet worden; die Resultate sind sehr zu¬ 
friedenstellend, und zwar sowohl in praktischer, als auch in hygieni¬ 
scher und kurativer Hinsicht. Hauptsächlich sollten in derartige 
Kolonien jene Kinder geschickt werden, die an Tuberkulose in den 
ersten Graden der Krankheit leiden, während solche mit offener Tuber¬ 
kulose des Respirationstraktes auszuschließen sind. Eine genaue 
ärztliche Kontrolle der Kinder vor ihrer Absendung in die Ferien¬ 
kolonie ist also von besonderer Wichtigkeit. Auch solche Kinder 
müssen ausgeschlossen werden, welche anderweitig schwer krank sind, 
wie z. B. Albuminurische, Herzkranke, Bronchitiker usw., auf welche 
der Landaufenthalt nachteilig einwirken könnte. Auch die Land¬ 
bewohner, bei welchen die betreffenden Kinder untergebracht werden 
sollen, müssen in gesundheitlicher Beziehung ärztlich kontrolliert 
werden. 

Es ist ferner zu trachten, daß die Kinder während ihres Land¬ 
aufenthaltes keinerlei physischen Überanstrengungen ausgesetzt werden, 
so beispielsweise sollten übermäßige Fußtouren, zu häufige Flu߬ 
bäder u. ä. vermieden werden. Dies ist namentlich für tuberkulöse 
Kinder von Wichtigkeit, für welche körperliche Ruhe ebenso notwendig 
ist, wie gute Luft und reichliche Ernährung. E. Toff (Braila). 

Eugen Binswanger, Über probatorisclie Tuberkulininjek¬ 
tionen bei Kindern. (Arch. f. Kinderheilkunde. Bd. 43. Heft 1—4.) 
Bei ca. 1000 Einzelinjektionen wurde keinerlei Schädigung der Patienten 
durch das Tuberkulin beobachtet. Unter 261 injizierten Kindern 
fanden sich 35 positiv Reagierende. Unter den überhaupt injizierten 
Patienten kamen 42 im Dresdener Säuglingsheim zur Obduktion. 
Von diesen 42 hatten intra vitam 16 positive Reaktion gezeigt, 
während 26 nicht reagierten. Bei der Obduktion erwiesen sich sämt¬ 
liche 16 positiv reagierenden als tuberkulös, während unter den 26 
während des Lebens nicht reagierenden Kindern 25 sich als tuber¬ 
kulosefrei, eines dagegen als tuberkulös erwies. Dem positiven Ausfall 
der Tuberkulinreaktion bei Kindern innerhalb der ersten Lebensjahre 
ist daher ein hoher diagnostischer Wert für das Vorhandensein einer 
Tuberkuloseerkrankung beizumessen. Drei Fälle mit negativem Aus¬ 
fälle sind erwähnenswert, weil es sich um Kinder handelt, die von 
hochgradig tuberkulösen Müttern geboren waren. In allen drei Fällen 
verstarben die Mütter wenige Wochen, bzw. nach Geburt dieser Kinder 
an Lungenphthise; trotz schwerer tuberkulöser Belastung können also 
Kinder tuberkulosefrei bleiben. Vielleicht liegt hier aber eine latente 
Tuberkuloseinfektion (Tuberkulo-Bazillose) vor. Der diagnostische Wert 
des Tuberkulins müßte sonach dahin eingeschränkt werden, daß es 
ungeeignet ist, tuberkulöse Infektion und somit auch eine eventuelle 
kongenitale Tuberkuloseinfektion bei Kindern innerhalb der beiden 
ersten Lebensmonate festzustellen. Verf. resümiert zum Schlüsse 
seine Erfahrungen dahin: Probatorischen Tuberkulininjektionen beim 
Kinde ist ein höherer diagnostischer Wert beizumessen, als solchen 
heim Erwachsenen. Bei genauer Beobachtung der Kochschen Vor- 


Digitized by 


Google 



I. Referate. 


49 


Schriften sind die Injektionen beim Kinde sowohl unschädlich als in 
hohem Grade verläßlich. Die sogenannte Resistenz des gesunden 
Neugeborenen gegen das Tuberkulin, im Gegensatz zum scheinbar 
gesunden Erwachsenen, ist nicht eine spezifische Eigenschaft des 
kindlichen Organismus, sondern es ist in derselben meist nur ein 
Ausdruck des Tuberkulosefreiseins Neugeborener — im anatomischen 
Sinne — im Gegensatz zum Erwachsenen zu erblicken. Hecker. 

N. Thoinesco et S. Grracoski (Bukarest), Le söro-diagnostic 
tuberculeux en gönöral et particulierement chez les enfants. 
(Archives de möd. des enf. Aoüt 1906. S. 458.) Als Kulturmedium 
haben die Verff. das von Proca und Vasilescu vorgeschlagene be¬ 
nutzt, bestehend in Kalbsserum, zu welchem 75 °/ 0 Wasser hinzu¬ 
gefügt wurde, wodurch es die Eigenschaft, sich durch Hitze zu koa¬ 
gulieren, verliert. Dasselbe gibt homogene Kulturen und ist dem 
Serum von Arloing und Courmont vorzuziehen. Die benutzten 
Verdünnungen betrugen 1 / v 1 / 10 , 1 / 20 , V 30 usw. 

Die Schlüsse, zu welchen die Verff. gelangten, sind folgende: 

1. Eine positive Reaktion ist fast immer das Zeichen des Be¬ 
stehens irgendeiner tuberkulösen Läsion. 

2. Eine negative Reaktion berechtigt aber nicht den gegenteiligen 
Schluß zu ziehen und die Möglichkeit des Vorhandenseins einer tuber¬ 
kulösen Erkrankung vollkommen zu beseitigen. Sprechen andere Zeichen 
für Tuberkulose, so wäre das Fehlen der betreffenden Reaktion eher eine 
Folge des schlechten Allgemeinzustandes oder des vorgeschrittenen 
Stadiums der Läsionen. 

3. Das Auftreten der Reaktion in solchen Fällen, wo klinische 
Zeichen für das Erkennen der Krankheit fehlen, ist von Bedeutung, 
da auf diese Weise die Krankheit in ihren ersten Anfängen erkannt 
werden kann und die Differentialdiagnose zwischen derselben und 
anderer mit zweifelhafter Symptomatologie gestellt werden kann. 

4. Im allgemeinen kann gesagt werden, daß die Reaktion um so 
schwächer ist, als es sich um vorgeschrittene Läsionen handelt, die 
Tuberkulose allgemein im Körper verbreitet ist und der allgemeine 
Zustand des Patienten ein schlechter ist. Sehr oft findet man in 
derartigen Fällen gar keine Reaktion. 

5. Die Untersuchungen der Verff. wurden an kindlichen Patienten 
vorgenommen, waren aber sehr deutlich und scharf ausgeprägt, was 
mit der Ansicht einiger Autoren in Widerspruch steht. 

Die Technik dieser Untersuchungen ist noch verbesserungsfähig, 
wodurch gewiß noch manche dunklen Punkte derselben klargestellt 
werden könnten. E. To ff (Braila). 

F. Prinzing (Ulm), Die Beziehungen zwischen Tuber¬ 
kulose und Säuglingssterblichkeit unter statistischen Ge¬ 
sichtspunkten. (Tuberkulosis. September 1906.) P. bespricht die 
direkten und indirekten Beziehungen zwischen Tuberkulose und Säug¬ 
lingssterblichkeit in kurzen Zügen und bringt dazu einige tabellarische 
Zusammenstellungen. Grätzer. 


Digitized by Google 



50 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


Eugen Binswanger, Über die Frequenz der Tuberkulose 
im ersten Lebensjahre. (Arch. f. Kinderheilk. Bd. 43. Heft 1—4.) 
Unter 532 Sektionen von Kindern des ersten Lebensjahres fanden 
sich 36 tuberkulös erkrankt, was einer Häufigkeit der Tuberkulose 
von 6,8 °/ 0 entspricht. Die Tuberkulosemorbidität ist, wie vielfach 
schon hervorgehoben, im ersten Lebensjahre am geringsten unter allen 
Lebensjahren. Noch steiler führt die Morbiditätskurve in die Höhe, 
wenn die einzelnen Perioden des ersten Lebensjahres beobachtet 
werden. Unter den 36 tuberkulösen Leichen war nur in drei Fällen 
die Todesursache nicht in dem tuberkulösen Prozeß gelegen; daraus 
geht wiederum die exzessiv hohe Mortalität unter den Tuberkulose¬ 
kranken des frühesten Kindesalters hervor. Hecker. 

Arthur Schlossmann, Über die Entstehung der Tuberkulose 
im frühen Kindesalter. (Arch. f. Kinderheilk. Bd. 43. Heft 1—4.) 
Bezüglich der Genese der Tuberkulose im frühen Kindesalter war 
man übereingekommen, der Luftinfektion die Hauptrolle zuzuweisen, 
der hereditären Übertragung den Wert einer Rarität einzuräumen, 
die alimentäre Entstehung dagegen mehr und mehr abzuleugnen. 

In der Frage der Heredität steht die Sache nun so: nach den 
Untersuchungen von Schmorl und Geipel ist der Befund von 
Tuberkelbazillen innerhalb der mütterlichen und auch der kindlichen 
Plazenta doch ein ziemlich häufiger. Wenn trotzdem die kongenitale 
Tuberkulose sehr selten ist, so liegt das entweder an einer starken 
Schutzkraft des fötalen Organismus oder daran, daß der Tuberkel¬ 
bazillus längere Zeit latent erhalten bleibt. Ersteres ist sicher nicht 
der Fall, denn niemals findet man bei der Sektion tuberkulöser Säug¬ 
linge an irgendeiner Stelle eine reaktive Veränderung der Umgebung, 
die man als Heilungstendenz deuten könnte; nirgends etwa einen 
lokalisierten tuberkulösen Herd, beginnende Abkapselung oder Ver¬ 
kalkung. l ) 

Die zweite Möglichkeit dagegen hat viel für sich. Wir können 
annehmen, daß der Tuberkelbazillus intrauterin in den Säuglings¬ 
körper eindringt, dort vorläufig wirkungslos bleibt, ohne eine eigent¬ 
lich tuberkulöse Veränderung herbeizuführen; also latente Infektion, 
nicht latente Tuberkulose. 

Für dieses Latenzstadium des Tuberkelbazillus spricht, daß Verf. 
unter Hunderten von tuberkulinisierten Säuglingen, von denen viele 
tuberkulösen Eltern entstammen, niemals in den ersten Tagen und 
Wochen dds Lebens eine positive Tuberkulinreaktion erhalten hat; auch 
dann nicht, wenn die Mutter fraglos tuberkulös war. Hätten diese 
tuberkulinisierten Kinder wirklich eine tuberkulöse Veränderung an 
sich gehabt, so wäre es zweifellos zu einer Reaktion gekommen; denn 
diese tritt auf, auch wenn nur minimalste tuberkulöse Affektionen 
vorhanden sind. S. erwähnt dann einen Fall, wo ein Kind sofort 
nach der Geburt von der tuberkulösen Mutter entfernt wurde, und 


q Dem widerspricht allerdings der vom Rcf. gemachte Befund eines völlig 
abgekapselten tuberkulösen Herdes in der Lunge eines Neugeborenen, vergl. 
Hecker und Trumpp, Atlas und Grundriß der Kinderheilkunde, Tafel XV. 


Digitized by Google 



I. Referate. 


51 


wo die Tuberkulinprobe gleich, dann wieder nach 3 Monaten und 
nach 6 Monaten negativ ausfiel; wo aber doch am Eude des ersten 
Lebensjahres positive Tuberkulinreaktion auftrat und eine Tuberkulose 
zum Ausbruch kam, ohne daß es trotz emsigster Nachforschung mög¬ 
lich war, eine Infektionsquelle nachzuweisen. Auch die paternelle 
Übertragung muß in Betracht gezogen werden. 

Indessen bleibt für die große Mehrzahl doch die extrauterine 
Infektion als unzweifelhafte Ursache der Krankheit bestehen. 

Die Lehre von der aerogenen Infektion wurde durch v. Behring 
unvermutet angegriffen, welcher behauptete, daß die Tuberkulose im 
Säuglingsalter eine alimentär erworbene sei, ja daß sogar die Lungen¬ 
schwindsucht der Erwachsenen schließlich nichts anderes als das 
Ende vom Liede bedeute, welches einem Schwindsuchtskanditaten an 
der Wiege gesungen worden sei. S. präzisiert nun den vielfach mi߬ 
verstandenen Standpunkt v. Behrings, dahin, daß dieser von einer 
alimentären Infektion gesprochen, aber durchaus nicht gesagt habe, 
daß die Kuhmilch Träger der Infektionserreger oder Hauptquelle 
für die Schwindsuchtsentstehung sei. Unbestreitbar werden aber auch 
alle Tuberkelbazillen, die sich von der tuberkulösen Umgebung oder 
von infizierten Gegenständen her auf der Zunge, den Lippen, in der 
Mundhöhle usw. des Säuglings absetzen, doch schließlich von der 
Milchnahrung aufgenommen und in den Magen und Darm hinunter¬ 
gespült. In erster Linie ist es der kranke Mensch, von dem die 
Gefahr der Infektion droht. Die alimentäre Infektion muß nun durch¬ 
aus nicht zu einer primären Tuberkulose des Säuglingstraktus führen, 
ebensowenig wie die primäre Ansiedlung der Tuberkulose in den 
Lungen- oder Bronchialdrüsen gegen eine Infektion von Magen- und 
Darmkanal aus spricht und aerogenen Ursprungs sein muß. S. glaubt 
nicht an die Inhalation als Ursache der Kindertuberkulose; 
denn bei allen bisher veröffentlichten Versuchen war stets die Mög¬ 
lichkeit der Verschluckung von Bazillen gegeben. S. hat in großen 
Präparatenserien niemals eine primäre Tuberkulose des Larynx oder 
der großen Bronchien, niemals einen einzigen Tuberkelbazillus in den 
Alveolarräumen entdeckt. Der Weg, den die Tuberkelbazillen vom 
Darm aus nehmen, entspricht der Richtung des Saftstromes durch 
die Darmwandung nach dem Blut- und Lymphstrom; möglicherweise 
sind sie an Fetttröpfchen gekettet. Die Mesenterialdrüsen können, 
aber müssen nicht infiziert werden. Durch den Ductus thoracicus 
kommen die Bazillen in das rechte Herz und von da in die Lunge. 
In dem breiten Flußbett der Lungenkapillaren ist Gelegenheit zur An¬ 
siedlung gegeben; bei geringerer Menge gelangen die Bazillen durch 
die Lungenlymphkapillaren zu den Bronchialdrüsen. Bemerkenswert 
ist jedenfalls die Tatsache, daß stets, wenn Tuberkelbazillen in den 
Lymph- oder venösen Blutkreislauf eingeführt werden, es stets zu 
einer primären Ansiedlung in Lunge und Bronchialdrüsen kommt, 
auch wenn die Aufnahme enteral erfolgt war. Hecker. 

Schlossmann u. St. Engel, Zur Frage der Entstehung der 
Lungentuberkulose. (Aus dem Dresdner Säuglingsheim.) (Deutsche 
med. Wochenschrift. 1906. Nr. 27.) Auf Grund ihrer Beobachtungen 


s 


Digitized by Google 



52 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


und Experimente nehmen die Verff. für das frühe Kindesalter die 
Eingangspforte für die Tuberkulose ausschließlich im Verdauungs¬ 
schlauche an. Der Weg, den die Bazillen zurücklegen, ist derselbe, 
der für die Nahrungsstoffe präformiert ist; vom Darm aus werden 
sie genau wie Fetttröpfchen resorbiert; sie passieren wie diese oder 
mit diesen die unversehrte Darmwandung und ebenso die mesenterialen 
Lymphdrüsen, kommen so in den Lymphstrom, durch den Ductus 
thoracicus ins rechte Herz und von hier aus in die Lungen. Trotz 
enterogener Infektion ist also die Lunge die erste und eventuell auch 
einzige Ablagerungsstätte der Bakterien. Daß Mikroorganismen und 
insbesondere Tuberkelbazillen die unverletzte Darmwand passieren 
können, unterliegt heute keinem Zweifel mehr. Haben aber die 
Bazillen einmal die Darmwand hinter sich, so finden sie in den re¬ 
gionären Drüsen zur Zeit der Verdauung kein Hindernis. Experimente 
zeigten, daß die Entstehung von Lungen- und Bronchialdrüsentuber-, 
kulose auf dem Wege vom Darm aus möglich und wahrscheinlich 
sei. Der Einwand, daß bei einer Verfütterung von Bazillen doch 
diese dabei in die Lungen „inhaliert“ werden können, ist hinfällig; 
auch junge Tiere verschlucken sich fast nie. Auch unterscheidet sich 
eine durch Aspiration erfolgte Infektion der Lungen anatomisch ganz 
wesentlich von der, die man nach Verfütterung von Bazillen an Tieren 
oder spontan entstanden beim jungen Kinde sieht. Doch noch ein 
Einwand mußte entkräftigt werden; nämlich der, daß es bei der 
Verfütterung von der Mundhöhle oder dem Pharynx aus zu einer 
Einwanderung in die regionären Lymphdrüsen und von hier per 
continuitatem zur Infektion der Bronchialdrüsen und Lungen komme. 
Die Verff. konnten auch dies durch Experimente an Meerschweinchen 
entkräftigen; es wurde hierbei eine aerogene Infektion sicher zu ver¬ 
meiden gesucht. Wenige Stunden, nachdem man den Tieren unter 
entsprechenden Kautelen Tuberkelbazillen in den Magen gebracht, 
fand man sie bereits in der Lunge. Lungentuberkulose kann also 
zweifellos durch intestinale Infektion mit Tuberkelbazillen herbei¬ 
geführt werden, und es ist höchstwahrscheinlich, daß dies der einzige 
Weg ist. 

Es steht heute bereits fest, daß die große Mehrzahl der über¬ 
haupt im Kindesalter sterbenden Individuen schon tuberkulös ist; 
von den zugrunde gehenden Säuglingen sogar erweisen sich 3,2 °/ 0 
(unter 3 Monaten), 8,4 °/ 0 (4—6 Monaten), 16,8 °/ 0 (7—12 Monate) als 
tuberkulös. In der Mehrzahl der Fälle fällt eben die Infektion mit 
Tuberkelbazillen in das frühe Kindesalter, die Manifestation der Tuber¬ 
kulose allerdings häufig in ein späteres Lebensalter. Die Tuberkulose 
kann somit direkt als Kinderkrankheit bezeichnet werden. Man hat 
deshalb auch die Prophylaxe der Tuberkulose in die früheste Jugend 
zu verlegen und mehr wie bisher auf die Verhütung der Krankheit 
in der Kindheit zu achten. Ebenso wird für die therapeutische Be¬ 
kämpfung der Tuberkulose die Jugendzeit die bedeutungsvollste sein. 

Grätzer. 

J. Comby (Paris), Etiologie de la tuberculose infantile. 
(La presse mödicale. 1906. Nr. 94.) Entgegen den Annahmen, die 
gestützt auf Laboratoriums versuche fast ausschließlich einen alimen- 


Digitized by Google 



I. Referate. 


53 


tären Ursprung für die kindliche Tuberkulose annehmen und dies¬ 
bezüglich hauptsächlich die tuberkulösen Kühe beschuldigen, hebt C. 
die Gefahr der menschlichen Kontagion hervor, welche sich namentlich 
als familiale Kontagion äußert und eine große Anzahl von tuber¬ 
kulösen Infektionen verursacht. 

Die Beobachtungen der täglichen Praxis lehren, daß Kinder nur 
dann tuberkulös werden, wenn sie mit Tuberkulösen zusammen 
wohnen, hingegen aber von der Krankheit verschont bleiben, falls 
man sie auf dem Lande in einer gesunden Familie unterbringt, ganz 
gleichgültig, ob die Kühe, von denen sie die Milch erhalten, tuberkulös 
sind oder nicht. 

Ein weiterer Beweis, daß die tuberkulöse Infektion durch die 
Milch nicht jene Bedeutung hat, welche man ihr beimessen wollte, 
folgt auch daraus, daß in den großen Städten, wo sterilisierte Milch 
in großem Maßstabe benützt wird, die Anzahl der tuberkulösen Kinder 
nicht abgenommen, sondern eher zugenommen hat. 

Ferner ist noch zu beachten, daß kleine Kinder, trotzdem sie 
meist mit Milch ernährt werden, doch nur einen kleinen Prozentsatz 
zur Tuberkulosenstatistik liefern, während derselbe um so größer 
wird, je weiter das betreffende Kind im Alter fortschreitet, je mehr 
es also in Kontakt mit tuberkulös Erkrankten kommt. 

Die Prophylaxis der kindlichen Tuberkulose muß sich also in 
erster Linie nicht mit den Kühen beschäftigen, die wenig gefährlich 
sind, sondern mit der Prophylaxis der menschlichen Tuberkulose, also 
mit den Phthisikern, welche die Kinder aus ihrer Umgebung infizieren. 

E. To ff (Braila). 

F. F. Friedmann (Berlin), Experimentelle Beiträge zur 
Frage kongenitaler Tuberkelbazillenübertragung und kon¬ 
genitaler Tuberkulose. (Virchows Archiv. Bd. 181. Heft 1.) F. 
experimentierte an Kaninchen und Meerschweinchen mit Menschen- 
und Rindertuberkelbazillen, um alle nur möglichen Wege und Folgen 
des Übertretens der Tuberkelbazillen von dem Elterntier auf den 
Embryo zu studieren. Zu dem Zwecke spritzte er die Bazillen in 
die Vasa deferentia und Hoden vor der Begattung, in die Vagina 
nach derselben, ferner je bei Böcken und Weibchen in die Lunge, 
die Bauchhöhle und unter die Haut, bald vor, bald nach der Be¬ 
gattung. Gewöhnlich nach 7 Tagen wurden die Weibchen getötet 
und die Embryonen teils an Serien auf Bazillen untersucht, teils 
großgezogen, teils zenrieben und weiterverimpft. Auf die sechs Ver¬ 
suchsreihen im einzelnen einzugehen, würde im Referat zu weit führen. 
Im großen und ganzen ergibt sich, daß eine germinale Übertragbarkeit 
sicher nachgewiesen wurde, daß die Keimzellen, ohne vernichtet zu 
werden, Träger der Bazillen sein können, daß der sich entwickelnde 
Embryo die Fähigkeit besitzt, die in ihm eingedrungenen Bazillen zu 
vernichten und zum gesunden Tiere auszuwachsen. Recht interessante 
Nebenbefunde ergeben sich aus den einzelnen Sektionsprotokollen der 
Elterntiere. Die in die Hoden und Nebenhoden eingespritzten Tuberkel¬ 
bazillen führen keineswegs regelmäßig zu einer Allgemeininfektion, 
vielmehr kann die oft hochgradige Tuberkulose ganz auf die infizierten 


Digitized by 


Google 



54 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


Organe beschränkt bleiben. Bei einem hoch trächtigen, intraperitoneal 
infizierten Meerschweinchen verlief die Tuberkulose äußerst rapide; 
der Tod trat innerhalb 13 Tagen ein. In den meisten Organen fanden 
sich überaus reichliche Mengen von Bazillen, doch war es nur ganz 
vereinzelt zur Entwicklung tuberkulöser Gewebsveränderungen ge¬ 
kommen. F. macht auf das analoge Verhalten der schwangeren Frau 
aufmerksam. 

Stets betont F., daß er mit Menschen- und Rindertuberkelbazillen 
an Kaninchen und Meerschweinchen experimentierte, daß also manche 
negative Versuchsergebnisse möglicherweise auf eine größere Wider¬ 
standsfähigkeit seiner Versuchstiere gegenüber dem Bazillenmaterial 
zu beziehen seien. Den Schluß der Arbeit bildet die Mitteilung, daß 
F. in sechs Paar Hoden und Nebenhoden, die von Lungenphthisikern 
stammten und an zahlreichen Serienschnitten untersucht wurden, nur 
in einem Falle zwei Bazillen finden konnte. Er schließt daraus, daß* 
auch beim Menschen eine germinale Infektion möglich ist, wenn sie 
auch an Bedeutung gegenüber den anderen Infektionswegen stark 
zurücktritt. Bennecke (Jena). 

H. Beitzke, Über den Weg der Tuberkelbazillen von der 
Mund- und Rachenhöhle zu den Lungen, mit besonderer 
Berücksichtigung der Verhältnisse beim Kinde. (Virchows 
Archiv. Bd. 184. Heft 1.) Auf Grund eingehender Untersuchungen 
an Leichenmaterial und experimenteller Prüfung kommt B. unter 
kritischer Berücksichtigung der Literatur zu folgenden Schlüssen: 

I. Es existieren keine zuführenden Lymphgefäße von der Kette 
der zervikalen Lymphdrüsen zu den bronchialen Drüsen. 

2. Für eine tuberkulöse Infektion der Lungen von den Hals¬ 
drüsen aus kommt nur der Weg durch die Trunci lymphatici und 
die obere Hohlvene in Betracht. 

3. Dieser Infektionsweg ist aber — wenigstens beim Kinde — 
praktisch ohne wesentliche Bedeutung. Die Infektion der Lungen 
bzw. Bronchialdrüsen kommt beim Kinde vielmehr in der Regel durch 
Aspiration von Tuberkelbazillen in den Bronchialbaum zustande; eine 
absteigende Zervikaldrüsentuberkulose geht manchmal unabhängig 
davon nebenher. 

4. Die aspirierten Bazillen können in der Atemluft enthalten 
sein, sie können aber auch aus dem Munde stammen, in den sie 
mit infizierter Nahrung oder durch Kontakt (Schmutzinfektion) ge¬ 
langt sind. 

Ausführliche Literatur am Schluß der Arbeit. 

Bennecke (Jena). 

A.W. Bruck, Beitrag zurTuberkulose des Säuglingsalters. 
(Aus dem städt. Kinderhospital in Köln.) (Münch, med. Wochenschrift. 
1906. Nr. 49.) Es handelte sich um das Kind einer früher tuber¬ 
kulösen Mutter, die geheilt war und jedenfalls zur Zeit der Geburt 
und des Stillens keinerlei klinisch festzustellende Zeichen eines neuen 
Herdes darbot. Dieses Kind gedieh prächtig an der Mutterbrust und 
konnte sowohl seinem Anwuchs und Wohlbefinden als auch seinen sta¬ 
tischen Funktionen nach ein Idealkind genannt werden. 


Digitized by 


Google 



I. Referate. 


55 


Trotzdem eine schon früh bestehende Bronchitis und Rhinitis 
nach dem Sektionsbefund als tuberkulös festgestellt wurde und eine 
anfangs für eine einfache Exostose angesprochene Geschwulst am 
Hinterkopf pathologisch-anatomisch als Metastase erkannt wurde, ist 
das Fehlen jeder Ernährungsstörung und der fieberlose Verlauf während 
der vier ersten Monate bemerkenswert. Auch das Abstillen vertrug 
das Kind gut. 5 Tage war Patient dann der Anstalt fern. Er war 
in einer ungesunden, ungünstigen Umgebung, wurde auch unzweck¬ 
mäßig ernährt und kehrte dann gänzlich verändert in die Klinik zu¬ 
rück. Beträchtliches Fieber oder Störungen des Allgemeinbefindens 
höheren Grades zeigte das Kind jedoch auch jetzt nicht. An eine 
ausgebreitete Tuberkulose war nach dem klinischen Befinden absolut 
nicht zu denken. Erst 2*/ 2 Wochen vor dem Tode entwickelte sich 
das Bild der tuberkulösen Meningitis, der Patient erliegt. 

In dem Falle ist an eine kongenitale Übertragung durch die 
Mutter nach dem klinischen Bilde und Sektionsbefunde nicht zu 
denken. Überhaupt ist eine solche Art der Infektion äußerst selten. 
Eine Fütterungstuberkulose ist ebenfalls nicht anzunehmen, da die 
mesenterialen Drüsen im wesentlichen intakt waren und nur einzelne 
frische Herde zeigten. Auch ist ein anderes Kind, welches die Mutter 
zugleich mitstillte, gut gediehen, und die jetzt bei diesem angestellte 
Tuberkulininjektion (0,001 Tuberkulin alt) ist reaktionslos verlaufen. 
Dagegen waren die Bronchialdrüsen in toto verkäst und zum Teil 
bis walnußgroß. Die Herde waren «um Teil alt. Es ist also nach 
dem anatomischen Bilde die Bronchialdrüsentuberkulose zweifellos 
das Primäre gewesen. Durch den engen Kontakt, welchen das Kind 
mit der Mutter naturgemäß hatte, ist offenhar die Infektion erfolgt, 
wenngleich, wie schon erwähnt, bei der Mutter zurzeit keine feststell¬ 
bare offene Tuberkulose besteht. 

Es handelte sich also entweder um eine kurz nach der Geburt, 
wahrscheinlich gelegentlich der Rhinitis bei dem disponierten Indi¬ 
viduum erfolgte Infektion, die, solange das Kind an der Mutterbrust 
war, keinerlei Ausbreitung annahm und sich im Augenblick des Ein¬ 
tritts ungünstiger Verhältnisse rapid ausbreitete. Oder die Infektion 
erfolgte bei dem belasteten Kinde überhaupt erst infolge der durch 
das Abstillen und die ungünstigen äußeren Verhältnisse hervor¬ 
gerufenen Veränderung. Grätzcr. 

A. Calmette et M. Breton (Lille), Danger de l’ingestion de 
bacilles tuberculeux tuös par la chaleur. (La presse mödicale. 
1906. Nr. 15. S. 115.) Die Verff. sind auf Grund ihrer Versuche 
zu folgenden Schlüssen gelangt: 1. Bei Meerschweinchen, welche durch 
Verfütterung oder auf intraperitonealem Wege tuberkulös infiziert 
wurden, wird das letale Ende durch Eingeben kleiner Mengen von 
durch Kochen getöteter Tuberkelbazillen außerordentlich beschleunigt, 
ähnlich wie dies nach wiederholten Injektionen von Tuberkulin der 
Fall wäre. 2. Gesunde Meerschweinchen zeigen nach Einnahme 
wiederholter, kleiner Dosen sterilisierter Tuberkelbazillen ähnliche 
Veränderungen wie sie nach Einnahme von kleinen Tuberkulindosen 
bei gesunden Tieren beobachtet werden. Ähnliche Untersuchungen 


Digitized by 


Google 



56 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


werden auch für Bovideen und Ziegen durchgeführt, doch glauben 
die Verff. bereits jetzt aus ihren Versuchen den Schluß ziehen zu 
dürfen, daß die Ingestion tuberkulöser Produkte, selbst wenn die¬ 
selben durch die Hitze sterilisiert worden sind, keineswegs gleichgültig 
sind. Man müßte also die Ernährung Tuberkulöser mit der Milch 
perlsüchtiger Kühe, als gefährlich, vollkommen beseitigen, selbst wenn 
dieselbe sterilisiert worden ist, da sie hierdurch ihre Gefährlichkeit 
keineswegs gänzlich eingebüßt hat Aber derartige Milch ist auch 
für gesunde Personen nicht gleichgültig, so daß es von besonderer 
Wichtigkeit wäre, die Kuhställe einer periodischen, tierärztlichen 
Kontrolle zu unterziehen und alle Kühe der Tuberkulinprobe zu 
unterwerfen. E. To ff (Braila). 

L. Lortat-Jacob et G. Vltry (Paris), Lösions nerveuses et 
tuberculose cavitaire chez le nourrisson. (La presse mödicale. 
1906. Nr. 4.) Das Auffinden einer erbsengroßen tuberkulösen Kaverne 
bei einem unter athreptischen Symptomen verstorbenen 3monatigen 
Kinde, während gleichzeitig eine Kompression des gleichseitigen Vagus 
durch eine peribronchiale tuberkulöse Lymphdrüse bestand, bringt 
die Verff. wieder zur Erörterung der Frage des nervösen Einflusses 
auf die Bildung tuberkulöser Affektionen der Lunge bei Kindern. 
Nach den vorhandenen Erfahrungen und gemachten Experimenten 
scheint ein solcher Einfluß ohne Zweifel zu bestehen. So konnten 
die Verff. in Verbindung mit Sabareanu nachweisen, daß die Kaute- 
risierung des Rekurrens der einen Seite mittels Glüheisens beim 
Kaninchen binnen weniger Monate zur Entwicklung einer tuberkulösen 
Bronchopneumonie derselben Seite führt. Meunier ist zu analogen 
Schlüssen gelangt, indem er den Vagus der einen Seite beim Kaninchen 
durchschnitt und in die Peritonealhöhle desselben Kulturen von mensch¬ 
lichen Tuberkelbazillen injizierte. Es zeigte sich, daß es meist die 
entnervte Lunge war, welche die wichtigsten tuberkulösen Symptome 
darbot. E. To ff (Braila). 

Johannes Kasten, Zur Lehre der Hämoptoe im Säuglings¬ 
alter. (Beiträge zur Klinik der Tuberkulose. 1906. Bd. 5. Heft 4.) 
In anbetracht der großen Seltenheit der Hämoptoe als Todesursache 
im Säuglingsalter — Verf. vermochte nur noch vier Fälle aus der 
Literatur herbeizubringen — sei diese Beobachtung K.s aus der 
Rostocker Kinderklinik in ihren Hauptzügen wiedergegeben: Ein in 
einer hinsichtlich Sauberkeit und Ordnung nicht einwandfreien Pflege¬ 
stelle untergebrachtes Kostkind erkrankt mit 7 Monaten an Husten 
und Verdauungsstörungen ohne nachweisbare Organveränderungen* 
Einige Wochen später stellt sich spontan eine eitrige Mittelohr¬ 
entzündung ein und führt zu einer Karies des Warzenfortsatzes; 
gleichzeitig gelingt es, eine tuberkulöse Infiltration des rechten Ober¬ 
lappens nachzuweisen — der bakteriologische Befund des Rachen¬ 
schleims bestätigte den tuberkulösen Charakter einwandfrei — und 
ein tuberkulöses Geschwür an der Zungenspitze zu beobachten. 
10 Wochen nach Beginn der ersten Krankheitserscheinungen erfolgt 
unter rapidem Verfall ganz plötzlich und unerwartet der Tod des 
Kindes durch einen Blutsturz. Man fand das Kind, das kurz vorher 


Digitized by Google 



I. Referate, 


57 


noch seine Flasche mit leidlichem Appetit getrunken hatte, bluL 
überströmt im Bettchen liegend vor. Richter hatte im Befinden 
des Kindes auf diesen Ausgang hingewiesen. Die Sektion ergibt als 
Todesursache: Ruptur eines kleinen Gefäßes im Bereich des tuber¬ 
kulös-kavernösen rechten Oberlappens und unter anderem totale Ver¬ 
käsung der Bronchialdrüsen mit Durchbruch derselben in die Bronchien, 
tuberkulöse Geschwüre des Rachens, der Zunge und des Darms, und 
endlich tuberkulöse Herde in den Hals- und Mesenterialdrüsen. Die 
Betrachtung des K.schen Falles und der anderen vier von ihm mit¬ 
geteilten Beobachtungen von Blutsturz im Säuglingsalter ergibt, daß 
die Biedert-Fischlsche Angabe, die jüngsten der an Hämoptoe 
verstorbenen Kinder hätten im zweiten Lebensjahr gestanden, der 
Berichtigung bedarf. Das Alter der fünf Fälle schwankte zwischen 
12 Wochen und 10 Monaten, das allerjüngste, dessen ausführliche 
Krankengeschichte von Hinz (Dissertation Leipzig 1903) mitgeteilt 
wird, stand sogar erst im dritten Lebensmonat. In einem Hohlfeld- 
8chen Falle (Monatsschr. f. Kinderh. 1903) war die Blutung nicht töd¬ 
lich gewesen. Das Kind lebte nach der Blutung noch 45 Tage. Daß 
die starken Lungenblutungen im frühen Kindesalter der vorgeschrittenen 
Lungenphthise angehören und meist den Tod herbeiführen, lehren 
die von K. mitgeteilten Fälle aufs neue. Bei allen fünf B'ällen waren 
tuberkulöse Lungenkavernen vorhanden, deren Diagnose im Hohl- 
feldschen und K.schen Falle schon intra vitam gestellt worden war, 
während in den drei anderen die Kavernen erst bei der Sektion ent¬ 
deckt worden waren. H Netter. 

Gran eher (Paris), La tuberculose ganglio-pulmonaire dans 
l’öcole parisienne. (Acadömie de mödecine. 6. Novembre 1906.) G. 
hat in Verbindung mit mehreren seiner Schüler 4226 Kinder aus 
den Pariser Volksschulen untersucht und hiervon 15 °/ 0 als tuber¬ 
kulosekrank erkannt. Die Untersuchung wurde in klassischer Weise 
durch Inspektion, Palpation, Auskultation und Perkussion durchgeführt 
und auf diese Weise drei Krankheitsetappen nachgewiesen: in der 
ersten findet man eine leichte Veränderung der Inspiration, meist 
rechts; in der zweiten gesellt sich noch etwas Bronchopbonie hinzu; 
endlich in der dritten findet man auch leicht gedämpften Perkussions¬ 
schall (Submatität). Offene Tuberkulose wurde nur bei drei Kindern 
gefunden. Der Verf. ist auf Grund dieser Untersuchungen zur Über¬ 
zeugung gelangt, daß eine wirkliche Prophylaxis und Behandlung der 
Tuberkulose nur im Kindesalter mit Aussicht auf Erfolg durchführbar 
wäre. Hierzu ist es vor allem notwendig, die Krankheit in ihren 
ersten Anfängen, während der erwähnten drei Etappen, ausfindig zu 
machen, bevor die erste klassische Krankheitsperiode in Erscheinung 
tritt. Ist dies geschehen, so soll man auf die Behandlung in der 
Schule selbst keine allzu großen Hoffnungen bauen, da die Versuche 
des Verf.s, welche mit 103 Kindern vorgenommen wurden, in einem 
Frühstück in der Schule und in Verabreichung von Fleischpulver und 
Lebertran bestanden, von keinem sonderlichen praktischen Erfolge 
gefolgt waren. Um einen solchen zu erreichen und hauptsächlich um 
dem Ausbruche manifester Tuberkulose in späterem Alter entgegen- 


Digitized by Google 



58 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


zuarbeiten, sollen die tuberkuloseverdächtigen Kinder entweder auf 
dem Lande in einzelnen Familien untergebracht werden — wobei 
dieselben unter stetiger ärztlicher Kontrolle stehen müssen — oder, 
was vorzuziehen ist, es sollen spezielle Sanatorienschulen errichtet 
werden, die sowohl, was Isolierung bei eventuell auftretender offener 
Tuberkulose, als auch was ärztliche Beaufsichtigung, Regelung der 
Arbeit und Ernährung anbelangt, die besten Resultate ergeben werden. 
Solche Institute, die man als Freiluftschulen bezeichnen könnte, er¬ 
scheinen als am geeignetsten zur Internierung bazillentragender Kinder. 

E. To ff (Braila). 

G. Mouriquand, Recherches sur le diagnostic de la 
bronchopneumonie tuberculeuse infantile. (These de Lyon. 
1906.) Obwohl das Laboratorium ein wichtiger diagnostischer Behelf 
bei tuberkulöser Bronchopneumonie ist, so soll doch nicht vergessen 
werden, daß die stethoskopische Untersuchung und sonstige klinische 
Zeichen genügen, um in den meisten Fällen die Diagnose zu sichern. 
Von Wichtigkeit ist die Feinheit der Rasselgeräusche, bei Fehlen 
großblasiger Rasselgeräusche, die Fixheit des Herdes mit hauptsäch¬ 
licher Lokalisation an der Lungenbasis. Die Temperatur zeigt die 
Charaktere des tuberkulösen Fiebers, namentlich in der zweiten Kind¬ 
heit, während bei jüngeren Patienten eine ausgesprochene Neigung 
zur Apyrexie besteht. 

Weitere diagnostische Hilfssymptome sind die Mikropolyadenie, 
das Auftreten subkutaner, tuberkulöser Gummen, namentlich am 
Gesäß, und die Veränderungen der Leber und der Milz, während 
Albuminurie seltener zur Beobachtung gelangt. 

Bei den Nekropsien zeigt es sich, daß der tuberkulösen Broncho¬ 
pneumonie eine solche einfacher Natur vorangegangen war. In allen 
Fällen findet man die tracheo-bronchialen Lymphdrüsen verkäst und 
in einigen Fällen kann man direkt nachweisen, daß die Infektion der 
Lungen durch Kontiguität von einer verkästen und in dieselbe durch¬ 
gebrochenen verkästen Drüse ausgegangen ist. Hingegen findet man 
viel seltener eine makroskopische Tuberkulose der mesenterialen 
Lymphdrüsen (unter den untersuchten 19 Fällen nur 4 mal). 

E. To ff (Braila). 

0. Reunert, Erstickungstod durch eine sequestrierte 
Bronchialdrüse. (Deutsche med. Wochenschrift. 1906. Nr. 35.) 
Die Beobachtung betrifft ein 2 1 / 2 jähriges, anscheinend in völliger Ge¬ 
sundheit plötzlich verstorbenes Kind. 

Das Kind ist im allgemeinen bisher gesund gewesen. Als die Mutter es 
eines Tages, nachdem es den Tag über gespielt und mit Appetit gegessen hatte, 
zu Bett gebracht hatte und gerade das Zimmer verlassen wollte, richtete sich das 
Kind etwas auf, fiel dann zurück und war sofort tot. 

Bei der Sektion fand sich in der Trachea dicht unterhalb des Ringknorpels 
eine das Volumen derselben völlig ausfüllende, weiche, käsige Masse, im rechten 
Hauptbronchus nahe der Bifurkation eine Perforationsöffnung, durch die man in 
eine mit verkästen Bronchialdrüsen angefüllte Höhle gelangte. Linke Lunge 
gesund, die rechte mit besonderer Bevorzugung des Mittel- und Unterlappens 
tuberkulös erkrankt. 

Diese Beschränkung der Erkrankung auf die rechte Lunge, welche 
weit weniger vorgeschritten war, als die der Bronchialdrüsen, gestattet 


Digitized by Google 



I. Referate. 


59 


den Schluß, daß die Perforation des Bronchus bereits längere Zeit 
bestanden bat, und daß kleine Käsepartikelchen, welche hierdurch 
aspiriert sind, die sekundäre Lungenaffektion herbeiführten. Ein 
größeres sequestriertes Drüsenstück, das in die Luftröhre gelangte, 
hat von dem Kinde nicht mehr genügend nach oben befördert werden 
können und durch kompletten Verschluß der Luftröhre den Tod her¬ 
beigeführt. 

Derartige Fälle haben sowohl ein praktisches als auch ein ge¬ 
richtsärztliches Interesse. Besteht der Verdacht, daß den Suffoka- 
tionserscheinungen der geschilderte Vorgang zugrunde liegt, so kann 
man versuchen, das Hindernis durch Einführung eines elastischen 
Katheters zu beseitigen. Dann muß man bei plötzlichen Todesfällen 
auch stets an diesen Vorgang denken, und die Sektion wird bisweilen 
(wie bei einer Beobachtung von Völcker, wo zunächst der Verdacht 
vorlag, daß ein plötzlich gestorbenes Kind gewaltsam getötet worden 
sei) diese Vermutung bestätigen. Gr&tzer. 


J. Graham Forbes, Tuberkulose der Tonsillen und Lymph- 
drüsen, zusammen mit kongenitaler Bronchiektasie, Cirrhose 
der Leber und des Pankreas. (Lancet II. 9. Dez. 1905.) Über 
diesen interessanten Befund berichtete F. in der Londoner patholo¬ 
gischen Gesellschaft. 10 Tage vor der Aufnahme in das Hospital 
waren bei dem 2 Jahre 2 Monate alten Kinde Hals und Leib ange¬ 
schwollen. Bei der Aufnahme bestand eine starke Vergrößerung der 
cervicalen, postauricularen, axillaren und inguinalen Lymphdrüsen. 
Es waren ferner die Tonsillen vergrößert und geschwürig. An Herz 
und Lungen nichts Krankhaftes nachweisbar; die Leber reichte bis 
an den Nabel, die Milz war ebenfalls vergrößert. Blutbefund: Ge¬ 
ringe Anämie und polymorpho-nukleäre Leukocytosis. Das Kind 
hatte Rachitis geringen Grades, keine Anzeichen von Syphilis, auch 
bei den Eltern keine Anhaltspunkte dafür. In den abgetragenen 
Tonsillen fanden sich typische Tuberkel. Unregelmäßiges Fieber. 
Es stellten sich Erbrechen und Diarrhoe ein. Während die Lymph¬ 
drüsen sich wieder verkleinerten, blieb der Leib gleich. Nach 
6 Wochen trat Exitus ein. Autopsie: Tuberkulose der cervicalen, 
medestinalen, bronchialen und mesenterialen Lymphdrüsen, kongeni¬ 
tale Bronchiektasie in beiden Lungen, wie Honigscheiben. Die Leber, 
stark vergrößert, wog über 1020 g, von glatter Oberfläche, die Kapsel 
verdickt, grünlich weiß, auf dem Durchschnitt stark fibrös, im Pan¬ 
kreas ähnliche cirrhotische Veränderungen in Leber, Lungen, Pan¬ 
kreas keine Spur von Tuberkulose, die somit ganz auf die Lymph¬ 
drüsen beschränkt war. H. Netter. 

JE. Bachmann, Zur Kasuistik des Chylothorax. (Aus der 
Mediz. Klinik in Zürich.) (Medizin. Klinik. 1906. Nr. 44.) Der Fall 
betraf ein 14 jähriges Mädchen und zeichnete sich dadurch besonders 
aus, daß auf der Grundlage einer generalisierten Tuberkulose ein 
chylöser Erguß in die rechte Pleurahöhle und ein chyliformer Erguß 
in die Bauchhöhle stattgefunden hatte. Grätzer. 

E. Braendle, Über die Tuberkulose der Brustdrüse und 
die Dauerresultate ihrer operativen Behandlung. (Beitr. z. 

Centralblatt f. Kinderhlkde. XII. 5 


Digitized by 


Google 



60 


Centralblatt för Kinderheilkunde. N. 2. 


klin. Chir. 50, 1.) 11 neue Fälle aus der Tübinger Klinik. Sie be¬ 
treffen meist das höhere Alter. Ther.: Ablatio mammae und der zu¬ 
gehörigen Achseldrüsen. Nach 8—14 Tagen Heilung. Nur einmal 
war ein Rezidiv zu verzeichnen, das jedoch von einem Knochenherd 
ausging. Ewald (Heidelberg). 

Fischer-Defoy, Ausgedehnte Magentuberkulose. (Centralbl. 
f. allg. Path. und path. Anat. Nr. 1. Bd. 17.) Der einen 23 jährigen 
Mann betreffende Fall interessiert dadurch, daß sich im Magen 
ca. 12 flachere und tiefere, bis an die Serosa reichende tuberkulöse 
Geschwüre fanden, die ihrem ganzen Verhalten nach älter sind, als 
die sonst im Darme vorhandenen tuberkulösen Geschwüre und die 
tuberkulösen Veränderungen in den Lungen. Die Art und Weise der 
Infektion ließ sich nicht feststellen. Bennecke (Marburg). 

Zumsteeg, Über die primäreDiaphysentuberkuloselanger 
Röhrenknochen. (Beitr. z. klin. Chir. 50, 2.) Bericht über 8 Fälle, 
die während der letzten 7 Jahre unter 987 (!) Fällen von Knochen- 
und Gelenktuberkulose in der Tübinger Klinik zur Beobachtung 
kamen. Die Behandlung bestand in breiter Freilegung der Knochen¬ 
herde, Entfernung der Granulationen und der Sequester. 

Ewald (Heidelberg). 

Robert Dupont (Paris), Tuberkulose sacro-ilöo-vertöbrale. 
Absces ouvert dans le rectum. (Höpital des enfants malades, 
Service du Dr. Broca.) (Revue mens, des malad, de Penf. Juin 1906.) 
Der betreffende 8 jährige Kranke hatte vor etwa einem Jahre an 
einem tukerkulösen Tumor des linke Handgelenkes gelitten, welcher 
in Heilung übergegangen war. Die jetzige Krankheit begann mit 
Schmerzen in den Hüften und Hinken, so daß man an eine Koxalgie 
dachte. Dann entwickelten sich Kontrakturen beider Beine im Hüft¬ 
gelenke, derart, daß jede Bewegung sehr schmerzhaft empfunden 
wurde. Auch Druck auf die Lendenwirbelsäule war schmerzhaft, doch 
war keine Difformität zu bemerken. Nach einigen Wochen traten 
profuse eitrige Stühle auf Fieber, dann eine starke Vor Wölbung in der 
Lendengegend, die eröffnet wurde und eine große Eitermenge ent¬ 
leerte. Der Zustand war vorübergehend besser, endlich trat Exitus 
ein. Die Nekropsie ergab viele interessante Einzelheiten, von welchen 
hauptsächlich die konstatierte Perforierung des tuberkulösen Lenden¬ 
wirbel- und Sakralabszesses in das Rektum hervorgehoben werden 
soll. Es ist dies ein seltenes Vorkommnis, über welches nur wenig 
in der Literatur zu finden ist. Nichtsdestoweniger handelt es sich 
um eine sehr ernste Komplikation, da die Abszeßhöhle vom Rektum 
aus sehr rasch infiziert wird, ganz abgesehen davon, daß die bis 
dahin geschlossene Tuberkulose sich in eine offene verwandelt. 

Von einer Heilung kann in derartigen Fällen nur selten die Rede 
sein und auch das nur dann, wenn der kalte Abszeß tief, etwa im 
Steißbeine gelegen ist. * E. Toff (Braila). 

P. Dh6ry, La tuberculose du pubis chez l’enfant. (Thöse 
de Paris. 1906). Die Lokalisierung der Tuberkulose im Schambeine 
kommt selten zur Beobachtung und ist in einer großen Anzahl der 


Digitized by 


Google 



I. Referate« 


61 


betreffenden Fälle schwer zu erkennen, namentlich wenn ein Durch« 
brach des Abszesses noch nicht stattgefunden hat, oder dies an einer 
entfernten Stelle geschieht. 

Die Symptome können in zwei Gruppen geteilt werden, je nach¬ 
dem die Krankheit den Gang beeinflußt und koxalgische Erschei¬ 
nungen hervorruft, oder nur lokale, jeder Knochentuberkulose eigene 
Symptome aufweist. Die lokale Untersuchung eventuell in Verbin¬ 
dung mit der radiographischen Untersuchung gestattet irr den meisten 
Fällen eine Lokalisierung der Affektion. 

Die Prognose ist keine schlechte, namentlich wenn die Abszesse 
auf kein Gelenk übergreifen und keine zu große Abhebung der 
Weichteile bewirken. Bezüglich der Behandlung ist die Entfernung 
der Sequester, die Eröffnung und Drainierung der Fisteln anzu¬ 
empfehlen. E. Toff (Braila). 


0. Vulplus, Die Behandlung der tuberkulösen Coxitis 
im Kindesalter. (Zeitschrift f. ärztl. Fortbildung. 1906. Nr. 20.) 
Großes Gewicht legt V. auf die Allgemeinbehandlung — V. fügt 
gern eine Schmierseifeninunktionskur bei, deren Wirkung erprobt ist 
— mit der gleichzeitig der Kampf gegen den lokalen Entzündungs¬ 
prozeß und seine Folgezustände verbunden wird, der möglichst am¬ 
bulant geführt werden soll. Dies wird ermöglicht durch einen sehr 
exakt angelegten Gipsverband. Dessen Unterlage kann aus Flanell¬ 
binden, Filzhose oder fest angewickelter Watte bestehen, über welche 
alsdann die Gipsbinden dem Rumpf und Bein derartig anmodelliert 
werden, daß die Körperformen durch den fertigen Verband hindurch 
zu erkennen sind. „Je vorgeschrittener das Leiden, je heftiger die 
Schmerzen, desto größer hat der Gipsverband auszufallen, der ge¬ 
legentlich von der Brustwarze bis zur Großzehe reicht. Meist können 
wir ihn am Rippenbogen und über den Knöcheln endigen lassen. 
Äußerst wichtig ist, daß der Verband sich dem Tuber ossis ischii 
aufs engste anschmiegt, denn von hier aus wird die Körperlast unter 
Ausschaltung des Beines übertragen auf einen eisernen Gehbügel, 
welcher die freischwebende Fußsohle überragt. Nur auf diese Weise 
ist die Entlastung des Hüftgelenkes zu erreichen. Eine um das 
Sprunggelenk gelegte Schnurlasche mit seitlichen Bändern, welche 
durch Ösen des Gehbügels geleitet werden, gestattet endlich eine 
nicht unbeträchtliche Extension. Die Wirksamkeit eines solchen 
Gehgipsverbandes läßt sich aus der gewöhnlich prompt eintretenden 
Schmerzstillung erkennen.“ Ist die vorteilhafteste Stellung für ein 
versteiftes Hüftgelenk — geringe Abduktion und Flexion — bereits vor¬ 
handen, so wird sie im Gehgipsverband festgehalten. Andernfalls muß 
sie durch ein schonendes Redressement (Narkose!) herbeigeführt werden. 
Die Verbände werden in Intervallen von etwa 2 Monaten gewechselt. 

Der Gehgipsverband hat nun auch seine Nachteile, vor allem 
die entstehende Atrophie. Es ist deshalb die Behandlung mit por¬ 
tativen Apparaten eingeführt worden. Der nach einem Modell 
kunstvoll gebaute Hülsenapparat ist aber kompliziert und kostspielig, 
die Anlegung eines ebensogut wirkenden Gipsverbandes mit einfachen 
Mitteln zn bewerkstelligen. Deshalb bevorzugt V. letzteren während 


Digitized by 


Google 



62 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


des floriden Stadiums der Coxitis, während in der Epoche der Nach¬ 
behandlung, wo es gilt die Atrophie zu beseitigen, den Knochen all¬ 
mählich wieder tragfahig zu machen, der Hülsenapparat zu seinem 
Rechte kommt, wo die pekuniären Mittel es gestatten. Sonst muß 
und kann man sich mit einfacheren Hülsenvorrichtungen behelfen, 
wenn nur bei ihrer Herstellung das Prinzip der „Modellhülse“ ge¬ 
wahrt bleibt. 

Was nun die Komplikationen anbelangt, so entsteht die 
Luxation auf der Basis des auf die Pfanne wie den Kopf form¬ 
zerstörend wirkenden Prozesses. Unsere therapeutische Aufgabe be¬ 
steht darin, der Wanderung des Kopfes durch Entlastung und Ex¬ 
tension entgegenzuarbeiten. Häufiger beschäftigt uns der Abszeß. 
„Wir sehen bisweilen, daß dieser unter dem Gipsverband sich ohne 
spezielle Behandlung zurückbildet, häufiger aber müssen wir leider 
gelentlich des Gipsverbandwechsels feststellen, daß unter dem Ver¬ 
band Eiter palpabel wurde. Dieser drohende Mißerfolg der konser¬ 
vativen Therapie äußert sich gelegentlich gleich zu Beginn unserer 
Behandlung: Die gewohnte Schmerzstiilung durch Anlegen des Gips¬ 
verbandes bleibt aus, die Schmerzen können an Intensität zunehmen 
und schließlich zur Entfernung des Verbandes nötigen, oder aber sie 
verschwinden nach einiger Zeit ziemlich plötzlich. Diese Erscheinung 
erklärt sich daraus, daß ein intraartikulärer Abszeß vorhanden war, 
der durch die Kapselspannung so lange Schmerzen hervorrief, bis er 
zur Perforation kam — man findet beim Verbandwechsel den ober¬ 
flächlich liegenden Abszeß. Ein Abszeß, der nicht die Tendenz zur 
Rückbildung erkennen läßt, muß entleert werden unter möglichster 
Vermeidung von Fistelbildung, also besser durch wiederholte Punktion 
und Jodoforminjektion als durch Inzision. Stark eiternde Fisteln er¬ 
schweren die Behandlung im Gipsverband oder portativen Apparat 
sehr, solche Fälle eignen sich gewöhnlich nicht zur konservativen 
Therapie. Wir berühren damit die Frage nach den Grenzen der 
orthopädischen Behandlung der Coxitis des Kindes. Ist erhebliche 
Eiterung vorhanden, diagnostizierbar aus der starken Schmerzhaftig¬ 
keit trotz exakter Ruhigstellung des Gelenkes, bestehen lebhaft sezer- 
nierende Fisteln, die auf kariösen Knochen, ins Gelenk führen, tritt 
Fieber auf, wird der Allgemeinzustand unter konservativer Behand¬ 
lung schlechter — dann ist der blutige chirurgische Eingriff ange¬ 
zeigt, dann gilt es aber auch, nicht lange zu zögern, sondern typisch 
oder atypisch, jedenfalls gründlich zu resezieren, ehe die Entkräftung 
des kleinen Patienten die Aussichten der Operation verschlechtert.“ 

Bei Fällen ausgeheilter Coxitis, welche eine Ankylose in funk- 
tionell ungünstiger Position — starke Flexion, Adduktion und 
erhebliche Verkürzung — aufweisen, empfiehlt V. eine Osteotomie im 
Bereich des Trachanter major, wobei das Bein dann in leichte Ab¬ 
duktion gestellt wird, falls eine Verkürzung von wenigen Zentimetern 
vorliegt. Stärkere Verkürzungen des Beines gleicht V. lieber durch 
orthopädisches Schuhwerk aus. Grätzer. 


Gy. Dollinger, Die BehandlungdertuberkulösenKnochen- 
und Gelenkserkrankungen. (Orvosi hetilap. 1906. Nr. 2.) Nach 


Digitized by 


Google 



I. Referate. 


63 


eingehender Besprechung dieses wichtigen Gegenstandes, konkludiert 
D., daß die konservative Therapie die Regel, die Resektion die Aus¬ 
nahme sein möge. ErnÖ Deutsch (Budapest). 

Alex Schmidt (Altona), Eine einfache Methode zur schmerz¬ 
losen Redression verschiedenartiger Deformitäten. (Medizin. 
Klinik. 1906. Nr. 40.) S. hebt zunächst hervor, daß man bei seiner 
Methode mit einfachen Hilfsmitteln und unabhängig vom Bandagisten 
auch schwere Deformitäten heilen kann, so daß diese Art der Be¬ 
handlung, eine Modifikation des Wolffschen Etappenverbandes, be¬ 
sonders dem praktischen Arzte sehr gute Dienste zu leisten berufen 
ist, auch dem Landarzte, zumal die nötigen Apparate von jedem 
Schlosser auf dem Dorfe hergestellt werden können. S. übt die 
Methode seit 12 Jahren aus bei Kontrakturen nach tuberkulösen und 
anderen Gelenkentzündungen, bei 0- und X-Beinen, rachitischen De¬ 
formitäten usw. Man kann mittels derselben schmerz- und gefahrlos 
in sehr kurzer Zeit selbst recht schwere Deformitäten korrigieren, 
und zwar bei ambulanter Behandlung (Bettruhe nur so lange, bis der 
Gips getrocknet ist). 

Die Technik dieses Gips¬ 
korkverbandes ist eine sehr 
einfache. Die betreffende Extre¬ 
mität wird sorgfältig mit nicht 
entfetteter Watte gepolstert und 
eingegipst; die Polster watteschicht 
muß durch eine Tupfmullbinden¬ 
lage fest und gleichmäßig ange¬ 
wickelt werden, so daß das ge¬ 
polsterte Bein genau dessen na¬ 
türliche Konturen behält, wodurch 
man ein gleichmäßig festes und 
genaues Anliegen des Gipsver¬ 
bandes erzielt. In den letzten werden nun Charniere (s. Abbild.) ein¬ 
gewickelt, die jeder Schlosser aus biegsamem, dünnem Bandeisen 
herstellt (zur besseren Fixierung derselben im Gips sind durchlochte 
Lederstücke an ihnen angenietet, welche sich, angefeuchtet, fest mit 
den Gipsbinden vereinigen und dadurch verhindern, daß die Schar¬ 
niere bei dem später einwirkenden Zug und Druck ausreißen. Bevor 
der Gips trocknet, schneidet man (am Knie) in der Kniekehle von 
Scharnier zu Scharnier ein ovales Stück aus dem Gipsverband aus, 
wobei aber auch hier die Watteschicht mit der sie fixierenden Mull¬ 
binde nicht mit durchschnitten wird. Nun wartet man, bis der Gips¬ 
verband trocken geworden ist, also 2—5 Tage, ölt die Scharniere ein 
damit sie sich leichter bewegen, und beginnt das Bein langsam zu 
redressieren, aber nur gerade so weit, daß Patient anfängt Schmerz 
zu fühlen. Dabei klafft natürlich der Schlitz in der Kniekehle je 
nach dem Grade der Redression. Man wählt nun von einer Serie 
von Korkkeilen, die man sich von. der dünnsten Scheibe bis zu einem 
15 cm dicken Stück reichlich vorrätig hält, denjenigen Keil aus, der 
sich gerade in den Spalt hineinschieben läßt, und erhält sich dadurch 



Digitized by 


Google 




64 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


das Resultat der Redression. Nach zwei weiteren Tagen kann man 
weiter redrewieren, einen dickeren Kork einschieben usf., bis man 
überkorrigiert hat, wobei zuletzt ein sehr dickes Korkstück in der 
Kniekehle sitzt. An den Stellen, wo der Kork eingeschoben wird, 
muß der Gipeverbaud von Anfang an verdickt werden, damit er durch 
den Druck des Korkes nicht abbröckelt. Da nun solche redressierten 
Kontrakturen lange Zeit die Neigung zu Rezidiven behalten, muß man 
das Erreichte durch 2 Jahre durch Kapseln zu fixieren bestrebt sein, 
ln der ärmeren Klientel macht man einfach eine Gipskapsel, welche nur 
alle 6 Monate erneuert zu werden braucht, während sonst eine durch 
Schnürung abnehmbare Kapsel benutzt wird, die nach einem Gips¬ 
abguß entweder aus Zelluloid-Azeton-Mullbinden oder aus Holzspänen 
und Kleisterbinden oder aus Holzspänen und Tischlerleimbinden oder 
aus Mullbinden, Wasserglas und Pappstreifen hergestellt wird. So 
muß man mindestens 2 Jahre lang nachbehandeln! 

Ebenso werden andere Deformitäten behandelt, wobei der Kork 
stets an der Stelle der pathologischen Konkavität seinen Platz erhält. 
Beim X-Beine liegen bei der Korrektion die Scharniere an der 
Vorder- und Hinterseite des Kniegelenks, der Kork wirkt an der 
Außenseite. Auch hochgradigste X-Beine sind so heilbar. Die Nach¬ 
behandlung ist die gleiche wie oben, noch besser wirkt hier aber 
eine einfache Außenschiene, gegen welche das Knie mit einem breiten 
Lederriemen angezogen wird. Auch diese Schiene stellt jeder 
Schlosser und Sattler her. Sie besteht aus einem gepolsterten 
Beckengurt und der langen, auswärts gebogenen Außenschiene, welche 
unten rechtwinklig abgebogen ist und in die Hacke des Stiefels ein¬ 
gesteckt wird, wodurch der Fuß im Gelenk beweglich bleibt. Unter¬ 
halb des Beckengurtes ist in der Höhe des Trochanters zur Bewegung 
des Hüftgelenkes ein Scharnier einzufügen. Das Knie aber darf 
kein Gelenk erhalten. Die Patienten können nach wenigen Tagen damit 
sehr gut gehen. 

Wo es Tuberkulose und Rachitis gibt, wird man reichlich Ge¬ 
legenheit haben, diese Methode anzuwenden, die an Einfachheit nichts 
zu wünschen übrig läßt. Grätzer. 

Dt F, Willard, Joint Diseases, Especially Those of Chil- 
dren. (New York Med. Jour.) Nach Erörterung der verschiedenen 
Arten von Gelenkaffektionen der Kinder und der differentialdiagno¬ 
stischen Momente der einfachen, tuberkulösen und septischen Gelenk¬ 
entzündungen, betont Verf. die Oberflächlichkeit, mit der die Diagnose 
in diesen Fällen gestellt wird. Die meisten unheilbaren Gelenkaffek¬ 
tionen seien das Resultat falscher Diagnosen. Nur zu oft werden 
dieselben als Rheumatismus aufgefaßt. Verf. empfiehlt vollständige 
Ruhe und Fixation des Gelenkes bei tuberkulöser Infektion, dagegen 
frühes operatives Eingreifen in septischen Fällen, e. B. Sheffield. 

M. Simmonds, Über Frühformen der Samenblasentuber¬ 
kulose. (Virchows Archiv. Bd. 183. Heft 1.) S. untersuchte in 
14 Fällen die Samenblasen von an Tuberkulose gestorbenen Männern, 
die sich makroskopisch durch ihren eitrigen Inhalt auszeichneten. 
In allen Fällen fand er in den von Eiterkörperchen durchsetzten 


Digitized by 


Google 




L Referate. 


65 


Inhalte zahlreiche Tuberkelbazillen, jedoch nur, in 8 Fällen histolo¬ 
gisch nachweisbare tuberkulöse Veränderungen der Samen blasen wand; 
in den übrigen bestand als Zeichen beginnender Tuberkulose nur ein 
eitriger Katarrh. In manchen Fällen ließ sich eine Kommunikation 
der Samenblasen oder zuftihrenden Samenwege mit tuberkulösen 
Herden nachweisen. In den anderen Fällen fand sich dagegen keine 
Genitaltuberkulose. Für diese nimmt S. an, daß die Bazülen in den 
Hoden ausgeschieden würden, ähnlich wie in der Niere. Vom Hoden 
aus kommt dann die Samenblasentuberkulose zustande. S. macht 
auf die Übertragungsmöglichkeit der Tuberkulose in diesen Fällen 
aufmerksam, hält sie aber seinen Erfahrungen nach nicht für häufig. 

Bennecke (Marburg). 

y. Baumgarten, Experimente über aszendierende Uro¬ 
genitaltuberkulose. (Verh. d. deutschen path. Ges. in Meran. 1905. 
Durch Unterbindung von Ureteren und Vasa deferentia bei Kaninchen 
mittels Seidenläden, die mit spärlichen Tuberkelbazillen imprägniert 
waren, verursachte v. B. eine Aufhebung des Sekretionsstromes. In 
den betreffenden Schleimhäuten kam es zur Entzündung durch das 
gestaute Sekret und sekundären Infektion mit tuberkulösem Material, 
die an der Stelle der Unterbindung entstanden und in die Lumina 
eingebrochen war. Im Ureter breitete sich die käsige Entzündung 
kontinuierlich längs der Wand bis in die hydronephrotisch veränderte 
Niere aus, während es vom Vas deferens aus in den vorliegenden 
Präparaten zu einer Erkrankung des Nebenhodens und Hodens nicht 
gekommen war, wofür mechanische Momente verantwortlich gemacht 
werden. Durch die Experimente wird bewiesen, daß bei aufgehobenem 
Sekretionsstrome eine aszendierende Ausbreitung der Tuberkulose mög¬ 
lich ist, dagegen beweisen sie nichts für eine aszendierende Tuber¬ 
kulose bei vorhandenem Sekretionsstrome. Bennecke (Marburg). 

De Keersmaecker (Antwerpen), Die Behandlung der Uro¬ 
genitaltuberkulose mit Tuberkulinpräparaten. (Centralbl. f. 
Krankh. d. Harn- und Sexualorg. XVII. 9.) K. bedient sich des 
Denysschen Tuberkulin B. F. (= unerhitztes Filtrat der Glyzerin- 
peptontieischbouillon, auf welcher die Tuberkelbazillen gewachsen 
sind) und fußt auf der Methode Denys. Als Verdünnung zu den 
Einspritzungen benutzt Denys dieselbe Glyzerinpeptonfleischbouillon, 
,K. dagegen gebraucht dazu 1 / 2 °/o^ e Karbolsäurelösung. 

Nach Denys unterscheidet man 1. TIII = unverdünnte Bouillon¬ 
flüssigkeit; 2. TII= 1 I 1 qTHI d. h. die Lösung TIH wird um l / l0 
verdünnt; 3. T — 7 100 THI; 4. TO = V 100 o T ' Nr l ; 5 - T 7oo = Vioooo 
v * Tm ; 6. T°/ioooop v ” rm U8W - jedesmal um 1 / 10 verdünnt. K. fängt 
nun umgekehrt wie Denys bei der 6. Lösung an, steigt dann lang¬ 
sam zur 5. und 4. (TO) und geht nicht weiter herauf mit der Kon¬ 
zentration. Eventuell wird mehrere Monate pausiert und dann von 
neuem mit Nr. 6 angefangen. Die Fieberkranken sind vorher durch 
Ruhe, Diät usw. vorbereitet. Die Einspritzungen müssen sehr lange 
fortgesetzt werden. Zur Kontrolle der Reaktion wird dreimal täglich 
Temperatur gemessen, und die Miktionen werden gezählt, für Tag und 
Nacht getrennt. Daneben Behandlung der Cystitis, Pyelitis mit Pro- 


Digitized by 


Google 



66 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


targol, Salol, Urotropin. K. hält die Tuberkuline für Specifika und 
schiebt Mißerfolge mehr auf eine falsche Methode als auf diese 
Mittel. James 0. Wentzel (Zittau). 

H. Vörner, Bemerkenswerter Fall von tuberkulösem 
Hautexanthem. (Aus der mediz. Univers.-Poliklinik zu Leipzig.) 

Das 15 Wochen alte Kind wurde bis zu dem im Alter von 19 Y* Wochen 
erfolgenden Tode beobachtet. Es stammte von tuberkulösen Eltern ab und stand 
wegen ausgesprochener Symptome der Hirschsprung sehen Krankheit in Be¬ 
handlung. Außerdem zeigte es ein eigenartiges Hautexanthem, zu dessen Beur¬ 
teilung V. herangezogen wurde. 

Am Stamm einige zerstreute Gruppen von Effloreszenzen, und zwar eine 
am Bauch, zwei auf der Brust und auf dem Rücken. Diese Gruppen bestanden 
aus Ys—1 Dutzend Einzeleffloreszenzen, die bald weiter, bald dichter standen, zum 
Teil sogar sich berührten. Sie waren im Durchmesser Stecknadelkopf- bis fast 
linsengroß und bildeten Knötchen von dieser Größe, die verschieden hoch das 
Hautniveau überragten, mitunter auch ganz flach waren. Im Zentrum zeigten die 
größeren gewöhnlich eine weißliche trübe Verfärbung. Im übrigen waren sie 
bräunlich-dunkelrot. Auf Finger- oder Glasdruck schwand die Farbe nicht, son¬ 
dern es blieb eine gelbliche bis bräunliche Verfärbung zurück, deren Sitz die 
Cutis war. Die Knötchen hatten weiche Konsistenz. Keine Zeichen von Lues. 
Darauf hatte V. Verdacht auf Tuberkulose, und bei einer genauen Untersuchung 
des Kindes fanden sich bronchopneumonische Herde; bei der Röntgenuntersuchung 
Trübungen der Lungenfelder. Dazu geseilten sich meningitische Erscheinungen, 
die schließlich zum Exitus führten. Durch die Sektion wurde eine fortgeschrittene 
tuberkulöse Erkrankung der Lunge festgestellt, und auch die Untersuchung der 
Haut ergab Details, die auf Tuberkulose hindeuteten. 

Interessant war bei dem Falle, daß die Hautaffektion frühzeitig 
auf den tuberkulösen Zustand der inneren Organe aufmerksam machte, 
der sonst wohl noch länger von den Symptomen der Hirschsprung- 
schen Krankheit verdeckt worden wäre. Grätzer. 


Rudolf Polland, Lupus pernio. (Aus der Klinik f. Derma¬ 
tologie und Syphilis in Prag.) (Dermatolog. Zeitschrift. XIII. Nr 11.) 
Ein selbstbeobachteter Fall und die wenigen in der Literatur veröffent¬ 
lichten Befunde geben P. Veranlassung, für die Selbständigkeit des Krank¬ 
heitsbildes Lupus pernio einzutreten. Er kommt zu folgenden Schlüssen: 

1. Lupus pernio ist eine eigenartige, höchstwahrscheinlich in 
die Reihe der Hauttuberkulose gehörige Erkrankungsform (es fehlt 
der Nachweis von Tuberkellbazillen). 

2. Lupus pernio stellt eine selbständige Erkrankung dar, die 
sich durch ihren typischen Gesamtcharakter von allen Formen des- 
Lupus vulgaris abgrenzen läßt. Die das Krankheitsbild zusammen¬ 
setzenden Elemente lassen zwei Formen unterscheiden: 

a) eine tumorartige mit besonderem Hervortreten der Gefä߬ 
erweiterung, welche in den tieferen Hautschichten sitzt und keine 
gesonderten Knötchen erkennen läßt: 

b) eine oberflächlichere, welche in Form von lupusähnlichen 
Knoten im Gesicht und an der Streckseite der Extremitäten auf- 
tritt und eine gewisse Symmetrie erkennen läßt. 

Beide Formen können bei demselben Fall kombiniert Vorkommen. 

3. Der Gesamtcharakter des Lupus pernio ist bedingt durch die 
Beteiligung des Gefäßsytemes im Sinne einer venösen Stauung. 

James 0. Wentzel (Zittau), 


Digitized by 


Google 



I. Referate. 


67 


Werther, Die verschiedenen Behandlungsmethoden des 
Lupus vulgaris. (Berliner Klinik. Januar 1906.) Für das früh¬ 
zeitige Erkennen des Lupus bietet nach dem Verf. die histologische 
Untersuchung weniger deutliche Merkmale als das Resultat der Tuber¬ 
kulmeinspritzung oder die Überimpfung auf Kaninchen. Trockene 
Formen heilen besser als geschwürige, flache besser als erhabene. 
Gegen die sonst vorzüglichen chirurgischen Methoden wendet Verf. 
nur ein, daß jede Eröffnung von Blutgefäßen die Verschleppung von 
lupösem Virus herbeiführen kann, und Verf. bespricht sodann die 
Indikationen der kosmetischen Methoden: der einfachen Naht, der 
gestielten Lappen, Plastik und Hautverschiebung. Ausschabungen 
sind an zarteren Seiten ungeeignet. Skarifikation erzielt oft gute 
kosmetische Resultate. Für ambulante Behandlung eignet sich das 
harmlose Kali hypermanganicum, durch Ungefährlichkeit zeichnet sich 
auch das Resorcin aus, schädlicher erwies sich Pyrogallussäure. 
Schleimhautlupus behandle man vorsichtig mit Liqu. stibii chlorat., 
Jod oder Jothion. Gute Erfolge erzielten auch die verschiedenen 
Kälte- und Hitzeeinwirkungen, Elektrizität und Bestrahlungen. Im 
allgemeinen rät Verf. zu weitgehendster, nicht gleichzeitiger, sondern 
aufeinanderfolgender Kombination verschiedener Methoden, Ausschabung 
plus Atzung, Ätzung plus Licht, Röntgenstrahlen plus Licht, Skari¬ 
fikation plus Kalipermanganatumschläge usw. Die vollendete Heilung 
kann durch eine Probe mit Alt-Tuberkulin festgestellt werden. Ange¬ 
sichts der befriedigenden Resultate der Finsenkur rät Verf. zur 
finanziellen Unterstützung dieser leider sehr kostspieligen Methode. 

Max Joseph (Berlin). 

James U. Sequeira, Extensive ringworm with ulceration 
of the umbilicus. (The British Journ. of Dermat. August 1906.) 
Die in England seltene Erkrankung des über den ganzen Rumpf und 
die Extremitäten verbreiteten Ringworms beobachtete Verf. an einem 
Knaben, dessen Körper, Arme und Beine mit Schuppen und winzigen 
Papeln bedeckt waren, während auch die Fingernägel rauh, dick und 
bräunlich erscheinen. Bei der Untersuchung wurden Mycelien, Sporen 
und der typische Endothrix gefunden. Wahrscheinlich war ein Ülcus, 
welches in der Gegend des Umbilicus entstand, ebenfalls durch den 
Fungus verursacht. Das Ulcus heilte unter Borsäure und Lysol, die 
schuppige Eruption unter Jodin. Da aber die Eltern des Patienten 
das Entfernen der kranken Nägel nicht zuließen, rezidivierte die ganze 
Affektion nach einigen Monaten wahrscheinlich durch diese Infektions¬ 
quelle. Eine Schwester des Patienten zeigte die gleiche schuppige 
Eruption an Armen, Händen und Fingernägeln, doch fehlten Ulzera- 
tionen und der übrige Körper blieb verschont. Max Joseph (Berlin). 


James H. Sequeira, On cases of Hydroa aestivale of mild 
type: their relations ship with Hutchinsons „Summer 
Prurigo“ and with Hydroa vacciniforme of Bazin. (The Bri¬ 
tish Journ. of Dermat. April 1906.) Die fünf vom Verf. beschriebenen 
Fälle, wiesen Papeln und Vesikel auf, welche manchmal juckten, 
Narben hinterließen und sich charakterisierten durch Entstehen in 
früher Kindheit, Wiederkehren mit der warmen Jahreszeit, Verschwin- 


Digitized by 


Google 



68 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


den im Winter, sowie durch die sichtbare Beeinflussung vom Sonnen¬ 
licht und dementsprechende Lokalisation auf exponierten Stellen. 
Gleich den schweren in der Literatur berichteten Fällen von Hydroa 
aestivale und vacciniforme boten die leichteren Affektionen, welche 
Verf. beobachtete, das histologische Bild ausgeprägter leukoseröser 
Exsudation, Ausdehnung der Gefäße und Zerstörung des Gewebes. 
Verf. ist der Meinung, daß alle die leichteren oder schwereren Sommer¬ 
eruptionen, Sommerprurigo, Hydroa aestivale oder vacciniforme nur 
verschiedene Stadien und Formen einer gleichen Gruppe darstellen. 
Die Eruption, welche wohl vom Licht, aber auch von anderen Fak¬ 
toren verschuldet sein kann, unterscheidet sich von den natürlichen 
Sonnenwirkungen erythematöser und pigmentierender Natur. Eine 
abnorme Veranlagung, welche sich z. B. auch in dem Hämatoporphy- 
ringehalt des Urins zeigt, liegt zugrunde, sowie bei Variola oder 
Pellagra, bei denen die Lichtwirkung ja auch oft das auslösende Mo¬ 
ment bildet. Verf. zieht Analogien der Hydroa mit Lupus erythemat 
und Tuberkuliden in bezug auf Lokalisation, Vaskularität und Ödemen 
der Gewebe, Narbenbildung und Witterungseinflüssen und kommt zu dem 
Schlüsse, daß die beschriebenen Sommereruptionen eine Toxämie mit 
Hautentzündungen amikrobischer Natur seien, welche durch lokale 
Schädlichkeiten, zu denen auch die ultra-violetten Strahlen zu rechnen 
seien, hervorgebracht würde. Max Joseph (Berlin). 


Giulon et Pater, Complications ränales au cours de Tim- 
pötigo et de l’eczöma impötigineux. (Revue mens, des malad, 
de l’enfance. Novembre 1906.) Impetigo und Ekzem, Krankheiten, 
welche die schützenden Decken der Haut zerstören und auf großer 
Ausdehnung die Absorptionswege derselben, Lymph- und Blutbahnen 
freilegen, führen in gewissen Fällen zur Entwicklung von viszeralen 
Komplikationen und allgemeinen Infektionen. Daß dies nicht häufiger 
vorkommt, läge an dem fortwährenden und reichlichen Abflüsse 
seröser Flüssigkeit, welcher diese Hautaffektionen beim Kinde charak¬ 
terisiert und wodurch in mechanischer Weise eine expulsive Tätigkeit 
auf die infizierenden Mikroorganismen ausgeübt wird. Eine andere 
Schutzeinrichtung des Organismus bilden die Lymphdrüsen; es gibt 
aber Fälle, wo diese natürlichen Schutzmittel ungenügend werden 
und die infizierenden Mikroben in den Körper eindringen, wie dies 
mit Bezug auf die Tuberkulose der Fall ist. Eine andere Kompli¬ 
kation gibt die Nephritis ab, obzwar dieselbe nicht immer durch 
schwere Symptome in Erscheinung tritt und folglich der Aufmerksam¬ 
keit entgeht. Die Symptomatologie dieser Komplikation ist relativ 
einfach: meist ist es ein physikalisches Zeichen, Ödem des Gesichtes 
oder der Malleolen, welches die Aufmerksamkeit auf den Zustand 
hinlenkt. In anderen Fällen tritt die Krankheit durch das urämische 
Symptom in Erscheinung, wie Anasarka, Oligurie, Dyspnoe, Epistaxis, 
Erbrechen usw. Die Harnuntersuchung zeigt die Anwendung von Ei¬ 
weiß in größeren oder geringeren Mengen, oft auch von Blut, und 
kann es zur Entwicklung einer wahren hämorrhagischen Nephritis 
kommen. 

Nach dem Gesagten erscheint es also von Wichtigkeit, bei 


Digitized by 


Google 



I. Referate. 


69 


Kindern, die an impetiginösem Ekzem leiden, namentlich die Haut¬ 
veränderungen eine größere Ausdehnung besitzen, den Zustand des 
Harnes zu überwachen und bei Feststellung einer Nierenaffektion 
eine dementsprechende Therapie einzuleiten. E. Toff (Braüa). 

T. Colcott Fox, Clinical notes. (The British Journ. of Der- 
mat. September 1906.) Bei einem sonst gesunden kräftigen Knaben 
stellten sich neben Pediculi und anschließender Impetigo auf dem 
Kopfe starke Schuppen, auf dem von den Pediculi freien Körper ein 
seborrhoisches Ekzem ein, welches durch die Kongestion und Er¬ 
höhung der Follikel bis zu dornenähnlichen Vorsprüngen auffiel. Bei 
der mikroskopischen Untersuchung fanden sich Kokken, auch spärliche 
Streptokokken, die Heilung erfolgte unter Waschungen mit Kreosot¬ 
seife, Bädern und nachfolgender Applikation von Schwefel*, Bor- und 
Borsalizylsalben. Ein anderer Fall zeigt Pityriasis der Kopfhaut, 
rötliche und schuppende Maculae, miliare follikuläre Papeln, auch 
vereinzelte miliare vesikulöse Krustenbildung nach Kratzen. Zweifel¬ 
haft zuerst in der Diagnose und irrtümlich für Lupus gehalten er¬ 
wies sich die Granulosis rubra an der Nasenspitze eines sonst ge¬ 
sunden Knaben. Eine in der Mitte gelegene Borke war umgeben 
von stecknadelkopfgroßen, durchscheinenden, tiefgelegenen, rötlichen 
Knötchen, welche unter Glasdruck als gelbliches Infiltrat erschienen. 
Nach Entfernung der Borke heilte die oberflächliche Exkoriation 
zwar schnell, doch zeigten sich später kleine Blasen oder klare Zysten und 
nach deren Verschwinden blieben wiederum die ursprünglichen Knöt¬ 
chen zurück. Die Affektion widerstand jeder Behandlung. Auffallend 
waren zeitweilige freie Schweißausbrüche an der erkrankten Stelle. 

Max Joseph (Berlin). 

Dreyer (Köln), Eine neue Pflanzendermatitis. (Dermatolog. 
Centralbl. Bd. IX. Nr. 5.) Bei Prostituierten, die im Kölner Ge¬ 
fängnis beim Aussuchen der Früchte von Sonnenblumen (Helianthus 
annuus) tätig gewesen waren, stellte sich folgendes Krankheitsbild 
ein: Rötung auf Armen und Nacken, leichtere Konjunktivitis, Brennen 
und Jucken, fast niemals aber Blasenbildung. Verf. hält eine mecha¬ 
nische Erzeugung dieser Dermatitis für wahrscheinlich, da beim Durch¬ 
brechen der Früchte kleinste Splitter an der inneren Fruchtschale 
entstehen, jedoch glaubt er eine eventuelle Reizung durch chemische 
Substanzen nicht ganz von der Hand weisen zu dürfen. (Bei der 
großen Vorliebe der Kinder für die Sonnenblumenkerne dürfte eine 
derartige Dermatitis dem Kinderärzte vielleicht öfter sichtbar ge¬ 
worden sein, ohne daß diese Ursache eruiert wurde? Ref.) 

James 0. Wentzel (Zittau). 

Joseph Nicolas und M. Favre, Deux observations pour 
servir de contribution ä l’ötude clinique et histologique du 
Xeroderma pigmentosum. (Annales de Dermat. et de Syph. 
Juni 1906. Nr. 6.) Verff. berichten über 2 Fälle von Xeroderma 
pigmentosum, welche die gleiche Lokalisation an Gesicht, Nacken und 
oberen Extremitäten, die gleichen verrukösen, vaskulären und pig¬ 
mentierten Erscheinungen, die gleiche Neigung zu epithelialer De¬ 
generation aufwiesen; aber durch verschieden schweren Verlauf eine 


Digitized by 


Google 



70 


Centr&lblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


unterschiedliche Prognose ergaben. Während bei dem 6 jährigen 
Kinde tiefe Läsionen schnell fortschritten und jeder Abwehrprozeß 
des Organismus zu fehlen schien, war Verlauf und Ausbreitung der 
Affektion langsamer bei der älteren Frau, deren Erkrankung durch 
eine von ihrem Berufe als Wäscherin bedingte Sonnenverbrennung 
ausgelöst zu sein schien. Verff. glauben daher auch nicht an eine 
dauernde Besserung bei dem Kinde, trotzdem nach den Köteln zahl¬ 
reiche verruköse Stellen infolge der Schuppung verschwanden. Die 
zurückbleibenden Erytheme und Pigmentationen lassen ein Wieder¬ 
erscheinen der Neoplasmen befürchten. Verff. beobachtete eine Heil¬ 
wirkung von Radiotherapie auf die verrukösen Wucherungen, nicht 
aber auf Erytheme und Hautatrophie, welche letztere gleichsam als 
das Substratum der Erkrankung überhaupt viel schwerer zu beein¬ 
flussen sind als die weniger Widerstand bietenden Neubildungen. 
Ein Tumor von der Nase der zweiten Patientin wurde chirurgisch 
entfernt und ergab bei der histologischen Untersuchung, deren ein¬ 
gehende Einzelheiten in der Arbeit selbst gelesen werden müssen, 
den Charakter eines Endopapilloms, aber nichts was den Ursprung 
der Veränderungen in den Talgdrüsen nahe legen konnte. 

Max Joseph (Berlin). 

E. Graham Little, A contribution to the study of Urti¬ 
caria pigmentosa. (The British Jöurn. of Dermat 1906. Nr. 1.) 
Die eingehenden Untersuchungen des Verf.s ergaben, daß die Urti¬ 
caria pigentosa mit einer merklichen Veränderung der roten Blut¬ 
körperchen einhergehe, welche wahrscheinlich eine Verstärkung ihrer 
Widerstandsfähigkeit gegen zerstörende Einflüsse bedeute. Der Salz¬ 
gehalt des Blutes ist vermehrt, die Kalksalze sind nicht vermindert. 
Die Urticaria pigmentosa mag in einigen Fällen mit einer Verände¬ 
rung des Salzgehaltes im Blute Zusammenhängen, doch legt die 
Ähnlichkeit des Blutbefundes bei Urticaria pigmentosa und Hämo¬ 
philie, Purpura usw. nahe, die Urticaria pigmentosa den sogenannten 
Bluterkrankungen zuzurechnen oder in ihr eine Ubergangsform 
zwischen Purpura Und Urticaria zu sehen. Max Joseph (Berlin).- 


Schourp und Freund, Ein Fall von Mycosis fungoides mit 
Berücksichtigung der Röntgentherapie. (Dermatolog. Centalbl. 
Bd. IX. Nr. 6.) Eine 3 Jahre bestehende Psoriasis, die zeitweise 
therapeutisch beeinflußt werden konnte, erwies sich als prämykotisches 
Stadium der Mycosis fungoides, die über den ganzen Körper ver¬ 
breitet war. Anfangs tägliche, später 1—2 mal wöchentliche, Röntgen¬ 
bestrahlung mit mittelweicher Röhre, jede Stelle 10 Minuten lang, 
brachte die Geschwürsfläche zur Überhäutung und die Geschwülste 
zur Abflachung. Eisenlichtbehandlung wirkte auch, aber langsamer. 
Besonders bemerkenswert war, daß durch innerliche Arsendarreichung 
der Heilungsprozeß wesentlich beschleunigt wurde, und besonders das 
Jucken bedeutend nachließ. Verff. erklären dies durch die Eigen¬ 
schaft des Arsens, die Turgeszenz der Haut zu erhöhen und die 
Blutzirkulation in derselben zu verbessern. Es fehlte im vorliegenden 
Falle die Mitbeteiligung der Lymphdrüsen und die, von Levedde 
angegebene, Leukozytose. Zur Zeit der Publikation bestanden noch 


Digitized by 


Google 



I, Referate. 


71 


an den Oberschenkeln einige flache Effloreszenzen, sowie an den 
Füßen eine elephantiastische Verdickung. James 0. Wentzel (Zittau), 

Max Joseph (Berlin), Heliotherapie zur Psoriasis. (Aus 
Dr. Josephs Poliklinik f. Hautkrankheiten. Berlin.) (Dermatolog. 
Centralbl.) J. rät zu größter Vorsicht bei allgemeiner Anwendung 
der Sonnenbäder, wie sie gegen Psoriasis vor kurzem Michael Guhr 
(Berl. klin. Wochenschrift. 1906. Nr. 17. S. 536) warm auch als Pro- 
pbylaktikum empfahl. J. hat nämlich einen Fall beobachtet, bei dem 
durch Sonneneinwirkung an der See eine große Anzahl Psoriasis- 
effloreszenzen auftraten, und zwar nur an den Stellen, die genau dem 
durchbrochenen Muster einer Bluse entsprachen. Später traten auch 
am Ellenbogen vereinzelte Psoriasisflecke auf. Behandlung war in 
diesem Falle Arsen innerlich und Dreuwsche Salbe äußerlich. 
(Acid. salicyl. 10,0, 01. Rusci-Chrysarobin. ää 20,0, Sapon virid. Vase¬ 
lin flav. ää25,0.) James 0. Wentzel (Zittau). 

Lengefeld, Über Dermasanpräparate bei der Behandlung 
von Hautkrankheiten. (Dermatolg. Centralbl. Bd. IX. Nr. 4.) 
Rheumasan wurde bei Tyloma manuum und Esterdermasan bei Per- 
niones, Pityriasis versicol. seborrhoischen Ekzemen usw. 1—2 mal täg¬ 
lich 10—20 Minuten in die Haut massiert. Bei Psoriasis, wo alles 
andere versagte, auch Chrysarobintraumaticin, da führte Chrysarobin- 
dermasan (= Esterdermasan + 10 °/ 0 Chrysarobin) oft noch zum Ziele. 
Für Fälle, für die Teer indiziert ist, aber versagt, empfiehlt L. als 
noch wirksam das Teerdermasan (= Esterdermasan + 5°/ 0 konz. Liq. 
carbon. deterg. + 10% pix fagi). James 0. Wentzel (Zittau). 

B« W„ Moore und L. M. Warfield, Fetal. Ichthyosis: report 
of a case with pathological changes in the thyreoid gland. 
(Americ. Journ. of the medic. Sciences. May 1906.) Während mildere 
Fälle von angeborener Ichthyosis allenfalls mit Salben, Thyreoidea¬ 
extrakt usw. zu behandeln sind, ist eine so schwere Erkrankung 
wie die hier beschriebene als völlig hoffnungslos anzusehen. Das 
ichthyotische Kind stammte von einer gesunden Mutter aus gesunder 
langlebiger Familie, doch gibt es zu denken, daß ein früheres, bald 
nach der Geburt verstorbenes Kind der Mutter nicht gezeigt worden 
ist. Bei dem im 7. Monate geborenen Kinde ist der ganze Körper 
von enorm dicken Hautschuppen, welche von Ehagaden unterbrochen 
in allen Richtungen gruppiert sind, bedeckt, Kopfhaut und Stirn er¬ 
scheinen am schwersten betroffen, Finger und Zehen gekrümmt und 
starr, während mit Armen, Beinen und Kopf unter beständigem Schreien 
Bewegungen verursacht werden. Da der starr geöffnete Mund das 
Saugen unmöglich machte, wird künstliches Einflößen von Milch und 
Wasser versucht, bis bei andauernd tiefen Temperaturen nach 3 Tagen 
der Tod eintritt. Die Sektion ergab fötale Ichthyosis, Atrophie der 
Thyreoidea und Thymusdrüse, Fettleber, Kongestion an allen Or¬ 
ganen, das Rete mucosum erscheint verdünnt. Verff. weist darauf 
hin, daß die meisten Ichthyosiserkrankungen Frühgeburten betreffen 
und nimmt eine Kombination der thyreoiden Degeneration mit der 
von Bowen erwähnten epitrichialen, nur bis zum 6. Monat normal 


Digitized by Google 



72 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 2. 


bestehenden, hier aber andauernden Schicht an. Wenn eine Epider¬ 
mis überhaupt vorhanden war, wurde dieselbe durch eine Membran 
an der normalen Desquamation gehindert, eine trophische Verände¬ 
rung erzeugte die ungeheure Verhornung des Rete Malpighii. Die 
Haut wurde so dick und unbeweglich, daß das Wachstum des Kindes 
sie mechanisch durchbrach, während alle hervorstehenden Körperteile, 
wie Nase, Ohren, Finger in der Entwicklung beeinträchtigt wurden. 

Max Joseph (Berlin). 

A. Brandweiner, Über Ichthyosis congenita. (Aus der 
K. K. dermatolog. Klinik in Wien.) (Wiener med. Presse. 1906. 
Nr. 40.) B. leugnet einen prinzipiellen Unterschied zwischen Ich¬ 
thyosis simplex und congenita. Schilderung eines interessanten Falles 
bei einem 5 jährigem Kinde, bei dem auch die Augen an dem Prozeß 
beteiligt waren (Ulcus corneae, Ektropium), der sonst aber mild verlief. 

Grätzer. 

Koblanck, Über Pemphigus neonatorum. (Zeitschrift f. 
Geb. u. Gyn. 1906. Bd. 57.) An der Hand eines selbst beobachteten 
Falles von angeborenem einfachem Pemphigus, dessen intra¬ 
genitale Entstehung er auf Infektion von der Scheide aus zurückführt, 
bespricht K. (in einem am 23. Februar 1906 in der Berl. Ges. f. 
Geb. u. Gyn. gehaltenen Vortrage) die von ihm und anderen ausge¬ 
führten bakteriologischen Untersuchungen über Ätiologie dieser Er¬ 
krankung und kommt zu dem Schluß, daß der Staphylococcus aureus 
der Erreger des Pemphigus neonatorum ist. Die Behandlung der 
Blasen und ihrer Umgebung mit 7 0 °/ 0 igem Alkohol bei Unterlassung 
des Badens der Kinder hat ihm gute Dienste geleistet. 

In der Diskussion zu diesem Vortrage wurden K.s Unter¬ 
suchungen von Liepmann und Keller bestätigt. 

Wegscheider (Berlin). 

E. Alamilla y Requeijo, Die Behandlung des Pemphigus 
acutus mit Finsenlicht; seine Übertragung durch Floh¬ 
stiche. (Rev. de Med. y Cir. de Habana. 10. Juni 1905.) Bei dem 
3 x / f jährigen Töchterchen des Verf.s trat ein typischer Pemphigus 
auf, der allen Behandlungsmethoden trotzte. Verf. versuchte nun 
die Behandlung mit Finsenlicht, und schon nach 4 Tagen waren die 
Effloreszenzen völlig verschwunden. Kurz darauf konnte Verf. genau 
beobachten, wie aus einem Flohstich bei dem Kinde sich eine typische 
neue Pemphiguspustel entwickelte. Während der Behandlung des 
größeren Kindes traten auch bei einem zweiten 1 ^jährigen Pem- 
phiguseffloreszenzen auf; hier genügten 7 Sitzungen, um die ca. 30 Efflo¬ 
reszenzen zu beseitigen. Der Floh, der die Infektion übertrug, war 
nicht der gewöhnliche Kinderfloh, sondern der Mäusefloh (pulgaderaton). 

M. Kaufmann. 


gitized by v^ooQle 



73 


II. Neue Bücher. — III. Aus Vereinen und Versammlungen. 

II. Neue Bücher. 

F. Calot. Me Behänd hing der angeberenen Hüftgelenks Verrenkung. Übersetzt von 
Dr. P. Ewald. Mit einem Vorwort von Prof. 0. Vulpius. Stuttgart, Ver¬ 
lag von F. Enke. 

Die Herausgabe dieses Buches wird durch zwei Sätze des Autors motiviert 
und charakterisiert: „Die angeborene Hüftgelenks Verrenkung kann und muß bis 
zum 12. oder 15. Jahre auf unblutigem Wege geheilt werden.“ „Die unblutige 
Behandlung der angeborenen Hüftgelenksverrenkung kann Gemeingut aller 
Änte werden.“ „Das vorliegende Werk will die Führung auf einem für den 
praktischen Arzt sicheren und doch leichten Wege übernehmen.“ Nun, plastisch 
schon hat ja der Autor seine Darstellungen gestaltet, ungemein klar und belehrend 
sind die 206 Abbildungen, die den Text begleiten, und die Methode des sich auf 
außerordentlich reiche Erfahrungen stützenden Verf.s erscheint bei solcher Unter¬ 
weisung ziemlich leicht und einfach. Trotzdem kann und wird der praktische 
Arzt wohl kaum sich dazu entschließen, die Ausführung selbst zu übernehmen. 
Aber er wird recht viel aus dem ausgezeichneten Buche lernen und hohen Ge¬ 
nuß aus dem Studium desselben schöpfen. Wir müssen daher dem gewandten 
Übersetzer für seine Arbeit dankbar sein und wünschen dem Werke weiteste Ver¬ 
breitung. Gr ätz er. 

Al. Monti. Kinderheilkunde in Einzeldarstellungen. Verlag von Urban & Schwarzen¬ 
berg. Wien-Berlin. 

Von dem rühmlichst bekannten Werke, das wir schon oft unsern Lesern warm 
empfohlen haben, sind zwei neue Hefte (Heft 24 Preis 2 Mk., Heft 25 Preis 1 Mk.) 
erschienen, von denen das eine die künstliche Säuglingsernährung bringt, 
das andere sich mit der Ernährung und Pflege der Rinder von der Ent¬ 
wöhnung bis zur Pubertät beschäftigt Beide Themata sind in mustergültiger 
Weise bearbeitet und sind besonders den praktischen Ärzten angelegentlich zum 
Studium zu empfehlen. Gr ätz er. 

B. Gomperz. Pathologie und Therapie der Mittelohrentzündungen im Säuglingsalter. 
Verlag von Josef SafAr in Wien. 

G. hat auf Anregung von Politzer es unternommen, die reichen Erfah¬ 
rungen, die er in vieljähriger Tätigkeit am Kinderkrankeninstitute von Kasso- 
witz zu sammeln Gelegenheit hatte, einem weiteren Kreise von Kollegen zu¬ 
gänglich zu machen. Wir begrüßen dies dankbar, da G. es versteht, in ruhiger 
und dabei anregender Darstellung den umfangreichen Stoff klar und deutlich zu 
veranschaulichen und das praktisch Wichtige hervorzuheben und besonders ein¬ 
gehend dem Leser vorzuführen. Wir können diese Monographie, die auch 24 Äb- 
oildungen im Text und 3 lithographierte Tafeln enthält, warm empfehlen. 

Grätzer. 


III. Aus Vereinen und Versammlungen. 
Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien. 

Pädiatrische Sektion. 

Sitzung am 21. November 1906. 

Lateiner demonstriert 2 Fälle von typischem Myxödem. Es handelt sich um 
zwei Geschwister. Der Knabe 3 1 / 2 Jahre alt, das Mädchen 4 '/a Jahr zeigen beide 
alle Charaktere der Erkrankung. 

Das Mädchen ist 76 cm, der Knabe 78 cm lang, also beträchtlich im Wachs¬ 
tum zurückgeblieben, es besteht die eigentümliche myxödematöse Schwellung der 
Hant, sie ist auch trocken. Die Haare sind struppig und borstig, die Haargrenze 
reicht tief hinab. Die Knochenentwicklung ist rückständig, die große Fontanelle 
noch offen. Dabei ist die Thyreoidea bei beiden Kindern noch zu tasten. 

In der Diskussion wird darauf hingewiesen, daß bei Vorhandensein der 
Thyreoidea und mäßig entwickeltem Myxödem an bloße Hypoplasie der Thyreoidea 
zu denken sei. 


Digitized by Google 



74 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No, 2. 


Knöpfelmacher zeigt einen 8jährigen Knaben mit Riesenwuchs. Der Körper¬ 
bau des Kindes ist dabei proportioniert. Patient ist 134 cm lang, hat mächtig ent¬ 
wickeltes Genitale, Pubes. K. meint, daß die Ursache dieses Riesenwuchses in 
der vorzeitigen Pubertät des Kindes zu suchen sei. Die Funktion der Keim¬ 
drüsen hat einen ungemein wichtigen Einfluß auf das Wachstum. 

Preleitner demonstriert ein 9 jähriges Kind mit intensiv ausgebildeter Trichter¬ 
brust. Das Corpus stemi zeigt eine winkelige Abknickung nach rückwärts. Die 
Grube ist 3 cm tief. P. bespricht die Ätiologie solcher Fälle. Die Deformität ist 
entweder angeboren und wird dann durch Druck des Kinnes, oder durch 
Druck der Ferse in utero erklärt, oder die Trichterbrust entwickelt sich später, 
wie man meint, durch Zurückbleiben des Brustbeines im Wachstum. 

Therapeutisch hat Hoffa Heftpflaster verbände angegeben, die durch Zug die 
Zunahme der Veränderung hintanhalten sollen. Von anderer Seite sind eigene 
Saugapparate angegeben worden, die in ähnlicher Weise die Deformität mildern 
können. 

Hecht berichtet über einen 3 1 / 2 jährigen Knaben, der bei vollständigem 
Wohlbefinden deutlich grünen Harn entleert. H. konnte nach weisen, daß der 
die grüne Farbe bedingende Farbstoff Indigo ist. 

In der Diskussion schildert Reuß einen ganz analogen Fall von Indigurie. 
Diese Anomalie des Harnes sei nach wenigen Tagen spontan zurückgegangen. 

v. Pirquet hält den angekündigten Vortrag: Ober die Bedeutung der galva¬ 
nischen Untersuchung im Säuglingsalter. 

Die extreme Überregbarkeit der peripheren Nerven für den galvanischen 
Strom, welche von Erb als charakteristisch für die Tetanie der Erwachsenen an¬ 
gegeben worden war, wurde von Escherich, dann von Ganghofner, Hauser 
u. a. auch bei der Tetanie der Säuglinge gefunden. Thiemich wies später nach, 
daß als pathognostisch für das Bestehen hochgradiger Überregbarkeit gelten kann 
Eintritt der Kathod enöffn ungszuckung bei St romstärke unter 5 Milli- 
Ampöre. 

Die Normal werte der galvanischen Erregbarkeit hat Thiemich und Mann 
bestimmt. Vortr. ist jedoch auf Grund von ca. 800 Untersuchungen zum Schlüsse 
gekommen, daß die bisher angegebenen Durchschnittswerte zu hoch sind. 

v. Pirquet stellt zwischen der Überregbarkeit Thiemichs, welche er als 
„kathodische“ bezeichnet und der normalen Erregbarkeit eine Mittelgruppe 
auf, die er anodische Überregbarkeit nennt, weil sie durch das Auftreten 
der Anodenöffnungszuckung unter 5 Milli-Ainp^re charakterisiert ist. Beim 
normalen Säugling tritt nur Schließungszuckung unter dieser Grenze auf. 

Die „anodische Überregbarkeit“ findet sich im Winter viel häufiger 
als im Sommer, bei mit Kuhmilch ernährten Kindern häufiger als bei Brust¬ 
kindern, bei Racbitikern öfter als bei nicht rachitischen Gesunden. Die Ver¬ 
knüpfung der Überregbarkeit mit diesen Faktoren ist jedoch nicht so enge, daß 
ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis angenommen werden kann. Die Ansicht 
Stöltzners, die Überregbarkeit sei durch Kalzium hervorgerufen, ist unhaltbar. 
Vortr. bespricht an Hand eines genau verfolgten Falles von Tetanie alle in Be¬ 
tracht kommenden Faktoren. 

Die praktische Bedeutung der galvanischen Untersuchung liegt daran, daß 
man durch diese Methode imstande ist, die Einreihung von Krämpfen und laryngo- 
spastischen Erscheinungen in die Gruppe der tetanoiden Erkrankungen durchzn- 
führen und den Effekt der Therapie zu verfolgen. Bei einzelnen Fällen von 
Überregbarkeit und besonders von Laryngospasmus gelingt es nämlich, durch 
Änderung der Diät rasche Besserung zu erzielen (Rehn, Gregor). Nachprüfungen 
der Angaben von Finkeistein, der bei Brustmilch, bei milchfreier Kost oder 
bei roher Kuhmilch mit Lebertran fast stets eklatante Besserung sah, haben die 
allzu optimistischen Hoffnungen auf diese Therapie herabgesetzt, immerhin ist aber 
doch ein Versuch in dieser Richtung in jedem Falle auszuführen. 

Die Ausführungen des Vortr. gewannen dadurch noch an Interesse, weil 
Escherich knapp vor dem Vortrage über einen letalen Fall von typischer 
Tetanie mit Carpopedalspasmen berichtete, der bei der Obduktion makroskopische 
Veränderungen an den Epithelkörperchen zeigte. Bekanntlich wird in letzterer 
Zeit nicht nur die Tetanie der Erwachsenen, sondern von mancher Seite auch 
die Tetanie der Kinder mit Funktionsstörungen der Epithelkörperchen in 
Zusammenhang gebracht. 


Digitized by Google 



III. Ans Vereinen und Versammlungen. 


75 


Erdheim, der sieb viel mit dieser Frage beschäftigt hat, demonstrierte die 
Epithelkörperchen des oben erwähnten Falles. 

Eines derselben zeigte schon makroskopisch blutrote Verfärbung, ein zweites 
seigte die analoge Veränderung in geringerem Grade. Histologisch finden sich 
in solchen Fällen ausgedehnte Hämorrhagieen. ß. So hick (Wien). 


Holländische Gesellschaft für Kinderheilkunde. 


(Ned. Tydschr. v. Geneesk. 1906. II. 8.1838.) 


Mol (Haag): Die Behandlung der Tuberkulose am Meer. M. berichtet über seine 
Erfahrungen im Seehospizium „Sofia-Stiftung“. Es ergab sich, daß bei der chirur¬ 
gischen Tuberkulose in der Regel völlige Heilung erzielt wurde. Bei der 
Tuberkulose der Lymphdrüsen ist der Erfolg größer, wenn der Prozeß 
weniger fortgeschritten war; am schwersten heilten die fistulösen Formen. 
Tuberkulose der Haut heilte gewöhnlich sehr schnell, und Lupus besserte 
sich in der Mehrzahl der Fälle. In drei Fällen von tuberkulöser Peritonitis 
wurde ohne Operation vollständige Heilung erzielt. Nur bei Tuberkulose der 
Lunge sind die Erfolge sehr zweifelhaft. 

Scheltema (Groningen) berichtet über Morb. Basedow!! bei der Mutter, und 
Myxödem bei ihrem Kiude. Der von S. wahrgenommene Fall, wo eine Mutter, 
welche behaftet war mit Morb. Basedowii, ein Rind zur Welt brachte, das an 
Myxödem erkrankte, sollte dafür sprechen, daß beide Krankheiten Folgen sind 
einer primären Erkrankung der Schilddrüse. 

de Bruin (Amsterdam) berichtet über zwei Fälle von spontaner Gängrän bei 
Slugllngen. Mit Ausnahme der sogenannten multiplen kachektischen Gangrän der 
Haut, verursacht durch direkt auf diese einwirkende Noxen (Mikroorganismen, 
Druck usw.), ist Gangrän bei Säuglingen außerordentlich selten. Dies ist im 
besonderen für spontane Gangrän der Fall, dem Effekt der Unter¬ 
brechung der Blutzufuhr zu einer Extremität, bei der vorher sowohl die Zirku¬ 
lation als auch die zelligen Gewebselemente ganz normal und lebenskräftig ge¬ 
wesen sind. 

Die Kasuistik des bei Säuglingen so außerordentlich seltenen Leidens kann 
B. vermehren durch zwei eigene Beobachtungen: 

1. Spontane Gangrän des rechten Unterbeins bei einem Neo- 
natus. Bei dem spontan geborenen Kinde, bei dem zuvor vergebliche Versuche 
mit Wendung und Extraktion gemacht waren, war schon unmittelbar nach der 
Geburt das rechte Unterbein blau verfärbt. Die Mutter hatte kein Sekale ge¬ 
braucht. 

Bei der Aufnahme im Spital zeigte sich bei dem 11 tägigen Kinde keine 
Nabeleiterung; das ganze rechte Bein war von den Zehen bis an die Mitte des 
Oberschenkels blaufarbig, die Art. cruralis dextra nicht fühlbar. Innenorgane 
normal. Am linken Oberarm hämorrhagischer Infarkt der Haut. Ödem am 
linken Arm und Hand. 

Nach einer Woche trat eine deutliche Demarkation auf, welche sich bis auf 
den Femur vertiefte. Nach einem Monat hing das Unterbein nur durch einige 
Sehnen an dem Oberschenkel. Nach Durchtrennung dieser Sehne ergab sich, daß 
die Demarkation in der unteren Epiphysenlinie des Femurs stattgefunden hatte. 
Nach 4 Monaten war der Stumpf geheilt und das Kind völlig hergestellt. 

B. läßt dahingestellt, ob hier Thrombose oder Embolie im Spiele war. 

2. Spontane Gangrän an drei Zehen bei einem Kinde von 
8 Monaten. Bei dem Säugling mit chronischem Darmkatarrh ohne Lues, fand B. 
bei der Aufnahme Ödem des rechten Fußes; Bullae auf den drei ersten Zehen; 
Puls in Art. dors. pedis fehlte. Nach 14 Tagen war das ödem geschwunden, 
aber die drei ersten Zehen im ganzen und die Spitze der vierten Zehe waren gan¬ 
gränös und zeigten deutliche Demarkation; nachher spontane Abstoßung der gan¬ 
gränösen Teile in der Demarkationslinie. Nach einigen Wochen vollständig ge¬ 
heilt entlassen. 

B. fand in der ganzen Literatur nur einen Fall von spontaner Gangrän 
bei einem Säugling im Alter von 1 Monat. 


Osntralbl. f. Kinderhlkde. XU. 


Digitized by 




76 


Centr&lblatt für Kinderheilkunde. 


Hävers chmidt (Utrecht) berichtet über: Beitrag zur Bedeutung der Erkrankungen 
der oberen Luftwege bei jungen Kindern. H. macht darauf aufmerksam, daß Behr 
oft die charakteristischen lokalen Erscheinungen fehlen, und daß mehr die all¬ 
gemeinen Erscheinungen in den Vordergründ treten. H. fand in seinen Fällen 
öfters nur hohe Temperaturen, ohne Lokalbefund, zuweilen lenkten DrüBen* 
Schwellungen am Halse die Aufmerksamkeit auf ein lokales Leiden. 

Öfters verliefen die Fälle unter dem Bilde einer febrilen Gastroenteritis, 
schwer zu entscheiden von der Sommerdiarrhöe. Zuweilen Abszeßbildung der 
regionären oder retropharyngealen Drüsen. 

H. fand in den meisten Fällen im Schleim Diplokokken, die deutlich von 
Pneumokokken zu unterscheiden waren. Dieselben Diplokokken fand H. im Schleim 
der Pharynx bei den leichtkranken erwachsenen Familienmitgliedern, ebenso im 
Ham eines der kranken Säuglinge. 

H. ist deshalb der Meinung, daß die Säuglinge streng von den erwachsenen 
Familienmitgliedern getrennt werden müssen, welche Erscheinungen eines akuten 
Katarrhs der oberen Luftwege darbieten. Graanboom. 


IV. Monats-Chronik. 

München. Die hygienisch so wichtige Frage des geschlossenen Vormittags¬ 
unterrichtes hat an den Münchener Gymnasien in jüngster Zeit große Fortschritte 
gemacht. Nicht nur ist diese Zeiteinteilung nunmehr an 3 Gymnasien wenigstens 
teilweise eingeführt, sondern es hat auch die Neuerung in Lehrerkreisen, trotz 
vieler anfänglicher Bedenken, einen vollen Sieg davongetragen. Dies bewies der 
Verlauf einer am 20. Dezember v. J. abgehaltenen Versammlung der Gymnasial¬ 
lehrer-Vereinigung München. In dieser Versammlung, der auch eine Anzahl von 
Ärzten beiwohnte, wurde die Frage an der Hand eines ausgezeichneten Referates 
von Gymnasiallehrer Dr. F. Fischer nach allen Richtungen besprochen und zwar 
durchwegs im Sinne rückhaltloser, zum Teil begeisterter Zustimmung. Als Resul¬ 
tat der Münchener Erfahrungen wurde festgestellt, daß die Schulleistungen die 
gleichen sind, wie bei geteilter Arbeitszeit, daß aber für die körperliche Aus¬ 
bildung und für Lieblingsbeschäftigungen der Schüler sehr viel mehr Zeit übrig 
bleibt; dementsprechend hebt sich das körperliche Wohlbefinden der Schüler. Nach 
diesen Erfahrungen darf man hoffen, daß die geschlossene Arbeitszeit in München 
eine dauernde, weiter auszubauende Einrichtung bleiben wird und daß auch die, 
jedem gesunden Fortschritt sonst so zugängliche Leitung unserer Volksschulen 
sich entschließen möge, diese Arbeitszeit, wenn auch zunächst nur in fakultativer 
Weise, in den Volksschulen einzuführen. Erst dann kann ihre segensreiche Wir¬ 
kung, die nicht nur den einzelnen Schülern, sondern ganzen Familien, dadurch, 
daß sie das Wohnen an der Peripherie ermöglicht, zugute kommen soll, sich voll 
entfalten. Denn die geschlossene Arbeitszeit in Schule und Beruf, Hand in Hand 
mit guten und billigen Verkehrsmitteln, bedeutet zu einem guten Teil die Lösung 
der Wohnungsfrage. (Münchn. med. Wochenschrift) 

Darmstadt. Der Großherzog hat aus Anlaß der Taufe des Erbgroßherzogs 
die Schätzung einer Zentrale fUr Säuglingspflege und Mutterschutz angeordnet und das 
Ministerium angewiesen, geeignete Vorschläge auszuarbeiten. 

Weimar. Der in Leipzig verstorbene Kaufmann Günther Herbst hat 
der Stadt ein Legat von 55000 Mk. zur Gründung eines Kinderkrankenhauses ver¬ 
macht. 

Heidelberg. Der Prof. Dr. Vulpius sehen orthopädisch - chirurgischen 
Heilanstalt ist eine schöne Stiftung zugewiesen worden. Eine alljährlich zur Ver¬ 
fügung gestellte Summe von 10000 Mk. ist bestimmt zur erleichterten und unent¬ 
geltlichen Behandlung unbemittelter Kranker mit orthopädisch*chirurgischen Leiden. 

Rom. Dr. L. Concetti wurde zum außerordentlichen Professor der Kinder¬ 
heilkunde ernannt. 


Verantwortlicher Redakteur: Dr. Eugen Graetzer in Friedenau-Berlin. — Verlag von Johann 
Ambrosius Barth in Leipzig. — Druck von Metzger & Wittig in Leipzig. 


Digitized by 


Google 



Gentralblatt für Kinderheilkunde. 

Eine Monatsschrift für praktische Ärzte. 

Unter Mitwirkung von 

De. BENNECKE (Jena), De. ERNST DEUTSCH (Budapest), 

Peop. De. EVERSBUSCH (München), De. G. FINDER (Chablottbnbubo), De* TH. 
FREYHAN (Beelin), De. W. GABEL (Lekbebo), Doz. De. GRAANBOOM (Amstbbdam), 
Pbiv.-Doz. De. R. HECKER (München), Peop. De. JOACHIMSTHAL (Beelin), 
De. MAX JOSEPH (Bbblin), De. M. KAUFMANN (Mannheim), De. P. MAAS 
(Aachen), De. KURT MENDEL (Beelin), Pbiv.-Doz De. ADOLPH H. MEYER 
(Kopenhagen), De. NETTER (Ppobzheim), De. PRÜSSJAN (Wiesbaden), Pbiv.-Doz. 
De. E. SCHREIBER (Magdbbubg), Peiv.-Doz. De. H. B. SHEFFIELD (New Yobe), 
De. A. SONNTAG (Beelin), Peop. De. H. STARCK (Kablsbuhe), De. E. TOFF 
(Braila, Rumänien), Peop. De. VULPIUS (Hetdelbbbg), De. WEGSCHEIDER 
(Berlin), De. WENTZEL (Zittau), De. WOLFFBERG (Breslau) 

herausgegeben von 

Dr. med. Eug-en Graetzer, 

Friedenau-Berlin. 


XIL Jahrgang. März 1907. 


Nr. 3. 


Inhalt. 


I. Originalbeiträge. Selte 

L. Fürst, Über konzentrierte Nährmittel. 77 

II. Referate. 

Dehner, Fremdkörperextraktion aus der Bauchhöhle.81 

Modigliano, Über einen Fremdkörper in den Verdauungswegen eines 

9 Monate alten Kindes.. . . 82 

A. B. Cortes, Koprolith in der Rektalampulle eines Kindes von 11 Monaten 82 
Magi Osvaldo, Ein Fall von Eklampsie infolge von Askariden .... 82 

Sehrt, Über die Askaridenerkrankung der Bauchhöhle.82 

M. A. Rahetz, Entleerung von Askariden durch eine penetrierende Wunde 

der Bauchwand und des Dünndarmes.83 

Siebenmann, Kinderspielzeug als Fremdkörper in der Speiseröhre . . 83 

Kan, Fremdkörper im Schluckdarm von einem Kinde von 11 Monaten . 84 

Kan, Fremdkörper im rechten Bronchus, entfernt mit Hilfe des Bronchoskopes 84 
Kan, Ein Kieselsteinchen im Bronchus des linken Oberlappens .... 85 

Viktor Lieblein, Lüngenatelektase im Röntgenbild.85 

H. Ziablow, Ein Fall von Verschlucken eines Nagels.85 

Lafitte - Dupont und Rocher, Obere Bronchoskopieextraktion eines 

Pflaumenkerns aus dem rechten Bronchus.85 

Grosglick, Ein Fall von Zertrümmerung eines Fremdkörpers in der Blase 86 

W. Zangemeister, Über Malakoplakie der Harnblase.86 , 

L. Suarez, Zysten der Blasenschleimhaut.. . . 86 

Lo rey, Über Dilatation des Blasenendes eines Ureters mit zystenartiger 

T Vorwölbung in der Harnblase.87 

Giani, Neuer experimenteller Beitrag zur Entstehung der „Cystitis cystica“ 87 . 

P. Herescu, Über die traumatischen Strikturen der Urethra.87 ' 

Ernö Deutsch, Über die Zircumzisiön.88 

Arthur Weinstein, Über eine seltene Mißbildung am Urogenitalapparat 90 

Lanz, Der ektopische Hoden.90 . 

Schönholzer, Über Kryptorchismus. .91 * 

R. de Gaulejac, Secretion interne du testicule dans l’ectopie de cet organe 9b 
Vielliard et Le M6e, Oblitöration congenitalö de l’oesophage .... 91 

J. Tu ix ans, Angeborener Nasen Verschluß.. 92 

E. Monnier, Über einen Fall von sogenannter Medianspalte.92 

A. Sippel,.Eine Serie mißbildeter Knaben von einem Elte^^j: ... 92' 




















Seite 


Fortsetzung de® Inhalte®. 

Ernst Schwalbe, Über einen durch Operation gewonnenen Epigastrius 
parasiticus nebst Bemerkungen über die Bedeutung derartiger Mi߬ 
bildungen für die Entwicklungsmechanik und allgemeine Biologie . . 93 

Dietrich, Demonstration einer Mißbildung.93 

Dervaux, Spina bifida ouvert, op6r6 troisi^mo jour apr6s la rupture, chez 

une petite fille de dix jours...93 

P. Ewald, Zur Ätiologie und Therapie der Klumpband.93 

M. Haudek, Über angeborene Klumpband ohne Defektbildung .... 95 

L. Fiedler, Zur Therapie der großen Nabelscbnurbrtiche.95 

Magnus-Alsleben, Sogenannte abnorme Sehnenfäden im Herzen ... 96 

L. Michaud, Kenntnis der kongenitalen idiopathischen Herzhypertrophie 96 

J. M. Bennion, Ein Fall von adhäsiver Mediastino-Perikarditis .... 97 

Gino Menabuoni, Ein Fall von Symphysis pericardii mit sekundärer 

Anämia splenica infantum . ..* . 97 

Djewitzky, Über die Geschwülste der Herzklappen.98 

K. Grassmann, Über seltene Verl aufs weisen von Klappenfehlern . . .• 98 

A. G. Jesson, Nanisme et infantilisme cardiaque ..98 

Arth. Mayer und R. Milchner, Über die topographische Perkussion des 

kindlichen Herzens. 98 

R. Pollak, Über paravertebrale und parasternale Perkussionsbefundc bei 

Pneumonie ..99 

N. A. Kephallinos, Über das Westphalsche Phänomen bei kruppöser 

Pneumonie der Kinder.100 

F. Rosenberger, Zuckerausscheidung im Urin bei kruppöser Pneumonie 101 

A. Bittorf, Zur Kasuistik der zerebralen Kinderpneumonie.102 

Nestor Nastase, Zwei Falle von Splenopneumonie bei Kindern . . . 102 

UL Aus Vereinen und Versammlungen. 

Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien.103 

74. Jahresversammlung der Brit. Medic. Association.104 

31. Jahresversammlung des Deutschen Vereins für öffentl. Gesundheitspflege 106 
Rheinisch-westfälische Gesellschaft für innere Medizin und Nervenheilkunde 108 

IV. Neue Bücher. — V. Monats-Chronik. 



xsmm 


Morphinderivat von sehr geringer 
Giftigkeit. 


Wirksames Mittel bei Erkrankungen der At¬ 
mungsorgane; besonders den Hustenreiz und die krampfartigen Anfälle 
bei Keuchhusten mildernd bezw. abkürzend. 


In den entsprechen- 
unschädl. Hypnoti- 



den Dosen durchaus 
kum und Sedativum. 



Im Kindes- und Säug- um lingsalter mit bestem 

Erfolg anwendbar bei Unruhe und Schlaflosigkeit infolge vorausge¬ 
gangener Verdauungsstörungen, sowie bei Tetanie mit Konvulsionen; 
für die Behandlung des Keuchhustens warm empfohlen. 

Vorzügliches Ersatzmittel für Jodalkalien 
oder deren unangenehm.Nebenwirkungen 

Innerlich (10 °/ 0 Jodipin) ev. in Verbindung 
mit Phosphor gegen Khachitis und Skrofulöse; subcutan (25°/ 0 Jodipin) 
gegen allgemein- und lokal-tuberkulöse Affektionen; im besonderen 
gegen Bauchfelltuberkulose der Kinder empfohlen. « 


Proben und Literatur den Herren Ärzten gratis und franko. 


E. Merck, ^ Darmstadt. 


Digitized by 




























Verlag von JOHANN AMBROSIUS BARTH in Leipzig. 


Ä UVARD, Prof. A., 100 illustrierte Fälle aus der Frauenpraxis. Fürs Deutsche bear¬ 
beitet von Dr. A. Rosenau. Mit einem einführenden Vorwort von Prof. 
F. v. Winckel. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. 12°. [XI, S. 10& 
Doppels, u. S. 104—113 mit 100, zum Teil färb. Abb.] 1899. geb. M. 6.—. 

Für den Praktiker liefert das Buch weitaus mehr, als die meisten Kompendien der Gynä¬ 
kologie und enthalt zugleich in seinen zahlreichen farbigen Abbildungen eine Anleitung der differen¬ 
tiellen Diagnostik, wie sie kompendiöser und klarer und rascher zu überblicken kaum dargestellt 
werden kann. 



Das älteste in Deutschland 

eingeführte 

DUNGS 


AUCH 

MIT 

EISEM 


(hiha(ausaya 


E11X1R 

Man hüte sich vor 
Nachahmungen 


DüNG'S 

romatisches^ A R 




i 


(Elixir Rhei aromatic Dung), | 

ein angenehm schmeckendes^ 
mildes 

Abführ- und Mage n mittel | 

5 Teile Elixir enthalten oo o o 
ooooolTeil Rhabarberwurzel. 


Fabrikation von 

Dung’s China-Calisaya-Elixir 

Freibupg i. B. 







































Bet Bettellungen bitten wir sich «tat« auf die Anzeige im Centralblatt für KtnderJieilkMnde zu berufen. 



Neutral und klar lösliche Verbindung von 


Hühnereiweiss mit Eisen 

lecithin- und gewllrzreich v reizlos. 

y TJI/'iTT^r konzentrierte Lösung mit 0,0 % Fe [d. h. drei- 
XjJ2Jvlil" mal so viel wie die aromat. Eisentinkturen, 
achtmal so viel wie die Blutpräparate] und 20 °/ 0 frischem Eiweiß. 

Fl. m. 400 g inkl. Einnehmegl. Mk. 2.— 

Dosis 3 — 10 g kurz vor oder nach dem Essen. 


T T?r*TTVr-rv.-.lTT*vr. (10 °/» Fe) ’ in ZuokerwafJ ser klar 
XjÜi O -L IN P111VGr und neutral löslich. 

Wohlfeil (Kassenpraxis!!!). — Dose mit 25 g Mk. L— 
für 20—30 Tage. 

Dosis 1—2 Messerspitzen voll in Zuckerwasser. Lecinpulver 
kann mit Liq. Kal. arsenicos. usw. kombiniert werden. 

T FflTNtabletten, 

JL JL.v per Tabl. 0,03 Gr. Fe. Dosis: 7s— 2 > wie 
Bonbons im Munde zergehen lassen. 100 Tabl. = Mk. 2.—. 

Sehr geeignet für Kleine Kinder. 


Lecin ist im städt. Krankenhause I und von prakt. Ärzten in Hannover 
seit 2—3 Jahren sehr viel und fast als einziges Eisenmittel 
angewendet. Von hervorragenden Klinikern warm empfohlen. 


Proben und Literatur gratis. 

Dr. E. Laves, Hannover. 


igitize 


















Central blatt für 

Kinderheilkunde. 

Sine Monatsschrift fXlr praktische Ärzte. 
XII. Jahrgang. 1. März 1907. No. 3. 


I. Origlnalb eiträg* e. 

Über konzentrierte Nährmittel. 

Von 

S.-R. Dr. L. Fürst (Berlin). 


Das Streben der Nahrungsmittelindustrie geht in den letzten 
zwei Jahrzehnten ganz offenbar mehr und mehr dahin, Diätetika zu 
konstruieren und auf den Markt zu bringen, welche neben den Vor¬ 
zügen der Sterilität und Haltbarkeit die möglichste Konzentration 
besitzen. Es ist dies eine Signatura temporis. Im kleinsten Volumen 
will man dem Kranken oder den Unterernährten den größten Nähr¬ 
wert zufiihren. Wären alle diese wohlgemeinten und oft sehr geist¬ 
reich ersonnenen Präparate tatsächlich für die Ernährung des Menschen 
brauchbar, wäre zugleich ihr Preis derart, daß jede andere Kalorien¬ 
zufuhr dagegen verblassen müßte, das Problem der Volksernährung 
wäre aufs glücklichste gelöst. Leider aber ist dem nicht so. Denn 
die Albuminate, auf welche gegenwärtig der Schwerpunkt gelegt 
wird, sind nur bis zu einem gewissen Prozentsatz resorbier- und 
assimilierbar; selbst wenn die Assimilierbarkeit auf 98 oder selbst 
100°/ 0 berechnet wird, so ist dies eben ein Rechenexempel, welches 
die Toleranz des menschlichen Organismus ganz außer acht läßt. In¬ 
folge dieser Fehlerquelle werden alle Berechnungen der Produzenten 
an absolut und restlos verdaulichen Eiweißpräparaten über den 
Haufen geworfen. Denn nicht nur, daß der Darm bloß einen mehr 
oder weniger großen Teil des betreffenden Präparates aufnimmt, er 
stößt auch den unverwendbaren Rest unter diarrhoischen Erscheinungen 
aus. Wird aber trotzdem ein Plus aufgenommen, so bewirkt es an¬ 
statt Gewebsansatz Zerfall und Zerstörung eiweißhaltiger Substanzen, 
sowie Fettschmelzung, kurz, gerade das Gegenteil von dem, was man 
erreichen wollte. Die konzentrierten Eiweißnährmittel sind also ein 
zweischneidiges Schwert, sind nur mit einer gewissen Vorsicht und 
unter besonderen Kautelen verwendbar, können auch, der Natur der 
Sache nach, nicht das leisten, was der Erfinder von ihnen erwartet. 

Immerhin aber sind sie, in passender Dosierung der Nahrung 
zugesetzt, oftmals von Nutzen. 

Hat also die konzentrierte Eiweiß zu fuhr ihre naturgemäße 
Einschränkung, so ist dies noch mehr bei einer konzentrierten Fett¬ 
zufuhr der Fall. Schon aus der Säuglingsernährung wissen wir, daß 


Centralbl. f. Kinderhlkde. XII. 


Digitized by 


Google 







78 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3. 


eine sehr fettreiche Milch, wie sie z. B. durch die Zentrifuge oder 
durch ßahmzusatz hergestellt wird, keineswegs einen Überschuß von 
Fett dem Körper zugute kommen läßt. Vielmehr scheidet der Säug¬ 
ling dies Plus in Gestalt von Fettdiarrhoe wieder aus. Ähnlich liegen 
die Verhältnisse, wenn größere Kinder mit Lebertran überfüttert 
werden. Aber auch kein Erwachsener kann eine zu fettreiche Nahrung, 
zumal wenn sie nicht emulgiertes Fett enthält, für längere Zeit Vor¬ 
verträgen, ohne an Dyspepsie zu erkranken. 

Eine dritte Gruppe von Nährsubstanzen, die als konzentrierte 
Nahrung in Frage kommen könnte, sind die Kohlehydrate, ins¬ 
besondere die Süßstoffe. Aber auch hier hat sich gezeigt, daß nicht 
alle die Verwendung als Nährmittel ermöglichen, daß sie vielmehr 
lediglich die Bedeutung als Genußmittel beanspruchen, also nur in 
bescheidener Dosis als Zusatz zu Speisen und Getränken verwendet 
werden dürfen. So ist beispielsweise der Milchzucker, den man 
rechnerisch als Fettersatz in der Säuglingsernährung zu verwenden 
meinte, tatsächlich ungeeignet, weil er in größeren Dosen Darmkatarrh 
verursacht. Der Rohr- (oder richtiger Rüben-)zucker geht im Magen¬ 
darmkanal Gärungen ein, welche zu Diarrhoe und Dyspepsie führen. 
Auch die Lävulose (Fruchtzucker) hat sich mehr als Genußmittel be¬ 
währt. Einzig und allein die Maltose vermag als konzentrierte 
Kohlehydratnahrung zu gelten und auch diese nur in der hierfür ge¬ 
eigneten Form. 

Seit 3—4 Jahrzehnten hatte man die diätetische Bedeutung des 
Malzes erkannt. Malzreiche Biere, Extrakte von Sirupskonsistenz, selbst 
trockene Präparate wurden empfohlen, haben sich aber nicht in der 
Diätetik fest einbürgern können. Sogar Liebigs genial ausgedachte 
Malzsuppe teilte dies Schicksal, wenn sie auch neuerdings durch die 
technischen Fortschritte der Industrie in praktischere Form gebracht 
worden ist. Erst Dr. Chr. Brunnengräber in Rostock (M.) war es 
Vorbehalten, das reine trocken-kristallinische Malz (Maltokrystol) 
zu einem konzentrierten Nährmittel für Kinder und Erwachsene aus¬ 
zugestalten und damit die Frage endgültig zu lösen. 

Ein namhafter Kliniker, Stadelmann, hat in einer interessanten 
Studie x ) über Kohlehydrate im allgemeinen und über Maltokrystol im 
besonderen auf den Nährwert der Zuckerarten mit aller Entschieden¬ 
heit hingewiesen und, da sie restlos verbrennen, sowie Eiweiß und 
Fett sparen, ihren Vorzug vor den Albumosen in das rechte Licht 
gesetzt. Daß sie leicht verdaulich, löslich und gut nährend sind, daß 
sie selbst bei konsumierenden Krankheiten das Kalorienbedürfnis des 
Körpers decken, sind anerkannte Vorzüge. Aber er hebt auch her¬ 
vor, daß die Kohlehydrate insofern antiseptisch wirken, als sie die 
Eiweißfäulnis im Darm hintanhalten. Was nun speziell das Malto¬ 
krystol betrifft, so schätzt Stadelmann dessen Nährwert bei 
1 Eßlöffel = 60 Kalorien = 1 Hühnerei. Auch A, Wolff 2 ) und 
W. N. Clemm 3 ) sprechen sich in hohem Grade günstig über das 


*) Deutsche Ärzte-Ztg. 1901. 21. „Neuere Nähr- und Genußpräparate.“ 

2 ) Bedeutung der Malzextrakte für die Ernährung. (Deutsche Ärzte-Ztg. 
1902. 19. 

8 ) 20. Kongreß für innere Medizin und Wien. klin. Rundsch. 1902. 30. u. 31. 


Digitized by 


Google 



I. Originalbeiträge. 


79 


trockene, kristallinische und reine Malz aus, Stimmen, denen ich mich 
auf Grund eigener Erfahrungen aus den letzten Jahren nur anschließen 
kann. Schon äußerlich macht das goldigglänzende, lockerkristallinische 
Präparat einen so appetitlichen Eindruck, daß die schwarzbraunen, 
sirupösen Extrakte dagegen gar nicht aufkommen können. Der an¬ 
genehm-würzige Geruch und Geschmack, die leichte Löslichkeit, das 
Freisein von Gärungen und die große Haltbarkeit sind weitere Vor¬ 
züge, welche das Präparat bei alt und jung, bei Kranken, Rekon¬ 
valeszenten und den nicht minder diffizilen Kindern rasch beliebt ge¬ 
macht haben. Da man es in jedem Getränk (Wein, Suppe, Milch, 
Schleim) nehmen kann, da es ferner ohne weiteres und vollständig 
assimilierbar ist, also selbst den schwächsten Verdauungsorganen nicht 
die mindeste Schwierigkeit bereitet, und in ca. 1 Stunde schon zu 
70—80°/ 0 resorbiert ist, so bewährt es sich in der Diätetik Gesunder, 
Geschwächter und selbst bei zarten Säuglingen ganz vortrefflich. 
Letzteren gebe ich es auch in den heißen Sommermonaten in Hafer-, 
Graupen- oder Reisschleim. Schwerkranken und Fiebernden kann 
man es in einem ähnlichen Menstruum oder in Milch, in Süßwein, in 
Zuckerwasser, Tee usw. reichen. Ich habe nie gefunden, daß es 
Widerwillen erzeugt; im Gegenteil wird es wochen- und monatelang 
gern genommen. Einige Beispiele aus der Zahl der von mir mit 
Maltokrystol behandelten Fälle mögen hier folgen, um dessen Vor¬ 
züge zu illustrieren: 


1. Knabe, 8 1 /* Monate. — Diagn.: Atrophie, Tabes meseraica. An¬ 
fangs mit Kuhmilch, später mit Semmelbrei ernährt. — Dauer der Behandlung 
2 Monate. — Gewicht von 5380 auf 7020 gestiegen. 

2. Knabe, 11 Monate. — Diagn.: Atrophie (Mutter Phthis. pulm.) — 
Dauer der Behandlung 3 Monate. — Gewicht bei der Geburt nur 2500, bei der 
Behandlung Zunahme von 7010 auf 9100. 

3. Mädchen, 1 Jahr 3 Monate. — Diagn.: Abmagerung nach längerem 
Magen- und Darmkatarrh. Skrophulose. — Dauer der Behandlung 7 Wochen. 
— Gewichtszunahme von 7630 auf 8990. 

4. Mädchen, 67* Jahr. — Diagn.: Atrophie nach Keuchhusten und 
Pleuropneumonie. Hepatisation der Lunge. Pleurit. Schwarte. War bis zur 
Erkrankung vorzüglich genährt. — Dauer der Behandlung 2 1 / i Monate. — Ge¬ 
wichtszunahme von 15,006 auf 16,200. 

5. Knabe, 8 Jahre. — Diagn.: Sehr verzögerte Rekonvaleszenz nach Pneu¬ 
monie und Nephrit, post scarlatinam. War bis zur Erkrankung normal 
genährt. — Dauer der Behandlung 2—3 Monate. — Gewichtszunahme von 19,055 
auf 21,210. 

6. Mädchen, 9*/ 4 Jahr. — Diagn.: Dürftige Ernährung. Asomnie, 
Chorea minor. — Dauer der Behandlung l 1 /* Monat. Später noch 1 Monat.— 
Gewichtszunahme von 22,060 auf 23,230. 

7. Knabe, 10 Jahre 1 Monat. — Diagn.: Vitium cordis cong. durch 
Offenbleiben des Foramen ovale. Neigung zu Cyanose. Magerkeit. Körper¬ 
schwäche. — Dauer der Behandlung V, Jahr. — Gewichtszunahme von 25,450 
auf 26,120. 

8. Mädchen, 13 Jahre 6 Monate. — Diagn.: Habitus infant. Er¬ 
nährung unrationell und dürftig. Ungünstige hereditäre und soziale Ver¬ 
hältnisse. — Dauer der Behandlung 8 Monate. — Gewichtszunahme von 28,550 
auf 30,600. 


Die Erfolge sind in der Tat auffallend gut. Ernährung und 
Kräftezustand heben sich, das Gewicht nimmt zu, der Körpergewebs¬ 
zerfall kommt zum Stillstand, die oft bedenklichen Schwäche- und 
Kollapsanfälle, wie man sie in der Rekonvaleszenz nach schweren In- 


Digitized by 


7* 

Google 



80 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3. 


fektionskrankheiten beobachten kann, bleiben ans. Auch auf chloro- 
tische, anämische und neurasthenische Zustände hat das Präparat, 
wie ich mich überzeugen konnte, einen günstigen Einfluß, indem es 
die Ernährung im allgemein hebt. Diese Wirkung ist nicht zu ver¬ 
wundern, denn das Präparat enthält ca. 93°/o Kohlehydrate (76,3 Mal¬ 
tose und 16,5 Dextrin) in einer resorbierbaren Form und außerdem 
5°/ 0 leichtverdauliche Eiweißstoffe (Stickstoffsubstanz), etwas — der 
Gerste eignes — natürliches Organeisen und an Diastase (stärke¬ 
verdauendem Enzym) das Doppelte im Vergleich zu anderen Malz¬ 
präparaten. Das Maltokrystol ist also nicht nur ein konzentriertes 
Nährmittel von großer Vollkommenheit, sondern auch infolge seiner 
Fähigkeit, Stärke in Zucker umzuwandeln, ein echter Glykogenbildner, 
eine Eigenschaft, die für die Ernährung von Säuglingen und Kranken 
sehr zu schätzen ist. Denn der Brennstoff, wie ihn z. B. das Brot 
enthält, wird doch dadurch erst dem Verdauungsprozeß leicht zugäng¬ 
lich, daß die betreffenden Kohlehydrate gelöst werden. 

Der Eisengehalt, von dem oben die Rede war, ist allerdings kein 
hoher. Es lag deshalb nahe, ihn durch einen entsprechenden Zusatz 
zum Maltokrystol zu steigern, da man mit solchen medikamentösen 
Zusätzen, wie Cbin. ferro-citr., Hopfen, milchphosphorsaurem Kalk usw. 
gute Erfahrungen gemacht hatte. Was das Eisen betrifft, so hatte 
Brunnengräber zunächst das von Salkowski angegebene Triferrin 
ins Auge gefaßt, das phosphorhaltige Eisensalz der Paranucleinsäure. 
Allein dem Hämol Kobert, das, durch Reduktion aus dem Rinder¬ 
blute hergestelllt, sich als Blutkörperchenbildner und Hämoglobin¬ 
vermehrer so sehr bewährt hat, mußte doch der Vorzug gegeben 
werden. Und so haben wir denn ein Maltokrystol mit Hämol erhalten, 
welches .unter den konzentrierten Nährmitteln zurzeit mit an erster 
Stelle stehen dürfte, da es alle an ein solches zu stellende Be¬ 
dingungen auf das glänzendste erfüllt. So gibt es für schwer anä¬ 
mische Stillende und für schlecht genährte Kinder kaum ein wirk¬ 
sameres Diätetikum. Kobert und Gramer 1 ) haben sich darüber aus¬ 
führlicher ausgesprochen. Von den mir gütigst zur Verfügung 
gestellten Quantitäten des Maltokrystol mit Hämol habe ich eben¬ 
falls in einer kleinen Anzahl von Fällen Gebrauch gemacht und, wie 
ich voranschicken darf, mit guten Ergebnissen: 

l: Knabe, 8 Jahre 4 Monate. — Nach Beginn des Schulbesuches Irritatio 
cerebri. Nervosität. Abmagerung. Anämie. Schlechter Schlaf. — Dauer der 
Behandlung 4 Monate. — Chromozyten 2,2:8,6 Mill. — Hämoglobin (Messungen 
mit v. Fleisch ls Hämometer): 40—52°/ 0 . — Ernährung recht gut. Schlaf ruhiger. 
Hirnerregungen seltener. 

2. Mädchen, 12% Jahre. — Diagn.: Chlorose. Dürftige Ernährung. Ge¬ 
dunsenes Gesicht. — Dauer der Behandlung 4% Monate. — Chromozyten 3,1: 3,8. 

— Hämoglobin 36—48%. — Ernährung normaler. Hydräm. Schwellung besser. 

3. Mädchen, IS 1 /* Jahre. — Diagn.: Chlorose. Taenia. Dysmenorrhoe. — 
Dauer der Behandlung 7 Monate. — Chromozyten 2,7:3,2. — Hämoglobin 44 
bis 55%. — Ernährung sehr befriedigend. 

4. Knabe, 14 Jahre. — Verzögerte Rekonvaleszenz nach Dysenterie. Anämie. 
Unterernährung. — Dauer der Behandlung 2 l / % Monate. — Chromozyten 3,4:3,9. 

— Hämoglobin 48—60%. — Ernährung günstig. 


l ) Zeitschrift f. Krankenpflege. 1903. 3. 


Digitized by Google 



II. Referate. 


81 


5. Mädchen, 15 Jahre. — Chron. Arthritis nach akutem Gelenkrheuma¬ 
tismus, Anämie hohen Grades, nach längerem Krankenlager zurückgeblieben. Be¬ 
drohliche Abmagerung. — Dauer der Behandlung 3 7* Monate. — Chromozyten 
2,8:4,2. — Hämoglobin 46:62 °/ 0 . — Am Schlüsse recht wohlgenährt. 

Zum Schluß noch eine kurze Bemerkung über Tagesdosis und 
den Preis, da beides bei einem konzentrierten Diätetikum aus 
praktischen Gründen sehr wichtig ist. Man gibt Erwachsenen pro die 
3—4 Eßlöffel (Kindern je nach dem Alter ebenso viele Dessert- oder 
Teelöffel). Von dem Maltokrystol kostet 1 / 8 kg 1 Mk., von dem mit 
flämol Kobert versetzten Maltokrystol 1 Mk. 45 Pf., Preise, die, im 
Verhältnisse zu dem bedeutenden Nährwert, der vollständigen Assimi¬ 
lierbarkeit und der restlosen Ausnutzung als mäßig zu bezeichen sind. 

Nicht unerwähnt möchte ich lassen, daß sich das Maltokrystol 
von anderen Malzpräparaten dadurch unterscheidet, daß es reicher 
an Eiweiß, Diastase und Lezithin ist. Es liegt dies weniger an dem 
verwendeten Rohmaterial, als an der verbesserten Herstellungs¬ 
methode. Früher wurde auch bei Brunnengräber die Maische 
aufgekocht, weil sie hierdurch klar und haltbar werden sollte. Bei 
der hierzu nötigen hohen Temperatur zersetzten sich aber die Eiwei߬ 
stoffe und fielen zu Boden, was zwar eine Klärung der überstehenden 
Flüssigkeit, aber auch eine Zerstörung der nur 65° C. aushaltenden 
Diastase veranlaßt. Das jetzt eingeführte Verfahren besteht nun, wie 
ich höre, darin, daß das Malz bei Gegenwart eines indifferenten Gases 
unter Druck bei einer Temperatur von nur 45—50° C. beständig mit 
Wasser vermengt wird. Nach einem halbstündigen Stehen fließt die 
Maische klar ab, wird im Vakuumapparate bei 45 0 C. eingedickt 
und auf flachen Tellern bei 30° C. zur Trockne verdampft. 


II. Referate. 


Dehner, Fremdkörperextraktion aus der Bauchhöhle. 
(Aus dem städt. Krankenhause Ludwigshafen a. Rh.) (Münch, med. 
Wochenschrift. 1907. Nr. 4.) Der interessante Fall sei vollständig 
wiedergegeben: 

Ein 2 1 / 4 Jahre altes Kind spielte, auf dem Arme der Mutter sitzend, mit 
einer Zuckerkirsche, welche an einem 7 cm langen, stricknadelstarken Draht be¬ 
festigt war. Die Mutter, welche beobachtet hatte, daß das Kind Kirsche und 
Draht verschluckte, brachte das Kind am folgenden Tage zu ihrem'Hausarzte, 
der die übliche Breidiät anordnete. In den ersten Tagen zeigten sich keinerlei 
stürmische Erscheinungen, insbesondere kein Erbrechen. Am 3. Tage fiel dem 
behandelnden Arzte und den Eltern die vornübergeneigte Haltung des Kindes 
beim Gehen auf; gleichzeitig stellte sich eine von Tag zu Tag zunehmende 
Appetitlosigkeit ein. Die Darmfunktionen blieben normal. 

Da nun im Verlaufe von 8 Tagen der Draht per vias naturales nicht abging, 
die Nahrungsverweigerung jedoch immer mehr zunahm, sandte der behandelnde 
Arzt mir das Kind zu. Das Kind lag mit im rechten Hüftgelenk leicht flektierten 
Oberschenkel auf dem Operationstisch; der Versuch, das Bein völlig zu strecken, 
löste starke Schmerzen aus. Das Abdomen war nicht aufgetrieben und in der 
rechten Unterbauchgegend nur wenig druckempfindlich; der Palpations- und 
Perkussionsbefund ergaben keine Anomalien. Das Röntgenskiagramm zeigte 


Digitized by 


Google 



82 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 8. 


deutlich den 7 cm langen Draht rechts von der Wirbelsäule etwa in der Ileocoekal- 
gegend in vertikaler Lage parallel der Wirbelsäule. 

Zur Entfernung des Fremdkörpers eröflnete ich die Bauchhöhle mittels eines 
Schnittes am lateralen Rande des rechten M. rectus, in der Erwartung, daß der 
Draht nach seiner Lage auf der photographischen Platte sich im Coecum gefangen 
habe. Zu meinem Erstaunen fand ich jedoch Coecum und Colon ascendens leer. 
Nach Auspackung dieses Darmabschnittes fiel mir auf, daß eine Dünndarmschlinge 
in der Tiefe fixiert war. Beim Betasten derselben fühlte ich hinter der Schlinge 
Fluktuation. Nun war die Sache klar; der Draht hatte Magen und Jejunum 
passiert und eine Ileumschlinge perforiert Zum Glücke waren der Perforation 
des Drahtes Verklebungen vorangegangen. 

Ich schützte die Bauchhöhle durch ausgiebige Tamponade, inzidierte den 
auf dem M. psoas liegenden Abszeß und extrahierte den Draht. Das Kind 
machte eine glatte Rekonvaleszenz durch und verließ geheilt nach 6 Wochen das 
Krankenhaus. 

Das Merkwürdige und Interessante an dem Falle ist meines Er¬ 
achtens die Tatsache, daß ein Kind von 2 x / 4 Jahren einen starren 
7 cm langen Draht ohne Verletzung des Ösophagus geschluckt hat, 
ferner, daß der Draht den kleinen kindlichen Magen und das Je¬ 
junum zu passieren imstande war, um schließlich eine Ileumschlinge 
zu perforieren. Grätzer. 

Modigliano, Über einen Fremdkörper in den Verdauungs¬ 
wegen eines 9 Monate alten Kindes. (La Pediatria. März 1906.) 
Das Kind hatte eine 7 cm lange Nadel verschluckt. Die erste Röntgen¬ 
untersuchung zeigte den Fremdkörper dicht unterhalb und rechts vom 
Nabel, eine zweite 34 Stunden später vorgenommene Durchstrahlung 
zeigte ihn links vom Nabel und weiter unten. 148 Stunden, nachdem 
sie verschluckt worden war, wurde die Nadel spontan mit dem Stuhl¬ 
gang entleert F. 

A. B. Cortös, Koprolith in der Rektalampulle eines Kindes 
von 11 Monaten. (Rev. de Med. y Cir. Präct. 28. I. 1906.) Bei 
dem Kinde war wegen der hochgradigen Abmagerung und Auftreibung 
des Leibes Tuberkulose angenommen worden. Die Angabe der Mutter, 
daß die Einführung der Klystierspritze Schwierigkeiten mache, ver- 
anlaßte eine Rektaluntersuchung, die einen hühnereigroßen Kotstein 
ergab. Nur mit Schwierigkeiten gelang seine Verkleinerung und 
Herausbeförderung mit Hilfe einer Pinzette und einer Haarnadel. 
Es erfolgte prompte Genesung. Kaufmann. 

Magi Osvaldo, Ein Fall von Eklampsie infolge von Aska¬ 
riden. (Gazz. degl. osped. 1906. Nr. 14.) Ein 6jähriges, bisher 
völlig gesundes Kind erkrankt plötzlich an klonischen Krämpfen der 
ganzen rechten Seite, die eine halbe Stunde anhalten, bei völlig in¬ 
taktem Bewußtsein; nach ihrem Ablauf bleibt eine leichte Parese 
der rechten Fazialis und der oberen Extremität zurück. Auf Santonin 
geht ein Askaris ab. Am nächsten Tage tritt ein neuer, 3 Stunden 
dauernder Anfall auf, mit Glottiskrämpfen verbunden; auf neue 
Santonindarreichung gehen weitere fünf Askariden ab. Seitdem kein 
Anfall mehr; die Paresen verschwinden nach 5 Tagen völlig. 

Kaufmann. 

Sehrt, Über die Askaridenerkrankung der Bauchhöhle. 
(Beitr. z. klin. Chir. Bd. 51. Heft 13.) Bisher sind 31 Fälle von Spul- 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


83 


würmem in der Bauchhöhle mitgeteilt worden. Der in der Freiburger 
Klinik zur Beobachtung gekommene Fall betrifft eine Frau, die plötz¬ 
lich mit starken Schmerzen in der Magengegend und der rechten 
Unterbauchseite erkrankte und in der Folgezeit immer mehr abmagerte. 
Nach einigen Wochen war oberhalb des Nabels ein Tumor zu kon¬ 
statieren. Es wurde ein Magenkarzinom angenommen, bei der Ope¬ 
ration stellte sich jedoch heraus, daß der Tumor aus bindegewebigen 
Massen bestand, in dessen Innern mehrere mit Eiter gefüllte Hohl¬ 
räume sowie Reste eines Askaris gefunden wurden. Im Eiter sowie 
im Tumorgewebe fanden sich große Mengen von Askarideneiem. Auf 
der Magenserosa sowie der Serosa der Leber befanden sich zahlreiche 
miliare Knötchen, die alle ein zentralgelegenes Askarisei aufwiesen, 
meist eingeschlossen in den Leib einer mächtigen Riesenzelle. 

St. hält es für wahrscheinlich, daß zunächst eine Epityphlitis mit 
Perforation des Wurmfortsatzes Vorgelegen, wobei ein Askaris aus¬ 
getreten ist und dann im kleinen Netz gleich einem Fremdkörper ein¬ 
gekapselt wurde, nachdem er vorher unzählige Eier abgegeben, die 
durch die Darmperistaltik in die nähere Umgebung verschleppt wurden. 

Ewald (Heidelberg). 

M. A. Rabetz, Entleerung von Askariden durch eine pene¬ 
trierende Wunde der Bauchwand und des Dünndarmes. (Se- 
maine mödicale. 1906. Nr. 39.) Die dem 4 jährigen Knaben durch 
einen Kuhhorastoß beigebrachte Wunde saß \ l j 2 cm nach außen vom 
äußeren Rand des Musculus rectus und 2 l / 2 cm oberhalb des rechten 
Poupartischen Bandes und war durch eine prolabierte Dünndarm¬ 
schlinge verlegt. Bei der Reposition des Darmes wurde ein Riß in 
dem Darmstück gefunden, der mit zwei Nähten geschlossen wurde, 
worauf man nach Mikulicz tamponierte. Bei dem nach einigen 
Tagen vorgenommenen Verbandwechsel zeigte sich eine kleine Fistel 
zwischen Bauchwand und Darm. 8 Tage nach der Operation ent¬ 
deckte man unter dem Verband eine 11 cm lange Askaride, der in 
den nächsten 20 Tagen noch vier weitere folgten, die alle ihren Weg 
durch die Fistel genommen hatten. Eine Askaride war auch mit dem 
Stuhl abgegangen. Unter Santoningaben entleerte der Knabe durch 
die Fistel noch drei Würmer, mit dem Stuhle noch fünf. Darauf kein 
weiterer Abgang. Die Fistel war bis auf eine stecknadelkopfgroße 
Öffnung vernarbt, als der Knabe das Krankenhaus verließ. 

H. Netter. 

Siebenmann, Ein musikalisches Kinderspielzeug als 
Fremdkörper in der Speiseröhre. (Korrespondenzbl. f. Schweizer 
Ärzte. 1906. Nr. 23.) Es handelt sich um Blechpfeifen von Linsen¬ 
form, welche hohl und im Zentrum durchbohrt sind, einen Durch¬ 
messer von 24 mm und eine Dicke von 6 mm besitzen. Zwei Kinder 
verschluckten dieses Spielzeug. Ein 6 jähriges Kind brachte es nach 
einer Kartoffelkur per anum wieder heraus, bei einem 5 jährigen blieb 
es zwischen der ersten und zweiten physiologischen Verengerung der 
Speiseröhre stecken. S. schildert diesen Fall wie folgt: 

„Da auffälligerweise das Kind anfänglich wenigstens flüssige und breiige 
Nahrung anstandslos schlucken konnte, glaubten die Angehörigen und der Haus¬ 
arzt, daß der Fremdkörper den Ösophagus passiert habe und daß kaum eine 


Digitized by Google 



84 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3 


weitere Gefahr vorliege. Gegen Ende der ersten Woche fing das Kind aber an 
über Schmerzen beim Schlucken zu klagen und andere als flüssige Nahrung zu 
verweigern. Dem hiesigen Kinderspital zugewiesen zu einer Röntgenuntersuchung, 
zeigte der Patient die überraschende Erscheinung, daß eine dünnere Sonde den 
Ösophagus anstandslos bis in den Magen passierte, daß aber das Röntgenbild, 
von dem ich damals eine Kopie herumreichte, in der Gegend des Manubrium 
sterni — also zwischen Ringknorpel- und Bronchushöhe — einen abnormen großen 
runden Schatten mit hellem Zentrum auf wies. Ohne Verzug sandte nun Profi 
Hagenbach uns das Kind zu und zugleich übermittelte Dr. Hosch, welcher 
den Patienten begleitete, uns auch die Röntgenplatte. In Übereinstimmung mit 
dem Aussehen derselben stieß eine Olivensonde von 10—12 mm Durchmesser in 
einer Tiefe von 16 cm auf einen festen harten Widerstand. Eine in Narkose 
vorgenommene Röhrenuntersuchung stellte fest, daß der linsenförmige Fremdkörper 
in granulierendes Gewebe eingebettet war und seine Breitseiten ziemlich direkt 
nach vorn bzw. nach hinten richtete. Ein Extraktionsversuch mit dem Münzen- 
fänger mißlang, da die obere scharfe Kante der „Pfeife beim Anziehen in die 
Mucosa der dem Münzenfänger gegenüberliegenden Ösophaguswand derart hinein- 
gehebelt und hineingepreßt wurde, daß letztere wulstig vortrat und ein Hinauf¬ 
rücken des Fremdkörpers absolut verhinderte. Bei einem weitern Anziehen hätte 
man riskieren müssen, die Schleimhaut hier quer durchzureißen. Wir stießen 
also den Münzenfänger zurück, drehten ihn um etwa 45 Grade und konnten ihn 
glücklich auf diese Weise am Fremdkörper vorbei leer wieder herausziehen. Die 
nachfolgende Zangenextraktion unter Leitung des starren Schlundrohres und des 
Spiegels gelang anstandslos. Immerhin trat sofort etwas Blutung und eine 
schmerzhafte emphyseinatöse Schwellung der vorderen Halsgegend auf, welche 
sicher der Anwendung des Münzenfängers auf Rechnung gesetzt werden muß. 
Schon am nämlichen Abend trat Fieber ein; am nächsten Tage blieb die Tem¬ 
peratur auf 38,5—39,5 stehen und fiel am 3. Tage bleibend unter 37°, das Em¬ 
physem aber war schon am 2. Tage spurlos verschwunden. Nach der Operation 
und an den folgenden Tagen war nur Milch mit Bismutwasser verabfolgt worden; 
erst acht Tage nach der Extraktion genoß das Kind wieder Brei, eingeweichtes 
Brot usw. und wurde am 9. Tage geheilt nach Hause entlassen. 

Auch dieser Fall lehrt, daß der Münzenfänger auch für die Ex¬ 
traktion von münzenförmigen Fremdkörpern ein gefährliches Instru¬ 
ment ist und wo immer möglich ersetzt werden soll durch Zangen 
und stumpfe Haken, welche durch das Rosenheimsche starre Öso- 
phagoskop bei Spiegelbeleuchtung einzuführen sind. Grätzer. 

Kan, Fremdkörper (eine geöffnete Sicherheitsnadel) imSchluck- 
darm von einem Kinde von 11 Monaten. (Ned. Tydschrift von 
Geneeskunde. 1906. Bd. II. S. 307.) Durch Laryngoskopie wurde 
konstatiert, daß der obere Teil des Verschlusses einer Sicherheitsnadel 
sich hinter dem Larynx befand. Die Radiographie ergab, daß die 
Nadel geöffnet war, und die Lage der Spitze. Die Extraktion gelang 
mit der Zange von Jurasz. Graanboom. 

Kan, Fremdkörper im rechten Bronchus, entfernt mit 
Hilfe des Bronchoskopes. (Ned. Tydschr. v. Geneesk. 1906. 
Bd. I. S. 318.) In der Sitzung des Vereins von Niederl. Halsärzten 
berichtete K. über folgenden Fall. Ein Mädchen von 2 Jahren hat 
vor 2 Tagen eine Bohne aspiriert. Allmählich entsteht Beklemmung 
auf der Brust; Atmung frei in sitzender Haltung. Beim Liegen und 
bei nach hinten gebeugtem Kopfe entsteht heftige Asphyxie. An der 
rechten Lunge deutliche perkutorische und auskultatorische Ab¬ 
weichungen. Tracheotomie. Ein Bronchoskop von 15 cm Länge und 
9,5 cm Durchmesser wird durch die Tracheotomiewunde eingebracht. 
Es zeigt sich dann, daß die Bohne den Eintritt zum rechten Bron- 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


85 


chus vollständig verstopft. Nach einmaligem Mißlingen glückte es, 
vermittelst eines scharfen Hakens, die Bohne zu fixieren und zu¬ 
gleich mit dem Bronchoskop zu extrahieren. Vollständige Heilung. 

Graanboom. 

Kan, Ein Kieselsteinchen im Bronchus des linken Ober¬ 
lappens. (Ibid. S. 612.) Bei einem Kinde von 3 Jahren, das den 
vorigen Tag ein Kieselsteinchen verschluckte, traten an den folgenden 
und den nächstfolgenden Tagen Anfälle von Dyspnoe so heftig auf, 
daß ein Ersticken befürchtet wurde, welche jedoch spontan wieder 
vorübergingen. 

Im linken Oberlappen fehlte das Atmungsgeräuscb. Röntgen- 
photo ohne Erfolg. 

Nach Tracheotomie wurde die Bronchoscopia inferior ausgeführt. 
Durch die Tracheotomiewunde wurde nun sondiert und so wurde das 
Steinchen im linken Hauptbronchus gefühlt. Das Einführen des 
dünnsten Bronchoskops von Killian gelang, weil die Trachea in casu 
abnorm eng war, nur bis an die Bifurkation der Trachea. Es wurde 
nun ein Nasenspeculum von Hartmann in den Trachealkanal einge- 
gefuhrt, und erst jetzt gelang es, den Hauptbronchus zu übersehen 
und konnte die Lage des Sternchens festgestellt werden. Die Extrak¬ 
tion gelang nun mit einer dünnen stumpfen Sonde, welche an ihrem 
Ende geradwinklig umgebogen war. Die Maße des Steinchens waren 
10, 7,5 und 5 mm. Graanboom. 

Viktor Lieblein, Lungenatelektase im Röntgenbild. (Beitr. 
z. klin. Chir. 52.) Es werden drei Fälle von aspiriertem Fremdkörper 
(Bohne) bei Kindern von 3, 3 1 /* und 4 Jahren mitgeteilt, die alle 
einige Stunden nach der Aspiration in der Prager Klinik zur Ope¬ 
ration kamen. Bei allen ergab das Röntgenbild entsprechend dem 
verlegten Lungenbezirk (1 mal Unterlappen, 2 mal ein ganzer Lungen¬ 
flügel) einen tiefen Schatten als Ausdruck der Atelektase. Es wurde 
immer die Tracheotomia inf. gemacht und durch diese mittels Korn¬ 
zange der Fremdkörper aus dem Bronchus entfernt; darauf wurde 
eine Trachealkanüle eingeführt. Das eine Kind ging bald an Media- 
stinalemphysem zugrunde, die beiden anderen waren in kurzer Zeit 
geheilt. Das nach einigen Tagen aufgenommene Röntgenbild des Thorax 
ergab wieder normale Verhältnisse. Ewald (Heidelberg). 

H. Ziablow, Ein Fall von Verschlucken eines Nagels. 
(Beilage der St. Petersb. medizin. Wochenschr. 1906. Nr. 25.) Das 
4jährige Kind verschluckte einen Hufnagel, der 4 Tage später per 
vias naturales abging, ohne daß das Kind die ganze Zeit über Be¬ 
schwerden oder größere Schmerzen geklagt hätte. Länge des Nagels 
5,5 cm, Kopf 1 cm im Durchmesser. H. Netter (Pforzheim). 

Lafttte-Dupont undRocher, Obere Bronchoskopieextraktion 
eines Pflaumenkerns aus dem rechten Bronchus. (Gaz.hebdom. 
de Bordeaux. 1906. 12. Nov.) Erfolgreiche Entfernung des Fremd¬ 
körpers am 33. Tag bei einem 9 jährigen Kinde nach der Kilianschen 
Methode, nachdem in diesem Fall die Radioskopie versagt hatte. Der 
ganze Eingriff nahm nicht mehr als 2 Minuten in Anspruch. 

H. Netter (Pforzheim). 


Digitized by Google 



86 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3. 


Grosglick (Warschau), Ein Fall von Zertrümmerung eines 
Fremdkörpers in der Blase. (Monatsber. f. Urologie. Bd. XI. 
Heft 10.) G. zertrümmerte das abgebrochene Endstück eines Nela- 
tonkatheters mit dem Lithotriptor. Er zieht die Lithotripsie der 
Cystotomie bei Entfernung von Steinen und Fremdkörpern der Blase 
wegen der Einfachheit und Sicherheit vor. Er hebt besonders den 
sehr kurzen postoperativen Verlauf hervor und das Fehlen von Kom¬ 
plikationen, Fisteln, gestörter Wundheilung usw., wie sie oft bei 
der Cystotomie auftreten. James O. Wentzel (Zittau). 

W. Zangemeister, Über Malakoplakie der Harnblase. 
(Aus der Universitäts-Frauenklinik Königsberg.) (Centralbl. f. Krankh. 
d. Harn- und Sexualorgane. Bd. XVII. Heft 9.) Seit 8 Wochen ver¬ 
mehrter Harndrang. Die Miktionen erfolgen alle 2—4 Stunden, nachts 
einmal. Beim Urinieren stechende Schmerzen. Urin stark diffus und 
flockig getrübt, von saurer Reaktion; enthält massenhaft Leukozyten, 
wenig Blasenepithelien, Streptokokken und Bacterium coli. Die Blase 
faßt 200 ccm. Cystoskopisch findet man zahlreiche, breiten Kondy¬ 
lomen vergleichbare, etwas erhabene gelbliche Herde, die teils isoliert 
liegen, teils zu größeren Plaques konfluieren. Die Oberfläche dieser 
Stellen ist matt uneben, etwas zerfetzt, mit Schleim belegt und von 
kleinen Hämorrhagien mit zellenartiger zentraler Einsenkung bedeckt, 
von 5—10 mm Größe und ca. 1 m Höhe. Die Stellen sitzen am 
spärlichsten im Fundus und Vertex der Blase. Eisenhaltige Zellein¬ 
schlüsse (Michael und Guttmann) konnte Z. nicht nachweisen. 
Dagegen fand Z. im frischen, mit der Küvette entnommenen Sedi¬ 
mente einzelne größere Zellen, welche stark lichtbrechende, meist 
etwas polygonale Zelleinschlüsse enthielten, an welchen bei bestimmter 
Beleuchtung die doppelte Kontur auffiel. Sie ließen sich nach 
Fixation mit Ferrocyankalium und Salzsäure blau färben. Zum Teil 
waren die Einschlüsse sehr klein, von der Größe großer Granula, zum 
Teil erreichten sie die Größe eines Zellkernes. In mehreren derartigen, 
zumeist rundlichen Zellen waren zwei Kerne. Ein farbiges zysto- 
skopisches Bild veranschaulicht dieses typische Bild. — Als Ursache 
dieser, schon bei einem 8jährigen Kinde beobachteten Erkrankung 
nimmt Z. einen chronischen zystischen Prozeß an. Blasenspülungen 
blieben ohne Erfolg. James 0. Wentzel (Zittau). 

L. Suarez (Buenos Aires), Zysten der Blasenschleimhaut. 
(Monatsberichte f. Urologie. Bd. XI. Heft 10.) S. beobachtete 
2 Fälle von Hämaturie, bei denen die Cystoskopie eine Reihe von 
Emineszenzen ergab, teils erbsengroß, teils kleiner, mit wenig durch¬ 
sichtigem Inhalt, die in ihrem Aussehen an Perlen erinnerten. Eins 
dieser Bläschen platzte gerade in dem Moment, als es speziell be¬ 
obachtet wurde. Aus dem Innern entleerte sich eine trübe sanguino¬ 
lente Flüssigkeit. Behandlung mit Argt. nitr. Spülungen und In¬ 
stillationen waren in dem einen Falle von Nutzen, in dem anderen 
Falle blieb das cystoskopische Bild unverändert, aber Patient wurde 
subjektiv gesund. S. kommt auf Grund der klinischen Beobachtung 
und Weiterbeobachtung der entlassenen Patienten zu folgenden 
Schlüssen: 1. Zysten der Blasenschleimhaut stellen eine Erkrankung 


Digitized by Google 



II. Referate. 


87 


von langsamem und gutartigem Verlaufe dar, und 2. man kann diese 
Zysten weder als entzündliche noch als neoplastische Prozesse be¬ 
trachten. James 0. Wentzel (Zittau). 

Lorey, Über Dilatation des Blasenendes eines Ureters 
mit zystenartiger Vorwölbung in der Harnblase. (Centralbl. 
f. path. Anat. u. allgem. Path. 1906. Bd. XVII. Nr. 15.) L. teilt 
8 Fälle dieser seltenen Abnormität mit, die symptomlos im Leben be¬ 
standen hatten und sich bei einem 61jährigen Manne, einen 1 jährigem 
Kinde und einem 21 jährigem Mädchen gefunden hatten. In den 
beiden letzten Fällen fanden sich doppelte Ureteren auf der betreffen¬ 
den Seite. Die Genese der Zysten, die sich von den stark dilatierten 
Ureteren ausfüllen ließen, ist unklar; entweder handelt es sich um 
Mißbildungen, wofür der Befund anderer Abnormitäten an denselben 
Individuen spricht, oder nur durch fötale bzw. postfötale Entzün¬ 
dungen entstandene Verlegungen der Ureter. Gemeinsam ist den 
Cysten, daß sie außen mit Harnblasen-, innen mit Ureterepithel aus¬ 
gekleidet sind, wozwischen sich Bindegewebe und in einem Falle 
glatte Muskulatur fand. Bennecke (Jena). 

Giani, Neuer experimenteller Beitrag zur Entstehung 
der „Cystitis cystica“. (Centralbl. f. allg. Path. u. path. Anat. 
Bd. XVH. Nr. 22.) In Fortsetzung früherer Befunde über das vor¬ 
liegende Thema teilt G. die histologischen Beobachtungen mit, die 
er an Kaninchenharnblasen, die er durch Abschaben des Epithels 
beraubt hatte, machen konnte. Die Regeneration des Epithels geht 
danach von Epithelresten aus, die trotz sorgfältigen Arbeitens stehen 
geblieben waren. Wie in den chronisch gereizten Harnblasen bilden 
sich zunächst auch hier solide Epithelsprossen, die dann durch zen¬ 
tralen Zerfall zu Zysten werden; diese rücken im Laufe von 3 bis 
4 Monaten langsam an die Oberfläche, öffnen sich durch weiteren, 
oberflächlichen Zerfall und verschwinden auf diese Weise spurlos, 
so daß nach dieser Zeit das Epithel keinerlei Veränderungen mehr 
erkennen läßt. In einem Falle von Prostatahypertrophie, der lange 
und oft katheterisiert wurde, fanden sich ganz ähnliche Bilder. 

Bennecke (Jena). 

P. Herescu (Bukarest), Über die traumatischen Strikturen 
der Urethra. (Spitalul. 1906. Nr. 10.) Eine häufige Entstehungs¬ 
ursache von Verletzungen der Harnröhre ist durch das Fallen in 
Reitsitz auf einen harten Gegenstand gegeben. Meist besteht unmittel¬ 
bar hierauf Harnverhaltung, doch ist es ein großer Fehler, durch 
Sondierung derselben abhelfen zu wollen, da hierdurch die meist ge¬ 
rissene Urethra noch weiteren Verletzungen ausgesetzt wird. Höchstens 
versuche man eine filiforme Bougie durchzubringen, andererseits durch 
lauwarme Sitzbäder, Klysmen, Brom und sonstige kalmierende Medi¬ 
kation natürliche Harnentleerung zu bewirken. Sowie eine filiforme 
Bougie durchgegangen ist, soll der chirurgische Eingriff gemacht 
werden, da jede Urethralruptur zur Bildung von Strikturen Veran¬ 
lassung gibt. Man schneidet die lädierten Teile aus und näht die 
gesunden Harnröhrenenden aneinander, worauf für etwa 2 Wochen 


Digitized by Google 



88 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 8. 


eine Verweilsonde eingelegt wird. H. gibt die Krankengeschichte eines 
14jährigen Knaben, der durch Auffallen auf eine Zaunlatte sich in 
dieser Weise verletzt hatte und den er nach einigen Wochen, wegen 
der gebildeten Strikturen, mit gutem Erfolge auf diese Weise 
operiert hat. E. To ff (Braila). 

Ernö Deutsch, Über die Zirkumzision. (Orvosi hetilap. 1906. 
Nr. 45, 46, 47.) Verf. stellt sich auf den Standpunkt Tillaux, der 
von der Zirkumzision folgende Meinung äußert: „Comme Operation 
enfin quelquefois nöcessaire, toujours utile.“ Er verdammt die Rich¬ 
tung einzelner Modernen, die gegen diesen rituellen Eingriff Front 
machen. Durch Weglassung der „Periah“ und „Metsitsa“, bei asep¬ 
tischer Durchführung, nach Aufnahme einer pünktlichen Anamnese 
kann die Beschneidung nur nutzbringend sein. In 13 Kapiteln wird 
das große wissenschaftliche Material durch D. besprochen. 

I. In diesem Abschnitt ist die Beschneidung bei den Hebräern 
abgehandelt. Von Abraham bis zu Jesus wird die Rolle der Zirkum- 



Fig. 1. Fig. 2. Fig. 3. 


zision im Alten Testament besprochen. Interessant der Gegensatz 
zwischen den Aposteln Peter und Paul. Eingehend wird der „Epi¬ 
spasmus“ gewürdigt. 

Im II. Kapitel wird die Beschneidung anderer orientalischer 
Völker kritisch beleuchtet. Im folgenden Abschnitte werden einzelne 
phantastische Gebräuche geschildert, unter den vielen sei nur der 
„Mika“ der Australier gedacht; bei diesen Völkern wird nicht nur das 
Präputium entfernt, sondern das Glied bis zum Skrotum gespalten. 

Die vom ärztlichen Standpunkte durchgeführte Beschneidung 
wird im nächsten Kapitel besprochen (Josephus Flavius: „Centra 
Apicuem“ usw.). 

Im Abschnitte V und VI wird die Beschneidung und die Infi- 
bulation der Mädchen und Frauen beschrieben. Die Zirkumzision 
der großen Schamlippen wurde wahrscheinlich ihrer Hypertrophie 
halber angewendet. Von der Infibulation bemerkt Cailliaud über¬ 
aus richtig: „Inventees par le despotisme du sexe le plus fort.“ 
Fig. 1 zeigt eine beschnittene skoptische Frau; Fig. 2 eine infibulierte 
Nubierin; Fig. 3 eine früher infibulierte und wieder aufgeschnittene 
Sudanesin. 

Im VII. Kapitel wird die Tendenz des Eingriffes besprochen. 
Ob hygienisch, ob „signum politicum“ ist unentschieden. Die hygie- 


Digitized by 


Google 





Durchführung bei den 
Soldaten plädierten. 

Die Indikationen und 
Kontraindikationen wer¬ 
den in den folgenden zwei 
Kapiteln kritisch beleuch¬ 
tet. Phimose und Para¬ 
phimose werden im IX., 
die Hämophilie im X. Ab¬ 
schnitt besonders ein¬ 
gehend gewürdigt. 

Die Technik der ri¬ 
tuellen Beschneidung fin¬ 
den wir im XI. Kapitel; 
das Instrumentarium auf 
den Figg. 4, 5, 6; die 
scharfe Kritik kasuistisch 
beleuchtet im folgenden 
Abschnitte. „Periah“ 
und „Metschitscha“ sind 
barbarisch und zwecklos. 
Verf. beschreibt zwei 
im Hospital Prof, von 
B o k a y s beobachtete 
Fälle von tuberkulöser, 


mw 


r mp zwa/ncrawAiao 


von einem Mohel stam- " _7 

mender Infektion. Im lg * 

XHI. Kapitel wird die entsprechende Schulung der Beschneider 
gefordert. Autoreferat Deutsch (Budapest). 

Digitized by Google 







90 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3. 


Arthur Weinstein, Über eine seltene Mißbildung am Uro¬ 
genitalapparat. (Virchows Archiv. Bd. 185. Heft 3.) Ein öjähriger 
Knabe erkrankte unter Erscheinungen, die zur Diagnose Bauchfell¬ 
tuberkulose führten. Bei der Probelaparotomie, die wegen einiger 
Unsicherheiten in der Diagnose ausgeführt wurde, wurde diese in 
„doppelseitige kongenitale Zystennieren“ umgewandelt. 

Bei der Sektion fand sich, daß es sich um eine Mißbildung 
handelte. Beide Nierenbecken und Ureteren sind stark zystisch er¬ 
weitert; rechts ist ein doppelter Ureter vorhanden, deren einer als 
bindegewebiger Strang am oberen Nierenpole entspringt. In der 
Blase findet sich eine walnußgroße Zyste mit dünner Wand, die sich 
von der Urethra nach dem erwähnten rechtsseitigen Nebenureter, 
nicht den eigentlichen Ureteren aus füllen läßt. Die Muskulatur der 
Harnblase ist stark hypertrophisch. Die Zyste in der Blase ließ sich 
nicht erklären, hat aber mit dem Sinus prostaticus, der wohlausge- 
bildet vorhanden war, nichts zu tun; jedenfalls ist die Zyste die Ur¬ 
sache für die Erweiterung der Ureteren und Nierenbecken. 

Bennecke (Jena). 

Lanz, Der ektopische Hoden. (Ned. Tydschriffc v. Genees- 
kunde. 1906. Bd. I. S. 1097.) Die wahre Ectopia testis s. s. soll 
außerordentlich selten sein. Es sind in der Regel Fälle von Re- 
tentio testis, die mit dem Namen Ectopia testis angedeutet sind. 
So fand sich auch unter 63 operierten Fällen nur 1 Fall wahrer 
Ectopie. L. berichtet nun über seine Erfahrungen bei 63 Operierten. 
In der Mehrzahl der Fälle war der Processus vaginalis noch offen. 
Bei Erwachsenen war die Retention gewöhnlich begleitet von Atro¬ 
phie des Hodens. Makroskopisch zeigte sich stets, daß die Epidermis 
relativ größer war als normal und daß sie nicht, wie die Helm- 
raupe, flach auf dem Hoden gelagert war, doch daß sie stets 2 cm 
vom Hoden entfernt war. Es wurde 45 mal Orchidopexie, 15 mal 
Castratio gemacht. Die mikroskopische Untersuchung des kastrierten 
Hodens zeigte immer pathologisch - anatomische Veränderungen im 
Hoden: die Tunica albuginea ist stets verdickt, das interlobuläre 
Bindegewebe hypertrophisch, die Samenkanälchen haben in den 
meisten Fällen verdickte Basalmembran und kein Lumen; gut er¬ 
wachsene Spermatozoen konnten niemals gefunden werden. 

Die meisten Fälle von Ectopie waren interstitial und inguinal; 
3 / 4 der Fälle waren rechtsseitig. 

Für die Kenntnisse der Ätiologie ist von Bedeutung, daß L. 
das Gubernaculum Hunteri immer normal entwickelt fand, und die 
Länge des Vas deferens und der Gefäße auch normal war. L. ist der 
Meinung, daß ein in seiner Entwickelung zurückgebliebener Hoden 
die primäre Ursache des Leidens ist, und daß als Folge davon der 
Impuls zum Descensus fehlt. Vielleicht kommt noch die genannte 
abnorme Beziehung zwischen Epiderm und Hoden als erschwerendes 
Moment für den Descensus dazu. L. hält es nicht für unwahrschein¬ 
lich, daß der retinierte Hoden in vielen Fällen doch noch spermato- 
genetische Funktion beibehalten hat. Nichtsdestoweniger ist er doch 
der Ansicht, daß der Testikel, welcher gegen die Pubertät noch nicht 
auf der normalen Stelle ist, nicht funktionsfähig sei. 


Digitized by 


Google 



II. Referate, 


91 


Was die therapeutische Indikation anbetrifft, meint L., daß bei 
dem Alter vor 5 Jahren nicht operiert werden soll; von 5—15 Jahren 
ist die Orchidopexie, nach diesem Alter die Kastration indiziert. L. 
ist sehr gegen das Tragen eines Bruchbandes, auch eines Bandes 
mit gabelförmiger Pelotte. 

Zum Schluß beschreibt L. über eine neue durch ihn angegebene 
Methode von Orchidopexie. Graanboom. 

Schönholzer, Über Kryptorchismus. (Beiträge z. klin. Chir. 
Bd. 49.) Es werden die 42 Fälle besprochen, die in den letzten 
20 Jahren in der Krönlein sehen Klinik zur Beobachtung und meist 
wegen der begleitenden kongenitalen Hernie zur Operation kamen. 
Der Kryptorchismus ist meist einseitig und ist immer mit Atrophie 
des Hodens verbunden. Häufig wurde eine Torsion des Samenstranges 
beobachtet, während maligne Degeneration des retinierten Hodens nur 
einmal vorkam. Bei der Operation wurde 13 mal die Kastration vor¬ 
genommen, 3 mal die Orchidopexie (die aber schlechte Resultate gab), 
17 mal wurde der Hode innerhalb der Bauchdecken in das perito¬ 
neale Gewebe verlagert. Vulpius-Ewald (Heidelberg). 

R. d© Gaulejac, La secretion interne du testicule dans 
Pectopie de cet Organe. (La presse mödicale. 1906. Nr. 53. 
S. 423.) Die spermatische Insuffizienz, welche sich bis zur Aspermie 
steigern kann, ist ein klarer Beweis, daß durch die Dislokation schwere 
Veränderungen in der männlichen Geschlechtsdrüse Platz greifen. Kein 
Wunder also, daß auch die innere Sekretion dieser Drüse eine tiefe 
Störung erfahren kann, die sich dann auf den ganzen Organismus 
zurückerstreckt 

Der Verf. hat Gelegenheit gehabt, eine Anzahl von Soldaten mit 
Kryptorchismus zu untersuchen und gefunden, daß die meisten eine 
Anzahl von Merkmalen aufweisen, wie man sie bei Kastraten zu finden 
gewohnt ist, wie z. B. spärlicher Haarwuchs, übermäßige Fettentwick¬ 
lung, lange Beine, wenig entwickelte Intelligenz, kleiner Penis usw. 

Da die betreffenden Veränderungen hauptsächlich zur Zeit der 
Pubertät in Erscheinung treten, so wäre es von Wichtigkeit, in allen 
Fällen von Kryptorchismus das Herunterbringen und Fixieren des 
verlagerten Hodens am rechten Platze vor der Pubertät durchzuführen. 

E. Toff (Braila). 

Vielliard et Le Möe (Paris), Oblitöration congönitale de 
Poesophage. (Revue mens, des malad, de Penf. Döcembre 1906.) An¬ 
geborene Obliterationen der Speiseröhre sind nicht allzu selten, ge¬ 
hören aber nicht zu den alltäglichen Vorkommnissen, so daß nicht 
immer die richtige Diagnose gestellt wird. Die Verff. hatten Gelegen¬ 
heit, einen solchen Fall in der Abteilung von Guinon zu beobachten. 
Das betreffende, 3 tägige, gut entwickelte Kind bekam, so oft es zu 
säugen versuchte, einen Erstickungsanfall, und wurde das Genossene 
nach einigen Sekunden erbrochen. Durch die Sonde wurde eine 
totale Obliteration des Ösophagus festgestellt und die Gastrostomie 
vorgenommen. Nichtsdestoweniger starb das Kind am 2. Tage, ob¬ 
wohl durch die künstliche Magenöffnung zu wiederholten Malen Milch 
eingeflößt wurde. Die Sektion zeigte, daß die Speiseröhre in ihrem 


Digitized by 


Google 



92 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3. 


oberen Teile nur bis etwa 3 cm unterhalb der Kehlkopföffhung reichte 
und dort ampullenförmig endete. Ein 3 mm langes und 2 mm breites 
bindegewebiges Ligament verband das untere Ende mit der Luftröhre. 
Das gastrale Ende der Speiseröhre mündete in die Trachea, etwas 
oberhalb der Teilungsstelle derselben. 

Die erwähnte Anordnung ist für die angeborene Ösophagusoblite- 
ration charakteristisch und wird fast immer vorgefunden, so daß man 
bei Feststellung derselben bereits auf das Vorhandensein einer Ver¬ 
bindung der unteren Ösophagushälfte mit der Luftröhre schließen kann. 

Die einzige Behandlung, welche zu versuchen wäre, ist die Vor¬ 
nahme einer Gastrostomie, doch ist in keinem einzigen der derart 
operierten Fälle eine Verlängerung des Lebens über wenige Tage er¬ 
zielt worden. E. To ff (Braila). 

J. Tuixans, Angeborener Nasenverschluß. (La Med. de los 
ninos. Februar 1906.) In den seltenen Falle handelte es sich um 
ein 4 monatliches Kind, bei dem durch eine Verdickung des Scheide¬ 
wandknorpels beide Naseneingänge vollständig verschlossen waren. 

Kaufmann. 

E. Monnier, Über einen Fall von sogenannter Median¬ 
spalte. (Beiträge z. klin. Chir. Bd. 49. Jubiläumsband f. Krönlein.) 
Das 2 tägige Kind blieb 5 Wochen lang am Leben und hatte alle 
für die Medianspalte charakteristischen Nebenerscheinungen: neben 
dem Fehlen des Filtrums und des Zwischenkiefers Defekt des Vomers, 
Anomalien der Siebbeinplatten, Fehlen des Tractus und Nervus ol- 
factorius, Verwachsensein der Stirnlappen und weitere Veränderungen 
des Gehirns. Als Ursache wird Druck der Amnionkappe auf den 
primitiven Schädel angenommen. Vulpius-Ewald (Heidelberg). 

A. Sippel (Frankfurt a. M.), Eine Serie mißbildeter Knaben 
von einem Elternpaar. (Centralblatt f. Gynäkologie. 1906. Nr. 15.) 

Gesunder kräftiger Mann erzeugte in erster Ehe 5 Knaben und 7 Mädchen, 
sämtlich wohlgebildet und gesund. Nach dem Tode der Frau verheiratete sich 
der Mann mit deren Schwester, einer ebenfalls gesunden Frau. In dieser zweiten 
Ehe wurden erzeugt zunächst 1 Mädchen, dann 4 Knaben und zum Schluß noch 
2 Mädchen. Die Mädchen alle wohlgebildet und gesund, die Knaben sämtlich 
mit Anomalien behaftet. Der erste hatte eine Spina bifida, an der er zugrunde 
ging, der zweite hatte eine persistierende Thymus und erstickte bald nach der 
Geburt, der dritte kam schon tot zur Welt, der vierte wurde mit Myxödem ge¬ 
boren und wurde idiotisch. 

Also der Mann erzeugte mit einer Frau gesunde Knaben und 
Mädchen, mit der zweiten gesunde Mädchen, aber nur abnorme 
Knaben. Es muß hier eine mütterliche Einwirkung vorliegen, die 
aber ausschließlich und regelmäßig bei denjenigen Ovulis zustande 
kam, aus denen sich Knaben entwickelten. Man kann da ja einen 
Zufall nicht ganz ausschließen, eher aber muß man annehmen, daß 
hier etwas Gesetzmäßiges im Spiele ist, dem man vielleicht später 
auf den Grund kommen wird. Grätzer. 

Ernst Schwalbe, Über einen durch Operation gewonnenen 
Epigastrius parasiticus nebst Bemerkungen über die Be¬ 
deutung derartiger Mißbildungen für die Entwicklungs- 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


93 


mechanik und allgemeine Biologie. (Centralbl. f. allgem. Path. 
u. path. Anat. Bd. 17. ## Nr. 6.) Bei einem 11 Wochen alten Kinde 
fand sich der in der Überschrift angegebene Parasit, an dem Teile 
der oberen Extremitäten, des Kumpfes und relativ gut entwickelte 
Unterextremitäten vorhanden waren. Im Röntgenbilde konnten nament¬ 
lich gut entwickelte Beckenknochen und Knochen der unteren Ex¬ 
tremität nachgewiesen werden. Der Parasit saß zwischen Proc. 
xiphoideus und Nabel und wurde operativ entfernt, weil sich an ihm 
eine eitrige Entzündung entwickelt hatte, die das Wohlbefinden des 
Wirtes stark schädigte. Tod kurz nach der Operation. Es fand sich, 
daß die Extremitätenmuskulatur nicht vorhanden war, daß die Bauch¬ 
höhlen weit miteinander kommunizierten, ohne jedoch in organischem 
Zusammenhänge zu stehen. Der einzige organische Zusammenhang 
bestand darin, daß der Wirt Hautnerven an den Parasiten abgab. 
— Am Schlüsse bespricht S. die Frage der Selbstdifferenzierung der 
Organe, wozu das Fehlen der Muskulatur der unteren Extremitäten 
Anlaß gab. Bennecke (Jena). 


Dietrich, Demonstration einer Mißbildung (Paracephalus 
amelus macrocardius hetero[morphus). (Verh. d. deutsch, path. 
Oes. in Meran 1905.) Die 17 :11:10 cm messende Mißbildung wurde 
v, Stunde nach einem normal entwickelten Kinde geboren. Sie stellte 
sich als ein nierenförmiger Körper dar, der eine Andeutung von Ge¬ 
richt, eine Analanlage und Nabel erkennen ließ. An Organen fand 
rieh ein auffallend gut entwickeltes Herz und arterielles Gefäßsystem, 
während ein Nervensystem fehlte; ferner eine Niere und eine Anzahl 
Darmschlingen, sowie Rudimente von Gehirn. Die Entstehung wird 
durch eine Verbildung innerer Organe, besonders der Leber, Milz 
und des Darmes erklärt, wodurch es zil Zirkulationshindernissen 
kommt. Bennecke (Jena). 


Dervaux, Spina bifida ouvert, opöröle troisi&mejour apres 
la rupture, chez une petite fille de dix jours. (Archives de 
möd. des enfant. Octobre 1906.) Die Operationen von Spina bifida 
mit glücklichem Ausgange sind nicht allzu zahlreich, so daß der Fall 
des Verf.s einiges Interesse verdient. Es handelte sich um ein wenige 
Tage altes Mädchen, welches einen etwa apfelgroßen Tumor der Lenden¬ 
gegend darbot. Ein 7 cm dicker Stiel verband denselben mit dem 
Körper, und wurde unterhalb ein Substanzverlust des knöchernen 
Wirbelkanales, in welchen man die Spitze des Zeigefingers hinein- 
legen konnte, gefühlt. Der Tumor war an einer stecknadelkopfgroßen 
Stelle geplatzt, und es floß durch diese Öffnung in reichlicher Menge 
eine kristallklare Flüssigkeit, die Analöffnung war inkontinent. Durch 
die vorgenommene Operation wurde der nur meningeale Flüssigkeit 
enthaltende Sack ausgeschnitten, die Öffnung vernäht und die Heilung 
in etwa 15 Tagen erzielt, wobei ein Punkt, welcher durch Kotmassen 
verunreinigt worden war, etwas eiterte. Nachträglich besserte sich 
auch die Stuhlinkontinenz und war nach 4 Wochen vollkommen ver¬ 
schwunden. E. Toff (Braila). 


P. Ewald, Zur Ätiologie und Therapie der Klumphand. 
(Aus Vulpius’ orthop.-chirurg. Klinik in Heidelberg.) (Medizin. Klinik. 

CentralblaU f. Kinderhlkde. XII. 8 

Digitized by vjOOQlC 



94 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3. 


1906. Nr. 13.) E. teilt einen interessanten Fall mit. Ein 5 Monate 
altes, kräftiges Kind erschien abgesehen von den Anomalien an den 
oberen Extremitäten, durchaus wohlgebildet. Die Haltung der letzteren 
war rechts und links folgende: Oberarme sehr stark nach innen 
rotiert und über einen rechten Winkel hinaus vom Kumpf abduziert 
Die Ellenbogen sind fast rechtwinklig gebeugt, die Unterarme stark 
proniert, die Hände in hohem Grade volar und ulnar flektiert. Die 
Entstehung der Kontrakturen konnte direkt aus dieser Haltung ab¬ 
gelesen werden. Das Kind muß im Mutterleibe lange Zeit — und 
zwar höchstwahrscheinlich gegen Ende der Schwangerschaft — so ge¬ 
legen haben, daß beide Arme nach oben geschlagen waren, so daß die 
Oberarme dem Kopf anlagen, während die Hände, fest gegen die 
Beugeseite des Unterarms gedrängt, etwa in der Halsgegend ihren 
Platz gefunden haben mögen. Alle Momente sprechen für einen in¬ 
trauterinen Druck: Eindrücke der Handwurzelknochen in die Volar¬ 
seite des Unterarms, die Möglichkeit, die Hände mit Leichtigkeit so 
weit palmarwärts zu beugen, daß sie dem Vorderarm anliegen, eine 
tiefe und verlängerte Achselfalte und schließlich tiefe Hautfalten in 
der Handfläche, die ohne weiteres für eine ungenügende Entfaltung 
der Hand sprachen. Anhaltspunkte für eine neurogene Entstehung 
der Deformität fanden sich nicht, auch wurde keine primäre Ver¬ 
kürzung bestimmter Muskeln festgestellt. Die Kontraktur entstand 
eben so, daß durch die länger dauernde abnorme Haltung der Hände 
sekundär eine Retraktion der volaren Handbänder und der Muskeln 
und Sehnen stattgefunden hat, die nach der Geburt in der falschen 
Stellung festhielt; dasselbe gilt für die Oberarme. Das Knochen¬ 
gerüst der Unterarme und Hände war vollkommen normal. Es 
handelte sich um eine reine Kontraktur, deren Entstehung erst nach 
der völligen Ausbildung der Extremitäten, jedenfalls erst in den letzten 
Schwangerschaftsmonaten, begonnen hat. 

Was die Therapie anbelangt, so genügte hier ein zweckmäßig 
konstruierter Lagerungsapparat. Eine Platte aus Eisenblech ist dem 
kindlichen Rücken angepaßt. Von den Seiten des oberen Thorax¬ 
teils gehen zwei muldenförmige Eisenblechstreifen (durch Stahlschienen 
verstärkt) zuerst zur Seite und etwas nach oben, biegen dann fast im 
rechten Winkel für den Ellenbogen um und machen eine zweite 
Knickung nach außen und oben für die Lagerung der Hand. Die 
ganze Schiene ist mit Filz gepolstert und mit wasserdichtem Gummi¬ 
stoff tibernäht. Die Arme des Kindes konnten also so bandagiert 
werden, daß die Arme im Schultergelenk nach außen rotiert, im 
Ellenbogengelenk rechtwinklig gebeugt, und die Hände im Handgelenk 
stark dorsal und radial extendiert gehalten wurden. Das Kind fühlte 
sich durchaus behaglich; die Arme wurden täglich 2 mal massiert, 
Hände und Finger passiv bewegt und, so gut es ging, auch zum 
aktiven Beugen und Strecken veranlaßt. Nach 4 Wochen wurden die 
beiden Armschienen im Oberarmteil entsprechend verkürzt und tiefer 
unten fixiert. So konnten mit dem oberen Band die Arme direkt an 
den Thorax anbandagiert und damit der Abduktionsneigung des Ober¬ 
arms erfolgreich entgegengewirkt werden. Den Unterarmen und 
Händen blieb ihre überkorrigierte Stellung in der Schiene bewahrt. 


Digitized by Google 



IL Referate. 


95 


Nach 6 wöchiger Behandlungsdauer konnte das Kind, nahezu geheilt, 
entlassen werden. 

Die Prognose war auch von vornherein günstig gestellt worden. 
Wenn auch auf den ersten Blick die Kontraktur recht hochgradig zu 
sein schien, so ließ doch der Umstand, daß ohne große Gewalt¬ 
anwendung und ohne dem Kinde Schmerzen zu bereiten, eine nor¬ 
male Haltung der Hand passiv herbeigeführt werden konnte, das 
Beste erhoffen. Dazu kam noch die große Jugend der Patientin, die 
den Knochen, Bändern und Muskeln noch nicht gestattet hatte, sich 
so zu ändern bzw. zu retrahieren, daß eine fixierte anormale Stellung 
zustande kam. Grätzer. 

M. Haudek, Über angeborene Klumphand ohne Defekt¬ 
bildung. (Wiener med. Wochenschrift. 1907. Nr. 1.) H. hatte Ge¬ 
legenheit, bei einem 2 1 /« jährigen Kinde eine angeborene Klumphand 
ohne Defektbildung zu beobachten, einen Fall, der mit Rücksicht 
auf eine Anzahl von Symptomen einen Schluß in ätiologischer Be¬ 
ziehung ermöglicht Gewisse nervöse Symptome, Hydrocephalus, 
Augenerscheinungen, ein eigentümliches Offenhalten des Mundes 
deuteten auf eine gemeinsame zentrale Ursache hin. Die Deformitäts¬ 
entstehung ließ sich in der Weise erklären, daß infolge einer fötalen 
zentralen Erkrankung oder eines zentralen Bildungsfehlers die Wider¬ 
standskraft des Fötus gegenüber dem auf sie einwirkenden Druck 
herabgesetzt wurde. Dieser war aber hier infolge Fruchtwasser¬ 
mangels ein abnorm starker. Obwohl sich nun an den Extremitäten 
keine gröbere nervöse Läsion nach weisen ließ, kann man vielleicht 
doch eine durch die zentrale Läsion verursachte Verminderung der 
normalen Beweglichkeit der Extremitäten als wahrscheinlich annehmen; 
infolge dieser waren die distalen Extremitäten dem hier abnormen 
Druck in besonderer Weise ausgesetzt. Die exponierte Lage der Füße 
erklärt die Entstehung der hochgradigen Fußdeformität. Man kann 
also hier die Deformität als eine auf neurogener Basis beruhende 
Belastungsdeformität auffassen. Grätzer. 

L. Fiedler, Zur Therapie der großen Nabelschnurbrüche. 
(Aus dem Landkrankenhaus in Fulda.) (Deutsche med. Wochenschrift. 
1907. Nr. 3.) Es handelte sich um ein 4 Tage altes Kind mit großer 
angeborener Hernia funiculi umbilicalis, welche am 23. April operiert 
wurde. 


„Schnittfähurng zirkulär im Verlauf des Nabelringes. Als Bruchinhalt fanden 
sich die ganze Leber, sowie einige Dünndarmschlingen. Die innere Membran der 
Hülle war mit der Leberoberfläcne ziemlich fest verwachsen. Es gelang bei ge¬ 
ringen parenchymatösen Blutungen, die nach Kompression standen, die Leber zu 
losen und sie mitsamt den Dünndarmschlingen, die keine bedenklichen Ein¬ 
schnürungen zeigten, nach starkem Auseinanderziehen der Bruchpforte in die 
Bauchhöhle zurückzuverlagern. Die Bruchpforte wurde bei der Kleinheit der 
Verhältnisse und wegen des elenden Befindens des Kindes mit durchgreifenden 
Seidenknopfnähten geschlossen, nachdem der ganze Bruchsack abgetragen war. 
Darüber wurden einige Heftpflasterstreifen gelegt. Narkose wurde bei der 
Schwäche der kleinen Patientin nicht angewandt, diese verfiel noch während der 
Operation in einen längeren Schlaf. 

Der Heilungsverlauf war günstig. Das Kind gedieh sichtlich an der 
Mutterbrust. Am 29. April, also 6 Tage nach der Operation, hatte man eine Ge¬ 
wichtszunahme von 1,5 kg zu verzeichnen. Der über den Heftpflasterstreifen 

8 * 


Digitized by 


Google 



96 


Centralbl&tt für Kinderheilkunde. No. 3. 


liegende Schuteverband wurde tfiglich gewechselt, während die Streifen erst nach 
8 Tagen durch neue ersetzt wurden. Am 12. Tage nach der Operation wurden 
die Nähte entfernt, die Wundflächen waren gut miteinander verklebt 

Am 9. Mai, also nach 2 1 / 2 Wochen, wurde das Kind hei einem Gewicht von 
4,25 kg entlassen. Bei der Nachuntersuchung nach weiteren 5 Wochen zeigte 
das Kind ein gesundes Aussehen hei gutem Ernährungszustand, der Leih war 
weich, die Narbe fest.“ Grätzer. 

Magnus-Alsleben, Zar Kenntnis der sogenannten abnormen 
Sehnenfäden im Herzen. (Centralbl. f. allgem. Path. u. path. Anat. 
Bd. XVII. Nr. 22.) M.-A. untersuchte in 10 beliebigen Herzen die 
so wichtigen Tawaraschen Sehnenfäden auf ihren Gehalt an Muskel¬ 
fasern. In Bestätigung der Tawaraschen Befunde konnte er die¬ 
selben in verschiedener Ausbildung in allen Fällen nachweisen. M.-A. 
macht auf die unzweckmäßige Bezeichnung „abnormer Sehnenfaden“ 
aufmerksam. Bennecke (Jena). 

L. Michaud, Beitrag zur Kenntnis der kongenitalen idio¬ 
pathischen Herzhypertrophie. (Aus dem patholog. Institut Bern.) 
(Korrespondenzblatt f. Schweizer Ärzte. 1906. Nr. 24.) Dem Institut 
wurden die bei der Sektion gewonnenen Organe eines 6jährigen Kindes 
zugesandt, das nur 2 Tage krank gewesen sein und an Aszites und 
starker Dyspnoe gelitten haben sollte. Die Anamnese ergab nichts 
Wesentliches. 

Das Herz zeigte sich hochgradig hypertrophiert und dilatiert; es 
entsprach demjenigen eines 11—13 jährigen Kindes. Lungen normal. 
In einem Bronchus Zeichen einer frischen Bronchitis. In der Niere 
eigentümlicher Befund: neben vollkommen entwickelten Teilen Glo- 
meruli mit fötalem Habitus in ziemlich großer Anzahl. 

Kein Klappenfehler, keine Arteriosklerose, keine Verengerung der 
Strombahn, keine Lungenveränderungen. Thyreoidea nicht vergrößert, 
Thymus von normaler Form, kein Status lymphaticus, weder Anämie 
noch Rachitis. Infektionskrankheiten nicht vorausgegangen. Auch 
sonstige bei idiopathischen Herzhypertrophien vorkommende funktio¬ 
nelle Ursachen fehlten hier, der Fall blieb zunächst unklar. Zwar 
käme die teilweise Hypoplasie der Niere noch in Betracht. M. hat 
aber mehrere kindliche Nieren verschiedenen Alters, die ohne Aus¬ 
wahl bei den Sektionen gewonnen wurden, untersucht und gefunden, 
daß häufiger, als bisher bekannt, neben den normalen Glomeruli un¬ 
entwickelte fötale Glomeruli weiterbestehen, ähnlich wie im obigen 
Falle, jedoch allerdings in geringerer Anzahl, und daß ferner dies 
keinen Einfluß auf das Herz hat, indem dessen Gewicht in den be¬ 
treffenden Fällen nicht erhöht war. 

Nun hat Hedinger auf einen eventuellen Zusammenhang zwischen 
dem chromaffinen System und der kongenitalen Herzhypertrophie hin¬ 
gewiesen, und zwar in dem Sinne, daß es sich eventuell um eine 
Hypersekretion des chromaffinen Systems handeln könnte. Nach dieser 
Richtung konnte nun M. keine Untersuchung anstellen, da das Mate¬ 
rial von auswärts nicht mehr ganz frisch eingesandt worden war. 
Er möchte allerdings die Hedinger sehe Auffassung noch in der 
Weise modifizieren, daß eventuell auch eine Hypoplasie des chrom¬ 
affinen Systems in Betracht gezogen werden muß. Bei einer mangel- 


Digitized by Google 



II. Referate. 


97 


haften Entwicklung dieser Organe ist es theoretisch sehr wohl mög¬ 
lich, daß bei stärkeren Blutdruckschwankungen das Herz in einem 
gewissen Dilatationszustand fixiert wird, der dann durch eine sekun¬ 
däre Hypertrophie kompensiert werden muß. M. glaubt, daß eine 
derartige Ätiologie, da alle anderen Momente auszuschließen waren, 
in seinem Falle vielleicht in Betracht kommt. Grätzer. 

J. M. Beimion, Ein Fall vonadhäsiverMediastino-Perikar- 
ditis. (Brit. med. Journal. 1906. Bd. L 10. Febr.) Das 13 jährige Mäd¬ 
chen wurde wegen Schmerzen nach der Nahrungsaufnahme, Schwindel und 
Dyspnoe am 20. Juni 1905 in das Hospital aufgenommen, Eltern und 6 Ge¬ 
schwister gesund. In früher Kindheit Masern, sonst keine ernste Krank¬ 
heit, vor allem keine rheumatische Affektion. 2 Monate vor der Auf¬ 
nahme Klagen über leichte Ermüdbarkeit, dazu Husten und verlangsamte 
Respiration. Wegen dieser Klagen kam das Mädchen schon am 6. Mai 
in das Hospital. Die Haut war ein wenig bronziert, die Leber sehr 
groß; dabei leichte Anämie. Man konstatierte geringes Fieber, fre¬ 
quenten Puls, Abmagerung. In der linken Axilla hört man Reibe- 
geräusche, hinten abgeschwächten Fremitus und bronchitische Ge¬ 
räusche. Herz annähernd normal. Leber sehr groß, Milz in geringem 
Maß hypertrophisch. Weder Albuminurie noch Ödeme. Dr. Gibson 
sprach sich für die Annahme einer Mediastino-Pericarditis aus. Puls 
während der Inspiration schwächer (Pulsus paradoxus). Am 25. August 
Aufnahme in das Hospital wegen schwerer Dyspnoe und Cyanose; 
Pupillen erweitert, Puls 120—130, Respiration 60—72, Hypothermie, 
Aszites und Anasarka. Albuminurie. Tod am 28. August Autopsie: 
Rechtsseitige Pleuritis, keine Tuberkel. Symphysis pericardii mit Kalk¬ 
ablagerungen im Perikard. Myokard hypertrophisch, Klappenapparat 
intakt. Starker Aszites, enorme gelappte Muskatleber, Nieren und 
Milz hyperämisch. Es handelt sich demnach um einen Fall von kar¬ 
dialer Symphyse, die, ob rheumatischer oder tuberkulöser Natur, zu 
einer sekundären Leberzirrhose (Cirrhosis cardio-tuberculosa Hutinel 
oder Cirrhosis cardio-rheumatica) führt. H. Netter. 


Gino Menabuoni, Ein Fall von Symphysis pericardii mit 
sekundärer Anämia splenica infantum. (Riv. di Clinica pediatr. 
Febr. 1906.) Die Beobachtung betrifft ein 19 Monate altes, normal 
geborenes, bei Allaitement mixte in einen Zustand der Überernährung 
geratenes Kind, an dem die Blässe und eine gewisse Hinfälligkeit zu¬ 
nächst auffielen. Seit einiger Zeit bestand abendliches Fieber, Husten, 
Dyspnoe, geräuschvolle Respiration, Urin dunkel. Weder Malaria noch 
Syphilis oder Tuberkulose in der Familie, der Vater dagegen Alkoho¬ 
liker. Status: Sehr mageres, leicht rachitisches, bleiches Kind mit 
cyanotischen Extremitäten; Puls klein und frequent (148), Respira¬ 
tionen 70, Temperatur 37,7. Über den Fossae supra- und infra- 
spinatae bronchopneumonische Herde, das Herz durch die emphy¬ 
sematosen Lungen verdeckt, Herzschlag schwach, Galoppgeräusch an 
der Basis, Abdomen groß, Leber hart, um drei Querfinger den Rippen¬ 
bogen überragend, und eine die ganze linke Bauchseite ausfüllende 
Milz. Unter progressiver Verschlimmerung Tod am 8. Tag. Blut¬ 
befand: 1724000 rote, 6042 weiße (60,4°/ 0 Lymphozyten, 6°/ 0 poly- 


Digitized by 


Google 



98 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3. 


nukleäre). Bakteriologischer Blutbefund: Streptokokken und Koli- 
bazillen. Autopsie: Außer den schon genannten bronchopneumonischen 
Herden ein voluminöses Herz mit kompletter Symphysis. Zwischen den 
Perikardblättern befand sich eine Substanz von käsigem Aussehen. 
Die Herzhöhen dilatiert, Klappenapparat und Ostien intakt. Gewicht 
der Leber 450 g, auf dem Schnitt hart, der Milz 120 g, ebenfalls hart; 
die Nieren boten die Zeichen der akuten Nephritis. H. Netter. 

Djewitzky, Über die Geschwülste der Herzklappen. (Vir- 
chows Archiv. Bd. 185. Heft 2.) D. teilt einen hierher gehörigen 
Fall mit, der ein zufälliger Sektionsbefund bei einem 38jährigen 
Manne war. Das erbsengroße, warzige Gebilde saß auf einer Aorten¬ 
klappe und ragte in den Ventrikel hinein. Mikroskopisch handelt 
es sich um ein Fibroma papillare, das von der sonst unveränderten 
subendothelialen Schicht der Klappe ausging. — Die Literatur ist 
nicht groß. Meist sind Myxome beschrieben. Differentialdiagnostisch 
kommen echte Geschwülste und alte endokarditische Veränderungen 
in Betracht. Ben necke (Jena). 

K. Grassmann (München), Über seltene Verlaufs weisen 
von Klappenfehlern. (Münch, med. Wochenschrift. 1906. Nr. 45.) 
Die eine Beobachtung betraf ein 4jähriges Kind, das gelegentlich 
eines Gelenkrheumatismus ein Vitium akquirierte. Der Verlauf stellte 
es außer Zweifel, daß es sich um eine rheumatische Endokarditis der 
Mitralklappen handelte; denn es entwickelte sich im Laufe von 
2 Monaten neben dem bestehenden systolischen Geräusch als Aus¬ 
druck der Drucksteigerung im kleinen Kreislauf eine deutliche Ver¬ 
stärkung des zweiten Pulmonaltons, eine mäßige Hypertrophie des 
linken Herzens, eine Stauungsdilatation der rechten Herzhälfte. Das 
Kind erholte sich aber vollständig, die objektiven Erscheinungen ver¬ 
schwanden, man konnte von einer Heilung des Herzfehlers sprechen. 
Da bekam das Kind 1 / 2 Jahr später nochmals Gelenkrheumatismus, 
die valvuläre Endokarditis rezidivierte unter Begleitung einer exsuda¬ 
tiven Perikarditis, die tödlich endete. Grätzer. 


A. G. Jesson, Nanisme et infantilisme cardiaque. (Thöse 
de Paris. 1906.) Die angeborenen oder in früher Kindheit er¬ 
worbenen Fehler des Herzens, der Herzklappen oder der großen Ge¬ 
fäße haben einen entwicklungshemmenden Einfluß und können zur 
Bildung von Zwergwuchs führen. Letzterer kann aber auch auf Alkoho¬ 
lismus, Syphilis oder Tuberkulose der Eltern beruhen, doch ist der 
Einfluß des Herzens der wichtigste. Was die erworbenen Herzfehler 
anbetrifft, so ist dystrophischer Einfluß ein um so größerer je früh¬ 
zeitiger sie auftreten. E. To ff (Braila). 

Arth. Mayer und R. Milchner, Über die topographische 
Perkussion des kindlichen Herzens. (Aus d. kgl. poliklin. In¬ 
stitut f. innere Medizin in Berlin.) (Berl. klin. Wochenschrift. 1906. 
Nr. 40 u. 41.) Die Perkussion der absoluten Dämpfung leistet beim 
Kinde gar nichts. Um die Funktion und den anatomischen Zustand 
des kindlichen Herzens genau festzustellen, dazu gehört unbedingt 
Feststellung der absoluten Grenzen des Organs. Das ist ja bei 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


99 


kleinen Kindern keine leichte Aufgabe, aber dieselbe läßt sich lösen 
mittels der Schwellenwertperkussion (Goldscheider) oder leisester 
Sagittalperkussion. G r ä t z e r. 

R, Pollak, Über paravertebrale und parasternale Per¬ 
kussionsbefunde bei Pneumonie. (Aus der Kinderspitalsabteilung 
der allgem. Poliklinik in Wien.) (Wiener klin. Wochenschrift. 1906. 
Nr. 40.) Hamburger hat über eigenartige Perkussionsphänomene be¬ 
richtet, die bei exsudativer Pleuritis beobachtet werden. Einmal 
konnte er das konstante Vorkommen des von Bauchfuß beschriebenen 
paravertebralen Dämpfungsdreiecks auf der gesunden Seite bestätigen, 
weiter fand er ebenso konstant neben der Wirbelsäule auf der 
kranken Seite eine Zone, wo der Schall gegenüber den äußeren 
Thoraxpartien der kranken Seite deutlich aufgehellt erscheint (para- 
vertebrale Aufhellungszone). Auf diese Weise kann man in jedem 
Falle von exsudativer Pleuritis auf der Rückseite des Thorax 
vier Zonen verschiedenen Perkussionsschalles nach weisen: Intensive 
Dämpfung über den lateralen Thoraxpartien der kranken Seite, 
geringere Dämpfung bzw. Aufhellung neben der Wirbelsäule, auf der 
gesunden Seite heller Schall über den äußeren Partien und para¬ 
vertebral ein Dämpfungsbezirk, über dem jedoch der Schall noch 
immer heller ist als über der paravertebralen Aufhellungszone der 
kranken Seite. Nach Rauchfuß hängt das Phänomen der para¬ 
vertebralen Dämpfung damit zusammen, daß die Brustwand der 
kranken Seite durch das Exsudat am Mitschwingen bei der Er¬ 
schütterung der gesunden Seite gehindert wird. In ähnlicher Weise 
erklärt Hamburger die paravertebrale Aufhellungszone der kranken 
Seite durch das Mitschwingen der gesunden Seite. Das Symptom 
der paravertebralen Dämpfung bzw. Aufhellung findet sich, wie auch 
P. bestätigen kann, bei jedem freien oder nach vorne abgesackten 
pleuritischen Exsudat. 

Es war nun von vornherein sehr wahrscheinlich, daß sich ähn¬ 
liche Perkussionsbefunde auch bei ausgedehnten Lungeninfiltrationen, 
die bis gegen die Wirbelsäule reichen, erheben lassen. Es mußte 
zunächst der gedämpfte Schall über einem infiltrierten Bezirk neben 
der Wirbelsäule durch das Mitschwingen der anderen (gesunden) Seite 
eine Aufhellung erfahren. Die paravertebrale Dämpfung der gesunden 
Seite sei wiederum, nicht wie bei dem Exsudat durch Behinderung 
der Brustwand, sondern vielmehr dadurch wahrscheinlich gemacht, daß 
(durch die Infiltration) das Mitschwingen der Luft in der Lunge un¬ 
möglich gemacht wird. 

P. hatte nun Gelegenheit, ein 6jähriges Mädchen mit einer 
kruppösen Pneumonie des linken Unterlappens zu beobachten. Der 
physikalische Befund (lautes Bronchialatmen, verstärkter Stimmfremitus, 
Bronchophonie) ließ eine Beteiligung der Pleura ausschließen; die Probe¬ 
punktion war negativ. Die Perkussion ergab eine deutliche para¬ 
vertebrale Aufhellung auf der linken und eine paravertebrale Dämpfung 
auf der rechten Seite. Bei sechs weiteren kruppösen Unterlappen¬ 
pneumonien konnte P. denselben Befund erheben. Er konnte stets 
auch mit Leichtigkeit die Aufhellungszone von dem Dämpfungsbezirk 


Digitized by 


Google 



100 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3. 


differenzieren. Es genügt auch offenbar, wie das bei halbwegs aus¬ 
gedehntem Ergriffensein des Unterlappens immer der Fall ist, ein 
kaum über die Skapularlinie lateral reichender Dämpfungsbezirk, um 
eine deutliche paravertebrale Aufhellungszone nachzuweisen. Für das 
Zustandekommen der paravertebralen Dämpfung der gesunden Seite 
kommt die Größe der infiltrierten Partie noch weniger in Betracht; 
selbstverständliche Bedingung ist nur, daß sie sich in der Nähe der 
Wirbelsäule befindet. 

Hamburger hat auch noch über Perkussionsphänomene berichtet, 
die bei freiem pleuritischen Exsudat sich regelmäßig an der Vorder¬ 
seite des Thorax nachweisen lassen: eine parasternale Aufhellungs¬ 
zone auf der kranken und eine parasternale Dämpfungszone auf der 
gesunden Seite. Die Erklärung dieser Befunde ist die gleiche, 
wie oben. 

P. konnte nun bei zwei Oberlappenpneumonien mit ziemlich 
intensiver und ausgebreiteter Dämpfung unterhalb der Clavicula die 
parasternalen Perkussionsphänomene in gleicher Weise konstatieren. 
Im zweiten Falle handelte es sich bei einem lOmonatigen Kinde 
um eine konfluierte Lobulärpneumonie des linken Operlappens, die 
eine recht kompakte Dämpfung (links vorne oben) verursachte. An 
dem Falle war noch bemerkenswert, daß er ganz unter dem Bilde 
einer kruppösen Pneumonie verlief (plötzliches hohes Fieber, dann 
weiter hohe Continua, fast vollkommenes Fehlen von bronchitischen 
Erscheinungen über den übrigen Lungenpartien ausgebreitete, mäßige 
Dämpfung). Die Obduktion ergab, daß die Infiltration durch Kon¬ 
fluenz lobulär-pneumonischer Herde entstanden war. Keinesfalls ist 
in den paravertebralen und parasternalen Perkussionsphänomenen ein 
differentialdiagnostisches Merkmal zwischen Pleuritis und Pneumonie 
zu erblicken. Grätzer. 

N. A. Kephallinös, Über das Westphalsche Phänomen bei 
kruppöser Pneumonie der Kinder. (Aus der Univers.-Kinderklinik 
in Graz.) (Münch, med. Wochenschrift. 1906. Nr. 30.) Schon 1902 
hatte Pfaundler berichtet über das Verhalten des Patellarsehnen- 
reflexes bei der Pneumonie der Kinder. Als besonders beachtenswert 
bezeichnete er das Auftreten des Westphalschen Phänomens im 
frühesten Stadium der Erkrankung, in dem die Diagnose sich höchstens 
auf gewisse Indizien, wie Schüttelfrost, hohe Continua, kupierte 
Atmung von diversem Typus, Azetonurie usw., nicht aber auf einen 
physikalischen Lungenbefund zu stützen vermag. Nach Ablauf der 
Erkrankung kehrte der Reflex in allen Fällen wieder, und zwar zu¬ 
meist während oder bald nach der Krise. Pfaundler wies also 
darauf hin, daß das Westphalsche Zeichen, sofern es bei kruppöser 
Pneumonie der Kinder vorliegt, diagnostisch verwertbar sei, nament¬ 
lich in jenen Fällen, in denen wegen zentralen Sitzes der Infiltration 
die physikalischen Erscheinungen verspätet auftreten, und in jenen, 
in welchen die zerebralen Erscheinungen an Meningitis denken lassen. 

Die Pfaundler sehen Mitteilungen begegneten Zweifeln und Oppo¬ 
sition. Deshalb hat K. jetzt die in der Grazer Klinik vom Juli 1902 
bis März 1906 sicher als Pneumonia crouposa erkannten Fälle 


Digitized by Google 



II. Referate. 


101 


(65 Kinder zwischen dem 4. und 15. Lebensjahre) genau untersucht. 
Die Patellarreflexe waren 

nicht auslösbar 27 mal = 41,5% 

stark herabgesetzt 3 mal 

rechts nicht ausführbar 2 mal 

32 mal = 49,2%. 

Also fast in 50°/ 0 der Fälle Störungen des Patellarsehnenreflexes! 
Sie fanden sich 8 mal öfter, als der Herpes. Jene Störungen zeigten 
sich öfters vor dem Auftreten jedes physikalischen Lungenbefundes. 
Dieser trat erst einige Tage später in die Erscheinung. 12 mal wurde 
das Wiederkehren des Patellarreflexes geprüft; 6 mal wurde dieses 
am Tage der Krise, 4mal am folgenden, 2 mal am zweitfolgenden 
Tage konstatiert. Daraus geht wohl klar hervor, daß das Fehlen 
oder die Herabsetzung des Patellarsehnenreflexes ein die kruppöse 
Pneumonie der Kinder in ihren Anfangsstadien sehr häufig begleiten¬ 
des Zeichen und im positiven Falle neben anderen Indizien in hohem 
Grade verwertbares diagnostisches Kriterium ist. Gr&tzer. 

F. Rosenberger, Über Zuckerausscheidung im Urin bei 
kruppöser Pneumonie. (Aus dem Juliusspital in Würzburg.) 
(Deutsche med. Wochenschrift. 1906. Nr. 25.) ß. fand diese Er¬ 
scheinung bei 2 Fällen, einem 6 jährigen Kinde und einem 26 jährigen 
Dienstmädchen. Wie war die Zuckerausscheidung zu erklären? Da 
bei den Sektionen von Personen, die an akuten Infektionskrankheiten 
gestorben sind, so gut wie stets die sogenannte trübe Schwellung der 
Organe gefunden wird, steht R. nicht an, eine dementsprechende 
Schädigung des Pankreas als Ursache der Harnanomalie anzunehmen. 
Eine derartige Störung ist vielleicht die Ursache später auftretender 
Zuckerharnruhr unerklärlicher Herkunft, obwohl solche Fälle gewöhn¬ 
lich zunächst günstig verlaufen. Auch die Deutung der infektiösen 
Zuckerausscheidung als einer renalen ist zulässig; in obigen beiden 
Fällen trat Albuminurie auf. Es läßt sich aber dagegen einwenden, 
daß das Eiweiß gar nicht einmal gleichzeitig mit den Kohlehydraten 
ausgeschieden wurde, vielmehr sich erst später als diese vorfand. 
Demgemäß ist sogar die Annahme statthaft, daß die Nieren erst durch 
den Zucker gereizt und so zur Albuminurie veranlaßt wurden. Noch 
käme die Leber in Betracht, da sie dem pneumonischen Geiste gegen¬ 
über sehr empfindlich ist, andererseits im Kohlehydrathaushalt des 
Körpers eine wichtige Rolle spielt 

Bemerkenswert war, daß in beiden Fällen die Harnmenge nicht 
vermehrt war. Maltosurie pflegt eher mit Verminderung, als Ver¬ 
mehrung der Urinausscheidung einherzugehen; bei dem Kinde hält 
R. es für höchstwahrscheinlich, daß im Ürin Maltose vorhanden war. 

Aus seinen Beobachtungen schließt R.: 

„Im Verlauf akuter Infektionskrankheiten werden zuweilen im 
Urin Kohlehydrate teilweise noch nicht näher bestimmbarer Natur 
ohne äußerlich ersichtliche Ursache, meist nur während ganz kurzer 
Zeit und in geringer Menge, unabhängig von der Ernährung, der 
Körpertemperatur und ohne bis jetzt feststellbare Abhängigkeit von 
dem Krankheitsverlauf ausgeschieden. Weder Menge noch spezi- 


Digitized by Google 



102 


Centralbl&tt für Kinderheilkunde. No. 3. 


fisches Gewicht oder Aussehen des betreffenden Urins verraten ihre 
Gegenwart, und ich vermute daher, daß sie deshalb häufig übersehen 
werden, zumal wenn die Urinportionen, von 24 Stunden gesammelt, 
untersucht werden, weil dann die Verdünnung leicht so groß wird, 
daß sie sich den gewöhnlichen Untersuchungsmethoden (Trommer, 
Nylander) bei ihrem oft sehr schwachen Reduktionsvermögen ent¬ 
ziehen. 

Die Prognose einer derartigen Glykosurie scheint nach dem bis¬ 
herigen Stand unserer Kenntnisse für die Grundkrankheit nicht sonderlich 
schlecht zu sein, an sich hört die Zuckerausscheidung sehr bald von 
selbst auf, anscheinend ohne von dem weiteren Gang der Infektions¬ 
krankheit beeinflußt zu werden. Eine gewisse Neigung zur Aus¬ 
scheidung von Glykuronsäure oder Zucker nach reichlicher Kohle¬ 
hydratzufuhr kann Zurückbleiben.“ Grätzer. 

A. Bittorf, Zur Kasuistik der zerebralen Kinderpneu¬ 
monie. (Aus der medizin. Univers.-Poliklinik zu Leipzig.) (Münch, 
med. Wochenschrift. 1906. Nr. 18.) B. teilt zwei Beobachtungen mit, 
wo bei Unterlappenpneumonien schwere meningitische Symptome be¬ 
standen, die in Heilung ausgingen. 

Die Erklärung dieser Zustände begegnet gewissen Schwierigkeiten, 
denn ist auch wegen des mit der Krise eintretenden Aufhörens sämt¬ 
licher Symptome eine echte Pneumokokkenmeningitis auszuschließen, 
so ist andererseits auch wegen der starken Lokalsymptome eine ein¬ 
fache febrile oder toxische Gehirnreizung nicht sehr wahrscheinlich. 
Aufrecht ist für seine Fälle geneigt, ein lokales Hirnödem anzu¬ 
nehmen. B. möchte nicht mit aller Sicherheit eine eventuelle toxische 
seröse Meningitis oder analoge Zunahme der Ventrikelfltissigkeit aus¬ 
schließen, zumal da Lenhartz Drucksteigerung bei Lumbalpunktionen 
in anscheinend ähnlichen Fällen sah. Von der echten eitrigen Pneumo¬ 
kokkenmeningitis unterscheiden sich diese Zustände wesentlich dadurch, 
daß sie mit Beginn der Pneumonie eintreten, während jene sich ge¬ 
wöhnlich erst im späteren Verlaufe, ja erst nach der Krise entwickelt. 

Warum in einzelnen Fällen diese schweren zerebralen Symptome 
auftreten, dafür scheint sich in obigen Beobachtungen eine gute Er¬ 
klärung zu finden. Beide Kinder waren rachitisch. Das erste hatte 
früher an Krämpfen gelitten, war immer „still und eigentümlich“, 
hatte einen leichten Hydrocephalus. Das andere war von seiner Rachitis 
noch nicht ganz geheilt, es hatte rachitische Schädelerkrankungen und 
Stimmritzenkrampf, war außerdem Bettnässer. In diesen Fällen be¬ 
stand wohl sicher im Gehirn und in seinen Häuten ein Locus minoris 
resistentiae. G r ft t z er. 

Nestor Nastase, Zwei Fälle von Splenopneumonie bei 
Kindern. (Spitalul. 1906. Nr. 8.) Es handelte sich um einen 
15jährigen und um einen 6jährigen Knaben, deren Krankheit in 
subakuter Weise verlief und fast alle physikalischen Erscheinungen 
einer exsudativen Pleuritis darbot, doch bestand heller Schall im 
Traubeschen Raume, das Münzenzeichen fehlte, und wiederholte 
Probepunktionen forderten keinerlei Exsudat zutage. Daraufhin 
wurde die Diagnose auf Splenopneumonie, die von Grancher im 


Digitized by 


Google 



III. Aus Vereinen und Versammlungen. 


103 


Jahre 1883 beschriebene, eigentümliche kongestive Erkrankung der 
Lungen gestellt. In dem einen Falle schien die Krankheit auf tuber¬ 
kulöser Grundlage zu beruhen, doch ergab sowohl die Serumreaktion, 
als auch die vorgenommenen Tuberkulineinspritzungen negative Re¬ 
sultate. E. Toff (Braila). 


III. Aus Vereinen und VerSammlungen. 

Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien. 

(Pädiatrische Sektion.) 

Sitzung vom 6. Dezember 1906. 

Schwoner demonstriert einen 10jährigen Knaben mit kongenitalem Herzfehler. 
Der klinische Befund sowie das Röntgenbild erlauben die Diagnose eines offenen 
Ductus Botalli. Patient ist dabei relativ leistungsfähig, was daraus hervorgeht, 
daß das Kind im 4. Stocke wohnt und täglich mehrmals die Treppen bewältigen 
muß. Freilich ist Patient für sein Alter schwächlich entwickelt, grazil, mager 
und auffallend blaß. 

Foltanek zeigt ein 3wöchentliches Kind mit Spontangangrän des r. Fußes. 
Bis zur Höhe der Malleolen erscheint der Fuß tiefschwarz. Kleine gangränöse 
Stellen finden sich auch ad nates. Vortr. führt die Gangrän auf Embolie der 
Gefäße zurück. Die Ätiologie der Embolie ist unklar, insbesondere fehlen Sym¬ 
ptome der Lues. 

Königstein demonstriert mikroskopische Präparate von Epithelkörperchen zweier 
Kinder. Das eine Kind, an typischer Tetanie erkrankt, starb 9 Monate alt. Die 
Epithelkörperchen waren relativ groß und blutreich. Weder makroskopisch noch 
mikropisch fanden sich Hämorrhagien. 

Als Gegenstück hierzu dient der zweite Fall. Ein l 1 /* Monate altes Kind, 
an Darmkatarrh und Pneumonie erkrankt, starb plötzlich unter allgemeinen Krämpfen. 
Keine Symptome einer Tetanie. Galvanische Untersuchung konnte nicht gemacht 
werden. Hier zeigten sich beide Epithelkörperchen gefüllt mit frischen Blut¬ 
austritten. Sie sahen makroskopisch so aus, wie die in der letzten Sitzung von 
Erdheim demonstrierten Epithelkörperchen. 

Diese Befunde stimmen mit denen Thiemichs überein und sprechen gegen 
den ätiologischen Zusammenhang zwischen Epithelkörperchenblutungen mit Tetanie 
(Erdheim). 

In der Diskussion betonte Escherich, daß auch er nicht glaube, daß bei 
Tetanie regelmäßig Epithelkörperchenhämorrhagien zu finden sind, im Gegenteil sei 
für die Tetanie nur eine vorübergehende Störung der Funktion anzunehmen. 
Blutungen und Degeneration der Epithelkörperchen können aber dadurch eine 
Disposition zur Tetanie schaffen, daß sie die Menge des funktionstüchtigen Ge¬ 
webes verkleinern. 

v. Reuß demonstriert ein 5 1 / i jähriges Mädchen mit chronischer rezidivierender 
Parotitis. Seit dem 2. Lebensjahre schwellen namentlich im Winter beide Parotiden 
stark an, im Sommer ist die Schwellung der Parotis geringer ohne völlig zu 
schwinden. R. glaubt, daß es sich um chronisch entzündliche Veränderungen 
handeln dürfte. 

Abel8 spricht über „Mitigierte Morbiden und verlängerte Inkubationszeit“. Bei 
zwei Mädchen (im Alter von 18 und 15 Jahren) sah der Vortr. am 17. Tage nach 
der Infektionsmöglichkeit eine sehr leichte Masernerkrankung. Beide Kinder 
hatten vielleicht dadurch eine größere Resistenz erworben, daß das eine Kind 
1 Jahr vorher schwere Masern überstanden, das zweite Kind in innigem Kontakte mit 
an Masern erkrankten Geschwistern vor mehreren Jahren keine Masern durchmachte. 

A. nimmt, da in der Literatur mehrmals 2 malige Masernerkrankungen bei 
Geschwistern bekannt sind, eine familiäre Disposition an. 

Als Grenzfalle der stark abgeschwächten Masernerkrankung resistenter In¬ 
dividuen hätten Masern ohne Exanthem zu gelten, sowie Masern mit söhr langer 
Inkubationszeit. 


Digitized by Google 



104 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3. 


Dafür gibt es in der allgemeinen Pathologie mehrfach Analoga, allerdings 
ist dabei vielfach die Verlängerung der Inkubationszeit durch Abschwächung des 
Virus und nicht durch Resistenzerhöhung des Organismus bedingt. Bei Scharlach 
ist häufig beobachtet, daß Fälle mit kurzer Inkubationszeit besonders schwer 
verlaufen. 

Die vaccinale Frühreaktion (v. Pirquet) steht zu den vorgebrachten Be¬ 
funden nur in scheinbarem Widerspruch, weil hier wahrscheinlich keine Ver¬ 
mehrung des Erregers eintritt. 

Eisenschitz bestreitet die familiäre Disposition für 2malige Erkrankungen. Mit 
der Diagnose Masern ohne Exanthem (febris morbillosa) solle man vorsichtig sein. 

Hochsinger definiert als Inkubationszeit die Zeit vom Moment der Infektion 
bis zum Beginne der Prodrome und nicht bis zur Proruption des Exanthems. 
Durch Verlängerung der Prodome kann dann leicht der Ausbruch des Exanthems 
noch hinausgeschoben werden. 

Pirquet bekämpft die Ansicht, daß Verlängerung der Inkubationszeit auf er¬ 
worbene Resistenz zurückzuführen sei. Im Gegenteil reagiert der Resistentere 
früher (sofortige und beschleunigte Reaktion bei Wiedererkrankung). Verlängerte 
Inkubationszeit bei der Impfung hat eher seine Ursache in späterer Entwicklung 
„vergessener“ Keime oder wird beobachtet bei Verwendung stark verdünnter 
Lymphe. 

Escherich warnt vor voreiliger Diagnose 2 maliger Masernerkrankung. Seit¬ 
dem durch die Koplikschen Flecke die Masern besser charakterisiert sind, fallen 
viele vorher als Masern bezeichnete Erkrankungen als andersartige Exantheme 
weg. Man kann jetzt Rubeolen, vierte Krankheit, Erythema infectiosum usw. 
besser abtrennen. Familiäre Disposition ist nur in dem Sinne zu akzeptieren, 
als Schwere und Intensität der Masemerkrankung bei gleicher Infektionsquelle 
von der Disposition der Individuen abhängig ist. 

Escherich anerkennt als Inkubationszeit ebenfalls nur die Zeit vom Momente 
der Infektion bis zum Eintritte der Prodrome. Diese Inkubationszeit ist für 
Masern im Gegensätze zu Diphtherie und Scharlach genau begrenzt und unab¬ 
hängig von der Menge des Infektionsstoffes und Diposition. E. denkt daher bei 
Erkrankungen mit bestimmter Inkubationszeit wie Masern und Variola an keine 
latente Vermehrung der Infektionsstoffe, sondern an „Generationswechsel des Er¬ 
regers“, ähnlich wie bei Malaria. Eine bestimmte Phase der Entwicklung löse 
Krankheitssymptome aus. 

Knöpfelmacher berichtet über Versuche mit Lymphe, die ergaben, daß 
durch Verdünnung mit Lymphe (1:1000) die Inkubationszeit der vaccinalen Ver¬ 
änderungen von 10 auf 17—19 Tage möglich sei. Herabsetzung der Zahl der 
restierenden Keime rufe also eine Verlängerung der Inkubationszeit hervor. 

B. Schick (Wien). 


74. Jahresversammlung der Brit. Nledic. Association. 

Abgehalten in Toronto (Kanada) vom 21.—25. August 1906. 

(Nach der Münch, med. Wochenschrift.) 

Abteilung für Kinderheilkunde. 

W. Lovett (Boston) sprach über Osteogenesis imperfecta. Es handelt sich 
um eine angeborene Erkrankung, bei der multiple Frakturen (besonders der langen 
Röhrenknochen) im intrauterinen Leben und im Säuglingsalter Vorkommen. Ein 
Kind zeigte bei der Geburt 113 Frakturen. Redner beschreibt die von ihm bei 
einer Sektion gefundenen Veränderungen des Knochensystems. 

Ewart (London) sprach über Atonia abdominalis bei Rachitis. Er empfiehlt 
Massage, Elektrizität und das 'fragen eines elastischen Gürtels. 

Dann sprachen Ashby und Stuart Mc Donald (Edinburgh) über die 
klinische und pathologische Seite der Pneumokokkeninfektion. 

Starr (Toronto) sprach über die Behandlung des tuberkulösen Abszesses. Ganz 
zu verwerfen ist die Inzision mit nachfolgender Drainage. Am besten ist bei 
kleinen Abszessen die Exstirpation des geschlossenen Sackes. Größere Abszesse 
werden breit gespalten, mit Jodoformgaze ausgerieben und dann völlig durch die 
Naht geschlossen. 


Digitized by Google 



III. Aus Vereinen und Versammlungen. 


105 


Blackader (Montreal) eröfihete eine Diskussion über den Rheumatismus der 
Kinder. Gelenkschwellungen fehlen häufig, man findet Tonsillitis, Chorea, Pleuritis, 
Erythema exsudativum usw. Die Tonsillen sind häufig die Eingangspforte für 
das Virus. In der Diskussion wurde betont, daß man in Amerika viel seltener 
als in England die subkutanen Knötchen beim Rheumatismus findet; die ameri¬ 
kanischen Ärzte scheinen viel weniger Salizylpräparate anzuwenden als die eng¬ 
lischen. 

Log an Turner sprach über angeborenen Stridor laryngoalis. Er glaubt, daß 
es sich um eine Koordinationsstörung und Spasmus der Atmungsmuskeln handelt, 
die zu einer Verstärkung des normalen infantilen Typus des Larynx fuhren, also 
zu einer erworbenen Deformität. Der krähende Ton kommt zustande durch die 
abnorme Näherung der aryepiglottischen Falten. 

Ashby glaubt auch, das es sich um eine Koordinationsstörung handelt. 

Cantley befürwortet eine angeborene Deformität des Larynx und zeigt 
ein Präparat. 

Jacobi glaubt, daß sehr verschiedene Ursachen zum Stridor führen können. 

Kesley (New York) eröfihete eine Diskussion über die Enterokolitis der Säug¬ 
linge. Er rät vor allem zur Prophylaxe. Die Stadt muß eine eigene Milchwirt¬ 
schaft einrichten und eine Anzahl von Frauen anstellen, die Hausbesuche machen 
und die Mütter über Kinderpflege und Ernährung belehren. 

Morse sprach über die Behandlung der Enterokolitis. Er unterdrückt im Beginn 
der Behandlung alle Ernährung. Kinder vertragen dies gut für 24 bis 72 Stunden, 
wenn man ihnen nur reichlich Wasser per rectum oder subkutan zuführt. Später 
gibt er Molken und pasteurisierte Buttermilch. 

La F6tra (New York) gibt im Beginn bei Kindern über 9 Monaten Glauber¬ 
salz, bei Säuglingen Kalomel und Rizinusöl; er wäscht den Magen und Darm 
aus und gibt später Opium. 

Nachdem Shaw (Montreal) über die Fettresorption bei Säuglingen gesprochen 
hatte, berichtete Ralph Vincent über die Walker Gordonsehen Milchlaboratorien, 
mit deren Hilfe ein Kind gerade so gut mit Kubmilch als an der Mutterbrust 
aufgebracht werden könne. 

Edmund Cantley (London) eröfihete eine Diskussion über die angeborene 
Pylorusstenose. Er unterscheidet zwischen funktionellem Spasmus des Pylorus, bei 
dem es zu heftigem Erbrechen ohne Magenerweiterung und Pylorustumor kommt, 
und zwischen der wahren hypertrophischen Stenose, von der er 16 Fälle sah. 
Fast alle traten während der ersten 3 Lebensmonate (meist im 1.) in die Er¬ 
scheinung. Das erste Zeichen ist meist Appetitmangel, dann tritt heftiges sto߬ 
weises Erbrechen auf (manchmal werden zwei Mahlzeiten auf einmal erbrochen). Es 
besteht Übelkeit und Erbrechen, starke Abmagerung und subnormale Temperatur. 
Man sieht lebhafte Peristaltik des Magens, kann Erweiterung desselben nach- 
weisen und einen Pylorustumor fühlen. Mikroskopisch findet man eine Hyper¬ 
plasie der Ringmuskulatur. Es handelt sich um eine angeborene Mißbildung 
atavistischer Natur; der Pylorus ähnelt der Magenmühle der Krustazeen und 
Edentaten sowie dem Kropf der Vögel. Der Spasmus mag die Obstruktion ver¬ 
mehren, ist aber nicht die Ursache der Hypertrophie. Nur die rein spastischen 
Fälle werden durch interne Maßnahmen (Kokain, Opium, Magenspülung) gebessert, 
die hypertrophischen Fälle sind frühzeitig zu operieren. Am besten wirkt die 
Pyloroplastik, gleich nach der Operation wird rektal ernährt. 

Harold Stiles (Edinburgh) hält es für unmöglich, zu entscheiden, ob der 
Pylorospasmus die Ursache oder die Folge der Hypertrophie ist. Er rät zur früh¬ 
zeitigen Operation unter Äthernarkose. Von 29 Devulsionen nach Loreta wurden 
15, von 37 Gastroenterostomien 16 geheilt. Ein Fall von Pylorektomie starb. 
Von 11 Fällen von Pyloroplastik wurden 5 geheilt. Bei zweifelhafter Diagnose 
soll man frühzeitig eine Probeinzision machen. 

R. Hutchison (London) hat 8 typische Fälle unter rein interner Behand¬ 
lung heilen gesehen, er verwirft die Operation, ähnlich urteilt Ashby. 

Vincent bezweifelt, daß es sich bei den ohne Operation geheilten Fällen 
wirklich um kongenitale hypertrophische Pylorusstenose gehandelt hat. 


Digitized by 


Google 



106 


Centralblatt fär Kinderheilkunde. No. 3. 


31. Jahresversammlung des Deutschen Vereins für öffent¬ 
liche Gesundheitspflege. 

Augsburg, den 12.—15. September 1906. 

(Nach Münch, med. Wochenschrift.) 

Die Milchversorgrung der Städte mit besonderer Berücksichtigung 
der Säuglingsernähmng. 

Referent: Stadtbezirksarzt Dr. Poetter (Chemnitz). 

Die Milch ist das wichtigste Nahrungsmittel für die Volksernährung. Von 
ihrer Güte hängt das Gedeihen und die Gesundheit weiter Bevölkerungskreise, 
insbesondere des Bevölkerungsnachwuchses, der Kinder, ab. 

Als Kindernabrung steht die Milch konkurrenzlos da. 

Die gesundheitliche Bedeutung der Milch als Volksnahrungsmittel, namentlich 
für die Säuglingsernährung, hat immer mehr zugenommen, seitdem aus verschiedenen 
Gründen besonders in den Städten die natürliche Brusternährung der Kinder zurück¬ 
gegangen ist Wenn auch durch geeignete Maßnahmen eine Besserung in bezug 
auf das Stillen der Kinder erreicht werden kann, so wird doch auch in Zukunft 
die Mehrzahl der Kinder auf die Kuhmilch als hauptsächliches Nahrungsmittel 
angewiesen bleiben. 

Referent ist der Ansicht, daß von sämtlichen in Deutschland geborenen 
Kindern höchstens die Hälfte gestillt wird, 1 Million weiterer neugeborener Kinder 
ist auf Milchernährung angewiesen, dazu etwa 4 Millionen andere kleine Kinder, 
sowie schließlich die stillenden Frauen selbst. 

Die Milch kann als gesundheitlich einwandfreies Nahrungsmittel nur dann 
gelten, wenn sie frei von schädlichen Stoffen ist. Schlechtes, unzweckmäßiges 
Futter macht die Milch schlecht, ebenso zu viel Schlempe. Zahlreiche Krankheits¬ 
erreger, Maul- und Klauenseuche, Eiter und Tuberkelbazillen usw. gehen in die 
Milch über. Typhus und Scharlach können von den menschlichen Händen in die 
Milch kommen, auch das Spülen der Eimer mit schlechtem Wasser kann eine 
Infektion der Milch veranlassen; mangelnde Reinlichkeit kann starke Verun¬ 
reinigung der Milch verursachen. Ein gewisser Schmutzgehalt darf nicht in 
Kauf genommen werden. Die Milch zieht riechende Stoffe sehr leicht an. Das 
Publikum kennt den reinen Geschmack der Milch meist überhaupt nicht. Die 
Milch muß von ganz gesunden Tieren stammen, dieselben geben eine einwand¬ 
freie, saubere, auch bakteriologisch saubere Milch. Eine ganz reine Milch ließe 
sich ruhig als Säuglingsmilch verwenden. Eine ganz bakterienfreie Milch läßt 
sich nicht erzielen. Saprophyten der Milch, Milchsäureerreger, Erreger der Butter¬ 
säuregärung, Heu- und Kartoffelbazillen sind in der Milch nur schwer vermeidbar, 
letztere sind äußerst widerstandsfähig und gesundheitsschädlich. Bis vor kurzem 
glaubte man alle Schädigungen der Milch durch Sterilisierung zu verhüten, zu 
lange Sterilisation vernichtet wichtige Eigenschaften der Milch, ohne sie völlig 
vor Zerstörung zu sichern. Sind zu viel Bakterien bereits gewuchert, so ist eine 
Sterilisierung überhaupt nicht mehr möglich. Eine große Gefahr droht der Milch 
im Hause der Händler und im Hause der Konsumenten: die Wärme der Woh¬ 
nungen, das schlechte Auf bewahren. Das beste Mittel gegen die alsbaldige 
Bakterien Wucherung in der Milch ist die sofortige Abkühlung nach dem Melken 
und Kühlhaltung auf dem Transport. 

Die städtische Milchkontrolle bestimmt gegenwärtig nur den Fettgehalt, eine 
bakteriologisch schlechte, eine zersetzte oder im Verderben begriffene Milch kann 
ungehindert passieren, hiergegen besteht kein Schutz! 

Gegenwärtig sind die Voraussetzungen, eine einwandfreie Milch zu erhalten, 
nur selten erfüllt und von einer erheblichen Preiserhöhung der Milch abhängig; 
einwandfreie Milch ist daher, abgesehen von den vereinzelten Fällen, wo private 
und städtische Fürsorge die Milchversorgung weiterer Kreise in die Hand ge¬ 
nommen haben, gegenwärtig ein Luxusartikel für die bemitteltere Bevölkerung; die 
Ausbreitung der Milchversorgung auf weitere Kreise scheitert an den hohen Kosten. 

Es ist zu erstreben, daß alle in Verkehr kommende Milch, und namentlich 
alle zur Säuglingsemährung dienende Milch einwandfrei sei. Dieses Ziel kann 
ohne wesentliche Erhöhung des Milchpreises erreicht werden, weil alle hierzu 
nötigen Maßregeln gleichzeitig dazu dienen und schon an sich notwendig sind, 


Digitized by Google 



III. Aus Vereinen und Versammlungen. 


107 


am die Gesundheit und die Ergiebigkeit des Milchviehes, also die Wirtschaftlich¬ 
keit des Betriebes zu erhöhen; durch Erhöhung der Sauberkeit bleiben die Kühe 
gesünder, der Milchertrag wird reicher. 

Zur Erreichung dieses Zieles ist der Erlaß reichsgesetzlicher Bestimmungen 
über die Produktions- und Verkehrs Verhältnisse der Milch erforderlich, wobei 
Einzelbestimmungen, namentlich über den Fettgehalt, der landes- und ortsgesetz¬ 
lichen Regelung zu Überlassen sind. Die reichsgesetzlichen Bestimmungen hätten 
gleichzeitig die Tuberkulosetilgung zu umfassen, ähnlich wie bei der Tuberkulose¬ 
bekämpfung durch die Fleischbeschau. 

Die Produzenten sind seitens der landwirtschaftlichen Vereine fortdauernd 
über die Gewinnung und Lieferung einer tadellosen Milch zu belehren; ihre Be¬ 
triebe sind regelmäßig zu überwachen. Durch selbständige Unterstellung unter 
eine Kontrolle könnte gleichfalls erhebliche Besserung erzielt werden, beispiels¬ 
weise wenn die betreffenden Produzenten ihre Milch unter dem Namen „I. Qualität“ 
liefern könnten. 

Die Städte haben den Verkehr mit Milch ortsgesetzlich zu regeln und hierbei 
nicht so sehr wie früher ihr Augenmerk auf Fettgehalt, spezifisches Gewicht usw. 
als vielmehr auf die Ermittelung der sauberen, unzersetzten und unschädlichen 
Beschaffenheit der Milch zu richten. 

Am zweckmäßigsten wäre die Einrichtung von „Milchhöfen“ oder „Milch¬ 
zentralen“ (entsprechend den der Zentralisation des Fleischverkehrs dienenden 
Schlachthöfen), welche im Besitze und Betriebe der Stadt sind oder zum mindesten 
durch eigens angestellte, entsprechend vorgebildete städtische Beamte überwacht 
werden. In diesen Zentralstellen, deren in größeren Städten mehrere bestehen 
konnten, soll die gesamte Milch zusammenfließen; hier wird sie nach etwaiger 
Reinigung, Kühlung und Zubereitung in Transportgefaße gefüllt und durch ent¬ 
sprechend eingerichtete Verkaufswagen oder Verkaufsstellen an das Publikum ab¬ 
gegeben. 

Der jetzt übliche Kleinhandel mit Milch ist als unhygienisch zu bezeichnen; 
insbesondere wegen der Behandlung der Milch im Hause des Verkäufers, ebenso 
ist unhygienisch das Umschöpfen, Umfüllen und Abmessen der Milch auf der 
Straße. Mit der Milchzentrale sind Säuglingsmilchküchen zu verbinden, hierselbst 
ist für die verschiedenen Lebensalter der Säuglinge trinkfertige Milch herzustellen. 
Die Gewährung von Prämien an stillende Frauen bzw. die Regelung dieser Frage 
kann an die Milchküchen angegliedert werden. Auch die industriellen Anlagen 
könnten hier tätig sein. 

Die Bevölkerung ist fortlaufend über die richtige Behandlung der Milch zu 
belehren und hierin zu unterstützen. Der Bezug einwandfreier Säuglingsmilch, 
wobei gleichzeitig eine Beratung der Mütter stattfinden kann, muß auch den Un¬ 
bemittelten ermöglicht werden, ohne daß jedoch die auf Verbreitung des Selbst¬ 
stillens hinzielenden Bestrebungen beeinträchtigt werden. 

Der allgemeine Genuß guter Milch kann in vorteilhafter und gesundheitlich 
wünschenswerter Weise gehoben werden durch Errichtung von Milchhäuschen, 
Milchautomaten usw. 

Korreferent: Beigeordneter Brugger (Köln) führt aus: 

Angesichts der Tatsache, daß der Wert der jährlich im Deutschen Reiche 
erzeugten Milch rund 1700 Millionen Mark beträgt, und daß ein ganz erheblicher 
Teil der Milch dem unmittelbaren Genüsse durch die Bevölkerung dient, besteht 
allgemein ein starkes Interesse an der gesundheitlich einwandfreien Beschaffenheit 
dieses Nahrungsmittels; deswegen ist eine Reform der Milchproduktion und des 
ganzen Milchhandels notwendig. Gibt es doch in Deutschland 15 Millionen Milch¬ 
kühe; */ 4 der täglich gewonnenen Milch wird getrunken und besonders in der 
Säuglingsemährung verwendet. Die Selbstkosten der gewonnenen Milch betragen 
nach einem Durchschnitt von 68 großen Gütern berechnet 13,5 Pf. pro Liter und 
gezahlt wird durchschnittlich 15—18 Pf. hierfür. 

Die Forderungen, welche für die Gewinnung einer reinen, gesunden und 
guten Milch gestellt werden (ständige tierärztliche Überwachung der Milchkühe, 
Tuberkuloseversicherung und Ausscheidung kranker Tiere, einwandfreie Fütterung 
der Tiere, gute Beschaffenheit der Ställe und der Melkeinrichtungen, die öftere 
(4mal tägliche) Entfernung des Mistes, die feuchte Reinigung der Krippen, die 
öftere Weißung des Stalles, peinliche Sauberkeit des Melkpersonals, Bereitstellung 
von Seife und Handtüchern, sofortige Tiefkühlung und zweckentsprechender Trans- 


Digitized by Google 



108 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 8. 


port der Milch) sind mit solchen Kosten verknüpft, daß sie eine Erhöhung des 
Milchpreises zur Folge haben müssen. Ein Beweis dafür sind die großen milch¬ 
versorgenden Länder Dänemark und Schweden. 

Aus den angegebenen Gründen ist der Erlaß eines Reichsgesetzes, durch 
welches jene Forderungen festgelegt werden, zurzeit nicht zu empfehlen. Es 
ist vielmehr der Boden für eine spätere gesetzliche Regelung ganz allgemein 
durch Verwaltungsvorschriften für größere Bezirke (Provinzen, Regierungsbezirke) 
vorzubereiten, die sich den örtlichen Bedürfnissen und vor allem den Fortschritten 
von Wissenschaft und Technik leichter anpassen lassen. Ortsgesetzliche Er¬ 
gänzungen, besonders für den Milchhandel, sind außerdem notwendig; von großer 
Bedeutung ist, daß die Polizei Vorschriften vielfach nur den Händler und nicht 
den Produzenten treffen. Vor allem aber ist es notwendig, erzieherisch ein¬ 
zuwirken und sowohl in den Kreisen der Produzenten, als auch besonders in 
denen der Konsumenten, das Verständnis für den Wert einer gesunden, reinlich 
gewonnenen und bis zum Verbrauche gut erhaltenen Milch zu wecken und rege 
zu halten. 

Von Interesse ist hier, daß auf der neuen Hochschule in Köln ein ent¬ 
sprechender Kursus abgehalten wird. 

Eine ganz wesentliche Förderung der auf die Verbesserung der Milch ge¬ 
richteten Bestrebungen ist zu erhoffen, wenn die Staats-, Gemeinde- und andere 
Behörden dazu übergehen, den Milchbedarf für die ihnen unterstellten Anstalten 
nicht schlechthin an den Mindestfordernden zu vergeben, sondern unter Ge¬ 
währung eines angemessenen Preises an vertrauenswerte Personen, die vertraglich 
die Beobachtung der für die Gewinnung einer reinen und gesunden Milch auf¬ 
gestellten Grundsätze sichern, dagegen gehört die Anlage von Musteranlagen 
nicht in den Rahmen der Städte. 

Da die Anfuhr der Milch nach den Städten zum großen Teil mit der Eisen¬ 
bahn erfolgt, muß gefordert werden, daß während der warmen Jahreszeit sowohl 
auf den Stationen wie in den Güterwagen Gelegenheit zur kühlen, sauberen Auf¬ 
bewahrung der Milch gegeben wird. Der Milchtransport in eckigen Kannen, die 
eng aneinander gestellt werden können, ist sehr empfehlenswert, ebenso die Ein¬ 
richtung eigener Milchzüge. 

Der Vorschlag, in den Städten kommunale oder unter kommunaler Aufsicht 
stehende Milchhöfe einzurichten, in denen die Milch gegen Zahlung geringer 
Gebühren gereinigt, gekühlt und gut auf bewahrt werden kann, verdient ernste 
Beachtung, jedoch muß die Reinigung der Milch vor allem beim Produzenten 
vorgenommen werden. 

Die Gemeinden sind verpflichtet, für die unbemittelte Bevölkerung Milch¬ 
küchen zur trinkfertigen Herstellung von Säuglingsmilch einzurichten. Eine un¬ 
erläßliche Ergänzung dieser Milchküchen sind ärztlich geleitete Mütterberatungs¬ 
stellen, welche in erster Linie für die natürliche Brusternährung zu wirken und 
die Abgabe der Säuglingsmilch zu überwachen haben. In den Beratungsstellen 
ist unter anderem auch darauf hinzuweisen, daß die Kinder nicht überernährt 
werden. Referent beschreibt zum Schlüsse seiner Ausführungen die inneren Ein¬ 
richtungen der Milchküchen in Bergisch-Gladbach und München-Gladbach und 
empfiehlt nochmals den Anschluß der Küchen an die Schlachthöfe. 


Rheinisch-westfälische Gesellschaft für innere Medizin 
und Nervenheilkunde. 

(Nach Münch, med. Wochenschrift.) 

IX. ordentliche Versammlung am 17. Juni 1906 in Düsseldorf. 

Herr Aug. Hoffmann (Düsseldorf): Zur Ätiologie des chronischen Ikterus im 
Kindesalter. (Große Zyste des Ductus choledochus.) 

Ein 13jährige8 Mädchen erkrankte im Sommer 1905 aus unbekannter Ur¬ 
sache an Ikterus, welcher keinerlei Behandlung vollständig wich, dagegen in der 
Intensität sehr schwankte. Das Mädchen befand sich lange Zeit in klinischer 


Digitized by 


Google 



III. Aus Vereinen und Versammlungen. 


109 


Behandlung. Die Untersuchung des Leibes ergab Vergrößerung der Leber und 
in der rechten Mamillarlinie eine apfelgroße unter der Leber liegende Geschwulst, 
die als die vergrößerte Gallenblase gedeutet werden mußte. Dieselbe war prall 
elastisch und auf Druck nicht schmerzhaft. Die Leber war im ganzen auf¬ 
getrieben , sonst war überall voller Perkussionsschall. Auch ließ sich keine 
weitere Geschwulst palpieren, nur hatte man den Eindruck, daß in der Tiefe 
eine vermehrte Resistenz vorhanden sei. Das Befinden war wechselvoll, wochen¬ 
lang trat gefärbter Stuhl auf, dann wiederum war derselbe hellgrau und enthielt 
keine Gallenfarbstoffe, der Urin war stets dunkel und enthielt stets Gallen¬ 
farbstoffe. 

Da sich trotz aller angewandten Kuren eine durchgreifende Besserung nicht 
zeigte, das Kind stets ikterisch blieb und schließlich der bis dahin gute Appetit 
nachließ und am 12. III. eine Nierenblutung aufgetreten war, welche allerdings 
nur 2 Tage bestand, so mußte bei dieser bedrohlichen Erscheinung die Frage 
der Operation erwogen werden. 

Die Diagnose wurde gestellt auf einen den Ductus choledochus komprimie¬ 
renden Tumor, dessen Lokalisation und Art mit Sicherheit nicht zu bestimmen 
war, auch wurde gedacht an etwaige (tuberkulöse?) Verwachsungen, welche den 
Gallengang zusammenschnüren könnten. Da niemals Schmerzen vorhanden waren, 
konnte ein Stein ausgeschlossen werden, der ja auch in diesem Lebensalter sehr 
unwahrscheinlich war. 

Bei der vorgenommenen Probelaparotomie fand sich zunächst die vergrößerte 
Leber und die vom Hilus etwas nach außen gedrängte, prall gefüllte Gallenblase. 
Nachdem der Darm beiseite geschoben &ar, fand sich unterhalb der Leber ein 
kindskopfgroßer, glatter Tumor, der deutliche Fluktion zeigte. Es wurde die 
Tumorwand mit der Bauchwand vernäht und inzidiert. Es entströmte der Zyste 
ca. I 1 /« Liter grünlichgelbe schleimige Flüssigkeit, dieselbe war klar, gab GaUen- 
reaktion, enthielt aber kein diastatisches Ferment. Der Exitus erfolgte BO Stunden 
später an einer Nachblutung. 

Das vorgezeigte Präparat läßt erkennen, daß der Tumor aus einer kugel¬ 
förmigen Zyste des Ductus choledochus besteht Dieselbe kommunizierte mit der 
Gallenblase, die sich auch bei der Operation entleerte. Der Ausführungsgang 
zum Dahn war außerordentlich schwer zu finden. Derselbe ist als ein feiner 
Schlitz in der inneren glatten Wand des Tumors erkennbar und verläuft in 
dieser. Der Ausführungsgang ist offenbar verengt und durch den Druck der in 
der Zyste befindlichen Flüssigkeit zugepreßt gewesen. Die innere Wand der 
Zyste ist mit schwarz-grünem, feinen Konkrement bedeckt, das aus nieder¬ 
geschlagenen Gallenfarbstoffen besteht. 

Bei der Beurteilung des Falles kommt man wohl zu dem Schluß, daß es 
sich um eine angeborene oder doch in früher Kindheit entstandene Zyste des 
Ductus choledochus handelt, die zunächst symptomlos verlief, bei weiterer Ver¬ 
größerung und stärkerer Füllung den Ausgang zum Darm versperrte und zeit¬ 
weilig wieder freiließ, wodurch der zeitweilig gefärbte Stuhl sich erklärt. Trotz¬ 
dem derartige Fälle außerordentlich selten sind, — dem Vortragenden ist nur der 
von Dre8mann auf dem Chirurgenkongreß erwähnte bekannt, — so wird man 
doch in Fällen von chronischem Ikterus im jugendlichen Alter an die Möglichkeit 
einer solchen Zyste denken müssen. 

Diskussion: Herr Huismans (Köln): Der Fall, welchen Herr Kollege 
Dresmann beschrieb, ist mir bekannt. Es handelt sich um eine ca. 20jährige 
Patientin, welche seit frühester Jugend an remittierendem Ikterus litt und den¬ 
selben Befund bot, wie die Patientin des Herrn Hoff mann. Es wurde ebenfalls 
an eine Zyste im Pankreaskopf gedacht. In operatione Eröffnung einer Zyste 
und Entleerung einer großen Menge schleimig - wässeriger Galle. Exitus nach 
einigen Wochen. In obductione ein Klappen Verschluß des unteren, in spitzem 
Winkel ins Duodenum mündenden Choledochusendes, enorme Dilatation des 
letzteren und aller Gallengänge. 

Herr Fleischhauer (Düsseldorf) macht darauf aufmerksam, daß bei dem 
Präparat in der Umgebung der Zyste starke peritonitische Stränge bestehen*. Er 
stellt sich die Entstehung so vor, daß es ähnlich wie die Entstehung des Hydrops 
vesicae felleae durch Pericholezystitis, auch in diesem Falle durch Abknickung 
infolge solcher Stränge zur Zystenbildung gekommen sein könnte. Er fuhrt dafür 
CentndbL f. Kinderhlkde. XII. 9 


Digitized by 


Google 



110 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3. 


an die Hypertrophie der Zystenwandung, die offene Kommunikation des Chole- 
dochus mit dem Darm, den Mangel einer Klappe an der offenen Choledochus- 
mündung aus der Zyste. Derartige Stränge können durch mancherlei Ursachen 
entstehen: Erweichung von Drüsen usw. Für diese Auffassung spricht das Alter 
des Kindes, 12 Jahre, der Verlauf der Krankheit erst in den letzten Jahren. 
Redner betont jedoch, daß solche Feststellungen nur bei der Sektion zweifellos 
gemacht werden können, und bittet die Herren, in vorkommenden Fällen darauf 
zu achten. 

IV. Neue Bücher. 

Immelmann. Zehn Jahre Orthopädie und Röntgenologie 1896—1906. (Als Manuskript 
gedruckt.) 

In einem kleinen, prächtig ausgestatteten handlichen Büchlein gibt der un¬ 
ermüdliche Verfasser seinen Kollegen Bericht über die bisherige Tätigkeit in 
seiner orthopädisch-heilgymnastischen Anstalt mit Röntgenlaboratorium und fügt 
einige interessante Arbeiten aus seinem Spezialgebiet hinzu. Während ich die 
Besprechung der „Fortschritte in der Orthopädie und die Bedeutung der Röntgen¬ 
strahlen für dieselbe“ berufeneren Federn überlassen muß, möchte ich aus der 
zweiten „die Bedeutung der Röntgenstrahlen für den ärztlichen Begutachter“ be¬ 
titelten Arbeit einiges hervorheben, w&s auch den Kinderarzt interessiert. 

Die häufig dem Gerichtsarzt und Praktiker vorgelegte Frage, ob ein neu¬ 
geborenes Kind nach oder während der Geburt gelebt hat, ob ein Fötus lebens¬ 
fähig gewesen ist und wie weit seine Entwicklung vorgeschritten sei, läßt sich 
durch eine einzige Röntgenphotographie recht sicher und rasch beantworten. 
Keine der bisher geübten Methoden gestattet uns, die Entwicklung des Knochen¬ 
gerüstes vom Beginn des dritten Monats des fötalen Lebens an und das Auftreten 
der Verknöcherungsherde so mühelos zu studieren wie die Untersuchungen mittels 
der Röntgenstrahlen; während man früher z. B. den Knochenkern im distalen 
Femurende, dessen Vorhandensein das Überschreiten der 30. Woche des fötalen 
Lebens, also des gesetzlich für die Lebensfähigkeit eines Fötus maßgebenden Zeit¬ 
punktes vermuten läßt, nur durch mühsame Präparation auffinden konnte, ist es 
jetzt durch eine Röntgenaufnahme sogar möglich, an einer Vorgefundenen oberen 
oder unteren Extremität ohne weiteres das Lebensalter des betreffenden Individuums 
zu bestimmen. Verf. macht darüber genaue Einzelangaben, hinsichtlich deren 
ich auf das Original verweise. 

Auch die Frage, ob der Fötus in oder nach der Geburt geatmet hat, ist 
jetzt durch eine einzige Röntgenaufnahme genügend zu beantworten, da die 
atelectatische Luuge einen Schatten gibt, die lufthaltige nicht. Einzelheiten mag 
man in der Originalarbeit, die auch jedem Kollegen auf Wunsch zugesandt wird, 
nachlesen. Wegscheider (Berlin). 

L. Bruns. Die Hysterie Im Kindesalter. Halle a. S. 1906. Verlag von C. Marhold. 
2. Auflage. Preis: Mk. 1,80. 

Bereits beim Erscheinen der 1. Auflage haben wir diese lehrreiche Mono¬ 
graphie warm empfohlen. Das Erscheinen einer neuen Auflage beweist, daß die 
kleine Broschüre auch einen großen Leserkreis gefunden hat. Möge auch die 
Neuauflage, welche vielfache Veränderungen zeigt, wieder in recht weiten Arzte- 
kreisen Eingang finden, damit die auch für das Kindesalter recht wichtige Er¬ 
krankung besser bekannt und gewürdigt werde! Grätzer. 

E. Suckow. Leitfaden zur Errichtung von Kindermilchanstaiten. Hannover 1906. Verlag 
von M. & H. Sch aper. Preis: Mk. 2,—. 

Der Leiter der städtischen Kinder- und Kurmilchanstalt zu Bergisch-Glad- 
bach hat sich ein großes Verdienst dadurch erworben, daß er seine Erfahrungen 
der Öffentlichkeit übergibt, die bei derartigen kommunalen Anlagen volle Be¬ 
rücksichtigung verdienen. Die praktischen Winke, die der Verf. gibt, werden 
vielen Nutzen schaffen und lassen den Wunsch auf kommen, daß das Büchlein 
weite Verbreitung finden möge. Grätzer. 


Digitized by Google 



IV. Neue Bücher. — V. Monats-Chronik. 


111 


H. J. Hancock. Japanische Gymnastik für Kinder und Mädchen. Stuttgart Verlag 
von J. Hoffmann. Preis: Mk. 2,—. 

Ein recht lesenswertes Büchlein, das der Kinderarzt in seiner Klientel warm 
empfehlen sollte. Die Kräftigung und Stählung des Körpers durch die hier in 
Wort und Bild beschriebenen, auf der Basis des japanischen Jiu-Jitsu beruhenden 
Spiele und Übungen geschieht in so rationeller, dabei kurzweiliger und den Kindern 
sicherlich viele Freude bereitender Form, daß man kaum Schwierigkeiten haben 
wird, diese Gymnastik allgemein einzufuhren und damit ungemein zu nützen. 

Grätzer. 


Nene Dissertationen. 

(Aus deutschen Universitäten.) 

Bendix, H., Über Kinderpsychosen, mit besonderer Berücksichtigung ihrer 
Frequenz und Prognose (Rostock). — Buch, E., Über posttraumatische Sarkomatose 
im jugendlichen Alter (München). — Dau, H., Die Säuglingssterblichkeit in Greife¬ 
wald 1901—1905 (Greifswald). — Dupuls, Fr., Ein Fall von Atresia ani et recti 
congenita (Bonn). — Dyrenfurth, F., Über feinere Knochenstrukturen mit besonderer 
Berücksichtigung der Rachitis (Freiburg). — Grain, G. de, Zystenniere und Zysten- 
leber beim Neugeborenen als Entwicklungsstörung in ihrer Beziehung zur Ge- 
Schwulsttheorie (Breslau). — Greiffenberg, M., Über den Einfluß der Abnabelungs¬ 
zeit (Halle). — Kache, W., Über charakteristische Merkmale und Resistenz des 
Micrococcus meningitidis cerebrospinalis (Breslau). — Lachmann, A., Über das 
Verhalten der Kalkausscheidung bei fieberhaften Erkrankungen von Säuglingen 
(Breslau). — Lehle, A., Ein Fall von Raynaudseber Krankheit im Säuglingsalter 
(München). — Mohn, F., Die Veränderungen in Placenta, Nabelschnur und Eihäuten 
bei Syphilis und ihre Beziehungen zur Spirocbaete pallida (Leipzig). — Prein, M., 
Ein Beitrag zur Ätiologie des plötzlichen Todes im Säuglingsalter (Kiel). — Ritz¬ 
mann, H., Ovarialtumoren bei Kindern (Breslau). — Schütze, Chr., Isolierte Spiral¬ 
brüche und Fissuren der Tibia im kindlichen Alter (Würzburg). — Schulte, 
Rachitische Kurvaturen und ihre Behandlung (Halle). — Tinnefeid, W., Bericht 
über 22 in der Gießener Augenklinik an Cataracta congenita behandelte Kranke 
(Gießen). — .Wicke, H., Über den Scheintod der Neugeborenen (München). — 
Wildt, G., Über kongenitale Divertikelbildung der kindlichen Blase mit konsekutiver 
Hydronephrose. 


V. Monats-Chronik. 


Berlin. Seitens des Kultusministeriums finden zurzeit Erhebungen darüber 
statt, ob und in welcher Weise an den Hebammenlehranstalten für die praktische 
Uuterweisung in der Säuglingspflege Sorge getragen ist oder werden soll. Es haben 
sich Mängel in der Ausbildung der Hebammenschülerinnen nach dieser Richtung 
hin gezeigt; im Interesse einer erfolgreichen Bekämpfung der Säuglingssterblich¬ 
keit ist es erforderlich, daß in der Säuglingspflege gut unterrichtete Hebammen 
mitwirken. 


— Zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit sind von der Stadt erhebliche 
Mittel nachbcwilligt worden. 

— Ein Kindererholungsheim ist in Berlin (Gr.-Lichterfelde-West, Albrechtstr. 14a, 
Telephon Nr. 67) im November 1906 gegründet worden. Das Heim soll eine wirk¬ 
same Ergänzung der Walderholungsstätten bilden, die in der kalten Jahreszeit 
geschlossen bleiben, sowie solchen Kindern zugänglich gemacht werden, die auch 
in der warmen Jahreszeit aus besonderen Gründen in die außerhalb belegenen 
Erholungsstätten nicht aufgenommen werden können, weil sie z. B. zu angegriffen 
sind, um die Fahrt zu vertragen. Die Vorteile der Walderholungsstätte bietet 
der große, inmitten von anderen großen Gärten gelegene Garten des Heims ohnehin. 
Das Kindererholungsheim hat sich deshalb die Aufgabe gestellt, vorbeugend zu 


Digitized by 




112 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 3. 


wirken, um den Kräftezustand skrofulöser oder schwächlicher, aus tuberkulösen 
Familien stammender Kinder auch nach überstandener Krankheit zu heben. Die 
Aufnahme anderer schwächlicher Kinder ist nicht ausgeschlossen, sofern keine 
Ansteckungsgefahr vorliegt. Der Pensionspreis beträgt pro Kind und Tag 1,50 Mk. 
Das Heim verfügt über 30 Betten und ist während des ganzen Jahres in Betrieb. 
Ein Arzt wohnt im Hause. Die Behandlung kann jedoch auf Wunsch dem be¬ 
handelnden Arzte verbleiben. Anmeldungen werden im Heim selbst und in den 
Auskunfts- und Fürsorgestellen für Lungenkranke entgegengenommen, und zwar 
für NW., W. und C. in der Charite, für N. in der Luisenstr. 8 (Geh. Med.-Rat 
Prof. Dr. Wolff), für 0. und NO. in der Palisadenstr. 25, für S., SW. und SO. 
in der Neuenburgerstr. 23. — Die Besichtigung ist jederzeit gern gestattet. 

— Prof. Dr. Joachimsthal ist neben Prof. Hoffa in die Redaktion der 
Zeitschrift für orthopädische Chirurgie eingetreten. 

Rizdorf. Eine Säuglingsfürsorgestelle wird am 1. April eingerichtet. 

Dresden. Das von Dr. Schloßmann begründete Säuglingsheim, das bisher 
von einem Verein unterhalten wurde, soll, nach einem Beschluß der Dresdener 
Stadtverordneten, in städtische Verwaltung übergehen. Bisher hatte die Stadt¬ 
kasse einen jährlichen Zuschuß von 18 000 Mk. geleistet. Das Dresdener Säug¬ 
lingsheim ist eine Musteranstalt, ihr verdankt Dresden bereits eine ganz wesent¬ 
liche Abnahme seiner Kindersterblichkeit Die Anstalt ist für viele andere in 
Deutschland vorbildlich geworden. Man kann nur wünschen, daß das Verständnis, 
das die Stadt Dresden durch Übernahme der Anstalt für deren Bedeutung be¬ 
weist, für andere Stadtverwaltungen ebenfalls vorbildlich sein möge. 

(Münch, med. Wochenschrift.) 

Heidelberg. Zum Nachfolger von Geh. Hofrat Vierordt in der Leitung 
der Luisenheilanstalt (Kinderklinik) sind primo et aequo loco vorgeschlagen Dozent 
H. Feer (Basel) und Prof. Finkeistein (Berlin). 

— Prof. Vulpius (Orthopädische Chirurgie) wurde zum korrespondierenden 
Mitglied der Soci6t6 internationale de la Tuberculose in Paris ernannt 

München. Der bisherige Privatdozent für Kinderheilkunde an der Grazer 
Universität, Dr. Ernst Moro, hat sich mit einem Probevortrag: „Endogene In¬ 
fektion und Desinfektion^ für das gleiche Fach in München habilitiert. 

— Um einen Überblick über den derzeitigen Stand der Obsorge für die krüppel- 
haften Kinder und eine Grundlage für den weiteren Ausbau der KrUppelfUrsorge in 
Bayern zu gewinnen, haben die beiden Ministerien des Innern eine Erhebung 
über die Zahl der in Bayern vorhandenen krüppelhaften Kinder angeordnet. 
Hierzu sind entsprechende Anordnungen an die Distrikts-, Verwaltungs-, Ge¬ 
meinde- und Schulbehörden sowie die Vorstände der Heil- und Pflege-, der Er- 
ziehungs- und Unterrichtsanstalten ergangen. Am 10. Januar 1907 ist eine Zählung 
der im schulpflichtigen Alter stehenden krüppelhaften Kinder vorzunehmen. Als 
krüppelhaft gelten die Kinder, welche infolge angeborener Fehler oder durch 
Verlust, Verkrümmung, Lähmung oder Muskelkrampf einzelner Körperteile in 
der Bewegungs- und Gebrauehsfähigkeit ihrer Gliedmaßen dauernd beeinträchtigt 
sind. Die Erhebung erstreckt sich auf alle Kinder, die am Erhebungstag das 
6. Lebensjahr vollendet und das 14. noch nicht überschritten haben. Ausgenommen 
sind nur jene, welche die Schule deshalb nicht besuchen, weil sie zu Beginn des 
laufenden Schuljahres das 6. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten. 

(Münch, med. Wochenschrift.) 

Basel. Wie wir vernehmen, hat Herr Dr. med. E. Feer, Privatdozent, 
die an ihn ergangene Berufung an die neubegründete Professur für Kinderheil¬ 
kunde an der Universität Heidelberg und zum Direktor des dortigen Kinderspitals 
angenommen. (Münch, med. Wochenschrift) 

Malstatt-Burdach. Der Stadtrat hat beschlossen, die zahnärztliche Be¬ 
handlung der Schulkinder zwei Zahnärzten zu übertragen und dafür jedem eine 
Jahr es Vergütung von 2500 Mk. zu gewähren. 

Gestorben: Dr. B. Unterholzner, Direktor und Primärarzt des Leopold¬ 
städter Kinderspitales in Wien. 


Verantwortlicher .Redakteur: Dr. Eugen Graetzer in Friedenau-Berlin. — Verlag von Johann 
Ambrosius Barth in Leipzig. — Druck von Metzger & Wittigin Leipzig. 


Digitized by 


Google 





. Eine Monatsschrift für praktische Ärzte. 


Unter Mitwirkung von 

Da. BENNECKB (Jeka), Da. ERNST DEUTSCH (Budapest), 

Prof. Da. EVERSBUSCH (München), Da. G. FINDER (Charlöttenbubo), Da. TH. 
FREYHAN (Berlin), Da. W. GABEL (Lemberg), Doz. Da. GRAANBOOM (Amsterdam), 
Pbit.-Doz. Da. R. HECKER (München), Pbop. Da. JOACHIMSTHAL (Berlin), 
Da MAX JOSEPH (Berlik), Da. M. KAUFMANN (Mannheim), Da. P. MAAS 
(Aachen), Da. KURT MENDEL (Berlin), Pbit.-Doz. Da. ADOLPH H. MEYER 
(Kopenhagen), Da. NETTER (Pforzheim), Da. PRÜ88IAN (Wiesbaden), Pbiv.-Doz. 
Da £. SCHREIBER (Magdeburg), Pbit.-Doz. Db. H. B. SHEFFIELD (New York), 
Da A. SONNTAG (Berlin), Pbop. Da H. STARCK (Kablsbuhn), Da. E; TOFF 
(Braela, Rumänien), Pbop. Da. VULPlUS (Heidelberg), Da. WEGSCHEIDER 
(Berlik), Da WENTZEL (Zittau), Da. WOLFFBERG (Bbeblau) 

herausgegeben von 

Dr. med. Rügen Graetzer, 

Friedenau-Berlin. 


HL Jahrgang. April 1907. 


Nr. 4. 


Inhalt. 

L Originalbeiträge. s.k. 

Prof. Dr. P e 1 s - L e u 8 d e u, Ober Sehnengeschwiilstchen bei Kindern . . 113 

n. Referate. 

Momburg, Zwei- und mehrfache Teilung der Sesambeine der großen Zehe 117 

F. Jurcie, Ein F$tll von Hyperphaiangie beider Daumen.117 

ßernhard Bauer, Kongenitale hereditäre Anomalie des Fingerskeletts . 117 
A. Babes, Chronische zystische Synovitis der Sehnenscheiden des gemein¬ 
samen Streckers der Finger und des eigenen Streckers des Zeigefingers 117 
M. Horn, Über Rheumatismus nodosüs im Kindesalter.. . 118 

J. Comby, An6urysme aortique rhamatismal chez une fille de quatorze ans 118 
H. Lomnitz, Über die Angina als Ausgangspunkt schwerer Erkrankungen 119 
T. Oshima, Über die am häufigsten in der Mundhöhle des Kindes normal 

vorkommenden Bakterien und über die Veränderungen, die durch die¬ 
selben hervorgerufen werden ...120 

F. Monod, Behandlung der Angina.120 

K. Theimer, Zur Verwendung der Nebennierenpräparate bei den Er- 


J. Bokay, Nonveile note sur le traitement local des ulcärations du larynx 121 
M. B6rard, Thyreotomie und multiple Larynxpapillome bei Kindern . . 121 

Koellreutter, Zur Therapie der Larynxpapillome.122 

Georg Finder, Kehlkopfuntersuchung bei Kindern . ... . 122 

H. Haas'e, Über eine Epidemie von hysterischem Laryngismus .... 123 

L. Ballin, Zur Ätiologie und Klinik des Stridor inspiratorius congenitus 123 
Herrn. Cohn, Tracheostenose und plötzlicher Tod durch Thymusschwellung 123 

C. A. Asburg, Fremdkörper im rechten Bronchus.124 

Guisez, Remarque ä propos d’un sixiöme cas d’extraction de corps Strangers 

bronchiques par la bronchoscopie sup&rieure.124 

Dumas, Les inhalations d’oxyg^ne dans les bronchopneumonies infantiles 124 
E. Cohn-Kindborg, Über Heißlufttherapie bei Emphysem, chronischer 

Bronchitis und Asthma bronchiale.125 

Bose, Pneumonie franche d£butant par un acces de faux-croup . . ... 126 

Clinciu und V. Popescu, Influenza kompliziert mit Lungengangrän und 

nachfolgendem Pyopneumothorax ..126 

Ku ö era, Tracheobronchitis hervorgerufen durch den Mikrococcus catärrhalis 126 

M. Rostowzew, Über das Epidemische der Perityphlitis und über die Be¬ 

ziehung desselben zu Grippen und den anderen Infektionskrankheiten 127 

Digitized by' google 

















Fortsetzung des Inhaltes. 8eito 

Luigi Concetti, L’appendicite avec Symptomatologie a gauche .... 127 
Giovanni ßetti, Primärer, rasch zum Tode führender und eine Perity¬ 
phlitis vortiusehender Psoasabszeß ..127 

Ch. Leroux, Pneumonie und, Appendizitis. ..128 

E. Patry, Akute generalisierte Pnenmokokkenperitonitis.129 

Oppenheimer, Anwendung von Sonnenbädern bei Peritonitis tuberculosa 129 
Wilczynski, Cytologische Untersuchungen der pleuritisehen, peritoniti- 

schen Ex- und Transsudate sowie des Liquor cerebro-spinalis . . . 129 

Dufour, Behandlg. der chronischen Pleuritis mit Punktion und Luftinjektion 130 
Gr au de, 11 riassorbimento del liquidio pleurico col massaggio addominale 131 

H. Dreesmann, Saugbehandlung bei eitriger Pleuritis.131 

Tisserand und Truchet, Pleuritis purulenta posttyphosa, Bacillus Eberth 

in Reinkultur. Zwei Probepunktionen; spontane Resorption; Heilung 131 

A. Hand, Jr. aud J. C. Gittings, An Analysis of 145 Gases of Typhoid 

Fever in Children.132 

P. Remlinger, Les analyses d’urines typhiques envisag4es au point de 

vue de la propagation possible de la maladie.133 

P. Remlinger, Le bacille d’ßberth dans Tintestin des sujets sains. Cons6- 

quences cliniques et 4pid4miologiques.133 

N i c o 1 ini, Heilung des typhösen Fiebers mit Schwefelblumen u. Salzklysmen 134 

F. P. Kinicutt, A More Liberal Diet in Typhoid Fever.134 

Emil Wennagel, Über die Beziehungen zwischen Krankheitsdauer und 

Alter der Darmläsionen beim Abdominaltyphus.135 

M. Lesieur, De la fievre typhoide exantheinatique chez V adulte et des 

exanthemes chez les typhiques.135 

B. Wei 11-Hai 14 und L emaire-Henri, Ein Fall von Laryngotyphus . 135 

Rolly, Zur Kenntnis der durch das sogenannte Bact. paratyphi hervor¬ 
gerufenen Erkrankungen.136 

L. G ui non, Tetanie ä forme de tetanos au debut de la fi4vre typhoide . 137 

M. Thiemich, Anatomische Untersuchungen der Glandulae parathyreoideae 

bei der Tetanie der Kinder.137 

A. Uffenheimer, Ein neues Symptom bei latenter (und manifester)Tetanie 

des Kindesalters — das Tetaniegesicht.138 



Chemische Fabrik in Darmstadt. 


Hämo ga, llol, 

leicht resorbierbares Blut-Eisenpräparat. 


In der Kinderpraxis bei den in Be¬ 
gleitung der Rhachitis auftretenden 
Anämien erprobt; von sehr gün¬ 
stigem Einfluss auf die Blut- und 
Knochenbildung, sowie auf den all¬ 
gemeinen Ernährungszustand. 


JBromipin, 

leicht verträgliches Brompräparat. 

Innerlich und per Klysma bei Atro¬ 
phie und Eklampsie der Säuglinge, 
wie bei allen Krampf- und Er¬ 
regungszuständen im Kindesalter 
bestens bewährt. 


TT» —. nvöllig ungiftiges Condensationsprodukt 
■A. nÄlÄLxßA. Xll^ aus Gerbsäure und Formaldehyd. 

Innerlich: Sehr wirksames Antidiarrhoikum, speziell in der Kinderpraxis 
bei akuten und chronischen Darmkatarrhen, sowie bei Gastroenteritis 
acuta bewährt. 

Äusserlich: Wertv. Antiseptikum, ausgezeichn.Wundheilmittel, geg.Wund- 
sein klein. Kinder besond.empfohl.; anerkanntVirksames Anhydrotikum. 


Proben und Literatur < 


itis und franko. 


n 


Digitized by Vj oogle 


























Fortsetzung de» Inhalte®, 

Th. v. Cybulski, Kalkstoffwechsel des tetaniekranken Säuglings . . . 138 
B. Qliest, Über den Einfluß der Ernährung auf die Erregbarkeit des 

Nerven syst ems im Säuglingsalter.199 

fU. Ans Vereinen und Versammlungen. 

Gesellschaft für innere Medisin und Kinderheilkunde in Wien.140 

L ungarischer Kinderschutzkongreß ..143 

Altonaer Ärztlicher Verein. 143 


IV. Therapeutisch© Notizen. — V. Neue Bücher. 
VI. Monats-Chronik. 



Dung’s China-Calisaya-Elixir 

Freiburg i. B. 















































Bei Bestellungen bitten wir sich ftgto tut die Anzeige im Centralblatt für Kinderheilkunde zu bwufan. 



Neutral und klar lösliche Verbindung von 

Hühnereiweiss mit Eisen 

lecithin- und gewQrzreich, reizlos. 

y "171OTTOT konzentrierte Lösung mit 0,6 % Fe [d. h. drei- 
IjIj vlli “ mal so viel wie die aromat. Eisentinkturen, 
achtmal so viel wie die Blutpräparate] und 20 °/o frischem Eiweiß. 


Fl. m. 400 g inkl. Einnehmegl. Mk. 2.— 
Dosis 3—10 g kurz vor oder nach dem Essen. 


LECINpulver 


(10 % Fe), in Zuckerwasser klar 
und neutral löslich. 


Wohlfeil (Kassenpraxis!!!). — Dose mit 25 g Mk. l.~ 
für 20—30 Tage. 


Dosis t—2 Messerspitzen voll in Zuckerwasser. Lecinpulver 
kann mit Liq. Kal. arsenicos. usw. kombiniert werden. 


T F f! T lsr tal 3 let ten, 

AJJLJwAJLl per Tabl. 0,03 Gr. Fe. Dosis: l /i—2, wie 
Bonbons im Munde zergehen lassen. 100 Tabl. = Mk. 2.—. 


Sehr geeignet für Kleine Kinder. 


Lecin ist im stadt. Krankenhause I und von prakt. Ärzten in Hannover 
seit 2—3 Jahren sehr viel und fast als einziges Eisenmittel 
angewendet. Von hervorragenden Klinikern warm empfohlen. 


•i 

Proben und Literatur gratis. 

Dr. E. Laves, Hannover. 


Digitized by 

























Central blatt für 

Kinderheilkunde. 

Eine Monatsschrift für praktische Arzte- 
XII. Jahrgang. 1. April 1907. No. 4. 


I. Originalbeiträge. 

Aus der Chirurgisdien Universitätsklinik und Poliklinik der Charitd 
in Berlin. (Direktor: Prof. Dr. Hildebrand.) 

Über Sehnengeschwiilstchen bei Kindern. 1 ) 

Von 

Prof. Dr. Pels-Leusden, 

Leiter der Poliklinik. 

Primäre SehneDerkrankungen, wenn man von den Traumen ab¬ 
sieht, sind recht selten; am häufigsten'werden sie noch beobachtet, 
wenn sie das Symptom des Schneilens (Federns) an einem Finger her- 
vorrufen. Ich habe nun in den letzten 2 Jahren zwei solcher Er¬ 
krankungen bei Kindern beobachtet, welche mir bemerkenswert 
erschienen. 

Die Fälle betrafen ein kleines Mädchen von 4 und einen Knaben von 
2y 4 Jahren. Bei jenem waren die unten geschilderten Erscheinungen vor 2 Jahren, 
bei letzterem vor 14 Tagen bemerkt worden. Im übrigen war der Befund bei 
beiden Kindern ein so ähnlicher, daß ich sie gut zusammen schildern kann. Bei 
beiden Kindern, welche sonst blühend und gesund waren, war weder ein Trauma 
noch eine Erkrankung anderer Art voraufgegangen, auch anamnestisch keine 
familiäre Erkrankung festgestellt worden. Bei beiden stand der rechte Daumen 
im Interphalangealgelenk rechtwinklig gebeugt, konnte passiv noch etwas weiter 
gebeugt, aber weder aktiv noch passiv auch nicht mit einiger Gewalt gestreckt 
werden. Ließ man aktiv den Daumen möglichst weit einschlagen, beugte passiv 
das Nagelglied noch möglichst weit, so konnte man beim Übergehen in die Streck¬ 
stellung deutlich in der Gegend der Sesambeine einen in distaler Richtung sich 
bewegenden Knoten fühlen, welcher bei der äußersten Streckmöglichkeit im Kar- 
pal-, Metakarpophalangeal- und Interphalangealgelenk arretiert wurde. Da durch 
Uontgenbild festgestellt war, daß das letztere Gelenk, und da die Beweglichkeit 
in den beiden ersteren vollkommen intakt war, so mußte angenommen werden, 
daß ein Knoten in der Sehne des Flexor pollicis longus, welcher außer dem ganzen 
Daumen speziell dessen Nagelglied beugt, die vollkommene Streckung verhindere. 
Das wurde durch die Operation bestätigt. Letztere habe ich bei dem Knaben vor 
einem, dem Mädchen vor */ 8 Jahren, vorgenommen. In Narkose und Blutleere 
wurde die Sehnenscheide des Flexor pollicis longus freigelegt über dem Meta- 
karpophalangealgelenk. In ihr kam eine deutliche plattenartige, quergestellte 
Verdickung zum Vorschein, welche bei Beuge- und Streckbewegungen am Daumen 
sich deutlich proximal und distal verschob, bei letzteren aber stets an einer 


*) Die Arbeit wurde publiziert in der Deutsch, med. Wochenschrift (1907 
Nr. 1). Mit gütiger Erlaubnis der Redaktion derselben drucken wir den inter¬ 
essanten Aufsatz vollständig ab. 

Centr&lbl. f. Kinderhlkde. XII. dQ 

Digitized by VjOOO iC 





114 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


bestimmten Stelle festgehalten wurde, wenn das Nagelglied noch in rechtwinkliger 
Beugung stand. Diese Stelle entsprach genau dem quergestellten Verstärkungs¬ 
band der Sehnenscheide in der Gegend der Sesambeine, welches besonders nach 
Eröffnung der Sehnenscheide in der Längsrichtung auf der Schnittfläche als jener 
aufliegender glatter Wulst erkennbar war. Der Daumen ließ sich danach schon 
strecken. In der jetzt vorliegenden Sehne kam nun eine spindelförmige An¬ 
schwellung zum Vorschein, welche in der Substanz der Sehne lag und nur bei 
dem Knaben beim Herausheben der Sehne aus ihrem Bett auf der dorsalen Seite 
als leicht gelblich gefärbte Masse die Oberfläche erreichte. In beiden Fällen 
handelte es sich um solide Knoten, welche nach Längsspaltung der Sehne scharf 
aus den sie mantelartig umgebenden Sebnenfaserbündeln herausgeschält werden 
mußten, wobei die Kontinuität der Sehne nicht gefährdet wurde. In beiden 
Fällen habe ich, um eine Verwachsung der Sehnenscheide mit der wundgemachten 
Sehne zu vermeiden, jene sorgfältig mit feinem Katgut wieder vereinigt, ein Vor¬ 
gehen, welches von Marchesi (1. c. weiter unten) widerraten wird, da man damit 
eine verengte Stelle in der Sehnenscheide schaffe. Au (3h Bü ding er (Wiener 
klinische Wochenschrift 1896, S. 432) war vor Marchesi schon dieser Ansicht. 
In meinen Fällen hat diese Naht keinen Nachteil gehabt und hat es gewiß auch 
niemals, wenn es sich um normal weite Sehnenscheiden handelt. Andererseits 
werden aber doch dadurch die normalen Verhältnisse in besserer Weise wieder 
hergestellt, die Sehne wird wieder richtig gelagert und fixiert. Die Haut wurde 
sorgfältig vernäht und der Finger für 8 Tage in Streckstellung fixiert. Danach 
war die Wunde geheilt, die Kinder durften aktiv bewegen, was von diesem Mo¬ 
ment ab vollkommen möglich war und es auch seitdem geblieben ist. Erwähnen 
muß ich noch, daß bei dem kleinen Mädchen wiederholt gewaltsames Redresse¬ 
ment mit nachfolgendem Gipsverband gemacht war, wonach sich aber die falsche 
Stellung stets rasch wieder bildete. Auffallend war, daß, trotzdem der Finger doch 
lange Zeit in Kontraktionsstellung gestanden hatte, sich keine Veränderung an 
der Gelenkfläche im Interphalangealgelenk eingestellt hatte. 

Die mikroskopische Untersuchung der kleinen Präparate wurde da¬ 
durch erschwert, daß es nicht gelang, von dem sehr spröden Material feine 
Schnitte zu erlangen, auch nicht Serienschnitte anzufertigen. 

Bei schwacher Vergrößerung sieht man die Sehnenbündel meist in der 
Längsrichtung verlaufen, hier und da aber auch auf einen Längsschnitt quer und 
schräg getroffen, was ja aber bei der Auseinanderdrängung durch einen zentral 
gelegenen Tumor nicht wundernehmen kann. Jedenfalls macht cs nicht den Ein¬ 
druck, als sei der Knoten durch eine Verknäuelung von Sehnenbündeln entstanden. 
Überall erscheinen die Sehnenzellkerne sehr zahlreich, spindelförmig, stäbchen¬ 
artig, rechteckig, quadratisch, in Reihen angeordnet, vielfach dicht gedrängt, wie 
eine Reihe quadratisch gestalteter Bausteine aneinanderliegend. Die Sehnenbündel 
sind auseinandergedrängt, durch ein am Hämatoxylenpräparat dunkler gefärbtes 
Gewebe, welches schon bei ganz schwacher Vergrößerung deutlich verzweigte 
Gefäße mit sehr zellenreicher Wandung und engem Lumen, vielfach auch lose in 
den zentralen Partien eng aneinanderliegende verkriäuelte Gefäße mit weiterem 
Lumen, welche jeweilig zu einem spindelförmigen Knoten angeordnet sind, er¬ 
kennen läßt. Bei stärkerer Vergrößerung wird die Gefäß(Arterien-)natur dieser 
zellenreichen Stränge und Knoten noch klarer. Die größeren, an welchen eine 
deutliche Intima und Muscularis zu erkennen ist, lösen sich in kleinere, schlie߬ 
lich in solche auf, welche nur aus einem Endothelschlauch bestehen. Nahe nach 
dem Rande des Knotens zu liegt in der Nachbarschaft der Gefäßbüschel noch eine 
Schicht helleren Gewebes von dem Charakter fibrillären Bindegewebes mit un¬ 
regelmäßigem, durehfloehtenem Faserverlauf und verschieden gestalteten, auch 
sternförmig verästelten Zellen. Nirgends ist eine Anhäufung von Rundzellen zu 
finden, ja man kann wohl sagen, daß solche fast vollständig fehlen. Mehr im 
Zentrum des Knotens liegen dann die spindelförmigen Knötchen, aus Gefä߬ 
schlingen, vom Bau der Arterien, mit deutlichem, weitem Lumen bestehend. Den 
Inhalt bildet eine amorphe, etwas bräunliche Masse, welche keine deutlichen 
roten Blutkörperchen erkennen läßt. Diese mit einem deutlichem Endothel und 
Ringmuskulatur ausgestatteten Gefäße gehen über in knötchenförmige Wuche¬ 
rungen, an welchen aber trotz des großen Zellreichtums eine lockere adventitielle 
Schicht, eine mehrfache Ringzellschicht, mit etwas unregelmäßigen, stäbchen¬ 
förmigen Kernen und eine zentrale Schicht aus längsgestellten Kernen zu unter- 


Digitized by 


Google 



I. Original beiträge. 115 

scheiden ist, welche sich also als deutliche Abkömmlinge der in sie übergehenden 
Gefäße charakterisieren. 

In dem andern Fall (Knabe) war leider die Kernfärbung an dem ganzen 
Präparat eine mangelhafte, was ich auf ein etwas zu langes Verweilen in der 
Färbungsflüssigkeit (10% Formalin) zurückführe. Es lassen sich aber mit aller 
Sicherheit auch die dickeren, knötchenförmigen Gefäßknäuel und jungen Gefä߬ 
sprossen mit lockerem Gewebe in der Nachbarschaft konstatieren. 

Man kann also wohl sagen, daß es sich um einen Prozeß handelt, 
welcher mit den Gefäßen in direktem Zusammenhang steht, sich teil¬ 
weise wesentlich auf die Bildung von Gefäßschlingen beschränkt, teil¬ 
weise, und zwar im Bereiche der jüngeren Gefäße zur Bildung eines 
lockeren, adventiellen Bindegewebes geführt hat Dabei fehlen alle 
entzündlichen Erscheinungen, Nekrosen, Eundzellinfiltrationen. Daher 
glaube ich einen entzündlichen Prozeß mit Sicherheit ausschließen zu 
können. Der Gefäßreichtum spricht an und für sich schon gegen eine 
Tuberkulose, abgesehen davon * daß ich Tuberkelbazillen nicht habe 
nachweisen können, und daß die Kinder sonst gar keine Zeichen von 
Tuberkulose hatten. Eine Tierirapfung mit dem an und für sich 
schon spärlichen Material habe ich unterlassen. Desgleichen glaube 
ich Lues und eine echte, fibro- oder sarkomatöse Geschwulst aus¬ 
schließen zu können. Die Wucherungserscheinungen an den Sehnen¬ 
zellen halte ich für sekundärer Natur, hervorgerufen durch den Reiz 
der Knötchen in der Sehne. 

Das Integrierende an den Knötchen ist die Gefäßvermehrung. 
Normalerweise enthalten ja auch die Sehnen noch ganz vereinzelte 
Blutgefäße, welche ihnen durch das Mesotenonium (Vincula) zugeführt 
werden; aber so zahlreiche Gefäße mit arterieller Wandung sind 
sicher pathologisch. Sehr nahe liegt der Gedanke, daß wir es hier 
mit einer Störung zu tun haben, welche mit der Entwicklung der 
Sehne zusammenhängt, da es sich um Prozesse handelt, welche bei 
sehr jugendlichen Individuen ungefähr im selben Alter eingesetzt 
haben. Nun wissen wir über die Entwicklung der Sehnen leider so 
gut wie gar nichts, und ebenso habe ich über den Gefäßreichtum der 
Sehnen im embryonalen und postfötalen Leben nichts gefunden. Es 
wäre aber doch sehr wohl möglich, daß es hier zu einer mangelhaften 
Rückbildung, eventuell mäßigen Wucherung fötal vorhandener Gefäße 
gekommen ist, welche an andern Stellen ohne Symptome verläuft, 
hier aber wegen der Sehnenverdickung Veranlassung zum ärztlichen 
Eingreifen gegeben hat. Herr Geheimrat Koenig erinnerte mich an 
fissurale Angiome, welche gelegentlich, wie er beobachtet habe, spon¬ 
tan zurückgingen. Vielleicht haben wir es hier mit etwas Ähnlichem 
zu tun. 

In der Literatur sind Ganglien der Sehnen, tuberkulöse Knoten, 
traumatisch entstandene Verdickungen und noch einiges andere be¬ 
schrieben, aber ähnliche Befunde in pathologisch-anatomischer Hin¬ 
sicht habe ich nirgends verzeichnet gefunden, und es wäre mir lieb, 
wenn ich von Fachgenossen über ähnliche Dinge etwas erfahren 
könnte. 

Was aber die Knoten nun auch sein mögen, für unser Handeln 
kommt wohl allein die operative Entfernung dieser leicht diagnosti¬ 
zierbaren Verdickungen in Betracht, welche bei der nötigen Vorsicht 

Digitized by 10 *3<?[e 



116 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


Gefahren nicht bietet, dabei aber ein sicheres und dauerndes Heil¬ 
resultat gibt. 

Kurz darf ich wohl noch eingehen auf das Verhältnis der von 
mir beobachteten Erkrankung zum „schnellenden Finger“, welcher ja 
meist bei älteren Individuen beobachtet wird und über den Marchesi 
in der Deutschen Zeitschrift für Chirurgie 1905, Bd. .79, S. 364 ff., 
eine ausführliche Arbeit veröffentlicht hat, in welcher auch auf die 
verschiedenen Symptome beim Schnellen hingewiesen und der Ver¬ 
such gemacht wird, auf Grund dieser Symptome die eigentliche Ur¬ 
sache des Schnellens, ob von der Sehnenscheide, der Sehne und 
welcher, dem Gelenkapparat herrührend, zu ergründen. Von der 
letzteren, welche Köenig (cf. sein Lehrbuch Bd. 3, S. 389, Aufl. 8) 
an einem Zeh beobachtete, Ätiologie abgesehen, sind im wesentlichen 
Mißverhältnisse in Weite der Sehnenscheide und Dicke der Sehne 
verantwortlich gemacht worden, ohne daß man zu einer Einigung 
dabei gekommen wäre. Auf Grund theoretischer Überlegungen, ex¬ 
perimenteller und praktischer Erfahrungen kann nach der Über¬ 
zeugung der meisten Autoren wohl nicht gut daran gezweifelt werden, 
daß das Schnellen nur zustande kommen kann, wenn ein Mißverhältnis 
zwischen der Dicke der Sehne und den Gebilden, innerhalb deren sie 
sich bewegt, also Sehnenscheide und Sublimisgabel (an der Beugeseite 
des zweiten bis fünften Fingers) an zirkumskripter Stelle vorhanden 
ist. Es braucht dabei nicht notwendigerweise Sehne und Sehnen¬ 
scheide pathologisch verändert zu sein, letzteres deswegen, weil weder 
die Sehne überall einen gleichmäßigen Querschnitt, noch die Sehnen¬ 
scheide eine gleichmäßige Weite besitzt. Da das Schnellen der 
Finger hauptsächlich auf Erkrankungen am Beugeapparat beruht, so 
beschränke ich mich auf die Berücksichtigung der dabei vorliegenden 
Verhältnisse. Eine Verdickung im Breitendurchmesser besitzt die 
Sehne des Flexor profundus an ihrer Durchtrittsstelle durch die Sub¬ 
limisgabel, worauf Bennecke (Deutsche medizinische Wochenschrift 
1902, Vereinsbeilage, Nr. 32, S. 246) hinweist. Die Sehnenscheiden 
werden durch die über sie ausgebreiteten und mit ihr verwachsenen 
Ligamenta anularia und cruciata, auch durch die Fortsätze der 
Fascia palmaris stellenweise eingeengt, bzw. unnachgiebiger gemacht. 
Diese Stellen entsprechen nun stets denjenigen, an welchen eine tem¬ 
poräre Arretierung der Sehne auch bei nur auf Sehne oder Sehnen¬ 
scheide beschränkter zirkumskripter Verdickung stattfindet. Selbst¬ 
verständlich wird man auch gelegentlich Sehnen und Sehnenscheide 
pathologisch verändert gleichzeitig vorfinden können, aber notwendig 
für das Zustandekommen des Schnellens ist das zweifellos nicht. Selten 
kommt es nun zu einer so starken Verdickung an Sehne und Sehnen¬ 
scheide, daß überhaupt die Bewegung in einer bestimmten Stellung 
unmöglich wird. Meist wird dann wohl ein Stadium voraufgegangen 
sein, in welchem das Schnellen vorhanden war. Davon ist bei meinen 
beiden Fällen nichts bekannt. In dem Stadium, in welchem ich sie 
sah, handelte es sich nicht mehr um einen schnellenden, sondern um 
einen arretierten Finger, dessen Ursache eine Verdickung der Sehne 
ohne Beteiligung der Sehnenscheide war. 


Digitized by Google 



II. Referate. 


117 


II. Referate. 


Homburg, Die zwei- und mehrfache Teilung der Sesam¬ 
beine der großen Zehe. . (Zeitschr. f. Chir. Bd. 86. Heft 2—4. 
S. 382.) Zu einer irrigen Auffassung einer Fraktur an einem der 
Sesambeine der großen Zehe gelangte M. bei einem Soldaten, der 
beim Abspringen vom Sprungbrett sofort einen stichartigen Schmerz 
im rechten Fuß verspürte und nachher über Schmerzen unter dem 
Großzehenballen beim Auftreten klagte. Es bestand starke Druck¬ 
empfindlichkeit in der Gegend des tibialen Sesambeins. Das Röntgen¬ 
bild zeigte eine Zweiteilung des tibialen Sesambeins am rechten 
Fuße, aber auch eine gleiche Zweiteilung am linken Fuße. 
Dieser Fall veranlaßte M. eine vor 1 Jahre beobachtete Fraktur 
eines Sesambeines der großen Zehe zu revidieren. Beim Abspringen 
vom Rade hatte ein Patient einen stechenden Schmerz im Fuße ver¬ 
spürt und nachher über Schmerzen unter dem Großzehen ballen beim 
Gehen geklagt. Das Röntgenbild des kranken Fußes hatte eine Zwei¬ 
teilung des tibialen Sesambeins ergeben, die als Fraktur gedeutet 
wurde. Eine Nachuntersuchung ergab, daß die Zweiteilung an 
beiden Füßen vorhanden, von einer Fraktur also nicht die Rede 
war. Bei einem Soldaten, welcher wegen einer Sehnenscheiden¬ 
entzündung am Fuße in das Lazaret aufgenommen wurde, zeigte das 
Röntgenbild eine Dreiteilung des tibialen Sesambeines an beiden 
Füßen. Auf Grund dieses gehäuften Vorkommens von Teilung eines 
Sesambeines der großen Zehe hat M. die Röntgenbilder der ver¬ 
gangenen 2 Jahre durchgesehen und in weiteren 9 Fällen eine Zwei¬ 
teilung eines Sesambeines, in weiteren 3 Fällen eine Dreiteilung und 
einmal eine Vierteilung gefunden. M. nimmt daher in den bisher publi¬ 
zierten Fällen von angeblicher Fraktur der Sesambeine das Vorhanden¬ 
sein einer angeborenen Zweiteilung an. . Joachimsthal 

F. Jurdl, Ein Fall von Hyperphalangie beider Daumen. 
(Arch. f. klin. Chir. Bd. 80. Heft 2. S. 562.) In dem von J. mit¬ 
geteilten Falle handelt es sich bei einer 42 jährigen Feldarbeiterin 
um eine Dreigliederung des rechten Daumens. Die Verbildung an 
der linken Seite der Patientin halte ich nach Analogie eines von mir 
publizierten Falles, den der Autor leider übersehen hat, nicht für 
eine Dreigliederung des Daumens, sondern für eine Verdoppelung des 
Zeigefingers bei Fehlen des Daumens. Joachimsthal. 

Bernhard Bauer, Eine bisher, nicht beobachtete kongeni¬ 
tale hereditäre Anomalie des Fingerskeletts. (Zeitschr. f. 
Chir. Bd. 86. Heft 2—4. S. 252.) B. beobachtete bei einem 15 jähr. 
Patienten eine in der betreffenden Familie erbliche Verbildung beider 
kleinen Finger. Die Mittelphalanx erschien bedeutend verkürzt und 
von keilförmiger Gestalt mit ulnarer Basis. Bei der Röntgenunter¬ 
suchung ergab sich eine supernumeräre distale Epiphyse an der 
Phalanx und eine dreikantige Diaphyse. Joachimsthal. 

A. Babes, Chronische zystische Synovitis der Sehnen¬ 
scheiden des gemeinsamen Streckers der Finger und des 
eigenen Streckers des Zeigefingers. (Spitalul. 1906. Nr. 15.) 


Digitized by 


Google 



118 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4 


Es handelte sich um eine an beiden Händen auftretende zystische 
Degenerierung der erwähnten Sehnenscheiden des Handrückens bei 
einem 16 jährigen Knaben. Die Krankheit hatte sich im Laufe von 
6 Jahren ohne nachweisbare Ursache langsam entwickelt. Zuerst 
trat dieselbe links und ein Jahr später an der rechten Hand auf. Es 
bestanden von Anfang an Schmerzen bei Berührung und Bewegung, 
und haben sich letztere derart gesteigert, daß der Kranke vollkommen 
arbeitsunfähig geworden ist. 

Die vorgenommene Operation bestand in Eröffnung der zystischen 
Sehnenscheiden, Resektion eines Stückes derselben und Vernähung 
mittels Katguts. Die Heilung erfolgte per primam. e. Toff (Braila). 

M. Horn, Über Rheumatismus nodosus im Kindesalter. 
(Aus der Kinderabteilung des Kaiser Franz Joseph-Ambulatorium in 
Wien.) (Wiener klin. Wochenschrift. 1906. Nr. 47.) H. beschreibt 
einen interessanten Fall und kommt zu folgenden Schlüssen: 

1. Der Rheumatismus nodosus ist eine auf rheumatischer Basis 
beruhende, lieber- und meist beschwerdefreie Erkrankung der sehnigen 
Gebilde und des Periostes, bei der es an verschiedenen Körperstellen, 
zumeist in der Nähe der Gelenke bilateral und symmetrisch zur 
Bildung von fibrösen Knötchen kommt. 

2. Der Rheumatismus nodosus ist keine Erkrankung sui generis; 
tritt niemals primär sondern stets sekundär und nur bei rheuma¬ 
tischen Individuen als ein den anderen Manifestationen rheumatischer 
Infektion koordiniertes Symptom auf, gleichzeitig oder unabhängig 
von diesen. 

3. Er befällt meist Kinder bis zur Pubertät, mit scheinbarer 
Bevorzugung des weiblichen Geschlechtes, deren Konstitution durch 
vorausgegangene rheumatische Erkrankungen geschwächt ist. 

4. Der Rheumatismus nodosus ist stets von schweren Herz¬ 
klappenveränderungen begleitet, die über kurz oder lang ad exitum 
führen. Den mit ihm komplizierten rheumatischen Erkrankungen 
muß deshalb eine gewisse Malignität zuerkannt werden. 

5. Das Auftreten von Rheumatismus nodosus im Verlaufe von 
Erkrankungen mit unbekannter Ätiologie muß als pathognomonisches 
Zeichen für die rheumatische Natur derselben aufgefaßt werden. 

Grätzer. 

J. Comby (Paris), Anövrysme aortique rhumatismal chez 
une fille de quatorze ans. (Archives de möd. des enf. Sept. 1906.) 
Das betreffende 14 x / 2 jährige Mädchen hatte vor 3 1 / 2 Jahren einen 
schweren Gelenkrheumatismus durchgemacht, im Verlaufe dessen sich 
eine eitrige Periostitis der Tibia und eine Mitralisinsuffizienz ent¬ 
wickelt hatte. Erstere heilte rasch, während letztere zeitweilig zu 
schweren Erscheinungen Veranlassung gab. 2 l / 2 Jahre später sah 
sie C. wieder infolge eines Anfalles von Erstickung, dyspnoischem 
Husten und Nasenbluten und konnte auf exakte Weise das Vor¬ 
handensein eines Aortenaneurysmas feststellen. Die Herzdämpfung 
war in beiden Richtungen bis auf das Doppelte der normalen Größe 
verbreitert, es bestand außer dem sichtbaren Spitzenstöße noch ein 
zweites pulsierendes Zentrum rechts vom Sternum, im zweiten luter* 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


119 


kostalraume, man fühlte das Heben der Aorta im Jugulum, der Kopf 
wurde bei jeder Systole bewegt, kurz über die Diagnose konnte kein 
Zweifel bestehen. Außerdem waren auch klare Symptome einer 
Aorteninsuffizienz vorhanden: Corriganscher Puls, Kapillarpuls, 
starkes diastolisches Geräusch über der Aorta usw. Da Syphilis 
ausgeschlossen werden konnte, so ist also der Fall ein unzweideu¬ 
tiges Beispiel eines Aneurysmas des Aortenbogens, das sich bei einem 
Kinde infolge von rheumatismaler Infektion entwickelt hatte. 

Bemerkt wird noch, daß sich im Laufe dieser Krankheit auch 
eine schwere parenchymatöse Nephritis mit oftmals auftretender Hä¬ 
maturie entwickelt hatte. Auf diesen Zustand war die eingeleitete 
Jodkaliumbehandlung von Vorteil. E. To ff (Braila). 

H.Lomnitz, Über die Angina als Ausgangspunkt schwerer 
Erkrankungen. (Aus dem Stadtkrankenhause Dresden-Friedrichstadt.) 
(Medizin. Klinik. 1907. Nr. 2.) L. machte eine Zusammenstellung der¬ 
jenigen Affektionen, die unter seinen Augen im Anschlüsse an Angina 
entstanden, unter Ausschluß der Anamnese. Es wurden innerhalb der 
letzten 3 Jahre 151 Fälle von Angina beobachtet. Streptokokken 
fanden sich in 139 Fällen, davon 15 mal allein, 124 mal mit Staphylo¬ 
kokken zusammen, letztere fanden sich allein in 6 Fällen. Angina 
Vincenti lag 6 mal vor, davon trat nur 1 mal in der Folge eine 
Störung von seiten des Herzens auf. Alle anderen Erscheinungen 
dürften also auf Rechnung der Streptokokken bzw. Staphylokokken 
zu setzen sein. 

Pathologische Erscheinungen überhaupt kamen 27 mal (17 °/ 0 der 
Fälle) vor. Am häufigsten (14 mal) Störungen der Herztätigkeit, 
meist unter dem Bilde der Bradykardie. Es trat ein Absinken der 
Pulsfrequenz bis auf 45—60 Schläge ein, meist schon 2—3 Tage nach 
Ablauf des Fiebers einsetzend. Nach 5—7 Tagen kehrte die Herz¬ 
tätigkeit gewöhnlich wieder zur Norm zurück; nur 3 mal dauerte sie 
bei der Entlassung an. Systolische Geräusche an der Herzspitze 
wurden nur 3 mal gehört; niemals konnte dabei eine sichere Dilata¬ 
tion eines oder beider Ventrikel oder eine Verstärkung des zweiten 
Pulmonaltons festgestellt werden, Erscheinungen also, die zur An¬ 
nahme einer Endokarditis berechtigt hätten. Nur 2 mal wurde Tachy¬ 
kardie beobachtet, das eine Mal nach vorausgegangener Bradykardie. 
Im ganzen besteht also hinsichtlich der Herzerscheinungen große 
Ähnlichkeit der Angina mit der Diphtherie und anderen Infektions¬ 
krankheiten, nur sind die Symptome in wesentlich schwächerem Maße 
entwickelt. Nach Analogieschluß wäre die Annahme leichter myo- 
karditischer Veränderungen gerechtfertigt. 

Der Häufigkeit nach folgen dann Nierenerscheinungen(9 Fälle). 
Mit Fieber einhergehende Eiweißausscheidung zeigte sich 2 mal, eigent¬ 
liche Nephritis nach Ablauf des Fiebers 3 mal. Zwei dieser Nieren¬ 
entzündungen gingen in zyklische Albuminurie über, die wochenlang 
andauerten und bei der Entlassung noch bestanden. Dann gab es 
ferner eine schwere akute hämorrhagische Nephritis. 4 mal akqui¬ 
rierten Nephritiskranke im Hause eine Angina, und diese übte jedes¬ 
mal einen verschlimmernden Einfluß auf die Nierenentzündung aus. 


Digitized by 


Google 



120 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


Bei einem der Patienten trat unmittelbar im Anschluß an die Angina 
unter reichlicher Hämaturie eine Urämie ein, die zum Tode führte. 

Nur 2 mal wurde ein Zusammenhang zwischen Angina und Ge¬ 
lenkrheumatismus gesehen, und zwar nur als Verschlimmerung bzw. 
Wiederaufflackern schon bestehender Prozesse. Endlich sind noch je 
ein Fall von Purpura rheumatica und Sepsis zu verzeichnen, 
letztere im Anschluß an einen Mandelabszeß auftretend. Grätzer. 


T. Oshlma, Über die am häufigsten in der Mundhöhle 
des Kindes normal vorkommenden Bakterien und über die 
Veränderungen, die durch dieselben hervorgerufen werden. 
(Archiv f. Kinderheilk. Bd. 45. Heft 1 u. 2.) Verf. legte sich folgende 
Fragen vor: 1. kommt Milchsäure in der Mundhöhle des Kindes vor 
und wodurch wird Milchsäure bedingt? 2. welche Bakterien kommen 
in der Mundhöhle des Säuglings vor? 3. welche Bakterien sind am 
häufigsten bei älteren Kindern? 4. welche pathologischen Verände¬ 
rungen bedingen dieselben? 

Auf Grund seiner Untersuchungen kommt er zu folgender Be¬ 
antwortung: 

1. Die Milchsäuregärung wurde am häufigsten in der Mundhöhle 
der Kinder nachgewiesen, welche im Alter von 3—6 Monaten standen 
und mit Kohlehydraten und Kuhmilch genährt wurden, obwohl die 
Gärung niemals an den Kindern gefunden wurde, die mit Frauen¬ 
oder Kuhmilch genährt waren. Welche Mundbakterien die Milch¬ 
säuregärung bedingen, konnte nicht sicher bestimmt werden, doch 
wurden in einigen Fällen mit positivem Nachweise von Milchsäure viele 
Leptothrixarten in der Mundhöhle nachgewiesen. In der Mundhöhle 
der fiebernden Kinder wurde immer die Milchsäuregärung nachgewiesen. 
Die Zahnung übt keinen großen Einfluß auf die Bildung der Milch¬ 
säure aus. Bei den mit alkalischer Butter- oder Frauenmilch ge¬ 
nährten Kindern wurde niemals eine Spur von Milchsäure in der 
Mundhöhle gefunden. 

2. Bei den durch die oben genannten Bakterien bedingten patho¬ 
logischen Veränderungen fanden sich: Spirillen als Erreger der Ent¬ 
zündung des Zahnfleisches und der Geschwürsbildung des Zungen¬ 
randes, der Tonsillen und des Gaumens; Leptothrixarten als Erreger der 
Entzündung der Zunge, der Tonsillen und der Pharynxwand; Sarcina 
sehr selten als Erreger der Pharyngitis; Bacillus fusiformis als Er¬ 
reger der Stomatitis ulcerosa; Jodococcus vaginatus oftmals bei Ent¬ 
zündung der Rachenwand und des Zahnfleisches. 

3. In einigen Fällen waren mehrere pathologische Prozesse 
gleichzeitig vorhanden und zwar Stomatitis ulcerosa und Glossitis. 

Hecker. 

F. Monod, Behandlung der Angina. (Semaine mödicale. 1906. 
Nr. 37.) An Stelle der Gurgelungen empfiehlt M. Duschen von Kohle¬ 
säurewasser. Zu diesem Zweck wird ein 25 cm langer Kautschuk¬ 
schlauch am Schnabel einer Syphonfiasche festgebunden. Der Kranke 
kann die Dusche selbst applizieren: mit einer Hand hält er den 
Schlauch im Munde, mit der anderen öffnet er den Hahn des Sypbons 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


121 


und reguliert die Stärke des Strahles, Die Hälfte oder der vierte 
Teil eines Syphons genügt für eine einzelne Dusche, welche ein 
oder zweimal pro Stunde wiederholt wird. H. Netter (Pforzheim). 

K. Theimer {Wien), Zur Verwendung der Nebennieren¬ 
präparate bei den Erkrankungen des Nasenrachenraumes. 
(Mediz. Klinik. 1907. Nr. 7.) T. hat Renoformpulver als gutes dia¬ 
gnostisches Hilfsmittel bei adenoiden Wucherungen schätzen gelernt. 
Läßt man die Kinder etwas davon aufschnupfen oder bläst es mit 
einem Doppelgebläse durch ein Glasröhrchen ein, so retrahieren sich 
nach 2—3 Minuten die Muschelschleimhäute, und man kann mit dem 
Lichte nach hinten dringen und leicht die Diagnose stellen, ohne den 
Finger zu Hilfe nehmen zu müssen, was die Kinder stets kopfscheu 
macht, und ohne postrhinoskopisch zu untersuchen. T. hat bei einer 
größeren Anzahl von Kindern auf diese Weis« die Vegetationen ge¬ 
funden und sofort leicht die Operation vorgenommen, da die Kinder nicht 
durch vorhergegangene Manipulationen ungebärdig wurden. Grfttzer. 

J. Bokay (Budapest), Nouvelle note sur le traitement local 
des ulcörations du larynx. (Archives de m6d. des enf. 1906. Nr. 2.) 
Der Verf. ist der Ansicht, daß die sekundären Tracheotomien nach 
Intubation um vieles eingeschränkt werden sollen, nachdem er zahl¬ 
reiche Fälle zu verzeichnen hat, wo die O’Dwy er sehen Tuben viel 
längere Zeit, als dies sonst üblich ist, vertragen wurden. Da eine 
länger fortgesetzte Tubenbehandlung zu Geschwürsbildung im Kehl¬ 
kopfe führt, so benutzt B. nach einigen Tagen Bronzetuben, die etwas 
länger sind, die er mit einer dünnen Gelatineschicht umgibt und 
letztere mit Alaunpulver imprägniert. Andere haben zur Imprägnierung 
auch Ichthyol mit gutem Erfolge benutzt. Jedenfalls werden auf diese 
Weise die Tuben viel längere Zeit vertragen, und man entgeht der 
Notwendigkeit, sekundär die Tracheotomie vorzunehmen. Bei den 
24 Fällen des Verf.s dauerte die Behandlung mit Ebonitröhren 
zwischen 91 und 294 Stunden und die darauf folgende mit präpa¬ 
rierten Bronzeröhren zwischen 150 und 546*/ a Stunden. 

E. To ff (Braila). 

M. Blrard, Thyreotomie und multiple Larynxp&pillome 
bei Kindern. (Lyon mödical. 1906, 11. Febr. S. 253.) Nach Er¬ 
örterung der verschiedenen, über die histologische Natur dieser Neu¬ 
bildungen aufgestellten Ansichten und einer kritischen Würdigung der 
in den letzten 10 Jahren vorgeschlagenen Behandlungsmethoden, 
Tracheotomie mit und ohne Thyreotomie, endolaryngeale Operationen 
mit den Laryngoskop und Kilians direkte Methode, gibt B. einen 
Bericht über seinen Fall, der einen 9 jährigen Knaben mit Papillomen 
der Stimmbänder und den vorderen Kommissur betraf. Die seit 
3 Jahren bestehenden Symptome waren Heiserkeit und nächtliche 
Anfalle von Atemnot. B. machte eine primäre Thyreotomie ohne 
präliminare Tracheotomie. Die Wunde heilte per primam und die 
Stimme, anfangs noch heiser, besserte sich beständig, sodaß der 
Knabe nach 3 Jahren schon ein wenig singen konnte. Diese Papillome 
scheinen Verf. fast immer entzündlicher Natur zu sein; im vorliegen¬ 
dem Fall erweckte die starke kleinzellige Infiltration und der epithe- 


Digitized by 


Google 



122 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


loide Charakter gewisser Zellgruppen den Verdacht auf einen tuber¬ 
kulösen Ursprung. Die Thyreotomie ohne Tracheotomie verlief in 
beschriebenem Falle ohne Gefahr, und der Autor hält die an anderen 
Operationen geäußerten Bedenken für übertrieben und die Gefahr 
einer Lungenkomplikation für geringer als bei den vielen Manipula¬ 
tionen durch die engen Vias naturales. Sorgfältig ausgeführte Inzision 
und Naht vermag ferner einer Schädigung der Stimme vorzubeugen. 
Die Kilian sehe direkte Methode bietet große Vorteile, besonders zur 
Behandlung von Rezidiven, und wird wahrscheinlich die Methode der 
Zukunft werden, aber eine gewisse Zahl von Fällen wird der externen 
Operation reserviert bleiben, besonders die mit Obstruktion verbundenen, 
und für diese empfiehlt B. die primäre Thyreotomie. 

H. Netter (Pforzheim). 

Koellreutter, Zur Therapie der Larynxpapillome. (Mo- 
natsschr. £ Ohrenheilk. 1906. Nr. 11.) Zwei Fälle von Larynx- 
papillomen, welche trotz mehrmaliger gründlicher chirurgischer Ent¬ 
fernung der Tumormassen immer wieder rezidivierten. Im ersten 
Falle trat völlige Heilung nach Darreichung von Liquor arsenical. 
Fowl. ein, im zweiten wurde das Kehlkopfbild nach fortgesetzter 
Therapie mit Jodkalium ein normales. Die Erfahrungen über die 
Behandlungen der Larynxpapillome mittels interner Mittel sind bis¬ 
her mehr als spärlich. Vielleicht, ja wahrscheinlich, hat auch in 
diesen beiden Fällen die operative Behandlung sehr zur Heilung bei¬ 
getragen, das gute Endresultat hat sie schwerlich allein herbeigeführt 
Bei der Trostlosigkeit der bisherigen Therapie bei rezidivierenden 
Larynxpapillomen muß jedes Hilfsmittel willkommen sein. Bei der 
gerade nicht großen Häufigkeit dieser Fälle hat Verf. es für wert ge¬ 
halten, schon jetzt diese beiden zu veröffentlichen, um gegebenenfalls 
die Kollegen anzuregen, weitere Erfahrungen auf diesem Gebiete zu 
sammeln. A. Sonntag (Berlin). 

Georg Finder, Kehlkopfuntersuchung und einige haupt¬ 
sächliche Kehlkopfkrankheiten bei Kindern. (Berl. klin. 
Wochenschrift. 1906. Nr. 45.) Man soll in jedem Fall, in dem eine 
Untersuchung des Kehlkopfes beim Kinde nötig ist — und sie soll 
in allen Fällen von Heiserkeit, besonders wenn diese andauernd ist, 
gemacht werden — zunächst die Spiegelung versuchen und wenn diese 
an der Widerspänstigkeit der Kinder scheitert oder aus anderen 
Gründen nicht durchführbar ist, zu der direkten Besichtigung über¬ 
gehen. Ob man diese mit dem Kirsteinschen Spatel oder einem 
Kilianschen röhrenförmigen Instrument vornimmt, hängt von der 
persönlichen Liebhaberei und Übung des Arztes ab. Für die Vor¬ 
nahme endolaryngealer operativer Eingriffe haben die autoskopischen 
Methoden bei der Anwendung des Spiegels den Vorzug, daß die fort¬ 
währende Beschmutzung der Spiegelfläche durch emporgehustetes 
Blut und Sekret fortfällt. 

Von den Kehlkopfkrankheiten der Kinder wurden besprochen: 
der kongenitale Larnyxstridor, die akute und chronische Laryngitis, 
speziell die im Kindesalter so häufige Laryngitis nodosa, der gegen¬ 
über alle therapeutischen Maßnahmen überflüssig sind, die aber ge- 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


123 


wohnlich im Pubertätsalter von selbst verschwindet, und die Papillome. 
Die Frage, ob man diese durch endolaryngeale Eingriffe oder durch 
Operation von außen her (Laryngofissur) entfernen soll, scheint heute 
zugunsten der ersteren Methode entschieden. Finder (Autoreferat). 

H. flaase, Über eine Epidemie von hysterischem Laryn¬ 
gismus. (Wiener med. Presse. 1906. Nr. 22.) H. erlebte diese 
Epidemie in einem Wiener Waisenhaus, welches 36 Mädchen von 
6—16 Jahren beherbergt. Es erkrankten plötzlich etwa ein Dutzend 
derselben an Husten. Derselbe erinnerte lebhaft an Pertussis, wich 
aber in mancher Weise davon ab. Der Husten wurde immer inten¬ 
siver, immer mehr Kinder wurden befallen. Eines Tages verlor ein 
Mädchen diesen Husten, es fing aber dafür rhythmische bellende und 
heulende Töne auszustoßen an, und noch am gleichen Tage bellten 
und heulten auch die anderen Mädchen in gleicher Weise. Es ge¬ 
sellten sich Schwächezustände und Mattigkeit, sowie hochgradige 
Reizungen im Nervengebiete hinzu, welche den Verdacht des neuro- 
pathischen Charakters der Affektion noch bestärkten. Prof. Kassowitz, 
der hinzugezogen wurde, nahm sich jedes Mädchen einzeln vor, be¬ 
ruhigte sie, machte ihnen dabei energisch das häßliche dieser tierischen 
Laute klar, mahnte und drohte, und sehr bald waren die Mädchen 
von ihrem Leiden befreit. Grätzer. 

L. Ballin, Zur Ätiologie und Klinik des Stridor inspi- 
ratorius congenitus. (Jahrb. f. Kinderheilk. Bd. 62. Heft 6.) Ent¬ 
gegen den Befunden Hochsingers, die sich alle nur auf röntgo- 
graphische Untersuchungen stützen, ergaben zwei Sektionen von 
Kindern, die an typischem Stridor inspiratoris congenitus litten, 
direkt kleine Thymen und keine Spur von Hypertrophie. Für 
solche Fälle muß also die Annahme eines Stridor thymicus im Hoch- 
singerschen Sinne abgelehnt werden. Dagegen fond sich in zwei 
Fällen eine abnorme Bildung des Kehlkopfs — Kleinheit des 
ganzen Organs und starke Verengerung des Aditus laryngis. Ob 
diese Anomalie auf eine primäre Verbildung des Kehlkopfs oder auf 
eine Koordinationsstörung mit sekundärer Formveränderung des Kehl¬ 
kopfes zurückzuführen ist, bleibt unentschieden. Hecker (München). 

Herrn. Cohn (Berlin), Ein Fall von Tracheostenose und 
plötzlichem Tode durch Thymusschwellung. (Deutsche med. 
Wochensohr. 1906. Nr. 35.) 

C. wird zu einem 8 Monate alten Kinde gerufen wegen krampfartiger An¬ 
fälle, die seit 2 Tagen sich zeigen; auch soll das Kind seit 4 Wochen etwas 
schweratmig sein, und diese Schweratmigkeit in den letzten 14 Tagen unter un¬ 
regelmäßigem Fieber an Intensität zugenommen haben. 

C. findet ausgesprochen stenotische Atmung. Bei der Einatmung deutliche 
inspiratorische Einziehungen der seitlichen unteren Thoraxflächen; rhythmisch bei 
der Atmung, besonders im Exspirium, über dem Jugulum und besonders auf der 
Koken Seite des Halses polsterartige Schwellungen hervortretend. 

Keine diphtheritische Stenose, kein Retropharyngealabszeß, Hals und Nase 
frei, im Rachen nichts, keine akuten Zervikaldrüsenschwellungen; Kopf frei be¬ 
weglich, Husten nicht laryngeal, nicht bellend; diffuse Bronchitis. Bei Palpation 
der unteren Halspartien hatte C. in der Fossa jugularis das Gefühl, als ob sich 
vom Mediastinum her bei der Atmung eine Resistenz nach oben verschiebe; bei 
der Perkussion fand sich über dem oberen Teile des Sternum eine starke Dfim- 


Digitized by 


Google 



124 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


pfung, die das Sternum nach beiden Seiten etwas überschritt nnd bis zur Höbe 
der 3. Rippe reichte. Temp. 38,8°, Puls 140. 

Diagnose: Atmungsstörung durch Thymusschwellung. Ordination: Jodtinktur- 
pinselung, hydropathische Umschläge, Ipecacuanha. 

Befund am nächsten Tage unverändert. C. beobachtete einen der jetzt alle 
2—3 Stunden wiederkehrenden Anfälle: Das Kind beginnt plötzlich ängstlich zu 
wimmern, mit den Händen um sich zu schlagen, der vorher volle und kräftige 
Puls wird sehr klein, fadenförmig und sehr beschleunigt (über 200), die Lippen 
werden immer blauer bis tiefzyanotisch; auf diesem Höhestadium der Asphyxie 
verharrt das. Kind wenige Sekunden, dann erholt es sich allmählich, und nach 
2 Minuten ist alles vorbei. Temp. 40° in ano. 

In der nächsten Nacht wird das Kind tot im Bett vorgefunden. Die Sek¬ 
tion deckte einen Abszeß der Thymus auf, die in einen kleinapfelgroßen Eitersack 
verwandelt erscheint. 

Der Fall zeigt zunächst, daß Tracheostenose durch Thymus¬ 
schwellung möglich ist, daß aber der Druckwirkung vor allem die 
großen Gefäße unterliegen. In welcher Weise, geht aus obiger Schilde¬ 
rung hervor. Ob nicht manche der „plötzlichen Todesfälle“ auch 
nicht ohne Vorboten eingetreten sind, ob nicht auch bisweilen leichtere 
Anfälle obiger Art vorausgingen, die bloß nicht genügend beachtet 
wurden! Jedenfalls ist der Tod durch Thymushypertrophie eher die 
Folge des Druckes auf die Gefäße, als des Druckes auf die Trachea. 

Grätzer. 

0. A. Asburg, Fremdkörper im rechten Bronchus. (La- 
ryngoscope. Dezember 1906.) Der aspirierte Fremdkörper, eine breit¬ 
köpfige Nadel, wurde bei einem 4 jährigen Kinde mit Hilfe der Röntgen¬ 
durchleuchtung festgestellt und unter Chloroform mit dem Kilian sehen 
Bronchoskop entfernt, das man durch den Tracheotomiewunde ein¬ 
geführt hatte. Nach einer Woche wurde die Kanüle herausgenommen. 
Das Kind genas. H. Netter (Pforzheim). 

Gulsez (Paris), Remarque ä propos d’un sixiöme cas d’ex- 
traction de corps ötrangers bronchiques par la broncho- 
scopie supörieure. (Revue mens, des malad.del’enfance. Jan. 1907.) 
Der Verf. beschreibt einen neuen Fall, bei dem es ihm gelungen ist 
auf natürlichem Wege durch das Bronchoskop einen in die Bronchien 
gelangten Fremdkörper zu extrahieren, und hebt die Vorteile dieser 
Methode gegenüber der Thorakotomie hervor. 

In dem betreffenden Falle handelte es sich um einen 5 */ 2 jährigen 
Knaben, welchem das Mundstüpk einer Kindertrompete in den rechten 
Bronchus gelangt war und dort einerseits durch das Röntgenbild und 
andererseits durch das musikalische Geräusch, welches dasselbe beim 
Atmen zu hören gab, nachgewiesen werden konnte. Sowie die Röhre 
des Apparates bis zum Fremdkörper eingeführt wurde, konnte das¬ 
selbe mit einer speziellen Pinzette gefaßt und mitsamt dem ganzen 
Apparate extrahiert werden. In Chloroformnarkose bietet das Ein¬ 
fahren des Bronchoskops keine besonderen Schwierigkeiten dar, ge¬ 
wisse Stellen lösen, trotz tiefer Narkose, Hustenstöße aus, was durch 
Kokaineinpinselungen mit Leichtigkeit bekämpft werden kann. 

E. To ff (Braila). 

Dumas, Les inhalations d’oxygöne dans les broncho- 
pneumonies infantiles. (Thöse de Lyon. 1906.) Die Behandlung 
der Bronchopneumonie bei Kindern steht noch bei weitem nicht auf 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


125 


so festen Füßen, als daß man nicht jede Verbesserung und Erweite¬ 
rung derselben mit Freude begrüßen sollte. Namentlich ist es das 
Symptom der Dyspnoe, welchem man meist machtlos gegenübersteht, 
und für dasselbe dürfte die Behandlungsweise des Verf.s mittels In¬ 
halationen von Sauerstoff von besonderem Vorteile sein. Doch wirken 
dieselben nicht nur symptomatisch auf den Luftmangel, sondern auch 
auf den ganzen Zustand des Patienten. Das Angstgefühl, die Cya- 
uose und die krampfhaften Inspirationen verschwinden, um einem 
Ruhezustand Platz zu machen, und die kleinen Patienten schlafen 
meist nach der Inhalation ruhig ein. Der Puls wird voller und regel¬ 
mäßiger, und auch die Zahl der Atemzüge in der Minute nimmt in 
erheblichem Maße ab. Es scheint, daß der Sauerstoff auch lokal 
auf die Infektion der Luftwege in kurativer Weise ein wirkt. 

Bei größeren Kindern ist die Administration des Mittels sehr 
leicht, nur kleinere Patienten müssen erst mit dem Saugstücke ge¬ 
wöhnt werden, worauf sie dann dasselbe oft selbst verlangen. 

Die Menge des zu verwendenden Sauerstoffes beträgt 80—100, 
oft auch bis 200 1 in 24 Stunden. Man scheue größere Dosen nicht, 
da dieselben ganz ungefährlich sind. Die Inhalationen können 
während der Nacht ausgesetzt oder fortgesetzt werden, je nach dem 
Zustande des Kranken und dem Grade der Erkrankung. 

Der Verallgemeinerung dieser Behandlungsweise dürfte sich der 
Kostenpunkt entgegenstellen, namentlich in der Privatpraxis, wo etwa 
3—3,50 Fr. pro Tag für die notwendige Gasmenge zu verausgaben 
wären. Im Krankenhause aber könnte man die Kosten von 1001 
Sauerstoff auf etwa 50 Centimes ansetzen. E. Toff (Braila). 

E. Cohn-Kindborg, Über Heißlufttherapie bei Emphysem, 
chronischer Bronchitis und Asthma bronchiale. (Aus der 
Mediz. Univers.-Poliklinik in Bonn.) (Berliner klin. Wochenschrift. 
1906. Nr. 41.) Verf. hatte sich davon überzeugt, daß durch Erhitzung 
der Thoraxoberfläche eine intensive Blutableitung, eine Entlastung der 
Lunge zustande kommt, und suchte dies bei Fällen, wo eine Blut¬ 
entlastung der Lunge angezeigt erschien, therapeutisch zu verwerten. 
Ein von der Firma Eschbaum hergestellter, den ganzen Thorax um¬ 
fassender Heißluftkasten, der an den Öffnungen für Kopf, Rumpf und 
Arme mit Filz abgedichtet und über einem Stuhl mit Rückenlehne 
in beliebiger Höhe verstellbar ist, wurde benutzt (der Apparat ist so 
verstellbar, daß auch Kinder bis zu 6 Jahren herab ihn benutzen 
können; es werden aber noch Kästen von verschiedener Größe her¬ 
gestellt werden). Dauer der Sitzung 1 Stunde, Erhitzung bis zu 80° C. 

Die therapeutischen Erfolge waren recht befriedigend. Unter 
12 Fällen von Emphysem und chronischer Bronchitis, meist Kom¬ 
binationen beider, 11 mal sehr günstige Beeinflussung der Erschei¬ 
nungen. 5 Fälle von Asthma bronchiale (darunter 4 Kinder), alles 
recht schwere Fälle, wurden ebenfalls günstig beeinflußt, sowohl was 
die subjektiven, als auch was die objektiven Symptome betrifft: z. B. 
subjektive Erleichterung der Atemnot, Verschwinden des Stridors, 
erheblicher Rückgang des Volumen pulmonum auctum, Zunahme der 
Vitalkapazität der Lungen, Nachlassen des Hustens und Auswurfs usw. 

» Grätzer. 


Digitized by 


Google 



126 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


Bose (Roche-Guyon), Pneumonie franche döbutant par un 
accfes de faux-croup. (Revue mensuelle des maladies de Penfance. 
Juin 1906.) Die stridulöse Laryngitis ist bei Kindern oft der An¬ 
fang einer allgemeinen oder lokalen Eirankheit, so z. B. sind die An¬ 
fälle von falschen Krupp bekannt, welche am Anfänge gewisser Masern¬ 
erkrankungen auftreten. Ähnliches kann auch bei Bronchitis und 
Pneumonie beobachtet werden. In letzterer Beziehung gibt der Verf. 
die Krankengeschichte eines 6^ Jahre alten Kindes, bei welchem 
eine lobäre Pneumonie mit kruppösen Anfällen begonnen hatte, so 
daß man schon auf dem Punkte war, die Intubierung vorzunehmen. 

E. Toff (Braila). 

Clinciu und V. Popeseil (Bukarest), Influenza kompliziert 
mit Lungengangrän und nachfolgendem Pyopneumothorax. 
(Spitalul. 1906. Nr. 4.) Der Fall, einen 15 jährigen Knaben betreffend, 
bot Interesse sowohl durch die ungewöhnliche Komplikation, als auch 
durch die Raschheit, mit welcher die verschiedenen Erscheinungen 
aufeinander folgten, dar. Von Beginn der Erkrankung bis zum Exitus 
letalis vergingen nur 5 Wochen, und wurde bei der Nekropsie eine 
nußgroße gangränöse Stelle in der rechten Lunge und rechtsseitiger 
Pyopneumothorax gefunden. Im gangränösen Herde fand man Staphylo¬ 
kokken, Streptokokken und Saprophyten, hingegen waren im Sputum 
während des Lebens nur Pfeiffersche Bazillen nachweisbar, da es zu 
einer Expektorierung der gangränösen Massen noch nicht gekommen war. 

E. Toff (Braila). 


Kucera, Zwei Fälle von Tracheobronchitis hervor¬ 
gerufen durch den Mikrococcus catarrhalis. (Przeglad lekarski. 
Nr. 28 ex 1906.) Ein 18 jähriges Mädchen erkrankte unter E'ieber- 
erscheinungen (39,5 °C.), Kopfschmerzen und leichtem Bronchialkatarrh. 
Widal negativ. In der zweiten Woche geringe Milzschwellung. Mangels 
sonstiger Daten wurde Influenza konstatiert, die Wirkungslosigkeit des 
Aspirin fiel aber schon damals auf. 

Paar Tage darauf erkrankte ein 3 jähriges, durch die Obgenannte 
gepflegtes Kind, an ebensolchen, jedoch seitens des Respirationstraktus 
bedeutend intensiveren Erscheinungen; auch hier wurde Influenza an¬ 
genommen. Das beim Kinde untersuchte Sputum hatte makroskopisch 
ein mukopurulentes Aussehen, mikroskopisch aber statt des sonst bei 
akutem Katarrh vorzufindenden Bildes, sah man Diplokokken, die sich 
nach Gram färbten, und welche auf Agar oder Aszitesflüssigkeit 
übertragen, fast Reinkulturen von Mikrococcus catarrhalis darboten. 

K. hebt die Ähnlichkeit dieses Mikrococcus mit dem Mikrococcus 
meningitidis intrac. hervor, und betont, daß man bei der Diffe¬ 
rentialdiagnose sich mit der Gram sehen Methode nicht zufrieden 
geben soll. 

Es scheint zweifellos, daß dieser Diplococcus Ursache der 
Krankheit des Kindes war, ex post muß man ihn auch als Erreger 
des Leidens des Mädchens ansehen. K. glaubt, daß solche Fälle 
ziemlich oft Vorkommen, und zwar dann, wenn keine ausgesprochenen 
Influenzaerscheinungen vorhanden sind, und doch keine Basis für eine 
anderweitige Diagnose gegeben ist. Speziell trifft das bei Kindern 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


127 


zu, woselbst wir diesen Mikrococcus catarrhalis häufiger finden'als 
bei Erwachsenen. Eine ähnliche Epidemie trat bei Säuglingen im 
St. Annen-Spital in Wien im Oktober v. J. und Jänner d. J. auf. 

Gabel (Lemberg). 

M» Rostowzew, Über das Epidemische der Perityphlitis 
und über die Beziehung derselben zur Grippe und den 
anderen Infektionskrankheiten. (Beilage der St. Petersb. med. 
Wochenschr. 1906. Nr. 25.) Entsprechend den Anweisungen Golu- 
bows nahm R. „große Zahlen“ statistischer Angaben zweier großer 
städtischer Hospitäler Petersburgs und kam auf Grund dieses Mate¬ 
rials zur Überzeugung, daß die Furcht vor der Perityphlitis absolut 
unbegründet ist, da eine progressive Verbreitung derselben durchaus 
nicht festzustellen ist. Die größere Häufigkeit ist nur eine schein¬ 
bare und dadurch zu erklären, daß die Arzte sie besser kennen und 
leichter diagnostizieren als früher. Diese Krankheit ist auch im 
Publikum daher „modern“ geworden, wofür die Gründung verschie¬ 
dener Appendizitisklubs und der Versicherungsgesellschaften gegen 
Appendizitis spricht. Die Theorie über die epidemische Verbreitung 
ist nur auf allgemeine Eindrücke begründet und kann durch stati¬ 
stische Ziffern widerlegt werden. Die ätiologische Rolle der In¬ 
fluenza ist eine höchst geringe und hinterläßt kaum irgendwelche 
Spuren, da diese Fälle sich in der allgemeinen Masse verlieren; das¬ 
selbe gilt von den übrigen Infektionskrankheiten auch. 

H. Netter (Pforzheim). 

LuigiConcetti (Rome), L’appendicite avecsymptomatologie 
k gauche. (Archives de möd. des enfants. Decembre 1906.) Der Verf. 
bestätigt das, namentlich von Senglave in seiner Inauguraldisserta¬ 
tion (Monpellier 1906) beschriebene Vorkommen von Appendizitis mit 
hauptsächlicher Lokalisation der Symptome links und führt zwei 
Fälle eigener Beobachtung, ein 3 und ein 6 jähriges Kind betreffend, 
an, von denen letzteres nach vorgenommener, wiederholter Lapora- 
tomie und nach Entleerung verschiedener Eiteransammlungen, genas. 
In beiden Fällen wurde eine Nekrose des Wurmfortsatzes mit Aus¬ 
tritt infektiöser Stoffe in den Bauchraum gefunden, wodurch keine 
lokale Infektion, sondern eine rasche, akute Entzündung der ganzen 
peritonealen Serosa, mit hauptsächlicher Lokalisation der pathogno- 
monischen Erscheinungen in der linken Bauchseite, bewirkt wurde. 

In solchen Fällen ist ein chirurgischer Eingriff unbedingt not¬ 
wendig und muß immer der Zustand des Wurmfortsatzes festgestellt 
werden, da sonst, trotz antiseptischer Waschungen, infolge Fort¬ 
bestehens der pathogenen Ursache, d. h. des Ergusses fäkaler Massen 
in den freien Bauchraum jede Genesungshoffnung zunichte ge¬ 
macht wird. 

Bei beiden obenerwähnten Fällen wurden Koprolithen im Wurm¬ 
fortsätze gefunden,’ welche wahrscheinlich die Ursache des nekrotischen 
Prozesses waren. E. To ff (Braila). 

GiOYanni Setti, Primärer, rasch zum Tode führender und 
eine Perityphlitis Tortäuschender Psoasabszeß. (Gezz. degli 
osped. e delle clipiche. 1906. 25. Febr.) 8 jähriger Knabe eines 


Digitized by 


Google 



128 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4 


syphilitischen Vaters mit 2 x / 2 Jahren Pertussis, mit 3% Jahren 
Masern, kräftiges Kind. Am 19. September 1901 stürzte es, mit 
einem schweren, an den Schultern befestigten Tragkorb zu Boden, 
auf die rechte Flanke. In der Nacht vom 19. zum 20. September 
Leibschmerzen, worauf die Mutter am folgenden Morgen eine Dosis 
Rizinusöl gab. Danach harter, schwärzlicher, übelriechender Stuhl 
mit 6 Askariden darunter. In der folgenden Nacht innerlich Leib¬ 
schmerzen, unten und rechts in das Bein ausstrahlend. Bei Druck 
in die Fossa iliaca leichte Schmerzhaftigkeit Hüftgelenk frei, kein 
Fieber. Calomel mit Scamonium. Während der nächsten 3 Tage 
Zustand befriedigend. Am 25. September, am 6. Krankheitstag, 39,2, 
rechtes Bein gegen das Becken gebeugt, beim Schreien heftige 
Schmerzen, Leib aufgetrieben, Döfense musculaire in der Ileocoecal- 
gegend. Am 26. hat sich der Schmerz in das Hypogastrium aus¬ 
gebreitet, dabei Dysurie und andauerndes Fieber. Meteorismus und 
Leibschmerzen steigern sich immer mehr. Jetzt wird ein Tumor in 
der rechten Fossa iliaca fühlbar. Beide Beine im Hüftgelenk ge¬ 
beugt. Anorexie, Nausea, Delir, Konvulsionen. Am 27. teilt man der 
Mutter mit, daß es sich um eine eitrige Perityphlitis handelt Tod 
am 1. Oktober. 

Autopsie: Appendix normal, Coecum kongestioniert, kein Eiter 
in der Bauchhöhle; Musculus ileo-psoas in seinem mittleren Teil ge¬ 
schwollen. Auf eine Inzision in dieser Gegend entleeren sich 200 g 
Eiter. Weder am knöchernem Becken noch an den Wirbeln irgend 
eine krankhafte Veränderung. H. Netter (Pforzheim). 


Ch. Lcroux, Pneumonie und Appendizitis. (Sociötö möd. 
chir. de Paris. April 1906.) Ein 5jähriges Kind wird plötzlich von 
Fieber, Erbrechen, Schmerzen in der rechten Bauchseite, Aufblähung usw. 
befallen. Der Vater, selbst Arzt, hält die Erkrankung für eine akute 
Appendizitis. Aber das Kind hat ein Oppressionsgefühl, der Schmerz 
ist ein diffuser, ohne genaue Lokalisation, ohne Döfense musculaire. 
L. hält den Zustand für eine pseudoappendikuläre Pneumonie. Der 
Verlauf gab ihm Recht — Ein 12 jähriges taubstummes Kind wird 
am 18. Dezember 1905, 5 Uhr abends, von Frost und Fieber und 
Erbrechen befallen. Im rechten Hypophondrium besteht Schmerz. 
Temperatur 39,5, Puls 120. Am folgenden Tag findet L. den Kranken 
von Oppressionsgefühl befallen, ohne Husten, mit 40,2 und 130 Pulsen. 
Am Thorax keine physikalischen Zeichen, Leib jedoch aufgebläht, 
zwischen Leber und Appendixgegend Druck schmerzhaft, leichte 
Döfense musculaire. Man hält den Zustand für eine Pneumonie des 
rechten Unterlappens „mit abdominalem Seitenstechen“. Gleichwohl 
wird auf den Leib Eis appliziert. Abends 40,5; am folgenden Tag 
Röhrenatmen unterhalb des Skapularwinkels. Leib immer schmerz¬ 
haft mit Döfense musculaire am McBurneyschen Punkt. In der 
Annahme einer konkomitierenden Appendizitis Überführung in das 
Hospital. Per rectum fühlt man einen rundlichen Tumor, Puls 140, 
Neigung zum Kollaps. Bei der Operation zeigt sich eine eitrige 
Peritonitis mit perforierender Appendizitis. Tod. Autopsie: Pneu¬ 
monie der zwei unteren Drittel der rechten Lunge, abgesackte eitrige 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


129 

Peritonitis. Wahrscheinlich hatte der Kranke eine leichte Appen¬ 
dizitis, die durch das Hinzu treten der Pneumonie von neuem ange¬ 
facht wurde. Wenn also die Pneumonie mit abdominalem Seiten¬ 
stechen für eine Appendizitis imponieren kann, so kann die Appen¬ 
dizitis sich in gleicher Weise mit einer Pneumonie komplizieren. 

H. Netter. 

E. Patry, Akute generalisierte Pneumokokkenperitonitis. 
(Revue mödicale de la Suisse romande. 1906. 20. Mai.) Das 5jähr. 
Mädchen hatte bereits mehrere Male an Vaginitis gelitten. Am 
20. August 1904 wurde es plötzlich nachmittags von heftigen Leib¬ 
schmerzen und Erbrechen befallen. Ein zwei Tage darauf herbei¬ 
gerufener Arzt diagnostizierte eine Peritonitis und überwies das Kind 
dem Hospital. Puls 136, Temperatur 39°, Facies abdominalis, Leib 
ballonartig, Döfense musculaire. Da die Schmerzen besonders in die 
rechte Seite lokalisiert wurden, nahm man eine appendikuläre Peri¬ 
tonitis an und schritt um 8 Uhr abends zur Operation, 4^ Tage 
nach Beginn der Erkrankung. Bei der Eröffnung des Leibes flössen 
etwa 150 g einer geruchlosen seropurulenten Flüssigkeit ab. Das 
Peritoneum hyperämisch, Darmschlingen gebläht und mit Pseudo¬ 
membranen bedeckt. Zur leichteren Freilegung eines entzündlichen 
Pakets in der rechten Fossa iliaca wird ein zur ersten Inzisionswunde 
perpendikulärer Schnitt gemacht. Resektion eines für den Appendix 
gehaltenen Organs. Toilette der Bauchhöhle. Seruminjektion. Nach 
einigen Tagen entwickelte sich, während die Dinge im Unterleib 
sich günstig gestalteten, eine linksseitige Unterlappenpneumonie mit 
folgender Pleuritis der rechten Seite. Beim Verbandwechsel am 
19. September stößt sich ein Paket brandigen Gewebes ab, dem die 
Entleerung von 20 g Eiter folgte. Andauerndes Fieber, Leibschmerzen, 
am 8. Oktober Erbrechen von Galle im Eiter. Von da ab Besserung 
und schließliche Heilung. Das für den Appendix gehaltene Organ 
waren das rechte Ovarium und ein Teil der Tube. H. Netter. 

Oppenheimer, Über die Anwendung von Sonnenbädern 
bei Peritonitis tuberculosa. (Zeitschr. f. physik. u. diätet. Ther. 
Bd. X. Heft. 10.) Der Verf. hat bei 2 Fällen von tuberkulöser Peri¬ 
tonitis mit großem Erfolg Sonnenbäder angewandt. Der Leib wurde 
zusehends weicher; der Leibesumfang ging erheblich zurück; das 
Körpergewicht nahm zu und das ganze Aussehen der Kinder ver¬ 
änderte sich auf das günstigste. Während vor Beginn der Sonnen¬ 
bäder die Kinder das Bild von Schwerkranken dargeboten hatten, ge¬ 
nügten wenige Bäder, um das Bild von Grund aus zu verändern. 
Auf welche Weise die günstige Wirkung der Besonnung zustande ge¬ 
kommen ist, vermag der Verf. nicht anzugeben; er vermutet, daß 
durch die starke Erwärmung eine Hyperämie des Peritoneums erfolgt, 
also etwas Analoges, wie bei der Laparotomie, deren Heileffekte bei 
dieser Krankheit bekannt sind. Wenn dies richtig wäre, so würden 
sich für die Anwendung von Sonnenbädern die gleichen Indikationen 
ergeben wie für die Bi ersehe Stauung. Freyhan (Berlin). 

Wilczynski, Cytologische Untersuchungen der pleuri- 
tischen, peritonitischen Ex- und* Transsudate sowie des 

Contralbl. f. Kinderlilkde. XII. H I 

Digitized by VjOOQIC 



130 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


Liquor cerebro-spinalis. (Gazeta lekarska. 1906. Nr. 4 u. 5.) Im 
Liquor cerebro-spinalis findet man bei Meningealtuberkulose Lympho¬ 
zytose, wogegen bei epidemischer Genickstarre neutrophiles Sediment 
zu konstatieren ist, bei anderen akuten Infektionskrankheiten enthält 
der Liquor cerebro-spinalis keinerlei morphotische Elemente. Bei Ge¬ 
hirnlues finden wir entweder reine Lymphozytose oder mit neutrophiler 
Beimengung. In 70 °/ 0 Fällen von Tabes wurde Lymphozytose be¬ 
obachtet. Erythrozytose kommt bei frischen Gehirnhämorrhagien vor. 

Dort wo Verdacht auf eine Affektion von Gehirn und Rückenmarks¬ 
häuten vorhanden ist, soll der Liquor cerebro-spinalis untersucht 
werden. 

Abgesehen davon, daß Lumbalpunktion der einzige rationelle thera¬ 
peutische Eingriff bei epidemischer Genickstarre ist, ist sie zugleich 
ein wichtiges differentialdiagnostisches Hilfsmittel. Gabel (Lemberg). 

Dllfour, Die Behandlung der chronischen Pleuritis mit 
Punktion und Luftinjektion. (Sociötö mödicale des hopitaux in 
Paris, 12. Okt. 1906; Semaine mödicale. 1906. Nr. 43.) Bei der 
Patientin, welche seit ungefähr 6 Monaten an Pleuritis litt, waren 
6 Punktionen bereits vorgenommen worden, doch hatte sich das Ex¬ 
sudat nach jeder Punktion erneuert. Bei jeder Punktion konnten nie¬ 
mals mehr als l l / 2 Liter entleert werden, weil sich sonst Intoleranz¬ 
erscheinungen, Atemnot, Oppression usw. emsteilten, wahrscheinlich be¬ 
dingt durch Adhäsionen, welche eine Erweiterung der Lungen hinderten. 
Bei einer 7. Punktion wurde, sobald Intoleranzerscheinungen sich 
meldeten, Luft durch eine neben dem Troikart eingestochene Lum- 
balpunktionsnadel mit Hilfe eines Gebläses von einem Thermokauter 
injiziert, im ganzen l 3 / 4 Liter. Auf diese Weise gelang in einer 
einzigen Sitzung die Entnahme von S l / 2 Liter Exsudat ohne das 
Dazwischentreten von Intoleranzerscheinungen. Die Kranke wurde 
vollständig hergestellt. Die Injektion von Luft ist auch das einzig 
wirksame Verfahren zur Vermeidung des Lungenödems, wie es 
während einer Punktion der Pleurahöhle vorkommt. — Vaquez betont 
zunächst im Anschluß an den Vortrag von D., daß Gaseinblasungen 
in zweifacher Weise wirken können: Sie wirken bei Tuberkulose 
mechanisch durch Immobilisation der Lunge infolge des künstlichen 
Hydropneumothorax und erleichtern bei Pleuraergüssen die Resorption 
und verhüten eine Wiederkehr. Bei akuten Pleuritiden vermag das 
Verfahren die Entwicklung der Krankheit abzukürzen und das Auf¬ 
treten von Rezidiven hintanzuhalten. In einem Falle von akuter 
tuberkulöser Pleuritis, die wiederholte und immer häufigere Punktionen 
nötig machte, wurde durch eine intrapleurale Injektion von Stickstoff 
Heilung erzielt. . Identische Resultate lassen sich bei sehr chronischer 
Pleuritis, die 8 oder 10 Punktionen nötig machten, erzielen. Die 
Wirkung des Gases ist eine rein mechanische, es immobilisiert die 
Lunge und verhütet eine allzu brüske Entspannung der Lunge, wie 
sie bei Punktionen Vorkommen. Zu den Injektionen eignet sich am 
besten ein langsam resorbierbares Gas. Darum ist der Sauerstoff 
ungeeignet. Am besten verwendet man den Stickstoff, der indifferent 
und schwer resorbierbar ist. In mehreren Fällen konnte er noch 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


131 


einige Monate nach der Injektion in der Pleurahöhle nachgewiesen 
werden. Die gleichzeitige Injektion von l 1 /* Liter Stickstoff ermög¬ 
licht die Entleerung großer Pleuraergüsse in einer Sitzung ohne das 
Dazutreten übler Nebenwirkungen. Achard hat sich der hier emp¬ 
fohlenen Methode wiederholt mit Vorteil bedient. H. Netter. 

Grande, II riassorhimento del liquidio pleurico col 
massaggio addominale. (Rivista Intemazionale di Terapia Fisica. 
Bd. VII. Nr. 5. 1. Mai 1906.) Ver£ hat schon in einer früheren Arbeit 
den guten Einfluß der abdomnialen Massage auf die Diurese betont 
und einen Fall von Pleuritis serosa, geheilt durch abdominale 
Massage, veröffentlicht. Jetzt fügt er einen zweiten Fall hinzu. Die 
absolute Dämpfung reichte hinauf bis zur Spina scapulae; die Urin¬ 
menge betrug 600 ccm täglich. Sie stieg nach eintägiger Bauch¬ 
massage auf 1200 ccm und erreichte nach 7 Tagen 2000 ccm. Die 
Massage wurde 2 mal täglich je 10 Minuten lang ausgeübt. Nach 
18 Tagen konnte Patient als völlig geheilt entlassen werden. 

Fischer-Defoy (Kiel). 

H. Dreesmann, Saugbehandlung bei eitriger Pleuritis. 
(Aus dem St. Vincenzkrankenhaus Köln.) (Medizin. Klinik. 1906. Nr. 32.) 
In 2 Fällen bei Kindern hat D. eine sehr einfache Vorrichtung ange¬ 
wandt, die sich bewährt hat und den Anforderungen vollauf entspricht. 
In einer etwas gewölbten Aluminiumplatte von 5 cm Durchmesser ist 
in der Mitte eine metallene Kanüle eingesetzt von 0,75 cm Durch¬ 
messer. Diese Kanüle ragt auf beiden Seiten 1,5 cm vor. Die Alu¬ 
miniumplatte selbst ist auf beiden Seiten mit gutem Gummistoff über¬ 
zogen und muß dieser die Aluminiumplatte rings herum um 10 cm 
überragen. Auf das auf der konkaven Seite vorhandene Ende der 
Kanüle wird ein beliebig langes Gummidrain aufgesetzt, welches in 
die Pleurahöhle zu liegen kommt. Auf das andere Ende der Kanüle 
kommt gleichfalls ein Gummidrain, an das eine Saugspritze angesetzt 
wird. Der Gummistoff wird angefeuchtet und mit einer Binde um 
den Thorax befestigt. Saugt man nun mit der Spritze die Luft aus 
dqr Pleurahöhle, so legt sich der Gummistoff fest an den Thorax an 
und verhindert ein Eindringen der Luft in die Pleurahöhle. In letzterer 
wird ein negativer Druck hergestellt von beliebiger Größe, der Eiter 
wird entfernt und die Lunge zur Entfaltung veranlaßt. Vor Abnahme 
der Saugspritze wird das äußere Gummidrain mittels einer Klemme 
zugequetscht, die am Verband durch eine Nadel befestigt werden kann. 

Auf diese Weise erzielen wir in der erkrankten Pleurahöhle 
einen negativen Druck, der dauernd erhalten und beliebig verstärkt 
werden kann ohne Belästigung für den Patienten. Es ist ohne weiteres 
einleuchtend, daß die Wirkung dieser Saugbehandlung um so besser 
ist, je frühzeitiger sie eingeleitet wird, bevor schon dicke Schwarten 
die Lunge an ihrer Entfaltung hindern, oder dieselbe ihre Elastizität 
eingebüßt hat. In diesen Fällen dürfte ein dreimaliges Ansaugen 
am Tage genügen. Grätzer. 

Tisserand und Truchet, Pleuritis purulenta posttyphosa, 
Bacillus Eberth inReinkultur. Zwei Probepunktionen; spon¬ 
tane Resorption; Heilung. (Loire mödical. September 1906.) 

Digitized by (3 oogle 



132 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


Schon Achard hatte auf die anscheinend fehlende Tendenz zur All¬ 
gemeininfektion bei der posttyphösen eitrigen Pleuritis hingewiesen 
und den Rat gegeben, sich zu einem chirurgischen Eingriff Zeit zu 
nehmen und eine Besserung des Allgemeinzustandes erst abzuwarten. 
Die Beobachtung von T. und T. scheint zu lehren, daß eine eitrige 
posttyphöse Pleuritis sich spontan resorbieren kann, nicht nur ohne 
Pleurotomie, die von den meisten Autoren bisher für nötig und für 
den einzig wirksamen therapeutischen Eingriff gehalten wurde, sondern 
sogar ohne eine evakuatorische Punktion. Während der Rekonvaleszenz 
von einem normalen Typhus traten bei den Kranken der beiden Verff. 
die Zeichen einer Pleuritis diaphragmatica auf, eine Probepunktion 
ergab dichten, gelatinösen, leicht rosafarbenen Eiter, der den Eberth- 
schen Bazillus in Reinkultur, mit ziemlich hohem Agglutinations¬ 
vermögen enthielt. Eine 7 Tage später vorgenommene Punktion 
lieferte nur eine sero-sanguinolente Flüssigkeit, die rote Blutkörperchen 
und Lymphozyten, aber keine polynukleären enthielt, und steril war. 
Von da an machte die Heilung rapide Fortschritte. Wie meist bei 
den durch den Eberthschen Bazillus in Reinkultur erzeugten eitrigen 
Pleuritiden war die Entwicklung eine subakute, ohne schwere Alte¬ 
ration des Gesamtzustandes. Ursprünglich bazillenreiche typhöse 
Pleuritiden hat man auch in anderen Fällen in der Folgezeit steril 
werden sehen. Dieser bakteriologischen Benignität entspricht eine 
bemerkenswerte klinische Gutartigkeit, insofern eine spontane Heilung 
der eitrigen Pleuritis zustande kam. H. Netter (Pforzheim). 


A. Hand, Jr. and J. C. Gittings, An Analysis of 145 Cases 
of Typhoid Fever in Children. (Archives of Ped. Vol. XX. Nr. 6.) 
Unter den 145 Fällen von Typhus, die die Verff. beobachteten, waren 
22 unter 3 Jahre alt, 57°/ 0 waren Knaben und.43°/ 0 Mädchen. Die 
Prodromalsymptome konnten nicht sicher festgestellt werden. Meistens 
bestanden: Fieber (100°/ o ), Anorexie (78°/ 0 ), Kopfschmerzen (62°/ 0 ), 
Durchfall (55%), Leibschmerzen (53 °/ 0 ), Somnolenz (46 °/ 0 ), Erbrechen 
(42%), Verstopfung (35°/ 0 ), Nasenbluten (25%), Delirium (16 °/ 0 ), 
Ifrösteln (10%); Halsschmerzen, Schwindel und Konvulsionen sehr 
selten. Die Temperatur während des Verlaufes der Krankheit va¬ 
riiert zwischen 102° und 103° in 8 Fällen und 105° und 106° in 
49 Fällen; bei 11 Kindern stieg das Fieber bis 107°, die Fälle waren 
somit schwer. Die Widalreaktion war positiv in 138 Fällen. Die 
Zunge war dick belegt in 129 Fällen. Die Roseolen waren ausgesprochen 
in 87 Fällen. Die Milz war palpabel in 95 Fällen. Tympanitis 
wurde bloß 40 mal beobachtet. Obstipatio bestand in 33 und Diar¬ 
rhöe in 78 Fällen, bei den übrigen Kindern wechselten diese Symptome. 
Die nervösen Erscheinungen waren im allgmeinen nicht bedeutend. 
Bloß in 26 Fällen bestanden Delirien. Der Blutgehalt wurde bei 
121 Kindern untersucht und ergab Leukopenie von weniger als 
5000 Leukozyten per Kubikmillimeter in 112 Fällen. In den kom¬ 
plizierten Fällen war gewöhnlich eine hohe Leukozytose (11000—43 000). 
Folgende Komplikationen wurden beobachtet: Diphtherie 13, Pneu¬ 
monie 13, Otitis 13, Furunkulose 12, Darmblutung 8, Masern 2, De¬ 
kubitus 1, Gangrän der Haut 1, Darmperforation 1, Pleuropneumonie 1, 


Digitized by 


Google 



II. Referate 


133 


Scharlach 1, Nephritis mit Konvulsionen 1, Ischiorektalabszeß 1, Kon¬ 
vulsionen 1 mal. Rezidive traten bei sieben Patienten ein. Der Ver¬ 
lauf der Krankheit wechselte zwischen 8 und 48 Tagen, die meisten 
erholten sich nach 26 Tagen. 13 Kinder, also 8°/ 0 > starben; bloß 
2 von diesen waren unkompliziert. 

Die Behandlung war meistens symptomatisch. Diät bestand 
hauptsächlich aus Milch. H. B. Sheffield. 


P« Remlinger (Konstantinopel), Les analyses d’urines typhi- 
ques envisagöes au point de vue de la propagation possible 
de la maladie. (La presse mödicale. 1907. Nr. 5.) Der Verf. 
weist auf die Tatsache hin, daß ein großer Teil von Typhuskranken 
in ihrem Harne Eberthsche Bazillen aufweisen, folglich eine un¬ 
streitige Infektionsgefahr darbieten, dieselben aber, von diesem Stand¬ 
punkte aus, keinerlei Beaufsichtigung unterliegen. Namentlich bei 
Vornahme von Harnanalysen Typhischer werden keine Vorsichtsma߬ 
regeln ergriffen und der Harn in gleicher Weise wie jeder andere 
manipuliert, was eine Gefahr sowohl für das Wartepersonal als auch 
für den Apotheker oder Chemiker, der die Analyse vornimmt, in sich 
schließt. Apotheker können dann mit den infizierten Fingern, da die 
gewöhnliche Reinigung nicht mit Aseptik identisch ist, die Krankheits¬ 
keime auf die Medikamente, mit denen sie in Berührung gekommen 
sind, übertragen. 

In Anbetracht dieser Umstände müssen also strenge Vorsichts¬ 
maßregeln ergriffen worden. Der Arzt muß die Umgebung eines 
Typhuskranken nicht nur auf die Infektiosität des Stuhlganges, sondern 
auch auf jene des Harnes hin weisen. Die Flaschen, in welchen der 
Urin zur Analyse geschickt wird, müssen hermetisch schließen, der 
Apotheker oder Chemiker soll auf die Provenienz des Harnes und 
auf seine eventuelle Infektiosität aufmerksam gemacht werden, um 
sowohl bei der Analyse als auch nachher, beim Wegschütten des ge¬ 
brauchten Harnes, des Filterpapieres usw. die nötige Vorsicht ob¬ 
walten zu lassen. 

Bei dieser Gelegenheit weist R. darauf hin, daß auch der Harn 
bei anderen infektiösen Krankheiten pathogene Keime enthalten kann, 
daß also die angeführten Vorsichtsmaßregeln bei allen Harnanalysen 
überhaupt beobachtet werden sollten. E. Toff (Braila). 

P. ßemlinger (Konstantinopel), Le bacille d’Eberth dans 
Pintestin des sujets sains. Consöquences cliniques et öpi- 
dGmiologiques. (La presse mödicale. 1906. Nr. 53.) Der Verf. 
hat noch im Jahre 1896 in Verbindung mit G. Schneider nachge¬ 
wiesen, daß man Typhusbazillen im Stuhlgange gesunder Personen 
nachweisen kann. Ähnliches wurde auch von anderen Forschern ge¬ 
funden, während wieder andere die Anwesenheit derartiger Bazillen 
bei Gesunden vollständig leugneten. Koch hat diese Frage klargelegt, 
indem er nachwies, daß man nur dann Eberthsche Bazillen bei Ge¬ 
sunden findet, wenn dieselben im Kontakte mit Typhösen leben. Nach 
Kutscher wäre aber nicht der Darm der Hauptaufenthaltsort der¬ 
selben, sondern die Gallengänge, von wo aus sie dann in den Darm 
gelangen. Diese Lokalisation würde auch die außerordentliche Hart- 


Digitized by 


Google 



134 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


näckigkeit erklären, mit welcher sich diese Mikroorganismen wochen- 
und monatelang halten und allen Abführ- und Desinfektionsmitteln 
Widerstand leisten. 

Diese Tatsachen sind wichtig, gekannt zu werden, da sie zeigen, 
daß nicht nur der Typhiker seine Krankheit verbreiten kann, sondern 
auch die gesunden Personen seiner Umgebung, Familienmitglieder, 
Ärzte, Wärter usw., sowie sie Eberthsehe Bazillen mit ihren Fäkal¬ 
massen entleeren. Eine genaue Beobachtung bzw. Isolierung der¬ 
selben wäre also von Wichtigkeit. 

Ein anderer Schluß, welcher aus diesen Untersuchungen gezogen 
werden muß, ist der, daß bei einem Kranken das Auffinden von Typhus¬ 
bazillen im Stuhle nicht genügend ist, um die Diagnose Typhus mit 
Bestimmtheit stellen zu können, und ist hierzu die Hämokultur und 
der Nachweis der Serumagglutination notwendig. In letzterer Beziehung 
wird hervorgehoben, daß diejenigen Personen, welche Eberthsche 
Bazillen in ihrem Stuhle aufweisen, ohne aber typhuskrank zu sein, 
die verschiedenen für Typhus charakteristischen Blutreaktionen nicht 
aufweisen. E. Toff (Braila). 


Nicolinl (Galatz), Die Heilung des typhösen Fiebers mit 
Schwefelblumen und Salzklysmen. (Spitalul. 1906. Nr. 10.) 
Die ursprünglich von Vorohilsky und Burzagli vorgeschlagene 
Typhusbehandlung mit Schwefelblumen und Salzklysmen ist auch vom 
Verf. in seiner Spitalsabteilung bei 30 einschlägigen Fällen im Laufe 
von 2 1 / 2 Jahren in Anwendung gezogen worden und waren die Resul¬ 
tate sehr gute: von den erwähnten Fällen heilten 27 und endeten 3 
tödlich, doch handelte es sich bei letzteren um solche Patienten, die’spät 
in Behandlung getreten waren und bereits eine schwere, auf Toxi- 
infektion beruhende parenchymatöse Nephritis hatten. 

Was den Behandlungsmodus anbetrifft, so bekamen alle Patienten 
täglich je 4 Pulver von 0,30 g gewaschenen Schwefelblumen, und früh 
und abends je ein Klysma von Salzwasser (Chlornatrium 7,0 g, Natr. 
bicarbon. 6,0 g und sterilisiertes Wasser 1000,0 g). Als Nahrung 21 
Milch, einige Eidotter, Suppe, Kognak, Tee usw. täglich. Die Schwefel¬ 
behandlung übt eine günstige Wirkung auf das Allgemeinbefinden und 
die Temperatur aus, so daß nur in seltenen Fällen dieselbe 39,5° 
übersteigt und die Anwendung von kalten Waschungen oder Bädern 
notwendig macht. 

Der Vergleich der oben erwähnten Patienten mit anderen 28, 
welcher früher und in einem gleichen Zeiträume von 2 1 / 2 Jahren auf 
derselben Abteilung mit den sonst üblichen Methoden behandelt 
wurden, ergab bei letzteren 23 Heilungen und 5 Todesfälle, auch war 
der Verlauf der Krankheit im allgemeinen ein viel schwerer. Zu¬ 
sammenfassend spricht N. die Ansicht aus, daß jeder Typhusfall 
mittels der Schwefel-Salzklysmenbehandlung geheilt werden kann, falls 
derselbe innerhalb der ersten 15 Krankheitstage in Behandlung ge¬ 
langt. Auch ältere Fälle werden mit dieser Methode günstiger be¬ 
einflußt als mit jeder anderen. E. Toff (Braila). 


F. P. Kinnlcutt, A More Liberal Diet in Typhoid Fever. 
(Boston Med. and Surg. Journ. 1906. 5. July.) K. studierte die Re- 


Digitized by 


Google 



II. Beferate 


135 


sultate von 5000 Fällen von Typhus abdominalis, die verschiedenartig 
gepflegt worden sind und fand, daß Blutungen und Perforationen viel 
seltener vorkamen bei denjenigen Patienten, die eine reichliche semi¬ 
solide Diät erhielten als hei denen, welche hauptsächlich Milch be¬ 
kamen. Verf. kommt deshalb zum Schluß, daß erstere Diät bevor¬ 
zugt werden soll. Man muß jedoch stets den Zustand des Indivi¬ 
duums berücksichtigen, indem die Verdauungskraft in den Patienten 
beträchtlich variiert. Eine reine Zunge und wirklicher Hunger 
dürften als Indikation für eine sorgfältige gemischte Diät gelten. 

H. B. Sheffield. 

Emil Wennagel, Über die Beziehungen zwischen Krank¬ 
heitsdauer und Alter der Darmläsionen beim Abdominal¬ 
typhus. (Deutsch. Archiv f. klin. Medizin. Bd. 87. S. 551.) W. 
ging der Frage nach, ob tatsächlich einer jeden Krankheitswoche 
ein bestimmtes Stadium des pathologischen Prozesses an der Darm¬ 
schleimhaut entspricht Wie zu erwarten war, ist dies nicht durch¬ 
weg der Fall. W. kommt zu dem Ergebnis, daß die krankhaften 
Erscheinungen im klinischen Verlaufe des Typhus keine Folgen der 
Darmläsionen sind, daß sie ihnen vielmehr koordiniert sind. W. hält 
in Übereinstimmung mit der modernen Anschauung den Typhus für 
eine Allgemeinerkrankung, bei der Darmläsionen Vorkommen können. 

Starck. 

M. Lesieur (Lyon), De la fievre typhoide exanthömatique 
chez radulte et des exanthömes chez les typhiques. (La presse 
m^dicale. 1906. Nr. 102.) Der Verf. hat in Verbindung mit Weill 
die kutanen Eruptionen bei Typhus im Kindesalter studiert und ist 
zu folgenden Resultaten gelangt. 

Es gibt leichte Formen, wo sowohl das Exanthem als auch das 
Enanthem benigner Natur sind, ferner andere Formen, wo sowohl 
die kutane Eruption als auch die Störungen des Verdauungsapparates 
von bedeutender Intensität sind; derartige Formen müssen im allge- 
gemeinen als schwer angesehen werden. 

Unter den Formen mit gutartigem Verlaufe gibt es eine gewisse 
Anzahl von Fällen, die sich durch starke Entwicklung der Roseolen 
und leichten Erscheinungen von seiten des Darmtraktus auszeichnen; 
diese Formen sind meist gutartiger Natur, selbst wenn sonst schwere 
Komplikationen von seiten der Lungen, des Brustfelles oder des 
Herzens auftreten. 

Ähnliche Verhältnisse konnte der Verf. auch beim Erwachsenen 
vorfinden, und er gibt einige Beispiele, um das Gesagte zu illustrieren. 
Man muß sich aber hüten, das in Rede stehende exanthematische 
typhöse Fieber mit Scharlach-, rötelnähnlichen oder anderen gemischten 
Exanthemen zu verwechseln, wie man solche als Epiphänomene im 
Laufe eines Abdominaltyphus beobachten kann. Letztere, falls sie 
im Verlaufe der Krankheit auftreten, haben immer eine ernste Bedeutung. 

E. To ff (Braila). 

B. Weill-Hallö und Lemaire-Henri, Ein Fall von Laryngo- 
typhus. (Arch. Internat, de Laryngol., d’Otol. 1906. Mai, Juni. 
S. 899.) Unter diesem Namen beschreiben die beiden Verff. einen 
Fall von Typhus bei einem 4 1 /* Jahre alten Kinde, in dessen 


Digitized by 


Google 



136 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


Verlauf die laryngealen Symptome diejenigen der allgemeinen Krank¬ 
heit ganz verdeckten. Der Fall ist nach verschiedenen Gesichts¬ 
punkten interessant. 14 Tage zuvor hatte das Kind Masern über¬ 
standen, und dieser Umstand mag die ganze besondere Empfindlichkeit 
des Larynx erklären. Am 17. September kam es bei dem Kinde zu 
einem Fieberfrost, Erbrechen und Husten, am 20. zeigte sich eine 
Konjunktivitis mit Bildung von Pseudomembranen. Die Temperatur 
war normal annähernd bis zum 13. Oktober (10Q,4° F.), am 16. er¬ 
reichte sie 104°. Dabei Heiserkeit und geringe Dyspnoe. Es zeigten 
sich rosafarbene Flecke, weshalb man an einen Typhus dachte. 
Widal fiel negativ aus und man hielt dann eine Entzündung der 
Bronchialdrüsen für vorliegend. Am 31. Oktober machte die rapid 
zunehmende Dyspnoe die Intubation nötig, und die Widalsche Reak¬ 
tion fiel positiv aus. Nach zweimaliger Reintubation, am 2. November 
und am 6. November, wurde die Tube am 8. November ausgehustet 
und das Kind starb in asphyktisckem Zustand trotz Tracheotomie 
usw. Autopsie: Großer Milztumor, Schwellung und leichte Ulzeration 
der Peyerschen Plaques, Kehlkopfschleimhaut an der Innenseite der 
aryepiglottischen Falten und an der Basis der Epiglöttis exulzeriert. 
In der Mittellinie vorn fand sich ein den ganzen Ringknorpel um¬ 
greifendes tiefes Geschwür mit Perichondritis und Nekrosis. Mikro¬ 
skopisch: starke kleinzellige Infiltration und dem Typhusbazillus ge¬ 
nau gleichende Mikroorganismen. Verff. konnten noch 2 Fälle aus 
der Literatur auffinden, wo der Eberthsche Bazillus in den Kehl¬ 
kopfgeschwüren gefunden worden war. Statt der Intubation ist hier 
Tracheotomie das einzuschlagende Verfahren. H. Netter. 

Rolly, Zur Kenntnis der durch das sogenannte Bact. 
paratyphi hervorgerufenen Erkrankungen. (Deutsch. Archiv 
f. klin. Medizin. Bd. 87. S. 595.) R. bespricht an der Hand von vier 
durch das Bact. paratyphi infizierten Fällen die als Paratyphus be¬ 
schriebene Krankheit. Die Krankheitsbilder waren so verschieden, 
daß man zunächst nicht annehmen sollte, daß sie durch ein und den¬ 
selben Erreger hervorgerufen wurden. Zwei der Fälle verliefen unter 
den Symptomen eines schweren akuten Magendarmkatarrhs (einer ver¬ 
lief tödlich unter dem Bilde der Cholera nostras), die beiden anderen 
Fälle verhielten sich wie gewöhnlicher Unterleibstyphus. 

R. unterscheidet danach, wie dies auch früher hinsichtlich der 
mit Paratyphus nahe verwandten Fleischvergiftungen geschah, eine 
mehr typhöse und eine mehr gastrische Form. 

In 3 von den 4 Fällen gelang der bakteriologische Nachweis des 
Paratyphus aus dem Blute, im vierten Falle aus Stuhl und Erbrochenem. 
Die Bakterien waren tiergiftig für Ratten und Meerschweinchen und 
Mäuse bei subkutaner Injektion und stomachaler Eingabe. Bei den 
Sektionen der Tiere fand R. Symptome des Darmkatarrhs. 

Ausgedehnte Versuche über Agglutination ergaben, daß Para¬ 
typhusserum von Paratyphus A sowohl Serum von Paratyphus B wie 
auch von Typhus abdominalis agglutiniert. 

Die pathologischen Veränderungen im Darme unterscheiden sich 
wesentlich von denjenigen bei Typhus abdominalis, indem der lym¬ 
phatische Apparat des Darmes fast frei bleibt und die Erkrankung 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


137 


mehr dysenterischen Charakter hat, Schwellung, Entzündung der 
Schleimhaut, oberflächliche Geschwüre, die sich nicht an Begrenzung 
der Peyerschen Plaques halten, Hämorrhagien. 

ß. bezeichnet deshalb die Darmaffektion als eine schwere Gastro¬ 
enteritis mit Neigung zu Blutungen, hämorrhagischen Prozessen und 
daran anschließender Geschwürsbildung, die sich regellos in allen 
Teilen des Magendarmkanales etablieren kann. 

Aus dem ganz plötzlichen Beginn in Fällen von Fleischvergiftung 
durch Paratyphusbakterien glaubt R. den Schluß ziehen zu dürfen, 
daß es sich hierbei um Aufnahme der außerhalb des Körpers be¬ 
reiteten toxischen Substanzen handelt. 

Für diejenigen durch das Bact. paratyphi hervorgebrachten Er¬ 
krankungen aber, die eine längere Inkubationszeit aufweisen und bei 
welchen erst nach einer gewissen Zeit das Höhenstadium der Krank¬ 
heit erfolgt, nimmt R. eine rein bakterielle Ursache an. Starck. 

L. ftuinon, Tötanie ä forme de tötanos au döbut de la 
fievre typhoide. (Revue mensuelle des malad, de Penfance. Sep¬ 
tember 1906.) Die Tetanie tritt oft in Begleitung von infektiösen 
Krankheiten auf und es kommt vor, daß sie die Form eines wahren 
Tetanus annimmt und auf diese Weise zu diagnostischen Irrtümern 
führt. So auch in dem von G. beobachteten Falle, einen 10 jährigen 
Knaben betreffend. Derselbe hatte eine kleine Wunde am rechten 
inneren Malleolus und erkrankte mit Trismus, Kontrakturen der Ge¬ 
sichtsmuskel, doch bestanden keine Nackensteifigkeit und kein Fieber. 
Die Gesichtsmuskeln waren überempfindlich, namentlich unter dem Ein¬ 
flüsse von willkürlichen Bewegungen und von Überanstrengung. Das 
Trousseausche Zeichen fehlte, ebenso konnte das Fazialisphänomen 
nicht hervorgerufen werden. Die Behandlung wurde mit Einspritzungen 
von antitetanischem Serum durchgeführt, durch 17 Tage fortgesetzt 
und im ganzen 110 ccm eingespritzt. Während dieser Zeit hatte 
Fieber eingesetzt, und schwankte die Temperatur zwischen 38° und 
39°. Die als tetanisch angesehenen Symptome besserten sich nach 
und nach, doch bestand die erhöhte Temperatur weiter und war der 
Allgemeinzustand ein sehr schlechter. Es entwickelte sich Diarrhöe, 
dann kamen Bronchitis und Milzschwellung hinzu, was den Ver¬ 
dacht auf einen bestehenden Abdominaltyphus hinlenkte. Tatsächlich 
fiel auch die Widalsche Serumreaktion, bei einer Verdünnung von 
Y 30 , positiv aus und es wurde dadurch klar, daß es sich um ein 
typhöses, mit Symptomen von Tetanie einbergehendes Fieber gehandelt 
hatte. Wenige Tage später war das Kind fieberfrei und konnte später 
geheilt entlassen werden. 

Bemerkt wird noch, daß außer den erwähnten Symptomen auch 
gesteigerte Patellarreflexe, Fußklonus und Babinskisches Zeichen 
gefunden wurden. E. Toff (Braila). 

M. Thiemich. Anatomische Untersuchungen der Glan¬ 
dulae parathyreoideae bei der Tetanie der Kinder. (Aus der 
Univers.-Kinderklinik zu Breslau.) (Monatsschrift f. Kinderheilkunde 
Juli 1906.) Seitdem durch experimentell-pathologische Ergebnisse die 
Tatsache gesichert zu sein scheint, daß die Entfernung der Glandulae 


Digitized by 


Google 



138 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


parathyreoideae beim Versuchstiere einen als akute Tetanie ange¬ 
sprochenen , tödlichen Krampfzustand herbeiführt, tritt die An¬ 
schauung immer bestimmter hervor, daß eine Insuffizienz dieser Or¬ 
gane auch die spontane idiopathische Tetanie beim Menschen und be¬ 
sonders auch beim jungen Kinde bedinge. Ohne Zweifel wäre der 
Nachweis anatomischer Veränderungen der Glandulae parathyreoideae 
eine wichtige Stütze dieser Lehre. Th. hat nun bei 3 Kindern, bei 
denen ein „spasmophiler Zustand“ Vorgelegen hatte, derartige ana¬ 
tomische Untersuchungen vorgenommen, — mit völlig negativem Re¬ 
sultat! Auch andere Gründe veranlassen Th., die Pathogenese solcher 
Zustände in ganz anderen Vorgängen zu suchen, als in einer Afunktion 
der Glandulae parathyreoideae. Grätzer. 

A. Uffenheimer, Ein neues Symptom bei latenter (und 
manifester) Tetanie des Kindesalters — das Tetaniegesicht. 
(Jahrb. f. Kinderheilk. Bd. 62. Heft 6.) Verf. beobachtete bei einer 
großen Anzahl Tetaniekranker einen eigenartigen Gesichtsausdruck, 
der sich darin äußerte, daß das spezifisch Kindliche aus den Zügen 
gewichen und an seine Stelle ein Ausdruck wie von Nachdenklichkeit 
oder Sorge getreten ist. # Dieses Gesicht fand sich auch im Latenz¬ 
stadium und auch als Überbleibsel von Tetanien zu einer Zeit, wo 
schon keine elektrische Übererregbarkeit mehr bestand. Es ist ein 
prämonitorisches Symptom, welches unter Umständen frühzeitiges 
therapeutisches Eingreifen ermöglicht. Hecker (München). 

Th. T. Cybulski (Krakau), Über den Kalkstoffwechsel des 
tetaniekranken Säuglings. (Aus der Breslauer Univers.-Kinder¬ 
klinik.) (Monatsschrift f. Kinderheilkd. November 1906.) C. hat bei 
einem 7 Monate alten Kinde drei Versuche angestellt. Vor allem fiel 
dabei auf, daß die Retention des Kalkes während der Eklampsie am 
kleinsten ist und mit eintretender Besserung des Kindes zunimmt. 
Diese Steigerung der Kalkretention gewinnt um so mehr an Bedeu¬ 
tung, als sie, wenigstens im zweiten Versuche, nicht parallel einer 
Steigerung der Gesamtaschenretention geht. Denn diese betrug im 
ersten wie im zweiten Versuche 21 °/ 0 , die Retention des Kalkes da¬ 
gegen im ersten Versuche 20,8 °L, im zweiten Versuche 53,7 °/ 0 . Im 
dritten Versuche erreichte die Kalkretention sogar den Wert von 
87,2 °/ 0 ; allerdings war hier auch die Retention der Gesamtasche mit 
63,6 °/ 0 der eingeführten Asche gegenüber den vorangehenden Ver¬ 
suchen erhöht. Die Steigerung der Retention des Kalkes in den 
beiden letzten Versuchen zeigt sich beinahe ebenso deutlich, wenn 
man die absoluten Zahlen der Kalkeinfuhr und -ausscheidung in 
Rechnung zieht. 

Es sind bisher nicht die Bedingungen bekannt, welche bei natür¬ 
licher und künstlicher Ernährung den Kalkstoffwechsel beeinflussen; 
es läßt sich infolgedessen auch nicht für obigen Fall feststellen, wes¬ 
halb während des Bestandes der manifesten Tetanie die Kalkretention 
mangelhaft, während der Reparation besser war. Soviel läßt sich 
aber aus den Versuchen erschließen, daß kein Grund vorhanden ist, 
zur Zeit der manifesten Tetanie eine Kalkstauung anzunehmen. 

Grfitzer. 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


139 


R. Quest, Über den Einfluß der Ernährung auf die Er¬ 
regbarkeit des Nervensystems im Säuglingsalter. (Aus dem 
Institut f. allgem. experim. Pathologie der Universität in Lemberg.) 
(Wiener klin. Wochenschrift. 1906. Nr. 27.) Man neigt jetzt zu der 
Annahme, daß die Kalkarmut des Organismus, im speziellen des 
Zentralnervensystems, für die Ätiologie der funktionellen Krämpfe 
im Kindesalter von Bedeutung sei. Um die Frage zu erforschen, hat 
Q. bei jungen Hunden experimentiert und durch kalkfreie Nahrung 
einen Zustand von Nervenerregbarkeit zu erzeugen versucht. Es er¬ 
gab sich, daß die Erregbarkeit des peripheren Nervensystems der 
mit kalkarmer Nahrung gefütterten Hunde bedeutend gesteigert war, 
und zwar sowohl für den faradischen als für den galvanischen Strom. 
Den geringsten Unterschied zeigte noch die Kathodenschlußzuckung, 
deren Werte jedoch auch bei tetanoiden Zuständen oft den normalen 
Werten äußerst nahekommen. Sehr auffallend war dagegen der 
Unterschied für die Zahlen für die Kathodenöffnungszuckung, also 
gerade der Wert, welcher für die tetanoiden Zustände sogar für 
pathognomonisch gehalten wird. Bei der Tetanie fanden Thiemich 
und Mann ein charakteristisches Verhältnis zwischen Anodenöffnungs¬ 
und Anodenschlußzuckung, und zwar so, daß die AÖZ schon früher auf- 
tritt als die ASZ, d. h. umgekehrt wie unter normalen Umständen. 
Die Umstellung der Werte beobachtete Q. nicht. Bemerkenswert 
war nur der Umstand, daß die ASZ früher auftrat als die KSZ. Es 
zeigte sich also, daß bei jungen Hunden durch Anwendung einer 
kalkarmen Diät der Zustand einer Übererregbarkeit des peripheren 
Nervensystems hervorgerufen werden kann, welcher im wesentlichen 
dem bei Tetanie gefundenen gleicht 

Es ‘wurden nun den Tieren dann die Gehirne herausgenommen, 
wobei sich ergab, daß diese durch kalkarme Fütterung nichts von 
ihrem Kalkgehalt eingebüßt hatten, und daß die Erregbarkeit 
derselben nicht gesteigert werden konnte. Entweder war die Dauer 
der Versuche zu kurz oder man bedarf dabei einer anderen Me¬ 
thode. 

Was für Schlüsse könnte man auf Grund der gefundenen Tat¬ 
sachen für die Therapie der funktionellen Krampfzustände im Kindes¬ 
alter ziehen? Man kann darauf noch keine befriedigende Antwort 
geben, weil der Kalkstoffwechsel beim Menschen noch nicht genügend 
bekannt , ist. Daß wir allein durch einfache Darreichung von größeren 
Dosen von Kalk bei der Tetanie keinen Heileffekt erzielen werden, 
scheint fast sicher zu sein. Wissen wir doch, daß Rachitis und 
Tetanie gerade bei Ernährung mit Kuhmilch aufteten, welche 5—6 mal 
so viel Kalk enthält, als Frauenmilch. Es scheint, daß es darauf an¬ 
kommt, in welcher Form der Kalk dargereicht wird, damit sich der 
Organismus ihn sich zu eigen machen kann; andererseits ist es eben¬ 
falls wahrscheinlich, daß auch die anderen Bestandteile der Nahrung, 
mineralische wie organische, für die Retention des Kalkes nicht un¬ 
wesentlich sind. Für letztere Annahme scheinen jedenfalls die Er¬ 
folge einer zweckmäßigen Änderung des Ernährungsregimes zu sprechen. 
Auf diese Weise könnte man sich nur den Umstand erklären, daß 
Phosphor eine gewisse Heilkraft auf die tetanoiden Zustände ausübt. 


Digitized by 


Google 



140 


Oentralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


Wir können wohl dem Phosphor nur insofern hier eine Wirkung zu¬ 
schreiben, als er vielleicht den Kalkstoffwechsel günstig — im Sinne 
vermehrter Retention — zu beeinflussen vermag. Grätzer. 


III. Aus Vereinen und Versammlungen. 

Gesellschaft für Innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien. 


Sitzung vom 17. Januar 1907. 

Rieth er demonstriert ein zweimonatliches Kind, das an der r. Thoraxseite 
ein angeborenes Lymphangioms lipomatodes zeigt. Der flachrunde Tumor ist weich, 
man fühlt in der Tiefe ähnliche lappenartige Gebilde, wie bei einem Lipom, an 
der Peripherie der Geschwulst erkennt man erweiterte Gefäße. 

Schick stellt aus dem Ambulatorium der pädiatrischen Klinik ein 14monat¬ 
liches Kind mit Periostitis ossificans luetica dar. Das Kind hatte im Alter von 
2 Monaten geringe luetische Erscheinungen (Coryza, makulöse Effloreszenzen an 
der Stirn). 

Am 18. Dezember v. J. bemerkte die Mutter eine Verdickung des r. Unter¬ 
schenkels. Die Schwellung war auf Druck empfindlich. Im Röntgenbild zeigt 
der r. Unterschenkel das Bild einer diffusen Periostitis mit Kalkeinlagefung. 

v. Pirquet demonstriert an sich und mehreren bereits vorgeimpften Kindern 
FrUhreaktionen der Wiederimpfung , die innerhalb der ersten 24 Stunden nach der 
Impfung zur Entwicklung gelangt. An der Impfstelle sieht man oft nach wenigen 
Stunden Papelbildung. 

Die Raschheit der Reaktion hängt von der Verdünnung der Lymphe und 
von der Empfindlichkeit der geimpften Hautpartie ab. So tritt bei Vortragendem 
an der Innenseite des 1. Armes, wo wiederholt Impfungen gemacht wurden, die 
Reaktion um 6 Stunden früher ein als an der Innenseite des r. Armeä. 

Knöpfelmacher macht in der Diskussion aufmerksam, daß auch bei sub¬ 
kutaner Injektion verdünnter Lymphe analoge sofortige Reaktionen ablaufen. 

Le in er zeigt einen 8 jährigen Knaben mit Pemphigus chronicus. Der Knabe 
zeigt an verschiedenen Körperstellen vereiterte ältere und wasserklare frische 
Blasen und Bläschen. Diese Eruptionen wiederholen sich häufig. Auch die 
Mundschleimhaut kann ergriffen sein. Bei stärkeren Eruptionen besteht heftiges 
Jucken, auch das Allgemeinbefinden leidet. Blutuntersuchung ergab Eosinophilie 
( 10 — 12 %). 

Die Behandlung der Erkrankung besteht in Tanninbädern und Vaselin¬ 
verbänden. Intern Arsen. 


Sluka stellt ein 9jähriges Mädchen mit Leukämie vor, dessen Blutbild das 
seltene Symptom einer Leukopenie zeigt. Pat. wurde in den letzten 4 Monaten 
immer blässer. Die Anämie trotzte jeder Behandlung. Vor 5 Wochen traten 
flache Erhabenheiten zuerst an der Stirn und im Gesicht auf, später fanden sich 
solche auch am übrigen Körper, es trat allgemeine Drüsenschwellung hinzu. Das 
Gesicht wurde gedunsen, an verschiedenen Körperstellen traten Hautblutungen auf. 

Die Diagnose mußte auf akute lymphatische Leukämie lauten. 

Blutbefund: Rote Blutkörperchen 2684000, Färbeindex 0,65. Leukozyten: 
91 % Lymphozyten, 0,5 % neutrophile polynukleäre Zellen. Zahl der Leukozyten 
2000. Die Lymphozyten sind vielfach auffällig groß. 

Der demonstrierte Fall gehört in die Gruppe der von Türk als aly mp hä¬ 
mische Lymphomatöse bezeichneten Leukämien. 

Baumgarten demonstriert das anatomische Präparat einer spindelförmigen 
Dilatation der Speiseröhre. 

Escherich zeigt ein 9 jähriges Mädchen mit spastischer zerebraler Hemiplegie 
nach postdiphtherischer Embolie und außerdem die anatomischen Präparate 
eines an postdiphtherischen Prozessen zugrunde gegangenen 2 jährigen Kindes. 

Letzterer Pat. zeigte ungefähr in der 2. Woche der Diphtherieerkrankung 
plötzlich eine Lähmung der rechten Körperhälfte, tags darauf entwickelten sich 


Digitized by 


Google 



III. Aus Vereinen und Versammlungen. 


141 


unter Aufregungszuständen Zeichen von Arterienverschluß an beiden unteren Ex¬ 
tremitäten. Innerhalb 24 Stunden wurden die Extremitäten von der Peripherie 
gegen das Zentrum zu fortschreitend livid, kalt, der Pulsschlag sistierte. 

Bei der Obduktion fanden sich verruköse Auflagerungen an der Mitralis, 
Embolie und Thrombose der Iliaca communis und Art Fossae Sylvii mit Er¬ 
weichungsherden. ‘ 

Frau Weiß demonstriert einen 3 l /a Monate alten Säugling mit einer 
Urachusfistel. Am Mons veneris in der Medianlinie findet sich der etwas ge¬ 
rötete Eingang einer haardünnen Fistel, die blind endigt. Auf Druck entleert 
sich eine krümelige, weißgraue Masse, die aus Plattenepithelien, Detritus und 
Fetttröpfchen besteht. 

B. Schick: über Nachkrankheiten des Scharlach. Vortr. geht von der Tat¬ 
sache aus, daß man schon bisher auf Grund rein klinischer Überlegung unter¬ 
schieden hat: Die Gesamtheit der primären Scharlachsymptome mit ihren un¬ 
mittelbaren Komplikationen und die Nierenentzündung als Nachkrankheit. 

Trotzdem die Zusammengehörigkeit beider Prozesse in ätiologischer Be¬ 
ziehung noch nicht strikte bewiesen ist, sieht man die Nierenentzündung als 
spezifische Nachkrankheit des Scharlach an. 

Das Auffälligste an der Nephritis ist das Bestehen eines symptomlosen 
Intervalles zwischen primären Scharlachsymptomen und Eintritt der nephritischen 
Symptome. 

Den Schlüssel zur Erklärung dieser Tatsache sieht Vortr. in der Tatsache, 
daß die Niere nicht das einzige Organ ist, welches in der Rekonvaleszenz nach 
Scharlach Krankheitssymptome auf weist. 

Gleichzeitig oder 1—2 Tage vor der Nephritis kommt es häufig zu schmerz¬ 
hafter Schwellung der Lymphdrüsen im Kieferwinkel und seitlich am Halse. 

Diese Lymphdrüsenerkrankung kommt überdies als selbständige Nachkrank¬ 
heit ähnlich der Nephritis vor. 

Lymphadenitis und Nephritis sind die häufigsten Formen der spezi¬ 
fischen Nachkrankheiten des Scharlach. 

Die Eintrittszeit der Erkrankungen fällt in die Zeit vom 12. Krankheitstage 
bis zur 7. Woche. Das Maximum der Eintritts tage findet man in der 3. und 
4. Woche nach Scharlachbeginn. 

Ausgehend von diesem Gesetze der Eintrittszeit hat Vortr. die Vor¬ 
gänge während der Scharlachrekonvaleszenz auf weitere Krankheitsbilder studiert 
und in Übereinstimmung mit Kmoschinski und Pastor nachweisen können, 
daß neben Lymphadenitis und Nephritis postscarlatinosa noch Fiebersteigerungen 
ohne Befund, Endokarditis und rheumatische Affektionen auftreten können. Alle 
diese Spätformen der Rekonvaleszenzerkrankungen halten sich an das oben auf¬ 
gestellte Gesetz der Eintrittszeit. 

Auf Grund eines Materials von rund 1900 Scharlachfällen der pädiatrischen 
Klinik in Wien entwickelt Vortr. die Berechtigung der Annahme, diese neuen 
Formen von Nachkrankheiten der Nephritis und Lymphadenitis postscarlatinosa 
anzureihen. w 

Als Gründe seiner Annahme betont Vortr. 

1. das allen Nachkrankheiten gemeinsame Gesetz der Eintrittszeit, 

2. die Kombination mehrerer Formen von Nachkrankheiten bei einem und dem¬ 
selben Individuum, 

3. das Auftreten gleicher und verschiedener Formen von Nachkrankheiten bei 

Geschwistern. 

Die Entscheidung, welche Formen der postskarlatinösen Erkrankungen 
infektiöser bzw. toxischer Natur sind, läßt sich noch nicht endgültig für alle 
Formen feststellen. 

Vieles spricht für eine gemeinsame Ursache sämtlicher Nachkrankheiten. 

Ob diese gemeinsame Ursache identisch ist mit dem Scharlacherreger, ist 
ebenfalls noch nicht feststellbar. Für die Identität spricht die Tatsache, daß 
die Rezidive dasselbe Eintrittsgesetz befolgen, wie die vorher erwähnten 
Formen der Nachkrankheiten. 

Zum Schlüsse erörtert Vortr. die Ursache des Intervalles zwischen primären 
Scharlachsymptomen und Nachkrankheiten, die bisher nur bei der Nephritis be¬ 
rücksichtigt wurde. 


Digitized by Google 



142 


Centralblatt flir Kinderheilkunde. No. 4. 


Diese Erklärungsversuche (Erkältung, Speisen, mechanische Theorie Bohns, 
Spätausscheidung von Toxinen [Leichtenstern]) werden unzulänglich, wenn man 
auch die anderen Formen der Nachkrankheiten erklären will. 

Vortr. nimmt an, daß am 12. Krankheitstage des Scharlach eine bis zur 
7. Woche dauernde Überempfindlichkeit des Organismus, also eine spezifische 
Dispositionsperiode für postskarlatinöse Erkrankungen besteht. 

Die größte Tendenz zum Wiederaufflackern des skarlatinösen 
Prozesses besteht in der 3. und 4. Woche. B. Schick. 


I. ungarischer Kinderschutzkongreß. 

Abgehalten am 3. und 4. Juni 1906 in Temesvär. 

K4roly Telbisz eröffnet den Kongreß mit Hinweis darauf, daß die un¬ 
garische Staatsgewalt alles Erdenkliche im Interesse des Kinderschutzes vollbracht 
hat, nun ist es Aufgabe der Gesellschaft, das ihrige zu tun. 

P41 Ruffy skizziert in großen Zügen das Arbeitsprogramm der wohltätigen 
Gesellschaft. Alle die Kinder, für die der staatliche Kinderschutz nicht sorgen 
kann, möge die private Wohltätigkeit unter ihre Fittige nehmen. Er beantragt 
die Stabilisierung der ungarischen Kinderschutzkongresse. 

Ler&nt Hegedüs weist auf die unheimliche Zahl der ungarischen Aus¬ 
wanderer hin. Wenn die zurückgebliebenen Kinder nicht gerettet werden, so ist 
die Nation gefährdet. 

Frau Armin Neumann beantragt, man möge nicht nur die nach dem 
Wortlaut des Gesetzes verlassenen Kleinen schützen, sondern auch die, die durch 
die soziale Lage der Eltern eigentlich den ganzen Tag hindurch ohne Aufsicht 
sind. — Die französische Institution der Arbeitsgärten und die Propagierung der 
unentgeltlichen Volksschulbildung ist ihrer Ansicht nach von großer Bedeutung. 

Ernö Deutsch verlangt absolute Alkoholabstinenz für die Jugend. Alkohol¬ 
degeneration, Einfluß des direkten Alkoholgenusses, Medizinalverabreichung dieses 
Giftstoffes, Kampfmittel gegen den Alkoholismus der Jugend werden entsprechend 
gewürdigt. 

Hugo Eisler würdigt die Wichtigkeit der Krüppelheime und beschreibt 
das in Budapest erbaute Institut, das nach dänischem Muster eingerichtet ist. 

Sarolta Geöcre greift mit scharfer Kritik die Nachsichtigkeit der Legis¬ 
lative gegen solche Männer an, die die Unschuld der Kleinen mißbrauchen. 

Frau Ferencz Percrel schildert mit beredten Worten die Aufgabe der 
Familie in der universellen sozialen Arbeit. 

K&roly Scilägyi und Zsigmond Engel plädieren für die körperlich 
und seelisch gefährdeten Kinder, deren Eltern leben. Diese möge man, wenn¬ 
gleich sie nicht verlassen sind, doch in den staatlichen Kinderasylen unter¬ 
bringen können. 

Ernö Leitner beantragt, daß man sich in den staatlichen Kinderasylen 
mit Popularisierung der Kinderhygiene beschäftigen soll. — Kinderwärterinnen¬ 
erziehung soll auch ins Programm aufgenommen werden. 

Ernö Deutsch will schon in den höheren Mädchenschulen die Grundzüge 
der Kinderhygiene womöglich von weiblichen Ärzten vortragen lassen. Die Idee 
der belgischen „Ecole de pu6riculture“ beantragt er ebenfalls zur Durchführung. 
Der Unterricht möge auf praktische Basis gelegt sein. 

Imre Turcsänyi beantragt, man möge womöglich die Kinder bei ihren 
eigenen Müttern unterbringen. 

Röcsa Schwimmer greift die Kinderarbeit und den Kinderbettel an. 

Mewjh6rt Edelmann bricht für die durch die Mutter durchgeführte 
natürliche Ernährung eine Lanze. 

Istvais Luk4cs dankt der Kongreßleitung. 

Die Seele der Vereinigung war Primarius Dr. Säisdor Szana, der die 
ganze Organisierung, keine Mühe und Opfer scheuend, durchführte. 

Ernö Deutsch (Budapest). 


Digitized by Google 



III. Aus Vereinen nnd Versammlungen. 


143 


Altonaer Ärztlicher Verein. 

(Nach Münch, med. Wochenschrift.) 

Sitzung vom 25. April 1906. 

Grüneberg demonstriert ein l l /jjähriges Kind, dessen Zwillingsbruder 
vor einigen Tagen an Pneumonie im Altonaer Kinderhospital zugrunde gegangen 
ist. Beide Kinder zeigen hochgradige osteomalazische Rachitis, die sich in gummi~ 
artiger Biegsamkeit der Vorderarm- und der Unterschenkelknochen dokumentiert. 
Weniger erweicht sind Oberarm und Oberschenkel. Epiphysen Verdickungen sind 
sowohl an den Extremitäten als auch an den Hippen wenig ausgeprägt Die 
Röntgenplatten zeigen, daß es sich keineswegs um Pseudarthrosen, noch Frakturen 
handelt, sondern daß die Weichheit der Knochen bedingt ist durch den Kalk¬ 
schwund in der Kortikalis. Es haben ausgedehnte Resorptionsvorgftnge statt¬ 
gefunden, so daß die innere Kontur der Kortikalis eine ganz unregelmäßige und 
teilweise bis auf eine papierdünne Schicht atrophisch ist. Auf der Röntgenplatte 
sind von den Epiphysen unverkennbare Zeichen von rachitischer Veränderung. 
G. steht deshalb auch auf dem üeubnersehen Standpunkte, daß es sich in diesen 
Fällen nicht um reine Osteomalazie, sondern um eine osteomalazische Form der 
Rachitis handelt. Die Mutter der Kinder soll in ihrer Jugend ebenfalls an hoch¬ 
gradiger Rachitis gelitten haben. 

Es werden die Knochenpräparate des gestorbenen Kindes demonstriert. Im 
Anschluß hieran legt G. eine Anzahl von Röntgenplatten aus den verschiedensten 
Stadien der Rachitis vor. Überall, sowohl in den beginnenden Fällen als auch 
auf der Höhe des Prozesses und nach Ablauf, lassen sich ganz charakteristische 
Veränderungen sowohl und hauptsächlich an der Diaphyscn-Epiphysengrenze als 
auch an der Üiapbyse nachweisen, so daß G. glaubt, daß in einzelnen schwieriger 
zu beurteilenden Fällen die Röntgenaufnahme zur Bestimmung der Diagnose zu 
Hilfe genommen werden kann. 

Sitzung vom 31. Oktober 1906. 

Alois Schmidt demonstriert einen 5jährigen Knaben mit doppelseitiger 
Tuberkulose der Nebenhoden und Samenstränge. 

Das Kind erkrankte vor 2 Jahren an Lungentuberkulose (6 monatliches 
Fieber am Abend, tuberkelbazillenhaltiges Sputum). Diese Lungentuberkulose 
ist seit 1 1 / 2 Jahren latent geworden, nur oben links neben dem Sternum deutet 
eine zirkumskripte absolute Dämpfung noch auf das Bestehen eines größeren 
DrUaenpaketes hin. Allgemeinbefinden und Ernährungszustand sind ausgezeichnet. 

Im August 1906 bemerkte man folgendes: Beide Nebenhoden sind in wal¬ 
nußgroße harte Tumoren umgewandelt. Nur rechts fühlt man normale weiche 
Hodensubstanz vorn dem Tumor aufliegen. Beide Samenstränge sind bis 2 cm 
vor dem äußeren Leistenring mit rechts drei, links vier haselnußgroßen Knoten 
besetzt 

Da es sich hier therapeutisch nur um die doppelseitige Kastration handeln 
kann, begann S. in der schwachen Hoffnung, diesen traurigen Eingriff vielleicht 
noch umgehen zu können, seit August jeden Tag zweimal eine halbe Stunde 
mit dem Saugverfahren. Der ganze Hodensack wurde abwechselnd 5 Minuten, 
mit 5 Minuten Pause, in einen kleinen Saugballon eingesogen. 

Heute, nach 4 monatlicher, regelmäßig durchgeführter Saugbebandlung, hat 
sich der Befund bei dem Kranken sehr wesentlich verändert. Alle Tumoren 
haben sich um mehr als die Hälfte ihrer ursprünglichen Größe verkleinert, und 
zwei von den Samenstrangtumoren sind nicht mehr zu fühlen. Alle Tumoren 
sind hart geblieben, nirgends machte sich eitrige Einschmelzung oder Verwachsung 
mit der Umgebung bemerkbar. Schmerzen bestanden nie, auch nicht während 
des Saugens. * 

Ob sich die Sache auf diese Weise definitiv heilen läßt, kann jetzt natür¬ 
lich noch nicht beurteilt werden. Jedenfalls läßt der bisherige Erfolg es gerecht¬ 
fertigt erscheinen, mit der Saugbehandlung weiter fortzufahren und dem Kinde 
zunächst seine Hoden zu belassen, bevor nicht zwingende Gründe (Abszedierungen, 
Fortkriechen der tuberkulösen Wucherungen nach dem Leistenkanal hin usw.) 
die Operation notwendig machen. 


Digitized by v^ooGle 



144 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


IV. Therapeutische Notizen. 


Knfekes Mehl bei Magen- und Darmerkrankungen Erwachsener wandte Dr. P. Münz 
(dirig. Arzt der israel. Kinderheilstätte in Kissingen) an und hatte auch hier, wie 
in der Kinderpraxis, recht befriedigende Erfolge. Pat. mit chron. Magenkatarrh, 
chron. Dünndarm- und Dickdarmkatarrhen, atonischen Zuständen des Magens und 
Darms erhielten täglich 50—120 g des Mehls als Zusatz zu Tee, Suppen usw., 
wobei sich das Präparat als gutes diätetisches Mittel bewährte. 

(Allgem. med. ZentrahZtg. 1907. Nr. 1.) 

Bioferrin bei alimentärer und rachitischer Anämie der Säuglinge hat Dr. A. Würtz 
(Straßburg) mit sehr gutem Erfolg angewendet und in den letzten 2 Jahren bei 
Kindern im Alter von 1 / a —2 Jahren damit schöne Resultate erzielt. Der Hämo¬ 
globingehalt erfuhr ausnahmslos schon nach 3 wöchentlichem Gebrauch von 1 bis 
2 Teelöffel Bioferrin im Tage eine Steigerung von 10—15 °/ 0 , die nach längerem 
Gebrauch bis zu 80 % erreichen konnte. Auffällig war dann namentlich noch 
die vermehrte Appetenz bei den Kindern, die gewöhnlich durch zu langen aus¬ 
schließlichen Milchgenuß völlig appetitlos geworden waren. Farbe und Stimmung 
wurden entschieden in der günstigsten Weise beeinflußt, sicher eine Folge der 
Einfuhr von unverändertem Hämoglobin. Dieses wirkt als natürlicher Sauerstoff¬ 
träger anregend auf sämtliche Funktionen des Organismus und steigert den Oxy¬ 
dationsprozeß in erheblichem Maße. Außerdem sind im Bioferrin die Fermente 
und Alexine durchaus wirksam vorhanden, ein recht bedeutsames Moment, zu 
dem sich noch die große Haltbarkeit des Präparats hinzugesellt. Bioferrin nimmt 
eine biologische Sonderstellung gegenüber anderen Präparaten ein, welche die 
guten Erfolge erklärlich macht. (Medizin. Klinik. 1906. Nr. 51.) 

Erfahrungen mit Bioferrin veröffentlicht Dr. Laser (Wiesbaden). Er hat das 
Präparat besonders bei Pat. der arbeitenden Klasse angewandt, die an einer ge¬ 
wissen Erschöpfung (Mattigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Appetitlosigkeit) in¬ 
folge Überarbeitung, unzweckmäßiger oder mangelhafter Ernährung, Mangel an 
frischer Luft usw. litten. Bioferrin wirkte hier sehr gut, so daß Autor es als 
sicheres und gut bekömmliches Mittel zur Hebung der Körperkräfte und zur Blut¬ 
bildung warm empfehlen kann. Erwachsene erhalten täglich 2 Eßlöffel, Kinder 
2—3 Teelöffel. (Die Therapie der Gegenwart. Dez. 1906.) 


Extract. Chin. Nannlng findet wieder einen warmen Lobredner in Dr. J. Leist 
(Berlin), der das Präparat auch in der Kinderpraxis mit bestem Erfolg angewandt 
und als ausgezeichnetes Stomachikum schätzen gelernt hat. 

(Deutsche Ärzte-Ztg. 1906. Heft 22.) 

Omorol bei Angina hat Dr. Viett (Horneburg) mit bestem Erfolg bei Er¬ 
wachsenen und Kindern angewandt und dabei die hochgradig bakterizide Wirkung 
dieses völlig ungiftigen Silberpräparats schätzen gelernt. Nachdem behufs Ent¬ 
fernung der Schleimmassen mit schwachem Salzwasser gegurgelt worden ist und, 
wenn irgend möglich, die erkrankten Partien mit Wattetampons abgetupft sind, 
pinselt man das Omorol energisch ein (der Pinsel wird dann in kalte Kochsalz¬ 
lösung mit 3 °/ 0 Omorolzusatz 1 Stunde gelegt und ist dann genügend desinfiziert). 
In schwereren Fällen läßt man eine Omoroleinstäubung mittels Pulverbläsers 
nachfolgen (V. hat sich einen zweckmäßig konstruierten von der Firma Pertzel 
& Schultz in Hamburg hersteilen lassen, der allen Anforderungen entspricht). 

(Ärztl. Rundschau. 1906. Nr. 47.) 

Ein ideales Bruchband für Bäuglinge nennt Dr. K. Fiedler (Valparaiso) eine 
überaus einfache Improvisation, die ihm sehr gute Dienste geleistet hat Aus 
einer 20—30 Fäden starken Lage von weißem Wollgarn macht man eine Schlinge 
von 35—45 cm Länge (je nach der Größe des kleinen Pat.) und befestigt an dem 
einen Ende der Schlinge zwei Stückchen weißen schmalen Leinenbandes (die in 
jedem Weißwarengeschäft käufliche Zephirwolle liegt bereits in Strähnen von 
ungefähr der angegebenen Länge). Nach Reposition des Bruches legt man die 
Schlinge wie einen Gürtel rings ums Abdomen, das mit den Leinwaudbändchen 
verlängerte Ende wird durch die Schlinge gezogen; auf die Leistengegend kommt 
ein kleiner fester Ballen von Verbandwatte, die Kreuzungsstelle der Schlinge direkt 
darüber und das stramm angezogene Ende als Schenkelriemen ums Bein herum. 
Eine kleine Schleife der Leinwandbändchen befestigt denselben am Gürtel. Der 
elastische Druck des über dem Wattebausch gespannten Wollgarns genügt voll- 


Digitized by 


Google 



IV. Therapeutische Notizen. 


145 


kommen, um den Wiederaustritt des Bruches zu verboten. Läßt man die Mutter 
des Kindes ‘/i Dutzend solcher Wollschlingen anfertigen, so kann bei jedem 
Windelwechsel ein reines, neugewaschenes Band umgelegt werden. In den ersten 
Tagen kann das Kind ruhig mit demselben gebadet werden. Bei Doppelbruch 
natürlich zwei Schlingen! Die Sache ist reinlich, einfach, billig und leistungsfähig. 

(Zentralblatt f. Chirurgie. 1906. Nr. 44.) 


Vivsit bat Dr. P. Bosenthal (Wiener Allgem. Poliklinik) schätzen gelernt 
und empfiehlt das Nährpräparat warm. Er gab es Pat. mit erschöpfenden Krank¬ 
heiten, Rekonvaleszenten, Anämischen usw. und konnte stets Vermehrung der 
roten Blutkörperchen, auffallende Steigerung des Hämoglobingehaltes, Zunahme 
des Körpergewichtes und der Kräfte wahrnehmen. Daß das Präparat auch bei 
Beizzuständen der Nieren gegeben werden darf, zeigte der Fall eines 12jährigen 
Kindes, das infolge einer Scharlachnephritis und multipler Abszesse sehr herunter¬ 
gekommen war und wochenlang 4—5 mal täglich 2 Kaffeelöffel des Präparates 
erhielt, das auch hier recht gute Dienste leistete. 

(Berliner klin. Wochenschrift. 1906. Nr. 48.) 

Einen Beitrag zur Formamint-Therapie liefert Dr. A. Blumenthal (Berlin, 
medizin. Poliklinik von Prof. Michaelis) auf Grund von Beobachtungen an 
52 Pat. Am deutlichsten zeigte sich die Wirkung bei allen Arten von Angina 
(26 Pat., davon 14 Kinder), wo der Erfolg durchweg ein guter war. Beläge 
verschwanden rasch, die subjektiven Beschwerden traten schnell zurück. Bei 
Kindern war es sehr angenehm, daß sie nicht zu gurgeln brauchten; sie nahmen 
die „Bonbons“ immer sehr gern. Auch bei Tonsillarabszessen schafften die 
Tabletten immer ein Gefühl der Erleichterung und kürzten die Krankheitsdauer 
ab. Bei chron. Pharyngitis bewährte sich das Mittel ebenfalls, desgleichen 
bei Foetor ex ore. (Die Therapie der Gegenwart. Dez. 1906.) 

Die Nährpräparate von Gebr. Weibezahn in Fischbeck (Weser), Hafermehl, 
Hafergrütze, Haferkakao und Haferkakes, sind schon seit laugern als 
wohlschmeckende, haltbare, leicht verdauliche Nährmittel bekannt und haben 
sich in der pädiatrischen Praxis allenthalben eingebürgert. Denjenigen, welche 
diese Präparate bisher noch nicht benutzt haben, sollen diese Zeilen dazu emp¬ 
fehlende Anregung geben. 

Zur Behandlung der Pertussis empfiehlt Dr. A. Briese (Wien, I. öffentl. 
Kinderkrankeninstitut) warm Antitussin, das, in Salbenform appliziert, eine 
recht günstige Einwirkung auf den Keuchhusten hat, wovon sich B. wieder bei 
einigen 30 Fällen überzeugen konnte. In der Mehrzahl der Fälle, die im aus¬ 
gesprochenen Stadium convulsivum waren, trat schon mitunter nach überraschend 
kurzer Zeit eine auffallende Verminderung der Anfälle ein. Das Erbrechen 
sistierte gewöhnlich schon nach ein paar Tagen. Auch in den Fällen, bei denen 
eine besondere Häufigkeitsabnahme der Anfälle nicht stattfand, hatte die Inten¬ 
sität des Hustens bedeutend nachgelassen, derselbe wurde leichter und lockerer. 
In der Mehrzahl der Fälle im Stad, convulsivum ohne Komplikationen genügten 
2—3 Wochen zu fast vollständiger Heilung. Bei einigen Fällen im Stad, ca- 
tarrhale, wo der Annahme nach Keuchhusten sicher erwartet werden durfte, trat 
nach Antitus8inan wen düng eine Weiterentwicklung der Krankheit nicht ein. 
Auch bei heftigem Husten, der auf Laryngitis, Bronchitis usw. beruhte, machte 
sich die hustenmildernde Wirkung des Präparates oft in eklatanter Weise geltend. 

(Wiener med. Presse. 1907. Nr. 8.) 

Mechlings China-Eisenbitter hat Dr. B. Müller (Hamburg) in seiner Klientel 
(Erwachseüe) mit bestem Erfolge bei Zuständen von sekundärer Anämie, Prostra¬ 
tion der Kräfte, Verdauungsschwäche usw. angewandt. Vor allem trat stets zu¬ 
nächst die günstige Beeinflussung der Magenfunktionen zutage, welche dann sehr 
bald auch das Verschwinden der übrigen Krankheitssymptome veranlaßte. Das 
Eisen, das in dem Präparate in leicht resorbierbarer Form enthalten ist, wirkte 
natürlich seinerseits, und so wurden jene befriedigenden Resultate erzielt, welche 
M. zu einer warmen Empfehlung des Mittels führen. 

(Die Heilkunde. 1906. Nr. 9.) 

Eine neue Müchpumpe empfiehlt Dr. W. Kaupe (Bonn). Die Ibrahim sehe 
Pumpe bedeutete schon einen großen Fortschritt, aber auch sie schützte noch 
nicht vor Verunreinigung der abgesogenen Milch mit Bakterien. K. hat deshalb 
an dieser Pumpe einige Modifikationen geschaffen, durch die jener Nachteil weg- 


Centralblfttt f. Kinderhlkde. XII. 



Digitized by 



146 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


fällt und außerdem eine außerordentlich große Saugkraft erzielt wird. Die Pumpe 
eignet sich daher auch für Fälle, wo wir Flachwarzen durch kräftiges Ansaugen 
zu prominenten machen wollen, sowie für solche, wo wir einem Milchüberflussc 
oder einer Milchstauung abhelfen wollen. 

(Münch, med. Wochenschrift. 1907. Nr. 3.) 

Alboferin, eine Kombination von Eisen (0,68 %)> Eiweiß (90,14 %) und Phos¬ 
phorsäure (0,324%), hergestellt von der Firma Dr. Fritz & Sachsse in Wien, 
hat Dr. Spitzer (Graz) mit bestem Erfolge ordiniert, und zwar Erwachsenen 
täglich 4—5 g (2—3 Teelöffel oder 15—20 Pastillen), Kindern die Hälfte. Meist 
waren es Kinder (40), die S. in den letzten 2% Jahren mit Alboferin behandelte; 
davon waren 24 anämische Schulkinder (7—14 Jahre), 6 sekundäre Anämien, 
3 Rachitiker, der Best Chlorosen bei Mädchen. Die besten und raschesten Er¬ 
folge zeigten sich bei der kindlichen Anämie und bei der Chlorose. Zunächst 
machte sich fast in allen Fällen eine auffallende Steigerung des Appetits geltend, 
es folgte deutliche Gewichtszunahme, und bald besserten sich auch die übrigen 
Erscheinungen mehr und mehr. S. gab am liebsten die Tabletten (Schokolade¬ 
tabletten bei Kindern), Erwachsenen täglich 15—20 Stück, Kindern die Hälfte, 
beginnend mit dreimal täglich 2 Stück zu den Mahlzeiten; das Pulver wird 
messerspitz- (bei kleinen Kindern) bis teelöffelweise pur oder mit Kakao gemischt 
mehrmals täglich in Milch genommen. S. hält Alboferin für ein gut brauch¬ 
bares Präparat für alle Fälle, wo Eisenmedikation am Platze ist; es kommt aber 
seiner Phosphorkomponente wegen auch die Wirkung auf das Nervensystem be¬ 
sonders zur Geltung, endlich auch die Wirkung als Nährmittel wegen des hohen 
Eiweißgehaltes und seines appetitanregenden Effekts. 

(Ärztl. Bundschau. 1907. Nr. 4.) 

Monotal, ein neues externes Anüphlogistikum und Analgetikum, empfiehlt Dr. A. Hecht 
(Beuthen O.-S.). Das von der Firma Bayer & Co. in Elberfeld hergestellte 
Präparat, ein Äthylglykolsäureester des Guajakols, eine weiße Kristallmasse, die 
bei gelindem Erwärmen oder beim Verreiben auf der Haut zu einem farblosen, 
schwach aromatisch riechenden öl zerfließt, reizt die Haut nicht und wird gut 
resorbiert Für Erwachsene beträgt die Dosis pro die 4—5 g, 1—2 mal auf Brust 
oder Bücken einzureiben resp. aufzupinseln, für Kinder (Säuglinge ausgeschlossen) 
entsprechend weniger. H. gibt 36 Fälle (darunter mehrere Kinder betreffend) 
wieder, bei denen das Präparat zur Anwendung kam. Vor allem zeigte es 
prompte schmerzstillende Wirkung, die bei Neuralgien, Neuritiden zum Ausdruck 
kam, auch in Fällen, wo alle möglichen medikamentösen und physikalischen Heil¬ 
methoden versagt hatten. Monotal bewährte sich bei akutem und chronischem 
Gelenkrheumatismus, bei Muskelrheumatismen, bei Erysipel und Pleuritis. Auch 
Erythema nodosum, Tendovaginitis, Perikardititis, Parotitis geben Indikationen 
ab für seine Anwendung. (Die Heilkunde. 1907. Nr. 1.) 

Zur diätetischen Behandlung der Lungentuberkulose empfiehlt Dr. C. Stern 
(S. Bemo) Puro, das er ca. 30 Pat. in allen Stadien der Lungentuberkulose ge¬ 
geben hat, namentlich solchen, welche auch mit Chlorose und Appetitmangel be¬ 
haftet waren. Geschadet hat Puro, das stets gut vertragen wurde und nie un¬ 
angenehme Nebenwirkungen äußerte, in keinem Falle, im Stich gelassen mitunter, 
speziell in sehr vorgeschrittenen Fällen, geholfen aber oft, bisweilen, besonders 
in den Anfangsstadien, in hervorragenderWeise, indem es zur Hebung der 
Körperkräfte in hohem Maße beitrug, zuweilen bedeutende Gewichtszunahmen 
bewirkte, das Allgemeinbefinden bedeutend besserte, die vorhandene Chlorose 
günstig beeinflußte. (Deutsche Medizinal-Ztg. 1907. Nr. 4.) 

Robur, ein sich durch richtige Konzentration, durch hohen Eiweißgehalt (50%) 
und durch reiche Extraktivstoffe und Nährsalze auszeichnendes Bouillonpräparat, 
hat Dr. A. Bahn (Dresden) erfolgreich bei Erschöpfungszuständen, chron. Magen¬ 
darmstörungen, bei Chlorose und Anämie, in der Bekonvaleszenz, zur zeitweisen 
Nahrungsergänzung bei Kindern usw. angewandt und war mit den Erfolgen sehr 
zufrieden. Bei chron. Dickdarmkatarrh der Kinder bewährten sich Bobursuppen 
und Roburbouillon (neben Eichelkakao) sehr. Bei Kindern mit lebhafter, erethi- 
scher Art, denen nur Schokolade, Milch und Obst geläufig war, brachte das Prä¬ 
parat sehr bald die Neigung zu regelmäßigen Mahlzeiten, zur Fleischkost. Auch 
bei chlorotischen Mädchen legte sich die Abneigung gegenüber geordneten Mahl¬ 
zeiten, als sie Roburbouillon bekamen. (Ärztl. Rundschau. 1906. Nr. 47.) 


Digitized by 


Google 



IV. Therapeutische Notizen. — V. Neue Bücher. 


147 


Ein Schlittengestell fUr einen Kinderwagen hat Oberarzt Dr. Nerlich (Waldheim) 
konstruiert; es gestattet, die Kinder auch bei Schnee bequem zu fahren, ohne 
daß man einen besonderen Schlitten benötigt. Der ganze Wagen kann in einer 
Viertelminute auf dies Gestell aufgesetzt werden, die Räder bleiben 2 cm vom 
Erdboden entfernt. Bei Nichtbedaxf kann das Gestell leicht am Wagen befestigt 
und so mitgenommen werden. (Münchener med. Wochenschr. 1907. Nr. 8.) 

Ein neues aktives Korsett beschreibt Oberstabsarzt Dr. Heermann (Posen) 
wie folgt: „Das Korsett ragt nur wenig über die Gegend der Brustkrümmung 
bzw. des Rippenbuckels hinauf, ist vorn über dem Beckenteil zugeschnallt, trägt 
keine Armstützen, sondern eine feste Stütze aus zwei Stahlstangen mit Platte, 
welche sich gegen den Rippenbuckel richten; außerdem auf dem Darmbeinkamm 
eine Unterpolsterung, welche die Verschiebung des Oberkörpers überkorrigiert. 
Als wichtigstes Hilfsmittel enthält es aber, innen eingenäht oder auch nur unter- 
gestopft, auf dem Rippenbuckel der Brust- und Lendenkrümmung je einen ent¬ 
sprechend großen trockenen Gummischwamm. Der dauernde Druck dieser 
Schwämme sowie das dauernde Redressement durch die natürlichen Korrektur¬ 
bestrebungen des Oberkörpers über die Platte als Stützpunkt hinweg üben eine 
ganz vorzügliche Wirkung auf die Wirbelsäule aus, so daß ein derartiges Korsett, 
welches übrigens aus jedem beliebigen Stoffe (sogar unter Umständen aus einem 
gewöhnlichen aptierten Damenkorsett) bestehen kann, ein wesentliches Hilfsmittel 
der Skoliosenbehandlung zu bilden imstande ist. Nebenbei besteht ein weiterer 
Vorteil darin, daß die Kinder beim Spiel und Turnen in ihren Bewegungen nur 
wenig behindert sind.“ (Deutsche med. Wochenschrift. 1907. Nr. 8.) 

Goldkorn empfiehlt als Nähr- und Kräftigungsmittel für Kinder wie für Er¬ 
wachsene Dr. Wal Ibach. Es handelt sich hier um ein reines, angenehm 
schmeckendes, nicht teures Pflanzenpräparat von guter Resorbierbarkeit und ver¬ 
hältnismäßig hohem Eiweißgehalt und reichlichem Gehalt an wasserlöslichem 
Kohlenhydrat. Es leistete recht gute Dienste bei Nervösen und Rekonvaleszenten, 
bei Erkrankungen der Verdauungsorgane und zur Verbesserung des Ernährungs¬ 
zustandes bei sonst gesunden, aber mageren und schwächlichen Personen. Die 
beigebrachten Krankengeschichten zeigen, daß das Präparat nicht nur von größeren 
Kindern, sondern auch von Säuglingen gut vertragen wird. 

(Allgem. med. Zentral-Ztg. 1907. Nr. 4.) 


V. Neue Bücher. 

J. Trum pp. Die ansteckenden Kinderkrankheiten. München. J. F. Lehmann. 
Preis: Mk. 3. 

T. hat farbige, recht gut gelungene Abbildungen von Masern, Röteln, 
Scharlach, Mandelentzündung, Diphtherie, Schafblattern, Pocken zu einer großen 
Wandtafel vereinigt. Den Bildern sind kurze belehrende Bemerkungen über 
diese Affektionen, sowie auch über Keuchhusten, Typhus, Influenza, Mumps bei¬ 
gefugt. Die Idee ist entschieden eine glückliche. Das Aufhängen der Tafel in 
den Familien, Schulen usw. dürfte wohl gute Früchte tragen. Gr ätz er. 

W. Zweig. Die Therapie der Magen- und Darmkrankheiten. Wien u. Berlin. Urban 
& Schwarzenberg. Preis: Mk. 10. 

Daß der Verf. imstande war, das ganze große Gebiet in einem Bande, 
auf knapp 400 Seiten, zu erledigen, beweist, daß er vollständig den Stoff be¬ 
herrscht und daß er bestrebt gewesen ist, sich kurz zu fassen und alles Über¬ 
flüssige beiseite zu lassen. Das war auch notwendig, da er einzig und allein die 
Bedürfnisse des Praktikers im Auge hatte, dem Praktiker einen Wegweiser für 
sein therapeutisches Handeln unter Berücksichtigung der Früchte modernster 
Forschung bieten wollte. Und das ist ihm vorzüglich gelungen. Das Buch ist 
nicht nur kurz, es ist auch gut. In fesselnder, präziser, klarer Darstellung wird 
dem Leser jede Affektion vorgeführt; jeder derselben ist ein Diätschema bei¬ 
gegeben, wie überhaupt auf die Diätetik besonderes Gewicht gelegt wird. Nicht 

Digitized by^jOCK^lC 



148 


Ccntralblatt für Kinderheilkunde. No. 4. 


weniger spricht uns der Inlmlt des allgemeinen Teiles an, welcher sich mit der 
Physiologie der Verdauung, der Ernährung und des Stoffwechsels beschäftigt, die 
Grundzüge der zweckmäßigen Ernährung, die Diätkuren, die physikalische und 
medikamentöse Therapie der Magen- und Darmkrankheiten, die rektale Ernährung 
erörtert. Z.s Buch wird sicherlich in den Kreisen der Praktiker sich viele Freunde 
erwerben. Grätzer. 

Scheffer u. Zieler. Deutscher Universitäts-Kalender. Leipzig. Joh. Ambr. Barth. 

Zum 70. Male erscheint dieser Kalender mit seinem reichen, übersichtlich 
geordneten Inhalt, welcher über alles Aufschluß gibt, was bei den einzelnen 
Universitäten nur irgendwie interessiert Der 1. Teil bringt die Universitäten im 
Deutschen Reich, der 2. Teil (im gleichen Bande vereinigt) die Universitäten im 
benachbarten Auslande. Was man über das Wintersemester 1906/07 wissen will, 
findet man, aber auch noch unendlich viele allgemeinere Daten und Angaben 
über alle möglichen Dinge, nicht nur bei den einzelnen Universitäten, sondern 
auch eingehende statistische Tabellen über die Zahl der Studierenden und Lehrer, 
Berichte über Todesfälle, Personal Veränderungen, neue Habilitationen, Angaben 
über die akademische Presse, über die Garnisonen der Universitätsstädte usw. 

Grätzer. 


VI. Monats-Chronik. 

Die durch die letzte Frühjahrsversammlung beschlossene diesjährige gemein¬ 
same Sitzung der Vereinigungen niederrheinisch-westfälischer und sUdwestdeutscher Kinder¬ 
ärzte soll am Sonntag, den 14. April 1907, in Wiesbaden stattfinden, um 
den Teilnehmern zugleich den Besuch des fiir 15.—18. April festgesetzten Kon¬ 
gresses für innere Medizin zu ermöglichen. Genaueres Programm wird später 
mitgeteilt und auf Wunsch Nichtmitgliedern der Vereinigungen zugesandt. An¬ 
meldungen von Vorträgen usw. baldigst erbeten an Dr. Lugenbühl, Wiesbaden, 
Schützenhofstr. 9. 

Berlin. Geh.-Rat Prof. Dr. Heubner ist zum Ehrenmitglied der Gesellschaft 
für Innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien gewählt. 

Greifswald. Gestorben Prof. Dr. Krabler, Direktor der Kinderklinik. 

München. Zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit sind der Stadt 100000 Mk. 
gestiftet. 

Düsseldorf. In der am 6. d. M. unter dem Vorsitz des Oberpräsidenten 
abgehaltenen Konferenz zur Beratung über den Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit 
entwarf Prof. Dr. Schloss mann ein Programm für die zweckmäßigste Organi¬ 
sation der betreffenden Bestrebungen. Es wurde die Gründung eines Vereins für 
Säuglingsfürsorge für den Regierungsbezirk beschlossen. 

Freiburg i. Br. Der Stadtrat hat einen städtischen Schulzabnarzt gewählt. 

Glasgow. Die Genickstarre hat epidemischen Charakter angenommen. Von 
103 Fällen im Januar sind mehr als 50 tödlich verlaufen. 50% der Fälle haben 
Kinder unter 5, 30 % Kinder unter 10 Jahren betroffen. 

Riedels Berichte sind zum 51. Male erschienen. Sie enthalten wiederum einige 
wissenschaftliche Arbeiten aus den Laboratorien der Chem. Fabrik J. D. Riedel 
(Berlin), sowie eine alphabetische Aufzählung neuerer Arzneimittel und Speziali¬ 
täten mit deren Zusammensetzung, Eigenschaften und Anwendungsweise. Riedels 
Mentor ist ein gutes Nachschlagebuch, das sich jeder kommen lassen sollte; es 
wird kostenlos abgegeben. 

Kongresse. Auf folgende in diesem Jahre stattfindenden Kongresse machen 
wir aufmerksam: 

Mai, 21.— 23. VIII. Jahresversammlung des Deutschen Vereins für Schulgesund¬ 
heitspflege in Karlsruhe. 

August, 5.—10. II. Internat. Kongreß für Schulhygiene in London. 

September, 12.—16. II. Internat. Kongreß der Gouttes de lait in Brüssel. 


Verantwortlicher Redakteur: Dr. Eugen Graetzer in Friedenau-Berlin. — Verlag von Johann 
Ambrosius Barth in Leipzig. — Druck von Metzger & Wittig in Leipzig. 


Digitized by 


Google 








Centralblatt für Kinderheilkunde. 

Eine Monatsschrift für praktische Ärzte. 

Unter Mitwirkung von 

Db. BENNECKE (Jena), De. ERNST DEUTSCH (Budapest), 

Pbop. De. EVERSBUSCH (München), De. G. FINDER (Chablottenbubg), De. TH. 
FREYHAN (Beehn), De. W. GABEL (Lemberg), Doz. De.GRAANBOOM (Amsterdam), 
Pbiy.-Doz. De. R. HECKER (München), Pbop. De. JOACHIMSTHAL (Beelin), 
De. MAX JOSEPH (Beelin), De. M. KAUFMANN (Mannheim), De. P. MAAS 
(Aachen), De. KURT MENDEL (Beelin), Pbiv.-Doz. De. ADOLPH H. MEYER 
(Kopenhagen), De. NETTER (Ppobzhkim), De. PRÜSSIAN (Wiesbaden), Pbiv.-Doz. 
De. E. SCHREIBER (Magdebueg), Peiv.-Doz. De. H. B. SHEFFIELD (New York), 
De. A. SONNTAG (Beelin), Pbop. De. H. STARCK (Kablsbuhb), De. E, TOFF 
(Bbaila, Rumänien), Pbop. De. VULPIUS (Heidelberg), De. WEGSCHEIDER 
(Berlin), De. WENTZEL (Zittau), De. WOLFFBERG (Breslau) 

herausgegeben von 

Dr. med. Eugen Graetzer, 

Friedenau-Berlin. 


XIL Jahrgang. Mai 1907. 


Nr. 5. 


Inhalt. 


I. Originalbeiträge. 


Seite 


J. Winocouroff, Ein Fall von Darm Verschluß durch Ascaris lumbricoides 
bei einem 6jährigen Mädchen.. 


n. Referate. 


E. Frieker, Über zwei Fälle von Darmeosinophilie .. 

H. Brüning, Weitere Erfahrungen mit dem amerikanischen Wurmsamenöl 
(Ol Chenopodii anthelmintici) als Antiascaridiacum bei Kindern. . . 

J. J. Jefimow, Eine Urinreaktion als neues diagnostisches Mittel bei der 

Helminthiasis des Menschen. 

S. J. Jassny, Über die Behandlung von Scharlachnephritis mit Oleum 

Terebinthinae.. 

S. Slatogorow, Die Anwendung der Streptokokkenvakzine bei Scharlach 
A. Posselt, Höchstgradiger septiko-pyämischer Scharlach . . . . . . 

A. M. Menendez, 7 Scharlachinfektionen bei einem Individuum. . . . 

Gaetano Finizio, Über die Roseola scarlatinosa . . .. 

W. v. Stare k, Diagnose der Barlowschen Krankheit des kindlichen Skorbut 

Lindolfo Belloc, Infantiler Skorbut, „forme fruste“. 

H. Rehn, Weiterer Beitrag zur Charakteristik der Barlowschen Krankheit 

H. Rehn, Über kindlichen Skorbut. 

J. Comby, Trois nouveaux cas de scorbut infantile. 

J. L. Morse, Infantile Scorbutus. 

B. Sperk, Erfahrungen auf der Säuglingsabteilung der Universitäts-Kinder¬ 

klinik in Wien. 

W. Lewin, Zur Frage der Säuglingsernährung. 

H. Neu mann, D}e natürliche Säuglingsemährung in der ärztlichen Praxis 
Hur4, De l’alimentation des nourrissons par le lait de vache cru normal 
B. Salge, Einige Bemerkungen über die Bedeutung der Frauenmilch in 

den ersten Lebenstagen . .... 

Karl Basch, Beiträge zur Physiologie der Milchdrüse. 

J. And6rodias, Rückkehr der Milchsekretion nach langem Entwöhnen . 
E. Megnier, Über die durch Abbrechen des Säugens in der Struktur der 

Brustdrüse bewirkten‘Veränderungen. 

Hans Eckhardt, Untersuchungen an vegetarisch ernährten Kindern . . 
Z. Adler, Über den Einfluß der Alkalien auf den Kalkumsatz beim Kinde 


Digitized by 


Google 


149 


152 

152 

152 

153 

154 

154 

155 
155 

155 

156 
156 
158 

158 

159 

159 

160 
160 
162 

162 

163 

165 

165 

166 

166 
























Seite 


Fortsetzung des Inhaltes. 

Torindo Silvestrie, Der Kalkgehalt des Zentralnervensystems in seiner 

Beziehung zur Eklampsie, Tetanie und ähnlicher Zustände .... 166 
W. Stoeltzner, Die Kindertetanie (Spasmophilie) als Kalzium Vergiftung . 167 
C. v. Pirquet, Die anodische Übererregbarkeit der Säuglinge . . . .167 

E. Moro, Über Gesichtsreflexe bei Säuglingen.168 

C. H. Dünn, The Reflexes of Dentition.170 

Zacceria Capuzzo, Über einen neuen Reflex auf dem Fußrückeu . . . 170 

P. Sorgente, Zwei Fälle von Oppenheims angeborener Muskelatonie . . 170 

Antonio Jorenc, Studium der Oppenheimschen angeborenen Muskelatonie 170 

Ludwig Rosenberg, Über Myotonia congenita (Oppenheim).170 

M. Bernhardt, Zur Kenntnis der sogen, angeborenen Muskelschlaffheit, 

Muskelschwäche (Myohypotonia, Myotonia congenita).171 

L. Cruchet und Codet-Boisse, Atrophische Myopathie und Pseudohyper¬ 
trophie im Kindesalter . ..172 

Plantenga, Amyotrophia spinalis diffusa familiaris.172 

Leopold L4vi et Henri de Rothschild, Corps thyroide et temp^rament 173 
Wagner v. Jauregg, Zweiter Bericht über Behandlung des endemischen 

Kretinismus mit Schilddrüsensubstanz . . ..173 

O. Lugaro, Der sporadische Kretinismus.166 

Päl Rauschburg, Infantilismus auf vererbter, luetischer Grundlage . . 177 

J. Comby, Nouveaux cas de mongolisme infantile.177 

Heinrich Vogt, Studien über das Hirngewicht des Idioten.178 

Heinrich Vogt, Organgewicht von Idioten.179 

Karl Schaffer, Beiträge zur Nosographie und Histopathologie der amau¬ 
rotisch-paralytischen Idiotioformen. 179 

H. Higier, Familiäre paralytisch-amaurotische Idiotie und familiäre Klein¬ 
hirnataxie des Kindesalters.180 

m. Aus Vereinen und Versammlungen. 

Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien.181 

Berliner medizinische Gesellschaft.183 

Medizinische Gesellschaft Basel.. ..186 

IV* Monats-Chronik. 



Horpmnderlvat von sehr geringer 
Giftigkeit. 

Wirksames Mittel bei Erkrankungen der At¬ 
mungsorgane ; besonders den Hustenreiz und die krampfartigen Anfälle 
bei Keuchhusten mildernd bezw. abkürzend. 

In den entsprechen- BT p den Dosen durchaus 

unschädl. Hypnoti- 1 1 1 FIlpJ kum und Sedativum. 

Im Kindes- und Saug- lingsalter mit bestem 

Erfolg anwendbar bei Unruhe und Schlaflosigkeit infolge vorausge¬ 
gangener Verdauungsstörungen, sowie bei Tetanie mit Konvulsionen; 
für die Behandlung des Keuchhustens warm empfohlen. 

Vorzügliches Ersatzmittel für Jodalkalien 
oder deren unangenehm. Nebenwirkungen 

Innerlich (10 °/ 0 Jodipin) ev. in Verbindung 
mit Phosphor gegen Rhachitis und Skrofulöse; subcutan (25% Jodipin) 
gegen allgemein- und lokal-tuberkulöse Affektionen; im besonderen 
gegen Bauchfell tuberkulöse der Kinder empfohlen. 


Proben und Literatur den Herren Ärzten gratis und franko. 


E. Merck, ÄSSi. Darmstadt- 



i Google 



































Verlag von JOHANN AMBROSIUS BARTH in Leipzig. 


A UVARD. Prof. A., 100 illustrierte Fälle aus der Frauenpraxis. Fürs Deutsche bear¬ 
beitet von Dr. A. Rosenau. Mit einem einführenden Vorwort von Prof. 
F. v. Winckel. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. 12°. [XI, S. 103 
Doppels, u. S. 104—113 mit 100, zum Teil färb. Abb.] 1899. geb. M. 6.—. 

Für den Praktiker liefert das Buch weitaus mehr, uls die meisten Kompendien der Gynä¬ 
kologie und enthält zugleich in seinen zahlreichen farbigen Abbildungen eine Anleitung der differen¬ 
tiellen Diagnostik, wie sie kompendiöser und klarer und rascher zu überblicken kaum dargestellt 
werden kann. 



AUCH 

OHNE 

ZUCKER 

Das älteste in Deutschland 
eingeführte 

DUNGS 

NA’CaüSi 

i 

AUCH 

MIT 

EISEN 

L. 

ÖW 

WA 


ELIXIR 


in % u. 
72 LITER,- 
FLASCHEN 

in den 
APOTHEKEN 

zu haben. 

- , ä 

Man hüte sich vor 
Nachahmungen 


Dungs ßjgRl 

romatisches^ A r\ 


i 


(ElixirRhei aromaticOungT, | 

ein ang enehm schmeckendes 
mildes 

Abführ- und Mag enmittel | 

5 Teile Elixir enthaltenoooo 
ooaooiTeil Rhabarberwurzel. 


Fabrikation von 

Oung’s China-Calisaya-Elixir 

Freiburg i. B. 


i Google 

































lei BettelluwQsn btttn wir sich «tetf auf Sto toitjii im Centralblitt fttr Klndtrhtilkundt m beraten. 



Name geschützt 


Neutral und klar lösliche Verbindung von 

Hühnereiweiss mit Eisen 

lecithin- und gewClrzreich 9 reizlos. 


LECIN- 


konzentrierte Lösung mit 0,0 % Fe [d. h. drei¬ 
mal so viel wie die aromat. Eisentinkturen, 


achtmal so viel wie die Blutpräparate] und 20 °/o frischem Eiweiß. 


Fl. m. 400 g inkl. Einnehmegl. Mk. 2.— 

Dosis 3—10 g kurz vor oder nach dem Essen. 

LECINpulver und neutral löslich. 

Wohlfeil (Kassenpraxis!!!). — Dose mit 25 g Mk. 1.— 
für 20—30 Tage 

Dosis 1—2 Messerspitzen voll in Zuckerwasser. Lecinpulver 
kann mit Liq. Kal. arsenicos. usw. kombiniert werden. 

T F P. TN tabletten - 

JLJJLJ JL JL v per Tabl. 0,03 Gr. Fe. Dosis: 7 t —2, wie 

Bonbons im Munde zergehen lassen. 100 Tabl. = Mk. 2.—. 

Sehr geeignet für kleine Kinder* 


Lecin ist im städt. Krankenbause I und von prakt. Ärzten in Hannover 
seit 2—3 Jahren sehr viel und fast als einziges Eisenmittel 
angewendet Von hervorragenden Klinikern warm empfohlen. 

Frohen und Literatur gratis. 

Dr. E. Laves, Hannover. 


i 


'i 

i 


Digitized by Google 



















Centralblatt für 

Kinderheilkunde. 

Ein© Monatsschrift für praktische Arzte. 
XII. Jahrgang. 1. Mai 1907. No. 5. 


I. Origlnalbeiträge. 

(Mitteilung mit Demonstration in der Odessaer Ärztegesellschaft) 

Ein Fall von Darmverschluß durch Ascaris lumbricoides 
bei einem 6 jährigen Mädchen. 

(Abgang Ton 110 Exemplaren. Ausgang mit Genesung.) 


Von 

Dr. med. J. Winocouroff. 


Die Anwesenheit von Würmern im Darmkanal kann von ver¬ 
schiedenen Erscheinungen, von denen einige von sehr stürmischem 
Charakter sind, begleitet sein. Nicht nur der Pädiater, sondern 
jeder praktische Arzt hat wohl nicht selten mit diesen oder jenen 
Komplikationen, die durch Darmparasiten hervorgerufen werden, zu 
tun gehabt. Diese Komplikationen können im Kindesalter zunächst 
reflektorischen Charakters sein, und das Nervensystem des Kindes 
ist in dieser Hinsicht besonders empfindlich, wobei die Reaktion 
seitens desselben bald im Form von gewöhnlicher Reizbarkeit und 
erregtem Zustand des Individuums, bald sogar in Form von Krampf¬ 
anfallen und Meningismus, welcher hauptsächlich von französischen 
Autoren beschrieben ist, sich äußern kann. 

Die Häufigkeit der Würmer bei Kindern im Alter von 2 bis 
15 Jahren macht laut den Beobachtungen von Schmidt, Keßler, 
Dolgopol etwa* 55°/ 0 aller Erkrankungen aus. Von den verschie¬ 
denen Arten nimmt Öxyuris vermicularis den ersten Platz ein = 33°/ 0 , 
Ascaris lumbricoides 19°/ 0 , Trichocephalus dispar 9°/ 0 » Botriocephalus 
latus 5°/ 0 , Taenia saginata 1,2 °/ 0 , Taenia solium 0,7 °/ 0 . 

Eine nicht minder wichtige Rolle können die Würmer in der 
Störung der allgemeinen Ernährung und sogar der Blutbildung spielen. 

Anämia perniciosa, bedingt durch Darmschmarotzer, ist auch 
keine seltene Erscheinung; ich hatte vor einigen Jahren die Ehre, 
über einen solchen Fall aus der Kinderabteilung des Odessaer Israeli¬ 
tischen Krankenhauses mit Demonstration des Kranken zu referieren. 
Nach dem Abgang von 36 Exemplaren von Ascaris lumbricoides er¬ 
holte sich unsere Kranke, die früher ein deutlich ausgesprochenes 
Bild von Anämia gravis zeigte, sehr schnell und wurde aus der Ab¬ 
teilung vollständig gesund entlassen. 

Centralbl. f. Kinderhlkde. XII. 13 


Digitized by 


Google 



150 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


Nach der gegenwärtigen Anschauung der meisten Autoren werden 
die beiden Kategorien der beobachteten Erscheinungen durch die 
Wirkung erklärt, die die von den Darmparasiten produzierten Gifte 
auf den kindlichen Organismus ausüben. Eine in dieser Hinsicht 
sehr interessante Beobachtung führt ein italienischer Arzt Papi in 
Gaz. degli osp. vom 10. Juni 1900 an: Ein 18 monatliches Kind litt an 
Gastroenteritis und Husten, es hatte sich sogar Cheyne-Stokessches 
Atmen entwickelt. Nichts fand sich in den Lungen und im Herzen, 
was man als Ursache dieser Erscheinungen anschuldigen konnte. 
Nach dem Erbrechen, bei dem auch eine Ascaris abging, besserte 
sich die Atmung, die Genesung trat erst nach Abführ- und Wurm¬ 
mitteln ein. Sobald die Würmer abgetrieben waren, wurde die Atmung 
normal. 

Zu den selten vorkommenden Komplikationen rechnet man den 
Verschluß der Därme durch Askariden. Die Möglichkeit einer solchen 
Komplikation wurde eine Zeitlang von den alten Autoren geleugnet. 
Im Jahre 1885 hat aber Galvagno Bordaroni einen solchen Fall, 
der durch die Obduktion bestätigt wurde, veröffentlicht. Und Stepp 
führt in der Münchn. med. Wochenschr. Nr. 51 im Jahre 1887 einen 
Fall von einem 4jährigen Kinde an, bei dem er bei der Obduktion 
50 Askariden fand, die hermetisch das Lumen des Darmes ober¬ 
halb der Bauhinischen Klappe verschlossen hatten. Botoff hat im 
Jahre 1897 (Journ. de clinique et terapeut. 1897. Nr. 10) einen 
Fall von Darmverschluß mit nachträglicher Perforation und tödlicher 
Peritonitis beschrieben. Bei der Obduktion fand man etwa 500 As¬ 
kariden in den Därmen. Ähnliche Beobachtungen sind auch von 
anderen Autoren beschrieben worden. So von Rocheblave (Gazette 
des hopit. 18. Juni 1898), Barkle (Archives of Pediat.) u. a. Die 
Skepsis der alten Autoren ist um so unbegründeter, als ganz außer¬ 
ordentliche Fälle in dieser Beziehung betrieben werden t wie z. B. 
ein Fall von Dr. Petit aus Lyon, welcher innerhalb 5 Monate 2500 
Askariden bei einem Kinde abgetrieben hat, oder der Fall von Du- 
fresne, wo bei einem 12jährigen Knaben in einem Zeitraum von 
3 Jahren 5000 Askariden per os und per anum abgingen. Die An¬ 
sammlung von großen Mengen von Askariden im Darm kann mitunter 
symptomlos, wie in Henochs Fall verlaufen; solche Beobachtungen 
sind aber selten. Gewöhnlich ruft die Ansammlung von großen Mengen 
von Askariden im Darm sehr bedrohliche Erscheinungen hervor, wie 
es auch in unserem Falle, zu dessen Beschreibung ich jetzt übergehe, 
zu beobachten war. 

Am 12. August wurde in die Poliklinik der praktischen Ärzte ein Mädchen, 
Klara Ribakoff, in einem sehr schweren Zustand eingeliefert. Abdomen stark 
aufgetrieben und sehr empfindlich, bei Berührung anhaltendes Erbrechen. Anam¬ 
nestisch hat sich folgendes herausgestellt: d^s Kind war niemals krank. Vor 
einem Monate hat es ohne sichtbare Ursache und ohne Prodromalerscheinungen 
erbrochen und in der erbrochenen Masse wurde eine große Menge von Ascaris 
lumbricoides gefunden. Am nächsten Tag ist ein Exemplar auch mit dem Stuhl 
abgegangen. Seitdem klagt das Mädchen über Schmerzen im Unterleib, wobei 
weder Übelkeit, noch Salivation — die üblichen bei den Kindern, die an Hei- 
menthiasis leiden, anzutreffenden Symptome, bestanden. Nachts öfters Aufschreien, 
aber keine Erscheinungen von Nachtschrecken. Im letzten Monat blieb die 
Darmfunktion normal trotz der Schmerzen im Abdomen. Die sorgfältigsten 


Digitized by 


Google 



I. Originalbeiträge. 


151 


Untersuchungen des Stuhlgangs konnten niemals Würmer in demselben nach* 
weisen. Auch am Vorabend der stürmischen Erscheinungen, die die Eltern ärztliche 
Hilfe nachzusuchen nötigten, war der Stuhlgang beim Kinde vollständig normal. 
An dem Tage, vor dem ich die Kranke zum erstenmal sah, trat schon morgens er¬ 
höhte Temperatur und hartnäckiges Erbrechen ein, wobei sogar eiskaltes Wasser 
nicht behalten wurde. Bald nachher nahm das Erbrochene einen galligen Charakter 
an. Zugleich wurde der Unterleib aufgetriebeu und die Auftreibung vergrößerte 
sich sehr schnell, die Schmerzen wurden heftiger, und die Eitern beschlossen, ohne die 
Ankunft des Arztes abzuwarten, das Kind in die nächste Poliklinik zu bringen. 
Die Kranke, von schlechtem Ernährungszustand, das Unterhautfettgewebe schwach 
entwickelt, sehr reizbar. Temperatur 88°, Puls frequent, bis 120, von mangel¬ 
hafter Füllung, Herztätigkeit normal. Abdomen stark aufgetrieben — deutlich 
ausgesprochener Meteorismus; aber infolge des schwach entwickelten Unterhaut¬ 
fettgewebes gelang es mittels vorsichtiger Palpation einen höckerigen, etwa zwei 
Finger unterhalb des Nabels gelegenen Tumor von unregelmäßiger Form abzu¬ 
tasten, der bei der Perkussion einen gedämpften Schall gab. Ähnliche Geschwülste 
sind fast im Niveau des Nabels zu seinen beiden Seiten zu palpieren. Bei vor¬ 
sichtiger Perkussion des ganzen Abdomens ist deutlich eine Dämpfung über den 
Stellen der Geschwülste und dort, wo dieselben nicht zu palpieren sind, ein 
Übergang in eine deutliche Tympanie des Darmes zu konstatieren. Es ist noch 
hinzuzufügen, daß alle Bestrebungen des Kindes, den Darm zu entleeren, er¬ 
folglos blieben. Solch ein klinisches Bild, zusammen mit der Anamnese (Abgang 
von Askariden) ließ unwillkürlich den Gedanken auf kommen, daß man wahr¬ 
scheinlich einen akut aufgetretenen Darm Verschluß, bedingt durch Ansammlung 
von Askariden, vor sich hatte. Ich konnte mich aber schwer entschließen, 
angesichts solcher stürmischen Erscheinungen bald das entsprechende Wurm¬ 
mittel zu geben, und begnügte mich mit der Verordnung einer Eisblase auf den 
Unterleib, innerlich Emuls. Amyg. mit 5 Tropfen Opium und einen eiskalten 
Tee zu geben. 

Den nächsten Tag ließen die Schmerzen und das Erbrechen nach. Ab¬ 
domen ebenso aufgetrieben wie vorher, aber weniger empfindlich. Kein Stuhl¬ 
gang. Dienstag, den 14. August gingen durch den After ohne besondere Er¬ 
scheinungen Askariden allein ohne Fäkalmassen ab. Am 15. August wurde dem 
Kinde Santonin 0,03 zusammen mit Calomel 0,05 pro dosi verordnet. Nach dem 
dritten Pulver stellte sich das Erbrechen wieder ein; es wiederholte sich 2 mal. 
Diesmal waren aber die Schmerzen nicht so heftig, wie in den ersten 2 Tagen 
der Erkrankung. Infolge des aufgetretenen Erbrechens gaben ihm die Eltern 
nach eigener Initiative kein Pwer mehr; den nächsten Tag erschien beim Kinde 
der erste Stuhlgang, mit dem 16 Askariden abgingen. Der Meteorismus wurde 
geringer, obwohl noch einige Empfindlichkeit bestand. Erbrechen trat nicht mehr 
auf, das Kind klagte aber noch immer über Übelkeit. 

Weil die Temperatur normal war und keine peritonitischen Erscheinungen 
bestanden und der ständige Stuhldrang des Kindes resultatlos blieb, entschloß 
ich mich zu einer geringen etwa V* Glas vollen Einpressung von kaltem, abge¬ 
kochtem Wasser; innerlich eine Resorzinsolution von Vs g pro dosi. Das in den 
Dann eingeführte Wasser wurde dort behalten, und den nächsten Tag, am 
18. August, hatte die Kranke einen wässrigen, grünlich gefärbten Stuhlgang 
und binnen sehr kurzer Zeit gingen 76 Exemplare von Askaris vollständig 
schmerzlos ab. Am 16. August wiederum ein wässriger Stuhlgang mit Abgang 
von 6 Askariden. Schon nach dem Abgang der 76 Exemplare nahm der Unter¬ 
leib seine gewöhnliche Form an, alle schmerzhaften Empfindungen verschwanden, 
und der Zustand der Kranken besserte sich dermaßen, daß ich mich entschloß, 
sic allmählich ernähren zu lassen. Die Kranke besserte sich sehr schnell. 

Nach 5 Tagen wurden mir noch 7 Askariden zugestellt, und ich sammelte 
Bomit 110 Stück. 

Seitdem hat das Mädchen, nach sorgfältigster Beobachtung seitens der Eltern, 
keine Askariden mehr entleert. 


Digitized by 


13* 


Google 



152 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


II. Referate. 

E. E ricker (Bern), Über zwei Falle von Darmeosinophilie- 
(Münch, med. Wochenschrift. 1907. Nr. 6.) Von den zwei Fällen be 
traf der eine ein Kind von 2 1 / i Jahren. 

Der kleine Patient leidet seit 1 Jahre an periodenweise auftretenden Diar¬ 
rhöen. In den letzten Monaten sollen den dünnflüssigen Stühlen fast immer 
reichlich Schleim und Spuren von frischem oder zersetztem Blut beigemischt ge¬ 
wesen sein. Appetit während der ganzen Zeit gut; kein Erbrechen. Das Kind 
klagte nie über Schmerzen, war stets lebhaft, hat nie gefiebert, wurde aber zu¬ 
sehends blässer. 

Untersuchung am 24. August 1905. Stark anämisches Kind mit normalen 
Zirkulations- und Kespirationsorganen, ohne Zeichen von Konstitutionsanomalien. 
Im frischgelassenen, dünnflüssigen, stark fötid riechenden, gelb-rötlich aussehenden, 
stark schleimhaltigen Stuhl vereinzelt rote Blutkörperchen und — namentlich in 
Eiterflocken eingebettet — zahlreiche Cbarcot-Leydensche Kristalle, sowie 
massenhaft gut erhaltene Leukozyten, zumeist aus eosinophilen Zellen bestehend. 
Eier von Trichocephalus dispar in sehr großer Zahl. Blutuntersuchung: 
Hb-Gehalt 48°/ 0 . 

Auf Aussetzen der Kuhmilch, Verabreichung von Kindermehlen, Sol.-Fowl. 
und Eisentropon, Darmspülungen mit Actol (0,5—1 Prom.) verschwanden die diar- 
rhoisch-blutigen Stühle nach einiger Zeit völlig, der Hb-Gehalt stieg auf 60%. 
Aber am 23. Oktober wieder diarrhoisch-blutige Stühle. Stuhluntersuchung gleiches 
Resultat wie das erstemal. Auf Tannin innerlich, Darmspülungen mit Wismut¬ 
aufschwemmungen und strenge Diät wieder Stuhl normal. Am 20. Dezember 
wieder Rezidiv. Thymol in großen Dosen. Von jetzt ab keine Diarrhöen mehr- 
Spätere Untersuchungen ergaben geringe Beimischung von Schleim zum gut¬ 
geformten Stuhl, keine Leukozyten, nur ganz vereinzelte Trichocephaluseier. 

Zweifellos waren die schwere Enteritis und Anämie hier auf eine 
Überschwemmung des Darmes mit den Trichocephaluseiern zurück¬ 
zuführen. Daß dieser Darmschmarotzer manchmal die schwersten 
Krankheitserscheinungen hervorruft, lehrten schon frühere Fälle aus 
der Literatur. Grätzer. 

H. Brüning, Weitere Erfahrungen mit dem amerika¬ 
nischen Wurmsamenöl (Ol. Chenopndii anthelmintici) als 
Antiascaridiacum bei Kindern. (Aus der Kinderabteilung der 
Universitätsklinik in Rostock.) (Deutsche med. Wochenschrift. 1907. 
Nr. 11.) B. hat jetzt 20 Kinder im Alter von 3—13 Jahren mit dem 
Mittel behandelt uhd es als prompt wirkendes Antiascaridiacum ohne 
unangenehme Nebenwirkungen kennen gelernt (nur manchmal etwas 
Brechreiz und vorübergehende Schmerzen in der Magengegend bei 
empfindlichen Kindern). Das Präparat (Schimmel & Co., Miltitz) 
wurde in Tropfenform verabreicht, je nach dem Alter 3mal 8—lfr 
Tropfen (etwas warme Milch nachtrinken lassen!) in Zuckerwasser 
verrührt, hinterher ein Abführmittel, alles in 1 stündigen Pausen. Es 
gelang in fast allen Fällen, so die Askariden bis zum anderen Morgen 
abzutreiben; nur bei wenigen war Wiederholung der Kur am nächsten 
Tage nötig. 

Auch das aus dem Ol gewonnene ätherische Öl (C 10 H 16 O f ) zeigte 
die gleiche Wirkung. Grätzer. 

J. J. Jefimow, Eine Urinreaktion als neues diagnostisches 
Mittel bei der Helminthiasis des Menschen. (Semaine mödi- 
cale. 1906. Nr. 47.) Ausgehend von der Annahme, die von den 
einen übrigens bis jetzt noch negiert und von den anderen be- 


Digitized by Google 



II. Referate« 


153 


reits akzeptiert ist, daß die Darmparasiten, ebenso wie die Mikro¬ 
organismen, besondere Toxine produzieren, die schließlich in den 
Säftestrom ihres Wirtes übergehen, versuchte der russische Militär¬ 
arzt die Gegenwart dieser Toxine im Urin festzustellen, und er glaubt 
mit Hilfe der von ihm angegebenen Urinreaktion die oft schwierige 
Diagnose einer Helminthiasis zu einer sicheren machen zu können. 
Wenn man sich der Schwierigkeiten erinnert, die der Feststellung von 
Darmparasiten sich so oft entgegenstellen, mehr noch der überaus 
vieldeutigen Symptome, deren wahre Ursache man eben nur ahnt, so 
müßte allerdings ein Verfahren willkommen geheißen werden, das 
uns in der Diagnose der Darmparasiten ein zuverlässiges Resultat 
gibt. Die Reaktion ist folgende: 5—10 ccm frisch entleerten Urins 
werden in einem Reagenzglas bis zum Aufkochen erhitzt, worauf man 
5—10 Tropfen Quecksilbernitrat hinzufügt Beherbergt der Patient 
keine Darmparasiten, so wird der Urin milchig und setzt alsbald 
einen weißen Niederschlag ab, handelt es sich um einen Fall von 
Helminthiasis, so bildet sich alsbald eine mehr oder weniger dunkel¬ 
graue Verfärbung, die bis zu schwarz reichen kann. Nach der großen 
Zahl der Prüfungen, die J. angestellt hat, über 1000, soll die oben 
angegebene Reaktion absolut sichere und konstante Resultate geben. 
Dabei sind gewisse Fehlerquellen zu vermeiden, indem gewisse che¬ 
mische Substanzen mit dem Quecksilbernitrat einen braunen bis 
schwarzen Niederschlag geben, der den Arzt irreführen kann. Dazu 
gehören im allgemeinen die Alkalien, die schwefelhaltigen Körper 
(Pulv. Doveri z. B.) ferner die bleihaltigen Substanzen, gewisse Eisen¬ 
salze usw. Morphium, Salizylsäure, Phenol, Zink- und Kupfersalze, 
Chinin und Antipyrin geben die Reaktion nicht, wenigstens in vitro., 
Eiweiß, Zucker, Indikan bleiben ohne, Einfluß auf die Reaktion, 
während Eiter dagegen sie verändert. Über die Art der. Darmpara¬ 
siten freilich, ob Rund- odir Plattwürmer, besagt die Reaktion nichts; 
darüber soll vielmehr die mikroskopische Untersuchung der Urinkristalle 
Aufschluß geben: Bei Bandwürmern findet man in dem auf einem 
Objektträger ausgöstrichenen und über der Spirituslampe erwärmten 
Urin zahlreiche feine granulierte Kristalle, während man bei Nema¬ 
toden kruziforme Kristalle bekommt, die bei Askariden besonders 
groß und schön sein sollen, bei Feuchtigkeit sich schnell auf lösen, 
von neuem erwärmt aber sich wieder zeigen. H. Netter (Pforzheim). 


S. J. Jassny, Über die Behandlung vonScharlachnephritis 
mit Oleum Terebinthinae. (Aus der Scharlachabteilung des 
städt. Kinderspitals zu Charkow.) (Deutsche Ärzte -Ztg. 1907. 
Nr. 5.) J. gab Ol. terebinth. gallic. rectific. pro usu interno 3 mal 
täglich 15—25 Tropfen in Milch 20 Kindern. 12 davon hatten eine 
hämorrhagische Nephritis, und in 8 davon (66 °/o) verschwand das 
Blut rasch aus dem Ham, je 1 mal nach 1, 2, 8 Tagen, 2 mal nach 
4 Tagen, je 1 mal nach 5, 6, 7 Tagen. 2mal war das Mittel von 
geringer Wirkung, und 2 mal zeigte sich 2 Tage nach Verordnung 
des Terpentins Blut im Harn, der früher nur Eiweiß enthielt, und 
wenn auch die Blutung unter dem Einfluß der Terpentinbehandlung 
nach 6 bzw. 10 Tagen verschwand, so entsteht doch die Frage, ob 


Digitized by 


Google 



154 


Centralblatt für 'Kinderheilkunde. No. 5. 


nicht die Blutung durch das Terpentin hervorgerufen wurde. Eiweiß 
wurde in allen 20 Fällen konstatiert, doch schwand es bei der Be¬ 
handlung in der Mehrzahl der Fälle rasch; nur einige Male dauerte 
es etwas länger, und 1 mal versagte Terpentin ganz. J. kommt zu 
folgenden Schlüssen: 

1. Das Terpentin reizt in geringen Quantitäten nicht einmal 
kranke Nieren. 

2. Das Terpentin führt in vielen Fällen von Scharlachnephritis 
zu raschem Verschwinden des Eiweißes und des Blutes aus dem Harn. 

3. Das Terpentin muß, wenn ein dauerndes Resultat erzielt 
werden soll, dem Kranken noch eine gewisse Zeit nach dem Ver¬ 
schwinden des Eiweißes und des Blutes aus dem Harn gegeben 
werden. 

4. Es wäre erwünscht, die Wirkung des Terpentins auf den 

Scharlach selbst und auch als Prophylaktikum gegen Nephritis einer 
Prüfung zu unterziehen. Grätzer. 

5. Slatogorow, Über die Anwendung der Streptokokken* 
vakzine bei Scharlach. (Beilage z. St. Petersbg. med. Wochenschr. 
1906. Nr. 25.) Die Versuche wurden mit der Antistreptokokken¬ 
vakzine Gabritschewskis in Moskau ausgeführt. Die Impfungen 
erwiesen sich als völlig ungefährlich, und wenn auch ein abschließen¬ 
des Urteil nicht möglich ist, so hat Autor doch den Eindruck, daß 
zweite Vakzination einen Schutz gegen Scharlach gewährt. In jedem 
Fall bewirkt schon einmalige Impfung einen leichteren Verlauf des 
Scharlachfalles selbst um besonders seiner Komplikation, h. Netter. 

A. Posselt, 'Höchstgradiger septiko-pyämischer Schar¬ 
lach. (Wiener med. Wochenschrift. 1907. Nr. 10.) Es handelt sich 
um einen 34jähr. Kranken, in dessen Familie ein Kind eine Woche vor¬ 
her an Scharlach gestorben war, zwei w^tere Kinder ebenfalls sehr 
schwer an Scharlach darniederlagen. Patient hatte allerschwerste 
Erscheinungen: hochgradiges Fieber mit allgemeiner Schwäche und 
rasch eintretender Prostration, sehr starkes universelles Exanthem, daa 
schon am Anfänge des dritten Krankheitstages petechialen Charakter 
annahm und während der nächsten Tage zu enorm großen Haut¬ 
blutungen führte, ferner: heftige Diarrhöen, beträchtlichen Milztumor,, 
schweren Ikterus, Gelenksaffektionen, Benommenheit, Herzschwäche. 

Trotz wiederholter universeller Ung. Credö - Einreibungen und 
reichlicher Kollargolklysmen schritt die Krankheit rapid fort, sodaß 
Patient zeitweise den Eindruck eines Moribunden machte. Die Wir¬ 
kung des Moserschen Scharlachserums war dann eine ungemein 
prompte. Wenn auch die erste Injektion nur temporären Nachlaß 
einiger Symptome brachte, so führte die zweite und dritte zu der¬ 
artiger Besserung, daß sich das Krankheitsbild wie mit einem Schlage 
änderte und die Krankheit in unmittelbarem Anschluß daran in die 
Rekonvaleszenz überging. Es ist ja freilich möglich, daß das ein¬ 
geschlagene Verfahren günstigere Bedingungen für die nachherige 
Serumbehandlung schuf, oder daß die Silbertherapie in kumu¬ 
lativer Art eine Spätwirkung entfaltete und so noch mit einer Kom¬ 
ponente am Heilerfolg beteiligt war. Es ist daher sehr wohl auch 


Digitized by 


Google 



II. Referate, 


155 


ein Versuch der Silbertherapie gerechtfertigt, zumal diese meist so¬ 
fort ausführbar ist, während die Beschaffung des Scharlachserums 
umständlich ist und einige Zeit erfordert, während welcher man sonst 
die Hand in den Schoß legen müßte. Grätzer. 

A. M. Menend ez, 7 Scharlachinfektionen bei einem In¬ 
dividuum. (Rev. de Med. y Cir. Präct. 21. X. 1906.) Patient machte 
vom 7.—21. Lebensjahr 7 mal Scharlach durch; die Diagnose der 
einzelnen Attacken ist von den ersten medizinischen Autoritäten 
Spaniens gestellt. M. Kaufmann. 

Gaetano Finizio, Über die Roseola scarlatinosa. (La Pe- 
diatria. Juli 1906.) Verf. beschreibt 3 Fälle aus derselben Familie, 
von denen er zwei als Roseola scarlatiniformis, den dritten als Misch¬ 
form von Roseola scarlatiniformis und morbiliformis bezeichnet. 
Zwischen der ersten und zweiten Erkrankung lag ein Zwischenraum 
von 11 Tagen. Verf. begründet seine Diagnose und schließt sich auf 
Grund der in dem einen seiner Fälle beobachteten Tatsache, daß 
neben dem scharlachähnlichen Exanthem masemähnliche Flecken be¬ 
standen, der Meinung an, daß die Roseola scarlatinosa keine Erkran¬ 
kung sui generis, sondern nur eine Varietät der gewöhnlichen Roseola 
darstellt. F. 

W. t. Starck, Zur Diagnose der Barlowschen Krankheit 
(des kindlichen Skorbut). (Münch, med. Wochenschrift. 1907. 
Nr. 10.) v. St. berücksichtigt speziell die Punkte, welche zu Schwierig¬ 
keiten bei der Diagnose Veranlassung geben, und geht dabei von den 
wichtigsten Symptomen der Barlowschen Krankheit aus. Dies sind: 
1. zunehmende Anämie, 2. hämorrhagische Schwellung des Zahnfleisches, 
3. Schmerzen bei Bewegungen, 4. Auftreibung von einem oder mehreren 
Röhrenknochen, 5. Hämaturie, 6. hämorrhagische Schwellung der Augen¬ 
lider und Exophthalmus. Diese Symptome können eventuell g*nz im 
Stich lassen. 

Die Krankheit braucht nicht mit Anämie zu beginnen; in frischen 
Fällen kann dieselbe trotz sonstiger ausgesprochener Erscheinungen 
fehlen, v. St. schildert einen solchen Fall. 


Das Zahnfleisch ist öfters, auch wenn bereits Zähne vorhanden 
sind, so wenig verändert, daß diese Veränderung ganz übersehen wird. 
Auch dafür gibt v. St. zwei Beispiele, wo Hämaturie und Nierenreizung 
im Vordergründe standen, Zahnfleischveränderungen aber fast gar nicht 
zu konstatieren waren. In einem anderen Falle dagegen lag eine sehr 
schwere Mundaffektion vor, welche durchaus der für den Skorbut der 
Erwachsenen charakteristischen entsprach. 

Die Schmerzhaftigkeit an den Knochen ist oft so stark, daß eine 
Pseudoparalyse eintritt. Dann könnte wohl eine Verwechslung mit 
einer luetischen Pseudoparalyse Vorkommen; doch führt die Osteo¬ 
chondritis luetica bereits in den ersten Lebenswochen dazu, in einer 
Zeit, wo die Barlowsche Krankheit noch nicht vorkommt. An 
sonstigen Luessymptomen pflegt es auch daneben nicht zu fehlen; 
auf dem Röntgenbild würde man den für Barlow charakteristischen 
Schatten am Ende der erkrankten Diaphyse vermissen. Anderseits^ 


Digitized by 


Google 



156 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


ist das Vorhandensein der Schmerzen für die Diagnose kein Erfordernis; 
ebensowenig eine Auftreibung von Knochen. 

Das Symptom der hämorrhagischen Schwellung der Augenlider 
mit und ohne Exophthalmus ist so auffallend, daß eine Verwechslung 
kaum möglich ist. Schwierigkeiten in der Deutung können eher ent¬ 
stehen, wenn nur Exophthalmus da ohne hämorrhagische Verfärbung 
der Lider. Dann wird vielleicht ein Hydrocephalus in Frage kommen 
können, doch die akute Entwicklung des Exophthalmus und der 
Mangel sonstiger Symptome erhöhten zerebralen Druckes gegen eine 
solche Annahme sprechen. Es ist daran festzuhalten, daß ein rasch 
entstandener, doppelseitiger, auch einseitiger Exophthalmus im jugend¬ 
lichen Alter die Folge eines retrobulbären Blutergusses im Zusammen¬ 
hang mit Barlow scher Krankheit sein kann. 

Hämaturie kann als einziges sichtbares Symptom der hämor¬ 
rhagischen Diathese bestehen. 

Schließlich gibt es eine „Forme fruste“ der Barlowschen Krank¬ 
heit. Dafür führt v. St. ein Beispiel an. Das 9 Monate alte Kind, 
das nur seit einigen Wochen weniger frisch erschien wie früher und 
das rechte Bein nur weniger lebhaft bewegte, bot objektiv sonst nur 
ganz wenig ausgeprägte Symptome dar. Rohe Kuhmilch brachte in 
kurzer Zeit die alte Gesundheit wieder. Die prompte Wirkung der 
Ernährungstherapie wird in zweifelhaften Fällen für die Diagnose 
mit verwertet werden können. Grätzer. 


Liudolfo Belloc, Infantiler Skorbut, „forme fruste“, (ßev. 
de la Soc. Möd. Argentina 1905. Sept.—Okt.) 8 Monate altes Kind^ 
das infolge des plötzlichen Todes der Mutter mit 15 Tagen Backhaus- 
Milch als Nahrung bekam. Dabei entwickelte sich das Kind sehr gut. 
Nach und nach wurde der Schlaf unruhig, beim Anfassen der Arme 
weinte das Kind. Die Schmerzen schienen besonders in den Beinen 
lokalisiert zu sein. Appetit geringer. Ein hinzugezogener Arzt be¬ 
handelt den Zustand als rheumatischen, ohne Erfolg, 15 Tage lang, 
worauf das Kind dem Hospital zugeführt wird. Guter Ernährungs¬ 
zustand, bleiches Gesicht, häufiges Weinen, besonders wenn man die 
Beine bewegt. Leichte Schwellung am inneren Fußrand beiderseits. 
Zwei untere Schneidezähne, Zahnfleisch gesund. Keine Rachitis, 
Urin leicht sanguinolent. Temp. 37,1°. Therapie: frische Milch und 
Zitronensaft; sofortige Besserung und schnelle Heilung. 

H. Netter (Pforzheim). 

H. Rehn, Weiterer Beitrag zur Charakteristik der Bar¬ 
lowschen Krankheit. (Medizin. Klinik. 1907. Nr. 9.) Kürzlich in 
einer Publikation hatte R. gesagt: „Der charakteristische Röntgen¬ 
befund von dem vorher angeführten, relativ frischen Fall scheint mir 
zu beweisen, daß der Stillstand der Einschmelzung bereits in der 
ersten Zeit der Erkrankung stattfindet, und legt die Vermutung nahe, 
daß er direkt unter dem Einfluß der fehlerhaften Ernährung und nicht 
unter dem einer Markerkrankung bzw. Blutung zustande kommt.“ 

Ein neuerdings von R. beobachteter, ganz frischer Fall brachte 
in dem erhobenen Röntgenbefund die Bestätigung dieser Annahme. 
Man konnte hier konstatieren, daß die sich in der Persistenz der prä- 


Digitized by 


Google 



II. Referate* 


157 


paratorischen Verkalkungslinie* also den Stillstand des Einschmelzungs¬ 
prozesses charakterisierende Störung sich über das ganze Skelett er¬ 
streckte und die erste Phase der Bar low sehen Krankheit darstellte, 
während die hämorrhagische Diathese erst in zweiter Linie steht. 
Jedenfalls waren in dem Falle Blutungen nicht in Rechnung zu ziehen, 
denn von einer hämorrhagischen Diathese war klinisch, abgesehen von 
der, wahrscheinlich durch einen eubperiostalen Bluterguß am unteren 
linken Femurrande bedingten Druckempfindlichkeit und Bewegungs¬ 
störung nichts nachzuweisen. Es gibt hiernach schon eine Bar- 
lowsche Krankheit als Wachstumsstörung ohne hämor¬ 
rhagische Diathese. 

In betreff der letzteren dürfte es nun von besonderem Interesse 
sein, zu erfahren, daß sich bei einer anderen, ganz heterogenen Er¬ 
krankung, der akuten Leukämie, am Knochensystem nahezu die¬ 
selben mikroskopischen Veränderungen finden bzw. finden können, wie 
bei der Barlowschen Krankheit 

R. schickte an Prof. Schmorl die Rippe eines 9jähr. Knaben, 
welcher an akuter Leukämie unter profusen Blutungen gestorben war. 
Schmorl schrieb nach der Untersuchung: „Sie werden daraus er¬ 
sehen, daß der Befund in allen wesentlichen Punkten derselbe ist wie 
bei der Barlowschen Krankheit. Hier wie dort begegnen wir als 
sehr charakteristischem Befund einer Verminderung der Knochensub¬ 
stanz im Bereich der endochondralen Ossifikation, weniger in dem der 
periostalen. Dieselbe ist hier wie dort auf eine mangelhafte An¬ 
bildung neuer, weniger auf eine Resorption alter Knochensubstanz zu 
beziehen. Ferner finden wir auch im der vorliegenden Rippe die Um¬ 
wandlung des Knochenmarkes in sogen. Gerüstmark: allerdings ist 
diese Veränderung nicht so markant wie bei Barlow, aber doch 
jedenfalls vorhanden. Die für die Barlowsche Krankheit charakte¬ 
ristischen Blutungen werden ebenfalls nicht vermißt; sie liegen hier 
genau so wie bei Barlow vorwiegend in den subchondralen Zonen; 
die periostalen Blutungen sind allerdings nicht sehr ausgedehnt, werden 
aber vielleicht durch das leukämische Infiltrat zurzeit verdeckt. Daß 
die Markveränderungen von den endostalen Blutungen abhängig seien, 
dafür habe ich, wenngleich Blutungen und Markveränderungen viel¬ 
fach zusammenfallen, doch keinen so sicheren Anhaltspunkt gefunden, 
um dieser Ansicht für den vorliegenden Fall beitreten zu können. 
Jedenfalls kann die mangelhafte Ausbildung der Spongiosa nicht von 
den Blutungen abhängig gemacht werden, dazu sind letztere viel zu 
frisch. Infolge der mangelhaften Ausbildung der Spongiosa in den 
subchondralen Zonen ist es hier zu einer Fraktur gekommen, also 
eine weitere Übereinstimmung mit Morbus Barlow. 

Wie ist nun der nahezu gleiche Befund am Knochensystem bei 
zwei so verschiedenartigen Krankheiten zu erklären? Zum Teil stehen 
dieselben zweifellos unter den Einfluß der beiden Erkrankungen ge¬ 
meinsamen hämorrhagischen Diathese; dagegen könnten wohl die 
mangelhafte Ausbildung der Spongiosa und die Mark Veränderungen, 
welche nach Schmorl nicht auf letztere zurückgeführt werden können, 
auf die ebenfalls gemeinsame tiefe Ernährungsstörung zu beziehen sein. 

Grätzer. 


Digitized by 


Googl 



168 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


H. Rchn, Uber kindlichen Skorbut. (Medizin. Klinik. 1906. 
Nr. 28.) R. faßt die Barlowsche Krankheit als einen dem Er¬ 
wachsenenskorbut analogen Prozeß auf. Er sah künstlich ernährte 
Kinder daran leiden. Die Affektion trat bei Ernährung mit Kinder¬ 
mehl und ungenügendem Zusatz von abgekochter Milch in einer Mehr¬ 
zahl von Fällen auf, sodann bei Backhaus- und Gärtnermilch, in 
einigen wenigen Fällen auch bei im Soxhlet länger als 10 Minuten 
sterilisierter Milch, 1 mal bei nachgekochter, vorher pasteurisierter 
Milch. Die Patienten waren 7—11 Monate alt und gehörten aus¬ 
schließlich bestsituierten Familien an. Da die große Mehrzahl der 
Erkrankungen bei der Ernährung mit meist hochsterilisierter Milch 
beobachtet wird, so weist alles daraufhin, daß durch den Prozeß der 
Sterilisierung der Milch eine Eigenschaft entzogen wird, welche der 
frischen Milch innewohnt. Dies wird durch den raschen Heileffekt 
der letzteren zur Evidenz bewiesen. Hierin ist aber nach R.s An¬ 
sicht zugleich die Berechtigung zu der Annahme begründet, daß ea 
sich weder um eine bakterielle Infektion, noch um chronische Intoxi¬ 
kation handelt und ebensowenig um eine Erkrankung des Knochen¬ 
markes wie der Blutgefäße. 

Was die Behandlung anbelangt, so läßt R., wenn keine Darm¬ 
störung besteht, ohne Bedenken ungekochte Milch reichen, zumal er 
auf Grund langjähriger Erfahrung zu der Ansicht gelangt ist, daff 
eine Übertragung der Rindertuberkulose auf das Kind durch die 
Milch mindestens zu den größten Seltenheiten gehört. Nach einge¬ 
tretener Besserung und in leichten oder Frühfällen sofort, läßt R. 
kurz aufgekochte Milch nehmen (daneben Fleischsaft, Orangensaft, 
eventuell Gemüse usw.). Bei dieser Ernährungsweise hat er bisher 
noch keinen Todesfall gehabt, obwohl er es oft mit sehr schweren 
Fällen zu tun hatte. Auch den Darmkomplikationen, welche wohl 
selten dem Skorbut, sondern stets einer komplizierenden Rachitis zu¬ 
gehören, steht man nicht machtlos gegenüber. Jüngeren Kindern 
wird man durch Brustnahrung Hilfe bringen, die Ernährung älterer 
durch vorausgeschickte Ernährung mit Fleischtee, frischen Fleischsaft, 
rein oder mit Schleim gemischt, kleine Gaben von Portwein usf. zur 
Kuhmilch überleiten. Auf Medikamente hat R. stets verzichtet. Da¬ 
gegen empfiehlt er die Ruhelagerung der unteren Extremitäten durch 
nebengelegte Säcke mit Sand, auch wenn keine sogen. Epiphysen¬ 
lösungen vorliegen; der Schmerz wird beschränkt, die Aufsaugung 
der Blutergüsse begünstigt und dem Auftreten neuer Blutungen vor¬ 
gebeugt. Bei schweren Ergüssen an beiden Beinen ist das Einlegen 
in eine Bonnetsche Drahthose von großem Wert. Gipsverbände 
passen nie im floriden Stadium, weil sie durch Druck lebhaften 
Schmerz erzeugen, während sie nach abgelaufenem Prozeß und be¬ 
stehenden Epi-Diaphysentrennungen am Platze sein können. Der 
komplizierenden Rachitis ist große Aufmerksamkeit zuzuwenden, wo¬ 
bei R. auch die Darreichung von Phytin empfehlen kann. Grätzer. 

J. Comby (Paris), Trois nouveaux cas de scorbut infan¬ 
tile. (Archives de möd. des enfants. Novembre 1906. S. 673.) Der 
Verf. hat seit dem Jahre 1898 10 typische Fälle von Barlowscher 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


159 


Krankheit beobachtet und zwar bei 7 Knaben und 3 Mädchen* deren 
Alter zwischen l l j 2 und 19 Monaten variierte, so daß man sagen kann, 
daß der Skorbut bei Kindern* eine Krankheit des frühesten Alters 
sei. Alle erkrankten Kinder waren künstlich, meist mit auf indu¬ 
striellem Wege sterilisierter Milch genährt. Die Krankheit war nach 
3—7 Monaten aufgetreten. Das Hauptsymptom ist die schmerzhafte 
Pseudoparaplegie mit oder ohne subperiostale Hämatome, die 
den Verdacht auf Rheumatismus, Myelitis, Syphilis, Osteomyelitis 
usw. erwecken. Die Diagnose wird durch das Vorhandensein von 
Zahnfleischecchymosen, die nur bei zahnlosen Kindern fehlen, und 
durch die bestehende künstliche Ernährung bestätigt 

Die Prognose ist selbst bei spät in Behandlung tretenden Pa¬ 
tienten günstig; alle 10 persönlichen Fälle des Verf.s gingen in relativ 
kurzer Zeit in Heilung über. Nur die sehr veralteten Fälle erheischten 
eine Behandlung von 3—4 Wochen. 

Die Behandlung besteht hauptsächlich darin, die künstlich ver¬ 
änderte Milch durch frische zu ersetzen und während einiger Tage 
2—3 Kaffeelöffel täglich von frischem Trauben- oder Orangensaft zu 
verabreichen. Fleischsaft, der von manchen empfohlen wurde, ist 
überflüssig. E. To ff (Braila). 

J. L. Morse, Infantile Scorbutus. (Jour, of Amer. Med. 
Association. 14. April 1906.) Nach genauer Untersuchung von 
50 Fällen von Scorbutus bei Säuglingen bestätigt Verf. die Ansicht 
des Komitees der „American Pediatric Society“ für die „Feststellung 
der Ursachen des Scorbutus“, daß diese Krankheit die Folge einer 
unzweckmäßigen Kost ist, besonders eines Mangels an frischer Milch, 
Fracht usw. 

M. glaubt, daß Blässe und Appetitlosigkeit die frühesten Er¬ 
scheinungen bilden, und daß Empfindlichkeit der Beine und des 
Rückens bei Berührung und schwammige Wulstung des Zahnfleisches 
und Neigung zu Blutungen (meistens wo keine Zähne vorhanden sind), 
sehr bald eintreten. Verdickungen an der Diaphyse (die unteren 
Extremitäten sind 3 mal so oft affektiert al9 die oberen) werden kon¬ 
statiert in ungefähr 50°/ 0 der Fälle. Blutungen sind meistens periostal. 

Die Behandlung besteht in sorgfältigem Nahrungswechsel und 
täglicher Darreichung von wenigstens einem Eßlöffel von Zitronen¬ 
oder Apfelsinensaft und etwas Fleischsaft. Daneben allgemeine hygie¬ 
nische Behandlung. H. B. Sheffield. 

B. Sperk, Erfahrungen auf der Säuglingsabteilung der 
Universitäts-Kinderklinik in Wien. (Zeitschr. f. Säuglings¬ 
fürsorge. Dezember 1906.) Seine Erfahrungen resümierend, kommt 
S. zu folgenden Schlüssen: 

1. Die Eingliederung einer Säuglingsabteilung in ein schon be¬ 
stehendes Kinderspital ist bei zweckmäßiger Adaptierung und bei ge¬ 
nügendem Wartepersonal möglich. 

2. Ausreichendes Pflegepersonal läßt sich am besten dadurch ge¬ 
winnen, daß mit der Säuglingsabteilung eine Schule .zur Heranbildung 
von Säuglingspflegerinnen verbunden ist. 


Digitized by Google 



160 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


3. Die künstliche Ernährung gesunder Säuglinge gelingt auf diese 
Weise auch innerhalb eines Spitales; Isolierung der Säuglingsabteilung, 
sorgfältige Pflege und rationelle Ernährung vorausgesetzt. 

4. Die entzündlichen Affektionen der Atmungsorgane und die 
Otitiden sind die gefährlichsten und am schwersten prophylaktisch zu 
bekämpfenden interkurrenten Erkrankungen einer Säuglingsabteilung. 

Grfttzer. 

W. Lewln, Zur Frage der Säuglingsernährung. (Berliner 
klin. Wochenschrift. Nr. 1907. Nr. 6.) L. hat glänzende Resultate 
mit der künstlichen Ernährung erzielt, die er in folgender Weise 
durchführte. Er gab gewöhnliche Milch (ca. 20 Pf. pro Liter), die er 
den Säuglingen schon von 4 Wochen an unverdünnt reichte. Die Kinder 
erhalten anfänglich 200 ccm Milch und die gleiche Menge Wasser. 
Indem von Woche zu Woche je 50 g Milch zugesetzt und dieselbe 
Wassermenge fortgelassen wird, kommen die Kinder am Schluß des 
1. Monats auf 400 ccm reiner Milch. Als einziger Zusatz: Milch¬ 
zucker (2 Eßlöffel auf 1 1). Nachts bekommen die Kinder von vorn¬ 
herein nichts. Sie erhalten anfänglich 7 Mahlzeiten, und zwar alle 
2 1 / i Stunden. Mit der Zunahme der Milchmengen läßt L. die Anzahl 
der Mahlzeiten allmählich verringern, bis sie schließlich auf 4 her¬ 
untergehen. L. läßt die Milch in einem einfachen, irdenen Topf im 
Wasserbade einmal auf kochen, läßt denselben Topf, mit einem über¬ 
hängenden Deckel zugedeckt, im Sommer sofort auf Eis, im Winter 
an einen kühlen Ort stellen; bei Bedarf wird sie in die gewöhnliche 
Milchflasche getan und im Wasserbad erwärmt. 

Seit 5 Jahren geht L. so vor und war mit den Erfolgen sehr 
zufrieden. Die Kinder gediehen, der Stuhlgang regulierte sich von 
selbst, Rachitis bildete sich nie aus. Grätzer. 

H. Neumann, Die natürliche Säuglingsernährung in der 
ärztlichen Praxis. (Deutsche med. Wochenschrift. 1907. Nr. 8.) 
Man hüte sich, scheinbare Erfolge bei künstlicher Ernährung für 
wirkliche zu halten! Der Irrtum, das Gedeihen eines Säuglings und 
seinen augenblicklichen Gesundheitszustand an der Wage ablesen zu 
können, ist ein höchst gefährlicher. Während regelmäßiger Gewichts¬ 
zunahme können sich die schwersten Ernährungsstörungen vorbereiten! 
Überhaupt sind bei Säuglingen jeden Alters alle starken Gewichts¬ 
zunahmen — über 250 g in der Woche — zu beanstanden, wenn sie 
sich während einer Reihe von Wochen wiederholen — mag es sich 
um künstliche oder natürliche Ernährung handeln. Es gibt nur 
wenige Kinder, deren Verdauungskanal die übermäßige Inanspruch¬ 
nahme für die Dauer aushält. Gewöhnlich folgt auf die Zeit der 
großen Zunahmen die Zeit des Stillstandes und Rückganges. 

Ist schon für normale Kinder die künstliche Ernährung gefähr¬ 
lich, so ist sie es noch viel mehr für minderwertige. Besonders für 
die von Krämpfen bedrohten Säuglinge rät N. dringend zur natür¬ 
lichen Ernährung; durch sie sind die Säuglinge fast vollkommen 
sicher vor Stimmritzenkrampf und den verwandten Krämpfen. Wenn 
in der Familie und im besonderen bei älteren Geschwistern solche 
Krämpfe vorgekbmmen sind oder wenn auch nur das familiäre Auf- 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


161 


treten stärkerer Rachitis und damit die Wahrscheinlichkeit von 
Krämpfen besteht, so dringe man energisch auf natürliche Ernährung. 
Eine solche ist unbedingt auch nötig bei Frühgeburten und über¬ 
haupt bei nicht voll entwickelten Kindern. 

Eis wird leider viel zu wenig gestillt! Meist wegen körperlicher 
Beschwerden und falscher Beurteilung der Funktionsehtwicklung der 
Brustdrüse. Was erstere anbelangt, so gibt es nur wenig Kontra¬ 
indikationen gegen das Stillen: schwere chronische Leiden. Aber 
auch diese sind individuell zu beurteilen. So trägt N. bei wenig aus¬ 
gesprochener Lungentuberkulose und bei besonderer Dringlichkeit der 
natürlichen Ernährung kein Bedenken, wenigstens die ersten Wochen 
stillen zu lassen. Schwächlichkeit, Blutarmut, Schmerzen beim An¬ 
legen des Kindes und dergl. werden viel zu oft als Gründe für das 
Nichtstillen herangezogen. Der Arzt sollte hier psychisch einwirken, 
sollte unbedingt durch Belehrungen die Mütter soweit bringen, daß 
sie die Notwendigkeit des Stillens einsehen und dieses nicht als Opfer, 
sondern als etwas Selbstverständliches betrachten, das nicht ohne ganz 
zwingende Gründe aufgegeben werden darf. Ein solcher ist auch in 
der Funktionsuntüchtigkeit der Brust nur ganz selten gegeben. Seit¬ 
dem man die Technik des Stillens besser gelernt hat, gelingt es oft, 
Brüsten Nahrung zu entlocken, wo man es früher nicht für möglich 
gehalten hätte. Vor allem sollte man zunächst die Brust, auch wenn 
sie noch wenig absondert, ausschließlich geben und nicht gleich mit 
einer Milchmischung bei der Hand sein und dadurch die Energie des 
Saugens beim Neugeborenen beeinträchtigen. Keinesfalls sollte man 
mit dem Anlegen bis zum Einschießen der Nahrung in die Brust 
warten, während man ein normal entwickeltes Kind anderseits nicht 
früher anlegen sollte, als es sein Hungergefühl kräftig äußert Selbst 
wenn es mehrere Tage dauert, bis der Saugreiz die Milch in die 
Brust zieht, so darf man doch auf den Erfolg warten, wenn man nur 
das Kind unter sorgfältiger Beobachtung behält. Bekommt der Neu¬ 
geborene nach 2 Tagen noch keinen Tropfen Nahrung, so gebe man 
abgekochtes Zuckerwasser oder Fencheltee nach jedem Saugversuch, 
und nur bei schwächlichen Frühgeburten wird man schon frühzeitig 
daneben verdünnte Kuhmilch oder noch besser Ammenmilch reichen, 
weil sonst mit Erschöpfung der Kräfte auch die Stärke des Saugens 
und hiermit die Möglichkeit des Milchzuflusses nachlassen würde. Vor 
allem hüte man sich dann vor Überfütterung! Man reiche die Brust 
nur, wenn das Kind deutliches Hungergefühl äußert; es soll also 
überhaupt nicht — außer etwa zu der letzten Tagesmahlzeit — aus 
dem Schlaf genommen werden, worauf sich das Nahrungsbedtirfnis 
schnell auf 4—6, meist auf 5 Mahlzeiten einzustellen pflegt. Bei 
Mäßigkeit in der Ernährung kann man mit einiger Sicherheit den 
Dyspepsien Vorbeugen, welche auch an der Brust häufig sind und 
leider oft zum Unterbrechen des Stillens einen unberechtigten Anlaß 
geben. Es ist für die Zukunft des Kindes viel nützlicher, es an der 
Mutterbrust zu lassen und durch eine Verminderung der Zahl 
oder Größe der Mahlzeiten in einigen Tagen oder Wochen zum Ziele 
zu kommen. Falls hierbei die Nahrungsmenge zu gering wird, so er¬ 
gänzt man sie durch dünne Schleimlösungen von Soxhlets Nähr- 


Digitized by 


Google 



162 


Ccutralblatt für Kinderheilkunde. No. S. 


zucker (5—10°/ 0 ), durch verdünnte Buttermilchsuppe oder durch eiue 
gewöhnliche Milchmischung. Grätzer. 

Hurö, De l’alimentation des nourrissons par le lait de 
vache cru normal. (Thfese de Paris. 1906.) Die Vorteile der Er¬ 
nährung djspeptischer und atrophischer Kinder mit roher Milch sind 
vielseitig bestätigt worden, doch ist die Gewinnung einer einwand¬ 
freien Milch mit großen Kosten verbunden und sehr umständlich, so 
daß eine Verallgemeinerung dieser Behandlungsart kaum zu erwarten 
ist. Ein Institut zur Gewinnung aseptischer Kuhmilch besteht in der 
Nähe von Paris, und der Verf. gibt eine ausführliche Beschreibung 
desselben. Die Kühe werden dortselbst nicht im Stalle, sondern in 
einem eigenen Saale, der einige Ähnlichkeit mit einem aseptischen 
Operationssaale haben dürfte, gemolken. Die Tiere werden zuerst ge¬ 
reinigt, gebürstet, das Euter mit gekochtem Wasser und Seife ge¬ 
waschen und mit Wasserstoffsuperoxyd bespritzt Der Melker muß 
sich die Hände in genauer Weise mit warmem Wasser und Seife 
waschen und bürsten, sowie auch die Nägel reinigen. Die gemolkene 
Milch fließt direkt in einen weiten Trichter, wird durch aseptisches 
Material geseiht und gelangt durch Metall- und Kautschukkanäle in 
das Untergeschoß, wo dieselbe in eigenen Behältern durch sterile 
Watte filtriert und auf 0° abgekühlt wird. Mit denselben peinlichen 
Vorsichtsmaßregeln wird hierauf die Füllung in sterilisierten Flaschen 
vorgenommen. Derartige Milch konnte 5—6 Tage in warmen Lokalen 
aufbewahrt werden, ohne die geringste Veränderung zu zeigen. 

Außer den Vorsichtsmaßregeln, welche man bezüglich des Melk¬ 
aktes beobachten muß, ist es von Wichtigkeit für die Milchgewinnung 
nur vollkommen tadellose Kühe zu benützen. Dieselben müssen ein¬ 
gehend untersucht werden und die Tuberkulinprobe gut bestanden 
haben. Die Hygiene der Stallungen ist von hervorragender Bedeu¬ 
tung für die Gesundheit der Kühe und die Qualität der gelieferten 
Milch. Bezüglich der Ernährung soll einer solchen mit natürlichem 
Euter der Vorzug gegeben werden; industrielle Abfallstoffe sind schäd¬ 
lich und können durch dieselben sogar Giftstoffe in die Milch einge¬ 
führt werden. Heu, Kleie, dickes Weizenmehl und Erdäpfel sind allen 
anderen Futtersorten vorzuziehen; Grünfutter kann noch nach voll¬ 
endeter Trockenfütterung und in geringer Menge verabreicht werden. 
Milchkühe sollen 20—251 Trinkwasser täglich erhalten, und darf das¬ 
selbe nicht zu kalt sein. E. To ff (Braila). 

B. Balge, Einige Bemerkungen über die Bedeutung der 
Frauenmilch in den ersten Lebenstagen. (Berlinerklin. Wochen¬ 
schrift. 1907. Nr. 8.) Die Gründe, aus denen auf das Selbststillen ver¬ 
zichtet wird, sind meist nicht stichhaltig. So der Einwand, die Mutter 
habe zu wenig Milch. Das ist eine seltene Ausnahme, wenn ernster 
Wille sich bemüht, die Funktion der Brustdrüsen in Gang zu bringen. 
Freilich darf man nicht nach 2—3 mißglückten Versuchen die Flinte 
ins Korn werfen, da ein konsequentes Fortsetzen der Versuche zum 
Erfolge in mindestens 90 °/ 0 der Fälle führt. Man hat auch oft ganz 
falsche Vorstellungen der für das Kind notwendigen Milchmenge. 
Die notwendige Menge für den Säugling in den ersten 4 Wochen 


Digitized by Google 



II. Referate, 


163 


braucht allmählich nur auf 500—600 ccm anzusteigen, oft genügen 
auch noch geringere Quantitäten. Geringe Milchsekretion ist zudem 
häufig mit einem höheren Kaloriengehalt der Nahrung verbunden, so 
daß das Kind auch bei geringerem Volumen zu seinem Rechte kommt. 
Man sollte sich sehr hüten, über die Qualität der Milch ein Urteil 
abzugeben nur auf oberflächliche Prüfung hin; es ist nicht leicht, 
hier ein richtiges Urteil zu fällen, ein solches darf sich nur auf ganz 
genauen Untersuchungen auf bauen. Oft ist nicht die Qualität der 
Milch schlecht, sondern das Kind gedeiht nicht, weil es zu oft an¬ 
gelegt wird, weil eine variable Überfütterung stattfindet. 

Gerade die erste Nahrung des Kindes muß, wenn irgend mög¬ 
lich, Frauenmilch sein, sonst werden von vornherein durchaus 
aphysiologische Bedingungen für die Verdauungsorgane geschaffen, die 
dann häufig zu einer auch bei Frauenmilch schwer zu beseitigenden 
Darmstörung führen. Freilich hat es oft den Anschein, daß Kinder 
sogar bei künstlichen Nährpräparaten sehr gut fortkommen; die Stühle 
werden schön, das Gewicht steigt. Aber das sind Scheinerfolge, das 
böse Ende kommt nach. Man gebe von vornherein die Brust in 
rationeller Weise und bleibe möglichst bei dieser Ernährung. Reicht 
die Brust nicht aus, so ist das Allaitement mixte noch immer un¬ 
endlich besser, als jede rein künstliche Ernährung, und alles, was an 
Frauenmilch zu haben ist, und ist es auch wenig, gibt eine ganz 
andere Gewähr für einen wirklichen Erfolg, als die Verbitterung des 
schönsten Präparates. Jeder Tag, an dem das Kind die Brust be¬ 
kommt, ist ein Gewinn. Ist die natürliche Ernährung einmal wirk¬ 
lich nicht durchzusetzen, so hüte man sich vor allem vor Überfütte¬ 
rung. Niemals kürzere als 3 stündige Pausen, 6—7 Mahlzeiten 
höchstens in 24 -Stunden und ein Nahrungsvolumen, das in der 
1. Woche 250—300 ccm höchstens nicht überschreitet und ganz all¬ 
mählich in den ersten 4 Wochen auf 600 ccm steigt. Daß auch bei 
der Brusternährung eine Überfütterung Mißerfolge zeitigt, wurde 
schon erwähnt; treten solche ein, so muß man sich durch Wägungen 
überzeugen, ob der Grund mangelnden Gedeihens nicht in einem 
„Zuviel“ zu suchen ist Grätzer. 

Karl Basch, Beiträge zur Physiologie der Milchdrüse. 
1. Die Innervation der Milchdrüse. (Jahrb. f. Kinderheilk. 
Bd. 64. Heft 6.) Sucht man den nervösen Apparat der Milchdrüse 
zu beeinflussen, so kann man zweierlei Änderungen erwarten. Eine 
Änderung der Milchmenge und eine Änderung der Zusammen¬ 
setzung der Milch. Der verläßlichste Maßstab für die Beurteilung 
des Milchreichtums einer Amme ist das Gedeihen ihres eigenen Kindes; 
abgesonderte Milchmenge und Körpergewichtszunahme des Kindes 
gehen annähernd proportional. Aus diesem Grund wurde auch bei 
säugenden Tieren in den Versuchen die abgesonderte Milchmenge 
einfach aus der Gewichtszunahme der Jungen erschlossen. Um den 
Einfluß des Sympathicus auf die Milchabsonderung zu studieren, 
wurde er in seinem tieferen Verlaufe in ausgiebiger Weise durch die 
Exstirpation des Ganglion coeliacum unterbrochen. Diese Exstirpa¬ 
tion gehört zu den technisch schwierigsten Operationen. Die nach 


Digitized by Google 



164 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


dieser Sympathicusunterbrechung abgesonderte Milch zeigte keinen 
Rückgang in der Menge und auch qualitativ keine wesentlichen Unter¬ 
schiede in bezug auf Nährwert und Bekömmlichkeit. Die Wägung 
der Jungen zeigte vielmehr sowohl beim Kaninchen wie beim Hund, 
daß dieselben vor und nach der Exstirpation des Ganglion coeliacum 
in gleicher Progression Zunahmen. Untersuchte man aber die Milch 
der einzelnen Brustdrüsenpaare nach der Operation, dann fanden sich 
in den beiden untersten Brustdrüsenpaaren, den sogen. Bauchzizzen, 
bereits am 2. und 3. Tage nach der Resektion deutlich Kolostrum¬ 
körperchen der Milch beigemischt, während die Milch der oberen 
Drüsenpaare davon frei blieb. Exstirpation einer Nebenniere verur¬ 
sachte kein Auftreten von Kolostrum. 

Durch Resektion des N. thoracicus longus bei säugenden Kanin¬ 
chen und. des N. spermaticus externus bei Hunden, Kaninchen und 
Meerschweinchen wurde der Einfluß des peripherischen Nervensystems 
studiert In keinem Falle konnte eine Verminderung der abgeson¬ 
derten Milchmenge bzw. ein Gewichtstillstand oder eine Gewichts¬ 
abnahme der Jungen konstatiert werden. Verschiedentlich trat Kolo¬ 
strum in der Milch auf. 

Die Tätigkeit der Milchdrüsen ist, was die abgeson¬ 
derte Milchmenge betrifft, also weder vom, peripheren 
noch vom sympathischen Nervensystem abhängig. Wenn auch 
kein Zweifel darüber besteht, daß Milchstauung in erster Linie und 
als deutlichste Quelle der Bildung von Kolostrumkörperchen anzusehen 
ist, so dürfte dieselbe doch nicht als die ausschließliche Ursache der¬ 
selben anzunehmen sein. Vielmehr scheint es eine allgemeine Eigen¬ 
tümlichkeit der Milchdrüse zu sein, auf eine Reihe von Veränderungen 
in ihrer Tätigkeit mit der Ausscheidung von Kolostrumzellen zu rea¬ 
gieren. Das Auftreten von Kolostrum ist im allgemeinen aufzufassen 
als das Zeichen einer unvollkommenen Tätigkeit der Milchdrüse und 
unter diesem einheitlichen Gesichtspunkt lassen sich dann alle Mo¬ 
mente, welche Kolostrumabscheidung auslösen, wie Stauung, ver¬ 
siegende Sekretion, Nerveneinfluß, venöse Stase zusammenfassen. 

Auch die Qualität der Milch, soweit sich dieselbe durch Be¬ 
kömmlichkeit und Nährwert ausprägt, ist nicht direkt vom Nerven¬ 
einfluß abhängig. 

Verf. versuchte weiterhin die enervierte Drüse gänzlich von ihrem 
Mutterboden loszulösen, indem er bei einer Hündin, bei welcher in 
der erstem Laktation sowohl das Ganglion coeliacum als auch der 
linke N. spermaticus reseziert war, nach dem Aufhören der Milch¬ 
sekretion die enervierte unterste Brustdrüse an einem langen gestielten 
Lappen auf den Rücken transplantierte. Nach der Anheilung dort 
wurde auch die verbindende Hautbrücke verschorft. Die ßündin 
wurde von neuem trächtig. Die transplantierte Drüse wurde hyper- 
ämisch und bekam ein sukkulenteres Drüsengewebe. Die Epidermis 
der Brustwarze schilferte reichlich ab, und nach dem Wurfe des 
Tieres ließ sich deutlich kolostrumhaltige Milch aus der Drüse her¬ 
vorpressen. Die Milchdrüse sezernierte also, obwohl sie aus ihrer 
Verbindung sowohl mit den peripheren als auch den sympathischen 
Nerven getrennt und von ihrem Mutterboden losgelöst war. Also 


Digitized by Google 



II. Referate. * 


165 


auch unabhängig vom Nervensysteme ist es möglich bloß durch Vor¬ 
gänge, die mit der Schwangerschaft und Geburt Zusammenhängen, 
eine Absonderung der Milchdrüse anzuregen. Dagegen scheint aber 
zur vollkommenen und andauernden Tätigkeit dieses Organs der Ein¬ 
fluß des Nervensystems allerdings nicht entbehrt werden können, wie 
das Versiegen der Milchabsonderung nach 10 Tagen beweist. 

Hecker. 


J. Andlrodtas, Rückkehr der Milchsekretion nach langem 
Entwöhnen. (Journ. de möd. de Bordeaux. 1906, 25. August.) In 
2 Fällen sah der Verf. die Milchsekretion zurückkehren bei Frauen, 
die seit mehr oder minder langer Zeit mit den Stillen aufgehört 
batten. 1. Eine am 19. Januar 1905 niedergekommene Frau stillt 
ihr Kind bis .Mitte Februar. Sehr schmerzhafte Schrunden ver¬ 
anlassen die Frau zum Absetzen. . 6 Wochen später versucht man 
wegen des gefährdeten Zustandes des Kindes die Brust wieder in 
Betrieb zu bringen. Tatsächlich kehrt die Milch nach 3—4 Tagen 
wieder und nach und nach reduziert man die Flaschennahrung. In 
15 Tagen ist man bei ausschließlicher Brus tna.hr ung angelangt. Aus¬ 
gezeichnetes Gedeihen des Kindes lohnt die Bemühungen. 2. Eine 
andere Frau stillt ihr am 24. September 1905 geborenes Kind bis 
Mitte Dezember. Wegen eines Grippenfalles setzt die Mutter das 
Kind ab. Das Kind leidet sehr darunter. Einen Monat später legt 
man das Kind wieder an die Brust. Nach mehreren Tagen tritt 
wieder Milchsekretion ein und die Hälfte der Flaschenmahlzeiten kann 
weggelassen werden, um bald darauf wieder einer ausschließlichen 
Brustnahrung abgelöst zu werden. Jeder in der Kinderpraxis stehende 
Arzt müßte sich diese ermutigenden Erfahrungen, die übrigens längst 
nicht die einzigen sind, ad notam nehmen. H. Netter. 


E. Megnier, Über die durch Abbrechen des Säugens in der 
Struktur der Brustdrüse bewirkten Veränderungen. (Rivista 
di Clinica Pediatrica. Juni 1906.) Verf. hat seine Untersuchungen 
an Hündinnen, Katzen, Meerschweinchen und Kaninchen angestellt. 
Es ergab sich, daß die regressiven Veränderungen, die in der funk¬ 
tionierenden Drüse infolge Abbrechens des Säugens entstehen, nicht 
in gleichmäßiger Weise in den verschiedenen Brustdrüsen und an den 
verschiedenen Stellen einer Brustdrüse bei demselben Tiere eintreten. 
Sie verlaufen je nach der Tierspezies und auch je nach den Indivi¬ 
duen verschieden. In der Aufeinanderfolge der Erscheinungen kann 
man 3 Phasen unterscheiden: 1. Die Drüse hat noch Tendenz zu 
funktionieren, und es ergibt sich eine enorme Stagnation des Sekrets 
in den Ductus, in den Alveolarräumen und dem Epithel. 2. Die 
Drüse. ist im Stadium der Cholostrumbildung. 3. Stadium mehr oder 
minder ausgesprochener Atrophie. Die Leukozyteninfiltration im ersten 
Stadium ist spärlich, relativ häufig sind die mononukleären; im 
zweiten Stadium ist die Infiltration hochgradig, und es überwiegen die 
polynukleären, im dritten ist die Leukozyteninfiltration sehr spärlich, 
and es überwiegen die kleinen mononukleären Leukozyten. Auch in 
den weiteren Stadien der Regression enthalten die Epithelien ganz 
feine Fetttröpfchen. . Das interlobuläre und interstitielle Bindegewebe 

CentralbL f. Kinderhlkde. XII. 14 


Digitized by 


Google 



16$ 


Centralblatt ftir Kinderheilkunde. No. 5. 


nimmt, je längere Zeit seit dem Aussetzen der Sekretion verflossen 
ist, desto mehr zu; aber selbst in den am weitesten vorgeschrittenen 
Stadien werden die Drüsenacini nicht vom interstitiellen Gewebe kom¬ 
primiert. Im Bindegewebe der Mammilia beim Meerschweinchen 
findet man eine mit der Entwicklung desselben zunehmende Eosino¬ 
philie; sie findet sich bei Hündinnen und Katzen unter entsprechen¬ 
den Umständen nicht. F. 

HangEckhardt, Untersuchungen an vegetarisch ernährten 
Kindern. (Zentralbl. f. d. ges. Phys. ü. Pathöl. d. Stoffw. 1906. 
Nr. 20.) Die in 4 Versuchen mit lakto^tegetabilisohefr Kost erhaltenen 
Zahlen für N-Ausnutzung sind allgemein etwas ungünstiger als bei 
gemischter Kost, halten sich aber gegenüber sonst bei vegetarischer 
Kost gefundenen Zahlen auf mittlerer Höhe: Der N-Verlust im Kot 
betrug 23,4, 17,5, 19,5, 25,6 °/ 0 . In allen 4 Fällen retinierten die 
Kinder N, sogar bei sehr geringer N-Zufuhr (im 3. Und 4. Fall Nah- 
rungs-N 4,720 g bzw. 5,296 g pro die); die tägliche Retention betrug 
2,234 g, 1,561 g, 0,47 g, 0,652 g. Sehr gut war die Ausnützung der 
Kalorien: 90,8—93*7°/ 0 (bei zwei Kindern bei Rubner mit gemischter 
Kost War die Ausnutzung 91,21 °/ 0 und 88,79 °/ 0 ). Die Kalorienzufuhr 
betrug pro Tag und Kilo: 104,6, 100, 70,8 89,2; Vergleichs werte bei 
gemischter Kost liegen vor bei Herbst (Jahtb. f. Kinderhlk. 189ö)i 
86,94 und 67,24 Kal. und bei Sophie Hasöe (Zeitsobr. f. Biologie. 
Bd. 18): 90 Kal. Die Ernährung der beiden Kinder mit 104,6 und 
100 Kal. war eine überreichliche; die beiden anderen Zahlen sind 
von den Vergleichs werten bei gemischter Kost nicht nennenswert ver¬ 
schieden. M. Kaufmann. 

Z. Adler (Budapest), Über den Einfluß der Alkalien auf 
den Kalkumsatz beim Kinde. (Monatsschrift f. Kinderheilkd. 
Juli 1906.) Aron hat gefunden, daß „bei stark vermindertem Na¬ 
trium- und gleichzeitig sehr hohem Kaliumgehalt der Nahrung trotz 
einer ausreichenden Ca- und P-Zufuhr der Kalkansatz und damit das 
Enochenwachstum hinter der Norm zurückbleibt“. A. stellte nun, 
um zu prüfen, ob diese am Tier erhobenen Befunde auch für den 
erwachsenen Menschen Geltung haben, an drei Kindern Stoffwechsel¬ 
versuche an* in denen der Einfluß eines wechselnden Kalium- und 
Natriumgehaltes der Nahrung auf die Kalkretention eruiert werden 
sollte. Es zeigte sich dabei, daß der für das Tiej: konstatierte Ein¬ 
fluß des überwiegenden Kali- oder Natrongehaltes auf den Kalkstoff¬ 
wechsel für das Kind sich nicht erweisen ließ. Gr&tzer. 

Torindo Silvestri, Der Kalkgehalt des Zentralnerven¬ 
systems in seiner Beziehung zur Eklampsie, Tetanie und 
ähnlicher Zustände. (Gazz. degli osped. 1906. Nr. 96.) Verf. 
ist der Ansicht, daß der Kalkgehalt des Nervensystems bei der Spas- 
mophilie eine Rolle spielt, und daß besonders bei den Krämpfen der 
Kinder der Mangel an Kalk der ätiologische Faktor ist. Es sprechen 
dafür die Tatsachen, 1. daß man bei verschiedenen, mit starker 
geistiger Arbeit begleiteten Psychopathien starke Kalkausscheidung 
konstatiert, 2. daß schon kleinste Kalkmengen, auf die Hirnrinde ge¬ 
bracht, durch Natriumcitrat erzeugte epileptiforme Krämpfe beseitigen, 


Digitized by 


Google 



IL Referate. 


167 


3. daß der bei der Geburt recht hohe Kalkgehalt des Kindergehirns in der 
Zeit vom 6.—36. Lebensmonat, der Hauptzeit der Spasmophilie, viel 
geringer wird, 4. daß die Gehirne von Kindern mit Tetanie weniger 
Kalk enthalten als die normaler, 5. daß besonders rachitische Kinder 
sp&smophil sind, 6. daß richtige Darreichung von Kalksalzen wie die 
rachitischen so auch die spasmophilen Erscheinungen günstig beein¬ 
flußt, 7. daß Phosphor, der die Kalkretention begünstigt, therapeutisch 
wirksam ist, 8. daß die schwangere Frau in den letzten Perioden der 
Schwangerschaft viel Kalk an den Fötus abgibt, wodurch sich auch 
bei ihr die Eklampsie erklärt. Ebenso verliert die Stillende mit der 
Milch sehr viel Kalk, was die spasmophilen Zustände bei der Lakta¬ 
tion erklärt. M. Kaufmann. 


W. Stoeltzner, Die Kindertetanie (Spasmophilie) als Kal¬ 
ziumvergiftung. (Jahrb. f. Kinderheilk. Bd. 63. Heft 6.) Von der 
Erfahrung ausgehend, daß die Spasmophilie in der Mehrzahl der 
Fälle durch Änderung der Art und Menge der zugeführten Nahrung 
willkürlich beeinflußt werden kann, und daß das wichtigste Symptom, 
die galvanische Übererregbarkeit der peripherischen Nerven mit der 
Menge der genossenen Kuhmilch steigt und fällt, und daß der für die 
Kinder gefährliche Stoff in der Molke enthalten ist, suchte S. zu 
erfahren, welcher von den Komponenten der Milchasche der Übeltäter 
sei. Es wurde eine Reihe von spasmophilen Kindern, welche nach 
Aussetzen der Kuhmilch wieder normale Erregbarkeit zeigten, Lösungen 
von Kalzium-, Kalium-, Natrium- und Eisensalzen gegeben und ge¬ 
funden, daß, während alle übrigen Salzlösungen sich indifferent ver¬ 
hielten, nach Darreichung von Kalzium sofort die Erregbarkeit wieder 
stieg, ja sogar von neuem Glottiskrämpfe auftraten. Es scheint in 
hohem Grade wahrscheinlich, daß die Eigenschaft der Kuh¬ 
milch, die Spasmophilie zu verschlimmern, auf ihrem hohen 
Kalkgehalt beruht. 

Der resorbierte Kalk wird, soweit er nicht zum Ansatz kommt, 
zum größten Teile durch die Darmschleimhaut wieder ausgeschieden, 
und im Gegensatz zur natürlichen Ernährung werden bei der Fütte¬ 
rung mit Kuhmilch infolge des viel größeren Kalkgehaltes dieser 
höhere Ansprüche an die Kalkausscheidung des Darmes gemacht. 
Bei rachitischen Flaschenkindern wird aber die kalkausscheidende 
Funktion des Darmes übermäßig in Anspruch genommen, und zwar 
weil mehr Kalk als bei der Ernährung mit Frauenmilch resorbiert 
wird, weil der resorbierte Kalk so gut wie ganz wieder ausgeschieden 
wird, anstatt wie normal im Knochengewebe angesetzt zu werden, 
und schließlich weil der durch die rachitische Knocheneinschmelzung 
freiwerdende Kalk großenteils wieder durch die Darmschleimhaut 
eliminiert werden muß. 

Die Kalziumtheorie der Tetanie findet im physiologischen Experi¬ 
ment eine gewisse Stütze, insofern Kalium lähmend, Kalzium dagegen 
ausgesprochen erregend auf ausgeschnittene überlebende Organe wirkt. 

Hecker. 

C. Y. Pirquet, Die anodische Übererregbarkeit der Säug¬ 
linge. (Aus der k. k. Univers.-Kinderklinik in Wien.) (Wiener med. 
Wochenschrift. 1907. Nr. 1.) v. P. kommt zu folgenden Schlußsätzen: 


Digitized by 




168 Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 

1. Die galvanische Untersuchung ergibt beim normalen Säugling 
nur Schließungszuckungen unter der Grenze von 5 Milliamperes. 

2. Das Auftreten von Anodenöffnungszuckungen unterhalb dieser 
Stromstärke bei gleichzeitigem Fehlen von Kathodenöffnungszuckung 
und Kathodenschließungstetanus charakterisiert eine leichte Über¬ 
erregbarkeit, welche man mit dem Ausdrucke „anodische Übererreg- 
barkeit“ bezeichnen kann. 

3. Diese ist eine Unterstufe der „kathodischen Übererregbarkeit“, 

welche an der Kathode durch Auftreten von Tetanus oder Öffnungs¬ 
zuckung unter 5 Milliamperes erkennbar ist. Grätzer. 

E. Moro, Über Gesichtsreflexe bei Säuglingen. (Aus der 
Universitäts-Kinderklinik in Graz.) (Wiener klin. Wochenschrift 1906. 
Nr.21.) ÜberdasChvostekscheFazialisphänomen,dasEscherichsche 
Mundphänomen und das Thiemichsche Lippenphänomen stellte If. 
Untersuchungen an. Diese Untersuchungen erstreckten sich fast ledig¬ 
lich auf das normale Material des frühesten Säuglingsalters. Siebringen 
insofern einen neuen Beitrag zur Semiotik der Gesichtsphänomene, als 
M. feststellen konnte, daß ihre geradezu konstante Auslösbarkeit bei 
Säuglingen der ersten Lebenswochen in den Bereich physiologischer 
Erscheinungen einzubeziehen ist. 

Der Verlauf der Phänomene ist im wesentlichen von der Lokali¬ 
sation der beklopften Partie abhängig. Am sichersten und am schönsten 
lassen sich die Zuckungen am schlafenden Säugling beobachten, weshalb 
M. seine Untersuchungen prinzipiell nur an schlafenden Kindern vor¬ 
genommen hatte. Damit soll jedoch nicht gesagt sein, daß die Phä¬ 
nomene im wachenden Zustand erloschen sind; allein es ist begreif¬ 
lich, daß die Unruhe und die starre Mimik eines weinenden und 
schreienden Gesichtes der Prüfung unwiderstehliche Schwierigkeiten 
in den Weg stellt. Man kann sich jederzeit davon überzeugen, daß 
auch das echte Fazialphänomen bei Tetaniekindern unter diesen Ver¬ 
hältnissen unmöglich auszulösen ist. 

So lassen sich beim Beklopfen des Musculus orbicularis oris 
knapp innerhalb der Nasolabialfalte und oberhalb des Mundwinkels 
verschiedenartige Zuckungsphänomene erhalten. In vielen Fällen er¬ 
folgt darauf die Kontraktion des Musculus orbicularis oris, wobei der 
Mund rüsselartig vorgestreckt wird, ein Vorgang, der sich mit der 
Beschreibung, die Thiemich für sein Lippenphänomen gegeben hat, 
vollkommen deckt. Wenn die Kinder mit offenem Munde schlafen, 
erfolgt dabei zuweilen ein momentanes Hervorstrecken der Zunge. 
Das Lippenphänomen erhielt M. in ganz typischer Weise 22 mal in 
92 Fällen. 

14mal beobachtete M. das von Escherich zuerst beschriebene 
Mundphänomen. Der Mund der Kinder wurde vorgestreckt und zu¬ 
gleich erfolgte eine ganz deutliche und zweifellose Zuckung nach der 
entgegengesetzten Seite. Die Zuckung auf der gekreuzten Seite doku¬ 
mentierte sich zumeist in einer Verschiebung des Filtrums und in 
der Hebung des Nasenflügels auf der entgegengesetzten Seite. Dabei 
vertiefte sich zuweilen die Nasolabialfalte auf der nichtperkutierten 
Seite, was naturgemäß in der Regel mit einem Herabziehen des ent¬ 
gegengesetzten Mundwinkels verbunden war. 


Digitized by Google 



II. Referate* 


169 


In der Mehrzahl der Fälle entsprach jedoch die Reaktion keinem 
der beiden Typen, indem dabei das Vorstrecken des Mundes ausblieb 
und sich nur die beiden Mundwinkel momentan senkten, eine Mimik, 
die jener gleicht, welche das Weinen der Kinder einzuleiten pflegt. 

Alle diese Phänomene lassen sich aber nicht nur vom Mund¬ 
winkel, sondern mit größerer Deutlichkeit noch vom Chvostekschen 
Punkt aus erhalten, weil dabei der Schauplatz des Phänomens un¬ 
berührt bleibt Nicht selten reagieren Säuglinge der ersten Lebens¬ 
wochen auf das Beklopfen des typischen Punktes mit echtem Fa- 
zialisphänomen. Auch hier bleibt die Zuckung nicht immer auf 
das entsprechende Fazialisgebiet beschränkt; wiederholt sah M. die 
Kontraktion ganz deutlich auch auf der nicht perkutierten 
Seite auftreten. 

Die Frage nach der Natur der vorgeführten Gesichtsphänomene 
ist leicht zu beantworten. Entscheidend dafür ist das häufige Er¬ 
scheinen der Zuckungen auf der entgegengesetzten Seite. Dieses Ver¬ 
halten ist ausschließlich den echten Reflexvorgängen eigentümlich, 
denn es setzt die Vermittlung des spinalen Zentrums voraus. 

Die beschriebenen Gesichtsphänomene — einschließlich 
des Fazialisphänomens der Säuglinge in den ersten Lebens¬ 
wochen — sind demnach als Gesichtsreflexe aufzufassen und 
sind nichts anderes als ein weiterer Ausdruck der allgemein er¬ 
höhten Reflexerregbarkeit in diesem Lebensalter. 

Das Auftreten von Begleitreflexen auf der entgegengesetzten Seite 
ist außerdem ein Zeichen für den beschränkten Widerstand, den die 
Ganglienzellen der Fortleitung der Erregung im Zentrum entgegen¬ 
setzen. Dieser Widerstand ist in den allerersten Tagen des Lebens 
so gering, daß es zu dieser Zeit in der Regel überhaupt nicht ge¬ 
lingt, die Gesichtsreflexe distinkt zu erhalten, weil der Neugeborene 
auf das Beklopfen jeder beliebigen Stelle des Gesichtes mit einer 
heftigen Zuckung des ganzen Kopfes, zuweilen auch der Extremitäten, 
reagiert. 

An zweiten oder dritten Lebenstage treten zum erstenmal die 
tiesichtsreflexe auf und bleiben zumeist bis in den zweiten, manch¬ 
mal bis in den dritten Lebensmonat erhalten, um von da ab allmäh¬ 
lich zu erlöschen. Ihre Kenntnis als physiologische Reflexe im frühen 
Säuglingsalter ist für die Diagnose der Tetanie praktisch verwertbar. 

Ein weiterer typischer Gesichtsreflex, der sich bei Neugeborenen 
und bei jungen Säuglingen regelmäßig nachweisen läßt, ist der Lid¬ 
schlußreflex. Der Reflex besteht darin, daß beim schlafenden Säug¬ 
ling das Antippen von Punkten der Glabella bis zur Mitte der Stirn, 
sowie das Beklopfen der Austrittsstelle des Nervus supraorbitalis, die 
momentane konzentrische Kontraktion des Musculus orbicularis oculi 
zur Folge hat. Zuweilen tritt der Lidschlußreflex auch nach dem 
Antippen des Nasenrückens und der Nasenspitze auf, er pflegt aber 
stets auszubleiben, wenn man andere Stellen der orbitalen Umrandung 
berührt, was gegen seinen Charakter .als einfachen Abwehrreflex spricht. 
Der Lidschlußreflex läßt sich bei Säuglingen vom zweiten Lebenstage 
bis in die ersten Lebensmonate hinein verfolgen. Er tritt am frühesten 
auf und bleibt am längsten erhalten. Grätzer. 


Digitized by 


Google 



170 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


C. H. Dünn, The Reflexes of Dentition. (Journ. Amer. 
Med. Ass. Vol. XLV. Nr. 1.) Obwohl Dentitio bei Säuglingen ein 
physiologischer Vorgang ist, verläuft derselbe nicht immer ohne jeg¬ 
liche Komplikationen, sondern werden recht oft Entzündungen der 
Mundhöhle, des Magens und Darms beobachtet, und nicht selten 
hohes Fieber, Otitiden und sogar Konvulsionen. Da aber die 
meisten Symptome gewöhnlich nach Zahndurchbruch verschwinden, 
glaubt Verf., daß dieselben von den das Zahnen begleitenden Schmerzen 
verursacht werden, also auf keinem pathologischen reflexiven Prozeß 
beruhen. H. B. Sheffield. 

Zacceria Capuzzo, Über einen neuen Reflex auf dem Fu߬ 
rücken. (Rivista di Clinica Pediatrica. 1906. Bd. I.) Mendel hat 
(Neurologisches Centralblatt 1904) darauf aufmerksam gemacht, daß, 
wenn man mit einem Perkussionshammer auf den Fußrücken und 
zwar an der Basis des III. und IV. Metatarsus schlägt, man bei ge¬ 
sunden oder an rein funktionellen Nervenkrankheiten leidenden Individuen 
eine Dorsalflexion der vier letzten Zehen, besonders der zweiten und 
dritten sieht, während bei Lähmungen oder spastischen Zuständen 
infolge organischer Erkrankungen an Stelle der Dorsalflexion eine 
Plantarflexion, meist begleitet von dem Babinskischen Phänomen, 
auftritt. 

Verf. hat diesen Reflex bei einer großen Anzahl von Kindern 
untersucht und gefunden, daß bei Kindern unter einem Jahre, speziell 
in den ersten Lebensmonaten der Reflex anormal, nämlich Pläntar- 
flexion, sein kann, ohne daß eine Erkrankung des Zentralnervensystems 
vorliegt; aber auch bei größeren Kindern kommt es vor, daß, auch 
ohne nervöse Organerkrankung, dieser Reflex vorhanden ist. Wahr¬ 
scheinlich handelt es sich in diesen Fällen um eine einfache Kom¬ 
pression der cortico-spinalen motorischen Bahnen infolge Gehirnödem. 

P. 

P. Sorgente, Zwei Fälle von Oppenheims angeborener 
Muskelatonie. (La Pediatria. Mai 1906.) Es handelte sich um 
zwei wenige Tage alte Säuglinge, die, von gesunden Eltern stammend, 
hereditär in keiner Weise belastet waren und eine Lähmung aller Extre¬ 
mitäten aufwiesen. Auch die Muskeln des Thorax waren gelähmt; 
der Thorax nahm an der Respiration keinen Anteil, diese war viel¬ 
mehr völlig abdominal mit Einziehung in einer der Insertion des 
Zwerchfells entsprechenden Linie. Beide Kinder starben nach kurzer 
Zeit, nachdem sie in den letzten 24 Stunden einige konvulsivische 
Anfälle gehabt hatten. F. 

Antonio Jovane, Beitrag zum Studium der Oppenheim- 
schen angeborenen Muskelatonie. (La Pediatria. 1906. Bd. VII.) 
Mitteilung eines ein 3 Monate altes Kind betreffenden Falles 1 ; das 
Kind ging im Alter von 5 Monaten an Bronchopneumonie zugrunde. 

F. 

Ludwig Rosenberg, Über Myatonia congenita (Oppen¬ 
heim). (Deutsche Zeitschr. f. Nervenheilk. Bd. XXXI. Heft 1—2.) 
Verf. stellt zunächst die bisher veröffentlichten Fälle von Myatonia 
congenita zusammen und fügt ihnen einen neuen Fall aus der Oppen- 


Digitized by Google 



II. Referate. 


171 


teimsehen Poliklinik hinzu. Im ganzen sind bisher 7 Fälle dieses 
Leidens beschrieben. Es handelt sich um eine kongenitale Erkran- 
kung, bei welcher in den ersten Lebensmonaten bzw. im ersten oder 
zweiten Lebensjahr eine eigentümliche Schlaffheit und Bewegungs¬ 
losigkeit des ganzen Körpers des Kindes oder nur bestimmter Ab¬ 
schnitte , besonders der unteren Gliedmaßen konstatiert wurde. Am 
schwersten sind meist die Muskeln des Hüft- und Kniegelenks be¬ 
troffen. Immer verschont bleiben die von den Hirnnerven versorgten 
Muskeln, die Sphinkteren und das Zwerchfell. Das Leiden ist besserungs¬ 
fähig; ob es zu einer völligen Heilung kommen kann, ist noch, nicht 
mit Bestimmtheit zu entscheiden, doch ist es sehr wahrscheinlich. Die 
elektrische Erregbarkeit ist mehr oder weniger beträchtlich herab¬ 
gesetzt oder ganz aufgehoben; sie fehlt auch in Muskeln, die reflek¬ 
torisch oder willkürlich etwas kontrahiert werden. Besonders leidet 
die direkte Erregbarkeit. Ausgesprochene EaR wurde nicht gefunden. 
Die Hypotonie ist das Hauptmerkmal des Leidens, die Muskeln fühlen 
sich schlaff und weich an, erscheinen dünn und mager. Intelligenz, 
Sensibilität und Sinnesfunktionen zeigen keine Störung, die Reflexe 
sind herabgesetzt oder fehlen. 

Wahrscheinlich liegt der Myatonia congenita eine verzögerte Ent¬ 
wicklung der Muskeln zugrunde. Bei oberflächlicher Betrachtung hat 
das Leiden eine große Ähnlichkeit mit der Poliomyelitis anterior 
acuta, unterscheidet sich aber schon dadurch von ihr, daß es sich 
um einen angeborenen, üicht um einen erworbenen Zustand handelt; 
ferner durch das Fehlen der EaR, das häufige Befallensein aller 4 
Extremitäten, besonders aber durch den weiteren Verlauf. Differen¬ 
tialdiagnostisch kommen ferner in Betracht die Dystrophia muscu- 
lorum progressiva, die Hämatomyelia intra partum, Gliosis, Myelitis 
lumbalis, Polyneuritis, Rachitis, Barlowsche Krankheit. Therapeu¬ 
tisch empfiehlt es sich, vom Nerven aus faradisch oder galvanisch 
Zuckungen hervorzurufen, aber auch die nicht sichtbar reagierenden 
Muskeln konsequent zu behandeln, ferner ist Massage anzuwenden. 

Kurt Mendel (Berlin). 

M. Bernhardt, Zur Kenntnis der sogen, angeborenen 
Muskelschlaffheit, Muskelschwäche (Myohypotonia, Mya¬ 
tonia congenita.) (Neurol. Centralbl. 1907. Nr. 1.) An der Hand 
eines eigenen Falles gibt Verf. eine Beschreibung der Myatonia con¬ 
genita, die er für eine degenerative Affektion der peripherischen 
Nerven hält. Die unteren Gliedmaßen sind meist hauptsächlich affi- 
ziert, die Psyche, Sinne und Hirnnerven intakt. Das Leiden tritt im 
frühesten Kindesalter innerhalb der ersten Tage oder Wochen nach 
der Geburt auf. Ob es aber tatsächlich angeboren ist, dies zu unter¬ 
scheiden bedarf noch weiterer Forschung. Für die Entstehung des 
Leidens kann man verschiedene Ursachen annehmen: eine mangel¬ 
hafte Ausbildung der Muskeln bzw. der Vorderhörner des Rücken¬ 
marks (Oppenheim) oder eine mangelhafte Entwicklung des peri¬ 
pherischen Nervensystems oder eine bisher noch nicht näher in ihren 
Ursachen erkannte, vielleicht auf Infektion oder Autointoxikation 
zurückzuführende, degenerative Entzündung der peripherischen Nerven r 
eine Polyneuritis (Bernhardt). 


Digitized by 


Go< e 



172 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


Das Leiden scbeint Knaben und Mädchen in ungefähr gleicher 
Häufigkeit zu befallen. Kurt Mendel (Berlin). 

L. Crucliet und Codet-Boisse, Atrophische Myopathie und 
Pseudohypertrophie im Kindesalter. (Gaz. hebdom. de Bor¬ 
deaux. 8. April 1906.) Der 9 jährige Knabe kam in das Hospital 
mit der Diagnose einer angeborenen doppelseitigen Hüftgelenksluxa¬ 
tion, Familienanamnese ohne Belang. Das Kind lernte schwer gehen, 
sprechen usw. Mit 4 Jahren war der Gang ein wackelnder, mit 
7 Jahren ist das Gehen schwierig geworden, das Stehen unmöglich, 
starke Lordose. Mit 8 Jahren muß der Knabe im Wagen gefahren 
werden. Der Kopf wird nach dem Nacken zu getragen, die Wirbel¬ 
säule ist lordotisch, die Beine werden gespreizt gehalten. Aus- 
gesprochene Atrophie der Arm- und Schultermuskulatur, flügelartiges 
Abstehen der Schulterblätter, Wadenmuskulatur groß und hart, die 
Muskeln der Hinterseite oder Oberschenkel ebenfalls. Patellarreflexe 
erloschen, danach Duchenne sehe Krankheit. Therapie: tägliche 
manuelle Massage, eine Viertelstunde lang (Erschütterung, Tapote¬ 
ment. Effleurage usw.), Elektrisieren der Beine. Beträchtliche 
Besserung. 

In einem von Diamantbei^ger und Albert Weil beschriebenen 
Fall, der einen 7jährigen Knaben betraf, wurden elektrische Bäder 
(Dreiphasenstrom) täglich während 20 Minuten gegeben und jede 
Sitzung wurde mit Faradisation beschlossen. Die Behandlung hatte 
am 15. Juli 1905 begonnen. Von der 12. Sitzung an wurde die 
Besserung bemerkbar, nach der 30. war der Knabe wieder imstande, 
sich vom Sitzen zu erheben, Treppen herauf- und herunterzugehen 
und in normaler Weise sich zu bewegen. Vom 15. September bia 
22. Oktober 19 Sitzungen. Völlige Heilung. (Journal de physiothörapie* 
15. Januar 1906.) H. Netter. 

Plantenga, Amyotrophia spinalis diffusa familiaris. (Ned. 
Tydschr. v. Geneesk. 1906. Bd. II. S. 1790.) Wie bekannt, hat 
J. Hoffmann 1893 (Zeitschrift für Nervenheilkunde) unter dem Namen 
„chronische spinale Muskelatrophie im Kindesälter auf familiärer 
Basis“ eine Krankheit beschrieben, die gewöhnlich in der zweiten. 
Hälfte des ersten Lebensjahres auftritt. Sie ist charakterisiert da¬ 
durch, daß sie als motorische Schwäche von den Muskeln des Rückens 
und der Extremitäten debütiert, und daß diese gewöhnlich alsbald 
durch eine vollkommene schlaffe Lähmung der Muskeln vor den beiden 
unteren Extremitäten gefolgt wird, welche Lähmung sich langsam 
über die Muskeln von Nacken, Rumpf und oberen Extremitäten aus¬ 
breitet. Intakt bleiben nur die Muskeln, welche von Gehirnnerven 
innerviert werden, ebenso die Muskeln von Blase und Rektum. Der 
Intellekt bleibt normal. Der Tod erfolgt gewöhnlich vor dem vierten 
Lebensjahr. 

Bei der Obduktion wurde stets Atrophie und Degeneration der 
Ganglienzellen der vorderen Hörner gefunden. 

Zu der Kasuistik dieser seltenen Erkrankung, von welcher bis- 
jetzt nur 40 Fälle beschrieben sind, kann P. noch den folgenden Fall 
hinzufügen. 


Digitized by Google 



II* Referate. 


173 


Kind von 18 Tagen. Die drei älteren Kinder der gesunden 
Eltern sind völlig normal. Normale Geburt. Kurz nach der Geburt 
wurde schon bemerkt, daß das Kind die Arme und Beine nicht be¬ 
wegte, daß das Kind überall schlaff war und nur sehr schwach weinte. 
Ernährung an der Brust der Mutter. Das Saugen geht schwer, weil 
bei dem Anlegen an die Brust Anfälle von Dyspnoe auftreten. 

Körpergewicht 3380 g, Länge 53 cm. Muskeln von Nacken, Rumpf 
and Extremitäten atrophisch und ohne Funktion, so daß das Kind keine 
Spur von aktiven Bewegungen zeigt und als eine schlaffe Masse im¬ 
poniert. Beide Arme in Flossenstellung. 

Der Thorax nimmt keinen Anteil an den Atmungsbewegungen, die¬ 
selben geschehen nur durch das Diaphragma. Keine Blasen- oder 
Rektumstörungen. Keine Störungen der Sensibilität. Die elektrische 
Erregbarkeit der mimischen Muskeln ist normal, bei allen anderen 
Muskeln fehlt sie. 

Anfälle von Anämie, gefolgt von Hyperhidrosis und Cyanose mit 
Erstickungsgfahr. Klangloses Schreien. Temperatur normal. Tod 
am 49. Tage. Keine Obduktion. 

Dieser Fall unterscheidet sich von dem Hoffmannschen Typus 
durch das Fehlen des familiären Charakters und durch das kongeni¬ 
tale Auftreten. 

P. ist jedoch der Meinung, auch im Anschluß an derartige Be¬ 
obachtungen von Sevestre und Comby, daß es sich um einen echten 
Fall der Amyotrophia spinalis diffusa familiaris handelte. 

Graanboom. "A 

Leopold L£ri et Henri de Rothschild, Corps thyroide et \ 
tempörament. (Sociötö de biologie de Paris, söance du 8. Döcembre 
1906.) Die Verff. beschreiben den Fall eines 17 jährigen Mädchens, 
das nach Einnahme von 175 Schilddrüsenkapseln eine totale Umwand¬ 
lung seines Charakters erfahren hatte. Während Pat. früher meist 
schweigsam und trauriger Gemütsstimmung war, wurde sie heiter, 
gesprächig und lachlustig, die Züge wurden ausdrucksvoller, die Augen 
lebhafter. Der ganze Zustand machte den Eindruck einer nervösen 
Überreiztheit, und schließen die Verff. hieraus, daß auch in anderen 
Fällen von Nervosität es sich im Grunde um Hyperthyroldismus 
handle. Diese erhöhte Tätigkeit der Schilddrüse kann durch ver¬ 
schiedene physiologische oder pathologische Zustände, wie Schwanger¬ 
schaft, Menstruation, Klimakterium, gewisse Infektionen, oder auch 
durch gewisse Medikamente, hervorgerufen werden. Auch kann ge¬ 
sagt werden, daß bei manchen Personen die Schilddrüse sich im Zu¬ 
stande eines labilen Gleichgewichtes befindet und es hierdurch zu ? 
nervösen, durch Hyperthyroldismus hervorgerufenen Erscheinungen / 
kommen kann. E. Toff (Braila). ~ 

Wagner v. Jauregg, Zweiter Bericht über Behandlung 
des endemischen Kretinismus mit Schilddrüsensubstanz. 
(Wiener klin. Wochenschrift. 1907. Nr. 2.) v. J. hatte weiter recht 
gute therapeutische Erfolge aufzuweisen und teilt seine Erfahrungen 
mit, durch die er interessante Momente eruierte. So gibt er eine 
Zusammenstellung der Wachstumserfolge bei den 3 Jahre und länger 


Digitized by 


Google 



174 


Ccntralblatt {Br Kinderheilkunde. No. 5. 


behandelten Fällen und stellt eine Tabelle zusammen, aus der sich 
folgendes ergibt: 

„1. Daß in der großen Mehrzahl der Fälle eine Wachstums¬ 
störung vorhanden ist, ein Zurückbleiben hinter der durchschnittliches 
Körperlänge des betreffenden Alters. 

2. Daß die Wachstumsstörung um so beträchtlicher ist, je älter 
das Individuum; begreiflicherweise, da sich die Wacbstumsstörung aus 
der Differenz der erreichten und der zu erwartenden Körperlänge er* 
gibt und diese Differenz mit den Jahren immer größer werden muß. 

In den unteren Altersstufen, vom 5. Jahre abwärts, finden wir 
sogar einen Überschuß der erreichten über die zu erwartende Körper¬ 
länge, woraus hervorzugehen scheint, daß die Wachstumsstörung in 
der Kegel nicht das erste Symptom des Kretinismus ist, sondern sich 
häufig erst später, vom 4.—5. Lebensjahre an, einstellt. 

3. Daß das Längenwachstum im 1. Jahre der Behandlung fast 
ausnahmslos das durchschnittliche normale Wachstum übertrifft, häufig 
sogar in sehr bedeutendem Grade. 

4. Daß die Wachstumsenergie in den späteren Jahren der Be¬ 
handlung zwar abnimmt, aber meistens auch dann noch eine über¬ 
normale ist oder wenigstens die Norm erreicht, was vor der Behand¬ 
lung in der Kegel nicht der Fall war. Daraus resultiert, daß auch 
bei Betrachtung längerer Zeiträume (3—6 Jahre) das in dieser Zeit 
erreichte Wachstum meist viel über das normale hinausgeht. 

Das Wachstum ist in den späteren Jahren nicht immer gleich¬ 
mäßig, und dürften dabei verschiedene Momente mitwirken. So scheint 
es, daß gegen die Pubertätsentwicklung zu ein neuerlicher Anstieg des 
Wachstums Vorkommen kann. Ferner dürften einige weniger gün¬ 
stige Resultate von unregelmäßigem oder ganz unterlassenem Ein¬ 
nehmen der Tabletten herrühren. 

Auch dürfte das verabfolgte Präparat nicht immer gleich wirk¬ 
sam gewesen sein. Es hat sich herausgestellt, daß auch bei Schafen 
nicht selten Kröpfe Vorkommen. Wenn nun solche kropfige Schaf¬ 
schilddrüsen mitverarbeitet werden, so können dadurch die erzeugten 
Tabletten weniger wirksam werden. Es dürfte sich daher empfehlen, 
Schafschilddrüsen, von denen der einzelne Lappen mehr als drei, 
höchstens vier Gramm wiegt, nicht zur Tablettenerzeugung zu ver¬ 
wenden.“ 

Über das allgemeine Ergebnis seiner an einzelnen Fällen schon 
5—6 Jahre, an einer großen Anzahl von Fällen durch 3—4 Jahre 
fortgesetzten Beobachtungen spricht sich W. wie folgt aus: 

„Der Kretinismus wird in allen Graden und auch noch in vor¬ 
geschrittenerem Alter (meine Beobachtungen reichen bis zum 27. Lebens¬ 
jahre) durch die Behandlung mit Schilddrüsensubstanz günstig be¬ 
einflußt. 

Der Erfolg ist um so besser, je früher mit der Behandlung be¬ 
gonnen wird. 

In den leichteren Fällen von (wohl meist erworbenem) Kretinis¬ 
mus, in denen keine beträchtlichere Schädigung des Gehörorgans vor¬ 
handen ist, kann eine volle Heilung erzielt, d. h. es können alle 
Symptome des Kretinismus beseitigt werden, wenn mit der Behand- 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


175 


lung frühzeitig, zwischen dem 2. und 3. Lebensjahre begonnen wird. 
Dieser Erfolg ist ein bleibender, d. h. er bleibt auch bestehen, wenn 
nach längerer Behandlung die Zufuhr der Schilddrüsensubstanz ein¬ 
gestellt wird. 

Bei einer Anzahl von schweren Fällen von Kretinismus (es dürfte 
sich in denselben meist um angeborenen Kretinismus gehandelt haben) 
gelingt es auch beim Einsetzen der Behandlung in einem frühen Alter 
(1—3 Jahren) nicht, einen vollen Heilerfolg zu erzielen. Ob in solchen 
Fällen ein noch früherer Beginn der Behandlung (mit 6 Wochen, wie 
in den beiden früher angeführten Fällen) zu einem vollen Erfolg 
führen wird, kann ich bei der Kürze der Behandlungsfrist noch 
nicht sagen. 

Was speziell die Störung der Gehörsfunktion anbelangt, ist zu 
bemerken, daß sowohl die auf Mittelohrerkrankung, als auch die auf 
Labyrintherkrankung beruhende Schwerhörigkeit der Kretins durch 
die Behandlung gebessert wird. Jedoch erweist sich dieses Symptom 
widerspenstiger als die anderen Symptome des Kretinismus; und 
höhere Grade von Störungen der Gehörsfunktion können auch bei 
Beginn der Behandlung im 2. oder 3. Lebensjahre nicht behoben 
werden. Ob ein noch früherer Beginn der Behandlung auch auf 
diesem Gebiete bessere Resultate zutage fördern wird, kann ich mangels 
einschlägiger Erfahrungen noch nicht sagen. 

Es ergibt sich also aus dem Gesagten, daß man trachten muß, 
mit der Behandlung so früh als möglich zu beginnen, also sofort, 
wenn die Krankheit erkennbar wird. 

Wir stoßen aber da auf ein bisher noch dunkles Gebiet; es wird 
von allen Seiten anerkannt, daß die Diagnose des Kretinismus in den 
ersten Lebensjahren großen Schwierigkeiten begegne. Was den an¬ 
geborenen Kretinismus anbelangt, glaube ich, daß die Makroglossie 
und in Fällen, wo er vorhanden ist, der angeborene Kropf in den 
meisten Fällen schon von der Geburt an die Diagnose ermöglichen 
werden. Die eigentümliche Nasenbildung (außerordentliche Abflachung 
der Nasenwurzel und Kürze der Nase) halte ich für weniger charak¬ 
teristisch, da sie auch anderen Erkrankungen zukommt. Cerletti 
und Perusini, die sich mit der Diagnose des Kretinismus in der 
ersten Kindheit eingehender beschäftigt haben, legen ein großes Ge¬ 
wicht auf die Beschaffenheit der Weichteile und auf die Gesichts¬ 
farbe. Ich möchte nach meinen Erfahrungen bezweifeln, daß dieses 
Kriterium für die ersten Wochen und Monate des extrauterinen Lebens, 
bei den Fällen von angeborenem Kretinismus, verwendbar ist; denn 
bei den beiden älteren Kindern der Familie K., über die ich früher 
berichtet habe, konnte ich mich teils nach den Angaben der Mutter, 
teils durch eigene Beobachtung überzeugen, daß die Hautschwellungen 
erst am Ende des ersten Lebensjahres sich einstellten. 

Noch schwieriger ist aber die Frühdiagnose des erworbenen 
Kretinismus, da die Symptome sich allmählich und unmerklich ein¬ 
stellen und erst nach einigem Bestände der Erkrankung deutlich in 
Erscheinung treten. In diesen Fällen wird vor allem das Ausbleiben 
des Gehen- und Sprechenlernens einen wichtigen Anhaltspunkt geben. 
Wenn sich dann die charakteristische bleiche Gesichtsfarbe und mehr 


Digitized by Google 



176 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


oder weniger hochgradige Hautschwellungen und die charakteristische 
Apathie dazu gesellen, wenn der Verschluß der Fontanelle, der Durch¬ 
bruch der Zähne auf sich warten lassen, die charakteristische Nasen¬ 
bildung da ist und das Wachstum nicht recht fortschreitet, ist die 
Stellung der Diagnose für den Arzt nicht so schwierig. 

Die große Schwierigkeit liegt aber darin, daß, um das Kind einer 
rechtzeitigen Behandlung zuzuführen, die Eltern frühzeitig die Dia* 
gnose machen oder wenigstens auf die Vermutung eines beginnenden 
Kretinismus kommen müssen. 

Das kann nur im Laufe der Zeit erreicht werden, indem die Be¬ 
völkerung in den Gegenden, wo der Kretinismus heimisch ist auf die 
Möglichkeit einer Behandlung dieses Leidens aufmerksam gemacht 
und dadurch auch der Blick für die Erkennung der frühen Anzeichen 
desselben geschärft wird. 

Dieser Zweck wird erreicht, wenn anfangs auch ältere, weniger 
Aussicht auf volle Heilung darbietende Kinder in Behandlung ge¬ 
nommen werden. Die immerhin auch in solchen Fällen eintretenden 
Besserungen erregen die Aufmerksamkeit nicht nur der Eltern, 
sondern auch weiterer Kreise und führen dazu, daß allmählich 
immer mehr Kinder und endlich auch solche aus den ersten Lebens¬ 
jahren von ihren Eltern ganz spontan der Behandlung zugeführt 
werden. 

Ich habe das an den Orten, an denen ich diese Versuche machte, 
selbst erlebt Anfangs hatte ich vorwiegend im schulpflichtigen Alter 
stehende und selbst ältere Kinder in Behandlung; nach und nach 
kamen zuerst andere, in diesen Altersklassen stehende Kinder dazu 
und erst in der letzten Zeit werden mir öfters auch 2- bis 3 jährige 
und selbst noch jüngere Kinder vorgefuhrt. 

Ich hoffe daher, in einem künftigen Berichte über eine viel 
größere Anzahl von Kindern aus diesem Alter berichten zu können.“ 

Grätzer. 

0. Lugaro, Der sporadische Kretinismus. (Rivista di pa- 
thologia nervöse e mentale. Januar 1905.) Verf. setzt zunächst die 
praktischen Schwierigkeiten beim Studium dieser Affektion ausein¬ 
ander, um sodann mit der genauen Beschreibung von 6 Fällen die 
Literatur dieser Krankheit zu bereichern, deren thyreoider Ursprung 
heute unstreitig feststeht. 

Fall 1: 46 jährige Frau mit allen Zeichen der myxödematösen 
Idiotie. Auf Schilddrüsentherapie bemerkenswert schnelle Besserung 
bis auf das Skelett, dessen Ossifikation abgeschlossen ist. Nystagmus, 
Deviation der Zunge, Steigerung der Sehnenreflexe gingen zurück. 

Fall 2: 18 jähriger Mensch mit infantilem Typus, dagegen ziem¬ 
lich gut entwickelter Psyche. Schilddrüsentabletten: In weniger als 
2 Jahren verschwanden die Zeichen des Myxödems, besserten sich 
respiratorische und zirkulatorische Funktionen. Diese Beobachtung 
ist interessant, insofern sie einen Zwischentypus darstellt zwischen der 
myxödematösen Idiotie Bournevilles und den myxödematösen In¬ 
fantilismus Brissauds. 


Digitized by Google 



II. Referate. 


177 


Fall 3: 7 jähriger Knabe, wie in den beiden vorigen Fällen, recht¬ 
zeitig geboren und bei der Geburt ohne jede Abnormität, die sich 
erst gegen den 7. Lebensmonat in einem Stillstand der Entwicklung 
äußert, so daß er mit 7 Jahren eine Körperlänge von 77 cm hat, bei 
wenig ausgeprägtem Myxödem. Intelligenz gleich Null. Schilddrüsen¬ 
behandlung. Schnelle regelmäßige und progressive Zunahme von 
Körpergewicht und Länge. Vor und nachher aufgenommene Radio¬ 
graphien ergaben eine wesentliche Zunahme der Ossifikation des 
Skeletts. In gleichen Maße entwickelte sich die Intelligenz, ver¬ 
schwand die Hypothermie. 

Fall 4: 18 jähriger Mensch. Geburt und erste Monate normal. 
Stillstand der psychischen und somatischen Entwicklung gegen den 
6. Monat. Auf Schilddrüsenbehandlung lebhafte Aufnahme in der 
psychischen und somatischen Entwicklung. 

Fall 5: 10 jähriges Mädchen mit allen Charakteren des Infanti¬ 
lismus und Myxödems. Schnelle und bedeutende Besserung unter 
Schilddrüsenbehandlung. 

Fall 6: 7 jähriges Kind. Ohne erbliche Belastung, rechtzeitig 
geboren, entwickelt sich schlecht und bleibt schließlich im Wachstum 
zurück. Mäßiger Grad von Myxödem, Körperlänge 92 cm. Intelli¬ 
genz eingeschlafen, schlaff. Unter Schilddrüsenbehandlung schnelles 
Wachstum des Skeletts, Verschwinden der zirkulatorischen Störungen 
und Erwachen der psychischen Funktionen. Die Hand der kleinen 
Kranken hatte die. nach Marie für Achondroplasie charakteristische 
Form „la main en trident“. Die Charaktere des sporadischen Kre¬ 
tinismus können demnach nach der Anschauung L.s sich auf zwei 
Symptome reduzieren: auf den Infantilismus und auf das Myxödem. 
Es scheint, daß diese beiden Erscheinungen eng miteinander ver¬ 
bunden sind und das Produkt eines infektiösen Krankheitsprozesses 
darstellen, der, indem er im allgemeinen auch die Schilddrüse in Mit¬ 
leidenschaft zieht, zu einer funktionellen Insuffizienz dieses Organs 
führt Diese Anschauungsweise findet ihre Stütze in der unbestreit¬ 
baren und raschen Besserung, die wir unter der Schilddrüsenbehand¬ 
lung eintreten sehen. H. Netter (Pforzheim). 

Päl Rauschburg, Infantilismus auf vererbter, luetischer 
Grundlage. (Budapesti orvosi ujsäg. 1906. Nr. 14.) Der Kranke 
ist 16V 2 J a ^ re Körperhöhe 121 cm, Kopflänge 157 mm, Schild¬ 
drüse auffallend klein. Auf Darreichung eines Schilddrüsenpräparates 
Besserung. Ernö Deutsch (Budapest). 

J. Comby (Paris), Nouveaux cas de mongolisme infantile. 
(Archives de möd. des enf. Janvier 1907.) Der Verf. veröffentlicht 
$ neue Fälle von infantilem Mongolismus und gelangt auf Grund 
seiner Beobachtungen zu folgenden Schlüssen. Man versteht unter 
Mongolismus oder mongolischer Idiotie eine angeborene Idioten¬ 
art, charakterisiert durch das asiatische Gesicht. Die betreffenden 
Kinder ähneln von Geburt an einem Chinesen, Japaner oder Mon¬ 
golen. Der Mongolismus ist keine allzu seltene Erscheinung, da C. 
im Laufe von 4 Jahren 22 authentische Fälle beobachten konnte. Durch¬ 
schnittlich findet man unter 100 verschiedenen Idioten 5, welche der 


Digitized by Google 



178 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


mongolischen Abart angeh&ren. Das männliche Geschlecht scheint 
ein größeres Kontingent zur Krankheit zu liefern; unter den er¬ 
wähnten 22 Fällen waren 18 Knaben und 9 Mädchen. 

Die mongolische Idiotie ist zwar angeboren, aber nicht heredi¬ 
tär. In fast allen Beobachtungen kann man im Laufe der Schwanger¬ 
schaft verschiedene Störungen, meist psychischer Natur, wie Kummer, 
Aufregungen u. a. nach weisen. 

Bei der Nekropsie der Mongolischen findet man Thymus und 
Schilddrüse normal; andererseits können Herzanomalien, wie inter¬ 
ventrikuläre Verbindung, bestehen. Eine konstante Veränderung findet 
man aber am Gehirne, insofern die Hirnwindungen wenig ausgebildet, 
verbreitert und abgeflacht sind. Der Schädel ist kurz, rund-oval. 
Die Pyramidenzellen sind seltener und atrophisch, die Neuroglia zeigt 
leichte Proliferierung. 

Radiographisch findet man Atrophie der Endphalangen an Füßen 
und Händen; die betreffenden Knochen sind verdünnt, verkürzt und 
in ihrem Gewebe atrophisch. 

Die körperliche Entwicklung der Mongolischen bleibt stark zu¬ 
rück; die Fontanellen bleiben lange offen, die Zähne erscheinen spät, 
auch beginnen die Kinder spät zu gehen. 

Man findet oft Pes varus, Syndaktylie, Kryptorchie, abnorme 
Dehnbarkeit der Gelenke, Herzanomalien, Rogersche Krankheit. Die 
Intelligenz ist bedeutend geschwächt, während die affektive Sphäre 
und das Gedächtnis bis zu einem gewissen Grade gut erhalten sind. 
Das Nachahmungstalent ist in gewissem Maße gut entwickelt, auch 
besteht eine ausgesprochene Vorliebe für Musik. 

Die Prognose ist meist eine schlechte, um so mehr als eine große 
Anzahl von an Mongolismus leidenden Kindern in zartem Alter von 
verschiedenen Krankheiten dahingerafft werden. Auch besteht eine 
gewisse Prädisposition für Tuberkulose. 

Mit Myxödem darf der Mongolismus nicht verwechselt werden. 
Bei ersterem fehlt die Schilddrüse, während sie bei letzterem normal 
ist, infolgedessen kann man bei Myxödem von der thyreoidalen Therapie 
einen Erfolg erwarten, was bei Mongolismus nicht der Fall ist. Die 
myxödematösen Kinder sind stupid und schwerfällig, während die 
mongolischen rührig und lustig sind, auch der Gesichtsausdruck ist 
bei beiden Krankheiten ein vollkommen verschiedener. 

Der Verf. schließt sich ganz der Ansicht von Langdon-Down 
an, welcher bereits im Jahre 18t>6 den Mongolismus von den anderen 
Formen von Idiotismus getrennt hatte, und hält dafür, daß es sich 
bei demselben um eine sowohl anatomisch als auch klinisch und 
wahrscheinlich auch ätiologisch selbständige von Idiotismus handelt 

E. Toff (Braila). 

Heinrich Vogt, Studien über das Hirngewicht des Idioten. 
Das absolute Gewicht. (Monatsschr. f. Psych. u. Neur. Bd. XX.) 
Aus den Untersuchungen des Verf.s ergibt sich, daß das Wachstum 
des idiotischen Gehirns in derselben Zeit sein Ende findet wie das 
Wachstum beim normalen Menschen, vielleicht aber eher früher als 
später im Vergleich mit der Norm. 


Digitized by Google 



lh Referate. 


179 


Di$ Zurückstehen des idiotiscken Gehirns hinter der Norm setzt 
Sich arte zwei Faktoren zusammen: einmal ans der minderwertigen 
Anlage (oder der im Laufe der Entwicklung erworbenen Erkrankung) 
und zweitens aus der verringerten Wachstumstendenz. 

Kurt Mendel (Berlin). 

Heiftrieh Vogt, Organgewicht von Idioten. (Neurolog. 
Centralbl. 1906. Nr. 17.) Körpergewicht und Körpergröße sind 
ebenso wie die Lebensdauer bei den Idioten unter Norm. Diese 
Herabsetzung ist eine nicht unerhebliche, sie beträgt für die Länge 
etwa 10 cm. Nach dem Gewicht würden die Kinder in einem noch 
niedrigeren Alter zu stehen scheinen, als dies nach dem Längen¬ 
wachstum der Fall ist Die Sterblichkeit ist in jüngeren Jahren un¬ 
verhältnismäßig groß. Auch die Organgewichte sind herabgesetzt, 
und man kommt so mehr und mehr dahin, in der Idiotie eine mit 
Allgemeinsymptomen zahlreicher und charakteristischer Art verbundene 
Hirnkrankheit zu erblicken. 

Betreffs der einzelnen Organgewichte fand nun Verf. folgendes: 

Fast alle Idioten zeigen eine Herabsetzung des Hirngewichts¬ 
wertes. Der Geschlechtsunterschied ist ähnlich wie in der Norm. 
Bei den schweren Hirnagenesien (hochgradige Mikrocephalie) findet im 
Leben überhaupt kein oder doch nur ein ganz minimales Wachstum 
statt, bei den leichteren Idiotiefällen, in denen der Mangel der Hirn¬ 
ausbildung ein geringerer ist, hat hingegen ein Hirnwachstum im 
Leben zweifellos statt. Von dem 16.—20. Jahr besteht bei den idio¬ 
tischen Gehirnen ein Ansteigen der Zahlen, erst das 17. und 19. Jahr 
erreichen bei den Männern einen Mittelwert über 1300. Auch das 
Wachstum des Schädelumfanges zeigt die Hirngewichtsvermehrung 
intra vitam an. 

Auch bezüglich des Herzens, der Lungen, der Milz, der Leber 
und der Nieren ist eine wesentliche Herabsetzung des Gewichtes bei 
den Idioten festzustellen, besonders deutlich am Herzen und an den 
Nieren, am wenigsten prägnant an der Leber. Die Gewichtsherab¬ 
setzung der Lungen tritt namentlich bei den älteren Fällen hervor. 
An den Nieren ist auch die Wachstumszunahme intra vitam bei den 
Idioten vermindert. 

Aus den Tabellen des Verf.s geht also hervor, daß die Organ¬ 
gewichte der Idioten durchaus herabgesetzt sind; am meisten tritt 
diese Herabsetzung beim Gehirn, ferner bei Herz und Nieren hervor. 
Die höchstdifferenzierten Organe nehmen also am meisten Schaden, 
d. b. diejenigen Organe, deren Zellen die längste Entwicklungsphase 
durchlaufen, bis sie die volle Höhe ihrer .Differenzierung erreicht 
haben. 

Für die Natur der Krankheit ist natürlich die Hirnkrankheit das 
entscheidende Moment. Es kann die Affektion der körperlichen 
Sphäre, eine Folge der Hirnaffektion darstellen. 

Die Idiotie ist also eine mit einer Beteiligung der 
körperlichen Sphäre verbundene frühzeitige Erkrankung 
des Gehirns. Kurt Mendel (Berlin). 

Karl Schaffer, Beiträge zur Nosographie und Histopatho¬ 
logie der amaurotisch-paralytischen Idiotieformen. (Arch. 


Digitized by 


Google 



180 


Centralblatt für Kinderheilkunde« No. 5. 


f. Psych. Bd. XLIL Heft 1.) Verf. berichtet über die - Präparate 
eines Falles von amaurotisch-paralytischer Idiotie r vermutlich , ohne 
Familiarität, der als juvenile Form über ein ganz anderes anatomisch- 
pathologisches Substrat verfügt als die Sachssche Form. t)ie aus¬ 
schlaggebende Rolle spielen Entwicklungshemmungen, sie machen die 
gefundenen symmetrischen Defekte in der zentralen Marksubstanz 
sowie das Fehlen der Sehstrahlung verständlich. Im übrigen war 
das Zentralnervensystem normal gebildet. Klinisch handelte es sich 
üm eine amaurotisch-spastische Idiotie, die bei fortschreitendem Maras¬ 
mus durch eine Pneumonie beendet wurde. Es bestand spastische 
Paraparese der vier Extremitäten, hochgradige Abnahme der Sehkraft, 
ein psychischer Defekt und fortschreitender Marasmus. Die Familia¬ 
rität des Leidens konnte mangels anamnestischer Daten nicht fest¬ 
gestellt werden, sie war mit sehr großer Wahrscheinlichkeit — trotz 
fehlender Anamnese — auszuschließen. Diese Vermutung schöpft 
Verf. aus der pathologischen Art des Falles; Entwicklungshemmungen 
dieser Form tragen einen bezüglich der Entstehung derartig indivi¬ 
duellen Stempel an sich, daß sie immer nur ein „Fall“ bleiben; es 
fehlt ihnen etwas Generelles, wodurch die Wiederholung in einem 
öngen Kreise, in einer Familie, höchst unwahrscheinlich ist. Unter¬ 
scheidet sich demnach diese Form der Idiotie von der Sachsschen 
Idiotie klinisch durch das Fehlen der Familiarität, so besteht die 
Differenz in anatomischer Hinsicht darin, daß letztere eine zyto- 
pathologisch charakterisierte Form ist, während die vom Verf. be¬ 
schriebene Idiotie als eine teratologisch begründete Form anzu¬ 
sehen ist. Verf. meint, daß es eine große, einheitliche Form von 
familiär-amaurotischer Idiotie gibt, welche zwar verschiedene klinische 
Varietäten in sich birgt, jedoch morphologisch durch gewisse Über¬ 
einstimmung der allgemeinen Züge als eine klinische Familie charak¬ 
terisiert ist. „So dürfte es eine große Idiotieform geben, welche rein 
zellularpathologisch gekennzeichnet ist, namentlich durch die mehr 
minder ausgeprägte Schwellung des Zellleibes sowie der Dendriten; 
ein besonderer morphologischer Charakterzug dieser großen Idiotie¬ 
form wäre ferner noch die absolute Diffusion der Zellerkrankung auf 
das gesamte Zentralgrau nebst fehlenden makroskopischen Anomalien. 
Hierher wäre dann die schwerere Sachssche und die leichtere Spiel¬ 
mayer sehe Form zu reihen als zwei Glieder der großen klinischen 
Familie, welche wir die zytopathologisch charakterisierte familiär- 
amaurotische Idiotie nennen könnten.“ Doch gibt es (wie der Fall des 
Verf.s zeigt) auch eine teratologisch begründete Form der amauro¬ 
tischen Idiotie ohne familiären Charakter, die also mit der familiär¬ 
amaurotischen Idiotie nichts Gemeinsames hat. Kurt Mendel (Berlin). 

H. Higier, Familiäre paralytisch-amaurotische Idiotie 
und familiäre Kleinhirnataxie des Kindesalters. (Deutsche 
Zeitschr. f. Nervenheilk. Bd. XXXI. Heft. 3—4;) Verf. hatte vor 
einigen Jahren über ein Geschwisterpaar berichtet, das von einem 
jüdischen, gesunden, nicht luetisch affizierten, nahe blutsverwandten 
Ehepaare abstammend, an weit vorgeschrittener idiopathischer Seh¬ 
nervenatrophie litt. Abnahme des Sehvermögens war von den Eltern 
schon im Laufe der ersten Lebensjahre konstatiert worden. Jegliche 


Digitized by Google 



III. Aas Vereinen and Versammlungen. 


181 


Abweichung seitens des Nervensystems und der psychischen Funk¬ 
tionen wurde vermißt. Auch sonst entwickelten sich diese Patienten 
völlig normal, es bestand lediglich eine Atrophia nerv, opticorum mit 
fast vollständiger Blindheit 

Bei demselben Ehepaare beobachtete nun Verf. seit 6 Jahren ein 
Mädchen und seit l / 2 Jahre einen Knaben mit eigentümlichen Sym- 
ptomenkomplexen. 

Bei ersterem handelt es sich ern ein 9 Jahre altes Mädchen, 
dessen Leiden die weitgehendste Übereinstimmung mit der Ataxie 
hörödo-cöröbelleuse bietet (in Betracht kommt noch in differential¬ 
diagnostischer Beziehung die sogen, abnorme Form der infantilen 
Herzsklerose, die Friedrichsche Krankheit, die reine Form der 
Kleinhirnatrophie, die zerebrale spastische Diplegie). 

Bei dem 13 Monate alten Knaben ergab die Untersuchung das 
Bestehen einer familiären paralytisch - amaurotischen Idiotie (Tay- 
Sachs). 

In Anbetracht des unzweifelhaft vorliegenden familiären Momentes 
ist Verf. geneigt, sämtliche, in der Familie beobachteten Fälle der 
großen Gruppe der angeborenen heredo-familiären Leiden zuzuschreiben. 

„Auf dem Boden der Edingerschen Funktionstheorie fühlt man 
sich bei der Erklärung des Verlaufs und des Substrats der heredo- 
familiären Leiden, wo das toxisch-infektiöse Element bekanntlich fehlt, 
etwas sicherer, als es früher der Fall war.“ Kurt Mendel (Berlin). 


III. Aus Vereinen und Versammlungen. 


Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien. 

Pädiatrische Sektion. 


Sitzung vom 31. Januar 1907. 


Gr einer demonstriert die anatomischen Präparate eines unter den Sym¬ 
ptomen einer profusen Magenblutung gestorbenen Falles von Leberzirrhose. Das 
13jährige Mädchen war, ohne vorher ernstlich krank gewesen zu sein, plötzlich 
an unstillbarer Hämatemesis erkrankt und 30 Stunden später gestorben. 

Die Blutung war, wie sich bei der Autopsie herausstellte, aus einem ge¬ 
platzten Variz im unteren Ösophagusabschnitte erfolgt. Im Präparate 
konnte man als Ausdruck eines gutentwickelten Kollateralkreislaufes zahlreiche 
Venenektasien erkennen. 

Für die Genese der granulierten atrophischen Leberzirrhose ist Alkohol zu 
beschuldigen. Das Kind bekam viele Monate hindurch täglich 1 Bier zu trinken. 

Preleitner zeigt ein 12jähriges Kind mit isolierter Lähmung des M. serratus 


Die Erkrankung besteht seit ca. 2 Wochen. Die Stellung der Schulterblätter 
ist asymmetrisch. Das rechte steht normal, das linke erscheint um ca. 45° nach 
außen gedreht, der linke Angulus ecapulae steht höher als der rechte. Die 
Asymmetrie tritt deutlicher hervor, wenn das Kind die Schultern hängen läßt. 
Das Schultergelenk ist frei. Therapeutisch kommen orthopädische Maßnahmen in 
Betracht, durch welche das Schulterblatt an den Thorax angepreßt wird, wobei 
gleichzeitig die Schulter gestützt werden muß. 

Knöpfelmacher hält den angekündigten Vortrag über „Entstehung des 
Ikterus neonatorum“. Die älteren Theorien suchten den Ikterus neonatorum mit 
Centralbl. f. Kinderhlkde. XII. 15 

Digitized by Google 



182 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


dem massenhaften Untergang von roten Blutkörperchen in ätiologischem Zusammen¬ 
hang zu bringen. 

Quinke nahm an, daß der Ikterus auf Resorption von Gallenbcstandteilen 
aus dem Mekonium zurückzuführen sei. Vortr. konnte nachweisen, daß diese 
Theorie Q.s unhaltbar ist. Entfernung des Mekoniums aus dem Darme unmittel¬ 
bar nach Geburt hat keinen Einfluß auf den Ikterus. Auch die Theorie eines 
Stauungsikterus ist zurückzuweisen, was Vortr. durch Hinweis auf negative histo¬ 
logische Befunde zu stützen sucht. 

Nach Oswald besitzt die Galle neugeborener Kinder hohe Viskosität; Die 
Gallenproduktion ist unmittelbar nach der Geburt gesteigert. Die Galienkapillaren 
erscheinen dadurch ektasiert. 

Knopfelmacher stellt folgende Theorie auf: Der Ikterus neonatorum 
ist eine Sekretionsanomalie der Leberzellen, welche mit der Steigerung der 
Gallenproduktion unmittelbar nach der Geburt zusammenhängt. Wegen der 
Zähigkeit der neugebildeten Galle kann dieselbe schwer abfließen. Es kommt 
daher zum Übertritt der Galle aus der Leberzclle in die Blut- bzw. Lymplibabn. 

Escherich weist in der Diskussion darauf hin, daß die Theorie Knöpfel- 
machers doch auf einen Stauungsikterus hinauslaufe. E. hält die Ergebnisse 
der Untersuchung im übrigen für die Lösung der Frage noch nicht für ausreichend. 

Knopfelmacher erwidert, daß seine Theorie wohl eine Stauung annimmt, 
aber in einem anderen Sinne als die jetzigen Theorien. 

Sitzung am 14. Februar 1907. 

Flcsch demonstriert ein durch Operation gewonnenes Präparat von Darm- 
intussuszeption. Der Knabe erkrankte plötzlich unter Erbrechen und kolikartigen 
Schmerzen im Bauche. Dabei bestand Stühlverstopfung. Während des Anfalles 
konnte man intensive Dünndarmperistaltik sehen. In der Gegend des Appendix 
bestand Druckempfindlichkeit. 

Man dachte an perforiative Appendizitis. Bei der Operation war Coecurn 
und Appendix völlig normal. Dagegen fand sich eine Invagination des Ileum von 
*/ 4 m Länge. Der Darm war in deren Bereiche blaurot, geschwollen und zeigte 
dekubitose Stellen. 

Die invaginiertc Partie wurde reseziert. Jetzt befindet sich Patient auf dem 
Wege der Besserung. 

Als Ursache der Intussuszeption konnte ein von der Spitze ausgehender 
Polyp von Haselnußgröße beschuldigt werden. 

Escherich zeigt ein 8 monatiges Kind mit htichstgradiger galvanischer Über¬ 
erregbarkeit. Patient ist künstlich genährt und leidet seit 2 Monaten an Verdauungs¬ 
störungen; seit wenigen Tagen besteht geringgradiger Stimmritzenkrampf. 

An objektiven Symptomen besteht Fazialisphänomen, mechanische und gal¬ 
vanische Übererregbarkeit. KSZ (Kathodenschließungszuckung) bei0,05 Milliampere, 
die ASZ und AÖZ bei 0,2, KÖZ bei 0,3 Milliampere. 

Aussetzung der Milch auf 2 Tage setzte die galvanische Erregbarkeit nicht 
herab, im Gegenteil sie stieg noch an, während in anderen Fällen auch nach 
Finkeistein, Gregor Einfluß der Diät häufig kenntlich ist. 

Zur Klärung der Frage, ob das Fazialisphänomen durch direkte Reizung 
des Fazialis zustande kommt oder auf reflektorischem Wege (Moro), wurde eine 
Stelle der Wange anästhesiert. 

Trotzdem konnte das Fazialisphänomen ausgelöst werden. Dieser Befand 
spricht gegen einen Reflexvorgang. 

Spieler bemerkt, daß er in 2 Fällen von Tetanie durch Diätregelung ebenfalls 
keinen Erfolg erzielte, erst nach Verabreichung von Phospborlebertran besserte 
sich der Zustand laugsam. Lebertran ohne Phosphor und Parathyreoidintabletten 
waren ohne Einfluß. Bei 60 Kindern fand Sp., daß am N. medianus die AÖZ vor 
der ASZ auftrat. 

Pirquet betont, daß sich verschiedene Nerven in dieser Hinsicht abweichend 
verhalten. P. hat alle seine Werte vom Peroneus gewonnen. 

Neurath fragt, ob das Fazialisphänomen einen Rückschluß auf die Nerven- 
übererregbarkeit gestattet 

Pirquet erwidert, daß das Fazialisphänomen fast immer mit kathodischcr 
Übererregbarkeit einhergeht. 


Digitized by Google 



III. Aus Vereinen nnd Versammlungen. 


183 


Esche rieh bemerkt zum Schlüsse, daß die Ansicht, jedes Fasialisphänomen 
bedeute Tetanie, sicher falsch ist. Galvanische und mechanische Übererregbarkeit 
gehen nicht immer parallel. 

Baumgarten berichtet über Untersuchungen betreffs Vorkommen von 
Milchsäure im Liquor cerebrospinalis. In 25 Fällen (Meningitis, chronischer Hydro- 
cephalus usw.) positiver Befund, in 5 Fällen (Nabelsepsis, beginnende Meningitis) 
fehlte Milchsäure. 

Frl. Bienenfeld hält einen Vortrag über „Die Leukozyten in der Serumkrankheit.“ 

Da die Ausführungen der Vortr. vorwiegend theoretisches Interesse haben, geht 
Ref. nicht auf die Details der Arbeit ein. 

Hervorzuheben ist, daß die Leukozytenzahl — bei täglicher Zählung morgens 
am nüchternen Patienten — nach der Seruminjektion während der Prodromal¬ 
erscheinungen allmählich ansteigt, um frühestens am 6. Tage nach Einführung des 
artfremden Serums jäh abzustürzen. Die Leukopenie hält durch 1—4 Tage an und 
fällt mit der Höhe der Serumkrankheit zusammen. Nach dem Ablauf ihrer Serum¬ 
erscheinungen erhebt sich die Kurve allmählich zu normalen-Werten. 

Differentialdiagnostische Zählungen ergaben, daß der Absturz der Leukozyten- 
kurve hauptsächlich die polynukleären neutrophilen Leukozyten betrifft. 

B. Schick (Wien). 


Berliner medizinische Gesellschaft. 

(Nach Berl. klin. Wochenschr.) 
Sitzung vom 9. Januar 1907. 


A. Baginsky: a) Ein Fall von Erblindung und Vertaubung nach Keuchhusten. 

Ich erbitte mir Ihre Aufmerksamkeit für einen Krankheitsfall, der nicht ge¬ 
rade zu den absolutesten Seltenheiten gehört, der aber doch zum Glück recht 
selten ist, nämlich für einen Fall von vollkommener Erblindung, Vertaubung 
und nunmehr beginnenden Erscheinungen von Idiotie (bei einem Kinde) nach 
Keuchhusten. — Der Krankheitsfall verlief folgendermaßen. 

Das l 1 /* Jahre alte Kind wurde am 11. März 1906 im Kinderkrankenhause 
aufgenommen. Das Kind ist rechtzeitig geboren, hat 4 Monate die Brust gehabt, 
später künstliche Nahrung und leidet bei der Aufnahme seit 14 Tagen an Keuch¬ 
husten, seit 2 Tagen an Krämpfen, die sich bei den Keuchhustenanfällen ein¬ 
stellen. Das Kind stammt aus angeblich gesunder Familie; es ist keines der 
Geschwister gestorben,1 in der Familie ist keine Tuberkulose, kein Abortus vor¬ 
gekommen. Das Kind ist bei der Aufnahme in leidlich gutem Ernährungszustände, 
macht aber, da cs völlig somnolent erscheint, einen recht schwerkranken Eindruck. 
Geringe Nackensteifigkeit. Die Augen reagieren nicht auf Lichtreiz, Lähmungen 
nicht konstatierbar; indes zeigen sich häufig einsetzende allgemeine Konvulsionen 
mit Streckung der Extremitäten und Verdrehen der Hände. Am Respirations- 
apparat nur Giemen und Pfeifen. Die Temperatur an demselben Tage zwischen 
38 und 40° C. schwankend. In den nächsten Tagen traten zumeist mit den hef¬ 
tigen Keuchhustenattaeken 14, 8, 16, 18 mal allgemeine Krampfanfälle auf. Das 
Sensorium bleibt benommen. Die Anfälle werden mühsam mit wiederholter An¬ 
wendung von Chloralhydrat und Chloroform bekämpft. So gehen unter wechsel¬ 
vollen Erscheinungen, die etwas von dem Charakter der Meningitis haben, die 
Tage bis gegen Ende März hin, wo dann unter Herabgehen der Temperatur die 
Konvulsionen verschwinden. Hustenattacken bestehen weiter. Auch zeigen sich 
vereinzelte anderweitige, nervöse Symptome: Rollen der Augen, Nystagmus¬ 
bewegungen, gelinde Nackensteifigkeit und eine besondere Art von zuckenden 
Bewegungen um den Mund. Der Mund wird rüsselartig emporgestreckt, wobei 
die Ober- und Unterlippenmuskulatur nach entgegengesetzten Seiten äusgeführte 
Zuckungen beobachten läßt. Die Zunge wird zwischen die Zähne geklemmt, indes 
ohne Verletzungen davonzutragen. Stärkere Salivation. Die Pupillen sind auf¬ 
fallend weit, aber während sie anfänglich starr erscheinen, reagieren sie jetzt auf 
Lichtreiz gut. 

Im Verlaufe des Monats April stellten wir fest, daß, wiewohl das Senso¬ 
rium des Kindes etwas freier geworden zu sein scheint, eine Wahrnehmung von 


Digitized by V 




184 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5: 


Licht nicht statthat, und alsbald konnte auch konstatiert werden, daß das Kind 
selbst von lauten Geräuschen, von Musik und Pfeifen, keine'Wahrnehmung hat* 
Das Kind ist schreckhaft, wenn man es plötzlich berührt, auch treten um diese 
Zeit und auch noch in den späteren Wochen hin und wieder Konvulsionen ein. 
— Die um die Mitte des Monats April gemachte Lumbalpunktion entleerte unter 
ziemlich starkem Druck 50 ccm klarer, völlig bakterienfreier (Plattenkulturen) 
Flüssigkeit. — Es muß als eine wichtige Erscheinung betont werden, daß der 
Pupillenreflex, der nach kurzem Fehlen sich eingestellt hatte, definitiv bestehen 
blieb und prompte Reaktion auf Lichtreiz jederzeit eintrat. Ich mochte damals 
schon auf Grund dieser Tatsache, wie ich sogleich erwähnen will, die Hoffnung,, 
daß das Kind sein Sehvermögen wieder erhalten werde, nicht aufgeben, und komme 
darauf alsbald zurück. Das Kind blieb in diesem Zustande mit geringen Ände¬ 
rungen bis zum Monat Oktober. Sehr auffallend waren in dieser Zeit die sonder- 
baren Mundbewegungen, zu denen sich ein eigenartiges, heftiges, fortdauernd 
wiederholtes Hineinfassen mit den Fingern und Schmatzen gesellte. Im Oktober 
bemerkten wir zuerst ein schreckhaftes Zusammenfahren beim Ertönen einer 
schrillen Pfeife oder sonstigen starken, plötzlich gemachten Geräuschen, auch 
schien es, als wenn eine gewisse Licht Wahrnehmung bei dem Kinde sich bemerk- 
lich machte. So fing das Kind an, wenn volle Sonnenstrahlen plötzlich auf Bett 
und Gesicht fielen, mit beiden Händchen die Augen zu bedecken. Stärkere Ge¬ 
räusche wurden unangenehm empfunden, das Kind schrie auf und weinte. Im 
Monat November schien auch das Sensorium sich zu verbessern; das Kind wurde 
ein wenig zugänglicher für Spiel, wenn andere Kinder an das Bett herantraten, 
auch machte es beim Füttern einen verständigen Gesamteindruck. 

So ist das Kind allmählich in denjenigen etwas verbesserten Zustand ge¬ 
kommen, den Sie jetzt an ihm wahrnehmen können. Das Kind fixiert augen¬ 
scheinlich, wenn auch nur für Momente vorgehaltene Gegenstände, verfolgt für 
Momente Gegenstände und Personen mit den Augen; es beachtet plötzlich er¬ 
tönende Geräusche, so daß man eine gewisse, freilich ganz langsame Verbesserung 
der beiden Siuneswahrnehmungen konstatieren kann; dagegen ist von einer wirk¬ 
lichen Teilnahme an der Umgebung keine Rede, und mit den eigenartigen Hand¬ 
bewegungen nach dem Munde, dem steten Kauen und Schmatzen und der Sali- 
vation macht das Kind entschieden den Eindruck eines idiotischen, sensorisch Er¬ 
krankten. Ich will erwähnen, daß wir dauernd den Augenhintergrund kontrollierten, 
und insbesondere hat Herr Dr. Spiro, der sich um das Kind augenärztlich bemüht, 
konstatiert, daß, nachdem im Anfänge Pupillenstarre, ohne Veränderung des Augen¬ 
hintergrundes bestanden hatte, später die Pupillenreaktion cintrat und bestehen 
blieb, daß aber die Sehnervenpapille anfing eine leichte temporale Abblassung zu 
zeigen. Im Dezember konstatierte Herr Spiro, daß die Augen dem Lichte folgen, 
die Pupillen prompt reagieren und daß eine geringe temporale Pupillenabblassung 
noch besteht. Die Veränderung ist aber so unbedeutend, daß man den Augen¬ 
hintergrund eigentlich als normal bezeichnen kann. 

Es gehört also der Fall in die Reihe deijenigen Fälle zerebraler Störung bei 
Tussis convulsiva, die mehrfach und ja auch von mir beschrieben worden sind. 
Die Literatur ist ja leicht zugängig, und ich kann auf mein eigenes Lehrbuch, in 
dem die Fälle eingehende Berücksichtigung gefunden haben, verweis«*. 

Wie kann man nun den vorliegenden Fall pathologisch deuten? Neurath, 
der vor 2 Jahren eine eingehende Arbeit über den pathologischen Befund bei de» 
zerebralen Störungen bei Keuchhusten gebracht hat, ist geneigt, für die Mehr¬ 
zahl der Fälle meningitische Reizungen und Veränderungen durch Exsudation, 
Zellenauswanderungen usw. anzunehmen; von anderen sind Hämorrhagien in de» 
Vordergrund gebracht worden, von anderen toxische Einflüsse auf das Cerebrum. 
Ich habe, insbesondere unter dem Eindruck der Lumbalpunktion, die Idee des 
Bestehens eines akuten Hydrocepbalus im Verein mit, und im Verlaufe xneningi- 
tischer Reizung gefaßt gehabt, auf toxischer Basis, wie ich namentlich meine 
früher beobachteten, so glücklich abgelaufenen Fälle schließlich lediglich als aus 
toxischen Einwirkungen hervorgegangen erklären konnte. Es wäre sonst nicht zu 
verstehen, ^rie beispielsweise aus völliger Verblödung heraus, wie ich sie bei 
T. convulsiva beobachtet habe, völlige Heilung cintreten könnte; dies könnte doch 
nicht der Fall sein, wenn wesentliche anatomische Alterationen vorhanden ge¬ 
wesen wären. — Bei alledem ist doch der langwierige Und nicht ganz günstige 
Verlauf dieses Falles derart, daß er eine andere Deutung zuzulassen scheint. Ich 


Digitized by 


Google 



III. Aus Vereinen und Verrammlungen. 


185 


habe gerade heute bei einem Falle von T. convulsiva eine eigentümliche Be*- 
obachtung gemacht. Es sind bei dem Kinde, welches etwa in derselben Alters¬ 
stufe, wie dieses Kind hier steht, während der Hustenanfälle ganz minimale, sub¬ 
miliare Blutungen in Pünktchen, Kreischen und Strichelchen auf der Haut auf¬ 
getreten, zti vielen Hunderten. Man kann sich wohl vorstellen, daß, wenn ähnliches 
an der Hirnrinde und an wichtigen zerebralen Zentralapparaten vor sich geht, 
aus diesen minimalen Blutungen mit nachfolgenden Reizungszustähden Erschei¬ 
nungen von Störungen funktioneller Art resultieren können, wie dieses Kind ste 
zeigt. — Diese minimalen anatomischen Läsionen werden aber doch wohl auch 
der Reparation sich zugänglich erweisen, weil sie nicht allzu tiefgreifend sind. 

Ich muß nun aber noch einmal auf meine Äußerung zurückkommen, daß ich von 
Anfang an die Hoffnung hegte, das Kind werde sein Sehvermögen wierdererhalten. 
Da muß ich an eine Erläuterung erinnern, die vor vielen Jahren v. Gräefe (1867) 
gelegentlich einer Besprechung von Fällen mit plötzlicher und vorübergehender 
Amaurose bei Scharlach durch den damaligen Professor der Pädiatrie, Ebert, 
den Vorgänger von Henoch, in dieser unserer medizinischen Gesellschaft gab, 
und die ich selbst noch hörte, v. Graefe führte aus, daß die erhaltene Pupillen¬ 
reaktion beweise, daß der Reflexbogen vom Optikus zu den Vierhügeln und von 
da zu den Okulomotoriuszweigen ununterbrochen sei; — daß hier eine Läsion nicht 
bestehe. Der Ausfall der Lichtwahrnebmung und des Sehens könne nur durch 
eine Läsion die weiter rückwärts, nach der Hirnrinde zu liege, entstehen. Diese 
Läsion könne so schwer sein, daß der Kranke stirbt, aber, daß diese Läsion solche 
Residuen hinterlasse, daß unter Fortbestehen des Lebens eine dauernde Unter¬ 
brechung der Bahnen von den Vierhügeln zum Orte der Lichtwahrnehmung be¬ 
stehen bleibe, das könne man sich nicht vorstellen. So liege also in dem Erhalten¬ 
sein des Pupillenreflexes eine gewisse Garantie der Wiederkehr des Sehvermögens, 
wenn der Kranke am Leben bleibt; sicherer als in der augenblicklich anscheinend 
nicht bestehenden Läsion der Papille und der Retina, der sich bei unterbrochener 
Pupillenreaktion später einstellen kann. 

Wenn Sie nun selbst das Kind beachten wollen, so werden Sie sehen, wie 
es die Augen stets dem Licht zuwendet, wie es vorgehaltene Gegenstände wenig¬ 
stens für Augenblicke fixiert, bald freilich wieder aus den Augen läßt. — Teil- 
nahmlos ist das Kind nach wie vor der Umgebung gegenüber, und man muß be¬ 
fürchten, daß trotz langsamer Wiederherstellung von Seh- und Hörvermögen den¬ 
noch irreparable Zustände des Sensorium Zurückbleiben. 

Erwähnen will ich, daß das Kind mit Merkur- und Jodoformeinreibungen be¬ 
handelt worden ist, auch Jodkalium in ausreichender Menge erhalten hat. 

b) Ein Fall von Epldermolysis bullosa. 

Der zweite Fall, den ich demonstrieren möchte, ist ein dermatologischer, und 
ich muß von vornherein um Entschuldigung bitten, wenn ich den Fall hier vor¬ 
führe, da ich kein Fach-Dermatologe bin und nicht imstande bin, an den, wie ich 
glaube, immerhin bemerkenswerten und seltenen Fall auf klärende Erläuterungen 
zu knüpfen. 

Es handelt sich um ein Kind von i 1 /, Jahren, bei welchem eine geradezu 
erschreckend hartnäckige Hauterkrankung aufgetreten ist. Das Kind ist nie krank 
gewesen, ist auch von gesunden Eltern, ist eine zeitlang an der Brust genährt. 
— In der Familie ist ein ähnliches Leiden der Haut nie vorhanden gewesen. — 
Das Kind ist 10 Tage vor der Aufnahme im Krankenhause an zwei großen Blasen 
an der Innenseite der Oberschenkel erkrankt. Alsbald traten die Blasen auch im 
Gesicht auf, und bei der Aufnahme zeigten sich mächtig ausgedehnte, zum Teil 
auch kleinere, konfluierende Blasen, die sich ebensowohl über Brust, wie über 
Unterbauchgegend und die Extremitäten erstreckten. Ich habe, da das ganze 
Aussehen in keiner Weise der bekannten Pemphiguserkrankung der Kinder, auch 
nicht der von mir beschriebenen malignen Pemphigusform entsprach, zunächst an 
die als Herpes iris bezeichnete Erkrankungsform gedacht, bin aber, da das Übel 
von größerer Hartnäckigkeit ist und allen angewendeten Mitteln widerstrebt, auch 
der ursprünglich entzündliche Charakter der Blasen mehr und mehr zurücktritt, 
darauf gekommen, daß die Affektion vielleicht doch in die Gruppe der von 
Goldscneider, Valentin, Köbner u, a. beschriebenen Epidermolysis 
bullosa-Erkrankungen gehört, wenngleich in unserem Falle von Erblichkeit 
nichts nachzuweisen ist. Die Blasen schießen urplötzlich neu an den verschieden¬ 
sten Körperstellen auf, trocknen ein und bieten jetzt mit den auf den ursprüng- 


Digitized by 


Google 



186 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


lieh befallenen Stellen liegenden Krusten ein wesentlich gegen das ursprüngliche 
verändertes Krankheitsbila. 

Ich habe zufälligerweise gleichzeitig mit diesem Kinde eip an echtem Pem¬ 
phigus neonatorum erkranktes Kind im Krankenhause aufzunehmen gehabt und 
habe bei beiden Fällen bakteriologische Untersuchungen angestellt. Hier¬ 
bei stellte sich heraus, daß bei diesem unseren Falle lediglich Streptokokken 
wuchsen, im Gegensätze zu dem anderen Falle, dem Pemphigusfalle, der die üb¬ 
lichen Formen von Staphylovirus in der Kultur aufwies. 

So widerstrebt dieser Fall auch bis jetzt der sich mir sehr erfolgreich er¬ 
wiesenen Pemphigusbehandlung. Tanniubäder, abwechselnd mit konsequenter An¬ 
wendung von Streupulvern haben gänzlich in Stich gelassen. 

Vielleicht, das einer unserer erfahrenen Herren Dermatologen die Güte hat, 
sich zu dem Falle zu äußern, bei der Gelegenheit auch therapeutische Vorschläge 
macht und überhaupt kund gibt, ob Hoffnung vorhanden ist, daß die Krankheit 
baldigst zur Heilung gebracht werden kann. 

Blaschko: Die Fälle, welche von Kobner unter dem Namen Epidermo- 
lysis bullosa hereditaria beschrieben worden sind und die freilich meist nicht iu 
dem Sinne hereditär sind, daß nun gerade die Eltern der betreffenden Kinder er¬ 
krankt sein müssen, sondern daß irgendwelche Aszendenten, auch nicht in direkter 
Linie die Erkrankung zeigen, sind dadurch charakterisiert, daß die Blasenbildung 
nur auf mechanischen Druck, nicht spontan und auch nicht durch irgendwelche 
chemische Reizungen eintritt, und ich möchte deswegen nicht glauben, daß iu 
diesem Fall hier das Krankheitsbild vorliegt, das von Köbner u. a. als Epider- 
molysis bullosa bezeichnet worden ist. 

Hier sehen wir eine Reihe von entzündlichen Prozessen, annulären Ery¬ 
themen und in deren Zentrum erst die Blasenbildung; es kann daher meines Er¬ 
achtens nur die Frage aufgeworfen werden: Handelt es sich hier um einen echten 
Pemphigus oder um die sogen. Dermatitis herpetiformis Duhring, eihe 
gutartige pemphigusähnliche Krankheit, welche außer durch ihren benignen 
Charakter und ihre Neigung zu Rezidiven dadurch charakterisiert ist, daß sie 
sie sehr vielgestaltig ist, d. h. daß neben den eigentlichen Blasen auch noch eine 
Reihe von anderen exsudativen Exanthemformen, urtikaria-ähnlichen Elementen, 
vor allem aber Erytheme, so wie wir sie in diesem Falle sehen, aufzutreten pflegen. 

Man kann ja nun bei der einmaligen Beobachtung eines solchen Falles kein 
definitives Urteil abgeben. Aber wenn sich nicht herausstellen sollte, daß diese 
Blasen durch mechanischen Druck im Laufe von wenigen Minuten künstlich her¬ 
vorzurufen sind, so liegt das Bild der Epidermolysis hereditaria bullosa nicht 
hier vor, und ich würde einmal versuchen, mit Arsentherapie vorzugehen. Gerade 
bei der Duhringschen Krankheit hat sich Arsen sehr häufig als außerordentlich 
zweckmäßig erwiesen. 


Medizinische Gesellschaft Basel. 

(Nach Korrespondenzblatt f. Schweizer Ärzte.) 

Sitzung vom 6. Dezember 1906. 

1. E. Hagenbach (Autoreferat) referiert über weitere Beobachtungen an 
rachitischen Muskeln, die er schon in einem Artikel im „Jahrbuch für Kinderheil¬ 
kunde“ Bd. LX, Heft 3 besprochen hat. Dazu geben ihm histologische Unter¬ 
suchungen Anlaß, über welche hier anschließend Mitteilungen gemacht werden 
und welche die Annahme, daß es sich bei der rachitischen Muskulatur nicht um 
sekundäre Veränderungen, wie Inaktivitätsatrophie, sondern um eine primäre 
Myopathie handelt, zu stützen imstande sind. 

Daß die Rachitis nicht allein auf einer Störung der Knochen beruht, das 
geht für jedermann daraus hervor, daß von seiten der Respiration, des Nerven¬ 
systems, des Digestionstraktus häufig klinische Symptome sich zeigen, daß ferner 
die Milz oft vergrößert ist usw. Ein solch allgemeines Ergriffensein läßt die An¬ 
nahme zu, daß eine allgemeine Noxe, vielleicht eine ganz bestimmte Infektion 
der Rachitis zugrunde liege. Was alles für eine solche Anschauung spricht, hat 
H. schon vor Jahren in einem Artikel über die Ätiologie der Rachitis in der 
„Berliner klinischen Wochenschrift“ aufgeführt. 


Digitized by Google 



III. Aus Vereinen und Versammlungen. 


187 


Zu den weiteren Symptomen gehören auch die im ganzen wenig berück¬ 
sichtigten Muskelverttnderungen. Die Beobachtungen an rachitischen Muskeln 
haben für den Votanten derartig auffallende Funktionsanomalien ergeben, daß 
derselbe das, was bis heute vielfach als sekundäre Inaktivitätsatrophie, als Un¬ 
beweglichkeit infolge Schmerzhaftigkeit, als schlaffes Gelenk angenommen wird, 
auf primäre Veränderungen der Muskulatur zurückführt. Wenn ein Gelenk als 
erschlafft bezeichnet wird am Knie, am Fuß (z. B. genu valgum, pes valgus), so 
sind nicht in erster Linie die Gelenkbänder schlaff; denn jedes Gelenk wird 
schlaff, wo die dazu gehörigen Muskeln schwach, gelähmt oder durchschnitten 
sind. Ebenso die abnormen Bewegungen und Stellungen, nach Art der Schlangen¬ 
menschen, sind einzig auf die Muskeln zu beziehen. Auch die genannten Gym- 
nasten sind nicht, wie noch häufig angenommen wird, Gelenk- sondern Muskel¬ 
künstler. Das Entstehen der rachitischen Kyphose führt Ref. ebenfalls auf 
Muskelschlaffheit zurück. Wären Veränderungen der Wirbel die Ursache der 
Kyphose, so wäre die ebenso rasche als vollständige Heilung mit dem Abheilen 
des rachitischen Prozesses schwierig zu erklären. Die schweren rachitischen 
Kyphosen, die oft für das ganze Leben bestehen, sind natürlich auf sekundäre 
Mitbeteiligung der Wirbel zurückzuführen. 

Dieses abnorme klinische Verhalten der Muskulatur hat H. bestimmt, Bing 
zu veranlassen, die rachitischen Muskeln einer Untersuchung zu unterwerfen. 

Im Anschluß an den Vortrag von H. berichtet Rob. Bing (Autoreferat) 
über seine histopathologischen und elektrodiagnostischen Untersuchungen bei rachitischen 
Kindern mit pseudoparetischen und atonischen Muskelstörungen. — An Hand von Prä¬ 
paraten und Mikrophotogrammen demonstriert er, daß Exzisionen an Fällen aus¬ 
geprägter rachitischer Myopathie ein charakteristisches histologisches Bild er¬ 
kennen lassen (exzessive gleichmäßige Verdünnung des Faserkalibers, Verlust der 
Querstreifung, abnormes Her vor treten der Längsstreifung, gewaltige diffuse Ver¬ 
mehrung der Muskelkerne ohne nennenswerte interstitielle Infiltration, Fehlen 
jeglichen Fettgewebes, Zurücktreten des groben Bindegewebes). — Bei leichteren 
Formen finde man diese Abnormitäten der Textur nur angedeutet (Demonstration). 

An Hand von Kontrollpräparaten verschiedener anderer Muskeläffektionen 
versucht der Vortr. darzutun, daß eine histologische Muskelveränderung sui generis 
vorliegt. Insbesondere schließt er die Inaktivitätshypertrophie aus, zu welchem 
Ergebnisse ihn auch seine funktionellen, speziell elektrodiagnostischen Unter¬ 
suchungen an der Muskulatur der Rachitischen führten. 

In bezug auf die hypotonisch pseudoparetischen Muskeln gewisser myxöde- 
matöser und mongolo'ider Kinder ist B. noch zu keinem verwertbaren Re¬ 
sultate gekommen. 

Dagegen kann er über einen typischen Fall von Oppenheim scher Mya- 
tonia congenita ohne pathologischen Befund in der exzidierten Muskulatur be¬ 
richten (Demonstration). Er will deswegen letztere Affektion nicht ohne weiteres 
für eine funktionelle Affektion des Muskelsystems halten, sondern legt die Gründe 
auseinander, die ihm für eine Entwicklungsverzögerung der tonusregulierenden 
Bahnen des Zentralnervensystems zu sprechen scheinen. 

Alle diese Untersuchungen sind keineswegs abgeschlossen und sollen nach 
mancher Richtung hin fortgefiihrt und ergänzt werden. 

In der Diskussion erinnert von Herff an die Muskelerkrankungen bei 
der Osteomalacie. 

Hübscher zeigt an Zitaten aus Glisson (1682), daß schon den ältern 
Autoren die rachitische Myopathie aufgefallen war. Seiner Ansicht nach läßt 
sich die MuBkelschlaffheit in vielen Fällen rein mechanisch aus dem Mißverhält¬ 
nis zwischen der Länge der (pathologisch verkürzten) Knochen mit den Muskeln 
erklären. 

Wieland hält den Nachweis der von Bing gefundenen histologischen Ver¬ 
änderungen an möglichst frischen Stadien von Rachitis für unumgänglich not¬ 
wendig; erst dann sind seine Befunde beweisend. Votant hat übrigens Kern- 
Vermehrung auch bei einfach atrophischen Muskeln konstatiert. 

Kaufmann nimmt bei der Beurteilung der Bingschen Befunde einen re¬ 
servierten Standpunkt ein. Das histologische Bild entspricht allerdings keinem 
anderen Befund. 

E. Hagenbach wundert sich darüber, daß, trotzdem die rachitische Myo¬ 
pathie in der Literatur längst bekannt ist, sie doch stets als sekundäres Symptom 


Digitized by 


Google 



188 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 5. 


beschrieben wird. Gegenüber der Theorie von Hübscher betont er, daß es auch 
Rachitische in großer Zahl gebe, die normal groß werden; daß sieht man an deft 
hohen Körpergestalten mit gekrümmten Beinen. Ferner wäre hervorzuheben, daß 
die abnormen Bewegungen auch mit rachitischen Kindern mit geraden Reinen 
können vorgenommen werden. 

Hübscher erwidert, er meine nicht durch Zwergwuchs, sondern durch Ver¬ 
krümmung entstandene Verkürzung. . 

Bing entgegnet Wieland, daß er in bezug auf die Wünschbarkeit der 
Untersuchung möglichst frischer Stadien vollkommen mit ihm übereinstimme, er 
habe aber einen Fall demonstriert, den man immerhin als ziemlich rezente Rachitis 
bezeichnen dürfe. Für ebenso wünschenswert halte er übrigens die histopatho- 
logische Verfolgung des Heilungs- und Ausgleichsprozesses dieser Muskelstörungen. 

, Bing betont ferner, daß er niemals daran gedacht habe, die Muskelkern- 
Vermehrung an sich gegen die Annahme der Inaktivitätsatrophie ins Feld zu 
führen (obgleich ja eine derartige diffuse Muskelkernvermehrung mit fehlender 
interstitieller Kemvermehrung bei Inaktivitätsatrophie tatsächlich nicht vorkomme). 
Vielmehr stelle die Konstellation der verschiedenen abnormen Einzelheiten 
(außer der Muskelkernvermehrung die gleichmäßige Verdünnung der Fasern, das 
Zurücktreten des Sarkolemms, das Fehlen von Fett usw.) das für die rachi¬ 
tische Myopathie Typische dar. 


IV. Monats-Chronik. 

Berlin. Die Einrichtung von Schulsanatorien ist von der Stadt geplant. Da¬ 
selbst sollen im Gegensatz zu den Waldschulen bzw. -Erholungsstätten, welche 
Kranke nur stundenweise aufnehmen, schwächliche Kinder ständig wohnen. Es 
sollen zunächst 200 Schüler klassenweise (je 20) unterrichtet werden. Über die 
Aufnahme entscheidet der Schularzt. 

Altenburg. Zu weiterer Ausdehnung der Krankenpflege auf dem Lande sind 
vom hiesigen Agnes - Frauenverein Freistellen im Kinderspital, sowie in den 
Krankenhäusern zu Schmölln und Roda gestiftet. 

Bremen. Bezüglich der überbürdung der Schüler hat der Elternbund für 
Schulreform an zahlreiche Ärzte eine Rundfrage gerichtet, ob es richtig sei, das 
schulpflichtige Alter auf ein bestimmtes Lebensalter festzulegen, wie viel Schlaf 
die Kinder in den verschiedenen Altersstufen benötigen und auf welche Zeit dem¬ 
zufolge der Schulbesuch festzusetzen sei. Andere Fragen beziehen sich auf die 
Dauer der Schulstunden, Länge der Pausen, Vormittags- und Nachmittagsunter¬ 
richt, Hausaufgaben, Unterricht im Freien, Mindestmaß der Verteilung der Ferien. 
Die Antworten sind an Herrn Fr. Steudel, Pastor an St. Reinberti in Bremen 
erbeten. 

Meiningen. Die Schulärzte sind angewiesen worden, in jedem Jahre drei 
bis vier Vorträge Uber Gesundheitslehre vor den Eltern der schulpflichtigen Jugend zu halten. 

Dresden. Der dirigierende Arzt des Säuglingsheims in Dresden, Dr med. 
Bruno Salge, hat einen Ruf als außerordentlicher Professor der Kinderheilkunde 
an die Universität Göttingen erhalten und angenommen. 

Erfurt. Die Stadtverordneten beschlossen für die 10000 Kinder der dor¬ 
tigen Volksschulen eine städtische Schulzahnklinik zu errichten. 

Leipzig. Mit einer Probevorlesung über das Thema: „Das Herz im Kindes¬ 
alter und sein Verhalten bei akuten Infektionskrankheiten“ hat sich Dr. med. 
Martin Hohlfeld, Laboratoriumsassistent und Prosektor bei Prof. Soltmann 
an der hiesigen Universitätskinderklinik und Poliklinik, habilitiert. 

Jena. Prof. Dr. Karl Hirsch in Leipzig ist in das mit der Leitung der 
medizinischen Poliklinik und einem Lehrauftrag für Kinderheilkunde verbundene 
Extraordinariat für innere Medizin zum 1. April d. J. hierher berufen worden. 

Gestorben: Geheimrat Prof. Dr. Thomas, Direktor der Universitäts¬ 
poliklinik und des Hildakinderspitals in Freiburg, am 25. v. M., 70 Jahr alt. 


Verantwortlicher Redakteur: Dr. Eugen Graetzer in Friedenau-Berlin. — Verlag von Johann 
Ambrosius Barth in Leipzig. — Druck von Metzger & Wittig in Leipzig. 


Digitized by 


C Dgle 

























Seit« 


Fortsetzung des Inhaltes. 

Fr. von Veress, Über Lupus vulgaris postexantheinaticus.202 

Julius Heller, Zur Kasuistik seltener Nagelerkrankuugen. . . . . . 202 


Anselm Lehle, Ein Fall von Raynaudscher Krankheit im Säuglingsalter 203 
Ad. Czerny, Der unerwartete Tod bei Infektionskrankheiten der Kinder . 205 

T. 0 s h i m a, Kasuistik der malignen Tumoren der Nierengegend im Kindesalter 207 
R. Neurath, Pathologische Kopfhaltung bei der infantilen Hemiplegie . 207 


G. R ei mann, Meningitis cerebrospinalis-Heilung.208 

Gy. Grosz, Über die Sachssche Idiotia amaurotica familiaris.208 

Rachmaninov, Maligne Neubildungen der Niere bei Kindern .... 209 
J. Le Gras, Troubles psychiques et forme mentale de la m^ningite tuber- 

culeuse . ..... 209 

F. Raymond, L’encephalite aigue . . ... 209 

Fouquet, Sur une forme de Spirochäte pale. Sa signification. Son role 

probable dans les 16sions tertiaires.210 

Delearde und Petit, Fall von Meningitis gemischtinfektiösen Ursprungs 210 

G. Muls, Die Chlorretention bei der akuten Nephritis der Kinder . . . 211 

Pierre Teissier, L’ur6mie chez les tuberculeux . ..211 

Guyot, Infektiöse Mundbodenphlegmone, Angina Ludowici.212 

J. G. Corkhill, Ein Fall von Meningitis basilaris posterior mit geringen 

zerebralen Symptomen.212 

R. Knox, Ein Fall von Aktinomykose der Wange mit Jodkali behandelt 212 
J. Morreil und H. E. Wolf, Meningitis mit Diphtheriebazillen in der 

Cerebrospinalflüssigkeit.*.213 

R. Gillmore, Schleichende Nierenaffektionen bei kleinen Kindern . . . 213 

Moncorvo, Studium der Schau dinnschen Organismen bei hereditärer Syphilis 214 
Oluf Thomsen, Die Bedeutung der Röntgenuntersuchung für die Diagnose 

latenter angeborener Syphilis bei dem Neugeborenen.214 

J. Dominguez Venegas, Behandlung der Noma mit Jodinjektionen . . 215 

in. Aus Vereinen und Versammlungen, 

Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien. . . . '. 215 
Naturhistorisch-Medizinischer Verein Heidelberg. 216 


IV. Therapeutische Notizen. V. Monats-Chronik. 



Chemische Fabrik in Darmstadt. 


Häm off all ol, 

leicht resorbierbares Blut-Eisenpräparat. 


In der Kinderpraxis bei den in Be¬ 
gleitung der Rhachitis auftretenden 
Anämien erprobt; von sehr gün¬ 
stigem Einfluss auf die Blut- und 
Knochenbildung, sowie auf den all¬ 
gemeinen Ernährungszustand. 


Bromipin, 

leicht verträgliches Brompräparat. 

Innerlich und per Klysma bei Atro¬ 
phie und Eklampsie der Säuglinge, 
wie bei allen Krampf- und Er¬ 
regungszuständen im Kindesalter 
bestens bewährt. 


r W^£% viviA^ArfN völlig ungiftiges Condensationsprodukt 
ctXIllüxUl •***; aus Gerbsäure und Formaldehyd. 

Innerlich: Sehr wirksames Antidiarrhoikum, speziell in der Kinderpraxis 
bei akuten und chronischen Darmkatarrhen, sowie bei Gastroenteritis 
acuta bewährt. 

Äusserlich: Wertv. Antiseptikum, ausgezeichn. Wundheilmittel, geg. Wund¬ 
sein klein. Kinder besond.empfohl.; anerkannt wirksames Anhydrotikum. 


























Verlag von JOHANN AMBROSIUS BARTH in Leipzig. 


AUVARD, Prof. A., 100 illustrierte Fälle aus der Frauenpraxis. Fürs Deutsche bear* 
beitet von Dr. A. Rosenau. Mit einem einführenden Vorwort von Prof. 
F. v. Winckel. 2. vermehrte und verbesserte Auflage. 12°. [XI, S. 103 

114 IAA rr^: 1 r,. -U A.UV1 i onn M o 


Doppels, u. S. 104—113 mit 100, zum Teil färb. Abb.] 1899. geb. M. 6.—. 

Für den Praktiker liefert das Buch weitaus inehr, als die meisten Kompendien der Gynä¬ 
kologie und enthält zugleich in seinen zahlreichen farbigen Abbildungen eine Anleitung der differen¬ 
tiellen Diagnostik, wie sie konipendiöser und klarer und rascher zu überblicken kaum dargestellt 
werden kann. 



AUCH 

OHNE 

ZUCKER 


Das älteste in Deutschland 

eingeführte 

Dunos 


AUCH 

MIT 

EISEN 


Dungs ß gfl 

aromatisches A R 




n 


OtlHA (AUSAYA 


I in ] lk u. 
'72 LITE 


EliXlR 


Man hüte sich vor 


in den 
APOTHEKEN 
zu haben. 


(ElixirRhei aromaticDung), | 

ein ang enehm schmeckendes 
mildes 

Abführ- und Ma gen mittel | 

5 Teile Elixir enthaltenooo 
oo «oo 1 Teil Rlmbarberwurzel. 


Fabrikation von 

Dung’s China-Calisaya-Elixir 

rreihupfl i. B. 








































* Wirksamstes €isenpräpargt_ 
Appetit anregendes Stärkungsmittel. 


Lecin ist die einzige neutrale, klare Lösung von 

Hühnereiweiss mit Eisen 

leeithin- und gewArzreieh, reizlos. 

TJI^tTTWr enthält 0,0 % Fe [d. h. dreimal so viel wie die 
JUÜjV-'AJM aromat. Eisentinkturen, achtmal so viel wie die 
Blutpräparate] und 20 °/ 0 frisches Eiweiß. 

Fl. ui. 400 g inkl. Einnehmegl. Mk. 2.— 

Dosis 3 — 10 g kurz vor oder nach dem Essen. 

LECINpulver 

Wohlfeil (Kaiienpraxis!!!). — Dose mit 25 g Mk. 1.— 
für 20—30 Tage. "US 

T Fr TNtab 16 « 1611 . ""“Zr; 

WAJL v per Tabl. 0,03 Qr. Fe. Dosis: 7i*“ 2 > wie 
Bonbons im Munde zergehen lassen. 100 Tabl. *= Mk. 2.—. 

Sehr geeignet für Kleine Kinder« 

Lecin ist im städt. Kraukenhause I und von prakt. Ärzten in Hannover 
seit 2—3 Jahren sehr viel und fast als einziges Eisenmittel 
angewendet. Von hervorragenden Klinikern warm empfohlen. 

Proben und Literatur gratis. 

Dr. E. Laves, Hannover. 

7 gitized byv5v/v 



















Centralblatt für 

Kinderheilkunde. 

Ein© Monatsschrift für praktische Arzte. 
XII. Jahrgang. 1. Juni 1907. No. 6. 


I. Origlnalbeltrftge. 

» 

(Aus dem ersten öffentlichen Kinder-Krankeninstitute in Wien.) 

Hydrozephalus und Spina bifida (Myelozystokele) 

bei hereditärer Lues. i 

Von 

C. Hochsinger in Wien. 

: Bekannt ist die innige Beziehung zwischen angeborener Syphilis 
und Wasserkopf. 

Ich selbst habe in einer ausführlichen Publikation auf die große 
Häufigkeit der syphilitischen Genese der kindlichen Hydrozephalie 
aufmerksam gemacht und betont, daß zur Klarstellung der Beziehung 
zwischen beiden Leiden nicht erst die Annahme einer paraheredo- 
syphilitischen Grundlage der Hydrozephalie nötig ist, daß vielmehr 
eine echte syphilitische Meningitis die Ursache des Wasserkopfes sein 
kann und in der Regel auch ist. 

Ausnehmen könnte man von dieser Regel nur jene Fälle, bei 
deneij Mißbildungen des Zentralnervensystems anderweitiger Art vor¬ 
liegen, die dann mit Recht im Sinne A. Fourniers als paraheredo- 
syphilitische Dystrophien aufgefaßt werden müssen. 

Zu den Mißbildungen, deren event paraheredosyphilitische Genese 
A. Fournier besonders betont, zählt auch die Spina bifida, ob¬ 
wohl meines Wissens in der Literatur kein sicherer Fall beschrieben 
ist, bei welchem manifeste Erscheinungen der Erbsyphilis ’Äit Spina 
bifida vereint beobachtet wurden. 

Der hier abgebildete Fall, welchen ich in der Sitzung der k. k. 
Gesellschaft der Ärzte in Wien am 12. Oktober 1906 demonstrierte, 
ist um so bemerkenswerter, weil sich hier bei einem 9 Monate alten, 
notorisch erbsyphilitischen Kinde ein rezenter enormer Wasserkopf 
nebst Spina bifida und exanthematischen Ausbrüchen des Lues gleich¬ 
zeitig vorfindet. 

Das Kind ist das zweite Kind einer Ehe, die Mutter berichtet, Syphilis ge¬ 
habt zu haben, über den Vater konnte nichts Positives eruiert werden. Das erste 
Kind kam als tote Frühgeburt zur Welt. Dieses Kind wurde mit normal großem 
Kopfe geboren und zeigte gleich nach der Geburt Coryza mit blutig eitriger Se¬ 
kretion, welche 6 Wochen lang dauerte. In der Kreuzbeingegend befand sieh 
eine faustgroße Geschwulst, welche in der dritten Lebenswoche spontan aufbrach, 
bis zum Ende des dritten Lebensmonates wäßriges Fluidum absonderte und sich 

Centndbl. f* Kindcrhllcdo. XII. Digitized by ^ 10C 






190 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


dann wieder spontan verschloß. Die Umfangzunahme des Kopfes datiert die 
Mutter seit dem Verschlüsse der Geschwulst, also vom vierten Lebensmonate, doch 
ist erst in den letzten 2 Monaten der Kopf rapid gewachsen. Der horizontale 
Kopfumfang beträgt gegenwärtig 67 cm, die Distanz von der Nasenwurzel bis zum 
Tuber occipitale, über der Scheitelhöhe gemessen, 52 cm. Der Schädel besitzt 
zum größten Teil nur häutige Bedeckung, bloß das Stirnbein ist vollkommen er¬ 
halten und in der Mitte nicht gespalten, was für erworbenen und gegen an¬ 
geborenen Hydrozephalus spricht. Die Stirnnaht klafft also nicht. Hingegen 
fehlt jegliche knöcherne Bedeckung der Augenhöhlen, so daß herniöse Aus¬ 
stülpungen des Schädelinhaltes oberhalb der Augenbrauenbögen bestehen. Das 
subkutane Venennetz am Kopfe ist sehr ausgedehnt. 

In der Lumbosakralgegend besteht ein flacher, mit breitem Stiele auf¬ 
sitzender, pilzförmiger, rundlicher Tumor von 5 cm Durchmesser, welcher sich 
derb anfühlt und auf einem gespaltenen Wirbelkanal aufsitzt. Die Oberfläche 
der Geschwulst zeigt in der Mitte eine trichterförmige Einsenkung, von welcher 
strahlige Narben nach allen Richtungen hin ausgehen. 



Fig. 1. 


An den großen Labien, circa auum und an der inneren und hinteren 
Fläche der Oberschenkel, befinden sich wuchernde syphilitische Kondylome, 
welche seit ungefähr 3 Monaten bestehen und seit 14 Tagen behandelt werden. 
An der Stirnhaargrenze und der behaarten Kopfhaut finden sich gleichfalls zahl¬ 
reiche syphilitische Papeln. 

Das Kind zeigt gleichzeitig Kontraktur- und Lähmungssymptome: Flexions¬ 
und Adduktionshypertonie der Extremitätenmuskeln mit Hakenfußstellung und 
Parese des Beckenbodens mit trichterförmiger Evertierung des Anus. Die Kon¬ 
trakturen sind dem Hydrozephalus, die Lähmungen der Spina bifida zur Last 
zu legen. 

In dem mitgeteilten Falle sind, wie die beigegebenen Abbildungen 
zeigen, alle drei Affektionen: der Hydrozephalus, die Myelozystokele und 
die kondylomatöse Lues, außerordentlich klar entwickelt. In Fig. 1 
sind der Hydrozephalus und der von der Myelozystokele herrührende 
Tumor und ein Teil der Kondylome ad nates zu sehen, auch das 
Exanthem am Kopfe ist teilweise zu erkennen. Fig. 2 zeigt die Aus¬ 
breitung der syphilitischen Papeln und die trichterförmige Eversion des 
Beckenbodens mit der klaffenden Afteröffnung, nebst dem Wasserkopf. 


Digitized by 


Google 







IL Referate. 


191 


Es ist eine bekannte Tatsache, daß Hydrozephalus und Spina 
bifida in einem gewissen Kausalnerus zueinander stehen, insofern 
als diese beiden Anomalien häufig vereint Vorkommen und ins¬ 
besondere nach spontaner oder operativer Heilung der Myelozystokele 
Hydrozephalus nicht selten auftritt. 

Es wäre also, wie Zappert im. Anschluß an die Demonstration 
dieses Falles in der Sitzung der Gesellschaft der Ärzte in Wien her¬ 
vorhob, die Möglichkeit gegeben, daß es sich um eine zufällige Mi߬ 
bildung bei einem erbsyphili¬ 
tischen Kinde in Form der Myelo¬ 
zystokele handelt, welche von 
Hydrozephalus gefolgt war, ohne 
mit der Lues selbst im Zu¬ 
sammenhänge zu stehen. 

Diese Annahme hat nur 
wenig Wahrscheinlichkeit für 
sich, weil das Vorkommen 
schwerer Mißbildungen an sich 
bei erbsyphilitischen Individuen 
den Zusammenhang der ange¬ 
borenen Infektion mit der Mi߬ 
bildung, zumindestim Sinneeiner 
paraheredosyphilitischen Dystro¬ 
phie, nahe legt. 

Die Erbsyphilis führt zwar, 
wie ich selbst an anderen Orten 
ausgeführt habe, viel häufiger zu 
kleineren Wasserköpfen, zu „Hy¬ 
drozephalien en miniature“ doch Fig. 2. 

habe ich selbst schon bei noto¬ 
risch luetischen Kindern enorme Ballonköpfe beobachtet. Für den 
Zusammenhang zwischen der Lues und dem Wasserköpfe spricht im 
vorliegenden Falle auch der Umstand, Zdaß das Kind mit normal 
großem Kopf zur Welt gekommen ist, daß sich erst im vierten Monate 
der Wasserkopf entwickelte, gleichzeitig mit dem Auftreten der kon- 
dylomatösen Syphilisrezidive. Dabei konnte die Verheilung der 
Zystokele wohl ein förderndes Moment für die enorme Ausdehnung 
der Hydrozephalie abgegeben haben. 



II. Referate. 

A) Aus deutschen Zeitschriften. 

Emil Großmann, Eine seltene Form der Spina bifida 
cystica (Myelomeningocele sacralis anterior). (Jahrb. f. Kinder- 
heilk. Bd. 63. Heft 2.) Die Fälle sind im ganzen selten, und während 
es nach den aus der Literatur angeführten 8 Fällen fast als selbst¬ 
verständlich erscheint, daß eine durch einen Spalt auf der Vorderseite 
der Wirbelsäule austretende Zyste der Rückenmarkshäute in die 

Digitized by Mwle 







192 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


Beckenhöhle hineinwachsen muß, ist der angeführte Fall des¬ 
halb interessant, weil der Tumor <— eine Myelomeningocele sacr&lis 
anterior — sich nicht in das Becken hinein entfaltet hatte. Die 
Geschwulst kam vielmehr unter den Weichteilen der rechten Glutaeal- 
gegend zum Vorschein und konnte von hier aus entfernt werden. 

Hecker. 


O« Reinach, Beiträge zur Röntgenoskopie von Knochen¬ 
affektionen hereditär luetischer Säuglinge. (Archiv f. Kinder- 
heilk. Bd. 45. Heft 1. u. 2.) Bericht über 7 Fälle, bei denen speziell 
Knochen Veränderungen in Kombination mit Bewegungsstörungen 
klinisch ins Auge fielen. Bei 6 derselben handelte es sich vorwiegend 
um Anschwellungen der proximalen Vorderarm- und zum Teil auch 
distalen Humerusenden — „Parrotsche Paralyse“ —, beim 7. um 
diffuse Verdickung beider Unterschenkel. Die Anamnese lautete 
ziemlich übereinstimmend dahin, daß die Kinder seit kürzerer oder 
längerer Zeit „die Arme und zum Teil auch die Beine nicht mehr 
von selbst bewegen und daß bei Berührung dieser Teile deutliche 
Schmerzensäußerungen auftreten“. Neben diesen Knochenaffektionen 
zeigten sich weitere Symptome der Lues hereditaria — Coryza, 
Rhagaden, Exanthem, Milztumor. Die Kinder wurden in Intervallen 
radioskopisch untersucht, und es konnten aus dem Auftreten von 
Schatten oder von Aufhellung an Stellen, wo dieselben normaler¬ 
weise vermißt werden, entsprechende Schlüsse auf Konfigurations¬ 
veränderungen, Änderungen der Dichtigkeit, der Begrenzung, gezogen 
werden. Es fanden sich nun sinnfällige pathologische Vorgänge, so¬ 
wohl an den epiphysären Verkalkungszonen, wie an der Corticalis, 
dem Periost und der Spongiosa, und zwar u. a.: 

Verbreiterung und unregelmäßige Konturierung der proximalen 
und distalen Ossifikationslinien; osteonchondritische Veränderungen: 
Erweichungs- und Einschmelzungszonen, Granulationsbildungen, doku¬ 
mentiert vorwiegend durch mehr oder minder starke Aufhellung der 
Knochenenden, Verschwinden der Schattenlinien der proviosrischen Ver¬ 
kalkungszone. Periostale Kalk Wucherung an der Epiphysengegend; 
Veränderungen in der Spongiosa, kenntlich durch Verschwommensein 
der strichförmigen Bälkchenzeichnung, größere Aufhellungszonen, wahr¬ 
scheinlich Granulationsbildung oder schon regressiven Veränderungen 
entsprechend. 

Epiphysenlösung konnte mit ziemlicher Sicherheit in einem Falle 
erschlossen werden durch Einschmelzungsvorgänge an der bewußten 
Verkalkungslinie oder durch Kalkspangen, welche epiphysenwärts von 
dieser Linie im Granulationsgewebe liegen. In 2 Fällen fand R. eine 
Vergesellschaftung von Lues und Rachitis. Die epiphysäre Ver¬ 
kalkungslinie ist stark verschmälert, ganz dünn und rarefiziert. Die 
Spongiosa zeigt gleichmäßige Verschmälerung der Bälkchen mit Ver¬ 
breiterung der lichten Zwischenzone. Nach den Gelenkenden zu sieht 
man die Spongiosabälkchen nicht mehr longitudinal, sondern in Tor¬ 
sionsstellung zum Teil schräg verlaufend, wie man sie sonst an rachi¬ 
tischen Femora besonders typisch ausgeprägt findet. Die radio- 
skopische Differentialdiagnose bei dieser gar nicht seltenen Kombina¬ 
tion ist nicht ganz leicht. Im allgemeinen kann man sagen, daß 


Digitized by 


Google 



II« Referate. 


19» 


rachitische Auftreibungen meist symmetrisch auftreten und selten in 
der frühen Zeit der Hereditär- luetischen radioskopisch sichtbare 
Zeichen dokumentieren. Bei Rachitis ist die epiphysäre Linie ver¬ 
schmälert und stark porös, die Osteophyten zeigen, meist lichtere 
Schattenbilder. 

Die klinisch bei 6 Fällen deutlich vorhandene starke Schwellung 
der Ellbogengegend läßt sich nur bei einzelnen Kindern mit den Ver¬ 
änderungen am Knochen allein erklären. Zweifellos war bei 8 Kindern, 
wo sich teigige Schwellung palpatorisch feststellen ließ, auch der ent¬ 
zündliche Prozeß von Knochen und Periost auf die Weichteile 
übergegangen. . Hecker. 

F. Siegert, Die Fermentth erapie der Ernährungsstörungen 
des Säuglings. (Monatsschrift f. Kinderheilkunde. Januar 1907); 
A. Czerny* Die Fermenttherapie nach Siegert. (Monatsschrift 
f. Kinderheilk. Februar 1907.) S. empfiehlt von neuem seine Fer¬ 
menttherapie und glaubt, daß die Arbeiten der Breslauer Schule be¬ 
sonders wirksame Stützen der Berechtigung dieser Therapie bilden. 
Er geht speziell auf die Arbeit Philips ein und schließt: „Es ist in 
der Breslauer Kinderklinik durch poliklinische und klinische Beobach¬ 
tungen, wie durch den Stoffwechselversuch die Leistungsfähigkeit der 
Fermenttherapie, die ich empfohlen habe, derart bewiesen worden, 
daß kein Kinderarzt auf dieselbe bei der Therapie der Ernährungs¬ 
störungen des Säuglings verzichten kann.“ 

Energisch wendet sich C. gegen diese Ansichten. Gerade die 
klinischen Beobachtungen von Philips bestätigen die schon früher 
gemachten Erfahrungen, daß die Fermenttherapie keinen sichtbaren 
Erfolg hat, und seine Stoffwechseluntersuchungen ergaben, daß sich 
kein Einfluß auf die Resorption und Retention der wichtigsten 
Nahrungsbestandteile feststellen läßt. Siegert liest aus der Arbeit 
das Gegenteil von dem heraus, was tatsächlich darin enthalten ist, 
und sucht den Bericht für seine Hypothesen auszunutzen. Obwohl 
C. auch „Kinderarzt“ ist, wird er doch nach wie vor auf die Ferment¬ 
therapie verzichten. Grätzer. 


A. Baginsky, Über Meningitis cerebrospinalis pseudo- 
epidemica. (Aus dem städt Kaiser- und Kaiserin Friedrich-Kinder- 
krankenhause Berlin.) (Berliner klin. Wochenschrift. 1907. Nr. 14.) 
ß. teilt einige Fälle mit, welche so außerordentlich in den ersten be¬ 
deutsamen klinischen Erscheinungen die epidemische Cerebrospinal¬ 
meningitis gleichsam imitierten, daß lediglich der weitere Verlauf, der 
rasche günstige Ausgang und endlich die bakteriologische Unter¬ 
suchung der Fälle vor diagnostischen Irrtümern zu schützen vermochte. 


So setzte bei einem 7 jährigen Kinde die Erkrankung geradezu 
wuchtig mit Kopfschmerz und Erbrechen ein, darauf weiterhin mit 
allen Allüren einer Meningitis cerebrospinalis. Nackenstarre, Keruig- 
sches Symptom, Steigerung der Reflexerregbarkeit, eine gewisse Ein¬ 
genommenheit des Sensoriums, Prostration, sogar Herpes facialis 
waren vorhanden, die trüb aussehende, bei der Lumbalpunktion ge¬ 
wonnene Flüssigkeit enthielt reichlich Leukozyten. Aber bald fiel die 
Temperatur kritisch ab und damit leitete sich Besserung ein. Im 


Digitized by 


Google 



194 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


direkten Präparat nichts von Meningokokken, die Kultur blieb ganz 
steril, so daß nicht festzustellen war, welcher Art die Infektionserreger 
waren. Keinesfalls handelte es sich um die epidemische Cerebro¬ 
spinalmeningitis. 

Ähnlich der Verlauf in einem zweiten Falle, wo ebenfalls die 
Kultur aus der Lumbalflüssigkeit steril blieb. 

In einem dritten Falle gelang es, einen der Meningokokken ähn¬ 
lichen Mikroben aus der Lumbalflüssigkeit zu züchten, der sich jedoch 
bei genauerem Studium als mit demMeningococcus intracellularis nicht 
identisch erweisen ließ. 

In einem vierten Falle, wo ebenfalls das charakteristische Bild 
der Cerebrospinalmeningitis epidemica klinisch sich geltend machte, 
ließ sich lediglich der Staphylococcus als pathogener Mikrob kon¬ 
statieren. 

Diese Fälle zeigen, daß zu einer Zeit, wo an vielen Orten epide¬ 
mische Fälle auftreten, ebensolche Fälle Vorkommen, die bei. aller 
Ähnlichkeit mit diesen doch andere, nicht spezifische Krankheits¬ 
erreger zur Ursache haben. 

Therapeutisch schien Jodkalium neben reichlichen Einreibungen 
mit grauer Salbe und abwechselnd mit heißen Bädern (36—37 °C.) 
unter gleichzeitiger Kühlung des Kopfes den Kindern wohl zu tun. 

B. schildert dann noch einen Fall, der in vivo exquisit das Bild 
der epidemischen Meningitisform darbot, rasch verstarb und noch 
post mortem gelegentlich der bakteriologischen Durchforschung die 
Schwierigkeit enthüllte, über den eigentlichen Krankheitserreger zur 
Klarheit zu kommen. In der Kultur wurden gefunden Streptokokken, 
Staphylokokken, Pneumokokken und der beim Mäuseversuch unheimlich 
dem Meningococcus gleichende Mikrococcus flavus, der sich aber in 
seinem sonstigen Verhalten von dem Meningococcus unterschied; dazu 
klinisch die charakteristischen Erscheinungen der cerebrospinalen 
Meningitis, und doch eine andere Affektion! Grätzer. 


L. Langstein, Über die Bedeutung des durch Essigsäure 
fällbaren Eiweißkörpers im Harn der Kinder. (Berliner klin. 
Wochenschr. 1907. Nr. 4.) Aus seinen Untersuchungen und Er¬ 
fahrungen zieht L. folgende Schlüsse: 

1. Es gibt keine orthotische Albuminurie, in der nicht der durch 
Essigsäure fällbare Eiweißkörper ausgeschieden wird. Er ist konstant 
in jeder eiweißhaltigen Urinprobe vorhanden. 

2. Fälle, in denen nur der durch Essigsäure fällbare Eiweißkörper 
ausgeschieden wird, charakterisieren sich von vornherein als different 
von Fällen chronischer Nephritis. 

3. Bei der chronischen Nephritis der Kinder ist der durch Essig¬ 

säure fällbare Eiweißkörper entweder nicht oder in geringerer Menge 
als anderes Eiweiß vorhanden. Grätzer. 


L. Huismans, Ein Fall von Tay-Sachsscher familiärer 
amaurotischer Idiotie. (Aus dem St. Vincenzhause in Köln.) 
(Deutsche med. Wochenschrift. 1906. Nr. 43.) EL beobachtete echte 
Tay-Sachssche Idiotie bei einem 3jährigen Kinde christlicher 
Eltern. Keine hereditäre Belastung. Das Kind entwickelte sich geistig 

Digitized by Google 



II. Referate. 


195 


zunächst in normaler Weise; erst nach Ablauf etwa eines halben Jahres 
erfolgte ein Stillstand und später ein Rückschritt Die Parese war 
eine spastische mit bedeutend gesteigerter allgemeiner Reflexerreg¬ 
barkeit. Am Auge sehr ausgeprägte Atrophia opticorum, an den 
Maculae bisher niehts zu finden; dagegen Nystagmus und Strabismus 
vorhanden. Hyperacusis fehlte, eher bestand Herabsetzung des Hör¬ 
vermögens. Das von Falkenheim beobachtete grundlose Anflachen 
fehlte, wohl aber bestand starkes Grimmassieren. In bezug anf Ent¬ 
wicklungshemmung war nur die geringe Körpergröße (75 cm) be¬ 
merkenswert; am Schädel und in bezug auf die Zahnentwicklung be¬ 
standen Anomalien, die aber durch eine mäßige Rachitis hervor¬ 
gerufen waren, auf die auch andere Anzeichen hinwiesen. Grfttcer. 

J. Kumaris, Stichverletzung der Rauchwand mit Darm¬ 
prolaps. (Aus der chirurg.-gynäkol. Klinik „Der Heiland“ in Athen.) 
(Mediz. Klinik. 1907. Nr. 16.) 

9jähr. Knabe wird von einem Spielkameraden durch ein kleines spitzes 
Messer am Bauch, etwas unterhalb des Nabels verwundet. Der Darm kommt 
nun Vorschein. Das Kind wird im offenen Wagen nach Athen gebracht und 
trifft 4 Stunden nach dem Unglücksfall in der Klinik ein. 

Beschleunigter, kleiner Puls, subnormale Temperatur. Ganze äußere Bauch¬ 
wand mit Dünnaarmschlingen bedeckt (mehr als 2 l f % m): diese blauschwarz, leicht 
aufgebläht, beschmutzt (nur mit einer sehr dünnen Schicht Baumwolle und von 
dem Leinenkittel bedeckt, und zwar so, daß nach Entfernung des Kleidungsstückes 
ein großer Teil der Därme offen dalag). Keine Spur von Darmverletzung. 

Unter leichter Chloroformnarkose gründliche Abspülung des vorgetretenen 
Darmes mit warmem, sterilem Wasser, Erweiterung der Stichöffnung, Reposition 
der Därme, Nabt von 4 / 6 der Wunde, Gazestreifen am unteren Wundwinkel. 
Keine Spülung der Bauchhöhle. 

Sehr günstiger Verlauf. Keine Störung des Allgemeinbefindens, keine Tem¬ 
peratursteigerung. Am 12. Tag konnte das Kind geheilt die Klinik verlassen. 

Sehr bemerkenswert war die Tatsache, daß das spitze Messer 
keine Organverletzung hervorgerufen hatte. Noch bemerkenswerter 
die auffallend minimale Reaktion des Bauchfells, das 4 Stunden lang 
der Luft und dem Straßenstaub ausgesetzt gewesen war. 

K. gebrauchte kein Antiseptikum zur Abspülung, da event tibrig- 
gebliebene Keime von der nicht gereizten Serosa schnell resorbiert 
werden; es ist außer Zweifel, daß sie eine gewisse Menge von Infek¬ 
tionserregern vertragen kann, sofern Schädigungen vermieden werden. 

Grätzer. 

M. Sinzig (Saarlouis), Ein Fall plötzlicher Heilung von 
akuter Nephritis nach Urämie. (Mediz. Klinik. 1907. Nr. 1.) Das 
12 jährige Kind hatte eine akute hämorrhagische Nephritis nach Schar¬ 
lach, die mit dem plötzlichen Verschwinden der auftretenden schweren 
urämischen Krämpfe gleichzeitig ihr Ende erreichte. Zur Bekämpfung 
der Krämpfe hatte S. Kampferöl und 0,3 °/ 0 Koffein. natr.-benz.-Lösung 
2—3 stündlich eingespritzt: beim ersten urämischen Anfalle eine In¬ 
fusion von 300 g physiol. Kochsalzlösung gemacht, die er nach 
6 Stunden wiederholte, nach weiteren 3 Stunden abermals Kochsalz¬ 
lösung (400 g) infundiert, woran er eine Kampfer- und Morphium¬ 
einspritzung (0,0012 g) anschloß; außerdem Eisblase und mehrere hoch¬ 
gehende Einläufe von warmem Wasser. Unter dieser Therapie promptes 
Nachlassen der Krämpfe und dann Verschwinden der Nephritis selbst. 

Grätzer. 

Digitized by Gooale 



196 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


Otto Ranke, Über Gewebsveränderungen im Gehirn lue¬ 
tischer Neugeborener. (NeuroL CentralbL 1907. Nr. 3 u. 4.) Ver£ 
beschreibt des genaueren die in ihrer Gesamtheit recht charakte¬ 
ristischen Veränderungen, welche sich im Zentralnervensystem luetischer 
Neugeborener, erkennen lassen und welche größtenteils auf die 
direkte Anwesenheit der Schaudinn’schen Spirochaete pallida zurück¬ 
geführt werden können. Näheres ist im Original nachzulesen. 

Kurt Mendel (Berlin). 

Lothar Dreyer, Über Skelettveränderungen und Früh¬ 
kontrakturen bei Dystrophia musculorum progressiva. 
(Deutsche Zeitschr. £ Nervenheilk. Bd. XXL Heft 1 u. 2.) Verf. be¬ 
richtet über zwei an Dystrophia muscularis leidende Brüder, welche 
zudem eine hochgradige Atrophie am Skelettsystem sowie jstarke und 
frühzeitige Kontrakturen in den Fußgelenken (Fall I) darboten. Verf. 
bringt diese Erscheinungen bei der Dystrophie mit einer trophischen 
Störung in Zusammenhang. Kurt Mendel (Berlin). 

Kurt Hildebrandt, Zur Kenntnis der gliomatösen Neu¬ 
bildungen des Gehirns mit besonderer Berücksichtigung der 
ependymären Gliome. (Virchows Archiv. Bd. 185. Heft 2.) Es 
werden 3 Fälle ohne Krankengeschichten — diese finden sich in der 
Dissertation desselben Autors (Berlin 1906) — mitgeteilt. I. Diffuses 
ependymäres Gliosarkom sämtlicher Hirnventrikel bei einem 16jähr. 
Mädchen, das in der Medulla oblongata sich als harter infiltrierender 
Tumor darstellte, dagegen das Epeudym der Hirnventrikel in ein 
weiches Gliosarkom verwandelt hat. Der Fall ist dadurch interessant, 
daß das ependymäre Gliosarkomgewebe in ein charakteristisches 
Spindelzellengliom der Medulla oblongata überging, wodurch die 
gliomatöse Natur des Neoplasmas trotz der uncharakteristischen 
Zellen bewiesen wird. IL Diffuses Gliom (gliomatöse Hypertrophie) 
der rechten Großhirnhemisphäre bei einer 46jähr. Frau. Es wird 
nicht eigentliche, von umschriebener Stelle ausgehende Tumorbildung, 
sondern gliomatöse Entartung angenommen. III. Spindelzellengliom 
des Kleinhirns mit bindegewebiger Umhüllung bei einem 11 jähr. 
Mädchen. Die Tumorzellen sind auffallend lang, faserförmig. 

Bennecke (Jena). 

G. W. Schorr, Über die angeborenen Geschwülste des 
Zahnfleisches bei Kindern und ihre Entstehung. (Beitr. z. 
path. Anat. u. allg. Path. Bd. 39. Heft 1.) S. hatte Gelegenheit 
zwei Geschwülste mikroskopisch zu untersuchen, die von Neugeborenen 
stammten und als gestielte Anhänge vom Zahnfleisch ausgehend zum 
Munde herausragten, wodurch das Säugen behindert war. S. rechnet 
diese angeborenen Geschwülste des Zahnfleisches zu den Mißbildungen 
und glaubt aus dem mikroskopischen Bilde solcher Geschwulstarten 
in manchen Fällen Voraussagen zu können, was für weitere Verände¬ 
rungen und Defekte die Tumorentfernung nach sich ziehen kann. 

Bennecke (Jena). 

Büday, Zur Pathogenese der gangränösen Mund- und 
Rachenentzündungen. (Beitr. zur path. Anat. u. allgem. Path. 
von Ziegler. Bd. 38. Heft 2.) B. untersuchte 2 Fälle von Noma, 


Digitized by 


Google 



IL Referate« 


197 


2 von gangränöserRächenentzündüng und 1 von gangränöser Mund- 
höhlenentzündung, die Kinder zwischen 7 und 14 Jahren betrafen 
und zwar vorwiegend von bakteriologischen Gesichtspunkten aus. 
Histologisch und bakteriologisch handelt es sich in allen Fällen um 
dieselbe Krankheit, die nur graduelle Unterschiede aufweist, ln allen 
Fällen fand B. die schon so oft beschriebenen Spirillen, fusiformen 
Bazillen, leptotrizartige Fäden und die verschiendensten Bazillen und 
Kokken. Den histologischen Bildern nach bereitet das Spirillum, für 
das B. eine besondere Färbung im Gewebe angibt, den Boden für 
das Eindringen der fusiformen Bazillen vor, denn es wird in noch 
normalem Gewebe getroffen, wo andere Mikroorganismen vollkommen 
fehlen. Wenn der Boden vorbereitet ist, wächst der fusiforme Bazillus 
in dichten Zügen nach, wobei anscheinend das Spirillum meistabstirbt 
und die Nekrose des Gewebes beginnt. Unter der Einwirkung anderer 
Bazillen tritt der gangränöse Zerfall des Gewebes ein. Auf Grund 
seiner Untersuchungen tritt B. der Ansicht der. Autoren bei, die das 
Eindringen der Mikroorganismen für das Prinftre, die Gewebsnekrose 
für das .Sekundäre halten. Diphtheriebazillen und ihre Toxine kommen 
bei der in Bede stehenden Krankheit nicht in Betracht, wie von 
einigen Autoren angegeben wird. — Erwähnt sei, daß B. die fusi¬ 
formen Bazillen Gram-beständig fand und daß er keinen Zusammen¬ 
hang zwischen diesen Bazillen und den meist vorhandenen Leptotrix- 
faden annimmt. a> Bennecke (Jena). 

H. Neumann, Über unreine Herztöne im Kindesalter. 
(Münch, med. Wochenschrift. 1907. Nr. 8.) Die Schallerscheinung, 
über welche N. höchst interessante Mitteilungen macht, besteht in 
einer Verdoppelung oder Unreinheit der Töne. Sie findet sich fast 
immer an der Spitze am stärksten oder ausschließlich. Es handelt 
sich um einen mehr oder weniger unreinen Ton, dessen Unreinheit 
bis zu einem schabenden Geräusch anwachsen kann, oder um einen 
gespaltenen 1. Ton (uu—), bei dem übrigens gelegentlich der. erste 
Teil wieder unrein und geräuschähnlich ist Wenn an der Spitze ein 
systolisches Geräusch ist, so löst es sich nach der Basis zu in eine 
Spaltung des Tones auf, wenn die Töne an der Basis überhaupt nicht 
rein sind. 


N. fand diese. Erscheinungen in den letzten 10 Jahren 180 mal, 
und zwar in den ersten 5 Lebensjahren 71 mal (*= 39,4 °L aller Fälle), 
im 6.—10. Lebensjahr 89 mal (=* 49,4°/ 0 ) und im 11.—14. Jahre 20 mal 
(=ll,l°/o). Die Erscheinungen sind durchaus nicht flüchtiger Natur. 
Sie setzen plötzlich ein und bleiben in der Regel dann dauernd nach¬ 
weisbar. Es handelt sich um ein funktionelles Vorkommen von großer 
Beständigkeit, aber doch nicht von vollkommener Beharrlichkeit. Viel¬ 
mehr ist bei dem akuten Beginn häufig zunächst ein mehr oder 
weniger lautes Geräusch zu hören, welches sich im Laufe der Zeit in 
einen gespaltenen Ton auflöst. Andererseits geht der gespaltene Ton 
oft bei lebhafter Herztätigkeit wieder in ein Geräusch über. Eine 
Akzentuierung des 2. Tones über der Pulmonalis oder eine Verbreite¬ 
rung der Herzgrenzen ist in der Regel nicht festzustellen. Nicht 
ganz selten findet sich neben dem unreinen Ton eine Unregelmäßigkeit 


der Herztätigkeit. 


Digitized by 


Google 



198 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


Was die Entstehung dieser Abnormität anbelangt, so kann man 
natürlich ihren Eintritt nur in den Fällen beobachten, in denen man 
das Herz schon vorher dauernd zu überwachen Gelegenheit hatte. 
Als Gelegenheitsursache kann man da am häufigsten katarrhalische 
Erkrankungen der Luftwege entdecken; es kann sich dabei um typische 
Influenza oder um infektiöse Katarrhe aus anderer Ursache handeln, 
wobei ein Schnupfen, eine lakunäre oder einfache katarrhalische 
Halsentzündung, eine Bronchitis oder Lungenentzündung in den 
Vordergrund treten können. Aber die Abnormität kann auch nach 
anderen Infektionen, welche das Herz beteiligen, Zurückbleiben; nach . 
Scharlach, Diphtherie, Rheumatismus. Selten sind andere primäre 
Krankheiten; z. B. wurde bei einem 7—8 jähr. Mädchen nach einer 
Perityphlitis ein systolisches, leises Geräusch an der Spitze entdeckt, 
das an der Basis durch einen gespaltenen 1. Ton ersetzt war; Grenzen 
normal; zu 14 Jahren Befund nur noch schwach, zu 16 Jahren Töne 
an der Spitze rein und nur an der Basis der 1. Ton gespalten. Nach 
seinen Erfahrungen muß N. auch eine familiäre Disposition annehmen; 
Geschwister waren häufig ebenso erkrankt, ebenso die Eltern. 

Für die Prognose ist zu betonen, daß die Kinder keine Zeichen 
von Herzinsuffizienz darbieten. Die Unreinheit der Töne kann zwar 
während fieberhafter Erkrankungen verschwinden, aber andererseits 
kann auch besonders während rezidivierender Katarrhe die Arhythmie 
so erheblich werden, daß man besorgt wird. Während der Ver¬ 
schlimmerung des Zustandes können Ruhe und kohlensaure Bäder 
zweckmäßig sein. Andererseits muß zugegeben werden, daß mit ver¬ 
schwindenden Ausnahmen während des ganzen Kindesalters keine 
Zeichen von Herzschwäche auftreten. Der Befund bleibt in der Regel 
während der ganzen Kindheit unverändert. Auch viele Erwachsene 
können sich mit diesem Befunde viele Jahre lang wohl fühlen, anderer¬ 
seits treten doch hier gelegentlich Störungen auf (Zyanose, Kurzatmig¬ 
keit u. dgl.), und es ist wohl kein Zweifel, daß schließlich die Lebens¬ 
dauer verkürzt werden kann, daß das Herz nicht intakt ist und da¬ 
her auf die Dauer weniger Widerstandsfähigkeit zeigt. 

Was endlich die 'anatomische Erklärung anbelangt, so dürfte 
schon im Hinblick auf das nicht seltene Vorkommen von Herz¬ 
arhythmie eine Beteiligung des Nervenmuskelapparates in Betracht 
kommen. Bei dieser Annahme schließen sich diese Störungen un¬ 
gezwungen an die schwereren interstitiell-parenchymatöser Art an, 
wie wir sie z. B. nach Scharlach, Diphtherie, Rheumatismus nicht 
selten sehen. Wenn man alles dies zusammenhält, so ergibt sich, 
daß nach infektiösen Erkrankungen, besonders nach Infektionen an 
den Luftwegen, eine Beteiligung des Herzens verhältnismäßig häufig 
ist und daher regelmäßige Überwachung des Herzens nottut. 

Grätzer. 


P. Bull, Meningocele vertebrale mit Teratoma kombi¬ 
niert. (Aus der chirurg. Universitätsklinik B zu Christiania.) (Münch, 
med. Wochenschrift. 1907. Nr. 12.) B. hatte Gelegenheit ein neu¬ 
geborenes Kind mit Meningocele und Teratom am Rücken zu operieren. 
Der Fall war höchst interessant wegen der seltenen Struktur des 
Teratoms; die Details darüber müssen im Original nachgelesen werden. 

Digitized by Google 



IL Referate. 


19fr 


Klinisch war bemerkenswert, daß das Kind trotz der 3 cm langen, 
stark ausgeprägten Hydromyelie seine Beine normal bewegen konnte, 
und zwar wird man wohl sicher annehmen können, daß die Hydro¬ 
myelie angeboren und nicht in den letzten 8 Tagen erworben war. 
Der innige Zusammenhang des Teratoms mit den Rückenmarks¬ 
häuten zeigt, daß es sich im Anfänge dicht am Medullarrohre ent¬ 
wickelt hat; dieses hat sich jedoch völlig geschlossen. Das Teratom 
hat dagegen durch sein weiteres Wachstum die Vereinigung der meso¬ 
dermalen Bildungen der beiden Seiten verhindert, wodurch die Meningo- 
cele und die Spina bifida entstanden sind. Weiter darf man vielleicht 
annehmen, daß das Teratom durch den Zug, den es am Rückenmark 
wahrscheinlich geübt habe, auch die Ursache der lokalen Hydromyelie 
geworden sei. So findet B., daß es am richtigsten ist, das Teratom 
als das Primäre, die Spina bifida, die Meningocele und die 
Hydromyelie für etwas Sekundäres anzusehen. Grfitzer. 


C. T. Noeggerath, Bacillus coli immobilis capsulatus 
(Wilde) bei einem Falle von eitriger Meningitis cerebro¬ 
spinalis. (Aus der Kinderklinik der kgl. Gharitö in Berlin.) (Münch, 
med. Wochenschrift. 1907. Nr. 13.) Der Fall betraf einen 16 Tage 
alten Säugling und ist der erste Fall von Meningitis cerebrospinalis, 
bei dem Bac. coli immob. caps. nachgewiesen werden konnte. Was 
seine Symptomatologie anbelangt, so bot er nichts Charakteristisches. 
Bemerkenswert war dagegen, daß das Kind diese schwere Erkrankung 
viele Wochen aushielt und dabei lange Zeit hindurch keine wesent¬ 
liche Beeinträchtigung seines Allgemeinbefindens zeigte. Grätzer. 


Richard Blumm (Bayreuth), Intrauteriner Kindesschrei. 
(Centralblatt f. Gynäkologie. 1907. Nr, 9.) Bei der Extraktion eines 
in Steißlage befindlichen Kindes bei einer 28jäbr. II para etwa 
20 Stunden nach Abgang des Fruchtwassers beobachtete B. die be¬ 
kannte Erscheinung des sog. Vagitus uterinus in der Form eines ca. 
5—6 mal wiederholten deutlichen Kindesschreis „im Innern des mütter¬ 
lichen Leibes“, den sämtliche 4 Anwesende hören konnten, und er¬ 
klärt das Zustandekommen dieser Erscheinung, die B. selbst mehr¬ 
fach beobachten konnte, ganz richtig durch Eindringen von Luft in 
den erschlafften Uterus. Wegscheider. 

J. Stock (Skalsko), Ein Fall von Vagitus uterinus. (Ref. im 
Centralblatt f. Gynäkologie. 1907. Nr. 11.) Bei einem Fall von Quer¬ 
lage mit Vorfall der rechten Hand hörte Verf. in dem Moment, in 
dem er den Fuß herabholen wollte, ganz deutlich einen kurzen Schrei 
im Innern der Gebärmutter. Das leicht gewendete, schwer extrahierte 
Kind war asphyktisch, erst nach ca. 10 Minuten wiederbelebt. 

Die Ursache für jeden Vagitus uterinus ist nach St.s Ansicht 
eine plazentare Kreislaufstörung. Wegscheider. 


Gotthard Schubert, Behandlung derMelaena neonatorum 
mit Gelatineinjektionen. (Centralblatt f. Gynäkologie. 1907. 
Nr. 7.) Im Anschluß an 2 in der Breslauer Frauenklinik genau be¬ 
obachtete typische Fälle von Melaena neonatorum, deren Heilung 
durch wiederholte subkutane Injektionen von 10—20 ccm einer 2 °/ 0 igen 

Digitized by Google 



200 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


Gelatinelösung gelang, wird die Anwendung dieses Mittels empfohlen 
und die Ätiologie der Erkrankung .kurz erwähnt. Wo die innere Dar¬ 
reichung der Gelatinemixtur infolge Erbrechens sich verbietet und die 
Ätiologie keine Fingerzeige für die Therapie gibt, bleibt nur die sub¬ 
kutane Anwendung übrig. Wegscheider. 


M. Bernhardt, Klinische Beobachtung eines Falles, von 
Spina bifida lumbosacralis (Myelozystocele). (Deutsche Ärzte- 
Ztg. 1907. Nr. 4.) 

5 jahr. Knabe trägt an der oberen Partie seines Kreuzbeins und in .der 
Gegend des untersten Lumbalwirbels eine kleinapfelgroße, kugelige, von narbiger 
Haut bedeckte Geschwulst, die haarlos ist. Das intelligente Kind zeigt in bezug 
auf die Funktion seiner Hirnnerven und Sinne, sowie in bezug auf die Sensibilität 
und Motilität seiner oberen Extremitäten durchaus normale Verhältnisse. Da¬ 
gegen besteht vollkommener Verlust der Sensibilität am Damm, der Afterkarbe, 
am Anus, dem Penis, an der Vorder- und Hinterfläche beider Oberschenkel, beider 
Unterschenkel und Füße. Die absolute Anästhesie reicht bis zu einer halbhand¬ 
breit oberhalb der Regio pubis beginnenden Partie. Urin und Stuhl kann das 
Kind nicht halten. Der rechte Fuß in Pes varoequinus-, der linke in Valgus¬ 
steilung. Auf beiden Seiten 2. und 3. Zehe schwimmhautartig zusammen¬ 
gewachsen. Aktive oder reflektorische Bewegungen können an den Füßen und 
Zehen nicht ausgeführt werden; dagegen sieht man andauernde unwillkürliche 
Beugungen der Zehen beiderseits d. h. leichte Beugungen und Streckungen. 
Gegenüber der absoluten aktiven Unbeweglichkeit der Füße und Zehen 
kommen Bewegungen im Hüftgelenk und Streckungen des Unterschenkels im 
Kniegelenk beiderseits wohl zustande; auch können die Unterschenkel nach hinten 
zu den Oberschenkeln etwas gebeugt werden (rechts besser als links). Die Pa- 
tellar- und Achillessehnenreflexe fehlen beiderseits, aber die elektrische Erreg¬ 
barkeit sowohl der Strecker wie der Beuger an den Oberschenkeln (quadriceps 
cruris und der Beuger des Unterschenkels an der Hinterseite der Oberschenkel) 
ist erhalten. Aueh die von den Nn. tibiales innervierten Muskeln reagieren auf 
Stärkere faradische Ströme. Was die faradische Erregbarkeit der Nn. peronei be¬ 
trifft, so ist diese links etwas größer als rechts. Man kann von einem etwas 
unterhalb der Mitte der Tibia und nach außen von der äußeren Kante dieses 
Knochens gelegenen Punkt durch faradische Ströme im M. extensor hallucis und 
vielleicht auch im M. tihialis anticus sehwache Kontraktionen auslösen. 


B. macht zu dem Falle folgende epikritische Bemerkungen: 

In diesem Falle von Spina bifida (Myelozystocele) erscheint mir 
zunächst die Tatsache bemerkenswert, daß die Störungen der Sensi¬ 
bilität gegenüber denen der Motilität eine so bedeutende Ausdehnung 
haben. Das Fehlen der Reflexe von der Haut und den Sehnen aus 
und die absolute Anästhesie der Haut der unteren Extremitäten, der 
Penis-, Dämm- und Aftergegend bis zum Mons pubis hin, sowie die 
Paralyse der Blase und des Mastdarms sprechen dafür, daß die hinteren 
Wurzeln der Sakral- und der Lendennerven bis zum I. N. lumbalis 
und vielleicht XII. N. dorsalis hin durch abnormen Verlauf oder be¬ 
sondere Dehnung und Zerrung schwer geschädigt sind. Demgegen¬ 
über kann man aus dem Intaktbleiben der Oberschenkelbeuger, der 
Unterschenkelbeuger und Unterschenkelstrecker ein Erhaltensein der 
motorischen Bezirke des zweiten bis fünften Lumbalsegments erschließen, 
während diejenigen Muskeln, welche aus den oberen Sakralsegmenten 
ihre motorischen Wurzeln beziehen, offenbar schwerer in ihrem ana¬ 
tomischen Gefüge und ihrer Funktion beeinträchtigt sind. Es haben 
aber auch die dem Peroneusgebiet angehörigen Muskeln wieder mehr 
gelitten als die von den Nn. tibiales versorgten; letztere konnten mit 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


201 


etwas stärkeren Strömen elektrisch in Erregung versetzt werden; bei 
den von den Peronei versorgten Muskeln gelang es mir nur, die 
Strecker der großen Zehe und mit Mühe auch die Mm. tibiales antici 
zur Kontraktion zu bringen. Die Immunität einzelner Muskeln bei 
einem Ergriffensein anderer Muskeln, die demselben Nervengebiet an¬ 
gehören, ist schon früher von anderen und besonders auch von Remak 
in einem Falle von paralytischem Klumpfuß bei Spina bifida nach¬ 
gewiesen worden. Jedenfalls scheint mir die Tatsache, daß in unserem 
Falle die Tibialismuskeln und einige dem Peroneusgebiet angehörige 
noch elektrisch erregbar befunden wurden, dafür zu sprechen, daß die 
Ursprungsstätten der diese Muskeln innervierenden Nerven (das erste 
bis dritte Sakralsegment) nicht ganz zugrunde gegangen, bzw. daß die 
von diesen Segmenten ihren Ursprung nehmenden Nerven zwar ge¬ 
schädigt, aber keineswegs ganz entartet sind. Dagegen spricht auch 
die oben von mir erwähnte Tatsache, daß trotz aufgehobener willkür¬ 
licher Bewegung der kleinen Fußmuskeln dennoch die Zehen, wenn 
auch nur geringe und nur bei darauf hingerichteter Aufmerksamkeit 
wahrnehmbare Bewegungen ausführten. Grätzer. 

Blau, Kasuistischer Beitrag zur Meningo-Encephalitis 
serosa. (Zeitschr. f. Ohrenhlk. Bd. 52. Heft 1 u* 2.) 14 Tage vor 

Weihnachten erkrankte das 2 8 / 4 Jahr alte Kind an Masern, zwischen 
Weihnachten und Neujahr war es außer Bett, legte sich aber am 
1. Januar wieder wegen Schmerzen im rechten Ohr. Am 4. Januar 
fing das Ohr an zu laufen, von da ab Appetitmangel, Abnahme der 
Kräfte, Sehvermögen und Gehör erlosch allmählich, am 12. Januar 
linksseitige „Ptosis“, zuweilen Zuckungen im linken Arm und Bein. 
Der Augenbefund am 19. Januar ergab außer einem schlaffen Herab¬ 
hängen des linken oberen Lides und reaktionsloser linker Pupille 
nichts Besonderes. Reaktion auf vorgehaltene Gegenstände erfolgt 
nicht. Verf. konnte am 26. Januar folgenden Befund erheben: Völlig 
abgemagertes, somnolentes, blasses Kind, welches auf Anrufen nicht 
reagiert. Die Beine fallen nach Emporheben schlaff herab. Keine 
Reflexe, keine Nackenstarre. Abdomen eingesunken, Inkontinentia 
alvi et urinae. Urin eiweißfrei. Im rechten Gehörgange stinkendia, 
bröckliges Sekret, Trommelfell bis auf den oberen Rand fehlend. 
Paukenhöhlenschleimhaut granulierend. Warzenfortsatz druckempfind¬ 
lich, keine Schwellung. Bei der Operation wurde das Antrum frei 
von Eiter gefunden, die Schleimhaut war stark geschwellt und zum 
Teil granulierend. Wegnahme eines Teiles der kariösen Hinterwand. 
Freilegung der Dura der mittleren Schädelgrube. Eine dreimalige 
Probepunktion des Hirns ergibt keinen Eiter, dagegen entleerte sich 
so viel wasserklare Flüssigkeit, daß die ganze Operationshöhle gefüllt 
wird und überfließt. Die Punktion der Dura der hinteren Schädel¬ 
grube gibt denselben Befund. Nach der Operation war die Atmung 
etwas freier, nach 18 Stunden trat der Exitus letalis ein. Die Kopf¬ 
sektion (übrige Sektion verweigert) ergab außer geringen Gefä߬ 
veränderungen der Hirnhäute eine so starke Erweiterung der beiden 
Seitenventrikel, daß etwa 8 / 4 einer kleinen Kinderfaust in jedem be¬ 
quem Platz findet. In beiden sowie im erweiterten 3. und 4. Ven¬ 
trikel völlig wasserklare Flüssigkeit. Alle Anforderungen, welche 


Digitized by 


Google 



202 


Centr&lblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


Boenninghaus an die Diagnose „Meningitis serosa interna acuta“ 
«teilt, sind erfüllt; es waren keine frische Meningitis purulenta oder 
Residuen derselben, keine Meningitis tub., keine Tumoren oder Ab¬ 
szesse usw. vorhanden, das Ependym war nicht verdickt, nicht ge¬ 
trübt, das Gehirn war einer zweifellos tödlichen Kompression aus¬ 
gesetzt. Die Operation wie die Sektion deckte nirgends eine bis zur 
Dura greifende Karies der Knochensubstanz auf. Es bestand also 
keine direkte Kommunikation zwischen der primären Erkrankung im 
Schläfenbein und dem Schädelinhalt. Es würde sich um eine seröse 
Meningitis handeln, welche durch toxische Noxen entstanden ist. 

A. Sonntag (Berlin). 

Paul Wennagel, Das Kernigsche Symptom und seine Be¬ 
deutung für die Meningitis. (Deutsch. Archiv f. klin. Medizin. 
Bd. 87. S. 205.) W. prüfte das Kernigsche Symptom bei 300 Pa¬ 
tienten verschiedenster Art in der Krehlschen Klinik und fand dabei, 
daß es einwandfrei bei 52 Patienten positiv war. Unter 9 Meningi- 
tikern fehlte es bei 3. Im allgemeinen schien das Symptom häufiger 
bei Erwachsenen, als bei Kindern vorzukommen. Der Annahme, daß 
das Kernigsche Symptom ein durch Schmerz ausgelöster Reflex sei, 
widerspricht die Tatsache, daß es ganz ohne Schmerzäußerung vor¬ 
kam, ja die Schmerzlosigkeit soll sogar die Regel sein, und darin soll 
der wesentliche Unterschied gegenüber dem Las&guesehen Ischias¬ 
phänomen liegen. Starck. 


Fr. von Veress, Über Lupus vulgaris postexanthematicus. 
(Monatshefte f. prakt. Dermat. Juni 1906.) Nach akuten Exanthemen 
der Kinder — Wasserpocken, Masern, Scharlach — tritt manchmal 
während der Rekonvaleszenz, öfters aber nach Ablauf derselben, eine 
disseminierte Hauttuberkulose in Form der Lupus vulgaris auf. Nach 
v. V. sprechen alle Umstände und klinischen Symptome, nämlich die 
vielen Läsionen der Haut, das Fehlen von Metastasen innerer Organe, 
das Fehlen allgemeiner Embolisation, Auftritt des Lupus nach und 
nicht während des akuten Exanthems, häufig vorkommende spätere 
Vermehrung der Effloreszenzen für einen äußeren Ursprung durch 
Inokulation. Die einzigen, die hämatogene Entstehung scheinbar 
stützenden Argumente wie Multiplizität und gleichzeitiges Auftreten 
vieler Herde sind eigentlich auch für die äußere Entstehungsart ver¬ 
wertbar, da die Inokulation auf einer vielfach beschädigten, zarten 
Kinderhaut an vielen Stellen gleichzeitig zustande kommen kann. 
Aber auch im histologischen Bilde fehlen die Kriterien der Beteiligung 
der Gefäße an der Bildung der lupösen Herde, Auftreten der Knöt¬ 
chen in allen Schichten der Haut, die die Annahme einer hämatogenen 
Entstehungsart dieser Lupusform stützen könnten. 

Max Joseph (Berlin). 

Julius Heller (Charlottenburg), Zur Kasuistik seltener 
Nagelerkrankungen. (Dermatolog. Zeitschr. Bd. XIII. Heft 9.) 
FallL Lupus erythematosus der Nägel bei einem 17 jährigen Mädchen. 
Das Grundgesetz der Nagelpathologie ist: Nur die primäre Nagel¬ 
erkrankung an einer bestimmten Dermatose' ist charakteristisch, im 
weiteren Verlaufe verliert die Nagelaffektion die für die einzelnen 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


208 


Dermatosen spezifischen Merkmale. H. hebt das nochmals besonders 
hervor. Im vorliegenden Falle fanden sich auf dem hinteren Nagel¬ 
wall des 2. 3. 4. Fingers in verschieden großer Ausdehnung schuppende, 
tiefrote, charakteristische Infiltrate; zum Teil waren auch die seitlichen 
Nagelwälle befallen. Am 4. Finger war der ganze Nagelwall zirkulär 
erkrankt. Durch eine vertiefte Stelle schimmerte das tiefrote Nagel¬ 
bett hindurch. Auch fanden sich einige wenige quadratmillimetergroße 
Stellen, an denen bei völlig intakter Nagelplatte das Nagelbett tiefrot 
durchschimmerte (Lupus erythematosus — Plaques des Nagelbettes). 

Fall II. Abfall fast aller Nägel der Finger nach einer Gehirn¬ 
erschütterung. Ein 6 jähriges Mädchen schlug im Fallen mit dem 
fiinterkopfe auf eine mit Eisen beschlagene Treppe auf und bekam 
dadurch eine Gehirnerschütterung mit Krämpfen usw. Einige Wochen 
später begannen die Fingernägel sich einzuspalten und schließlich ab¬ 
zugehen. Die Nägel sind jetzt, nach 5 Jahren, noch nicht wieder 
gewachsen. Das freiliegende Nagelbett hat an einzelnen Stellen den 
Versuch zu einer pathologischen Hornbildung gemacht. Einen ähn¬ 
lichen Fall, aber nach Erfrierung, hat BL bereits früher publiziert. 

James 0. Wentzel (Zittau). 

Anselm Lehle 9 Ein Fall von Raynaud scher Krankheit im 
Säuglingsalter. (Dissertation. München 1906.) Wegen der Selten¬ 
heit der Affektion in diesem Alter — Winckel, aus dessen Klinik 
die Arbeit hervorgegangen, hat nach der Angabe des Verf.s einen 
zweiten gleichen Fall nicht gesehen — möge die Geschichte derselben 
genauer wiedergegeben werden. Aus der Anamnese der 20 jährigen 
Mutter wie aus deren klinischem Untersuchungsbefund ergibt sich 
nirgends etwas, was auf eine überstandene luetische Erkrankung hin¬ 
deuten würde. Die Geburt, verlief spontan. Am Neugeborenen waren 
keine Symptome vorhanden, die als Ausdruck einer hereditären Sy¬ 
philis aufzufassen wären. Bereits am Abend der Geburt traten an 
dem Kind eigentümliche Erscheinungen auf. Auf beiden Wangen er¬ 
schienen umschriebene, rötliche kleinblasige Erhebungen; die Nase sah 
etwas blaß aus und fühlte sich kühl an, alsbald zeigte sie auch an der 
Spitze eine deutliche livide Verfärbung. An den oberen Extremitäten 
war eine stärkere, an den unteren ein leichtere ödematöse An¬ 
schwellung zu konstatieren. Am 16. Mai, am 2. Lebenstag, waren 
die Partien auf den Wangen intensiv rot gefärbt, setzen sich aus 
ganz kleinen Bläschen mit blutig-serösem Inhalt zusammen, Hände 
und Füße geschwollen. Die Nasenspitze hat sich kolbig verdickt und 
schon eine blau-schwarze Verfärbung von fast gangränösem Aussehen 
angenommen. Der Nagel des kleinen Fingers der rechten Hand, so¬ 
wie der des Mittelfingers links sind livid verfärbt. Keine Abhebung 
der Epidermis an den Händen. Temperatur 37, Puls 110, keine auf¬ 
fallende Erscheinungen am Herzen. Am 3. Tag Eruption an den 
Wangen niedriger und blasser, an beiden Knien ganz ähnlich gerötete 
Partien, zum Teil isolierte, zum Teil diffuse Bläschen darstellend; 
die Nasenspitze ist gangränös geworden. Die infolge einer von vorn¬ 
herein bestehenden Abneigung gegen die Mutterbrust nötig gewordene 
Flaschenernährung gelingt nur mangelhaft und am 4. Tag bleibt die 
Nahrungsaufnahme ganz gering. Die Erscheinungen an beiden Wangen 


Digitized by 


Google 



204 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


im Rückgang, einzelne Bläschen geplatzt, kleine Exkaviationen hinter¬ 
lassend. Die Nasenspitze ist tintenschwarz verfärbt, die eingetretene 
Gangrän durch eine scharfe Demarkationslinie abgegrenzt. Die öde- 
matöse Schwellung an den Händen ist ohne Änderung, die der Füße 
zurückgegangen. Am Abend hat sich an der Spitze des linken kleinen 
Fingers eine größere, an der des rechten eine kleinere Blase mit 
gelblichem Inhalt gebildet. Atmung leicht pfeifend, Kind unruhig. 
Die Nacht auf den 19. Mai, 5. Lebenstag, durch freier gewordene 
Atmung ruhiger. Nachlaß der Wangenrötung, die Bläschen an den 
Knien zum Teil ein getrocknet, die an den Wangen bilden einen 
kleinen Schorf. Die Blase an der Spitze des kleinen Fingers links 
noch größer, die an der Spitze des rechten etwas kleiner, der Inhalt 
der ersteren mehr gelb, derjenige der letzteren schwarzrot. 

Am 6. Tag kann die Gangrän der Nasenspitze als vollständig 
abgegrenzt betrachtet werden. An Stelle der Bläschen auf den 
Wangen zum Teil schwärzliche Schorfe, Schwellung der Hände und 
Füße gering, die Blasen an den beiden kleinen Fingern ohne Ver¬ 
änderung, die livide Verfärbung des Nagels des kleinen Fingers rechts 
und des Mittelfingers links besteht noch. Unter Zunahme der Lungen¬ 
erscheinungen am gleichen Tag Exitus letalis. Vom Sektionsbefund 
sei nur kurz erwähnt das Vorhandensein von Klappenhämatomen an 
der Tricuspidalis, Mitralis und — als Abnormität nach den Aus¬ 
führungen Fahrs — an der Pulmonalis; eine ätiologische Bedeutung 
kommt diesen Klappenhämatomen oder, wie sie Fahrs genannt 
wissen will, diesen Kapillarektasien der Herzklappen Neugeborener 
für die vorliegende Krankheit nicht zu, seitdem wir durch die Arbeit 
von Parrot und Fahrs wissen, daß es sich bei diesen Bildungen 
um vollkommen normale Vorgänge handelt. Von einer Erkrankung 
der Gefäße berichtet das Sektionsprotokoll nichts, insbesondere werden 
keine Anhaltspunkte mitgeteilt für eine luetische Erkrankung, für die 
Annahme einer Thrombosierung durch Infektionsträger im Anschluß 
an Infektionskrankheiten ebenfalls nicht. Der Nabelring erwies sich 
bei der Sektion aber intakt. Auch von einer Verengerung der Aorta, 
welche Raynaud in zwei Fällen beobachtete und für ein prädispo¬ 
nierendes Moment in Anspruch nimmt, ist im Sektionsbericht nichts 
erwähnt. Eine Analyse der Krankheitserscheinungen in dem L. sehen 
Falle an der Hand der klassischen Beschreibung Raynauds er¬ 
gibt im einzelnen folgendes: Plötzlicher Beginn, wahrscheinlich auch 
mit Schmerzen, und ein durch diese Stadien charakterisierter Krank¬ 
heitsverlauf: lokale Synkope — blasse, kühle Nasenspitze — im ganzen 
offenbar rasch vorübergegangen, vielleicht auch nicht fortgesetzt kon¬ 
trolliert, immerhin ein von anderen Autoren verbürgtes Vorkommnis; 
als zweites Stadium die lokale Asphyxie: die livide Nasenspitze macht 
alle Nuancen von Blau und Schwarz bis zum völligem Tintenschwarz 
durch, livide Verfärbung des Nagels des rechten kleinen Fingers und 
Mittelfingers; im dritten Stadium auf beiden Wangen, Knien und 
beiden kleinen Fingern mit sanguinolentem Inhalte gefüllte und alsbald 
zu schwärzlichen Schorfen austrocknende Blasen, eine Art oberfläch¬ 
liche Gangrän, deren eventuelles Tiefergreifen durch den Tod des 
Kindes überholt wurde. Und in schönster Weise ausgeprägt die für 


Digitized by 


Google 



II. Referate. ' 


205 


die Raynaudsche Krankheit so charakteristische, und von Raynaud 
selbst in einer Reihe von Fällen beobachtete Gangrän der Nasenspitze, 
und zwar die tiefe Form des Brandes, wie die Sektion zeigte. Die 
im Verlauf der Erkrankung aufgetretenen Ödeme der Arme und Beine 
sind ebenfalls in einer Anzahl von Fällen von symmetrischer Gan¬ 
grän beobachtete Erscheinungen. Möglich auch, daß die im Sektions¬ 
bericht erwähnten Eiterbläschen am Kopfe als Beginn des feuchten 
Brandes aufzufassen sind. Hierhergehörige Beobachtungen liegen von 
Raynaud und Weiß vor. Als diagnostisch vielleicht nicht ganz be¬ 
deutungslos bezeichnet L. den Größenurtferschied in der Blasenbildung 
an den Endphalangen der beiden kleinen Finger: der zuletzt be¬ 
fallene Teil ist der geringer befallene. Endlich ist das wichtigste Kri¬ 
terium der Krankheit, die Symmetrie der Erscheinungen, in ausge¬ 
zeichneter Weise vorhanden: an beiden Wangen ein gleicher Bezirk, 
an beiden Knien eine gangränöse Blasenbildung, an den Endphalangen 
der gleichnamigen Finger die oberflächliche Gangrän ebenfalls an der 
Blasenbildung, die Symmetrie in der lividen Verfärbung der Nägel 
angedeutet. 

Eine. Betrachtung des aufgeführten Symptomenkomplexes und 
seine Gegenüberstellung der von Raynaud und nach ihm von vielen 
anderen gegebenen Beschreibung dürfte wohl ohne Widerspruch zu 
•der Überzeugung führen* daß wir es in der Tat hier mit einem sicheren 
Fall von Raynaud scher Krankheit zu tun haben, bei dem die Frage 
nach der speziellen Urache allerdings, wie so häufig bei dieser Krank¬ 
heit, im Dunkeln bleibt, anders wie in dem von Schiff jüngst publi¬ 
zierten Fall. — Aber als eine schätzenswerte Beigabe der Arbeit darf 
die kolorierte Tafel gelten, die dem Leser eine anschauliche Vor¬ 
stellung des interessanten Falles vermittelt. Es ist der tiefschwarze, 
gangränöse Nasenstumpf, der auf der einen Abbildung besonders 
markant hervortritt. H. Netter (Pforzheim). 


B) Aus ausländischen Zeitschriften. 

Ad* Czerny, Der unerwartete Tod bei Infektionskrank¬ 
heiten der Kinder. (Die Heilkunde. April 1907.) Bei Kindern, 
welche unter dem Einflüsse einer Infektionskrankheit unerwartet unter 
Herzstillstand zugrunde gehen, legt C. Anomalien der Innervation 
der Gefäßnerven und vielleicht auch des Herzens die entscheidende 
Bedeutung bei. In seinen Fällen handelte es sich stets um Kinder 
aus Familien, in welchen Anomalien des Nervensystems bekannt waren, 
also hereditäre Belastung bestand. Es waren Kinder, welche schon 
vor Ausbruch der letal verlaufenden Krankheit als nervös galten, 
immer starke, zumeist fette oder sogar pastöse Kinder. In den Familien 
waren bereits überraschende Todesfälle, nicht nur bei Kindern, sondern 
auch bei Erwachsenen vorgekommen. Es kommen also zweifellos 
Anomalien der Herzinnervation in manchen Familien hereditär vor. 

Unter den psychopathischen Kindern kann man eine Gruppe 
herausgreifen, bei denen Anomalien der Herz- und Gefäßinnervation 
prävalieren. Die häufigste Form dieser Störungen ist die des jähen 
Farbenwechsels. Die Kinder zeigen bei der geringste (E^fgang die 

CentralbL f. Kinderhlkde. XII. 17 



206 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


lebhaftesten Gesichtsfarben. Der Farbenwechsel kann sich so rasch 
abspielen, daß man im Verlaufe einer Konsultation denselben mehr¬ 
mals beobachtet; wird das Kind durch die Untersuchung erregt, er¬ 
scheint es purpurrot, läßt man es in Ruhe, so blaßt es sofort ab. 
Wichtiger noch ist das verschiedene Verhalten der Gefäß- und Herz¬ 
innervation unter dem Eindrücke einer Überraschung, eines Schreckens. 
Die Beschaffenheit des Pulses und der Herzaktion kurz nach Ablauf 
der Reaktion weist deutliche Kontraste auf. In der Mehrzahl der 
Fälle Pulsbeschleunigung und nach anfänglicher Blässe rasch starkes 
Erröten. Bei der Minderzahl Bradykardie, manchmal sogar mit Irre¬ 
gularität des Pulses, und andauernde Blässe der Hautdecken. Diese 
letztere Gruppe ist die besonders gefährdete, denn zwischen einer 
schweren Bradykardie und einem Herzstillstand ist nur ein gradueller 
Unterschied. Tritt schon unter normalen Verhältnissen auf ein psy¬ 
chisches Trauma eine derartige Reaktion auf, so ist verständlich, daß, 
wenn durch eine Infektionskrankheit pathologische Zustände hinzu¬ 
treten, ernste Störungen der Zirkulation zu erwarten sind. Zweifel¬ 
los sind auch plötzliche Todesfälle anscheinend gesunder Kinder nur 
so zu erklären, daß unter dem Einflüsse einer unangenehmen Über¬ 
raschung Herzstillstand eintritt. 

Abgesehen von den Fällen, in welchen Nervenchok die Ätiologie 
der Innervationsstörung bildet, gibt es zahlreiche Beobachtungen über 
das Auftreten von Pulsirregularität und Tachykardie bei Kindern, bei * 
welchen weder vor, noch nach Ablauf dieser Erscheinungen irgend ein 
pathologischer Befund am Herzen oder den Gefäßen erhoben und die 
auslösende Ursache erkannt werden kann. Daß es sich auch dabei 
um Innervationsanomalien handelt, läßt sich schon daraus schließen, 
daß man sie bei Kindern aus nervösen Familien beobachtet und daß 
die Zirkulationsstörungen keine nennenswerte Rückwirkung auf den 
übrigen Organismus ausüben. Recht häufig wird Tachykardie und 
Pulsirregularität bei Kindern nach Ablauf von Infektionen festgestellt, 
was die Erfahrung bestätigt, daß sich diesd Innervationsanomalien, 
ebenso wie die auf anderen Organgebieten, dann einstellen, wenn eine 
Infektion das physiologische Gleichgewicht des Organismus gestört hat. 

Bei Kindern, bei welchen nach dem Einsetzen der Infektion sehr 
bald ein Versagen der Herzkraft eintritt, ist vielfach*zu dieser Zeit 
an ihrem Nervensystem nichts nachweisbar, was die Gefahr eines be- s 
vorstehenden Herztodes erkennen lassen könnte. Manchmal handelt 
es sich allerdings um aufgeregte, schlaflose, recht unruhige, weiner¬ 
liche Kinder; aber auch anscheinend ruhige erreicht manchmal das 
gleiche Schicksal. C. hatte wiederholt den Eindruck, daß die Vor¬ 
nahme einer neuen, das Kind überraschenden Prozedur, eine Rumpf¬ 
streckung, Seruminjektion, den Herzstillstand provozierte. Jeder 
therapeutische Eingriff ist eben ein Eingriff in das Seelenleben des 
Kindes, und man muß namentlich bei sensiblen Kindern damit recht 
auf der Hut sein. 


Bei fetten, pastösen Kindern wird besonders häufig jener Herz¬ 
tod beobachtet, und C. ist der Überzeugung, daß die Überernährung 
hier die wichtigste Rolle spielt. So sind bei Scharlachepidemien die 
stärksten Esser und diejenigen Kinder, welche dauernd einer Über- 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


207 


ernährung ausgesetzt waren, diejenigen, welche am ehesten der Er¬ 
krankung erliegen, und zwar oft schon in den Anfangsstadien. Zum 
Zustandekommen des Herztodes bei Infektionen müssen eben zwei 
Faktoren vorhanden sein. Anomalien des Nervensystems und Über¬ 
ernährung. Wo die erstere fehlt, bringt die zweite nicht die genannten 
Gefahren mit sich. Man sollte vom Säuglingsalter ab bis in die 
späteren Lebensjahre jede Überernährung der Kinder streng ver¬ 
meiden! Grätzer. 

T. Oshima, Zur Kasuistik der malignen Tumoren der 
Nierengegend im Kindesalter. (Aus der Kinderspitalabteilung 
der allgem. Poliklinik in Wien.) (Wiener klin. Wochenschrift. 1907. 
Nr. 4.) Außer den ,,embryonalen Mischgeschwülsten“ der Niere finden 
sich bei Kindern Tumoren der Nierengegend, die klinisch als maligne 
Nierentumoren imponieren, ihren Ausgangspunkt jedoch vielfach von 
der Umgebung (Nebenniere, perirenales Gewebe, retroperitoneale Drüsen) 
nehmen, die Niere in ihren Bereich ziehen, mit ihr verwachsen oder 
sie vielfach infiltrieren. Diese Tumoren zeigen nicht den charakteri¬ 
stischen Bau der embryonalen Mischgeschwülste, wachsen nicht so ex¬ 
zessiv rasch wie diese, greifen häufig auf die Umgebung über und 
zeigen eine auffallende Neigung zu Metastasenbildung. 

0. beschreibt nun 3 eigene Beobachtungen, Kinder zwischen l 3 / 4 
und 2V a Jahren betreffend. Es handelte sich um maligne Nierentumoren 
der letztgenannten Kategorie in Fall 2 und 3, während Fall 1 eine 
„embryonale Mischgeschwulst“ war. Im zweiten und dritten Falle lagen 
Sarkome mit multipler Metastasenbildung vor, die zu hochgradiger 
Kachexie führten; im zweiten Falle erschienen das linke Zwerchfell, 
die linke Pleura und das vordere Mediastinum vollständig von Meta¬ 
stasen bedeckt, im dritten Falle fanden sich multiple metastatische 
Knoten an der rechten Pleura diaphragmatica. 

Klinisch gemeinsam war allen 3 Fällen, daß außer dem Nach¬ 
weis einer retroperitoneal liegenden Geschwulst sonstige Symptome, 
die für das Bestehen eines Nierentumors Anhaltspunkte geben könnten, 
fehlten. Die Angabe lokalisierter Schmerzen war bei dem frühen 
Alter der Patienten nicht zu erwarten. Im Urin waren weder Albumen, 
noch Geschwulstzellen, noch Blut nachweisbar. 

Beim ersten Falle war bemerkenswert, daß zwei andere Mitglieder 
der Familie (Vater und Bruder der Mutter) ebenfalls an Neubildungen 
der Niere gelitten hatten, so daß man hier wohl an familiäre Anlage 
denken kann. 

Endlich ist noch der Blutbefund der beiden letzten Fälle hervor¬ 
zuheben. Es fand sich ausgesprochene Vermehrung der eosinophilen 
Zellen, im dritten Falle sogar bis zu 18°/ 0 sämtlicher Leukozyten, 
im Gegensatz zum ersten Falle, wo die Zahl der Eosinophilen durch¬ 
aus der Norm entsprach. Vielleicht hätte man also im Blutbilde 
einen differentialdiagnostischen Anhaltspunkt, um die kongenitalen 
Mischgeschwülste der Nieren von den echten Sarkomen zu unter¬ 
scheiden. Grätzer. 

R. Neurath, Über eine pathologische Kopfhaltung bei 
der infantilen Hemiplegie. (Wiener med. Presse. 1907. Nr. 16.) 

Digitized by ^OO^IC 



208 


Ccntralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


Seit langem fielen N. an hemiplegischen Kindern pathologische Einzel¬ 
heiten am Skelette und an der Haltung des Kopfes auf. An der 
Nervenabteilung des Kaiser Franz Joseph-Ambulatoriums konnte er 
an der Hand des großen Materials zunächst der abnormen Kopf¬ 
haltung der hemiplegischen Kinder genauer nachgehen. Es handelt 
sich um eine in der übergroßen Mehrzahl länger bestehender Hemi¬ 
plegien zu konstatierende Neigung des Kopfes nach der gelähmten 
Seite bei erhaltener Bewegungsfreiheit des Kopfes. Meist findet sich 
eine reine Neigung nach der Schulter der gelähmten Seite, manchmal 
ist auch eine leichte Drehung des Kopfes nach der gesunden Seite 
angedeutet. 

Die zerebrale Kinderlähmung führt sehr oft zu einer Wachstums¬ 
störung der betroffenen Seite. Eine solche Entwicklungsstörung wird, 
wenn sie auch die Gesichtshälfte, den Schultergürtel und die Hals¬ 
muskulatur betrifft, den Abstand des Kopfes von der hemiplegischen 
Schulter kleiner gestalten, als den auf der gesunden Seite. Dadurch 
wird eine vermehrte Neigung nach der kranken Seite zustande kommen. 
Gerade ein solcher ursächlicher Faktor könnte es erklären, daß die 
abnorme Kopfhaltung bei den Hemiplegien des Kindesalters, die ein 
wachsendes, daher in seiner Entwicklung nach zu hemmendes Skelett 
betreffen, so häufig sich findet, jedoch bei der Halbseitenlähmung der 
Erwachsenen — wie es scheint — nicht vorkommt. Da sich jedoch 
das geschilderte Symptom der pathologischen Kopfhaltung auch bei 
relativ frischen Hemiplegien findet, bei denen von einer Wachstums¬ 
störung noch nicht die Rede sein kann, so können wir nicht in der 
Entwicklungshemmung die primäre Ursache des Symptoms sehen. 
Diese scheint vielmehr in einer dem erhöhten Tonus der halbseitig 
betroffenen Extremitätenmuskulatur adäquaten Kontrakturstellung 
der tiefen Hals- und Nackenmuskeln zu liegen. Dafür spräche 
das frühe Erscheinen der pathologischen Kopfneigung in Fällen, io 
denen es frühzeitig zu Spasmen der hemiplegischen Seite kommt. 
Nach und nach dürfte eine Wachstumsstörung der regionären Partien 
die abnorme Kopfhaltung noch deutlicher gestalten. Orätzer. 


Relmann (Smichow), Meningitis cerebrospinalis-Heilung. 
(Prager med. Wochenschrift. 1907. Nr. 5.) Es handelt sich um einen 
schweren Fall von Meningitis unbekannter Ätiologie. Die Therapie 
bestand einfach aus Eisumschlägen auf Kopf und Nacken, Ein¬ 
reibungen von Ung. cinereum am Nacken, internen Herzmitteln (Di¬ 
gitalis und Koffein abwechselnd), nach Fieberabfall Jodnatrium. Der 
schwere Fall heilte ohne jegliche Folgeerscheinungen. Wäre die 
Lumbalpunktion gemacht worden, so hätte man sie als lebensrettend 
gepriesen! Gr Ätzer. 


Gy. Grdsz, Über die Sachssche Idiotia amaurotica fami¬ 
liär is. (Orvosi hetilap. 1906. Nr. 1.) Degenerativer Prozeß der 
Zellen des Zentralnervensystems, der im extrauterinen Leben sich 
entwickelt, ist wahrscheinlich die Ursache der Erkrankung. G. be¬ 
obachtete 7 typische Fälle, bei denen die charakteristische Verände¬ 
rung in der Gegend der Macula lutea vorhanden war. 

Ernö Deutsch (Budapest). 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


209 


Rachmaninov, MaligneNeubildungen der Niere bei Kindern. 
(Medicinskoje Obozrenije. 1906. Nr. 4.) Verf. berichtet über 6 eigene 
Fälle im Kinderspital in Moskau. Bei 3 Fällen konnte man, weil die 
Nebennieren gleichzeitig ergriffen waren, den Ursprung der Neu¬ 
bildung nicht genau bestimmen; in einem Fall war jedoch mit Sicher¬ 
heit, in zweien mit größter Wahrscheinlichkeit die Niere als primärer 
Sitz des Tumors zu konstatieren. 

In erster Reihe wendet sich Verf. gegen die Auffassung, als ob 
bei den malignen Neubildungen im Kindesalter in der Niere Krebs 
die vorherrschende Rolle spielen Würde, vielmehr haben die letzten 
Untersuchungen gezeigt, daß Sarkome und Mischgeschwülste bei weitem 
prävalieren. 

Der jüngste Kranke war über 1 Jahr, der älteste 5 Jahre alt. 
Die Dauer des Leidens variierte zwischen 1 und 6 Monaten. 

Bei der Untersuchung fühlte man in der Nierengegend eine 
harte, glatte Geschwulst, manchmal von höckeriger Oberfläche; die 
Dämpfung ging in die Leber- bzw. Milzdämpfung über. Aszites war 
in keinem Fall zu konstatieren, nur entsprechend dem Wachstum des 
Tumors Vergrößerung des Bauchumfanges. Bloß in einem Fall war 
Albumen im Harne vorhanden, in einem 2 mal sanguis, sonst war der 
Harn stets normal befunden. In allen Fällen trat bald ausgesprochene 
Kachexie zutage. 

Histologisch war in 5 Fällen der Charakter der Geschwulst als 
Mischgeschwulst anzusehen, und zwar als Adenosarkom und Adenomyo- 
sarkom, bloß ein Fall war ein Karzinom mit starker Gefäßentwicklung. 

Gabel (Lemberg). 

J. Le Gras, Troubles psychiques et forme mentale de la 
möningite tuberculeuse. (Thöse de Paris. 1906.) Der Verf. ist 
auf Grund eigener Beobachtung und verschiedener Veröffentlichungen 
in der Literatur zur Überzeugung gelangt, daß es tuberkulöse Menin¬ 
gitiden gibt, welche als Psychosen in Erscheinung treten und bei welchen 
die somatischen Erscheinungen entweder so unwesentlich sind, daß sie 
sich der Beobachtung entziehen, oder so spät auftreten, daß der Krant- 
heitsprozeß bereits weit vorgeschritten ist und der tödliche Ausgang 
unmittelbar bevorsteht. 

Es gibt derartige Patienten, bei welchen die psychische Störung 
sich als auditive und visuelle Halluzinationen kundgibt, bei welchen 
sich Delirien entwickeln und selbst furibunde Anfälle auftreten können. 
Bei anderen wieder besteht ein melancholischer Zustand mit hypo¬ 
chondrischen Delirien. Aus allen diesen Beobachtungen ist also das 
Aufstellen einer mentalen Form der tuberkulösen Meningitis gerecht¬ 
fertigt. E. To ff (Braila). 


F. Raymond (Paris), L’encöphalite aigue. (Archives de möd. 
des enfants. Novembre 1906. S. 641.) Gestützt auf eine Reihe von 
Krankheitsfällen, die der Verf. selbst beobachtet und untersucht hat, 
beschreibt derselbe die akute Encephalitis als eine entzündliche De¬ 
generation verschiedener Gehirnzentren, analog den entzündlichen 
Prozessen, welche im Rückenmarke auftreten und das Bild der akuten 
Myelitis darstellen. 

Digitized by vjOOQlC 



210 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


Die akute Encephalitis kann in jedem Lebensalter auftreten, und 
es ist nicht unmöglich, daß sie sich auch während des intrauterinen 
Lebens entwickelt. Die Ursache der Erkrankung scheint in einer 
Toxiinfektion zu liegen; Kinder sind der Erkrankung mehr aus¬ 
gesetzt, schon aus dem Grunde, weil ihr Nervensystem auf krankhafte 
Reize viel lebhafter reagiert, als dies beim Erwachsenen der Fall ist. 
Verschiedene Infektionskrankheiten spielen eine bedeutende Rolle in 
der Ätiologie dieser Krankheit, ebenso auch Autointoxikationen. 
Namentlich beim Kinde beobachtet man oft Fälle, die auf letztere 
Ätiologie schließen lassen, wie z. B. die akute Encephalitis, welche 
im Laufe von akuten Magendarmkrankheiten Auftritt. Einen spezi¬ 
fischen Mikroorganismus für diese Erkrankung kennt man nicht; 
bakteriologische Untersuchungen haben mitunter verschiedene Mi¬ 
kroben auffinden lassen, wie Pneumokokken, Influenzabazillen, Strepto¬ 
kokken, Tuberkelbazillen usw., ohne daß eine von denselben als 
spezifisch angesehen werden könnte. R. nimmt an, daß in den 
meisten Fällen diese Mikroben in die bereits entzündlich veränderten 
Herde gelangt sind, und daß letztere eine Folge der von den 
ersteren abgesonderten Toxine sind. Derartige auf Toxine be¬ 
ruhende Veränderungen des Encephalums sind auf experimentellem 
Wege von zahlreichen Forschern nachgewiesen worden, die Annahme, 
daß es sich auch bei den akuten Enzephalitis um ähnliche Einflüsse 
handelt, ist also vollauf gerechtfertigt. 

R. beschreibt des ^eiteren die pathologische Anatomie und 
Symptomatologie dieser Krankheit, indem er auch der Arbeiten 
deutscher Forscher und namentlich Strümpells in ausführlicher 
Weise gedenkt. Dieses alles sollte im Originale nachgelesen werden, 
da es sich zu kurzem Referate nicht eignet. E. To ff (Braila). 

Fouquet, Sur une forme rectiligne de spirochete pale. Sa 
signification. Son röle probable dans les lösions tertiaires. 
(Sociötö de biologie. Paris, söance du 9 Janvier 1907.) Der Verf. 
hat in dem Gewebe und den Blutgefäßen einer Nebenniere große 
Mengen gradliniger Spirochäten beobachtet und auch in anderen 
Fällen von tertiärer Lues diese Form gesehen. Er ist daher der 
Ansicht, daß es sich um eine Spätform der Spirochäte handle, während 
die spiralige eine Jugendform darstelle. Möglicherweise handelt es 
sich auch um eine Kadaverform. Zwischen diesen beiden Formen 
kann man auch verschiedene Zwischenformen beobachten. 


Mit Bezug auf die Bildung von Gummen spricht F. die An¬ 
sicht aus, daß es sich hierbei möglicherweise um Gefäßverstopfungen 
durch gradlinige Spirochäten handle. e. To ff (Braila). 


D61£arde und Petit, Ein, Fall von Meningitis gemischt¬ 
infektiösen Ursprungs. (L’Echo mödical du Nord. Mai 1906.) 
11 Monate altes Brustkind mit belangloser Familien- und Personal¬ 
anamnese. Schläfrigkeit, ungleiche Pupillen, Gesichtszucken vor 
8 Tagen. Kein Ohrenleiden. Bei der Aufnahme am 17. März 
Nackensteifigkeit, Strabismus, benommenes Sensorium, Zähneknirschen. 
Puls 100 und gleich der Respiration unregelmäßig. Abdomen ein¬ 
gezogen, aber keine allgemeine Gliederstarre. Kein Kernigsches 


Digitized by 


Google 



IL Referate. 


211 


Zeichen. Fontanelle prominent. Unter hohem Druck entleeren sich 
leicht 20 ccm Lumbalflüssigkeit, die klar, sehr reich an Lymphozyten, 
polynukleären Leukozyten und nach Gram sich färbenden Diplokokken 
ist. Bouillon und Gelatine blieben steril. Am nächsten Tag Opi¬ 
sthotonus, Puls 124. Starker Intentionstremor. Kein Erbrechen, 
ungestörte Nahrungsaufnahme. Lumbalpunktion am 19., 20. und 
21., Aussehen der Spinalflüssigkeit wie vorher, Lymphozyten: Poly¬ 
nukleären 88:12 bzw. 74:26. Exitus am 22. März. Autopsie: 
käsige Bronchopneumonie, die intra vitam keine Erscheinungen ge¬ 
macht hatte, Verkäsung der tracheo-bronchialen und mesenterialen 
Lymphdrüsen. An der Basis cerebri längs der Gehirnnervengefäße 
grüngelbes Exsudat, besonders an Chiasma, in der Fossa Sylvii 
Tuberkel, längs der Medulla spinalis purulentes Exsudat. Verff. 
führen das ausbleibende Wachstum des Diplococcus auf die epiduralen 
Injektionen von Jodkali zurück, die dessen Kultur vielleicht gehindert 
haben, sie halten denselben für identisch mit dem Weichselbaum- 
schen Diplococcus und sind der Ansicht, daß das Kind einer doppelten 
Infektion erlegen ist, für deren Vorkommen einige Belege aus der 
französischen Literatur vorliegen. H. Netter (Pforzheim). 


Gr. Muls, Die Chlorretention bei der akuten Nephritis 
der Kinder. (La Clinique. 23. Juni 1906.) 1. 5 jähriger Knabe mit 
akuter pestskarlatinöser Nephritis, tritt in das Hospital mit Albuinen, 
Zylindern und roten Blutkörperchen im Harn ein. Salzretention mit 
Oligurie. Nach Einleitung eines salzfreien Regimes Polyurie und 
Polychlorurie, Verringerung des Albumen, Gewichtsabnahme. 

2. 3 jähr. Knabe mit Anasarka infolge akuter Erkältungsnephritis, 
Salzretention; dann Polyurie mit Polychlorurie. Abnahme des Ei¬ 
weißes und des Gewichts. 

3. 14 jähriger Knabe mit Oedema faciei bei akuter NephVitis a 
frigore. Keine Zylinder, keine Salzretention. Auf Milchregime Poly¬ 
urie und Polychlorurie. Verringerung des Eiweißgehaltes mit dem 
Gewichtsverlust. 

4. 10jähr. Knabe mit subakuter Nephritis, Anasarka, hyalinen 
Zylindern usw. 

Bei den Kindern mit akuter Nephritis gibt es eine initiale Phase 
der Chlorretention mit korrelativem Odem. Unter dem Einfluß eines 
salzfreien Regimes stellt sich die Durchgängigkeit der Nieren wieder 
her und es kommt zur Polyurie und Polychlorurie. Da das Salz bei 
der Entstehung der nephritischen Ödeme eine evidente Rolle spielt, 
muß dessen Resorption durch ein Milchregime, ein dechloriertes Re- 
Regime beschränkt werden. Das befolgte Regime war bald das 
erstere (1,50 g Salz pro Liter), bald ein salzfreies Regime, bestehend 
aus 1200 g Milch, 200 g salzfreies Brot, 100 g salzfreies gebratenes 
Fleisch, 100 g gesottener Kartoffeln ohne Salz, ein weichgesottenes 
Ei. Das salzhaltige Regime kann erst wieder ertragen werden, wenn 
die Durchgängigkeit der Nieren für die Chloride wiederhergestellt ist. 

H. Netter (Pforzheim). 


Pierre Teissier (Paris), L’urömie chez les tuberculeux. 
(La presse mödicale. 1906. Nr. 95. S. 769.) Die Tuberkulösen, und 


Digitized by 


Google 



212 


Centralblatt für Kinderheilkunde No. 6. 


namentlich jene mit chronischer Lungentuberkulose, haben oft Nieren¬ 
affektionen verschiedenen Grades, welche, im weiteren Verlaufe, zu 
urämischen Erscheinungen Veranlassung geben können. Dieselben 
können gastro-intestinaler, respiratorischer oder zerebraler Natur sein, 
wie dies auch bei gewöhnlicher Urämie beobachtet werden kann. 

Die Ursache dieser Erscheinungen liegt darin, daß durch die 
tuberkulöse Läsion einerseits und durch die Nierenerkrankung anderer¬ 
seits eine langsame, progressive und komplexe Vergiftung des Ge¬ 
samtorganismus zustande kommt, welche sich durch urämische, eine 
eigene Symptomatologie und einen eigenen Verlauf zeigende Erschei¬ 
nungen kundgibt. Diese Urämie hat einen chronischen Verlauf, und 
der einmal angenommene Charakter bleibt von Anfang bis zu Ende 
unverändert, gleichviel um welche Form der Krankheit es sich handelt 
Eklamptische oder epileptische Formen kommen aber nicht zur Be¬ 
obachtung, ob es sich nun um Erwachsene oder um Kinder handelt 

Die Diagnose der Urämie bei Tuberkulösen ist meist eine 
schwierige; es ist wichtig, die Untersuchung des Kranken in genauer 
Weise vorzunehmen, um nicht der Lungentuberkulose die dyspnoischen 
Erscheinungen, einer Darmtuberkulose die gastro-intestinale Urämie 
zuzuschieben, oder eine Meningitis anzunehmen, wenn es sich um 
Delirium oder Koma infolge von Niereninsuffizienz handelt. 

E. To ff (Braila). 

• 

Guyot, Infektiöse Mundbodenphlegmone, Angina Ludo- 
wici. (Journ. de möd. de Bordeaux. 7. Okt. 1906.) lOjähr. Knabe, 
seit mehreren Tagen fiebernd, adynamisch, steifer Hals, halbgeöffneter 
Mund, Salivation. Die Zunge erscheint vom Boden gehoben, die untere 
Fläche berührt den freien Rand f der Zähne; Regia subhyoidea im 
ganzen verdickt, hart, schmerzhaft, ohne Fluktuation. Die bakterio¬ 
logische Untersuchung des durch Inzision entleerten, spärlichen 
fötiden Eiters durch Sabrazes ergibt Streptokokken in langen Ketten 
und Fadenbakterien. Eintrittspforte der Infektionsträger nicht eruierbar. 

H. Netter (Pforzheim). 

J. G. Corkhill, Ein Fall von Meningitis basilaris posterior 
mit geringen zerebralen Symptomen. (Brit. med. Journ. 1906. 
Bd. I. 31. März.) 27 Monate altes gesundes Kind, erkrankt am 
20. Januar unter plötzlichem Erbrechen, Fieber, 60 Resp., 160 Pulsen. 
Verstopfung, trockener belegter Zunge. Am 23. und 24. sehr hohes 
Fieber. Am 1. Febr. 41, Strabismus. Konsilium mit Astby, keine 
sichere Diagnose. Nur am 8. Febr. geringe Retraktion des Kopfes. 
Am 10. Koma, ausgesprochene Nackensteifigkeit. Lumbalflüssigkeit 
trüb, auch an Polynukleären und Diplokokken. Am 11. Steifigkeit 
des rechten Armes und Beines, dann des Kiefers, am 12. Kontraktur 
links. Am 13. Erbrechen und Exitus in Konvulsionen. 

H. Netter (Pforzheim). 

R. Knox, Ein Fall von Aktinomykose der Wange mit 
Jodkali behandelt. (Lancet 1906. Bd. II. S. 1213.) Eröffnung des 
Abszesses bei dem 7 1 / a jähr. Mädchen von außen, worauf Jodkali 
innerlich in steigenden Dosen gegeben wurde. Darauf führt Vert 
die definitive Heilung zurück. H. Netter (Pforzheim.) 


Digitized by Google 



II. Referate. 


213 


J. Morrell und H. E. Wolf, Meningitis mit Diphtherie-, 
bazillen in der Cerebrospinalflüssigkeit. (Journ. of the ame- 
rican med. Assoc. 29. Dezember 1906.) Wegen der großen Seltenheit 
des Befundes von Löfflerbazillen in den nervösen Zentren sei der Fall 
kurz skizziert. Der 4 l / z Monate alte Knabe war im Cook County 
Hospital in Chicago wegen meningitischer Erscheinungen aufgenomriien 
worden. Die einige Stunden nach der Aufnahme vorgenommene Lum¬ 
balpunktion förderte 45 ccm einer trüben Flüssigkeit zutage, in der 
durch Kulturverfahren ein in seinen morphologischen, biologischen 
und kulturellen Verhalten dem Diphtheriebazillus sehr nahestehender 
Mikroorganismus nachgewiesen werden konntf. Eine 48 Stunden 
später ausgeführte Lumbalpunktion hatte das gleiche Ergebnis. Im 
Nasen* und Rachenschleim des Kindes, der daraufhin ebenfalls unter¬ 
sucht wurde, fand man neben Staphylokokken, Streptokokken und 
Pneumokokken einen den aus der Spinalflüssigkeit isolierten ganz 
ähnlichen Bazillus. 4 Tage nach der Aufnahme erhielt das Kind eine 
Seruminjektion. Gleichwohl starb das Kind. Die Autopsie ergab eine 
Miliartuberkulose mit Bronchopneumonie und eine tuberkulöse und 
exsudative Meningitip. Herz- und Milzblut, Peritoneal- und Perikar¬ 
dialflüssigkeit blieben steril, während die Kulturen aus der Meningeal- 
flüssigkeit und dem Exsudat an der Basis der rechten Hemisphäre 
den gleichen Mikroorganismus wie den intra vitam zweimal aus der 
Lumbalflüssigkeit gewonnenen ergaben. H. Netter (Pforzheim). 

R. Gillmore, Schleichende Nierenaffektionen bei kleinen 
Kindern. (Surgery, Gynecology and Obstetrics. November 1906.) 
Während die Tatsache von der Durchlässigkeit der Plazenta für die 
Toxine gewisser Infektionskrankheiten mütterlicher Provenienz keinem 
Zweifel unterliegt, sind unsere Kenntnisse über Nierenerkrankungen 
des Fötus im Gefolge ähnlicher Zustände bei der Mutter weniger be¬ 
stimmt. In dieser Hinsicht von G. angestellte Untersuchungen ver¬ 
dienen daher Beachtung. Eine Gravida mit renalem Anasarka gebar 
vorzeitig ein wenig mehr als 1,500 kg wiegendes Kind. Die Nieren 
des während der Geburt verstorbenen Kindes zeigten folgende Ver¬ 
änderungen: Die Zellen der Tubuli contorti unregelmäßig nach Form 
und Lage, die Mehrzahl ohne Kerne, da und dort Infiltrationen von 
embryonalen Zellen. Es handelte sich bei diesem Fötus um eine be¬ 
ginnende Nekrose des Drüsenepithels. In einem zweiten Fall von 
Nephritis der Mutter bot der nach dem 7. Monat tot zur Welt ge¬ 
kommene Fötus das Bild einer Nierenkongestion; das Epithel der 
Tubuli contorti war geschwellt und granuliert, die Kerne stellen¬ 
weise verschwunden und die Bowman sehen Kapseln erweitert, kurz 
das Bild akuter Nephritis. In Lungen, Leber und Herz die Zeichen 
der Hyperämie. In.einem dritten Falle handelt es sich um eine Frau 
mit nephritischen Ödemen, die etwa im 8. Monat mit zwei lebenden 
Kindern niederkam. Das erste mit einem Gewicht von 1,250 kg 
starb bald nach der Geburt an Konvulsionen. Das zweite mit einem 
Gewicht von 1,400 kg zeigte bald nach der Geburt Ödem der Hände 
und Füße. Am 2. Tag Tod an Konvulsionen. In beiden Fällen fand 
sich eine Nekrose des Nierenepithels, in der Leber fettige Degeneration, 
die übrigen Organe waren hyperämisch. Verf. hält es für ziemlich 


Digitized by 


Google 



214 


Ceutralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


sicher, daß die hier geschilderten Nierenläsionen der Neugeborenen 
aus der Schwangerschaft oder jedenfalls aus den letzten Tagen vor 
der Geburt herdatierten. Aus anderen Beobachtungen glaubt Verf. 
zeigen zu können, daß diese angeborenen Nierenläsionen Anlaß zu zeit¬ 
lich mit entfernten Zufällen geben können. Der erste Fall bezieht 
sich auf eine bei hochgradiger Albuminurie im 8. Monat mit .einem 
2,200 kg schweren Kind niedergekommene Frau. Die Mutter wurde 
wieder gesund und das Kind blieb am Leben. Verf. hatte Gelegen¬ 
heit den Urin dieses Kind im 4. Jahr zu untersuchen: derselbe ent¬ 
hielt Eiweiß, hyaline und granulierte Zylinder. Ein Zwillingspaar 
einer anderen, ebenfalls stark nierenleidenden, aber ziemlich zum nor¬ 
malen Termine entbundenen Frau zeigte wenige Stunden nach der 
Geburt Eiweiß, hyaline und granulierte Zylinder in großer Zahl im 
Urin. In einem letzten Fall war die Mutter einem eklamptischen An¬ 
fall post partum erlegen. Verf. hatte das Kind im 2. Lebensjahr zu 
untersuchen, das eine gewisse Anämie darbot. Im Urin jedoch fanden 
sich Eiweiß und Zylinder. Die 4 älteren Kinder der Familie, hatten 
dann und wann nur Eiweiß und Zylinder im Urin. Verf. gelangt nach 
diesen Beobachtungen zu dem Schluß, daß der ufigünstige Einfluß einer 
mütterlichen Nephritis auf die Niere des Kindes unbestreitbar ist in 
Gegenwart und in Zukunft. Daher ist auch aus diesem Grund eine 
Gravida, wenn sie an Albuminurie leidet, besonders sorgfältig zu 
überwachen und der Urin der Kinder wiederholt zu untersuchen. 

H. Netter (Pforzheim). 

Moncorvo, Beitrag zum Studium der Schaudinnschen Or¬ 
ganismen bei hereditärer Syphilis. (La Pediatria. 1906. Bd III.) 
In 2 Fällen von zweifelloser hereditärer Syphilis ergab die mikrosko¬ 
pische Untersuchung des Sekrets perianaler Geschwüre das Vorhanden¬ 
sein von Spirochäten, die mit den von Schaudinn beschriebenen 
durchaus identisch waren; niemals fanden sie sich bei anderen Haut¬ 
affektionen und in normalen Sekreten. F. 

Oluf Thomsen (Däne), Die Bedeutung der Röntgenunter¬ 
suchung für die Diagnose latenter angeborener Syphilis bei 
dem Neugeborenen. (Bibliothek for Läger. 1907. Heft 1 u. 2.) Der 
Verf. hat früher nachgewiesen, daß die für Syphilis charakteristische 
Nabelschnurentzündung viel häufiger als gewöhnlich angenommen vor¬ 
handen ist, nämlich in 3 / 4 aller Fälle (s. dieses Blatt i905 S. 479 
und 1906 S. 290 u. 292). AJs Supplement zur Nabelschnurunter¬ 
suchung hat der Verf. Röntgenphotographie der Epiphysengrenzen des 
neugeborenen Kindes vorgenommen; diese Untersuchung gibt Auf¬ 
klärung über alles, was man mit bloßen Augen an den auspräpa¬ 
rierten Knochen sehen kann. Im ganzen wurden 55 Kinder unter¬ 
sucht, 15 von diesen zeigten später Zeichen von Syphilis, obgleich 
sie bei der Geburt sich als nicht syphilitisch zeigten; bei. 7 von diesen 
15 wurde durch Röntgenuntersuchung Osteochondritis nachgewiesen. 
Die Nabelschnurentzündung war in 11 von den 15 Fällen vorhanden, 
nämlich in 6 von den 7 Fällen, in welchem das Röntgenbild Osteo¬ 
chondritis zeigte, und außerdem in 5 Fällen, in welchen die Knochen 
normal waren. Nur einmal wurde Osteochondritis trotz . normaler 
Nabelschnur gefunden. Die Untersuchung der Nabelschnur ist also 

Digitized by VjOO^IC 



III. Aus Vereinen und Versammlungen. 


215 


das wichtigste, die Röntgenuntersuchung des Kindes ein Supplement, 
welches speziell von Bedeutung wird, wenn es sich um ein 2—3 Tage 
altes Kind handelt, wo die Nachgeburt nicht herbeigeschafft werden kann. 

Adolph H. Meyer (Kopenhagen). 

J. Doimnguez Vcnegas, Behandlung der Noma mit Jod¬ 
injektionen. (El Liglo Mödico. 14. Juli 1906.) In einem schweren 
Nomafalle machte Verf. Injektionen von täglich l / 2 Spritze ( l / 2 ccm) 
einer Lösung von Jodtinktur 4,0 auf 30 g Wässer und Jodkali q. s. 
Er erzielte einen prompten Heilerfolg, hatte aber inzwischen keine Ge¬ 
legenheit, die'Methode an einem zweiten Falle zu untersuchen. 

M. Kaufmann.^ 


III. Aus Vereinen und Versammlungen. 

Gesellschaft für innere Medizin und Kinderheilkunde in Wien. 

Pädiatrische Sektion. 

Sitzung vom 14. März 1907. 

Dozent Hochsinger demonstriert ein 13 Monate altes Kind gesunder Eltern 
mit Tuberkulose des rechten Hodens. * Patient zeigte die ersten Zeichen der Erkran¬ 
kung im 4. Lebensmonate. Die Schwellung des rechten Hodens wuchs durch 
etwa 4 Wochen, blieb dann bis zum Ende des 1. Lebensjahres stationär, um dann 
neuerlich an Größe zuzunehmen. 

In Differentialdiagnose kommen bei diesem pflaumengroßen Tumor Sarkom, 
Syphilis und Tuberkulose. Der langsame, schmerzlose Verlauf, die Einseitigkeit 
der Erkrankung sprechen für Tuberkulose. Selten ist der frühzeitige Beginn der 
Erkrankung. 

Therapeutisch tritt H. für Kastration ein. Swoboda erwähnt in der Dis¬ 
kussion, daß Spontanheilungen Vorkommen. 

(H. demonstrierte in der nächstfolgenden Sitzung der Sektion den exstir- 
pierten Hoden, der kavernös zerfallen erschien.) 

Dozent Moser demonstriert die anatomischen Präparate zweier Fälle vön 
diffuser Hirnsklerose (9 und 12jähr. Kind). Die Gesamtdauer der Erkrankung be¬ 
trug in dem einen Fall 1, im anderen 2 Jahre. 

Als erstes Anzeichen der Erkrankung traten Intelligenzstörungen auf. Erst 
später kamen motorische Störungen in Form von allgemeiner Steifheit, ataktische 
Störungen hifizu. Die Sprache wurde immer unverständlicher, der Gesamteindruck 
der Erkrankten war zum Schluß der einer vollkommenen Verblödung bei allgemein 
spastischem Zustand der Muskulatur. Der Tod erfolgte an Pneumonie. 

In beiden Fällen bestanden diffuse sklerotische Veränderungen der hinteren 
Hälfte beider Großhirnhemisphäreh und Sklerose der Seitensfrätige des Rücken¬ 
markes. 

Zuppinger demonstriert einen 12jähr., Neurath einen 4‘/ 2 Jahre alten 
Knaben mit chronischem Gelenksrheumatismus. 

Der Fall Z. ist dadurch interessant, daß an den Veränderungen auch die 
Kicfergelenke beteiligt waren. D,ie Erkrankung begann unter Erscheinungen 
eines akuten Gelenkrheumatismus im Jahre 1899. Der fast 4 jährige Knabe 
Wurde nach 10 tägiger Spitalbehandlung entlassen. Zu Hause verschlechterte sich 
der Zustand allmählich im Laufe von 3 Jahren soweit, daß durch entzündliche 
Veränderungen der Hand, Knie, Sprung- und Wirbelgelenke Patient fast voll¬ 
kommen unbeweglich wurde. Die Nahrungsaufnahme war durch die Kiefersperre 
sehr erschwert. 

Ohne besondere Therapie besserte sich der Zustand wieder soweit, daß 
Patient wieder gehen konnte, nur die Kiefersperre besserte sich nicht. Patient 
wurde zur Beseitigung dieses Leidens äufgenommen. 

Therapeutisch wurden von Z. Fibrolysininjektionen verbunden mit passiven Ge¬ 
lenksübungen ahgewendet. Die Kiefersperre hat sich wesentlich gebessert. 

Digitized by V jOOQle 



216 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


Friedjung demonstriert ein 3 monatliches Brustkind mit kongenitalem Myx¬ 
ödem mit nur sehr gering entwickelter myxödematöser Beschaffenheit der Haut 
Das Kind sieht schwer atrophisch aus, wiegt 2570 g, es besteht Obstipation. Die 
Körpertemperatur ist subnormal. Die Stimme ist gröhlenti, das Gesicht ist typisch 
myxödematös, die Zunge ist groß. 

Das Ausbleiben der Hautveränderungen ^ürfte auf die Brusternährung zu¬ 
rückzuführen sein, welche die Zufuhr mütterlichen Schilddrüsensekrets ermöglicht. 

Swoboda zeigt einen Fall von Urticaria pigmentosa bei einem 5jähr. Mädchen. 
Die Erkrankung begann im Alter von 0 Monaten mit Urtikariaeruption: die 
Quaddeln schwanden unter Zurücklassung von kaffeebraunen Pigmentflecken. 

Spontan oder durch mechanische Heizung wiederholen sich solche Urtikaria¬ 
eruptionen fortwährend. 

Fried jung hält den angekündigten Vortrag „Ober den Einfluß der Säuglings¬ 
ernährung auf die körperliche Rüstigkeit des Erwachsenen“. Vortr. regt eine diesbezüg¬ 
liche Untersuchung an großem Materiale an und bringt einen kleinen Beitrag zu 
dieser Frage. Vortr. hielt bei 155 Turnern eines Vereins Umfrage über die Art 
ihrer Ernährung im Säuglingsalter. Es ergab sich, daß unter den guten Turnern 
bedeutend mehr Brustkinder mit langer Stilldauer zu finden waren als unter den 
schlechten. ' 

F. betont selbst alle Schwächen und Mängel des Untersuchungsmateriales 
und dessen Verwendung. Dem Vortr. war es darum zu tun, die Aufmerksamkeit 
weiterer Kreise auf diese wichtige Frage zu lenken. Er gibt der Überzeugung 
Ausdruck, daß die natürliche Ernährung sicherlich auch fiir das, spätere Alter 
eine große Bedeutung habe. B. Schick (Wien). 


Naturhistorisch-Medizinischer Verein Heidelberg. 

(Medizinische Sektion.) 

(Nach Münch, med. Wochenschr.) 
Sitzungvom 22. Januar 1907, 


L. Tobler: Spasmus nutans (Krankenvorstellung). M. H.! Der Knabe, den 
ich Ihnen hier vorstelle, ist 5 Jahre alt, Kind eines Tagelöhners aus Heidelberg. 
Er wurde vor einigen Tagen in die Klinik gebracht wegen einer recht seltenen 
Affektion, die bis in die erste Lebenszeit zurückgehen soll und in eigentümlichen, 
zwangsweisen Dreh- und Schüttelbewegungen des Kopfes besteht. Ein jüngerer 
Bruder des Patienten zeigt dieselben Erscheinungen in etwas anderer Ab¬ 
stufung. Interessant ist die Angabe der Mutter, daß sie selbst sowie 3 ihrer 
Geschwister als Kinder mit dem Kopfe schüttelten; das Symptom ging langsam 
„nach kräftigem Essen“ zurück. Aus der Vorgeschichte des Patientgbens erfahren 
wir, daß er mit 1 Jahr an Rachitis litt, letztes Jahr Diphtherie durchmachte; 
ferner leidet er an Bettnässen. Er soll sonst niemals schwer krank gewesen sein, 
sich gut entwickelt haben. 

Hieran zu zweifeln haben wir Veranlassung, wenn wir den Jungen be¬ 
trachten, der schlecht genährt, schwächlich und anämisch aussieht, und dessen 
körperliche und geistige Entwicklung auch bescheidenen Anforderungen nicht 
entspricht. An den Knochen Spuren leicht verlaufener Rachitis, die inneren Or¬ 
gane ohne pathologischen Befund. Die tiefen Reflexe sind etwas gesteigert. 

Der Kopf steht in natürlicher Haltung, ist allseitig frei beweglich. Während 
das Kind sich die neue Umgebung ansieht, treten zeitweise stärkere oder schwächere 
Schüttelbewegungen des Kopfes auf; sie werden in mäßig raschem Tempo, 2 bis 
8 pro Sekunde, und in geringer Amplitude ausgeführt, und sind vom Willen nicht 
beherrscht. Genaueres Zusehen ergibt, daß die Bewegungen weitaus am stärksten 
bei der Blickrichtung nach links und links unten auftreten und in dieser Haltung 
ununterbrochen andauern. Daß sie mit dem Blickrichten in engstem Zusammen¬ 
hänge stehen, geht aus ihrem vollständigen Verschwinden bei Kopfdrehungen auf 
akustischen Reiz bei verbundenen Augen hervor. Das Zubinden nur eines Auges 
hebt sie nicht auf, doch begleiten sie den Blick des rechten Auges stärker als den 
des linken. 

Die Bulbi sind allseitig ausgiebig beweglich, doch besteht ein geringerer 


Digitized by 


Google 



in. Aus Vereinen und Versammlungen. 


217 


Grad von konkomitierendem Strabismus convergens sinister. Beim Fixieren 
nach allen Bichtungen zeigt sich ein starker, unausgesetzter Nystagmus beider 
Augen, der bei fixiertem Kopf an Intensität zunimmt. Die brechenden 
Medien, der Augenhintergrund verhalten sich hormal, die Sehschärfe scheint, so¬ 
weit sie prüfbar ist, normal. Das Gehör ist gut, der Ohrenspiegelbefund normal; 
es besteht kein Schwindel beim Stehen und Gehen. Die Intelligenz ist in 
mäßigem Grade rückständig. ^ 

Für die Diagnose sind die engen Beziehungen zwischen den Zwangsbewegungen 
des Kopfes und dem Sehorgan maßgebend. Sie veranlassen,uns, den Fall in das 
Krankheitsbild des Spasmus nutans (rotatorius) (head-shaking) einzureihen. 

Der schon älteren Autoren altbekannte Symptomenkornplex hat durch die 
ausgezeichneten Untersuchungen von Raudnitz schärfere Umgrenzung und viel¬ 
fache Klärung erhalten. Raudnitz hat auf die Abhängigkeit der Kopf- und 
Augenbewegungen vom Blickrichten aufmerksam gemacht und hat die Erschei¬ 
nung als Reflexkrampf, hervorgerufen durch den Versuch der Fixation gedeutet. 
Die Kopfbewegungen kämen nach Raudnitzs Ansicht zustande durch eine Aus¬ 
breitung der Erregung von übermüdeten Ganglien einzelner Augenmuskeln auf 
funktionell benachbarte Gebiete. Die funktionellen Beziehungen zwischen Blick 
und Kopfbewegungen liegen auf der Hand, diejenigen zwischen ermüdender Fixa¬ 
tion und Nystagmus sind durch zahlreiche Analogien verständlich. (Nystagmus 
der Bergleute!) Die Voraussetzung der Ermüdung der Augenmuskeln ist eines¬ 
teils durch innere Verhältnisse (Schwäche, dynamische Verhältnisse der Augen¬ 
muskeln, Neigung zu Heterophorie) gegeben, teils durch äußere, ätiologische Mo¬ 
mente veranlaßt, deren Kenntnis wir ebenfalls den sorgfältigen Nachforschungen 
Raudnitz, verdanken. Raudnitz hat auf die Entstehung des Leidens bei 
Kindern hingewiesen, die, in dunkeln Zimmern aufwachsend, durch den Plat* 
ihres Bettchens gezwungen sind, um etwas zu sehen, in ermüdender Weise nach 
der dürftigen Lichtquelle zu blicken und ihre Spielsachen in dieser Richtung zu> 
fixieren. 

Über diesen ätiologischen Faktor bleiben wir im vorliegenden Fall im Un¬ 
klaren. Die Familie hat mehrfach Wohnung gewechselt, die gegenwärtige ist 
sehr düster, die früheren sollten es zum Teil gewesen sein. Über die Licht¬ 
verhältnisse in der entscheidenden Zeit der Krankheitsentstehung wissen wir 
nichts gewisses. 

Für differentialdiagnostische Erwägungen bleibt wenig Spielraum. Den 
Zwangsbewegungen fehlt der konvulsivische Charakter des Tic. Stereotypie und 
Automatie meist schwerer imbeziller Kinder zeigen die charakteristischen Be¬ 
ziehungen zum Sehorgan nicht. Eine Veranlassung zu kongenitalem Nystagmus 
ergibt die Untersuchung des Auges nicht. 

Sitzung vom 5. Februar 1907. 

L. Tob ler: über Magen Verdauung der Milch. Die allgemein geltende Auf¬ 
fassung verlegt auch für die Milch das Schwergewicht des Verdauungsvorganges 
in den Darm und betrachtet den Magen vorwi^end als Behälter, der die nur 
wenig vorbereitete Nahrung angemessen dosiert an den Darm weiterzugeben hätte. 
Untersuchungen des Mageninhaltes während der Verdauung getöteter Tiere, sowie 
des nach einer besonderen Methodik aus einer hoch sitzenden Duodenalfistel ge¬ 
wonnenen Verdauungsproduktes ergaben vollständig andere Resultate. Danach 
verläuft die Magenverdauung der Milch folgendermaßen: Nachdem innerhalb 
weniger Minuten die Labgerinnung eingetreten ist, wird in einer kürzeren ersten 
Verdauungsphase die Molke ausgetrieben, während der aus Kasein und Fett be¬ 
stehende Rest ein ziemlich kompaktes oder breiig-gallertiges Gerinnsel bildet, an 
dem sich der Verdauungsakt sukzessive vollzieht. Eine Durchmischung dieses 
Rückstandes mit dem Magensaft findet nicht Statt. Vielmehr sieht man nach Ver- 
futterung von mit Lackmus blau gefärbter Milch an Gefrierschnitten durch den 
abgebundenen Magen, daß der Ballen von der Schleimhautoberfläche her allseitig 
angedaut wird. Die verflüssigten Massen werden durch die Magenperistaltik rasch 
schubweise entfernt. Gerinnsel passieren in der Regel den Pylorus überhaupt 
nicht In diesem Verhalten liegt die Erklärung der uns bisher unverständlichen 
physiologischen Bedeutung des Labprozesses. Er ermöglicht dem Magensaft, 
dessen Absonderungskurve entgegen dem Verhalten bei Fleisch- und Brotnahrung 
erst in die 2. und 3. Stunde fällt, konzentriert auf sein Objekt einzuwirken. 

Digitized by VjOO^IC 



218 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


Die widersprechenden Resultate, die Ausheberungen des Mageninhaltes liefern, 
erklären sich daraus, daß die Voraussetzung derselben, die gleichmäßige Durch¬ 
mischung des Mageninhaltes, nicht besteht und daß es außerdem — wie sich an 
Röntgcnbildern kontrollieren läßt —* fast nie gelingt, den Magen quantitativ aus¬ 
zuhebern oder sogar auszuspülen. 

Verfüttert man zunächst ein größeres Quantum gefärbter Milch und hernach 
in kurzen Pausen während meiner Reihe von Stunden kleine, ungefärbte Portionen, 
so findet man dje erstgereichte Portion von der Magenwand abgedrängt und von 
den späteren Portionen schichtweise umgeben; so gelangt die letztverabfolgte 
Menge zuerst zur Verarbeitung, während sich in der älteren Nahrung Zersetzungs¬ 
vorgänge abspielen können.. 

Diskussion: Cohnheim, Magnus, Tobler. 

Bogen: Experimentelle Untersuchungen Uber psychische und assoziative Magen- 
saftsekretion beim Menschen. Die Versuche wurden an einem 3 l / s Jahre alten Kinde 
gemacht, das an einer Ösophagusstenose infolge Laugen Verätzung leidet, durch 
eine Magenfistel ernährt wird. Bei den Experimenten über psychische Magen¬ 
saftsekretion wurde von Scheinfiitterungsversuchen ausgegangen, dann zu solchen 
fortgeschritten, bei denen das Kind durch Vorhalten des Fleisches (oder Milch) 
gereizt wurde. Jedesmal erfolgte die Sekretion von Magensaft. Es gelang dann 
auch, eine noch reinere psychische Absonderung hervorzurufen, eine Magensekre¬ 
tion auf bloße Vorstellung des Fleisches hin, die in dem Kranken nur durch die 
entsprechende Unterhaltung e'rweckt wurde. 

Die Experimente über assoziative Magensaftabscheidung wurden veranlaßt 
durch Versuche in Pawlows Laboratorium über assoziative Speichelsekretion an 
Hunden mit chronischen Speichelfisteln. Sie beruhen auf dem Grundgedanken, 
daß es nach einer Reihe kombinierter Reizungen gelingen müsse, durch einen 
inadäquaten Reiz allein, — also auf assoziativem Wege — Magensaftabsonde- 
rufig hervorzurufen! Die Versuche begannen damit, daß zuerst lange Zeit ein 
natürlicher Erreger der Magensaftsekretion mit einem künstlichen kombiniert 
wurde: das Kind wurde scheingefüttert, während gleichzeitig stets ein bestimmter 
Ton auf einer kleinen Trompete geblasen wurde. Weitere Kombinationen waren 
dann das Vorhalten des Fleisches bei gleichzeitigem Blasen, ferner das Anreizen 
mit Worten und mit dem akustischen Reiz des Blasens. Fast alle Versuche fielen 
positiv aus und schließlich waren unter 9 Versuchen, in denen nur die Trompete 
angewandt wurde, 6 von einem positiven, 3 von einem negativen Resultat be¬ 
gleitet. 

Die Latenzzeit wurde für Fleisch im Gesamtdurchschnitt zu 4 8 / 4 Minute, für 
Milch von 9 Min. gefunden; der HCl-Gehalt durchschnittlich zu 0,2°/ a (so gering 
wegen ziemlich viel alkal. Magenschleims), Sekretmenge und Sekretionsdauer waren 
von der Art des voraufgegangenen Reizes abhängig, die Gesamtazidität betrug 
durchschnittlich 88,5. 

Kray er: Kurze Mitteilung zur Bakteriologie der epidemischen Zerebrospinalmenin- 
gitis. Untersuchungen an drei an Genickstarre erkrankten Kindern über die Persi¬ 
stenz des Meningococcus intracellularis in der Zerebrospinalflüssigkeit. Der. kultu¬ 
relle Nachweis gelang im Fall I noch am 55., im Fall II noch am 60., im Fall III 
sogar noch am 163. und 173. Krankheitstage. 

Für ein fast sicheres Wachstum auf Glyzerinagar schien es von wesentlicher 
Bedeutung, daß der Nährboden direkt aus der Punktionsnadel mit def Zerebro¬ 
spinalflüssigkeit in einer Menge von 6—17 Tropfen bespült wurde. Der Grund 
wird in der Anwesenheit genuinen menschlichen Eiweißes ähnlich wie beim 
Aszitesagar vermutet. 


Sitzung vom,26. Februar 1907. 

L. Tobler: Demonstration eines Falles von kongenitalen Kontrakturen der oberen 
Extremitäten. Patient ist das 5. Kind gesunder Eltern, rechtzeitig ohne besondere 
Schwierigkeit geboren, 8 Wochen alt. Die Affektion, derentwegen es in die Kinder¬ 
klinik Heidelberg gebracht wurde, wurde gleich nach der Geburt bemerkt. Den 
Eltern fiel eine eigentümliche gedrungene Haltung der Arme qnd eine vermin¬ 
derte Gebrauchsfähigkeit und Bewegungsfähigkeit derselben auf. * 

Das Kind wiegt 3320 g, ist dürftig entwickelt, leidet an einer subakuten 
Dyspepsie. 

Digitized by vjOOQlC 



IV. Therapeutische Notizen. 


219 


Die oberen Extremitäten befinden sich dauernd in einer für dieses Alter 
ganz besonders auffallenden Haltung: Die Arme sind adduziert und im Schulter- 
gelenk leicht einwärts rotiert, im Ellbogen stark gestreckt. Die Hände sind nahezu 
rechtwinklig volarwärts flektiert, in Flexion stehen auch die Finger, die Mittel¬ 
finger beiderseits etwas mehr als seine Nachbarn. Die Daumen sind stark ad¬ 
duziert und opponiert und im Metakarpophalangealgelenk leicht gebeugt; sie sind 
von der Dorsalseite her nicht sichtbar, kreuzen schräg die Handteller. 

Die ganzen Arme scheinen etwas atrophisch; besonders dürftig entwickelt 
ist die Muskulatur am Oberarm. Nirgends fühlt sich die Muskulatur kontrahiert 
spastisch an. Lähtnungen sind nicht nachweisbar; vielmehr werden die meisten 
Bewegungen aktiv spontan oder auf Reiz ausgeführt in den Grenzen, in denen sie 
nicht durch Widerstände behindert sind. Die elektrische Erregbarkeit ist erhalten. 
Das Wesen der Störung ergibt sich beim Versuch passiver Bewegungen, die in 
ausgedehnter Weise behindert sind: die Abduktion der Arme gelingt nur wenig, 
die Hebung nach vorn kaum bis zur Horizontalen. Noch stärker behindert ist 
die Beugung, im Ellenbogen; hier sind nur geringe Exkursionen möglich, bevor 
man auf einen starken, nicht überwindbaren Widerstand stößt. Die Klumphand¬ 
stellung und die Kontraktur der Finger läßt sich mit mäßiger Kraftanwendung 
überwinden, in besonders starker, federnder Kontraktur ist der Daumen fixiert. 
Pronation und Supination sind unbehindert. 

Der übrige Körper ist normal gebildet, insbesondere auch die unteren Ex¬ 
tremitäten. Das Skelett scheint überall, auch am Arm ohne Defekt zu sein.. Ner¬ 
vöse Störungen sind nicht nachweisbar, die geistige Entwicklung entspricht 
dem Alter. 

Es handelt sich um kongenitale Kontrakturen der oberen Extremitäten in fast 
allen Gelenken ohne Knochendefekte, wie sie als kongenitale Mißbildung in wenigen, 
seltenen Fällen beschrieben sind. 

Zur Erklärung des Zustandes sind wohl in Fällen wie dem hier mitgeteilten 
in erster Linie mechanische Momente während der fötalen Entwicklung heran¬ 
zuziehen. Der Zustand ist einer frühzeitig beginnenden, orthopädischen Behand¬ 
lung nicht unzugänglich. 



IV. Therapeutische Notizen. 

Das Original-Impfmesser mit Platin-Iridiumklinge nach Kreisarzt Dr. Lindenborn, 
angefertigt von L. Dröll, Frankfurt a. M., habe ich schon mehrfach in diesem 


Blatte lobend erwähnt. Es hat mir auch in der vorjährigen Impfsaison die besten 
Dienste geleistet, so daß ich auch für die diesjährige die Herren Kollegen auf 

Digitized by Google 







220 


Ccntralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


dies billige (Mk. 3,50), äußerst dauerhafte, sehr bequem zu handhabende Messer 
(in 5 Sek. sterilisiert und erkaltet!) aufmerksam machen möchte. Die Firma fertigt 
jetzt auch ein ebenso praktisches, recht empfehlenswertes Lymphgefäß mit auto¬ 
matisch schließendem Deckel, ganz aus Glas, an (Mk. 2). ln sehr einfacher 
Weise ist hier ein tadelloses Funktionieren gewährleistet. Der Deckel hat an zwei 
Seiten einen nach unten umgelegten Rand, um den ein dünner Gummifaden gelegt 
wird. Die rechte Hand, die die Impfnadel hält, schiebt mit der Ringfingerspitze 
den Deckel horizontal zurück, taucht ein und läßt den Deckel frei, der sofort durch 
den Gummifaden in seine, die Schale schließende Lage zurückkehrt Zur näheren 
Kenntnis die beifolgenden Abbildungen. Grätzer. 

Therapeutisches aus der pädiatrischen Praxis veröffentlicht Dr. R. Wohrizek 
aus H. Neumanns Kinderpoliklinik (Berlin), indem er über Erfahrungen mit 
einigen Nähr und Genußmitteln, internen und externen Präparaten berichtet. 
Sanatogen gab er bei größeren Kindern zur Bekämpfung der bei Skrofulöse 
häufigen Appetitlosigkeit und konnte mit 3—4 Teelöffeln pro die einen gewissen 
Erfolg erzielen. Recht nützlich erwies sich Sanatogen bei Säuglingen. Sonst ge¬ 
sunde Brustkinder, die ohne organischen Grund im Gewicht stehen blieben, 
nahmen mehrfach bei Verabreichung von 3 mal % Teelöffel im Tage während 
der nächsten Wochen rapide an Gewicht zu und tranken besser an der Brust. 
Ferner wurde Sanatogen häufig bei Kindern gegeben, denen wegen der Gefahr 
tetanoider Krämpfe für einige Zeit die Milch entzogen werden mußte. Der Er¬ 
satznahrung, die hauptsächlich aus Kohlehydraten mit etwas Öl oder Butter be¬ 
stand, wurde gern Sanatogen (3 mal täglich %—1 Teelöffel) zugefügt. Schließlich 
wurde Sanatogen Säuglingen mit chronischen Erkrankungen gereicht, was an¬ 
scheinend auf das Körpergewicht günstig einwirkte. Soxhlets Nährzucker 
ist ein guter Ersatz für Rohr- oder Milchzucker und kann der verdauenden 
Schleimsuppe in einer Menge bis zu 10% zugefügt werden. Bei akuten Darm- 
Störungen kann man bald nach ihrem Abklingen Schleim mit 5%, dann mit 10 % 
Nährzucker geben. Bei Kindern, welche die Milch nicht vertragen, kanji man 
oft mit großem Nutzen unter Verminderung der Milch die Nährzuckerschleimsuppe 
hinzufügen und hierdurch der Nahrung einen genügenden Nährwert geben. In der 
Milchküche der Säuglingsfürsorgestelle I wird für schwächliche Säuglinge gewöhn¬ 
lich die Nahrung durch eine Mischung aus Milchy Sehleimsuppe und 3 % Mehl, 8% 
Rohrzucker und 30°/ o iger Nährzuckerlösung im geeigneen Mengenverhältnis her- 
gestellt. Den Nährzucker ohne Zusatz von Salzen verwandte W. jenseits des 
Säuglingsalters statt des Rohrzuckers bei allen Ernährungsstörungen und Dann¬ 
krankheiten, in denen reichliche Ernährung angezeigt ist, die eher stopfen soll. 
Er wird dem Tee, Kakao, den Breien, Obstsäften usw. z. B. % bei chronischen 
Darmkatarrhen zugesetzt. Buttermilchkonserven sind angezeigt, wo es an zu¬ 
verlässiger frischer Buttermilch fehlt und solche indiziert ist; mit der Biedert- 
Selterschen Konserve war W. immer zufrieden. Wormser Weinmost 
(Lampe&Co.) kann als völlig alkoholfreies Genußmittel Kindern, selbst Säug¬ 
lingen gegeben werden (tee- bis eßlöffelweise) vor jeder Mahlzeit', um den Appetit 
anzuregen und als leicht abführendes Mittel. Pegninmilch wirkte oft bei Er¬ 
brechen der Säuglinge zauberhaft. Auch bei Pylorospasmus gelegentlich schöne 
Erfolge, ebenso bei Dyspepsien stark unterernährter Flaschenkinder. — Bismu- 
tose wurde in Schüttelmixtur bis zu 1 g in 3 Stunden (Bismutose 10 , 0 , Mucil. 
Gumm. arab. 10,0, Aq. dest. 100,0) gut genommen und wirkte prompt bei sub¬ 
akuten und chronischen Darmstörungen der Flaschenkinder, auch bei Dyspepsien 
der Brustkinder. Ebenso Tannin, albuminat. (stündlich bis zu lg, 3—4 g 
pro die). Bei Pyelitis und Pyelonephritis der Säuglinge bewährte sich Uro¬ 
tropin (bis % g täglich, dann wochenlang in kleinen Dosen weiter). Forma* 
minttabletten eignen sich zur örtlichen Desinfektion bei Hals- und Mund¬ 
entzündungen; man kann-Kindern über 1 Jahr bis zu 12 Stück täglich geben. 
Purgen erwies sich als gutes Abführmittel, das nie unangenehme Begleiterschei¬ 
nungen machte. Thiocol bewährte sich bei akuten und chronischen Bronchial¬ 
katarrhen, ebenso bei subakuten und chronischen Pneumonien; bei Pneumonien 
mit hohem Fieber und starker Dyspnoe wurde erst Kampfer ordiniert, Thiocol 
erst nach Ablauf der schweren Erscheinungen. Digalen wurde in einigen Fällen 
(Herzfehler, Pneumonie) mit sichtlichem Erfolg verabreicht. — Von äußeren Medi¬ 
kamenten kam Vasenol bei Ekzemen zur Verwendung. Durch Einstäuben und 
sanftes Verreiben des Vasenolpuders mehrmals am Tage wurde in kurzer Zeit 

Digitized by VjOCK^IC 



III. Aus Vereinen und Versammlungen. 


221 


Trockenheit und Abblassung erzielt. Genügt diese Behandlung nicht, so versuche 
man Naftalan (1:2—3 Vaselin), das auch juckmildernd wirkt. Noch mehr tut 
dies Tumenol (5%ige Paste), das namentlich bei allen subakuten und chronischen 
Ekzemen, besonders aber beim Gesichtsekzem der Säuglinge rasch heilenden Ein¬ 
fluß ausübte. Euguformpulver leistete gegen die Schweiße der Rachitiker gute 
Dienste. (Die Therapie der Gegenwart, März 1907.) 

Bromural, ein neues Nervinum (Knoll & Co., Ludwigshafen), a-Bromisovale- 
rianianylharnstoff, wandte Dr. Th. Runck (Mundenheim) mit bestem Erfolge 
auch in der Kinderpraxis an. Das Präparat ist frei von narkotischer Wirkung, es 
schafft aber rasch Beruhigung und Schlaf. Es fiel auf, daß Kinder und Säuglinge 
von eingen Wochen verhältnismäßig große Dosen vertrugen, ohne die geringste 
Störung von seiten des Magens oder der Ausscheidungsorgane zu zeigen. Auf¬ 
fallend war auch die oft überraschende Wirkung, wenn es galt, einer schweren 
Unruhe — Krämpfen — selbst Eklampsie zu steuern, besonders wenn zuvor alle 
Hilfsmittel versagt hatten und man sich scheute, zu einem Narkotikum, zu greifen. 
Säuglinge erhielten 2—3 mal täglich 1 / 4 —% Tablette (ä 0,3), Kinder von 4 Jahren 
an schon 1 Tablette auf einmal. Ein 14 Monate altes Kind bekam von der Mutter 
statt 1 / 8 Tablette eine ganze, ohne irgendeinen Schaden zu nehmen. Auch wo 
der Schlaf durch Husten, Spasmus glottidis, Fieber, Dyspepsie u. dgl. gestört 
wurde, brachte Bromural Beruhigung und Schlaf. 

fr flMk, (Münch, med. Wochenschrift. 1907. Nr. 15.) 

Die Bedeutung der Protargolsalbe fUr die Narbenbildung würdigt Dr. R. Müller 
(Elberfeld). Protargol regt mächtig die Epithelregeneration an. M. hat eine 
Reihe von Fälle behandelt, bei denen so große Epitheldefekte Vorlagen, daß deren 
Heilung ohne Transplantation völlig aussichtslos schien, die jedoch ohne Opera¬ 
tion, nur unter Protargolsalbenverbänden glatt heilten. Wo es sich darum handelt, 
oberflächliche Epitheldefekte zur Heilung zu bringen, da wirkt Protargolsalbe 
geradezu spezifisch. Bei flachen Hautabschürfungen, auch ganz großen Haut¬ 
abschälungen bewährte sie sich ausgezeichnet, ebenso bei Verbrennungen, wenn 
sie nach Abstoßung der Schorfe appliziert wurde. Ein öVajähr. Kind verbrühte 
sich schwer das ganze linke Bein, so daß die Haut überall in Fetzen herabhing; 
Behandlung mit 5°/ 0 iger, später 10% iger Protargolsalbe ergab ein glänzendes 
Resultat nach 4 Wochen. Gleicher Effekt bei einer Verätzung des ganzen Ge¬ 
sichts und Halses durch konzentrierte Schwefelsäure bei einem Arbeiter. Die 
Salbe muß freilich sorgfältig hergestellt werden nach der Formel: 

Rp. Protargol. 3,0 solv. in 

Aq. dest. frig. 5,0 misc. c. 

Lanolin, anhydr. 12,0 ad de 
Vaselin, flav. 10,0. 

Sie wird allmählich bräunlich, aber dies Nachdunkeln hat nichts zu bedeuten. 

(Berliner klin. Wochenschrift. 1907. Nr. 11.) 

Einen Beitrag zur Anwendung des Wismuts und der Bismutose bei Magendarmleiden 

liefert D. J. Kuck (Wiesbaden). Er weist darauf hin, wie sich die Bismutose 
(Kalle & Co., Biebrich) bei Ulcus ventriculi bewährt hat, wie günstig sie auf die 
entzündete und ulzerierte Darmschleimhaut einwirkt, wie sie speziell bei Darm¬ 
geschwüren und Blutungen bei Typhus, bei tuberkulösen Durchfällen günstigen 
Einfluß entfaltet. Sehr bewährt hat sie sich bei den Störungen des kindlichen 
Magendarmkanals. Als geeignete Form der Verordnung für kleinere Kinder er¬ 
wies sich folgende Vorschrift: 

Rp. Bismutose 

Mucil. Gumm. arab. ää 30,0 

Aq. dest. ad. 200,0 

M. D. S. stündlich 1—2 Kaffeelöffel. 

Nach Nathan ist es am einfachsten und billigsten, die Tagesmenge (ca. 6 g) 
in 80 ccm einer dünnen Haferschleimmischung zu mengen und davon dem Säug¬ 
ling zweistündlich nach kräftigem Umschütteln der Flasche etwas angewärmt 1 Tee¬ 
löffel zu geben. Bei schwer dyspeptischen Kindern und bei solchen mit Enteritis 
acuta wurden zunächst die akuten Symptome bekämpft (Teediät, Darmirrigation, 
Ol. Ricini, auch kleine Kalomeldosen) und am 3. oder 4. Tage mit Bismutose- 
Centralblatt f. Kiodorhlkdo. XII. 18 



222 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 6. 


darreichung begonnen. Bei 2—öjähr. Kindern, die teilweise schon seit Wochen 
dünne Entleerungen hatten, wurde durch Bismutose (stündlich eine gehäufte 
Messerspitze) nach kurzer Zeit Besserung erreicht. (Mediz. Klinik. 1907. Nr. 10.) 


V. Monats-Chronik. 

Berlin. Durch Ministerialerlaß ist den Kuratorien der Fachschulen an¬ 
empfohlen, in geeigneter Form zu Beginn des Schuljahres durch den Schularzt auf 
die Gefahren des Geschlechtsverkehrs hin weisen zu lassen. 

— Das Kgl. Provinzial-Schulkollegium hat verfügt, daß bei jüngeren Schülern 
das Höchstgewicht der Schulmappen etwa den achten, bzw. den neunten Teil des 
Körpergewichts nicht überschreiten soll. Ferner sollen, um seitliche Rückgrat¬ 
verkrümmungen zu vermeiden, die Mappen auf den Rücken getragen werden. 
Auch ist für die größeren Schüler möglichst ausgiebige Beteiligung an Ruder¬ 
übungen zu empfehlen. 

— Der Deutsche Verein für Schulgesundheitspflege hat bei einer 
Reihe Kommunal Verwaltungen (Schöneberg, (Jharlottenburg, Wilmersdorf) bean¬ 
tragt, Schulärzte auch an den höheren Lehranstalten, insbesondere auch an den Mädchen¬ 
schulen, anzustellen. 

— Um Mittel zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit, der Tuberkulose und 
anderer Seuchen zu beschaffen, werden sogenannte Wohlfahrtsmarken mit dem Bilde 
der Kaiserin und der Prinzessin Viktoria Luise zum Preise von 5 Pf. ausgegeben. 

— ln der Generalversammlung des Vereins zur Errichtung eines Säuglingskranken- 
hauses am 20. April wurde über die vom Verein unterhaltenen beiden Kliniken 
(Invalidenstraße und Weißensee) berichtet. Ihr großer Zuspruch bat die Heran¬ 
ziehung einer Reihe von Spezialärzten (Dr. Stettiner, Chirurgie; Dr. Deus, 
Augenheilkunde; Privatdozent Dr. Haike, Ohrenkrankheiten; Dr. Sch ei er, 
Hals- und Nasenkrankheiten) erforderlich gemacht; auch ist ein eigener 
Schwesternverband für den Dienst in den Kliniken gegründet Die Gemeinde 
Weißensee unterstützt das Unternehmen, und Berlin überweist arme kranke 
Säuglinge dorthin. 

— Prof. Dr. Arthur Hartmann schied mit Übernahme der Leitung der 
Abteilung für Ohren-, Nasen- und Halskranke am Rudolf-Vircbow-Krankenhause 
am 1. April aus seiner Stellung in der Städtischen Schuldeputation aus. Zum Vor¬ 
sitzenden der Freien Vereinigung der Berliner Schulärzte wurde San.-Rat Dr. 
Paul Meyer, zum Ehrenvorsitzenden Prof. Hartmann gewählt. 

Freiburg. Prof. Dr. Hirsch (Leipzig) hat den Ruf als o. Professor und 
Direktor der medizinischen Poliklinik und des Hilda-Kinderhospitals angenommen. 

Jena. Als Nachfolger von Prof. Dr. Dietrich Gerhardt wurde Prof. 
Dr. med. Paul Krause, Privatdozent und Oberarzt an der medizinischen Poli¬ 
klinik in Jena betraut und ihm zugleich das Extraordinariat für innere Medizin 
verbunden mit einem Lehrauftrag für Kinderkrankheiten übertragen. 

Erlangen. Der a. o. Professor an der Universität Marburg Dr. Oskar 
de la Camp wurde zum o. Professor der medizinischen Poliklinik, der Kinder¬ 
heilkunde und der Pharmakologie in der medizinischen Fakultät der Universität 
Erlangen sowie zum Direktor des Pharmakologisch-Poliklinischen Instituts und der 
Kinderklinik der Universität Erlangen ernannt. 

Düsseldorf. Orthopädische Turnkurse sollen für die städtischen Mädchen¬ 
schulen unentgeltlich eingerichtet werden. 

Dresden. Dr. Riet sc hei, Oberarzt an der Berliner Universitätskinder¬ 
klinik, ist zum Leiter des Säuglingsheims gewählt. 

Christiania. Die Gesellschaft der Wissenschaften ernannte Prof. Heubner 
(Berlin) zum auswärtigen Mitglied. 

Gestorben: Dr. Hut zier, leitender Arzt des Gisela-Kinderspitals in 
München. Derselbe hat einige Zeit auch für unser Blatt referiert. — WirkL 
Geh.-Rat Dr. Hirsch in St. Petersburg. 


Verantwortlicher Redakteur: Dr. Eugen Graetzer in Friedenau-Berlin. — Verlag von Johann 
Ambrosius Barth in Leipzig. — Druck von Metzger & Wittig in Leipzig. 

Digitized by Google 







Central blatt für 

Kinderheilkunde. 

Eine Monatsschrift für praktische Arzte. 
XII. Jahrgang. 1. Juli 1907. No. 7. 


I. Originalbeiträge. 

Ein diagnostisch interessanter Fall. 1 ) 

Von 

J. Trumpp (München). * 

Im November 1906 wurde ich zu einem Fall gerufen, dessen Dia¬ 
gnose mir lange Zeit erhebliche Schwierigkeiten machte. Es handelte 
sich um ein 2—3 Wochen zu früh geborenes Kind mit einem Anfangs¬ 
gewicht von ca. 5 Pfund, das zur Zeit meines ersten Besuches gerade 
4 Wochen alt war. Erstes Kind angeblich gesunder, erst 1 Jahr lang 
verheirateter Eltern. Tuberkulose, Lues, hämorrhagische Diäthese in 
der ganzen Aszendenz negiert. Wegen Wehenschwäche der Mutter 
und Herzschwäche des Kindes war von dem Geburtshelfer die Zange 
angewendet worden. In den ersten 3 Wochen hatte das Kind die 
spärlich fließende Mutterbrust, dann auf Anraten des Geburtshelfers 
Zwiemilchnahrung erhalten. Einen Tag vor meinem ersten Besuch 
war die Brust völlig versiegt, und erhielt das Kind in den folgenden 
Wochen nur künstliche Nahrung: Milch mit Schleim, kurze Zeit rohe 
Milch, später alkalisierte Buttermilch mit Schleim. Das Kind war in 
den ersten 4 Lebenswochen trotz eifriger Bemühungen der Mutter und 
des Arztes schlecht gediehen, auf seinem Anfangsgewicht stehen ge¬ 
blieben. Bei Brustnahrung hatte es 5—6 mal täglich dünnflüssigen 
Stuhl, bei Zwiemilchnahrung Verstopfung und Blähungen. 

Das plötzliche völlige Versiegen der Brust erklärt die Mutter 
mit einer heftigen Gemütsbewegung. Sie hatte nämlich am Abend 
vor meinem Besuche den ersten halbstündigen Ausgang gewagt und 
danach das Kind jämmerlich weinend angetroffen. Sie vermutete, daß 
die etwas derbe unbeholfene Magd das Kind verletzt habe, konnte 
aber keine Aufklärung erhalten und beruhigte sich wieder, da das 
Kind bald einschlief und sich die ganze Nacht über ruhig verhielt. 
Am andern Morgen beim Umlegen des Kindes bemerkt sie, daß dessen 
linker Oberschenkel geschwollen war und blaue Flecke wie von Schlägen 
aufwies. 

Ich erhob am 18. November 1906 folgenden Befund: Graziles, 
für sein Alter zu kleines Kind mit blasser, aber reiner Haut und 
blassen Schleimhäuten, schlechtem Turgor, etwas aufgetriebenem und 

*) Nach einem Vortrag in der Münchner Gesellschaft für Kinderheilkunde 
am 15. Februar 1907. 

Cuatralbl. f. Kinderhlkde. XII. 19 t 

Digitized by 






224 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


mäßig gespanntem Bauch, gut verheiltem Nabel. Keine Rhagaden an 
Mund und After, keine Koryza, keine Schwellung von Milz und Leber. 
Brustorgane ohne Befund. Inguinal- und Axillardrüsen stecknadel- 
kopf- bis linsengroß. 

Die Arme und das rechte Bein führen normale Bewegungen aus; 
das linke Bein verharrt in Ruhe, nur der Fuß weicht auf Kneipen 
des Unterschenkels und Kitzeln der Fußsohle dorsalwärts leicht zu¬ 
rück. Linker Ober- und Unterschenkel sind flektiert, der Unter¬ 
schenkel liegt dem Oberschenkel auf. Der Versuch passiver Streckung 
mißlingt, stößt auf Widerstand und löst heftiges Geschrei aus. Der 
Oberschenkel ist auf der Beugeseite stark geschwollen und zwar so 
vorgewölbt, daß man beim bloßen Anblick glauben könnte, eine Fraktur 
des Femur mit stark ad axin dislozierten Bruchenden vor sich zu 
haben. Die Haut ist über der Mitte der Geschwulst blaß, in deren 
Peripherie so reichlich mit unregelmäßig gruppierten, stellenweise 
konfluierenden injizierten Gefäßen durchsetzt, daß von weitem der 
Anschein subkutaner Blutung erweckt wird. Die Palpation ergibt, 
daß weder Krümmung noch Knickung, noch Bruch des Femur vor¬ 
liegt, sondern ein der oberen Diaphysenhälfte ziemlich fest aufsitzender, 
praller, sehr schmerzhafter Tumor. Die Haut ist darüber nur wenig 
verschieblich. Linker Unterschenkel und Fuß sind in toto etwas ge¬ 
schwollen. 

Der Hausarzt und ich sind ziemlich fest davon überzeugt, daß 
ein Trauma mit konsekutiver freiwilliger Lähmung vorliegt; da wird 
am Abend desselben Tages das Auftreten einer ähnlichen Affektion 
am linken Vorderarm konstatiert. Der Arm, der noch am Morgen 
keinerlei auffallende Veränderung gezeigt hatte, wird nicht mehr nach 
Säuglingsart in der Höhe des Kopfes gehalten, sondern in Beuge¬ 
stellung zur Brust gesenkt, und an diese angepreßt. Der Vorderarm 
ist proniert, in toto, besonders aber an der Ellbogenepiphyse ge¬ 
schwollen und sehr schmerzempfindlich. Die Haut über der Ge¬ 
schwulst unverändert. Die linke Hand hängt schlaff herab. Be¬ 
rührung des Vorderarmes und passive Bewegungen sind aber sehr 
schmerzhaft, Supination, Streckung und Abduktion nur in sehr ge¬ 
ringem Grade ausführbar; der Arm federt sofort in die alte Stellung 
zurück. Dabei führt das Kind mit dem rechten Arm und Bein Ab¬ 
wehrbewegungen aus, die lebhaft gegen die Unbeweglichkeit der 
ganzen linken Seite kontrastieren. 

Temperatur weder jetzt noch in der nächsten Folgezeit erhöht, 
Appetit ziemlich rege, Stuhl immer noch etwas angehalten. Häufiger 
Abgang von Flatus. Außer bei den Untersuchungen verhält sich das 
Kind völlig ruhig. 

Der Gedanke an ein Trauma wird fallen gelassen und die Möglich¬ 
keit von luetischen Knochen- bzw. Gelenksaffektionen erwogen. 

Andern Tages wird das Kind mit Röntgenstrahlen beleuchtet 
und eine Anzahl Aufnahmen der Extremitäten gemacht. Weder auf 
dem Schirm noch auf den Platten werden Anhaltspunkte für das Be¬ 
stehen einer krankhaften Veränderung der Knochen gefunden, insonder¬ 
heit weder periostale Auflagerungen noch Auftreibungen der Knochen¬ 
enden, keine Irregularität der Verkalkungszone. Die Knochen beider 


Digitized by 


Google 



I. Origmalbeitrftge. 


225 


Seiten erscheinen gleich. Die Platten sind allerdings nicht sehr scharf 
ausgefallen, was auf zufällig ungenügende Assistenz und die große 
Unruhe des beständig jammernden Kindes zurückzuführen ist. £ine 
nochmalige Aufnahme war aus verschiedenen äußeren Gründen bis¬ 
her nicht möglich. Die mangelhafte Schärfe der Röntgenaufnahmen 
gestattete demnach keine Präzisierung der Diagnose. Der einzig 
sichere Ausschluß gröberer Veränderungen sprach aber noch nicht 
gegen Lues, da die Erscheinungen luetischer Lähmungen, Parrot- 
scher Pseudoparalyse, auch bei isolierten luetischen Muskelentzün¬ 
dungen beobachtet werden. 

Für Lues sprach: das plötzliche Auftreten der Schwellungen, 
besonders auch die Lokalisation der einen Geschwulst in der Um¬ 
gebung des Ellbogengelenkes, ferner der für hereditäre Lues charakte¬ 
ristische Typus der Lähmung, paralytische Lähmung an der oberen, 
spastische Lähmung an der unteren Extremität. Der Arm zeigte die¬ 
jenige Haltung der Parrotschen Pseudoparalyse, die man als „Unter¬ 
armtypus“ zu bezeichnen pflegt, nämlich die Erscheinungen des 
Klumpkeschen Typus der unteren Plexuslähmung mit Ausnahme 
ausgebreiteter Sensibilitätsstörungen und okulo-pupillärer Symptome. 
Für Lues sprach weiter, daß das Kind eine Frühgeburt, von Hause 
aus anämisch und schlecht gediehen ist. Verdächtig ist auch die 
Anämie des Vaters. 

Gegen Lues sprach: das Fehlen jeglicher sonstigen Lues ver¬ 
dächtiger Symptome und der zweifelhafte Erfolg der eingeleiteten 
spezifischen Therapie (lokal wurden außerdem Fomente mit essig¬ 
saurer Tonerde und später Kamillenkataplasmen angewendet). Neben¬ 
bei mag bemerkt sein, daß der Vater eine Infektion aufs Bestimmteste 
in Abrede stellte, und auch der Geburtshelfer keine für die Diagnose 
Lues brauchbaren Anhaltspunkte hatte. Das Kind entwickelte sich 
weiterhin sehr schlecht, wurde appetitlos, magerte stark ab, zeigte 
fahle Hautfarbe und lebhafte Perspiratio sensibilis. Ich ließ deshalb, 
als ich am 12. Dezember 1906 das Kind zum erstenmal wieder zu 
Gesicht bekam und auf dringendes Ersuchen des bis dahin behan¬ 
delnden Frauenarztes dauernd übernahm, mit Rücksicht auf den be¬ 
drohlichen Zustand des Kindes und die immerhin zweifelhafte Dia¬ 
gnose die spezifische Behandlung aussetzen, trotzdem während der¬ 
selben eine lokale Besserung eingetreten war. (Daß diese Besserung 
nicht auf der Hg-Wirkung beruhte, scheint mir der weitere Verlauf 
zur Genüge erwiesen zu haben.) Die Geschwulst am Oberschenkel 
war bis auf eine undeutlich abgrenzbare, mäßig derbe Infiltration der 
Weichteile zurückgegangen, der linke Fuß wurde spontan bewegt, der 
Unterschenkel lag aber noch unbeweglich dem gleichfalls untätigen 
und noch stark flektierten Oberschenkel auf. Die Schmerzhaftigkeit 
war geringer geworden, doch wurde passiver Streckung des linken 
Beines noch deutlicher Widerstand entgegengesetzt. Die Hautgefä߬ 
injektion bestand noch ebenso stark fort. Der linke Arm zeigte noch 
größere Fortschritte zur Besserung. Er wurde wieder in normaler 
Weise in die Höhe gehalten, Ober- und Vorderarm sowie die Hand 
Ährten spontane, wenn auch noch gehemmte Bewegungen aus. Vom 
Tumor war nur eine mäßige, nicht mehr sehr schmerzempfindliche 

Digitized by GbWe 



220 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


Verdickung der Weichteile und Verbreiterung des Ellbogengelenkes 
zurückgeblieben. Bemerkenswert war die Stellung der Hand, welche 
die Form der main d’accoucheur angenommen hatte und hart¬ 
näckig festhielt. Eine Verstärkung de* Phänomens durch Kompression 
des' Brachialplexus war nicht zu erzielen, ebensowenig fanden sich 
sonstige Anzeichen nervöser Übererregbarkeit, Fazialisphänomen usw. 
Am 11. Dezember 1906 hatte sich plötzlich Hernia umbilicalis ent¬ 
wickelt, die in wenigen Tagen Zweimarkstückgröße erreichte. Am 
13. Dezember trat linksseitige Hernia inguinalis auf, mit starker Blau¬ 
färbung der Hautdecke. 

Während die verschiedenen Geschwülste auch ohne spezifische 
Behandlung sich allmählich weiter zurückbilden, und die Beweglich¬ 
keit der linksseitigen Extremitäten 
sehr langsame aber doch deutlich 
konstatierbare Fortschritte zeigt, 
tritt am 27. Dezember 1906 plötz¬ 
lich eine neue Geschwulst auf, 
und zwar diesmal auf der Streck¬ 
seite der linken Oberschenkeldia- 
physe. In 24 Stunden nimmt sie 
dermaßen zu, daß sie die ganze 
Streckseite des. Oberschenkels bis 
über das Tuber ischii einnimmt, 
und der linke Oberschenkel fast 
doppelt so großen Umfang erreicht 
wie der rechte Oberschenkel. 
Maße: 

Rechter Oberschenkel 14,3 
Linker „ 25,0 

Rechter Unterschenkel 10,5 
Linker „ 11,0 

Rechter Vorderarm 8,7 
Linker „ 9,5. 

Die Hautdecke des neuen Tu¬ 
mors ist gespannt, glänzend, zen¬ 
tral abgeblaßt, peripher leicht ge¬ 
rötet und von überaus zahlreiche» 
Venektasien durchzogen. Der anfangs ziemlich pralle, später mehr teigige 
Tumor ist, wie die früheren Geschwülste, sehr druckempfindlich. Auf* 
fallend ist die mit dem Schreien und Pressen des Kindes synchrone 
Spannung bzw. Entspannung der Geschwulst, die so regelmäßig und 
mit so starkem Ausschlag erfolgt, daß man fast versucht sein könnte, 
an eine direkte Kommunikation mit der Bauchhöhle zu denken. Da 
eine Reposition nicht möglich ist, kann es sich aber nur um Fort¬ 
pflanzung des intraabdominalen Druckes durch die Fascia obturatoria 
hindurch auf einen zwischen die Muskulatur des Oberschenkels er¬ 
folgten Flüssigkeitserguß handeln. 

Das Abdomen selbst ist nicht besonders aufgetrieben oder ge¬ 
spannt, auch nicht druckempfindlich, ein Erguß in demselben nicht 
nachweisbar. Leber und Milz wie früher nicht vergrößert. Die In¬ 
guinaldrüsen eben fühlbar. 



Digitized by v^ooole 








I. Origioalbeitrfige. 


227 


Welcher Art konnte nun dieser Erguß sein, der sich so plötzlich inner¬ 
halb weniger Stunden entwickelte? Eine luetische Affektion dieser Art 
war mir unbekannt Ich ließ deshalb die Diagnose Lues gänzlich fallen. 

Vergegenwärtigen wir uns die Hauptsymptome des Krank¬ 
heitsbildes: 

1. Hochgradige Blässe der Haut und Schleimhäute, die bei dem Auf¬ 
treten des neuen Tumors noch intensiv, fast bis zu Leichenblässe zunimmt. 

2. Schmerzhafte Schwellung und Auftreibung zweier Extremi¬ 
täten mit solcher Schmerzhaftigkeit der Bewegung, daß offenbar frei¬ 
willige Lähmung besteht. Teigige Konsistenz der Geschwülste, deren 
Hautdecke gespannt und glänzend ist. 

3. Mäßiges ephemeres Fieber beim Auftreten der neuen Ge* 
schwulst, weiterhin irreguläres Verhalten der Temperatur: fieberhafte 
Zeiten wechseln ab mit normaler Temperatur. 

4. Chronischer Verlauf der ganzen Affektion. 

Man möchte fast sagen, bis auf das Fehlen der Zahnfieisch- 
affektion und der charakteristischen Veränderung der Sternalpartie 
des Thorax das typische Bild eines Morbus' Barlow. 

Man kann einwenden, daß das Kind beim Auftreten der ersten 
Geschwulst erst 4 Wochen alt war. Nun der jüngste, von Crandall 
beschriebene Fall von Morbus Barlow, war auch erst 6 Wochen alt. 
Daß die erste Attacke auftrat, als das Kind noch Muttermilch erhielt, 
ist auch nicht absolut gegen die Diagnose verwertbar, denn unter 
472 bis zum Jahre 1904 publizierten Fällen von Morbus Barlow be¬ 
fanden sich 20 Fälle von Brustkindern (beobachtet u. a. von Solt- 
mann und Pott). Das Fehlen jeglicher Mundschleimhaut- und Zahn- 
fieischaffektion, das von mir von allem Anfang konstatiert wurde, ist 
beim Morbus Barlow noch zahnloser Säuglinge die Regel. Die Ver¬ 
änderung der Sternalpartie des Thorax wird auch bei durchaus ein- 
wandsfreien Fällen von Morbus Barlow zuweilen vermißt. 

Es ist aber zu bemerken, daß das im November 1906 angefertigte 
Röntgenbild weder eine Affektion der Knochen noch des Periosts, vor 
allem weder Kontinuitätstrennung noch subperiostale Blutungen hatte 
erkennen lassen. Ob freilich der Röntgenbefund jetzt der gleiche 
gewesen wäre, läßt sich ja nicht behaupten, und ich muß zugebeü, 
daß bei der Untersuchung des Vorderarmes in dieser Zeit einmal ein 
unbestimmtes knackendes Geräusch in der Gegend des immer noch 
verdickten'Ellbogengelenkes vernehmlich war. Gegen das Bestehen 
einer Epiphysenlösung schien mir aber die fortschreitende Beweglich¬ 
keit der oberen Extremität zu sprechen, welche bereits nach 6 Wochen 
eine Streckung bis zu einem Winkel von 130° ermöglichte. 

Ein Spezialkollege, dem ich den interessanten Fall vorführte, 
hielt immerhin die Diagnose Morbus Barlow nicht für absolut aus¬ 
geschlossen, zog aber auch die Möglichkeit der Hämophilie in Be¬ 
tracht. Dafür ließen sich nun anamnestisch auch nicht die geringsten 
Anhaltspunkte gewinnen. 

Daß auch Morbus Barlow auszuschalten ist, geht aus der Un¬ 
wirksamkeit der Verabreichung roher Milch, besonders aber aus der 
weiteren Entwicklung des Falles hervor. Bis zum 9. Januar 1907 
traten nämlich neben dem Haupttumor noch drei weitere Geschwülste 


Digitized by 


Google 



228 


Ccntralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


auf, eine wallnußgroße über dem linken Trochanter und zwei kirsch¬ 
große in der Regio iliaca sinistra. Der Haupttumor fing an zu fluk¬ 
tuieren, und wurde nach vorausgegangener Punktion, die grünen, 
rahmigen, homogenen Eiter ergab, eröffnet. Dabei entleerten sich in 
weitem Strahl ca. 100 g Eiter. Nach Eröffnung dieses Abszesses ver¬ 
schwanden auch die Metastasen über dem Trochanter und in der 
Regio iliaca. Die mäßig fieberhafte Temperatur sank auf die Norm 
herab; gleichzeitig fiel aber auch das Körpergewicht, das erst vom 
24. Januar 1907 an unter Buttermilch wieder anstieg. 

Damit ist das Kind noch nicht von seinem Leiden erlöst. Während 
der Haupttumor sich langsam zurückbildet, tritt am 24. Januar eine 
erneute derbe Infiltration der oberen Hälfte der Außenfläche des linken 
Oberschenkels auf. Schon 2 Tage später nimmt sie wieder ab, dafür 
zeigt sich abermals eine teigige, kugelige Anschwellung über dem linken 
Trochanter, eine weitere wieder in der Regio iliaca sinistra, und eine 
dritte 2% Querfinger unterhalb des linken Tuber ischii. Erstere 
wurde am 15. Februar inzidiert und entleerte reichlich rahmigen Eiter. 

Wie ist das Krankheitsbild, das Auftreten dieser mul¬ 
tiplen Geschwülste, Abszesse, zu deuten? 

Ich habe bisher eine wichtige Angabe verschwiegen. Wie be¬ 
merkt war das Kind sr. Zt. mit der Zange geholt worden. Dabei 
aquirierte es nun offenbar eine leichte Erosion am Hinterhaupt, die 
sich weiterhin zu einem Geschwürchen entwickelte, das selbst nach 
4 Wochen noch nicht verheilt war und jetzt eine prominente livide 
Narbe hinterlassen hat. Dies Moment in Verbindung mit der ge¬ 
machten Erfahrung, daß die Geschwülste offenbar nichts weiter waren 
als Metastasen von Eiterherden, ist wohl geeignet, dem Fall eine 
ziemlich sichere Deutung zu geben und zwar als metastasierende 
Sepsis, als Pyämie. Dafür spricht: das Alter des Kindes, mit dem 
spezifisch disponierenden Moment der Frühgeburt; das Bestehen einer 
nachweislichen Eintrittspforte für Bakterien, der plötzliche Beginn 
der Erkrankung, die Eitermetastasen und die komplizierende Affektion 
des Ellbogengelenkes, der Nachweis von Streptokokken im Eiter, 
die Anämie, das irreguläre Fieber. Der Harn enthält Spuren von 
Eiweiß, keinen Zucker (im Gegensatz zu Lues hered.). Das Blut zeigt 
merkliche Schwergerinnbarkeit; mikroskopisch: Verminderung der 
Erythrozyten 4-200000, für das frühe Säuglingsalter normale Zahl 
der Leukozyten 9200, aber mit Überwiegen der polynukleären Formen 
gegenüber den mononukleären; zahlreiche Körner, wie sie bei Sepsis 
gefunden und auf Zerfall roter Blutkörperchen zurückgeführt werden. 

Bakterien im Blute nachzuweisen war mir nicht möglich, der 
elende Zustand des Kindes verbot die Vornahme einer Venaepunktio 
oder Venaesektio. Da somit der Hauptbeweis für Sepsis fehlt, so 
stelle ich nur die Wahrscheinlichkeitsdiagnose auf Sepsis auf. Zu 
meiner Freude hat mir das Kind keine Gelegenheit mehr geboten, 
etwa durch die Autopsie, die Diagnose zu bestätigen. Es wurde am 
1. März an die Brust einer Amme gebracht und ist nach langsamer 
Reparation all seiner Schäden im Begriff, sich körperlich und geistig 
völlig normal zu entwickeln. München, April 1907. 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


229 


II. Referate. 

A) Aas deutschen Zeitschriften. 

A. W. Bruck und Lilli Wedell* Stoffwechselversuche bei 
keuchhustenkranken Kindern. (Monatsschrift f. Kinderheilkunde. 
April 1907.) Die Verff. gelangen zu nachstehenden Schlußfolge¬ 
rungen : 

„Die Tagesmengen des ausgeschiedenen Harnes waren fast in 
sämtlichen Fällen sehr gering, zum Teil sicher eine Folge der mangel¬ 
haften Appetenz. Daraus erklärt sich ohne weiteres das hin und 
wieder beobachtete relativ hohe spezifische Gewicht Hierin eine 
Besonderheit des Pertussis-Harnes erblicken zu wollen, liegt kein Grund 
vor. Ebensowenig ließ sich eine konstante Harnsäurevermehrung nach- 
weisen. Gerade in den Fällen, in denen vegetabilische und purinfreie 
Kost verabfolgt wurde, sind die Harnsäurewerte außerordentlich niedrig. 
Harnsäurewerte um 0,6 herum, die wir als relativ hoch bezeichnen 
dürfen (die Harnsäureausscheidung beträgt bei vegetabiler und purin- 
freier Kost beim Erwachsenen etwa 0,25 bis 0,6; bei gemischter Kost 
0,5 bis 1,0) sind äußerst selten. 

Gärungsfähigen Traubenzucker konnten wir niemals nachweisen, 
auch versagte die feinste und sicherste Zuckerprobe, die Fischer- 
sche Osazonprobe, stets. Die Fehlingsche Probe war immer negativ, 
hingegen die Nylandersche manchmal positiv. Auf welchen Stoffes 
Anwesenheit dieser positive Ausfall zu beziehen ist, muß dahingestellt 
bleiben, zumal über den Wert der letztgenannten beiden Proben für 
den Zuckernachweis zwischen Pflüger und Hammarsten Meinungs¬ 
verschiedenheiten bestehen. 

Wit kommen demnach zu dem Schluß, daß die Angaben 
der Autoren, durch die sie sich berechtigt fühlten, von einem 
„Pertussis-Harn“ zu reden, nicht zu Recht bestehen, und 
daß die in der angedeuteten Richtung vorgenommene Unter¬ 
suchung des Harnes weder einen Einblick in das Wesen der 
Affektion gestattet, noch diagnostisch verwertbar ist. Dia¬ 
gnostische Bedeutung hat auch auf Grund unserer Untersuchungen 
lediglich die nie vermißte von Fröhlich zuerst beschriebene Leuko¬ 
zytose.“ Grätzer. 

F. Philips, Dextriniertes und nichtdextriniertes Mehl in 
der Säuglingsnahrung. (Aus derUniversit.-Kinderklinik zu Breslau.) 
(Monatsschrift f. Kinderheilk.. April 1907.) P. hat an mehreren Kindern 
Untersuchungen angestellt, denen er in einer Periode Theinhardts 
Kindermehl, in einer zweiten Weizenmehl gab. Die Ergebnisse waren 
ziemlich unzweideutig. 

Die Fettresorption war in beiden Perioden gleich groß, die Stick¬ 
stoffresorption dagegen bei Ernährung mit dextrinisiertem Mehl 
schlechter, als bei Zufuhr unveränderten Weizenmehls. Was die im 
Kot ausgeschiedenen Kohlehydratmengen betraf, so bestand eine ge¬ 
ringe Differenz zugunsten des dextrinisierten Mehles; doch sind die 
Zahlen so klein, daß man daraus keinen Schluß ziehen kann. Nimmt 
man aber als Maßstab für die Resorption der Kohlehydrate die Menge 


Digitized by v^ooQle 



230 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


der flüchtigen Fettsäuren, d. h. der Gärungsprodukte der Kohlehydrate, 
so zeigt sich, daß in allen Versuchen die Kohlehydratausnutzung in 
der Periode des dextrinisierten Mehles besser war als in der Weizen¬ 
mehlperiode. Diese bessere Ausnutzung der Kohlehydrate bei dextrini- 
siertem Mehl ist aber aller Wahrscheinlichkeit nach nicht auf einen 
Mangel an Amylase zurückzuführen. Die Körpergewichtskurve verlief 
bei der Ernährung mit dextrinisiertem Mehl besser; dies Verhalten 
ist wohl auf die bessere Resorption der Kohlehydrate zurückzuführen. 
Bei allen Versuchskindern trat eine Schädigung des Gesamtorganismus 
zutage. Für diesen „Mehlnährschaden“ kann ungenügende Nahrungs¬ 
zufuhr, ebenso Mangel an einzelnen Nahrungsbestandteilen nicht ver¬ 
antwortlich gemacht werden. Dagegen dürfte das Verhalten von 
flüchtigen Fettsäuren einen Anhaltspunkt geben. Die Ausscheidung 
derselben war hier eine 3—5 mal so hohe, als bei normalen Säug¬ 
lingen, und da die flüchtigen Fettsäuren Alkalien binden, müssen sie 
diese dem Organismus entziehen, und zwar um so mehr, je mehr 
flüchtige Fettsäuren gebildet werden; das tritt namentlich bei Er¬ 
nährung mit Weizenmehl ein, während bei Ernährung mit dex¬ 
trinisiertem Mehl die Bildung flüchtiger Fettsäuren geringer ist. 

Grätzer. 

Michaelis, Das Hirngewicht des Kindes. (Aus dem 
Kinderkrankenhaus zu Leipzig.) (Monatsschrift f. Kinderheilkunde. 
April 1907.) Fortsetzung und Erweiterung der von H. Pfister be¬ 
gonnenen Wägungen. Es wurden 276 Gehirne von Kindern jeglicher 
Altersstufen einer Wägung unterzogen; an 200 Gehirnen wurden auch 
Teilwägungen vorgenommen. Die Resultate werden in Tabellen über¬ 
sichtlich wiedergegeben, in denen das Material nach dem Alter und 
Geschlechte geordnet ist. Grätzer. 

Emst Schiff, Beiträge zur Chemie des Blutes der Neu¬ 
geborenen. (Jahrb. f. Kinderheilk. Bd. 64. Heft 3 u. 4.) Der 
Trockenrückstands-, Aschen- und Eiweißgehalt des Blutes der Neu¬ 
geborenen zeigt individuell verschiedene absolute Werte. Die indi¬ 
viduellen Schwankungen der Werte des Trockenrückstandes bewegten 
sich in den untersuchten Fällen während der ersten zehn Lebenstage 
durchschnittlich zwischen 21,4—27,7 °/ 0 , diejenigen des Aschengehaltes 
zwischen 0,79—1,34 °/ 0 und diejenigen des Eiweißgehaltes zwischen 
17,6-27,4%. 

Sowohl der Trockenrückstands-, als auch der Aschen- und Ei¬ 
weißgehalt des Blutes zeigen am ersten Lebenstage die höchsten 
Werte. Der Trockenrückstandsgehalt des Blutes beträgt äm ersten 
Lebenstage im Mittel 26,5 °/ 0 , der bis zum zehnten Lebenstage all¬ 
mählich abnimmt (im Mittel bis 23,07 °/ 0 ). Die größte Abnahme er¬ 
leidet der Trockenrückstandsgehalt des Blutes — ungefähr l°/ 0 — 
nach dem ersten Lebenstage, in den späteren Tagen ist die Abnahme 
schon bedeutend geringer. 

Der Aschengehalt des Blutes beträgt am ersten Lebenstage im 
Mittel 1,1%, nimmt bis zum dritten Tage ab (bis 0,97%)» steigt 
dann bis zum siebenten Tage wieder in die Höhfc (bis 1,07 °/ 0 ), um 
dann wieder abzunehmen (am zehnten Tage im Mittel auf 0,98 °/ 0 ). 


Digitized by 


Google 



IL Referate. 


231 


Der Eiweißgehalt des Blutes verhält sich je nach der Abnabe¬ 
lungszeit verschieden. Bei sofort Abgenabelten zeigt auch hier der 
erste Lebenstag die höohsten Werte (im Mittel 23,58 °/ 0 ), die bis zum 
zehnten Lebenstage allmählich abnehmen (bis auf 20,78%). Bei 
spät Abgenabelten steigt der Anfangswert (im Mittel 23,73%) bis zum 
dritten Tage allmählich an (bis auf 25,24 °/ 0 ), und nimmt erst nach¬ 
her ab (am zehnten Lebenstage 22,73%). 

Bei Nacht ist der Trockenrückstandsgehalt des Blutes größer, 
als während der Tagesperiode; hingegen zeigt der Aschengehalt des 
Blutes ein gerade entgegengesetztes Verhalten. 

Weder der Trockenrückstands-, noch der Aschengehalt des Blutes 
wird durch das Geschlecht der Neugeborenen beeinflußt, ganz ent¬ 
schieden aber der Eiweißgehalt des Blutes, insofern derselbe bei 
Knaben durchschnittlich 22,89%, bei Mädchen 21,99% betrug. 

Der Umstand, ob der Neugeborene von einer Erst- oder Mehr- 
göbärenden stammt, hat weder auf den Trockenrückstands-, noch auf 
den Eiweißgehalt des Blutes einen Einfluß. Bezüglich des Aschen¬ 
gehaltes zeigten Kinder Erstgebärender etwas niederere Werte. 

Der Entwicklungsgrad der Neugeborenen hängt sowohl mit dem 
Trockenrückstands-, wie auch mit dem Aschen- und Eiweißgehalte 
des Blutes eng zusammen. Der Trockenrtickstands- und Aschengehalt 
des Blutes steht mit dem Entwicklungsgrad des Neugeborenen in ge¬ 
radem Verhältnisse, insofern beide bei den stärker entwickelten Neu¬ 
geborenen höhere Werte zeigen; hingegen ist das Verhältnis zwischen 
dem Eiweißgehalte des Blutes und dem Entwicklungsgrade des Neu¬ 
geborenen ein umgekehrtes, indem hier die schwächer entwickelten 
Neugeborenen höhere Werte liefern. 

Die Abnabelung beeinflußt weder den Trockenrückstands- noch den 
Aschengehalt des Blutes, ganz entschieden aber den Eiweißgehalt des¬ 
selben, wie dies sub 2 geschildert wurde. 

Bei ikterischen Neugeborenen ist der Trockenrückstands- und 
Aschengehalt des Blutes durchschnittlich geringer, als bei nicht ikte¬ 
rischen. Der Unterschied zeigt sich aber erst vom fünften Tage an, 
wo der Ikterus schon eingetreten war. 

Zwischen dem spezifischen Gewicht, dem Trockenrückstands- und 
Eiweißgehalte des Blutes besteht kein inniger Zusammenhang, indem 
die diesbezüglichen Werte nur zwischen bedeutend weiten Grenzen, 
und da auch durch mehrfache Ausnahmsfälle unterbrochen, ein 
paralleles Verhalten zeigen. 

Das spezifische Gewicht des Serums zeigt auch ausgesprochene 
individuelle Unterschiede (es schwankten die Werte zwischen 1,0201 
und 1,0363), verhält sich aber bei ein und demselben Neugeborenen 
im Nacheinander der ersten Lebenstage ziemlich konstant auf der¬ 
selben Höhe. Es wird dasselbe durch das Geschlecht der Neu¬ 
geborenen ganz entschieden beeinflußt, indem es in den untersuchten 
Fällen bei Knaben durchschnittlich 1,0254, bei Mädchen 1,0290 betrug, 
bei letzteren also bedeutend höher war. 

Die Werte des Trockenrückstands-, Aschen- und Eiweißgehaltes 
des Serums zeigen bei den verschiedenen Neugeborenen ziemlich 


Digitized by 


Google 



232 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


gleiche Höhe. Die Werte des Trockenrückstandsgehaltes bewegen sich 
im allgemeinen zwischen 7,5 und 8,5 °/ 0 (durchschnittlich 8,18% die¬ 
jenigen des Aschengehaltes ergeben im Mittel l°/ 0 , die des Eiwei߬ 
gehaltes schwanken ziemlich konstant um 7% (durchschnittlich 7,8°/ 0 ). 

Hecker. 

S. Weißenberg, Die Körperproportionen des Neugeborenen. 
(Jahrb. f. Kinderheilk. Bd. 64. Heft 6.) Die Messungen erstrecken sich 
auf .50 Kinderleichen und wurden so ausgefiihrt, daß die Leiche zu¬ 
nächst gestreckt auf einen Tisch gelegt wurde und dann folgende 
Punkte auf denselben mit einem gewöhnlichen Tischlerwinkelmaß 
projiziert wurden. Scheitel, rechte Schulter, Spitze des rechten 
Mittelfingers, Trochanter major, rechte Sohle, die Spitzen der Mittel¬ 
finger bei horizontal gestreckten Armen und Damm. Die Messung 
der Entfernung zwischen den entsprechenden Punkten mit einem ge¬ 
wöhnlichen Bandmaß ergab dann folgende Körpermaße: Körperlänge, 
Kopf- samt Halslänge, Sitzhöhe, Rumpf länge, Armlänge, Beinlänge, 
Klafterbreite; außerdem wurde direkt mit dem Bandmaß bestimmt: 
Handlänge, Fußlänge, Kopfumfang, Brustumfang. Mit dem Taster¬ 
zirkel genommen wurde die Schulterbreite und die Hüftbreite. 

Als Resultat seiner Messungen glaubt Verf. folgendes als charakte¬ 
ristische Eigentümlichkeit des Neugeborenen hinstellen zu können: 

Die individuellen und geschlechtlichen Besonderheiten in den 
Körperproportionen sind beim Neugeborenen viel weniger ausgeprägt 
als beim Erwachsenen. Die Wachstumsenergie während der ersten 
drei Lebensmonate ist als sehr bedeutend zu bezeichnen. 

Die Körperproportionen des Neugeborenen sind denjenigen des 
Erwachsenen diametral entgegengesetzt, indem bei ihnen 

a) die Klafterbreite kürzer ist als die Körperlänge, 

b) nicht nur die Sitzhöhe länger ist als das Bein, sondern auch 

c) die eigentliche Rumpf länge (Akromion-Spalt) länger ist als 
das Bein, 

d) die eigentliche Rumpflänge länger ist als der Arm, 

e) der Arm länger ist als das Bein und 

f) der Kopfumfang größer ist als der Brustumfang. Hecker. 

Emmett Holt, Gonococcusinfektion bei Kindern mit be¬ 
sonderer Bezugnahme auf deren Vorkommen in Anstalten und 
dieMittel zur Verhütung derselben. (Jahrb. f. Kinderheilk. Bd.64. 
Heft 6.) Bericht über 5 Hausepidemien von Gonococcus-Vaginitis in 
einem Kleinkinderhospital. Im ganzen wurden 172 Kinder von der 
Krankheit befallen. Desinfizierung und Sterilisierung der Windeln 
ebenso wie die anderen prophylaktischen Mittel erwiesen sich als 
wirkungslos, bis eine vollständige Isolierung der Patienten sowie des 
Wartepersonals durchgeführt wurde. Bei 24 Kindern, darunter 17 
männlichen, entwickelte sich akute Gonococcusarthritis. Von allen 
diesen litt nur einer an Ophthalmie, bei keinem bestand Hamröhren- 
ausfluß. Die Frage nach der Eingangspforte des Virus in solchen 
Fällen ist sehr schwierig, wahrscheinlich ist es der Mund. Viele der 
Kranken litten nämlich an Marasmus und auch an Mundfaule. In 
einem letal ausgegangenen Falle fand sich ein Abszeß in der Wand 


Digitized by Google 



II. Referate. 


233 


der Trachea, dessen Eiter Gonokokken enthielt. Vielleicht war die 
übliche Methode der Mundreinigung Schuld an der Infektion. Verf. 
zieht folgende allgemeine Schlußfolgerungen aus seinen Ausführungen: 

Gonococcus-Vaginitis ist eine sehr häufig vorkommende Krank¬ 
heit, mit der in Anstalten für Kinder beständig zu rechnen ist. Auch 
in der Praxis in Dispensieranstalten und Miethäusern ist sie sehr 
häufig, und sogar nicht ungewöhnlich in der Privatpraxis der besseren 
Klasse. 

In leichterer Form und sporadischen Fällen ist sie äußerst un¬ 
angenehm, weil sie so schwer zu behandeln ist. In ihrer schwereren 
Form kann sie durch Verursachung von akuter Gonococcus-Pyämie 
oder Infizierung der serösen Häute lebensgefährlich werden. In epi¬ 
demischer Form ist sie in einer Anstalt eine wahrhaftige Geißel 

Der hochgradig kontagiöse Cbaräkter der Gonococcus-Vaginitis 
macht zur gebieterischen Notwendigkeit, Kinder, welche an derselben 
leiden, in den Abteilungen und Schlafsälen mit andern nicht zusammen 
zu lassen. Ähnliche Gefahr, wenn auch in geringerem Grade, besteht 
bei Gonococcus- Ophthalmie und akuter Gonococcus-Arthritis oder 
Pyämie. 

Es ist einfach unmöglich, die Ausbreitung der Krankheit zu ver¬ 
hüten, wenn infizierte Kinder mit anderen zusammen in derselben Ab¬ 
teilung bleiben. Dieselben müssen entweder vom Hospitale ausge¬ 
schlossen oder, wenn zugelassen, sofort unter Quarantäne gestellt 
werden. 

Fälle von Gonococcus-Vaginitis können nur dann vom Hospital 
ferngehalten werden, wenn eine systematische, mikroskopische Unter¬ 
suchung von Aufstrichen von der Scheidenabsonderung jedes auf¬ 
genommenen Kindes gemacht wird. Ist ein eitriger Vaginalausfluß vor¬ 
handen, so sind diese Untersuchungen unerläßlich und sollten ebenso 
sehr zu einer Sache der Hospitalroutine gemacht werden, wie das 
Erlangen von Kulturen aus dem Halse von Kindern mit tonsillaren 
Exsudaten. Sind keine mikroskopischen Untersuchungen eitrigen 
Ausflusses bei einem kleinen Kinde gemacht, so mag angenommen 
werden, daß derselbe vom Gonococcus herrtihrt. 

Die Quarantäne muß, wenn sie wirksam sein soll, ebensowohl 
auf Pflegerinnen und Wartepersonal, als auf die Kinder ausgedehnt 
werden. Ferner müssen Windeln, Bettzeug und Kleider infizierter 
Kinder separat von den übrigen im Hause gewaschen werden. 

Wo der Gonococcus mit keinem Ausflusse oder mit sehr gering¬ 
fügigem Ausflusse gefunden, müssen die Kinder in Quarantäne gebracht 
werden, obgleich es gegenwärtig unmöglich ist, anzugeben, bis zu welchem 
Grade derartige Fälle einer Abteilung gefährlich werden können. Eine 
der größten Schwierigkeiten bei Gonococcus-Vaginitis entsteht aus der 
langen Quarantäne, welche durch den Umstand notwendig wird, daß 
diese Fälle sehr chronischen Charakters sind und der Behandlung 
hartnäckig widerstehen. 

Die Gefahr für die Pflegerinnen durch zufällige Ansteckung, be¬ 
sonders der Augen, ist beträchtlich. Zurzeit sind dieselben in dieser 
Beziehung nicht genügend unterrichtet. Hecker. 


Digitized by Google 



284 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


H. Laser (Königsberg), Über das Vorkommen von Schwer- 
hörigkeit und deren Ursachen bei Schulkindern. (Deutsche 
med. Wochenschrift. 1907. Nr. 5.) L. hat mittels des Politzerschen 
Hörprüfers alle Kinder von 3 Schulen einer Mädchen-Bürgerschule, 
einer Mädchen-Volksschule und einer Knaben-Volksschule, zusammen 
1753 Kinder, untersucht. In den 3 Schulen fand sich etwa die gleiche 
Anzahl Schwerhörige: 17,4%, 17,9% und 19,3%. Auf den unteren 
Klassen waren die Zahlen fast durchweg höher als in den oberen, 
was L. darauf zurückführt, daß die Angaben dieser kleinen Schul¬ 
anfänger nicht so genau zu bewerten sind, als die der größeren Kinder. 
Ein Zusammenhang der Schwerhörigkeit mit dem Alter des Kindes 
ergab sich nicht. Schwerhörigkeit rechts bestand 107 mal, links 
92 mal, beiderseits 116 mal. 

Unter 315 spezialärztlich untersuchten Kindern wurde konstatiert: 
Rachenmandeln bei 153, chron. Otitis bei 34, perecta bei 34, Throm¬ 
bus bei 31, Katarrh bei 12, normale Verhältnisse bei 51 Kindern. 

Grätzer. 

M. Fraenkcl (Berlin), Ein Fall von Gicht bei einem 4jähr. 
Kinde. (Deutsche med. Wochenschrift. 1907. Nr. 5.) Das Kind soll 
schon seit ca. 1 l / a Jahren fortwährend Anfälle haben. Einen Anfall 
batte nun F. selbst zu beobachten Gelegenheit. Es handelte sich um 
typische Gicht in der rechten großen Zehe. 

Therapeutisch benutzte F. Anthrosantabletten Nr. I (neben ent¬ 
sprechender Diät), die eine neue Art von getrennt zu verabreichenden 
Formaldehyd und zitronensaurem Natron darstellt. Er gab anfangs 
3mal täglich 2 Tabletten 2 Tage lang; nachdem Schwellung und 
Schmerzhaftigkeit geschwunden, wurde eine 3 wöchige Kur (3 mal 
täglich 1 Tablette) verordnet, die nach 3 Monaten noch einmal wieder¬ 
holt wurde. Es trat noch ein leichter Anfall ein, seit % Jahr ist 
Patient frei von Anfällen. Grätzer. 

Ad, Stein (Königsberg), Eine 3jährige Virgo. (Deutsche 
med. Wochenschrift. 1907. Nr. 6.) Schon im Jahre 1904 hat St. 
den Fall als „typische Menstruatio praecox“ mit sekundären Ge¬ 
schlechtscharakteren veröffentlicht. Das damals 14 Monate alte Kind 
war in regelmäßigen Intervallen von 28 Tagen typisch menstruiert, 
und es hatte sich mit dem ersten Eintritt der Menstruation, die im 
7. Monat erfolgt war, allmählich Entwickelung der Schamhaare, der 
Mammae und der Labien eingestellt. 

Das jetzt 3% Jahre alte Mädchen bietet den Anblick einer Jung¬ 
frau; geistige Entwickelung und Gesichtszüge aber entsprechen dem 
Alter des Kindes. Die Oberschenkel zeigen weibliche Rundung, in 
der Achselhöhle finden sich blonde Härchen, an den Geschlechtsteilen 
etwas dunklere, Stimme kräftig und ausdrucksvoll wie bei einer 
16 jährigen, Mammae entsprechen ebenfalls diesem Alter (Areola mit 
breitem Hofe dunkel pigmentiert, Drüsenkörper deutlich palpabel), 
Körpergröße 110 cm, Gewicht 22% kg. Periode tritt monatlich ein 
und ist offenbar schmerzhaft. 

Von ursächlichen Momenten sind Hydrozephalie und Ovarial¬ 
tumoren auszuschließen; dagegen ist Rachitis deutlich ausgesprochen. 

Grätzer. 


Digitized by Google 



II. Referate. 


235 


P. Kleinschmidt, Zur Behandlung ischämischer Muskel¬ 
kontrakturen, zugleich ein Beitrag zur Pseudarthrosen- 
heilung. (Deutsche med. Wochenschrift. 1907. Nr. 17. S. 679.) Bei 
einem 10jährigen Knaben mit ischämischer Muskelkontraktur nach 
einer 3 Jahre zuvor akquirierten mit zirkulärem Gipsverband behan¬ 
delten linksseitigen suprakondylären Humerusfraktur, über die K. be¬ 
richtet, wurden Radius und Ulna durch je einen seitlichen Schnitt 
freigelegt, aus beiden Knochen wurde dann ein 3 cm langes Stück 
reseziert und zwar, mit Rücksicht auf die mögliche Bildung eines 
Brückenkallus aus der Ulna etwas höher. Zwei aus den resezierten 
Stücken hergestellte Knochenstiftc wurden in die Markhöhle hinein¬ 
gesteckt behufs Fixation der Knochen. Die Streckung der Hand und 
der Finger gelang nun in ziemlich ausgiebiger Weise. Die Knochen 
um so viel zu kürzen, daß die Streckung normal wurde, erschien be¬ 
denklich wegen der Schwierigkeit, die Knochenenden exakt aneinander 
zu halten, und der Möglichkeit, daß sich dann die Extensoren den 
neuen Verhältnissen nicht anpassen und in ihrer Funktion beein¬ 
trächtigt werden könnten. Der Wundverlauf erlitt keine Störung, 
aber die Vereinigung der Knochen ging nicht in gewünschter Weise 
vonstatten. Unter verzögerter und dürftiger Kallusbildung konsoli¬ 
dierte der Radius erst im Verlauf von 4 Monaten, an der Ulna ent¬ 
stand eine Pseudarthrose. Zur Beseitigung derselben wurde eine 
zweite Operation notwendig, bei der sich zeigte, daß die Enden des 
Knochens mit knorpelartigem Gewebe bedeckt und völlig frei gegen¬ 
einander beweglich waren. Nach Exzision dieses Gewebes wurde von 
einem Schnitt über der medialen Fläche der linken Tibia ein 4 cm 
langer, 2 cm breiter Knochenhautlappen Umschnitten, mit dem Messer 
vom Knochen abpräpariert und manschettenförmig um die Resektions¬ 
stelle herumgelegt Die sich berührenden Ränder des Lappens wurden 
aneinander, der freie obere und untere Rand an dem benachbarten 
Gewebe mit einigen Katgutnähten fixiert. 3 Monate nach der Opera¬ 
tion war der Knochen fest konsolidiert. Der Knabe kann jetzt seine 
vorher absolut unbewegliche Hand für alle nicht zu subtilen Verrich¬ 
tungen wieder gebrauchen. F. Joachimsthal (Berlin). 

Paderstein (Berlin), Ophthalmoplegische Migräne und perio¬ 
dische Okulomotoriuslähmung. (Deutsche med. Wochenschrift 
1907. Nr. 19.) Möbius trennte zwei Krankheitszustände voneinander 
ab: Die „periodisch wiederkehrende“, d. h. einseitige, vollständige 
Okulomotoriuslähmung, die in annähernd regelmäßigen, von Kopf¬ 
schmerzen und Erbrechen eingeleiteten Anfällen seit der Jugend den 
Patienten befällt, und die „ophthalmoplegische Migräne“, eine ge¬ 
wöhnlich ererbte Migräne, zu der erst im Laufe der Zeit, gewöhn^ 
lieh nach sehr schweren und gehäuften Anfällen, die Lähmung als 
Komplikation hinzutritt, während bei den meisten Fällen der ersteren 
Form von vornherein mit dem ersten Anfall die volle Lähmung da ist. 

P. beobachtete folgenden Fall: Bei einer hereditär nicht be¬ 
lasteten Patientin bestanden seit früher Kindheit Migräneanfälle, zu 
denen im 14. Lebensjahre Ptosis, dann Pupillenerweiterung, schließlich 
Parese des ganzen Okulomotorius sich zugesellten, und zwar so, daft 
Anfälle mit Beteiligung des Auges und solche ohne Paresen unregel- 


Digitized by 


Google 



236 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


mäßig miteinander abwechselten. Die Paresen gehen in wenigen 
Tagen wieder zurück, worauf völliges Wohlbefinden besteht. 

Wenn man bedenkt, daß vereinzelt auch Trochlearis und Abdu- 
zens bei solchen Migräneanfällen mitbetroffen sind, so entspricht für 
obigen Fall die Bezeichnug „ophthalmoplegische Migräne“ völlig der 
Situation. Aber es fehlt die Heredität! Handelt es sich da etwa 
um die andere Form? Davon unterscheidet den Fall wieder, daß 
die Lähmung nicht von vornherein, sondern erst viel später zu den 
Migräneanfällen hinzutrat. Das ist aber auch das einzige Unter¬ 
scheidungsmerkmal, und man sollte meinen, daß bei sonst gleichem 
klinischen Verlauf, auf diesen einzigen Unterschied hin, eine Ab¬ 
trennung der beiden Formen nicht statthaft sei. Aber Möbius will 
für die Migräne eine funktionelle, für die „Okulomotoriuslähmung“ 
eine organische Ursache zugrunde legen. Allerdings liegen auch 
zwei Sektionsbefunde dieses Typus vor. Thomson-Richter fanden 
bei einem Patienten, der seit dem 5. Lebensjahr an rezidivierender 
Okulomotoriuslähmung mit Migräne, sowie an Epilepsie litt, ein Fibro- 
chondrom des rechten Okulomotorius, Karplus bei einer 43jähr. Frau, 
die seit dem 1. Lebensjahr Anfälle rechtsseitiger Okulomotoriuslähmung 
mit „Migräne“ hatte und an progressiver Paralyse starb, ein Neuro¬ 
fibrom, das die Fasern des Nerven auseinandergetrieben und zum 
Schwunde gebracht hatte. Obwohl diese Befunde sich sehr ähneln, 
muß es doch in hohem Maße zweifelhaft sein, ob in diesen Tumoren 
die Ursache der Affektion zu finden ist. Es wäre ohne Analogie, 
wenn solche Geschwülste ein Menschenalter hindurch keine anderen 
Erscheinungen hervorrufen sollten, als gerade rezidivierende Okulo¬ 
motoriuslähmung mit Migräneanfällen. Wie dem aber auch sei: so¬ 
lange die klinischen Bilder sich in keinem anderen Punkte, als der 
Zeit des Hinzutretens der Lähmung unterscheiden, erscheint die 
Trennung der beiden Krankheitsformen als erkünstelt. Grätzer. 

J. Fibiger und C. 0. Jensen (Kopenhagen), Über die Bedeu¬ 
tung der Milchinfektion für die Entstehung der primären 
Intestinaltuberkulose im Kindesalter. (Berliner klin, Wochen¬ 
schrift. 1907. Nr. 4 u. 5.) Auf Grund ihrer Erfahrungen und Unter¬ 
suchungen kommen die Verff. zu dem Schluß, daß eine bedeutende 
Anzahl von Fällen primärer Tuberkulose im Verdauungskanal bei 
Kindern von Infektion durch Tuberkelbazillen des Rindes herrührt, 
und daß diese Infektion ziemlich oft einen äußerst verhängnisvollen 
Verlauf nimmt. Es steht außer Zweifel, daß der Genuß von roher 
Milch als eine bedeutsame Entstehungsursache der primären Intestinal¬ 
tuberkulose im Kindesalter betrachtet werden muß. Gr fitz er. 

H. Neumann, Irrtümliche Deutung eines physikalischen 
Brustbefundes bei Kindern. (Berliner klin. Wochenschrift. 1907. 
Nr. 9.) Wenn man bei gewissen Kindern zunächst die vordere Brust¬ 
wand auskultiert, so findet man über der rechten Lungenspitze (nur 
selten über der linken) im Gegensatz zur anderen Seite ein verlängertes 
Exspirium. In- und Exspirium ist laut und unbestimmt, in manchen 
Fällen aber geradezu bronchial. Hingegen kann, wenn man sich von 
■dem Schlüsselbein mehr nach unten bewegt, die Atmung gegenüber der 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


237 


linken Seite sogar abgeschwächt sein. Perkutiert man jetzt ver¬ 
gleichend vorn die Lungenspitzen, so fehlt eine Dämpfung. Die Aus¬ 
kultation am Bücken vervollständigt den an der Vorderseite erhobenen 
Befund. In der rechten oberen Schulterblattgrube findet man bei 
Ein- und Ausatmung das Atemgeräusch noch lauter oder noch mehr 
ausgesprochen bronchial als vorn, während in den mittleren und 
unteren Teilen es ebenso wie vorn unten rechts abgeschwächt sein 
kann, ein Vergleich mit der linken Seite läßt es mindestens eigen¬ 
tümlich modifiziert erscheinen. 

Besonders das abnorme Atemgeräusch an der Spitze (vorn und 
hinten oben rechts) führt häufig zu folgeschweren diagnostischen Irr- 
tumern. Die Kinder werden für lungenkrank erklärt, in Anstalten 
gebracht, vom Schulunterricht ausgeschlossen usw., die Eltern werden 
schwer beunruhigt. 

Die geschilderten Erscheinungen weisen nur auf eine An¬ 
schwellung der bronchialen Lymphdrüsen hin, im besonderen 
derjenigen, die vom Hilus der Lunge bis zur Bifurkation der Trachea 
ziehen, sowie ferner — hierauf deutet eine mediastinale Dämpfung — 
auf eine Schwellung der im vorderen Mediastinum über dem Herz¬ 
beutel gelagerten Lymphdrüsen. Oft hat N. die Zeichen der Bron¬ 
chialdrüsenschwellung schon am Ende des ersten und im zweiten Jahr 
auftreten sehen. In der Regel freilich kommen die Kinder wegen 
der durch die Erkrankung ausgelösten konstitutionellen Krankheits¬ 
erscheinungen zum Arzt und stehen im 3. bis 9. Jahr. Am häufigsten 
findet sich neben der Erscheinung intrathorakaler Drüsenschwellung 
eine chronische Schwellung der Halsdrüsen, oft auch Hyperplasie des 
lymphatischen Schlundringes. Die Kinder erscheinen schlecht genährt, 
zeigen Schwäche des Knochen- und Muskelsystems, körperliche Schlaff¬ 
heit, geistige Ermüdbarkeit usw., sie werden, wenn sie nicht als 
lungenkrank angesehen werden, als Anämische oder Skrofulöse be¬ 
trachtet. Das ist nun allerdings nicht ohne weiteres richtig, wenn 
auch tatsächlich sich bei der Skrofulöse die klinischen Erscheinungen 
der Bronchialdrüsenschwellung außerordentlich oft nachweisen lassen 
und diese Symptome zu einer tuberkulösen Erkrankung, der Ver¬ 
käsung der Bronchialdrüsen, in Beziehung zu bringen sind und 
sich an sie die Zeicheu einer Spitzenerkrankung anschließen können. 
Aber trotzdem sollte man doch zwischen einer Drüsentuberkulose 
und einer ulzerösen Lungentuberkulose einen scharfen Unterschied 
machen, wie ihn in der Kindheit zum mindesten schon die ver¬ 
schiedene Prognose verlangt. Skrofulo - tuberkulös sind eine sehr 
große Zahl von Kindern; aber wenngleich sie alle von der Schwind¬ 
sucht bedroht sind, so ist der Eintritt derselben doch noch zum Teil 
von einer besonderen familiären Disposition, zum Teil von ungünstigen 
äußeren Versältnissen abhängig. Die Kinder sind tuberkulös infiziert, 
aber für die Prognose soll man bedenken, daß die tuberkulösen Herde 
mit zunehmendem Alter immer häufiger als Nebenbefunde bei Sek¬ 
tionen erscheinen. Grätzer. 


L.Schaps (Friedenau-Berlin), Salz- undZuckerinjektionbeim 
Säugling. (Berliner klin. Wochenschrift. 1907. Nr. 19.) Die im 


Digitized by 


Google 



238 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


Kinderasyl der Stadt Berlin an Säuglingen gemachten klinischen Er¬ 
fahrungen, daß unter gewissen Umständen die Verabreichung von 
Kohlehydraten, Mehl oder Zucker, in der Nahrung Fieber hervor¬ 
zurufen imstande ist, bildeten die Veranlassung zu subkutanen In¬ 
fusionsversuchen mit verschiedenen Zuckerarten. 

Das Resultat derselben ist, daß Trauben- und Milchzucker, in 
isotonischen Lösungen infundiert, beim Säugling im Gegensatz zu 
den mitgeteilten Beobachtungen am erwachsenen Menschen eine 
typische Fieberreaktion her vorrufen. Die Stärke der Fieberreaktion 
ist abhängig von der Anzahl der eingeführten Zuckermoleküle d. h. 
um eine gleiche Reaktion auszulösen, muß vom Milchzucker eine etwa 
zweimal so große Menge wie vom Traubenzucker infundiert werden, 
entsprechend dem zweimal so hohen Molekulargewicht des Milch¬ 
zuckers gegenüber dem des Traubenzuckers. Bei der Injektion hyper-, 
iso- und hypotonischer Lösungen geigen sich keine wesentlichen 
Unterschiede, sofern gleichgroße Zuckermengen injiziert werden. Bei 
fortgesetzten Injektionen schwächt sich die Temperaturreaktion immer 
mehr ab, um schließlich ganz zu erlöschen, ähnlich einem Immuni¬ 
sierungsvorgang. Ebenso wie Zuckerinfusionen erzeugten aber auch 
subkutane Infusionen von physiologischer Kochsalzlösung Fieber. 
Diese Reaktionen verhalten sich im wesentlichen ebenso wie die nach 
Zuckereinverleibung auftretenden. Eine Ausnahme von diesem Ver¬ 
halten konnte an in klinischem Sinne wasserverarmten Individuen 
konstatiert werden, bei diesen fehlte die Temperaturreaktion. 

Die Einwirkung der Infusionen auf den Status des Kindes muß 
als eine schädliche bezeichnet werden. Autoreferat 


L, Meyer (Berlin), Ein Fall von angeborener, einseitiger, 
isolierter Spaltbildung im oberen Augenlid (Blepliaroschisis). 
(Berl. klin. Wochenschrift. 1907. Nr. 20.) M. hatte Gelegenheit, einen 
2^ jährigen Patienten zu operieren, der mit einem etwa 8 / 4 cm hohen 
und 1 / a cm breiten Kolobom im linken, oberen Augenlid geboren ist, 
während sein Gesicht sonst weiter keine Deformität aufweist. Der 
Defekt war von dreieckiger Form, und zwar so, daß die Basis des 
Dreiecks im Ziliarrande, seine Spitze etwa bis zur Mitte des Lides 
in der Richtung auf den Orbitalrand zu gelegen war. Seine Ränder 
waren nicht mit Zilien besetzt. 

Die in Athernarkose vorgenommene kleine Plastik wurde genau 
analog der von Malgaigne angegebenen Auffrischung und Naht bei 
der Hasenscharte ausgeführt und war in 8 Tagen primär geheilt. 

Grätzer. 

Offergeld (Marburg), Zur Behandlung asphyktischer Neu¬ 
geborener mit Sauerstoffinfusionen. (Zentralblatt f. Gynäko¬ 
logie. 1906. Nr. 52.) Nach kurzer Kritik der gebräuchlichen Wieder¬ 
belebungsmittel beim sogenannten weißen Scheintode der Neugeborenen 
berichtet Verf. über Versuche, durch Zuführung von Sauerstoff in 
konzentriertester Form neben einem intensivenReiz auf die Zentralorgane 
dem nötigen O-Bedarf des Neugeborenen Rechnung zu tragen. In 
das Lumen der zentral gelegenen Vena umbilicalis werden mittels 
einer Spritze ca. 10—12 ccm Sauerstoff in den kindlichen Kreislauf 


Digitized by 


Google 



II. Referate, 


239 


gebracht; dabei ist große Vorsicht nötig, die Injektion muß äußerst 
langsam erfolgen, um eine akute Herzdilatation zu vermeiden, die so¬ 
fort zum Herzstillstand führen würde. 

0. hat unter 12 Kindern, bei denen er diese Methode erprobt 
hat, 9 Todesfälle, darunter 2mal enorme Herzdilatation erzielt; nur 
3 Kinder blieben am Leben, doch konnte „eine direkte günstige Be¬ 
einflussung der Atemtätigkeit kein einziges Mal beobachtet werden/ 4 

Wegscheider. 

Seitz (München), Einige Bemerkungen zu Offergelds Auf¬ 
satz: „Zur Behandlung asphyktischer Neugeborener mit 
Sauerstoffinfusionen 44 . (Zentralblatt f. Gynäkologie. 1907. Nr. 6.) 
S. entwickelt unter Hinweis auf seine ausführliche Arbeit über den 
Scheintod des Neugeborenen in von Winckels Handbuch der Ge¬ 
burtshilfe (Bd. III, Teil 3. S. 134) die Lehre von der direkten Sauer- 
stoffinfusion beim aspbyktischen Neugeborenen historisch und theo¬ 
retisch. Offenbar kommt ihm in der praktischen Ausübung dieses Ver¬ 
fahrens die Priorität zu. Auf Grund von 6 genau beobachteten Fällen 
mit negativem Erfolge hat auch S. diese Methode als zwecklos und zu 
gefährlich wieder verlassen. Wegscheider. 

Heymann, Ein Fall von vereiterter Vaginalzyste bei 
einem 12 jährigen Mädchen. (Zentralbl. f. Gynäkologie. 1907. 
Nr. 5.) In der Privatfrauenklinik von Dr. Schütze in Königsberg 
i. Pr. kam vor 3 Jahren ein Fall von ca. hühnereigroßer, sehr hoch 
liegender, vereiterter Scheidenzyste zur Beobachtung und operativen 
Heilung, der bei einem 12jährigen, seit l l / 2 Jahren regelmäßig men¬ 
struierten Mädchen „heftige klinische Symptome 44 machte und erheb¬ 
liche diagnostische Schwierigkeiten bot. Der eingehenden Beschrei¬ 
bung des Verlaufes sowie des Präparates fügt Verf. den üblichen 
Literaturauszug bei und stellt ätiologische Beobachtungen an. Er 
nimmt mit Freund die Entstehung aus dem Müllerschen Gang an 
und empfiehlt in therapeutischer Hinsicht Einnähung oder Exstir¬ 
pation des Zystensackes. „Von beiden Methoden mußte im vorliegen¬ 
den Falle wegen der allerseits sehr festen Adhäsion Abstand ge¬ 
nommen werden. 44 Wegscheider. 


Ernst Hange, Beitrag zur Anatomie der Ovarien Neu¬ 
geborener und Kinder vor der Pubertätszeit. (Archiv für 
Gynäkologie. Bd. 80. Heft 1.) Verf., Assistent an der Charitöfrauen- 
klinik Bumms, hat 50 Paar Ovarien aus den verschiedensten Alters¬ 
stufen in Serienschnitten untersucht und teilt nach einer kurzen histo¬ 
rischen Übersicht über die bisherigen Befunde die Resultate seiner 
Untersuchung mit. Das wichtigste derselben ist, daß „Wachstums¬ 
und Reifungserscheinungen an den Follikeln ein ganz allgemein in 
den Ovarien Neugeborener und Kinder der ersten Lebensjahre zu er¬ 
hebender Befund, eine physiologische Erscheinung sind. Alle diese 
Vorgänge, von denen man bisher glaubte, daß sie sich der Regel 
nach in den Ovarien erst zur Pubertätszeit oder kurz vor derselben 
zeitlich nebeneinander abspielen, treten also normalerweise chrono¬ 
logisch nacheinander schon bei Föten, Neugeborenen und Kindern in 
den ersten Lebensjahren auf. 44 

Centralbl. f. Kinderhlkde. XII. 20 


Digitized by 


Google 



240 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


Im einzelnen fand R., daß die Ovarien vor dem normalen Ende 
der Gravidität nur hin und wieder Wachstumserscheinungen an den 
Follikeln erkennen lassen. Bei ausgetragenen Neugeborenen sind 
diese schon als Regel aufzufassen. Im ersten Lebensjahre finden sich 
schon in allen Fällen wachsende Follikel von recht beträchtlichen Größen¬ 
maßen; öfters treten zystische Bildungen zutage, und einmal konnten 
schon typische Corpora albicantia beobachtet werden. Im 2. Lebens¬ 
jahre sind ebenfalls immer wachsende Follikel mit Eiern vorhanden, 
die schon Reifungserscheinungen aufweisen, ferner typische Follikular- 
zysten und Corpora albicantia. Im 3. Lebensjahre finden sich weit in 
der Ausbildung vorgeschrittene und andererseits schon wieder zystisch 
degenerierte oder in Corpora albicantia umgewandelte Follikel. Die 
Primordialfollikel schwinden an Zahl, und das Stroma ovarii nimmt 
das Aussehen von dem in Ovarien Erwachsener an. In den weiteren 
Lebensjahren schreiten diese Verhältnisse in demselben Grade weiter 
vor, die Ovarien gleichen außer in den Größenverhältnissen fast ganz 
denen Erwachsener. 

Bei einem ausgetragenen Neugeborenen fand Verf. sogar einmal 
ein typisches Corpus luteum, doch hält er die völlige Reifung 
und das Platzen der Follikel in diesem Alter für eine Ausnahme; 
für gewöhnlich wandeln sich die Follikel allmählich durch Wucherung 
der Theca interna in Corpora albicantia um, oder sie degenerieren 
zystisch und stellen dann die sogen. Follikularzysten dar. Auf Grund 
seiner weiteren Befunde ist Verf. mit Gebhard der Ansicht, daß 
sowohl die epithelhaltigen als auch die epithellosen Zysten der De¬ 
generation von Follikeln ihre Entstehung verdanken, vorausgesetzt 
natürlich, daß nicht Exkreszenzen, leistenartige Vorsprünge, Wuche¬ 
rungen des Epithels usw. vorhanden sind, die für ein Neoplasma 
sprechen.“ Eine genaue Beschreibung der mikroskopischen Bilder 
(ohne bildliche Wiedergabe derselben) beschließt die fleißige Arbeit. 

Wegscheider. 

A. Gottstein, Zur Statistik der Totgeburten seit200 Jahren. 
(Zeitschr. f. soziale Medizin. März 1906. Bd. 1.) Verf. hat ältere und 
neuere Schriften von Breslauer und Berliner Statistikern (zu letzteren 
zählt er bekanntlich selbst) verglichen und kommt zu folgenden lehr- 
reichen Ergebnissen: „Seit dem Bestehen zahlenmäßiger Grundlagen 
(Ende des 17. Jahrhunderts) sind eine Reihe von Eigentümlichkeiten 
unverändert geblieben: das Überwiegen der Sterblichkeit bei den 
Knaben. und die größere Totgeburtenziffer bei den Unehelichen. Bis 
in die neuste Zeit scheint die Sterblichkeit auf dem Lande geringer 
gewesen zu sein. . . , Die Anzahl der Totgeburten überhaupt ist bis 
ca. 1870 ungleichmäßig, im ganzen aber nur unerheblich herab¬ 
gegangen. Seit dieser Zeit aber ist die Abnahme eine stetige und 
ganz erhebliche für Knaben und Mädchen, eheliche und uneheliche 
geworden.“ Gründe dafür sind die bessere geburtshilfliche Ver¬ 
sorgung durch Erhöhung der Zahl der Hilfskräfte (Hebammen) und 
ihre bessere Ausbildung, Hebung der Kultur, Abnahme der Geburten 
überhaupt. „Im ganzen ist die Abnahme der Totgeburten seit dem 
letzten Drittel des 19. Jahrhunderts eine Teilerscheinung der auch 


Digitized by Google 



II. Referate. 


241 


für fast alle anderen Altersklassen beobachteten Abnahme der Verluste 
durch den Tod.“ Wegscheider. 

Gerdes 9 Zur operativen Behandlung des muskulären Schief¬ 
halses. (Zentralbl. f. Chir. 1907. Nr. 6.) G. empfiehlt für die Be¬ 
handlung des muskulären Schiefhalses neben der Myotomie des 
Kopfnickers die Durchschneidung des Scalenus anticus. 

Fingerbreit über der Clavicula wird ein 5—6 cm langer Quer¬ 
schnitt angelegt, welcher über der Sehne der Sternalportion beginnt. 
Nachdem zunächst beide Kopfnickerstränge nahe ihrem Ursprung offen 
durchschnitten und auch die hinter ihnen liegende Halsfaszie bis 
zur völligen Freilegung der Vena jugularis durch trennt worden ist, 
wird mit einem Wundhaken der untere Bauch des M. omohyoideus 
nach oben außen, mit einem zweiten die Vena jugularis nach innen 
gezogen. Im Operationsfelde liegen nunmehr die Scaleni frei. Man 
erkennt deutlich die schräg über den Scalenus anticus von oben außen 
nach unten innen verlaufenden Nervus phrenicus als weißen Strang. 
Nach außen gibt der Plexus brachialis, der den Scalenus medius be¬ 
deckt, die Begrenzung. Unter sorgfältiger Schonung des N. phrenicus, 
des Plexus und der Jugularis wird der Scalenus anterior stumpf iso¬ 
liert und auf einem Elevatorium oder auf einer breiten Deschamps- 
schen Nadel kurz oberhalb der Arteria subclavia, die er bedeckt, 
durchtrennt Die Durchtrennung ist leicht ausführbar und von einem 
deutlichen Krachen begleitet. In der Tiefe der Wunde ist der Quer¬ 
fortsatz des 7. Halswirbels zu fühlen. Eine etwa vorhandene Cervical- 
skoliose ist nach der Durchschneidung beseitigt. Die kleine Wunde 
wird zunächst 48 Stunden lang tamponiert und soll dann durch Granu¬ 
lation heilen. Vom 4. Tage ab beginnt G. mit passiven und aktiven 
Bewegungen, die je nach Bedarf 3—6 Wochen fortgesetzt werden. Von 
Stützkravatten, fixierenden oder redressierenden Verbänden sieht G. 
vollständig ab. 

G. hat das Verfahren seit 1897 bisher in 11 Fällen mit bestem 
Erfolg zur Anwendung gebracht. Joachimsthal. 

Theophil Dieterle, Die Athyreosis, unter besonderer Be¬ 
rücksichtigung der dabei auftretenden Skelett Veränderungen, 
sowie der differentialdiagnostisch vornehmlich in Betracht 
kommenden Störungen des Knochenwachstums. (Unter¬ 
suchungen über Thyreoaplasie, Chondrodystrophia foetalis 
und Osteogenesis imperfecta.) (Virchows Archiv. Bd. 184. Heft 1.) 
Auf Grund der Untersuchung eigener Fälle und von Experimenten 
kommt D. zu folgenden Schlüssen: „Die kindliche Schilddrüse ist für 
die Entwicklung des Skelettes während des Fötallebens entbehrlich. 
Die Folgen des angeborenen Schilddrüsenmangels für das Knochen¬ 
wachstum treten ungefähr zur Zeit der Geburt auf und können durch 
die Anwesenheit der Epithelkörperchen nicht verhindert werden. Die 
Wachstumshemmung beruht auf einer gleichmäßigen Verzögerung der 
endochondralen und periostalen Ossifikation und führt zu proportio¬ 
niertem Zwergwuchs. Die Form- und Größenverhältnisse des Skeletts 
entsprechen ungefähr denen eines gleichlangen, normalen Kindes; die 
feinere Struktur dagegen nähert sich der des erwachsenen Skeletts. 

20 * 

loogle 


Digitized by 



242 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


Die Störung des Knochenwachstums ist eine der ersten und regel¬ 
mäßigsten Teilerscheinungen der athyreotischen Kachexie, d. h. einer 
dem senilen Marasmus ähnlichen allgemeinen Ernährungsstörung, und 
beruht auf einem Nachlassen der Blut- und knochenbildenden Tätig¬ 
keit des Markes. Die Knochenveränderungen sind nicht prävalierend, 
sondern nur ein Ausdruck der Schädigung sämtlicher am Knochen¬ 
wachstum beteiligter Gewebe; sie spielen also nicht die maßgebende 
Rolle bei der Wachstumshemmung, die ihnen die Hofmeistersche 
Theorie zuschreibt. Keine Form fötaler Skeletterkrankung kann auf 
Störung der Schilddrüsenfunktion zurückgeführt werden. Die Wachs¬ 
tumshemmung betrifft nicht, wie bei der Athyreosis, alle am Aufbau 
des Knochensystems beteiligten Gewebe gleichmäßig, sondern es liegt 
bei der Chondrodystrophie eine primäre Veränderung des Knorpels, 
bei der Osteogenesis imperfecta eine Funktionsstörung des Periosts 
und Endosts vor. Der aus diesen beiden pathologischen Prozessen 
resultierende Zwergwuchs stellt den mehr oder weniger ausgeprägten 
Typus der Mikromelie dar.“ Bennecke (Jena). 


Veszpr^mi, Beiträge zur Histologie der sogenannten 
„akuten Leukämie". (Virchows Archiv. Bd. 184. Heft 2.) V. teilt 
3 Fälle mit, die er auf Grund des übereinstimmenden Resultates der 
histologischen Untersuchung als „akute Leukämie“ bezeichnet. Der 
erste Fall betraf eine 43jähr. Frau, die wegen tertiärer Lues be¬ 
handelt wurde, geschwürige Prozesse auf der einen Tonsille und diffus 
verbreitete Hautblutungen erkennen ließ. Bei der Blutuntersuchung 
fanden sich 500000 Leukozyten, darunter in überwiegender Menge 
(86°/ 0 ) große unilokuläre Leukozyten. Der zweite Fall, der erst bei 
der Sektion als hierher gehörig erkannt wurde, betraf ein 2jähr. 
Mädchen, das im Halse und auf der Haut ähnliche Veränderungen 
wie Fall 1 erkennen ließ und als Diphtherie behandelt wurde. Der 
dritte, als Typhus behandelte Fall wurde bei einer 25 jähr. Frau be¬ 
obachtet. Wenn auch die Sektion die makroskopische Diagnose 
Typhus zu bestätigen schien, so fanden sich doch mikroskopische 
Veränderungen, die die Zugehörigkeit zu den beiden ersten Fällen 
gerechtfertigt erscheinen lassen. In allen Fällen fanden sich im 
Blute eigentümlich große unilokuläre Leukozyten, als deren Haupt¬ 
bildungsstärke das Knochenmark nachgewiesen wurde. In diesem 
konnte die selbständige und bedeutende, die sonstigen Knochenmarks¬ 
elemente vollkommen überwuchernde Vermehrung der genannten Zellen 
nachgewiesen werden, wobei auf Grund des histologischen Bildes 
nicht von einer lymphatischen oder lymphoiden Umgestaltung ge¬ 
sprochen werden konnte. Vor allem konnte kein retikuläres Gewebe 
nachgewiesen werden, sondern nur fleckweise reichliches, ein Reti¬ 
kulum vortäuschendes Fibrin. Auch in den übrigen Geweben bzw. 
Organen konnten diese Zellen produzierende Herde nachgewiesen 
werden, allerdings nicht so reichlich wie im Knochenmark. Überall 
fanden sich in wechselnder Menge Mitosen an diesen Zellen. Die 
Natur dieser Zellen, die nach V.s Ansicht aus dem Knochenmark 
verschleppt sich im Blute und in den Geweben vermehren können* 
ist wie auch die ganze Erkrankung selbst noch gänzlich unklar. Er 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


243 


neigt, nicht zuletzt wegen des Nachweises wirklicher Mengen von 
Fibrin im Knochenmark, der Ansicht zu, daß es sich um einen be¬ 
sonderen entzündlichen Prozeß handelt. Bennecke (Jena). 

1 Paul Karpa, Zwei Fälle von Dünndarmatresie. (Virchows 
Archiv. Bd. 185. Heft 2.) Der erste Fall betraf ein 4 Tage altes 
Kind, welches am letzten Tage schwärzliche Massen erbrochen hatte. 
Das Duodenum war 4,5 cm hinter dem Pylorusring vollkommen ver¬ 
schlossen, endete blind und wies am blinden Ende einen Gallengang 
auf, sowie ein Geschwür. Von dem Mittelstück des Duodenums fand 
sich nichts, nicht einmal ein fibröser Rest. Das Duodenum beginnt 
vielmehr erst wieder mit dem Einsatz des Ductus choledochus, der 
die typische Papille bildete. Der Befund wird als durch fötale Mi߬ 
bildung entstanden erklärt; die Mißbildung des Darmes soll die Ur¬ 
sache der Teilung des Ductus choledochus gewesen sein. 

Der zweite Fall betraf ein 3 Tage altes Kind, das seit der Ge¬ 
burt keinen Stuhlgang, auch nicht auf Einlauf gehabt hatte; per anum 
waren nur wenig weißlich-schleimige Massen abgegangen; wiederholt 
war Meconium erbrochen. Am zweiten Lebenstage Operation, bei der 
sich zwei blinde Darmenden im Gebiete des Duodenum fanden, die 
gänzlich voneinander getrennt waren; der zuführende Teil war mächtig 
durch Meconium gedehnt. Bei der Operation wurde der zuführende 
Teil entleert und eine Enteroanastomose gemacht. In diesem Falle 
wird als Ursache des Befundes eine in früher Embryonalzeit ent¬ 
standene Invagination des Dünndarms angenommen. Eingehende Lite¬ 
raturbesprechung. Bennecke (Jena). 

L. Bleibtreu, Scheinbare Makrochilie bei Hysterie. (Aus 
dem evang. Krankenhause in Köln.) (Münch, med. Wochenschrift. 
1907. Nr. 6.) Bei einem 13 jähr. Mädchen besteht seit etwa x / 4 Jahr eine 
eigenartige Veränderung an den Lippen. Dieselben erscheinen stark 
aufgeworfen und verdickt, wodurch der Mund Ähnlichkeit mit einem 
Schweinerüssel hat. Man dachte beim ersten Anblick an eine ent¬ 
zündliche Affektion, aber erkannte bald, daß ein nervöses Leiden 
vorlag. Keine Schrundenbildung, keine entzündliche und ödematöse 
Schwellung. Muskulatur der Lippen bretthart anzufühlen. 
Es lag eine Kontraktur derselben vor auf hysterischer Basis. 
Deutliche hysterische Stigmata zu konstatieren: totale rechtsseitige 
Hemianästhesie, Störungen des Muskelsinnes rechterseits, rechts ferner 
Aufhebung der Geschmacksempfindung und des Geruchsinnes, endlich 
rechts völlige Taubheit. Sonstige Kontrakturen fehlen. Die Dia¬ 
gnose wurde durch den weiteren Verlauf bestätigt. Bei faradischer 
und hydriatrischer Behandlung, kräftiger Ernährung usw. schwand 
nach einigen Wochen die Kontraktur vollkommen. Grätzer. 

Seefelder (Leipzig), Zur Prophylaxe der Blennorrhoe der 
Neugeborenen. (Münch, med. Wochenschrift. 1907. Nr. 10.) S. hat 
in den Monaten März bis Mai 1905 im ganzen 500 neugeborene 
Kinder in der Universitäts - Frauenklinik einer Augenuntersuchung 
unterzogen und dabei das Verhalten der Augen gegenüber den ein¬ 
geträufelten Lösungen — Argent. acet. 1 °/ 0 rechts und Argent. nitr. 
2°/ 0 links — sorgfältig beobachtet. In. keinem der mit Argent. acet. 


Digitized by 


Google 



244 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


behandelten Fälle trat ein Reizzustand auf, der zu den geringsten 
Besorgnissen Veranlassung gegeben hätte. Wir besitzen in dem 
Argent. acet. ein Mittel, welches in Bezug auf Intensität und Milde 
der Wirkung dem Argent. nitric. nicht nachsteht, vor diesem aber 
den großen Vorzug hat, auch wenn eine Verdunstung stattfindet, seine 
Konzentration nicht zu verändern, also unter allen Umständen un¬ 
schädlich zu bleiben. Grfttzer. 

Krömer, Operative Heilung eines Anus anomalus 
vulvovestibularis bei einem Säugling. (Aus der Univers.- 
Frauenklinik zu Gießen.) (Münch, med. Wochenschrift. 1907. 
Nr. 10.) K. operierte mit recht schönem Erfolg ein 7 l / 2 Wochen 
altes Mädchen. Über die Einzelheiten der Operation muß die Ori¬ 
ginalabhandlung, die auch drei anschauliche Bilder bringt, nach¬ 
gelesen werden. Grätzer. 

Colombo, Die Solidarität der verschiedenen physika¬ 
lischen Behandlungsmethoden bei einer rationellen Thera- 
peutik. (Zeitschr. f. physikal. u. diätet. Therapie. Bd. 9. Heft 12.) 
Der Verf. tritt dafür ein, daß die praktische Anwendung der physi¬ 
kalischen Therapie auf einer einheitlichen Basis organisiert wird. Dazu 
sind Institute nötig, die mit allen modernen Einrichtungen versehen 
sind. Die Hydrotherapie muß durch einen Saal mit Druckduschen 
vertreten sein, der mit allen Apparaten ausgerüstet ist, die zur An¬ 
wendung von allgemeinen und lokalen Duschen, verschiedener Art und 
Strahlen nötig sind. Für die Bewegungstherapie sollen Kabinette für 
manuelle Massage vorhanden sein, ferner ein Saal für mediko-mecha- 
nische Gymnastik und Hydrotherapie. Die Elektrotherpie verlangt 
das Vorhandensein elektrodynamischer Apparate für alle möglichen 
Ströme und elektrische Bäder. Sodann müssen Röntgenkabinette 
vertreten sein, ferner die für Wärmetherapie nötigen Hilfsmittel, 
pneumatische Kabinette sowie baineotherapeutische Agentien. 

.Freyhan (Berlin). 

Pregowski, Über schlafbefördernde Wirkung des vor¬ 
gewärmten Bettes. (Zeitschrift f. physikal. u. diätet. Therapie. 
Bd. 10. Heft 11.) Der Verf. hat, gestützt auf die Tatsache, daß 
Wärmflaschen im Bett bei schwer einschlafenden Kindern eine schlaf¬ 
befördernde Wirkung ausüben, versucht, zum Zwecke einer besseren 
Schlaferzielung eine Vorwärmung des Bettes vorzunehmen. Er er¬ 
zielte sehr gute Resultate; am besten gingen die Versuche vor sich, 
wenn das Bett vor dem Zubettgehen der Versuchsperson fühlbar 
warm gemacht wurde, und der Grad der Erwärmung zuerst allmählich 
herabgesetzt und später wiederum etwas gesteigert wurde. Bei einer 
zu großen Erwärmung des Bettes war die Wirkung ungünstig. Die 
Versuchspersonen schliefen dann nicht, schwitzten, wurden aufgeregt 
und bekamen Kopfweh. Am besten erwies sich eine Anfangstempe¬ 
ratur von 40° C. im Beginn und eine Temperatur von 35° C. nach 
Eintritt des Schlafes. Freyhan (Berlin). 

Sehalenkamp (Crombach), Ein Fall von Vergiftung mit dem 
Safte der Schoten von Cytisus Laburnum (Goldregen). 
(Therap. Monatshefte. Januar 1907.) 


Digitized by Google 



II. Referate. 


245 


Ein 2jähr. Kind, zu dem S. mittags um 1 Uhr gerufen wurde, hatte vor¬ 
mittags im Garten gespielt und zwischen 11 und V* 12 Uhr die Schoten angenagt. 
Um 12 Uhr beim Mittagessen wollte es nichts genießen und wurde schläfrig. Es 
stellte sich jetzt heraus, was das Kind im Garten getan hatte, und man fand auch 
fünf angenagte Schoten. Das Kind erhielt süße warme Milch, worauf etwas Er¬ 
brechen erfolgte. Sein Aussehen veränderte sich aber bedrohlich. Als S. es um 
1 */ 4 Uhr sab, war es völlig bewußtlos. Kornealreflex erloschen, Pupillen maximal 
diktiert, Puls 88, klein, flatterig, Atmung groß, in Absätzen, hin und wieder im 
Cbeyne-Stokesschen Typus, Temperatur subnormal, Haut kalt, klebrig. So¬ 
fort Magenspülung; es kam nur Schleim. Frottierung des Körpers mit Alkohol, 
innerlich Tokayer und heißer Kaffee. Pupille jetzt stecknadelkopfklein, Atmung 
röchelnd, tiefste Bewußtlosigkeit. Es wurde jetzt mit dem Magenschlauch eine 
Aufschwemmung groben Lindenkohlenpulvers eingegossen. Nach 5 Minuten 
kolossales Erbrechen mit Entleerung kopiöser Schleimmassen und Speiseresten. 
Das Erbrechen wiederholte sich noch 6 mal. Gleichzeitig mehrfache Darm¬ 
spülungen, Lagerung zwischen Wärmflaschen, Frottierung mit Alkohol, intern 
Tokayer und Kaffee. Um 4 Uhr Pupille wieder halb in Dilatation, Puls 108, 
kräftiger, Haut warm, Atmung nicht mehr röchelnd, nicht aussetzend, regel¬ 
mäßig. Um 5 Uhr wieder Erbrechen, worauf das Kind schreit. In der Nacht 
guter Schlaf. Am andern Morgen verlangt Patient Nahrung. Es bleibt Magen¬ 
reizbarkeit bestehen, sowie ein leichter, fieberhafter Bronchialkatarrh; beides ver¬ 
schwand in 8 Tagen. 

Der Fall zeigt die immense Giftigkeit des Goldregens bzw. 
seines Giftes, des Cytisins. Das Kind batte nur etwa so viel wie 
eine weiße Bohne genossen. S. schreibt den günstigen Ausgang der 
irritierenden Wirkung der Lindenholzkohlepartikelchen zu. Huse- 
mann empfiehlt Holzkohle zur Absorption des Cytisins; aber sie 
scheint doch nur dadurch zu wirken, daß sie kolossales Erbrechen 
hervorruft und so große Giftmengen entfernt. Jedenfalls müßte, wenn 
man den Goldregen nicht ganz ausrottet, jeder Besitzer auf die 
immense Vergiftungsgefahr aufmerksam gemacht werden. Grätzer. 


Sylla (Bremen), Behandlung diphtherischer und blennor- 
rhoischer Erkrankungen des Auges. (Therap. Monatshefte. 
März 1907.) S. teilt die Erfahrungen mit, die er bei diphtherischen 
Augenentzündungen mit heißen V 5 °/ 0 ig en Höllensteinlösungen 
gemacht hat. Diese Therapie hat sich hier ausgezeichnet bewährt, 
ebenso wie bei jenen Fällen von Conjunctivitis blennorrhoica, die mit 
brettharter Infiltration der Lider und profuser Sekretion einhergehen. 

Grätzer. 

L. Langstein, Bemerkungen zur Diagnose und Behand¬ 
lung der Cystitis und Pyelitis im Kindesalter. (Therapeut. 
Monatshefte. Mai 1907.) L. betont vor allem, daß die Prävalenz der 
Allgemeinerscheinungen bei Mangel lokaler Symptome bei einem 
großen Teil der Fälle von Cystitis und Pyelitis im Kindesalter — 
insbesondere bei denen, die Säuglinge betreffen — die Harnunter¬ 
suchung bei unaufgeklärten Krankheitszuständen im Kindesalter un¬ 
erläßlich macht. Unruhe, Blässe, Mattigkeit, Appetitlosigkeit sind oft 
die einzigen Symptome, fortwährendes Kränkeln, mangelnde Gewichts¬ 
zunahme, verdrießliche Stimmung, vor allem aber unaufgeklärte Fieber¬ 
zustände sollen den Arzt veranlassen, eine genaue Harnuntersuchung 
vorzunehmen. 

Von Medikamenten bei der Behandlung bevorzugt L. das Uro¬ 
tropin; Säuglingen gibt er von einer Lösung von 1—3 g in 100 g 
Wasser 3mal täglich 10 ccm in Milch, älteren bis 1,5 g pro die. 


Digitized'by 


Google 



246 


Ccntralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


Recht wirksam ist auch Salol; bei Säuglingen reicht er es 4 mal täg¬ 
lich zu 0,1—0,3 g, bei älteren Kindern zu 4 mal k 0,5. Besonders 
die Abwechselung zwischen den beiden Mitteln ist recht zweckmäßig. 

Grätzer. 

Schweckendieck (Lauenau), Ein Fall von traumatischem 
Diabetes mellitus. (Allgem. med. Central-Ztg. 1907. Nr. 1.) 

Am 15. Oktober bekam ein 6jäbr. Kind einen Fußstoß in die Nabelgegend 
und lag 10 Minuten mit großen Schmerzen am Boden. In der Nacht kolossaler 
Durst und große Mengen Urin. Tags darauf fand S. bei dem bis dahin gesunden 
Kinde: Blässe des Gesichts, Kälte der Extremitäten, Puls 60, Temp. 37,1°. Leib 
in der Nabelgegend und rechts von ihr empfindlich. Öfters Erbrechen. Harn 
spez. Gewicht 1020, frei von Eiweiß und Zucker (Ny 1 and er). 

Am 19. Oktober Harn spez. Gewicht 1030, 4 8 / 4 % Zucker, viel Azeton. 

Am 22. Oktober — die Symptome hatten bis dahin angehalten — Koma 
mit großer Atmung, Entleerung von schwarzem Blut mit dem Stuhlgang, einige 
Stunden später Exitus. 

* Es hatte entweder Blutung und ausgedehnte Nekrose des Pan¬ 
kreas oder eine Splanchnikus-Affektion Vorgelegen. Am 2. Tage, wo 
im Harn Zucker nicht gefunden wurde, handelte es sich vielleicht 
um unvollständige Spaltungsprodukte des Zuckers, welche auf Ny- 
1 and er 8 Reagens nicht reagierten. Grätzer. 

Aust (Nauen), Schule und Infektionskrankheiten. (Ärztl. 
Sachverständigen-Ztg. 1907. Nr. 3.) Nach seinen Erfahrungen hat 
die Schule einen sehr starken Einfluß auf die Verbreitung der In¬ 
fektionskrankheiten, so daß er es für eine unabweisbare Pflicht jedes 
Medizinalbeamten hält, alle gesetzlichen Mittel zur Unschädlich¬ 
machung dieses Hauptinfektionsherdes den Behörden in Vorschlag zu 
bringen. Zu diesen Mitteln gehört in erster Linie die rechtzeitige 
d. h.~frühzeitige Schulschließung. Grätzer. 


Daae, Primäre Ohrendiphtherie. (Zeitschr. f. Ohrenheilk. 
Bd. 52. Heft 3.) Noch seltener als die sekundäre Otitis media acuta 
diphtherica sind die Fälle primärer Ohrdiphtherie. Den zwei bis jetzt 
in der Literatur bekannten schließt sich der vorliegende als dritter 
an. Ein lljähr. Knabe erkrankte mit rechtsseitigen heftigen Ohr¬ 
schmerzen, die einige schlaflose Nächte verursachten. Die Unter¬ 
suchung ergab eine Injektion und Vorwölbung des rechten Trommel¬ 
felles, der Warzenfortsatz war an der Spitze druckempfindlich. Nach 
Parazentese in Chloroformnarkose und Einträufeln von 10 °/ 0 Karbol- 
glyzerin trat keine Besserung ein. Eitriger Ausfluß aus dem Ohr 
bestand nicht, es entleerte sich nur eine dünne, mit Blut gemischte 
seröse Flüssigkeit nebst einigen grau-weißen Fäden und Häutchen 
aus dem Gehörgang. Die bakteriologische Untersuchung der Mem¬ 
branen ergab Diphtheriebazillen. Kulturen vom Schleim der Nase 
und des Pharynx ergaben Kokken. Im Verlauf der Erkrankung 
wurde die Aufmeißelung des Processus mastoideus notwendig, auch 
in den Cell. mast, fanden sich zerfetzte Membranen. Es trat Heilung 
ein. Daß es sich in diesem Falle um primäre Ohrdiphtherie handelte, 
zeigt der Umstand, daß sich nur im Ohr klinische und bakterielle 
Symptome der Diphtherie fanden. A. Sonntag (Berlin). 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


247 


Koellreutter, Die Schwerhörigkeit der Neugeborenen als 
reine Störung im schallzuleitenden Teile des Ohres. (Zeitschr. 
f. Ohrenheilkd. 1907. Bd. 53. 2. u. 3. Heft.) Zur Sicherstellung der 
Frage, ob die Schwerhörigkeit von Kindern bis zum Alter von 14 Tagen 
auf die eigentümliche Beschaffenheit des schallzuleitenden Apparates 
allein, oder auf eine noch mangelhaft entwickelte Perzeptionsfähigkeit 
des schallempfindenden Teiles des Ohres zurückzuführen ist, unter¬ 
suchte Verf. 20 neugeborene Kinder mit den Stimmgabeln der Bezold- 
schen Tonreihe Subkontra C, c a , c 8 und dem Ton der Galtonpfeife 
c' 6 . Außerdem benutzte er als Schallquelle noch das sog. Cricri. Die 
Versuche wurden so ausgeführt, daß weder auf optischem noch taktilem 
Wege das Kind ein Beiz treffen konnte; eine eventuelle Reaktion des 
Kindes, die sich durch blitzartiges Zucken der Augenlider und Stirn¬ 
runzeln bemerkbar machte, wurde aus der Übereinstimmung von min¬ 
destens drei anwesenden Personen konstatiert. K. kam nun zu folgen¬ 
den Resultaten: das Cricri löste bei allen Kindern auch schon einige 
Stunden nach der Geburt stets eine deutliche Reaktion aus. Der 
Ton c 6 der Galtonpfeife löste ebenfalls bei allen Kindern 24 Stunden 
post partum eine deutliche Reaktion aus, diese blieb jedoch bei 1 / 4 
aller Kinder im Alter von 2 — 14 Tagen aus. Die tieferen Töne, 
Subkontra C, c 2 und c 8 lösten niemals eine Reaktion aus. Gerade 
die stets beobachtete Reaktion auf den Ton c 6 am ersten Lebenstage 
beweist nach den heutigen Anschauungen die Reizbarkeit des Aku- 
stikus, während das Nichthören der benutzten tiefen Töne auf eine 
Störung im schallzuleitenden Teile des Ohres zurückzuführen ist, für 
die ja auch die anatomische Grundlage gegeben ist. A. Sonntag. 

W. Junge, Ein Fall von Angiosarkom (Peritheliom) am 
Halse bei einem 7 Monate alten Kinde. (Inaug.-Diss. Kiel 1906.) 
Es handelt sich um eine hühnereigroße, gelappte, wie ein Lipom sich 
anfühlende Geschwulst im rechten unteren Halsdreieck, den Raum 
zwischen Clavicula, Trapezius und Sternocleidomastoideus ziemlich 
aasfüllend. Die Längsachse läuft parallel mit der Clavicula, etwa 
10—12 cm lang, ca. 5—6 cm breit; die Geschwulst anscheinend nicht 
schmerzhaft, verschieblich, aber nicht ganz angreifbar. Ca. 4 Wochen 
nach der Geburt war die Geschwulst walnußgroß. Der Arzt suchte 
sich durch Punktionen über den Inhalt des Tumors zu orientieren, 
doch war ihm die pathologisch-anatomische Bedeutung des Tumors 
unklar geblieben. Injizierte LugoIsche Lösung wurde regurgitiert. 
Beim Schreien wurde das Kind auffallend zyanotisch. Auf Druck 
Verkleinerung des Tumors, beim Nachlassen elastische Erweiterung, 
beim Schreien keine Vergrößerung. Exstirpation des Tumors durch 
Helferich bis auf einen 2—3 cm langen an der Grenze von mittlerem 
und äußerem Drittel der Clavicula nach unten gegen die Subclavia 
gehenden Zapfen, dessen Ende nicht zu fühlen ist. Auf Grund der 
mikroskopischen Untersuchung und der Vergleichung der Bilder mit 
den Beschreibungen und Abbildungen bei Dürck, Borst, Ribbert 
und Ziegler gelangt Verf. dazu, den Tumor als ein Peritheliom zu 
bezeichnen, gleichzeitig aber auch zu dem Urteil, daß es sich um 
einen nicht immer gutartig bleibenden Tumor handeln dürfte. Ist es 
schon nicht ausgeschlossen, daß der zurückgelassene Rest, durch die 


Digitized by 


Google 



.248 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


Operation angeregt, in ein expansives Wachstum übergeht, das zu be¬ 
drohlichen Erscheinungen durch Druck auf lebenswichtige Organe 
führen kann, so ist bei den im allgemeinen gutartigen endothelialen 
Geschwülsten nicht selten mit hartnäckigen lokalen Rezidiven zu 
rechnen, wenn man von der selteneren Möglichkeit absieht, daß ein 
Jahr lang gutartig verlaufenes Endotheliom plötzlich ein rascheres 
Wachstum, Zerfall, Metastasenbildung, kurz alle Erscheinungen einer 
höchst bösartigen Geschwulst zeigt. Aus all diesen Gründen bezeichnet 
Verf. die Prognose trotz Operation als zweifelhaft. Bei der Seltenheit der 
Endotheliome im Säuglingsalter hat Verf. die Literatur einer Durch¬ 
sicht unterzogen aber nur 3 Fälle gefunden, von denen jedoch nur 
einer einer genauen Kritik standhält; er betraf ein 16 Monate 
altes Kind. H. Netter (Pforzheim). 

E. Kalb, Über einen Fall von idiopathischer Herzhyper¬ 
trophie bei einem 6 Monate alten Kinde. (I.-D. München 1906.) 
Es handelt sich um eine angeborene idiopathische Herzhypertrophie 
mit Dilatation bei einem 6 Monate alten Knaben, für die weder anam¬ 
nestisch noch durch den Sektionsbefund ein genügender Grund ge¬ 
funden wurde. Vielleicht, daß durch die bei der Sektion gefundene 
Vergrößerung der Thymus der Raum im Thorax verringert wurde, 
und daß es dadurch zu einer Kompression der Lunge bzw. der Ge¬ 
fäße kam und so Widerstände für die Zirkulation des Blutes ent¬ 
standen, die eine Herzhypertrophie zur Folge hatten. Jedenfalls geht 
aus dem mitgeteilten Sektionsprotokoll und aus der mikroskopischen 
Untersuchung der betreffenden Organe hervor, daß eine Klappen¬ 
erkrankung, eine Nierenerkrankung und eine Degeneration des Herz¬ 
muskels ausgeschlossen werden können. Eine ärztliche Untersuchung 
hatte intra vitam nicht stattgefunden. Das Kind war nach Aussage 
der Mutter ein krankes gewesen, die Vergrößerung des Herzens hatte 
keine bemerkbaren Symptome gemacht. Einige Tage vor dem Tode 
hatte das Kind einen leichten Husten bekommen, am Abend vor dem 
Tod sollte es noch ganz munter gewesen sein. In der Nacht zwei¬ 
maliges Erbrechen und darauf, wie in einem vonHeubner beschrie¬ 
benen Fall, tödlicher Kollaps. Es ist also wohl die starke Muskel¬ 
anstrengung und der dabei erhöhte Blutdruck, wodurch dem ohnehin 
schwachen Herzen eine Arbeit zugemutet wird, die es in Anbetracht 
seines Zustandes nicht leisten kann und mit einem eventuellen Still¬ 
stand beantwortet. Das Herzgewicht betrug 62 g, nach der Sta¬ 
tistik von Vierordt fast 3 mal schwerer als die Norm, der linke 
Ventrikel fast so groß wie ein kleines Hühnerei, auch die übrigen 
Höhlen deutlich erweitert. Die Maße des Herzens sind folgende: 
Linke Ventrikelhöhle 6,0 cm Rechte Ventrikelhöhle 5,9 cm 

Linke Ventrikeldicke 0,9 „ Rechte Ventrikeldicke 0,3 „ 

Aortenumfang 3,1 „ Pulmonalumfang 3,4 „ 

Mitralis 5,8 „ Tricuspidalis 6,2 „ 

H. Netter (Pforzheim). 

Georg Brommer, Ein Fall von infantiler Pseudobulbär¬ 
paralyse. (I.-D. Erlangen 1906.) Längere Zeit hindurch in der 
Erlanger Kinderklinik beobachteter, zu der klassischen Form gehören- 


Digitized by 


Google 



II. Referate. 


249 


der Fall, dessen ausführlicher Beschreibung eine kurze Darstellung 
von 16, der klassischen Form angehörenden Fällen der Literatur vor¬ 
ausgeht, unter Ausschluß der Fälle, die neben einer hochgradigen 
allgemeinen Gliederstarre auch Beteiligung an Kau- und Schluck* 
muskulatur aufwiesen, somit zu dem als „Littleschen Krankheit“ be- 
zeichneten Symptomenkomplex gehören. Als 17. Fall reiht sich der 
B.sche Fall den Beobachtungen von Barlow, Binswanger, Oppen¬ 
heim, Bouchaud, Taussig, Sölder, Brauer, Kärmän, Alexejew, 
Halban, Feritz, Zahn und Kaufmann an. Kurz zusammen¬ 
gefaßt handelt es sich um ein Sjähr. Kind, das nach vollkommen 
normaler Entwicklung plötzlich mit 2 Jahren fieberhaft erkrankte 
und nach Ablauf dieser Erkrankung folgende Hauptsymptome zeigt: 
Lähmung der Zungen- und Pharynxmuskulatur, wobei hauptsächlich 
die willkürlichen Bewegungen erschwert erscheinen, während die reflek¬ 
torischen erhalten sind, Dysarthrie und Dysphagie, Salivation sowie 
leichte spastische Lähmung der unteren Extremitäten. Dabei nirgends 
Atrophie und Entartungsreaktion der gelähmten Muskeln, ebensowenig 
fibrilläre Zuckungen. Bemerkenswert an dem Fall ist die Mitteilung, 
daß der Bruder an der gleichen Krankheit gestorben sein soll. Man 
kann sich vorstellen, daß beide Brüder mit einem von vornherein 
disponierten Nervensystem (ob der mäßige Alkoholismus von Vater 
und Großvater dabei eine Rolle spielen, sei dahingestellt) zur Welt 
gekommen sind und daß deshalb gerade die nervösen Zentralorgane 
von irgend einer akuten Fiebererkrankung schwer ergriffen werden 
konnten. Dies faßt der Autor als Encephalitis auf, die nach kurzer 
Zeit abklang und zur Heilung kam. Die Residuen der Encephalitis 
jedoch blieben zurück, eine Anzahl zerstörter Rindenfelder mit allen 
Ausfallserscheinungen, die eine solche Gehirnläsion hervorruft. Was 
die Psyche des kleinen Kranken betrifft, so reiht sich der B.sche 
Fall, soweit sich dies aus dem Krankheitsbericht beurteilen läßt, 
Binswangers Fall an, bei dem Idiotie bestand. Was den Verlauf 
angeht, so ist der B.sche Fall gleich den meisten in seinen Haupt¬ 
symptomen seit der Aufnahme ziemlich stationär geblieben. 

H. Netter (Pforzheim). 


B) Aus ausländischen Zeitschriften. 


J. K. Friedjung (Wien), Über den Einfluß der Säuglings¬ 
ernährung auf die körperliche Rüstigkeit der Erwachsenen 
nebst Bemerkungen über Stilldauer. (Wiener klin. Wochen¬ 
schrift. 1907. Nr. 26.) F. hat in einem Arbeiterturnverein bei 155 
Turnern Nachforschungen angestellt und folgendes eruiert: Von 33 
guten Turnern waren 24 Brustkinder (= 72°/ 0 )> von 66 mittelmäßigen 
Turnern waren 44 (= 66°/ 0 ) an der Brust ernährt, von 56 schlechten 
Turnern nur 32 (= 57%)* 

Die größte Anzahl war nur 3 Monate gestillt; es scheint also im 
Volk die Meinung zu herrschen, eine weitere Zeit wäre die Brust¬ 
nahrung kein dringendes Bedürfnis mehr. Grfitzer. 


Digitized by 


Google 



250 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


Lucien Eiret (Paris), Remarques sur les courbes de poids 
et de tempörature dans les gastro-entörites infantiles. (Revue 
mens. des malad, de l’enfance. Fövrier 1907.) Der Verf. gelangt auf 
Grund seiner Untersuchungen zu folgenden Schlüssen. 

Die Wasserdiät ist die beste Methode für die akuten Erschei¬ 
nungen; sind dieselben binnen 24, höchstens 48 Stunden noch nicht 
zum Schwinden gebracht, so kann die Ernährung mit mehligen Ab¬ 
kochungen dieselbe ersetzen. Die Gemüsesuppen können die Ab¬ 
magerungsperiode hinausschieben, doch sind sie nicht imstande, die¬ 
selbe ganz aufzuheben. Ihre fortgesetzte Anwendung kann zu Er¬ 
scheinungen der Kochsalzretention in Verbindung mit schwerer 
Anasarka führen. Das Aufnehmen der Ernährung mit Buttermilch 
bewirkt fast immer eine mehr oder weniger hohe Temperatursteigerung, 
das Buttermilchfieber, welche um so leichter ist, je später man nach 
dem akuten Stadium mit der Buttermilchernährung begonnen hat. 

Die Abmagerungsperiode kann sich lange Zeit über die klinische 
Heilung der Krankheit verlängern und sogar zu einem kachektischen 
Zustande führen, manchmal mit Auftreten eines pseudo-addisonschen 
Syndroms. 

Im Krankenhause muß man bei schweren Gastro-enteritiden immer 
auf sekundäre Infektionen gefaßt sein, die um so schwerer sind, je 
schwächer das Kind ist. Diese Infektionen können zum Tode durch 
Septikämie führen, oder, in leichteren Fällen, lokale Eiterungen be¬ 
wirken, durch welche die Rekonvaleszenz verzögert wird. 

Die Gewichtszunahme in der Rekonvaleszenz kann durch jedwedes 
Regime erzielt werden; am günstigsten wirkt die Ernährung an der 
Mutterbrust auf die Kinder ein, doch ist es in gewissen Fällen vor¬ 
teilhaft, zu Mehlabkochungen oder zu rohem Fleische zu greifen, 
welche namentlich in jenen Fällen gute Resultate geben, wo Into¬ 
leranz für Milch besteht. 

Es gibt aber Fälle, in welchen das Kind unter jedweder Er¬ 
nährung immer mehr und mehr abnimmt und wo fieberhafte Tempe¬ 
raturschwankungen ohne sichtbare Veranlassung auftreten. In der¬ 
artigen Fällen handelt es sich fast immer um Tuberkulose. 

E. To ff (Braila). 

GL Sicard, L’hydrocele communicante tuberculeuse. 
(Revue mens, des malad, de Tenfance. Mars 1907.) Der Verf. hat 
zwei Fälle von doppelter kommunizierender tuberkulöser Hydrokele 
beobachtet und schildert in einem längeren Aufsatze diese nicht sehr 
häufige Krankheit. In beiden Fällen handelte es sich um isolierte 
Tuberkeln, ohne entzündliche Reaktion der Umgebung, und in beiden 
bestand gleichzeitig tuberkulöse Peritonitis. Es ist nicht anzunehmen, 
daß die Hydrokele primärer Natur war, sondern vielmehr, daß die¬ 
selbe nur den Ausdruck des Übergreifens einer tuberkulösen Peri¬ 
tonitis auf den vagino-peritonealen Kanal darstellte. In klinischer 
Beziehung ist aber die kommunizierende tuberkulöse Hydrokele oft 
die erste Erscheinung einer tuberkulösen Peritonitis, und daher ist 
die Diagnose derselben von besonderer Wichtigkeit. Oft bestehen 
durch längere Zeit keinerlei sonstige Symptome der Peritonitis. 


Digitized by 


Google 



U. Referate. 


251 


Der operative Eingriff ist in allen derartigen Fällen anzuraten, 
um so mehr, als durch denselben eine gewisse Quantität aszitischer 
Flüssigkeit entleert wird und auf diese Weise in ähnlicher Art auf 
die tuberkulöse Affektion des Bauchfelles eingewirkt wird, wie durch 
eine mediane Laparotomie. E. Toff (Braila). 

Froelich (Nancy), Tumeur congenitale de la grande levre 
droite. (Revue mens, des malad, de l’enfance. Mars 1907.) Das 
betreffende, 5jährige Mädchen hatte bei der Geburt eine faustgroße 
Geschwulst des rechten Labiums; dieselbe vergrößerte sich stetig und 
erreichte endlich den Umfang eines Kindskopfes. Dieselbe war von 
rotblauer Farbe, von Haut bedeckt, auf welcher sich zahlreiche warzige 
Gebilde vorfanden, und dehnte sich, mit breiter Basis fest aufsitzend, 
sowohl über die Symphise, als auch über die ganze rechte Inguinal¬ 
gegend aus. In der linken Leistenbeuge waren mehrere, bis haselnu߬ 
große, harte Drüsen zu fühlen. Die Untersuchung der Lungen ergab 
eine Infiltration der rechten Lungenspitze. Der Verf. stellte die Dia¬ 
gnose auf Dermoidzyste und beschloß die chirurgische Entfernung der¬ 
selben, trotz des schlechten Allgemeinzustandes des Kindes und trotz 
der Möglichkeit, daß eine maligne Entartung nicht auszuschließen war. 
Es war aber vorauszusehen, daß bei zuwartendem Verhalten das Kind 
mit Sicherheit verloren war. Die Ablation ging ohne besondere 
Schwierigkeit vor sich, doch mußten zum Decken des großen Sub¬ 
stanzverlustes Hautteile vom Bauche und Schenkel herangezogen 
werden. Obzwar an einer Stelle Eiterung eintrat, konnte doch Heilung 
erzielt werden. 6 Monate später war die kleine Patientin vollkommen 
wohl, hatte guten Appetit und erholte sich rasch. Auch die Tuber¬ 
kulose scheint nach Entfernung der zehrenden Geschwulst zum Still¬ 
stand gekommen zu sein. E. Toff (Braila). 

Ch. Vlannay et Ch. Bonrret (Lyon), Rötröcissement in- 
franchissable de Toesophage; gastrostomie; cathötörisme 
rötrograde; guörison. (Revue mens, des maladies de l’enfance. 
Mars 1907.) Geschwüre der Speiseröhre infolge von Scharlach ge¬ 
hören zu den seltenen Vorkommnissen; noch seltener sind Verenge¬ 
rungen der Speiseröhre infolge narbiger Kontrakturen, die sich auf 
Grund solcher Geschwüre entwickelt hatten. Die Verff. hatten Ge¬ 
legenheit, einen solchen Fall zu beobachten und auf operativem Wege 
zur Heilung zu bringen. 

Es handelte sich um einen 6 jährigen Knaben, welcher 6 Monate 
früher eine ziemlich schwere Skarlatina durchgemacht hatte; 15 Tage 
später trat eine gewisse Behinderung beim Schlucken auf, welche immer 
zunahm, derart, daß das Kind schließlich auch keine Flüssigkeiten 
mehr zu sich nehmen konnte. Die Ösophagoskopie ergab eine große 
Dilatation des Ösophagus oberhalb einer außerordentlich verengten 
Stelle, durch welche auch die feinste Sonde nicht durchgeführt werden 
konnte. Die Entfernung derselben von den Schneidezähnen betrug 
27 cm. Es wurde die Gastrotomie ziemlich an der Cardia vor¬ 
genommen und dabei versucht, in retrograder Weise den Ösophagus 
zu sondieren. Nach mehrfachen Versuchen gelang dies, nachdem man 
eine steife, vorne offene Sonde eingeführt und durch das Lumen der- 


Digitized by 


Google 



252 


Centralblatt für Kinderheilkunde. No. 7. 


selben eine andere, sehr feine in die striktnrierte Stelle gebracht hatte, 
ähnlich wie man dies bei schwer durchdringlichen Harnröhrenstrikturen 
Yornimmt. Mit dieser Sonde wurde ein dicker Seidenfaden durch¬ 
geführt und liegen gelassen, indem das eine Ende beim Munde, das 
andere bei der Magenöffnung herausragte. Angeknüpft an denselben 
konnten im Laufe der Zeit immer dickere Sonden durchgezogen 
werden, so daß man endlich dazu gelangte, die Sonde Nr. 28 anstands¬ 
los durchzuführen. Der kleine Patient konnte anstandslos jedwede 
Nahrung zu sich nehmen, nur große Fleischbissen gingen mit einiger 
Schwierigkeit durch, und wurde auch später zweitweilig sondiert; in¬ 
zwischen hatte das Körpergewicht um 9 kg zugenommen. 

E. To ff (Braila). 

A.-B. Marfan (Paris), Nouveau procödö de dötubage par 
expression digitale. (Revue mens, des malad, de Tenfance. Mail907.) 
Zur Extraktion der Intubierungskanüle sind mehrere Methoden ange- 
gegeben worden, von denen jede gewisse Vorteile und mancherlei 
Nachteile hat. Am einfachsten erscheint jene, die Kanüle mit einem 
Faden zu befestigen und denselben auf der Wange mit etwas Kollo¬ 
dium zu befestigen. Doch reißen die Kinder sehr oft den Faden 
los, zerbeißen denselben und im Augenblick der Gefahr, dann, wann 
man die verstopfte Kanüle rasch entfernen muß, kann man die Ex¬ 
traktion nicht vornehmen und muß zur Zange greifen. 

Die instrumenteile Entfernung der Kanülen mit der rigiden Zange 
von O’Dwyer bietet auch oft bedeutende Schwierigkeiten dar, ja, 
man kann sogar sagen, daß mitunter die Entfernung der Röhre mit 
größeren Schwierigkeiten verbunden ist, als die Einführung. 

Am einfachsten würde die Detubierungsmethode von Bayeux 
erscheinen; das Kind sitzt auf dem Schoße eines Gehilfen mit leicht 
nach vorne geneigtem Halse; der Operateur drückt mit der linken 
Hand den Kopf nach rückwärts, während er mit der rechten den Hals 
umgreift, derart, daß der Daumen auf die Trachea zu liegen kommt, 
und zwar auf dem unteren Ende der Kanüle. Während nun der 
Kopf des Kindes nach vorne gebeugt wird, drückt der aufgelegte 
Daumen die Kanüle nach oben und enukleiert sie gleichsam auf 
diese Weise. Sie gelangt in den Rachen und wird nun ausgespuckt 
Auch diese Methode hat gewisse Nachteile, namentlich den, daß sie 
bei Anwendung langer Kanülen kaum ausgeführt werden kann, und 
außerdem gelangt die Kanüle oft hinter den weichen Gaumen und 
muß von hier erst nachträglich und mühsam mit einer Zange ent¬ 
fernt werden. 

Der Verf. hat nun eine andere Methode der digitalen Ex- 
primierung angewendet und gefunden, daß dieselbe allen anderen 
überlegen ist und sowohl bei langen, als auch bei kurzen Kanülen 
gute Resultate ergibt. Um dieselbe vorzunehmen, wird das zu detu- 
bierende Kind auf einem Tisch auf den Bauch derart gelegt, daß 
Kopf und Hals die Kante überragen; ein Gehilfe fixiert dasselbe in 
dieser Stellung. Der Operateur hält nun den Kopf des Patienten 
mit der linken Hand, derart, daß er die Stirne umgreift, den Daumen 
auf die rechte Schläfe und die übrigen Finger auf die linke Schläfe 
legt. Mit seiner rechten Hand umgreift er nun derart den Hals, daß 


Digitized by 


Google 



IL Referate. 


253 


die Volarfläche der Spitze des Zeigefingers auf die Luftröhre zu liegen 
kommt und hier das untere Ende der Kanüle fühlt und fixiert, 
während der Kopf des Kindes etwas in die Höhe gehoben wird und 
zwar um so mehr, je länger die Kanüle ist. Hierauf wird der Kopf 
leicht nach vorne gebeugt und die Kanüle mit dem Zeigefinger nach 
oben (vorne) gedrückt Dieselbe gelangt in den Mund und fällt in 
eine untersetzte Schüssel. 

M. hat nach seiner Methode sowohl die kurzen Kanülen von 

Sevestre, als auch seine eigenen mittlerer Größe, sowie auch die 
langen von O’Dwyer immer mit Leichtigkeit entfernen können. Nur 
die Kanülen von Froin boten einige Schwierigkeiten dar, konnten aber 
auch immer entfernt werden. E. Toff (Braila). 

Victor Vean (Paris), Les fibro-sarcomes du cou extra- 
pharyngiens. (Archives de möd. des enf. Jan